Zwlllingsrunddruck u. Verlag: vrühl'jche Univ.-Such- u. ZLem-ruckerei K. Lange. Schriftieltuttg, Seschaftrftelle u. Druckerei: §chulstr.7.
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Die Armut Oesterreichs.
Wien, 30 Sept. (WTB.) Die deutsch-österreichische Staatskorrelpondenz meldet: Um die zum Ankauf der notwendigen Lebensmittel crsordcr- lichen ausländischen Valuten zu beschaffen, beschloß der Kabmettsrat in den letzten Sitzungen vom 26. und 29. September, gewisse für Deutsch- Oesterreich kunsthistorisch und kulturell minder belangreiche, wenn auch an sich wertvolle Kun stae gen stände, t\
Annahme von Anzeigen f. die Tagesnilinmer vis zuinRachmillag vorder odnejedeVerdnidticdkeit Preis für l mm Höhe für An-.eiaeno.34mm Breite örtlich 15 1>L, aiisivärtS 18 Ps., für Reklame- anzeigen von 70 mm Bre ie 48 Ps. Bei Platz- vorschrii:20''/^Auischlag„ Hauvtschrl'tteiler: Alig. Goetz. Berantivortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Renihold Zenz; fur den Anzeigenlcil: H. Beck; sämtlich ui Gießen
»ifen 'ür Kartoffeln, chang Mm llJ-,?cy? z93) wird der Klem- ooni 25. September
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,jenen und den indendes Krci- . ekaniitmachuuS llichen.
tritt in solche Dienste zu enthalten und die Aw» nähme solcher Dienste zu verbieten. Die Räumung muß unverzüglich in Angriff genommen und ohne Unterbrechung durehgeftihrt werden. Tie alliierten und assoziierten Regierungen erklären, da8 sie bis zu deck Zeitpunkt, wo sie festgesetzt haben, daß ihrem Ersuchen voll entsprochen wird, keinerlei von der deutschen Regierung unterbreiteten Anträge bezüglich der Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und Rohstoffen in Betracht ziehen werden. Sie haben infolgedessen die Anweisung gegeben, keinem dieser Aniräge ftatt- zugeben. Im übrigen werden die alliierten Regierungen alle finanziellen Erleichterungen, dir die deutsche Regierung gegenwärtig geniesch, oder die die deutsch)« Regierung bei den alliierten Regierungen oder deren Angehörigen zu erlangen sicht, ablehnen. Wenn die deutsche Regierung weiterhin ihren Verpflichtungen nicht nackLvrnmt, werden die alliierten Mächte alle ihr erforderlich erscheinenden Maßnahmen ergreifen, um die Ausführung der genannten Bestimmungen des Waffen- ftillstandsvertrages sicherzuslellen.
Berlin, 29. Sept. (W. B.) Nach zuverlässiger Mitteilung ist General von der Goltz, nachdem seine Bemühungen, die Truppen zuni Ab- marsch zu bewegen, erfolglos geblieben sind, end- gültig abberufen worden.
Die Verteilung der deutschen Luftflotte.
Versailles, 30. Sept. (WTB.) Die Vertreter der fünf "Mliierien Großmäch'e unter bem Vorsitz des Ministers des Aeußern, Pichon, traten gestern vormittag« zusammen und nahmen die Vorschläge der Kommissiion über die Verteilung der deutschen L u f t flo t te an. Es soll auch beschlossen wvrden sein, einen Protest toegen des Verkaufs verschsiedener Flugzeuge an neutrale Staaten zu richten. Es feien Maßnahmen getroffen, um ein ferneres Abwandern "des deutschen Luft- schiffmateriols an das Ausland zu verhindern.
Peru und der Friedensvertrag.
Lima, 29. Sept. <WTB.) Der Präsv' dent von Pern «hat den Friedensvertrag unterzeichnet und dem Parlament zur Ratifizierung übersandt.
Gehöfte des Ludwig £ d ni i b t III. zu iWeitershain. , ferner ber Pierix- 3«b. RicdmaM I. zu Grünber» en.
3t Älchen fiiib er* wrben hiermit auf»
Pas Wiener Rotbuch und die Schuldsragen.
Bern, 29. «Sept. (Wolfs.) Baron Muf o« l in, während der letzten Kriegsjahve österreichisch- ungari>'cher Gesandter in Bern, kündigte dem Leiter der Genfer.„Fenille" in einer Unterredung an, daß er zurzeit mit der Abfa'mng einer «Schrift ti >er die Entwicklung ber südslawisclien Fruge br chäftigl ist, deren Berücksichtigung nach seiner Ansicht zur Klärung der Vorgänge im Sommer 1914 und hem Zusammenbruch der Monarchie unerläßlich ist. Baron Musolin bekennt sich, was übrigens längst be- tannt ist, als Verfasser des ersten Textes des Ultimatums an «Serbien, der später in einer Reih« von Ministerratssitzungen durchberaten worden sei. Er verwahrt sich dagegen, daß er und Graf For- gach die engste Umgebung des Grafen Berchtolü gebildet hätten, 'itrie dies im R')t-Buch behauptet wird, und nennt sich nur dessen bescheidener Mitarbeiter. Andere Ratgeber Berchtolds seien aus Gründen, die ihm nicht bekannt seien, in dem Rot-Buch, nicht genannt. Er selbst sei nach der Bluttat von «Serajewo der Ansicht gewesen, daß nichts anderes, als ein eindrucksvoller Protest bei ungebrochenen Machtstellung Oeßerrricki-Ungoms gegenüber den Südslawen erfolgen solle. Diesen Gedanken habe er Graf Berchbold nicht mitge- teilt, den er nach dem Attentat zwei Wochm nicht gesehen halte. Im übrigen hätte er Nicht den Eindruck, daß die mit dem Rot-Buch verfolgte Abicht, die verantwortlichen Staalsmänn.'r dec österreichisch-nngarisdjen Monarchie zu be.asten, gelungen sei. Tas Rot-Buch enthiltc iuteressan- tz's Material, jedoch gerade die Tatsache, daß. am 15. Juli 1914 in Potsdam fein Kronrat stattgefunden habe und daß Deutschland an der Herstellung des' Textes des Ultimatums in frisier Weiic mitgearbritet l-abe, fei unwidersprochen. Das gesamte Material des Rot-Buches müsse zu «Schlüssen kommen, die nicht in der vom Heransgebw gewollten Richtung lägen. Baron Musolin verweist aus die gleich zu Eingang des Rot-Buches veröffentlichte Denkschrift über die Lag.' der Monarchie, wie sie durch den auf Rußlands Betreiben gel-i beten Balkan-Bund entstanden wir, und erklärt, daß diese so bedvohlich gewesen sei, daß sic allein hie verschärften Beschlüsse gerechtfertigt habe. Wieweit man davon auch in Berlin Kenntnis gehabt hätte, gebe aus dem Rot-Buch ebcu'o deutlich hervor, wie die Bereitschaft.Tentsch-' lands, Oesterreich-Ungarn beizufpringeu. Ohne jeden Zweifel habe das Wiener Kabinett seine Beschlüsse mit dem Gefühl die er Rückendeckung gefaßt. Was den englischen Vermittelungsvorschlag betreffe, den man unter Voraussetzung g.'wisser Garantien angenommen hätte, so übergehe das Rot-Buch die rnzwischon erfolgte Mordtat und das am 30. Juli erfolgte Ultimatum, die jeden nri-, tcren Gedankenaustausch unmöglich gestaltet hätten^
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m. 8l/j Uhr, W,
9 Uhr, mn. 9 Uhr, 9 Uhr, frm. 9 Uhr, 9 Uhr.
)er Mgerristerei. ■ id)h'itig mit in Ihrer Ge- enschasten Die 'ic Genossenschaits- lennieri baraus zu in gutem Zustande vsserungsvorschläge
Line neu- vrohnote an Deutschland.
Berlin, 29. Sept. (W.B.) General Nu- dant uberreickste dem Vertreter der deutschen Waffen still st audskom Mission in Düsseldorf folgende Note aus Paris vom 27. Scpt.: Nack) dem Wortlaut des Artikels 12 des Wassen- ftillstandsvertragcs vom 11. November 1918 übernahm Deutschland folgende Verp,lichtung: «Sämtliche deutschen Truppen, die augenblicklich auf Gebieten stehen, die vor dem Kriege zu Oesterreich- Ungarn, Rumänicn oder ber Türkei gehörten, müssen unverzüglich hinter die Grenze Deutschlands vom 1. August 1914 zurückgezogen werden. «Sämtliche Truppen, die sich gegenwärtig auf Gebieten befinden, die vor dem Kriege zu Rußland gehörten, müssen gleichfalls hinter die oben beschriebene Grenze Deutschlands zurückgenommen ioer- den, und zlvar, sobald die Alliierten es verlangen. Marschall Fach, Oberbefehlshaber der alliierten Truppen, ließ am 27. August wissen, daß für Tcutsckland der Zeitpunkt zur Räumung der genannten Gebiete gekommen sei. Er hielt die deut- scke Regierung durch seine Note vom 3. September zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten an. Tie deut- scke Regierung versuch^, sich obiger Verpflichtung zu entziehen durch, einen Bericht, der Gründe an-, ftihri, die die alliierten Mäckte iricht als stick^haltig anerkennen können. Tie alliierten Regierungen lehnen cs insbesondere ab, zuzulassen, daß die deutsche Regierung sich der ihr zusalleirden Verantwortung dadurch, entzieht, daß sie vorgibt, nicht die Macht zu haben, die im Baltikum stehenden Truppen zum Gehorsam zu zwingen. Sie ersuchen demgemäß die beutfd« Regierung, unverzüglich die Zurückziehung sämtlicher deritschen TrupPeii, Stäbe rind Dieriststellen, die sich m den baltischen Provinzen iwch bc.inbnt, in Angriff zu nehnren; desgleichen hat die deutsche Regierung unverzüglich die erforderlichem Maß- iiahmen zu ergreifen, um alle Dcutsckßm, die nach der Demobilifation Dienste in russischen Formationen, die nt den genannten baltischen Provinzen gebildet sind, angenommen haben, hinter obige beschriebene Grenze zurückzuziebcn. Sie hat sich ferner jeher Ermächtigung zum Eür-
Tie Reichswehr ist eine dauernde Gefahr wie jede Söldnertruppe, ivcnn sie nicht auf ft r a f f ft e ei fernste Manneszucht hält. Darum muß sich die Partei das ewige Quängeln und Nörgeln abgewöhnen. Eine.Reihe Offiziere waren meine Wallen st einer, die mir ihre Truppen von sich aus zugebracht haben. Nun muh das alles ui Ordnung und feste Form gegessen werden. Den Riesenschweinestall auszurnisten, den ich übernommen habe, wäre auch kein anderer rascher imstande. Mein Bedarf an .Beschimpfung ist durch das letzte halbe Jahr reichlich gedeckt worden. Wenn sich einer findet, der mein Amt übernimmt: mit Kußhand! (Große Heiterkeit und Bewegung. Zuruf: Justav muß bleiben!» Ich verabschiede jetzt täglich einige Dutzend Offiziere. Alle, die sich irgendwie reaktionär bemerkbar gemacht haben, werden hinausgeworfen. Aber soll ich nun zur Freude der „Vorwärtsleser" die Liste der 200 verabschiedeten Generäle, der guten und der schlechten, veröffentlichen? Genossen, wenn ich nicht ein so unverbesserlicher Optimist märe — nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, spuckte ich auf die ganze Menschheit. (Bewegung.) Es pirscht sich jetzt an uns alles Mögliche heran. (Zuruf: Halbseidene Revolurionsgewumler!) Im Ossizier- korps bleiben in erster Reihe die Leute, die im Januar für uns gekämpft haben, sodann die armen Frontoffiziere, die sich im Kriege ausgezeichnet haben. Die reicheren Offiziere kann ich aber entlassen. Wir werden am 1. Januar 1920
ein .bettelarmes Offizierskorps haben, das mit seiner Existenz an die Sicherheit des Landes und an die Festigkeit der Regierung gebunden ist. (Beifall und Bewegung.) Wo lieber» griffe Vorkommen, schaffe ich Remedur. Dem Major Lange habe ich volle Genugtuung verschafft. Aber er ist mir leider zur Polizrilruppe gegangen. 5it Ostpreußen habe ich Befehl gegeben, auf jeden Monn zu feuern, der nach dem Baltikum hinüber will. Aber auch dort läßt sich der schauderhafte Knoten, nicht mit Gewalt durchhauen, sondern nur mit starker ruhiger Geduld lösen. Eine gewisse Schirnpsfreiheit muß man in diesen Zeiten jedem Mensck/en zugestehen. (Heiterkeit.) Man kann nicht verlangen, daß die Leute von den jetzigen Verhältnissen entzückt sind. (Sehr wahr!) Deshalb ist von Gegenrevolution noch lange keine Rede. Gewöhnt Euch doch ab, wie die Kieler Matrosen zu gehen: Ms die Revolution schon längst gesiegt hatte, gingen sie immer noch mit einem Auge nach hinten, ob nicht doch noch das alte Regime wiederVäme, und sie als Meuterer an die Raen knüpfte. (Heiterkeit.)<^Sorgt lieber dafür,
daß anständige Leute mlcht einen Ekel vor der Revolution bekommen
und sagen: Wenn das «Sozialismus ist, ist uns eine anständige bürgerliche R.gierung lieber. (Zuruf: Tas 'hört man schon alle Tage!) Tie B r a u n s ch w e i g e r N i e d e r l a g e ist die Quittung für die schwankende Politik unserer dortigen Genossen. Ich habe sie vor Monaten dringend gcnxirnt, mit den Unabhängigen zu kuhhandeln und ihnen Konzessionen über Konzessionen zu machten: ich habe ihnen gesagt: Stellen Euch die Unabhängigen die Stadt .auf den Kopf — ich steUs sie Euch wieder auf die Beine! (Große Heiterkeit.) Aber sie haben die Sauwirtschaft fort» dauern lassen, und jetzt haben sie die Bescherung. Haltet die Nerven zusammen, und es müßte mit dem Teufel zu gehen, wenn nicht die Zukunft uns gehört! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.)
Nr. 228
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irgendwo eine Resolution auf Absetzung Noskcs gefaßt, dann wolle niemand dahinter zurückbleiben. (Heiterkeit.) Natürlich könne der Reichs- wehrrninister sein Amt nicht führen, n>cnn die Partei nicht geschlossen hinter ihm stünde. Für die sozialistische Propaganda in der Truppe habe er kein Geld und kein Reckt. Daß Monarchisten und Spartakisten fortioährend in der Truppe wühlten, sei ihm bekannt, aber kaum zu verhindern.
Der Reichswehrminister gab dann ein allgemeines Bild von b:r Entivicklung der Revolution und seiner Tättgkeit in ihr. Wir haRn jetzt die schönsten F-rcihriien auf dem Papier stehen. (Zuruf: Auf dem Papier!) Sie in die reale Wirklichkeit umzusetzen ist nicht Sache der Regierimg, siorrdern des Volkes selbst. («Sehr gut.) Der große wirtschaftliche Umlmmdlungsproz-ß hat erst begonnen und die Weltrcvolutton, als die sich dieser Krieg darsbellt, wird noch nach Jahrzehnten nachwirken. Das Maß der revolutionären Errungenschaften., das ein Volk sich sichert, hängt ab von seiner politischen Reife und seinen wirt- schaf« lichen Verhältnissen. Bon den revolutionären Errungeirschaften geht nicht mehr verloren, als wir selbst durch das Ungeschick prcisgcben, mit dem wir wie ein Ochse im Porzellanladen in der WirtsckMt Herumfähren. (Sehr gut.) In vielen Berliner Räteversammlungen geben jetzt ehemalige Unorganisierte und Gelbe ten großen Ton mt. Kriegervereinler bis zum 9. November, sind jic jetzt maßlos in ihren Forderungen und Wünschen und unklar in ihren Zielen. Sie haben die Revolution zu einer reinen Lohnbewegung degradiert.
Aber id> bin sicher, sie legten die Hand wieder an die Hosennaht, sobald sie die Faust der Reaktion wieder im Nacken spüren. (Lebhafte Zustimmung.) Unbegreiflich schön und großartig wäre die deutsche Revolution gewesen, wenn die große Masse wirklich soziales und sozialistisches Gefühl gehabt hätte, statt nur für sich möglichst viel herausschlagen zu wollen. (Sehr >vakr.) Für Hunderte und Tausende war die Revolution nur eine Gelegenheit zum Stehlen. (Sehr wahr.) Das macht die anständigen .Menschen kopfscheu und jagt sie wieder dem alten Regime zu. (Zustimmung.) Leute, die nie den Mund aufgemacht haben, solange der «Schützengraben ihnen drohte, haben nach der Revolution in den Fabriken cn Terrorismus, Niederträchtigkeit und Vergewaltigung anderer Meinungen die schlimmsten Sünden der vergangenen Machthaber tausendfach übertroffen. (Lebhafter Beifall.) «Sollten wir von diesen Prahkhänsen und Großmäulern Deutschland zu- «grunbe richten lassen? («Sehr gut.) Als ich die Frage einmal vor den Danziger Werftarbeitern stellte, antworteten mir unsere Genossen: Nein, viel fester müssen Sie zupacken! Da habe ich ihnen erwidert: Schlappschwänze, wehrt euch selber! (Stürmisck-er Beifall.)
Wenn wir jetzt 80 vom Hundert der großen Einkommen, wegsteucrn, so arbeiten die Betriebe doch überwiegend für die Allgemeinheit. Wenn wir Betriebsräte schaffen, such doch die Arbeiter nicht mehr Lohnsflavcn, siondern mitdestimmmd. Aber Ziveck hat d«s nur, wenn nicht
jedes zivanzigjährige Großmaul glaubt, in einem Millionenbetriebe umljerregtiereri M können, sondern Imrn die erfahreirsten, reifsten und klügsten Arbcfter Arbeitcrräte sind. Tie Früchte für die Lebenshaltung der breiten Massen werten sowieso erst in Zabrzehitten reif. Wer den Massen eine raschere Erfüllung ihrer Wunsche vorgaukclt, schieitert auch am raschesten, wenn er zur Regierung, berufen wird. Wir brauchen, um die Staatsge- sckäftc zu führen, ein außerordentliches Maß von Derantwortun<. cp-fühl und Mut. Wir können jetzt nicht Zählabendpolitik treiben. (Sehr wahr.) Wir können nicht auf jede Wählcrstimme Rücksicht nehmen, wenn es um das «Sck.iicksal unseres zerrütteten Landes geht. Lassen wir die Tinge rutschen, dann haben wir bald russischie, ungarische und Münchener Zustände. «Sehr weit waren wir davon nicht mehr entfernt, als ich nach Berlin gerufen wurde. («Sehr wahr!) Aber ich wicderhcrie aus meiner Tresdner Rede: Wenn wir durch-kornrnen wollen,
müssen mir Äcn Mut zur Härte haben.
Lieber ein Paar tausend Tollköpsc opfern als ein 60 Millionenvolk! (Lebhafte Zustimmung.)
Zu unserem großen Leidwesen ist aus den Reihen der Mannschaften und Unteroffiziere fein genialer FF h re r ber o ar gegangen, obwohl sic damals überall das Heft in den Händen hatten. Als ich, nach, Kiel kam, fand ich nickst die geringste Leistimg der Revolution vor. Ich bin der erste Svldatenrat von Teutschiland gewesen und habe mir die anderen Soldatenrate erst mühsam zusamnrengcsucht. Ter Proviant gitng am nächsten Tage aus, 40000 Mann waren ohne Löhnung: eine. Welle des Verderbens drohte sich über das Land zu ergießen. Ta habe ich mir die alten Offiziere und Beamten, verprügelt und bespuckt wie sie mären, einzeln wieder herangeholt und mit ihnei? das Schlimmste wieder verhütet, und ebenso war es hier in Berlin. EswarderTrägereines dec bekanntesten deutschen Namen, der mir unter tausendfacher Lebensgefahr die Gewehre unddie Munition für m eineer ft en Freiwilligen au 3 b en Kasernen zusammengestohlen hat. (Zuruf: Wer?)
Wenn Sie es wissen wollen: Ein Graf Bismarck!
(Bewegung.) Wenn sie ihn erwischt hätten, hätten sic ihn totaeschlagon. Und ich sollte jetzt vergessen, Nas Die Offiziere mir für die Rettung des Landes geleistet haben? Die Parier Darf mir die Leute nicht prellen, auf die ich in Kiel und Berlin nicht ganz verzichten konnte und auf die sch heute nicht Verzicht leisten kamt.
Erstes Blatt 169. Jahrgang Dienstag, 30. September 1919
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Sin Erfolg Hostes.
Die Rede Noskes, mit der er annähernd 500 Parteifunktionäre zu überzeugen wußte und bewirkte, daß der ^Vorwärts", der erst kürzlich mit der Scheidemannschen Rute nach ihm geschlagen hatte, wieder ruhig u:id vertrauensvoll geworden ist, verdient es, etwas «usführlicher wiedergegeben zu werden. Sie enthält allerlei für das gesamte Volk bestimmte Aufklärungen und spricht in ihrer derben Sprache Millionen von Deutschen aus dem Herzen. Der Reichswehrminister arbeitete aber auch sehr wirksam mit kleinen Enthüllungen. Ein Redner in der Berliner Versammlung hatte vor Noske erklärt: „Wir würden heute nicht in diesem Saale sitzen, wenn wir Noske nicht hätten." Der 'Minister aber hielt dem, wie aus dem nachstehenden Wortlaut zu ersehen ist, solgendes •gegenüber: er selbst, Noske, würde nicht Wehrminister sein, wenn — Graf Bismarck nicht geholfen hätte, überhaupt, wLnn seine „Wal- Ücnfteiner" nicht gekommen wären. Noske ist ehrlich: er scheut sich nicht, für das viel beschimpfte Offizierkorps einzutreten. Hören wir nur, wie der „Vorwärts" Noskes Persönlichkeit würdigt!:
„Noskes PcrsönlickKit, sein bloßes Auftreten s'raft all die Gerückte Lüge, die eine gehässige Fama um ihn gewoben bat. Wer Noske reden Mrt, der gewinnt den Emoruck einer großen poli-- tiidicn Intelligenz, die sich mit nngewöhnlickxr Energie paart, aber auch das ist ihm sofort klar: triefet Mann ist weder der tyramnsck.c Bluthund, als den ihn die Kommunisten malen, noch der (Schrittmacher der Reaktion, als der er Aengstlichrn rn'drint. Er gehörst mit seinem ganzen Fühlen lind Tenken zur Partei, er bat nicht um Haaresbreite ailfgehöct, Sitzicilist und Temiokrat zu fern.
Allerdings ist Noske kein «Schmeichler uni) Lobhudler der Masse, der ihr nach Komnmnisteuart : urrmben und Fähigkeiten an dichtet, die sie nicht besrtzt. Er hat einen scharfen Blick für die Unzulänglichkeiten, welche die Revolution bei großen > eilen der über Nacht erwachten Masse enthüllt hat, Lird er besitzt vor allem den Mut, seine Er- Z-enTi rnU rücksichtslos aüszusprechZn, iii cs auf die Gefahr zu mißsalletr, und die Kon- i\ Quenten für sein Tun daraus zu ziehest, hftwiß bleiben eine Anzahl unerfreulicher Fälle, aber die Funktionäre begrif-n aus stoskes Rede die große Richtlinie seines Handelns ind überzeugten sich, daß diese zi.-lbewnßt, klug rnb dcinokra.isch einwandfrei ist. Aus seiner Rede ntthüllte sich der große Umfang seiner bisherigen Wlri's.rmkeit, und vielfach wurde das Bedauern laut, daß vieles von dem, was die Versammlung <ru5 Noskcs Mund erfuhr, nicht schon früher und Nackchaltiger in die Oefscntlichkejt gedrungen ist."
Es ist feine Frage: bei allen ordnungsliebenden Menschen, seien sie nun Arbeiter, oder Angehörige einer anderen Gesellschaftsschicht, lvird Noske Verständnis und Zustim- inung finden, denn schließlich haben alle Deutschen, so unterschiedlich auch ihre parteipolitische Meinung sein mag, doch etwas gemeinsam: das Gefühl für die Notwendigkeit von Recht und Sauberkeit in unserem arg mitgenommenen Vaterlande.
Der Wortlaut der Rede.
Berlin, 29. «Sept. Das Ergebnis der gestri- gen Konferenz aller sozialistischen Vertrancns- mairner Großbcrlins, über deren Atisgang wir >chon kurz berichtet haben, ist ein einstimmiges Vertrauensvotum für den Reichswehrmr unter Noske gegen den „Vor- wärts"-Ncdaltcur Kuttner, der die in der W ualdemolratischen Presse in der letzten Zeit er- r?”1™ Angriffe . zusammenfassend vorgebracht I x&Ee. Noske verteidigte sich in einer fast zweistündigen Rede gegen den Vorwurf, als sähe er ruhig zu, wie sich in der Reichswehr die Neaktton ivieder brettmache.
Einleitend hob er hervor, daß in den Kreisen üer Negierung zur Zeit unverbindlich darüber ge- iprochen werde, wie die Umbildung des Rcichs- .abrnetts stattftndcn könnte. Aber viele der ver- ostcntlichten Nachrichten entbehren der tatsächlichen Unterlage, und ob die Demokraten in die Regierung eintrcten könnten, fei noch nicht klar. Dann whr Der Reick-swehrminister fort; Ter Fall ö z. ha r d sei für ilm erledigt. (Große Unruhe.) lnnyard habe eine Erllärung abgegeben die er i A 1 im «Schreibtisch habe, aber auf Wunsch rösfentliche,: könne. Daraushin habe das Kadmett .etnftimmig beschlossen, von einer : ^p/EN ^eriolgung der Angelegenheit abzusesen.
könne m der Reichswehr keine Ordnung schaffen, Offiziers-, Unterosfiziers- unb ^oldatenbundc sich gegenseitig in den Ka- R?? ?cc einzelne Mann könne
leuren Polittschcn Neigungen nachgehen, aber die I kruppe selbst muhe unpolitisch gemacht werden und bedingirng^.os der vom Volke eingesetzten Regierung gehorchen.
Die Forderung, daß mit der Entente über die r-chließmig der Grenzen verhandelt werde sei sehr leuechtigt: aber einstweilen verhandle die Entente noch nicht mit uns. Auch ihre milftärische lieber» srachungskonirmssion fei zwar mit 65 Mann in Seclin, lehne ihm aber jedes mündliche Verhandeln ab. (Hört, hört!) An dem Vorgehen des .LZorwärts" gegen
anlgebliche oder wirkliche Mißstände in der Reichswchr
ici das Unhellvolle, daß er die ganze Partei in «lMuhe und Nervosität versetze. «Exri erst mal
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erünberg iftlg und loirb ron■&* i e ü e n oertreten. „de als Erheber der v'rvsliÜ>'i.
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