Erster Blatt
KO. Jahrgang
Samttag, 2. Oktober 1920
Nr. 252
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wochemückvllck.
Tie Brüsseler Finanz konsermz hat durch den Präsidentenwechsel in Frankreich eigen* rümliche Antriebe tetonuncn. Während man aimehmen sollte, daß die Sachkundigen aus aller Herren Länder der Wiederaufbaupolitik neue Wege weisen würden, glaubt die Bescheidenheit Frankreichs mit kühnem Handstreich den gordischen Knoten, um den sich die Herren in Brüssel bemühen, mit dem Siegersäbel durchhauen zu sollen. Herr Leygues, der neue Ministerpräsident, ist der Bewunderung, mit der sich die ganze Welt um den Pariser Deisheitshort scharen wird, vollstandia sicher. Er und Millerand wollen das Gewaltwerk von Versailles wie ein Heiligtum hüten. Frankreich macht die Brüsseler Konferenz mit, ohne von chr nennenswerte Beiträge zur Niedervereinigung der Völker Europas zu erwarten. Der Widerspruch, der sich aus den -reisen der Entente zu dieser Ueberspcrnntheit einer wahnbefangenen Nation äußert, ist einstweilen noch recht gedämpft Aber vorhanden ist er immerhin. Der Vertreter Amerikas in Brüssel hat der Pariser Politik durch die Redeblume der Diplomatie eine unverkennbare Lektion erteilt. Man kann kaum daran zweifeln, daß Herr Boyden seine Bedingung der Bölkerversöhnung in Europa in erster Linie durch den französischen Militarismus bedroht sieht. In Paris ist der Hebel für den friedlichen guten Willen anzusetzen, nicht etwa in Deutschland, wo uns der Wanderstab aus der Hand genommen worden ist und das Machtwort von auswärts alle Regungen des Fortschritts niederdonnert.
Nun gibt es zwar auch in Deutschland noch einige unbelehrbare Gemüter, die da -glauben, wir hätten den Kopf noch nicht tief genug in den Staub gesteckt und dem unersättlichen Moloch der Brandmarkung deutscher Ehre noch nicht genügend Nahrung inS Maul geworfen. Freilich, in den Kreisen der praktischen Politiker dämmert die Einsicht allmählich auf. Die Kniebeuge unserer Äzialisten in Genf, wo unter die angebliche .'Ileinige Schuld Deutschlands am Krieg auch ias leuchtend rote Siegel des internationalen Zwletariats gedrückt werden sollte, war eine Hebung, die in mandren sozialistischen Kreisen unseres Volkes mittlerweile selbst als zwecklos und beschämend erkannt worden ist. An Abschwächungen des kläglichen Genfer Schauspiels hat es nicht gefehlt. Qä ist ck>arak- teristisch, daß unter dem Zeichen der Brüsseler Konferenz es wieder bürgerliche Phan- t ast en sind, die dem erwähnten Moloch ein neues Mahl 'bereiten wollen. Als Vorbote der neuen Tagung deutscher Pazifisten in Braunschweig erhebt Graf M v n t g e l a s im „Berliner Tageblatt"" die Forderung, die Leipziger Sühneprozesse müßten mit größerem Eifer erledigt werden, damit das Ausland unseren guten Willen erkenne und dem gegebenen Beilpiel folge. Die Nationen müßten vor ihren Türen endlich den alten Schmutz fortfegen. Diese Arbeit am Kehrichthaufen wird ihre heit^keilswirkung jenseits der deutschen Grenzen nickt verfehlen. Man gönnt uns den Lumpen und die Bürste gründlich, wird sich aber in Paris und London von dem Arbeitseifer nicht an stecken lassen, obwohl Graf Montgelas auch Anklagen gegen die Entente erhebt, sondern sich wir befriedigt den wohlgepflegten Bart Zeichen. Nicht ohne Vergnügen lesen wir heute im „Vorwärts", einem Blatte, das feit langen Jahren systematisch das eigene deutsche Nest beschmutzt hat, eine Auseinandersetzung mit jener Sorte von Pazifisten, die im „Berliner Tageblatt"" und ähnlichen Organen ihre Förderung erfahren. Der Neuschweizer Pazifist Professor Friedrich Wilhelm Forster, der, woran der „Vorwärts"" jetzt ernmert, sich früher nicht genug für die Reinheit der Kriegsziele der Entente verbürgen wnnte, warnt in der „Rassischen Zeitung" tot der „Hetze"" unserer nationalen Kreise gegen die Sieger. Äe Folge davon wäre, o sagt er, eine Steigerung der französischen Unversöhnlichkeit. Aber lassen wir hier den -.vorwärts"" selbst sprechen, wie er über die vedankengärrge Försters ironisch referiert: .. "ünd diese Folgen wußte er (Förster) recht '.chauerlich — zu schauerlich sogar, um wirksam zu
— an die Wand zu malert: setze die Reak- non chr chauvinistisches Treiben fort, dann werde emes Tages das französische Staatsoberhaupt nach ^llnnka fahren, wo der Deutschenhaß noch immer JJJJ W, und dort die öffentliche Meinung gegen Deutschland mobil machen. Dann werde die ganze wrenkonische Industrie und Technik im Bunde mit mit Deutschland ein neues Mal, und
Mal endgültig, ab rechnen. Deutschland werde Sintflut von Eisen, Feuer und Gas vec-
>nchtet, iern Volk ausgerottet werden."" i war natürlich nicht zu erwarten, daß
r „Vorwärts"" für die hier erwähnte „Reak- * ™ Deutschland eine Danze brechen in S1 seinem Referat hinzu, daß
ver Tat die Deutschnationalen in diesem
Sinne eine Gefahr seien, fährt aber bann wörtlich fort:
„Aber cs hieße nur halbe Arbeit im Interesse des Friedens leisten, wenn man sich mit der Bekämpfung des deutschen Nationalismus begnügte und so täte, als wäre dieser eine rein künstliche Erscheinung. Professor Förster macht es sich in der Tat sehr leicht, wenn er sein „Discite moniti! GzSemt, ihr seid gewarnt"") an die Adresse des deutschen Volkes hinausgeschleudert. Es gehört wirklich ein gewisses Maß von Verblendung dazu, allein das deutsche Volk für die neue Welle von Nationalismus, die sich über Europa ausbreitet, verantwortlich zu machen. Wir, die mitten in dem Kampf gegen den Revanche- Wahnsinn stehen, haben die Pflicht, offen cruszu- spvechen, daß dieser Kampf auf die Dauer aussichtslos sein muß, ruemt die siegreichen Staaten ihre Politik dem deutschen Volke gegenüber nicht ändern. Daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zusehends verschlimmern, daß ein Viertel der Arbeiterschaft überhaupt erwerbslos ist, und »wei Drittel nur drei Tage in der Woche arbeiten, daß die Lebensmittel immer knapper und immer teuerer werden, und daß wir am Rande des Staatsbankrotts stehen davon weiß man offenbar in der ruhigen und satten Schweiz nichts, sonst würde Professor Förster auch an die andere Seite sein „Discite moniti!" ertönen lassen.""
Der „Vorwärts"" hat ganz richtig erkannt, wo der Hase im Pfeffer liegt, und es ist eine sehr bezeichnende Wandlung, baß bas führende sozialdemokratische Blatt den bürgerlichen Schtvärmern eine so wohltuende Abfuhr erteilt. Erfahrung macht klüger, und der „Vorwärts"" hat erfreulicherweise aus der Erfahrung etwas gelernt. Man möchte seine Sätze der Braunschweiger Pazifistentagung als Richtschnur vorlegen, gegen deren Veranstaltung an sich nichts cnnzuwenden ist, insofern sie Zeugnis davon ab legen möchte, daß Dom Erstarken einer Reaktion bei uns keine Rede sein kann. Aber nicht nur der Professor Förster gibt sich falschen Illusionen über die einzuschlagende Friedenspolitik hin — wir fühlen das Wehen des völker- bealückenden Geistes nicht lediglich aus der Schweiz kommen, sondern er hat eine munter sprudelnde Quelle auch zum Beispiel im Hessenlanbe. Wir haben zu dem bekannten Esperanto-Erlaß des Präsidenten unseres Landesbildungsamtes bereits kurz unsere Meinung dargetan. Wir sehen auch ihn mit ber Fütterung des nach deutschen Hrnschlachtungen lüsternen Molochs beschäftigt. Wenn diesem auch nicht die blutigen Stücke deutscher Ehre hingehalten werden, so wird mit dem genannten Vorgehen doch alle vernünftige Selbstbesinnung, wie sie sich aus dem von dem „Vorwärts" beklagten Treiben ergeben müßte, aufgeopfert. Hätte der deutsche Staatssekretär Bergmann in Brüssel etwa einen Vortrag in Esperanto halten sollen, und leben die Förderer dieser Sprachübungen mit ihrer geschäftigen Propaganda eigentlich in der Gegenwart oder suchen sie nicht vielmehr das Heil in dev Flucht nach einem fernen, zeitlosen Wüstenheiligtum, wohin ihnen kein nennenswerter Bruchteil der gegnerifdjen Völker jemals folgen wird? Wittfahrt unsere Schule der Darmstädter Anregung, so wird die Rute dieses Unterrichts sicherlich nur auf die hessischen Schulbänke klatschen, denn im Auslände gelten die Streckerscheit Münzen keinen Pfifferling. Aber die Agitation geht weiter, und wir erhielten dieser Tage von einer „Germana Esper an to-As ocio" in Dresden folgende nette Zuschrift:
„Durch Zufall erholten wir einen Ausschnitt aus Ihrem Blatt, in dem Sir zu der beoo t* stehenden Einführung des Esperanto in die hessischen Schulen Stellung nehmen. Wir ersehen daraus zu unserem großen Bedauern, daß Sie das Esperanto und die Ziele desselben von entern ganz falschen Standpunkte aus betrachten. Wir Esperantisten verfolgen den Zweck, in erster Linie unser Deutschtum hochzuhalten und die deutsche Sprache davor zu schützen, daß die- selbe Brocken der Sprache unserer Feinde aufnimmt. Wir sind der Ansicht, daß durch direkten kLerkebr von Volk zu Volk wir den Ausländern Aufschluß über unsere Kultur und Bericht über unsere jämmerliche Lage am besten geben können. Es liegen zahlreiche Beweise vor, daß durch diese Aufklärungen im früheren Feindesland eine wesentlich andere Stimmung unter den Leuten eingetrtien ist. Der Kongreß im Haag ist wohl der einzige gewesen, auf dem bisher nicht die Schuldfrage in der bekannten Weise behandelt worden ist, sondern auf dem von den Engländern und Franzosen glatt erklärt worden ist, daß nicht wir die schuld an dem Kriege haben, foHbern daß das Weltdrama Irrungen der 9tegeerungen gewesen sei. Es wurde den Deutschen wiederboll versichert, daß man uns als gleichwertige Menschen achtet und im eigenen Lande für diese Anschauung arbeiten wird. Wir fügen einen Bericht „Die Wahrheit ins Ausland"" bei imb bitten um Aufnahme beifolgender Notizen in Ihrer Zeitung sowie um Aufnahme der beifolgenden Annoncen. Die letzten wollen Sie aber nur dann aufnehmen, wenn Sie im redaktionellen Teil unseren Artikel bringen."
In diesem letzten Satze begegnet uns die gleiche Naivität, die von den politischen Esperantisten dem widerspenstigen Auslände
entgegengebracht wird. Für ein kleines Jnse- ratenveft) teuft, bas unserer Zeitung angebote^ wirb, sollen wir unseren „ganz falschen Stanbpunkt"" umkrempeln und nut niederträchtiger Eile vor unseren Lesern aus Saulus Paulus werben! „Sckfam, wo ist dein Erröten?" Wir wollen zugunsten der Einsender annehmen, baß sie sich ber Unsittlich- ke i t ihrer Zumutung gar nicht bewußt sind, daß sie eben nur im Dunkel des Dusels und der politischen Urteilslosigkeit herumtappen, wovon ja auch der ganze Wurf ihres Schreibens Zeugnis ablegt. Änes der angebotenen kleinen Inserate wollen wir zur Erheiterung unserer Leser gerne gratis mittetlcn:
„Raubmord am Deutschtum begeht, wer mit unseren ehemaligen Feinden in bereit Nationalsprache korrespondiert! Mit Deutschen deutsch — mit dem Ausland nur Esperanto."
Die Raubmörder in der Berliner Wil- Helmstraße sollen sich das merken! Genug von diesem Unsinn! Schmerzlich ist nur die nicht von der Hand zu weisende Annahme, daß ein deutsches Ministerium mit diesen Raubmord-Kläbem, die als „Deutscher Espe- rando-Bund (eingetragener Verein)"" firmieren und eine Menge bedrucktes Papier versenden, an einem Strange zieht! . . .
Die 8In<m;Ionseren; in Brüssel.
Brüssel, 2. Ott. (WTB.) Die Finanz- kivnferenz wird heute die Erörterung über die internationalen Kredite beendigen, um gif dann bis zum Mittwoch zu vertagen, bann! t Ausschuß sich mit der endgültigen Fassung der Resolution beschäftigen kann.
Brüssel, 1. Ott. (WB.) Die Finanz- konferenz begann mit ber Erörterung! oer Fragen des internationalen Kredits. Der französische Vi-e Präs ident gab eine swcUiche und zusannnenÄrsfenbe Darstellung ber Fragen, mit welchen die Konferenz sich beschäftigen müsse und bc handelte nack>einander bett Umfang ber Krv- drtbebürfnisse, die Schwierigkeiten der Ätxtbttoliera» tioncn imb die Heilmittel für diese Krise. Sröinn ging er auf die verschiedenen Vorschläge zur Behebung ber Krise durch Jnanspru ch. lahme der Solidarität der Voller ein und lenkte die Lluftnert- fanrfeit der fibrtferen^ auf eine Reihe von Vorschlägen, die ihm geeignet erschvcne.i, die Finanzoperationen zu erfeidtoent. Sclrießlich erklärte er. ber Völkerbund erfdjeine ihm geeignet, die Bestrebungen zu überwachen, die mehr Durchsich- tigktigkcit und mehr Ansbanb m bte vtternationa.en Finanzoperationen zn bringen fmitten. Dvc Konferenz, bemerkte er, könne sich vorstellen, daß chce umfangreiche Ausgabe nie# in ihrer ersten Tagung zu ersck)öpsen wäre und drückte den Wunsch ,r.is, daß die Prüfung gewisser Punkte forigeietzt werde.
Reichsregierung und Pazifistenkongreh.
Braunschweig, 1. Ott. (Wolff.) Auf dem aestern hier eröffneten Paz i fi stenkon gr e ß hielt Legationsvat v Prtltwitz folgende An- sprach: -Meine Damen und .Herum! DerR e i chs- minister des Aeußcrn hat mich beauftragt. Ihnen nochmals fein Bedauern darüber auszusprechen, daß die Geschäftslage ihm nicht gestattet, Ihrer liebenswürdigen Einlösung zu folgen und persönlich hier zu erscheinen. Er hat jedoch besonderen Wert darauf gelegt, das Auswärtige Amt bei Ihrer Veranstaltung vertreten zu seben. Der Gegenstand der Tagesordnung be4 9. Pazifistenkongresses erfordert die (rröfee Aufmerksamkeit der Leitung der deutschen Außenpolitik. Die Frage des Erntrittes Deutschlands in den Völkerbund ist immer mehr in den Sorbetgrimb des öffentlichen Interesses getreten. Wie Sie reif-en, hat die Tagespreise mehrfach Nachricht'.rn über Vorschläge gebracht, die wegen ber Aufnahme Deutschlands in den Bölkerbum» von neutraler und selbst von alliierter Seite ausgegangen sein sollen. .Die deutsche Regierung hat keine amtliche Kenntnis von irgendwelchen derartigen Schritten, sie muß aber selbstverständlich bannt rechnen, daß sie über hm ober lang vor derartige Entscheidungen gespült wird. Umso wertvoller wirb sie alle Antegan^n emg gennchrnon. txt ans Ihrer Mitte an sie bäxmhxtcn Die deutsche Regierung Derferuti die Schwächen nicht, welche die Völkerbundsatte des Versailler Vertrages enthält: ich tarf im einzelnen an die Denkschrift erinnern, welche die deutsche Friedens delegatton in Versailles überreichte Dennoch würbe bä: Beitritt Deutschlands zweifellos auch für uns mancherlei Vorteile bieten, ins da'andere auf dem Gebiete der internationalen Rechtsbeziehutigen und internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Aus diesem Gnunbe ist Deutsch- land für die Bemühungen seiner Freunde und ber einsichtsvollen unter seinen Gegnern dankbar^welche einen Eintritt in den Völkerbund betreiben. Aber es liegt für Deutschland keine Veranlassung vor, sich zur Aufnahmein den jetzigen Völkerbund zu drängen. Sv lange in bet Nähe unsever Grenze Krieg geführt wird, könnte unsere Bindung durch die jetzt gültigen Völker- bundsakte eine Gefahr werdät für Deutschlands stetige und entschlossene Neutralitätspolittk. Solange ferner Großmächte wie die Vereinigten Staaten von Nvrdam-rika und Rußland nicht Mitglieder des Völkerbundes finb. bleibt bet Zweckge- banfc des BölVerbundes verkrüppelt. Wenn die Zeit gekommen sein wird, wo Deutschland in den Völkerbund eintritt, werden wir von dem mangelhaft organisierten Völkerbund an einen besser zu organisierenden Bö .'Verbund appellieren. Bis hä: hat Deutt'chland allerdings mit seinen Berufungen an bat Völkerbund trübe Erfahrungen gemacht; ich
erinnere cm die Behandlung ber Frage von Eupen ünb Malmeby. Aber Deutschland gibt die Hofs- inung auf eine gerechtere Behandlung ber internationalen Fragen nicht am und sieht namentlich in ber Entwicklung des Schiebsgerichtsge- bankens eine wesentliche Auftprbe ber künftigen Völkergemeinschaft. Zu biefem Ziele möge ber devotste härbe Kongreß einen entschlossenen Schritt nach vonoärts bebeuten!"
Braun schweig, 1. Oft. Dem 9. Pazifisten Kongreß ging gestern die Generalvetfammlung ber De utschen Ftiebensgefellf chatt voraus. Sie" wat bet Erörterung ber En twa ff- nungsfrage gewidmet. Es wurde eine Entschließung v. GetlaäiS angenommen, in der es heißt:
„Tie Deutsche Ftiedensgesellschaft erblickt in der in den Friedensvetttag angenommenen allgemeinen Abrüstung, beten erstes Ziel die Deutsch- lcmb aufetlegte Berrninbetung seines Heeres ist, eine der wenigen guten Bestimmungen des Ftie- bensvertrages. Sie bedauert, baß bie beutsche Regierung die im Friedens vertrage festgesetzte Abrüstung hinauszögert und dadurch Deutschlands internationale Stellung außerordentlich epdwucrt hat. Wir sehen in ber möglichst raschen Abrüstung Deutschlands eine int Ingresse des deutschen Volkes liegende Maßnahme. Je bereitwilliger Deutschland gerade diesen Punkt aussührt, um so stäcker wirb die Position der Pazifisten des Auslandes, die bie Äiine Abrüstung aller Länder für eine der
ichsten Aufgaben des Völkerbundes halten.""
Die Verhandlungen in Riga.
Warschau, 1. Oft. (Wolff.) Aus Riga wird gemeldet: In ber Dienstag ^Sitzung der Haupt- kommission schwächten sich die Frieden saus- sichten ab. Die Fri.bensbedingungen Josfes, bie angeblich das Sclbstbesttrnmungsvecht der Völker anerkennen, dabei aber eine Volksabstimmung nur für Galizien vorsehen, die Länder am Bug dagegen ohne Abstimmung Rußland zuerkennen, riefen große Verwunderung hervor.
Die «riegtzlage.
Warschau, 1. Oft. (Wolff.) Im Genernl- stabsbericht der polnischen Armee vorn 30. September heißt es: Nach der Zerstreuung der im Bereich von Liba konzentrierten Svlvjettruppen setzten unsere Truppen bie Verfolgung des Feindes in östlicher Richtung eiligst fort Der Feind zieht sich in vollständiger Auflösung zurück, von allen Seiten von unteren Truppen angegriffen. Eine ber Sowjetdivisionen ging vollständig zu uns über, nachdem sie ihre Kommissare, die sie zum Wiberstanb aufgeforoert hatten, ermordet hatte. Von Slomm vorrückendc w-ißrussische Truppen nahmen am 30. September in einem heldenmütigen Angriff Baranow itschi.
Ein Siegcsbericht des Generals Wränget.
Konstantinopel, 2. Oft. (WTB.) Heeresbericht des Generals Wränget. Die 13. Rote Arme e, die auf ihrer Flanke und im Rücken an gegriffen ist, zieht sich fluchtartig nach dem Dnjepr zurück. Fn der Gegätd von Aletmtdrowsk sind bie Bolschewisten auf einer Front von 200 Kilometer auf ber Flucht. Wir haben mehr als 1000 Gefangene gemacht, erbeuteten 50 Geschütze, mehrere hundert Ma- schinengkwlhrc, 8 Panzerzüge, 3 Panzerautos, 7 Flugzeuge und viel Kriegsmaterial. Aus der ganzen taurischen Fwnt melden untere Aus kl w rungstruppen lebhafte Tätigkeit.
Die Tagung der italienischen Sozialisten.
Mailand, 1. Ott. Stefnni. Der sozialistische Parieivorstand erörterte gestern die Frage derSp/lrungberPartei weiter. 9?achdem mehrere :);et>ner für und gegen sie gesprochen hatten, betonte B a c c i, bte iRoskouer Bedingungen müßten je nach den Verchöltnissen ber Parteien der einzrinen Länder deurdüt werben. Sv lönnte man die Restirmisten in Italien nicht mit Seiten in Frankreich in einen Topf werfen. Die Aend^"1tg des Namens in Kommunisten anstatt ©SjJiJfcrt könnte v.n Falle ber Spaltung der Partei böse'Folgen haben. Gra z i a die t m inte, eine etwaige Diktatur des Proletariats in Italien, ebenso wie ai Frankreich und England würbe eine vollkommenere Form haben, als man sie in Rußland sehe. Jedenfalls müsse die Revolution tn den mitteleuropäischen Ländern gleichen Schritt halten. Hinsicht lick) ber Festnahme ber Seeleute, die bm rröfischen Dain^er „Rodosto"" beeßten. erllärte die Parieileitung, nut dem Seemannsbund zusammenzustchen.
Ein Bündnis zwischen Holland und Belgien?
Brüssel, 1.Oft. Havas. In der Frage eines Defensiv-Bünbnisses mit Holland erklärt die ^,Nation Belge"", es könne schon jetzt gäagt werben, daß in ber Tat ein Defensiv-Bünd- nrs offiziell erwogen wurde. Das Abkommen wurde sich nid# allein auf bie Durchfahrt von Vielingen ober auf bie Scheldegewässer beschränken, sondern sich aus das ganze Gebiet der beiden LLrder erstrecken.
Tie Bekämpfung der Viehseuchen.
Paris, 1. Olt. (Wolff.) Die vom französischen Landwirtschaftsminister gepichte internationale Konferenz zur Bekämpfung ber Viehseuchen tritt vn Dezember in Paris zusammen. Es ist geplantt, ein ständiges Bureau zu errichten, das alle' sammelt, was auf die Bekämpfung ber v>'._ seuchen Bezug hat


