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Fortsetzung 18'

(Nachdruck verboten.)

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nähme der Vorlage sollte keine Verschleppung ganzen Angelegenheit bedeuten, sondern war

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bürgermeister Mecum Halt gemacht, wenn Wurzeln durch Steine und Zement das gleichwohl recht erschwert hat.

Für das Anbringen von Gedenktafeln

Der Klostermüller.

Eine Erzäl)lung von Karl Neurath.

** Abonnements - Konzerte.

Arrs Stadt rind Land.

Gießen, den 4. August 1920.

Besoldung der städtischen Beamten in Gießen.

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L. U. VonderLandes-Universi- tat. Dem Assistenzarzt an der Klinik für psy­chische und nervöse Krankheiten an unserer Universität, Dr. HeinrichFischer, wurde die venia legendi bei der medizinischen Fakul­tät für das Fach der Neurologie und Psychi­atrie erteilt. Ferner wurde dem Herrn Dr. phil. Erich Stern die venia legendi bei der philosophischen Fakultät für das Fach der ex­perimentellen Psychologie und experimentel­len Pädagogik erteilt.

**DieFischpreise sollen, wie uns mitge­teilt wird, in dieser Woche wieder gestiegen sein. Als Grund wird Kohlen- und Eisknappheit ange­geben, wodurch die Fischdampfer nicht ausfahrens konnten.

** Schuhe (Volkswohlstiefel) für Kinder, Burschen und Frauen zum Preise von 3680 Mark können auf dem Lebensmittelamt bis spä­testens 10. August bestellt werden. Näheres siehe Anzeigenteil.

** Dausnummeränderung. Bisher wurde der nach der Goethestraße gelegene Teil der Bruch st raße als Hinterhäuser der Lud- wigstraße bzw. Nebenhäuser der Goethestraße be­zeichnet, wodurch man sich schwer orientieren

überzeugt, daß diese Herren schon aus Liebe zu ihrer Heimat und aus Kunstsinn ihre Sta^n hülfe gern in den Dienst der guten Sackte stellen. Vielleicht geben diese Zeilen Anregung zu einer Aussprache, sowie dazu, daß intereisrerte Gemeinde­vertretungen sich vor ihrer Beschlußfassung von dem Ständigen Rat zur Pflege der Kunst in Hessen beraten und geeignete .Herren zu ersprieß­licher Mitarbeit ongeben lassen.

Verbot deH Abbruchs von Ziegeleien.

Da besonders in letzter Zeit wiederholt der Erlaß eines Verbots für Abbruch von Zie­geleien gefordert wurde, veröffentlicht der hes­sische Staatskommissar für wirtschaftliche De­mobilmachung erneut die Bekanntmachung über Baustoffbewirtschaftung vom 14. April 1920. In dieser Bekanntmachung heißt es u. a.: Ringofenziegeleien irrt Freistaat Hessen dürfen ohne vorherige schriftliche Genehmi­gung nicht abgebrochen oder sonstwie durch Veräußerung unersetzlicher Zubehörteile zur Betriebsausnahme außerstand gesetzt werden. Zuwiderhandlungen können mit "'Gesang nie bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zu 100 000 Mark bestraft werden. Außerdem kann bestimmt werden, daß die Ziegelei aus Kosten der Zuwiderhandelnden in den frühe­ren Zustand wiedcrhergestellt wird.

Drucksachen und Briefe.

Drucksachen werden jetzt wegen der hohen Gebühren für Briefe naturgemäß mehr als früher an deren Stelle verschickt. Das Reichs­postministerium glaubt sogar, daß die Versen­der sich nicht immer an die bestehenden Vor­schriften in dieser Beziehung halten. Weide Kreise des Publikums seien bestrebt, Sendun­gen als Drucksachen gegen ermäßigte Gebühr zu verschicken, die den Bestimmungen für Drucksachen nicht entsprechen. Namentlich werde vielfach versucht, Schreibmaschi­nendurchschläge als Drucksachen zu ver­senden. Die Postanstalten sind deshalb ange­wiesen worden, die Bestimmungen über Druck­sachen sorgfältig zu beachten. Natürlich sind nach wie vor Drucksachen zulässig, die mit der Schreibmaschine geschrieben, aber nachher ver­vielfältigt sind. Die Aufgabe-Postanstalten sol­len nötigenfalls von dem Absender Nachweis über die Vervielfältigung verlangen.

Lebensmittel.

** .Käseausgabe. Am Donnerstag den 4. August wird in den Verkaufsstellen der Mol­kerei Grieb, Lindenplatz und Schanzenstraße, an die Bezirke 2 und 10 Käse ausgegeben. Auf einen Anteil entfallen etwa 100 Gramm. (Preis 6.40 Mk. das Pfund.)

* Städt. Seefifchmarkt. Morgen, Donnerstag, früh trifft wieder eine Sendung febndfrischer Nordseesisäfe (Kabliau, Seelachs und Schellfisches ein. Der Verkauf beginnt um 8 Uhr in den Marktlauben.

Veranstaltungen.

Mittwoch, 4. Ang.: Restaurant Sauer, 6 Uhr, Mitgliederversammlung des Verbandes der Buveaubeamten und Angestellten bei den Staats­und Reichsbehörden. Hotel Einhorn, 85/4 Uhr, Gastspiel Buchwald. Lichtspieltheater wie gestern.

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vewnderc die der technischen Beamten, durch dre Vorlage sich benaästeüigt fühlten. Nach^m trotz allem zur Erledigung dec Vorlage erne Stadtver­ordnetensitzung auf Samstag anberaumt worden war, glaubten wir, an diesem Termm fefthatten zu müssen, da eine Anzahl von Stadtverordneten, die verreist waren und am Samstag anweienn fein wollten, nicht mehr von der Verlegung aus Freitag vormittag, die erst am Donnerstag .abend gegen 9 Uhr bekanntgegeben wurde, benachrichtigt werden konnte. Was die Gehaltssätze der Vorlage selbst anbetrifft, so stimmten wir ihnen zu, soweit sie mit der staatlichen Besoldungsordnung uber- einstimmten. Durch Anträge unserer .Fraktion ist sogar eine An zähl unterer Beamten in hoh.re Gehaitsgruppen eingerecht worden, insofern dies nach den staatlichen Grundsätzen möglich nmr. ^>e schwersten Bedenfen aber mußten wir erheben gegen düe im Gegensatz zur staatlichnr Regelung ohne jeden Grund erfolgte Einreihung einzelner witt- lerer Beamten in die Gruppen 911. Hierdurch wurde sowohl unser Widerspruch gegen die en bloc-Ltnnähme der Vorlage veranlaßt als auch die Anträge unseres Fraktionsvorsitzenbcn, die im Be­richte des Gießener Anzeigers als g^vunichte Ab- änderuiigeii erwähnt werden. Diese Anträge Nutz­ten sich auf die Verfügung des h^sücheii Mmi- sferiums dec Finanzen vom 18. Mar 1920, in der der Herr Oberbürgermeister erficht wurde, sich bei der städt. Besoldungsreform eng im Rah­men der staatlichen Sätze und gesetzlichen Befmn- mungen zu halten, weil die Gewährung von Zu- toüfien aus dem demnächit zu bildenden <vteuer- Ausgleichsstock davon abhängig gemacht tverdm müsse, daß die Gemeinden keine höheren Gefeilts- und Lohnsätze bewilligten als der otaat. Gur en Widerspruch zu dieser Verfügung erblrck-en wir z. B. darin, daß Ävei siMische mittlere Beamtm, die nach der staatlichen Besolvnngsordnung hoch- stens in Gnippe 9 gefiDrninen wären, in Gruppe 11 eingereiht und damit in ihrem Gehalt or^ntlrchcn Pwfesforen der Landes-Ilniversität, den Ober-Re- gierungsräten bei den Provinzialdirektion und ahn- lichen höheren Staatsbeamten gleichgestellt wurden. Ter Hinweis auf das Borgchm anderer he| fischen Städte kann für uns nicht maßgebend sein. Für uns kamen außer der erwähnten Verfügung des Finanz-Ministeriums nur die Interessen und die Steuerkraft unserer eigenen Stadt in Betracht Tenn nach jener Verfügung ist zu befürchten, daß die Städte, die durch das Hinausgr'hen über die staatlichen Sätze verursachten Mehrkosten durch be­sondere Besteuerung i'l/rer Bürger werden aufbrin­gen müssen, ein Umstand, der für die Stadt Gießen um so bedenklicher erscheint, da mir hier so wie so schon mit einem stMisckfen Fehlbetrag von, etwa 10 Millionen rechnen müssen. Ob imr hierfür vom Staate dolle (Deckung erhalten werden, er­scheint uns fehr fraglich.

Denkmäler für Gefallene.

Erfreulicherweise schreiten verschiedene Ge­meinden dazu, ihren Gefühlen für die Gefallenen ihres Ortes durch Errichtung eines Denkmals in irgend einer Form sichtbaren bleibenden Aus­druck zu verleihen. Natürlich besteht bei Allen der Wunsch, die Ehrung in einer würdigen Weise zum Ausdruck zu bringen unter Berücksichtigung dec örtlichen Verhältnisse und der zur Verfügung stehenden Mittel. Ob nun eine Baumgruppe ge­pflanzt, eine Tafel mit den Namen der Ver­storbenen angebracht oder ein künstlerisches Denk­mal gesetzt wird, in allen Fällen sind der Platz und die den örtlichen Verhältnissen anzupassende Ausführungsweife von ausschlaggebender Beden- timg. Jedem Wanderer werden sich Baumgruppen, die einer Kirche oder einer Häusergruppe den richtigen Hintergrund oder dem ganzen Orte, einer bestimmten Gegend ein besonderes Gepräge geben, unauslöschlich einprägen. Wir erinnern nur an die gewiß vielen Lesrn bekannten Kastanienbäumen vor der Brücke am Eingänge zu Ortenberg, deren Anblick zur Blütezeit jeden Beschauers Herz höher schlagen lassen, an die Baumgruppe bei der Kapelle in Aulendiebach, in die Baumanlagen bei Kon- radsdorf. die schon aus der Ferne den Blick auf sich 1 euren, wie die herrlichen Gruppen in der Talmulde bei Eisenbach rmd an der Berglehne südlich von Sichenhausen. Vor den beiden Ka- stanienbäumen seitlich unseres Theaters hat selbst der nüchterne, auf das Praktische bedachte Ober-

Vom Torf ^herüber rief schon die Bef Per­glocke. und alles war wie ausgestorbm. Lautlose Stille war um die Mühle; nicht einmal die Tauben ruksten. Der Müller hatte sich beim Klang des Angelos bekreuzt und betete stumm. Noch einmal überdachte er sein ganzes Leben durch all die Jahre und empfahl seine arme Seele der Gnade seines Gottes. Der war ja gerecht, der allein hatte ihn nie verlassen; der würde ihm auch beistehen beim Letzten und Schwersten.

Tränen hingen ihm an den Wimpern, wie er so überlegte, was aus ihm geworden war im Laufe der Jahre; wie er gestürzt war aus all seinem Glück und all seinem Frieden in Schmerz und Gram und Verzweiflung.

Er hatte sich auf einen Mehlsack gesetzt und starrte vor sich hin. Die Stille, die um ihn war, tat ihm wohl. Im schwebenden Mehlstaub lagen glitzernde Sonnenbänder.

Plötzlich scholl das Boxen eilender Hufe an sein Ohr und gleich darauf krachte das Tor unter wuchtigen Axthieben. Er fuhr auf und straffte die Muskeln. Fest lag die Flinte in feiner Hand.

Nun gings aufs Letzte!

Lange widerstand das Tor, ehe es splitternd und krachend zusammenbcach, und den Weg in den Lof fteigab. Kaltblüttg schoß der Müller aus hie Gendarmen, die erbittert herangestürmr waren, und nun ratlos vor der Barrikade standen, die aus

Donnerstag, abends 8 Uhr, findet das 9. Abon- nementskonzert der Regimentskapelle statt. Ober­musikmeister Löber hat das Pcogvam aus Ope- vettenschlagern zusammengestellt.

** Der Verein ehemaliger 116er veranstaltet am Sonntag, 8. Aug., nachm. 3 Uhr, auf derSchönen Aussicht" ein Sommerfest.

die in der Eingangshalle des alten Rathauses zu Gießen gut eingvordneten Bvonzetafeln als würdi­ges Beispiel angeführt fein. Gute Denkmäler und Brunnen älterer und neuerer Herkunft finden wir in vielen deutschen Städten, nur nicht in Berlin, abgesehen von einigen rühmlichen Aus­nahmen.

Was die einzelnen Orte als bleibende Ehrung für ihre gefallenen Krieger unternehmen, wollen, mögen sie bestimmen. Nur über dasWie" sollte nicht kurzer Hand Beschluß gefaßt werden, das bedarf eingehender Prüfung, Ueberlegung und Be­ratung durch Sachkundige, deren Blick geschärft und deren Geschmack geläutert ist, die auch mit den örtlichen Verhältnissen, der heimatlichen Bau­weise eng vertraut sind.

In erster Linie kämen da woU die Tenk- malspfleger und die Kreisbauinspektoren oder an­dere heimatliche Künstler in Betracht. Wir sind

tionen bleiben die am meisten unter den Lasten des Krieges gelitten haben. Ter Völkerbund wird, so umgewandelt und vervollständigt, das na­türliche Werkzeug abgeben sür die not­wendige Umwandlung des Frie­dens von Versailles in einen ge­rechten unddauer haften Frieden.

hzaltend an den ®runb)'ät>en der Wiedergutmachung wird sich eine gerechte Anwendung ermöglichen lassen in der Art, daß den Völkern Mittel­europas die Mittel gegeben tverden, um sich im gemeinsamen Interesse der ganzen Welt wieder zu erholen. Auch sind die Landesgrenzen die durch.den Friedensvertrag endgültig feügelogt worden sind, durch Grenzen zu ersetzen, die den ausgesprochenen Wünschen der Bevölkerung Reck>- nung tragen. Ter internationale Sozialisten Kon­greß fordert die sozial i> tischen Parteien der ein­zelnen Länder auf, alle Anstrengungen darauf zu richten, daß den Delegierten in die gegeNivarttgen Organisationen des Völkerbundes Ern gang verlckfefft werden tarnt, um aus diese Weise die innere Zu- samniensetzung des Völkerbundes zu andern und dessen Befugnisse zu etnxitcrn und um Garantien zu schaffen für die Sicherheit und Ueberrinürmmung der Völker, die glllchmüßig an der Erhaltung des Friedens interessiert sind. In einem fe geltdjerten Friedenszuslcmd Wirb das Weltpvoletariat, befreit von dem Alpdrücke des Krieges trnh von her Gettzel der Rüstungen, seine Anstteiigntigen für dre voll­ständige Befreiung bis zum endgültigen Siege fort-

Genf, 3. Aug. (WTB.) Troelstra (Hol- Sand) kritisiert die Resolution, die gestern mitgeteilt wurde, als zu wenig sch a r f gefaßt gegen den Völkerbund. Stau - hing (Dänemark) übt ebenfalls scharfe Kritik an dem Verttag von Versailles und am Völker­bund und erklärt, daß die nationale Uneiuigfett heute größer ist denn je. Bernstein (Teutsch- lanb) erklärt, daß der Vertrag von Versailles für die Deutschen eine große Enttäuschung bedeute, weil die Miiertetr der beutfdxn Republik gegen­über dieselbe Stellung einnehmen wie früher gegen das kaiserliche Deutschland. Wenn man von Deutschland als von einer Verbrechernation spricht, so muß demgegenüber festgestellt werden, daß es keine Nationen von Verbrechern gibt, sondern daß Irrtümer und Verbrechen in allen Nationen begangen werden. Bernstein empfiehlt sodann die Resolution der Kommission zur Annahme. (Star­ker Beifall.) .

IJN der Nachmittagssitzung wurde die Ver­legung des Genervlsekretariats nach London be­schlossen.

Der internationale Lozialistentongreh.

Genf, 3. Aug. (Wolff.) Die Kommission für den Völkerbund schlägt folgerte Reso­lution vor: Der internationale Sozialisten­kongreß stellt fest, daß der Vertrag von Ver­sailles und die Verträge, die diesem Vertrage gefolgt sind, die Welt in einem Zustande der Un­sicherheit und Zerrissenheit gelaufen haben, in einem viel unruhigeren Zustande als vor dem Kriege 1914. Dieser Zustand führt zum Weiter- bestehen und zum Wachstum des Militarismus mit allen Gefahren eines Krieges. Die arbeitenden Klassen, die das Interesse des Friedens nicht mit Feindseligkeit und Gleichgültigkeit behandeln, haben die Verpflichtung, das Ungenügen und die Fehler des Völkerbundes llarzustellen, dessen verdam­mungswürdigster Fehler die durch den Art. 12 des Vertrages erfolgte Anerkennung des Rechtes auf Krieg ist. Der Völkerbund kann nur die tat­sächliche Sicherung des Friedens fein, wenn er zu einem internationalen demokratischen Organismus wird, der alle Völker ohne Ausnahme zusammenfaßt. Dank seiner demokratischen Ver­fassung soll er sich .als fähig erweisen, den ein- gegangenen Verpflichtungen nachzukommen, die von dem Luzerner Kongreß festgelegt worden sind: Es mußten ihm die Mittel und die Kontrolle ge­geben werden, durch eine internationale Polizei die allgemeine Entwaffnung der Völker zu Wasser und zu Lande durchzusetzen. Aber es genüge nicht, daß der Völkerbund eine demokra­tische Verfassung habe, sondern durch die Wahl des aussührenden Rates müsse eine gerechtere Ver­teilung der .Kriegslasten eintreten, die nicht ohne Ungerechtigkeit zum größten Teil Lasten der Na--

Er hörte dumpfe Schläge an dem Hinteren Eingang und sah gleich darauf einen behelmten Kopf vorsichtig über die Mauer lugen. Kaltblütig hol er die Flinte und drückte ab, kaltblütig lud er wieder. Verhaltenes Stöhnen und hasttge Stim­men schlugen an sein Ohr.

Das war ein Treffer!" murmelte er und schob das Gewehr wieder durch oen Ladenschlitz. Ein alter, breitsckmltriger Wachtmeister mit ausrasier­tem Kinn fiel lautlos über den Hals seines Pferdes, das ersckweckt zusammenzuckte und mit dem in seine Mähne rerkralllen Reiter rnfeitb dahinstob.

Avei, drei andere schwangen sich ivieber in den Sattel und stürmten hinter ihm her. Wehrum zielte für? und schoß. Ein Pferd stürzte, über es hin der Gendarm. Aber ra)ch war rr wieder auf den Beinen und eilte weiter. Der Mütter jagte ihm eine Kugel nach und noch eine- beide gingen fehl. Und wieder und wieder schoß er, doch der Mann lief weiter, bis er einen Baum erreicht

Von der Stadtverordneten-FraktionFreie Vereinigung" erhalten wir folgenbe Zu­schrift:

Im Berichte des Gießener Anzeigers über die letzte Sitzung der-Stadtverordneten wird ge­sagt, daß gegen die Verschiebung der ursprüng­lich für Samstag, 31. Juli, anberaumten Sitzung auf Freitag, den 30. Juli, als einzige Fraktion die Deutschnationalen Einspruch erhoben hätten. Diese Angabe euftpricht nicht den Tatsachen. Es handelt sich hier nicht um bie Deutschnationalen, sondern um die gesamte Fraktion der Freien Vereinigung, der Mftgfteder verschiedener bürgerlichen Parteien angeboren. Sämtliche Frak­tionsmitglieder stehen geschlossen hinter den Er­klärungen und Änttägen des Fraktionsvorsitzenden, Stadtv. S ch m a h l. Unser Anttag auf Einhal­tung des ursprürtglich sestgesetzteir Sitzungstermins sowie unser Widerspruch gegen die en bloc-An-

Er biß sich in die Lippen und fluchte.

Nun hieß es aufgepaßt! Wer konnte wissen, s die jbede vor hatten. Vielleicht wollten sie i ein Schnippchen schlagen Sie roarmt so still.

In fiebriger Spanmmg ivartete er.

konnte. Nunrnebr zählen diese Häuser alle zur Bruchstraße und die 9hrmerierung beginnt Ecke Bleichstraße bis Goethesttaße und endigt in Teil nact) der Stephanstraße.

nichts getan hatte, das war getroffen und wälzte sich in seinen Schmerzen mit schlagenden Hufen am Boden.

. , Sein gräßliches Wiehern schnitt dem Müller rns Herz. Mitteidig gab er ihm eine Kugel in den Kopf.

. , Da. krachte ein Karabiner, prasselnd stäubten dre Splitter, aber weit vom Ziel.

Wehrum lachte.

Das mußte der Mann am Baum fein! Aber er nxrr nicht zu sehen, nur der Gewehrlauf blitzte rn der Sonne. Mochte er schießen, wenn er nur nix traf.

Ter Müller trat an ein anderes Fenster

Nun konnte der .Kerl bleffen!

Die anderen Gendarmen hielten sich vorsichtig verborgen, aber er hörte, daß sie eifng an dem Tor arbeiteten und es aus den Angeln zu spren­gen suchten.

Ohme Werkzeug konnten sie da lange pro­bieren. Aber das schienen die selbst zu merken, denn plötzlich flog einer in scharfem Galopp den Fahrweg hinauf nack- dem Dorf und die anberen naren ganz ruhig geworden Schadlos gingen die Kugeln des Müllers in die Luit.

Wagen und Stangen quer über den Hofvaum gebaut war. Wahllos fanden die Kugeln ihr Zill.

Entsetzt zogen sich die Gendarmen wieder zu­rück und feuerten blindlings. Wehrum lachte ihres Schreckens und kroch vorsichtig über den gedeckten Gang nach feinem Kelterhaus.

Neue Opfer fand sein Gewehr, aber er be­kam kräftige Antwort.

Behend schlich.er zurück und feuerte von der Räucherkammer aus. Jedesmal, n>enn sie seinen Schlupswinkel entdeckt hatten, und ihre Kugeln zu pfeifen begannen, wechselte er feinen Aufenthalt.

Aus der Reihe der Gaffer, die sich allmählich vom Dors herangezogen hatten, wurden den Gen­darmen Ratschläge zugerufen und Meinungen, und halb kämest ein paar mit Leitern und Fllier- recheu. Wehmm sah's mit verächtlichem Lachen.

Der ganze Ort schien auf den Beinen und sich einen Triumph zu erwarten. Nicht einmal die lahme Ursel mit ihrem schlechten Maul fehlte. Und immer mehr strömten herbei aus Feld und Wingert. Alle Wege waren besät mit dem wider­lichen Geschmeiß, das sich zu iveiben tarn an feinem Untergang. Glaubten die vielleicht, sie könnten ihn abgeführt sehen,, womöglich gefesselt? Dumme Bagage, daß sie ihn nit besser kannte Aus den Talwinkeln kam schon die Dämmerung heran und vom Rhein trieb der Abendnebel herauf. Die Taunusberge glühten im roten Schein der sinkenden Sonne. (Schluß felgt)

Abg. Hoffmann (Ztr.) geht auf die Er- nährungssd/löicrigfeiten näher em, welche vor allem bura) die fortdauernd zurückgegangene Viehprvdut- tion entstanden fei; dann beleuchtete er das er­schreckende Wachstum der Kindersterblich­keit: in erster Linie fei ber J^ongd an Milch, Fett und Eiweis schuld. Auch die Woh­nungsnot trage viel hierzu bei. Der Konsument fei ' allgemein ber Auffassung: Weg mit der Zioangswirtschaft! Schlechter kann es uns auck nickt gehen.' Von Wert sei es dabei festzustellen, daß das Volk noch nie so stark belogen worden sei, wie durch die Kriegsgefellschaften. Ter Bauer werde gerade dadurch aufgeregt, daß ber große Preis, den der Konsument bezahlen müsse, dem Bauer als Gewinn angerechnet wird. Die Herren wollten aber nicht aus ihren Sesseln und Pfründen. Wenn dafür gesorgt wird, daß ber Bauer billiger einkaufen könne, werde er gerne mit dem Kartoffelpreis usw. herabgehen. Innerhalb 6 Mo­naten seien z. B. bie Produktionskosten um 70 Wo in die Höhe gegangen. Infolge ber hohen Preise stehe auch ber Umsatz still. Wichtig fei es bafür zu sorgen, daß bie Produktion gehoben werde. Die Abgabe von Land an Mchtlandwirte habe aber ihre Bedenken. Jedenfalls sei es erforderlich, beit Nichtlandwirten durch die Landwirtschastslehrer durch Vorträge und Versüchsparzellen ausreichende Belehrung zu verschaffen. Die Druschprämi-en müssen wegfallen, ber Beschaffung von Saatgut fei Nock mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es müsse dafür gesorgt werden, baß oer Bauer auch für seine Arbett entlohnt werde; er werde auch zufrieden sein, wenn seine Volksgenoffen hinreichend versorgt sind. Der Stteit zwischen Stabt und Laub müsse aufhören.

Abg. Feldmann (Dem.): In der Ernäh­rungsfrage bilde die Preisbildung den wichtigsten Punkt. Die Bedürfnisse der Landwirte sind nicht richtig eingeschätzt worden. Die Regierung habe alle Jahre dieselben Fehler gemacht, dadurch sei bie Verbitterung in der Landwirtschaft eine große geworden. Die wfttschaftliche Notlage wurde fehler­hafterweise als Geldproblem statt als Arbeits­problem aufgefaßt. SJZan hätte bie Leute mehr zur Arbeit anhalten müssen, anstatt sie immer wieder mit Geld zu befriedigen. Zwischen den landwirtschaftlichen und Industriearbeitern hätte ein Unterschied gemadjt werden müssen. Wir brau­chen mehr Arbeit und mehr Sparsinn. Die heutige Jugend auf dem Lande ist nicht mehr zu ge­brauchen, ber Luxus nehme überhand. Die Frei­gabe ber Zwangswirtschaft werde notwendig sein, aber viele Schwierigkeiten bringen.

Abg. Hahn <H. V.) unterftüUt die Ausfüh­rungen ber beiden Vorredner. dLachweisbar sei vor dem Kriege bie LandwirtsckMt in ihren Leisttmgen von Jahr zu Jahr vorwsirts gekommen. Die Ka­pitalkräftigen hätten bisher ihre Fllder auf der- sllben Hohe wie früher hallen können. Tie Idee oes genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Landwirte fei nicht neu, lasse sich aber nicht durch­führen. Nur der Arbeiter mit eigener Scholle sei auf bie Tauer an einer guten Produktion inter­essiert. Tie Milchpvoduttion fei so teuer, daß man dem Landwirt nicht zumuten körme, sie billiger zu verkaufen, als sie ihn selber koste. Unsere vor­nehmste Aufgabe sei nicht Schule und Wissenschaft, sondern Sicherung und ErrWrung.« Tie Aus­sichten seien gerade für den Landwirt nicht günsftg. Die Freigabe der Kartoffeln bringe jetzt, nach dem Abschluß der Verträge, i'hre Schwierigkeiten.

Abg. Haußer (So^.) spricht gegen die Land- Witte und deren Pvoteftversammlungen. Die Land- Witte sollten zuerst abbauen.

Schluß 5,20 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch iy< Uhr.

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Wehrum knirschte mit Den Zähnen

Wenn das so weiter ging, bann waren seine nm? Patronen bald verschossen! Schade, daß er ihm den Kerl gefehlt batte! Das arme Tier, das ihm >

gründet einerseits durch bie große Wichtigkeit der Vorlage und anoerseits durch das Vorgehen ber Stadtverwaltung.

Schon vor dem sechswöchigen Urlaub des Herrn Oberbürgermeisters war diese Besoldungsvorlage eingebracht worben. Sie wurde aber damals ivieber zurückgezogen, well nicht nur die Stadtverordneten chr widerspracheir, fenbern auch nach Mitteilung des Herrn Oberbürgermeisters die Hess. Regierung ihre Zurücknahme forderte, offenbar im Hinblick auf eine Reihe über die staatlichen Sätze hinausgehen- der Vorschläge. Da während des Urlaubs des Herrn Oberbürgermeisters eine wettere Behand­lung der Angelegenheit in der St adtve rordneten- verfammlung nicht erfolgte, war es zu verstehen, daß die städtische Beamtenschaft nach Rückkehr des Herrn Oberbürgermeisters gegen eine weitere Hin- ausziehung entschieden Verwahrung einfegte und alsbaldige Erledigung sordette. Die Att und Weise aber, wie nun ber Herr Oberbürgermeister innerhalb weniger Tage die Sache zu erledigen suchte, können wir nicht billigen. Er legte näm­lich fetzt dieselbe Besoldungsordnung wieder vor und drängte auf deren unveränderte Annahme, wobei die Zett so kurz bemessen war, daß ein­zelnen Fraktionen eine gründliche Durchberatung unmöglich gemacht wurde. Diese war aber um so mehr geboten, da es sich nicht nur um einen Kostenaufwand von mehr als 2 Millionen han- delte, sondern auch mehrere Beamtengruppen, ins-