ttten, Manuskripte usw. aus staatlichen, bzw. hochararischen und hoch edeikommisiarischen Besitzungen. soweit deren Veräußerung nicht durch den Fricdensvertrag untersagt iü, a n d a s A u s l a n d zu verkaufen. Ter Kabinettsrat beschloß ferner die Aufhebung der Bries- und Telegramm- »ensur, welche bekanntlich aus politischen Gründen bei Auslandssendungen Platz gegriffen hatte.
Wi cn, 29. Sept. (WTB) Das Kvrr.-Büro meldet: Diesige Mittagsblätter bringen eine Ber- lmer Meldung über eine angebliche Pariser Depesche, derzufolge die d e n t s ch ö st e r r e i ch i s ch e Regierung mit Rücksicht auf die Trostlosigkeit der Ernährungs- und Kohlenlagc des Landes beabsichtige, den Bankerott zu er Hären und die Regierungsgewalt in die Hände der asliierten Missionen zu legen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß eine solche Absicht bei der deutschösterrci- tchnschen Regierung niemals "bestand und das; die Nachricht eine böswillige und unverantwortliche Erfindung ist.
tfiumc.
Rom, 29. Sept. (WTB.) Die Jsolie- rung von Fiume ist jetzt vollständig. Sämtliche Verbindungen sind unterbrocken. Auck die Grenzen gegen Kroatien sind geschlossen.
Nom, 29. Sept. (WTB.) In Rom fanden gestern große Demonstrationen der Sozialisten gegen das Abenteuer von Fiume statt. Besonders heftige Demonstrationen waren gegen das „Giornale d'Jtalia" gerichtet.
Wilsons Erkrankung.
Haag, 29. Sept. (WTB.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldetiaus Washington, daß der Arzt Wilsons erklärt habe, er glaube nicht, Daß Wilson in der Lage sein werde, innerhalb kurzer Zeit seine Arbeit wieder aufzunehmen. Die Eröffnung der Arbeiterkonferenz am 6. Oktober in Washington wird wahrscheinlich ohne-die Anwesenheit Wilsons erfolgen.
Norwegen und der Völkerbund.
Kristiania, 29. Sept. (WTB.) Das Komitee zur Prüfung für den Eintritt Norwegens in den Bölkerbund ist einstimmig für den Eintritt Norwegens in den Völkerbund.
Ter Eisenbahnstreik in England.
London, 29. Sept. (WTB.) Der Eisenbahnverkehr ist f a st ganz ein- g e st e l l t. Unruhen werden Nicht gemelM
Aus dein Aeiche.
Die erste Sitzung der Nationalversammlung.
Berlin, 30. Sept. (WTB.) Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung der Nationalversammlung nach der Sommerpause, die heute nachmittag 3 Uhr beginnt, steht zunächst eine Anzahl kleiner Anträgen und Die erste Beratung des Gesetzentwurfes über die durch die inneren Unruhen verursachten Schäden. Der Präsident hat sich Vorbehalten, weitere Gegenstände auf die Tagesordnung zu setzen.
Berlin, 29. Sept. Abg. Nie ber (D. Bp.) fragte im Ausschuß der Nationalversammlung an, in.welcher Weist das Reich die Ministerpensianen regeln ivirb. Minister Erzberger antwortet*, daß ein Gesetz für die Reichsminister in Virb:- rritung sei. Soviel könne er aber jetzt schon sagen, daß er feine 50 Prozent Pension nach sechsmanat- licher Tätigkeit Vorschlägen werde.
Berlin, 29. Sept. Im Unterausschuß der Nationalversammlung wurde die Frage der L a n- desfinanzämter weiter verhandelt. Ihr: Prä, identen sollen 20 000 Mk. Jahres gehalt bekommen. Tie Lnilsparteien beantragen 14—17 000 Mark. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Abg. Minister Henrich enthält sich der Abstimmung.
Eine Umbildung der bayerischen Negierung.
München, 29. Sept. (Wolff.) Wie die „Münchener Post" meldet, ist in Bayern eine Regierungskrise eingetreten. Der Landes- Vorstand der sozialdemokratischen Partei hat in einer dreitägigen Sitzung in Nürnberg eingebend die politischen Schwierig;beiten der sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung nnd die Stellung der sozialdemokratischen Partei zur Ge- famtrcgiriung besprochen. Die Landeskonferenz sprach den sozialdemokratischen Vertretern im Ministerium ihr volles Vertrauen aus. Sie empfindet
Das Glück der andern.
Original-Roman von Erich Eben st ei«.
Copyright 1916 by Oreiner & Comp., Berlin W 30.
iNachdruck verboten.) Fortsetzung 17.
Evelyn war blaß bis in die Lippen hinein geworden. Schrecken und Zorn malten sich in ihren Zügen. Tann aber glitt plötzlich ein boshaftes Lächeln iim ihren Mund. Sie zog Modesta ein wenig beiseite und flüsterte ihr ebenso leise zu: „Wage es doch! Sage ihm alles, wiS du weist! Aber merke dir auch das: In dem Moment, wo du mir bei Magnus zu scl>aden suchst, erfährt er auch von mir, daß du ihn liebst und nur aus Neid gesprochen l>ast!"
Sie ließ Modesta, die wie vom Blitz getroffen zurückiul/r, flehen und verschwand mit einem kurzen „Gute Nacht" im Nebenzimmer. ,
Draußen läutete eS. Lotte kam heim.
Lotte, die heute bei Geras eingeladen gewesen und nun von Bertie l^imgebracht worden war, lenkte die all genullte Aufmerksamkeit von Modesta ob und auf sich.
Sie I>atte, wie immer, viel zu erzählen.
Erstens, wie „süß und einzig" Bertie wieder gewex'n mar. 23.1s er ihr alles gesagt und daß er morgen sie uni> Erna sowie seine Mutter in die Kun starte ne. lang süliren wolle. ZiveilenS, daß Frau Geras gemeint bade, es sei nun dock» zwecklos, bei: Lotte ixte Pädagogium weiter besuche, denn Lehrerin würde sie ja doch nicht. Sie möge also lieber schneidern und kock-en lernen.
„Das ist ein ganz vernünftiger Rat," nickte Mama Losenstein, „und ich habe auch bereits baran gedacht. Wir ivoilen morgen in den Haus
es als eine b-sond-te Schiwrerigkeit ber sozialdemokratischen Partei Bayerns, daß die Regierung, genannt Hoffmann, als sozialdemokratische Negierung gilt, wahrend es klar ist, daß die Zusammensetzung von Regierung und Landtag eine reinsozialdemokratischePolitikaus- sch ließt. Deshalb fordert die Landeskonferenz eine erhebliche Umbildung des Ministeriums. Sie ermächtigt die Genossen Hoffmann, Segitz und Endres, ihre Mandate in der Regierung niederzulegen, wenn die von der Landeskonferenz für notwendig erachtete Umbildung der Regierung nicht durchgeführt werden kann. Diese Entscheidung der sozialdemokratischen Partei bedeutet, wie die „Münchener Post" bemerkt, eine Regierungskrise. Der am 1. Oktober zusammentretende Landtag wird seine erste Aufgabe darin sehen müssen, die Neubildung des Ministeriums einzuleiten.
Die Gemciudewahlen in Braunschweig.
Braunschweig, 28. Sept. Tie heutigen Stichwahlen für die Neubesetzung des Magistrats der Stadt Braunschwria endeten gleichfalls mit einer katastrophalen Ntederlage für di. Unabh ängigen. Heute wurden nur Stern* didaten der Bürgerlichen und der Mehrhntssozii- lislen gewählt. Zu be ö deten Stadlräten sind d'r demokratische Sck>ulinspektor Schaper und ber melrheitsfozialislische Geschäftsführer Bo gler g> wäblt: jeder dreier beiden brachte es beute auf 24 700 Stimmen, 'während jeder ber unabhängigen Gegenkandidaten nur rund 11000 Stimmen auf sich vereinigte. Im Vergleich zu der am vorigen S.nntag t>jrgenommenen Haup.wahl haben heute die Unabhängigen einen weiteren Ber l u st von annähernd 5000 Stimmen allein in der Stadt Braunschweig zu verzeichnen. Tie Wahlbeteiligung war heute noch schwächer als am verflossenen Sonntag. Eine besonders Überraschend.' Niederlage für die Unabhängigen ergab sich bei der Bürgermeisterwahl in der Stadt Schöningen, wo vordem die Unabhängigen die meisten Stimmen bekommen hatten. Ter bekannte Landtagsabgeordnete und frühere Borfitzende des Rates der Bolksbeauftragten, Sepp Oerter, das Oberhaupt der braun!chweigischen Unabhängige, brachte es dort heute nur auf 1947 Stimmen, während für feinen Gegenkandidaten, den mehr- heilsiozialisiisäM Land'agSabgeordueten Schelz, 2200 Stimmen abgegeben wurden.
Ludendorffs Kricgserinnerungen.
Berlin, 28. Sept. Der „Vorwärts" hatte gemeldet, daßlder Reinertrag aus den in der ganzen Welt verkauften Kriegserinnerungen Ludendorffs ungefähr 20 Millionen betragen werde Mnb daß Ludendorff den Gesamterlös den int Weltkrieg verstümmelten deutschen Soldaten zuzuführen gedenke. Dazu erfährt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" von beteiligter Seite, daß die Nachricht 'in allen ihren Einzelheiten unrichtig sei. Das Erträgnis von 20 Millionen Mark sei vollkommen phantastisch. General Ludendorff habe bisher Einnahmen aus seinem Werk überhaupt 'noch nicht gehabt.
Uns dem besetzten Gebiet.
ZK den Unruhen in Ludwigshafen.
Berlin. 29. Sept. (Wolff.) Bei den Unruhen in Ludwigshafen drang, Ivie erinnerlich, in der Nacht zum 29. August eine französische Patrouille in das Hauptpostamt, erschoß den Post- verwalter See und den Briefträger Funck und verwuitdete den Packmeister Grosser schwer. Die deutsche Regierung hat aus diesem Anlaß ber französischen Regierung eine Note überreicht, in der sie die Erwartung ausdrückt, daß von französischer Seite eme U ntesuchung des Vorfalls ein geleitet werde, und um Mitteilung der !legen die Schuldigen getroffenen Maßnahmen eracht. Zugleich beantragt die deutsche Regierung, «aß die beiden ihrer Grnäljret beraubten Familien eine angemessene Entschädigung erhalten, und daß der verwundere Beamte durch Ersatz der Kurkosten schadlos gehalten wird.
Eine französische Zeitungszensurstelle.
Rene Altmayer, der Kommandeur von Höchst, hat folgende Bevvrdnun^n erlassen:
Zeitungen aus dem unbesetzten Teutsch^- land können in das besetzte Gebiet nur durch Vermittlung der Zeitungsvertriebsstellen eingeführt werden. Tie 8eihingen können diesen Stellen nur durch zwei Hauptstellen zugehen, nämlich die Bahnhöfe Höchst und Kassel und mit -Wei Zügen, nämlich denjenigen, die Frankfurt um 6,25 Uhr vormittags und 12,01 Uhr mittags verlassen. Sie können nur aus diesen Bahnhöfen heraus, wenn dazu von den dort eingerirUeteni Lese zentralen die Genehmigung erteilt ist. Jede Zeitung, die nicht auf der LcsezeMrale gietcfen Norden ist, darf nicht verkauft werden.
srauenverein gehen, Lotte, um uns nach dm Auf- nahmcbedingmigen zu ^erkundigen."
Mama! Morgen nachmittag bin ich ohnehin frei. Aber nun kommt die allerwichtigst: Neuigkeit! Tenkt euch, wir habm jetzt auf i>?m Heimweg Magnus getroffen und er begleitete uns ein großes Stück!"
„Das ist die große Neuigkeit?" lachte Emmy.
„Tas allein natürlich nicht. Aber Magnus, der Bertie ja gleich so gut leiden mochte — ihr müßt doch das bemerkt haben —"
„Ja, ja, wer kann beim deinen Bertie nickst gut leiden? Er.ist doch solch ein Ausbund aller Vorzüge und Tugenden!"
. /.Tas ist er auch? Also Magnus erkundigte sich im Gespräch nach Berties Zukunftsplä:ien und unieren Heiratsaussichteu. Bertie war furchtbar zugeknöpft — wahrscheinlich aus Bescheidenheit, weil er vielleicht schon ahnte, was MaguuS be- obiickitigte, aber da nahm ich die SackZe in die Hand und erklärte Magnus unsere Lage haargenau."
„Nun? Er hat ihm »wohl eines seiner Güter und hu d rt tau send Gu den dazu augeboten, damit rhr gleich heiraten könnt?"
„Spotte doch nickst immer, Emmy! Tas hat er natürlid nicht. Aber er kennt einen gewiss m Herrn Schröder — einen von den Zuckerkönigen.
will er Bertie empfehlen und er ist über* 5-ugt, daß Schröder ihm dann gleich eine Stelle gebar wird, so daß wir schon sehr bald beiraten können. Ist das nicht süß von 'JJZagnud?"
„Warn es kein le-ves Versprechen ist — gewiß!"
„O, da körnst du MagnuS scksteckst? Ter hält bombenfest, *nxid er versprochen hat. Leider litt diese r Schrist>er momentan irgend.vo in Aegypten auf
Au» Stadt unb Land.
Gießen, den 30. Sept. 1919.
Lebensmittel.
* * Ausgabe von Kunsthonig (Ausgabe Nr. 6.) Vom 29. b. M. bis 11. Oktober einschließlich gelangen gegen Vorlage der Lebensmittelkarte und Abgabe des Bezugsabschnittes Nr. 6 500, Gramm Kunsthonig zum Preise von 80 Pf. für Paketware und 78 Pf. lür losen Kunsthonig zur Ausgabe
* * Weißbrot. Das Backen von Weißbrot für den Monat Oktober 1919 ist nachstehenden Bäckern übertragen worden: Lange, Philipp, Neustadt: Schilling, Georg, Bis- marckstcaßc: Hoelters, Willy, Frankfurter Straße. — Weißmehl: iVender, Konrad, Walltorstraße; Nährmittel: Berdux, Gebr., Bahnhofstraße.
**DerVerkaufvonKraut,Obfl usw. auf Wagenladungen erfolgt vom kommenden Samstag ab an den bestimmten Markttagen auf dem Oswaldsgarten.
* * Kartoffelbezugs scheine. Am Mittwoch dem 1. Oktober können die Kar- toffelbezugscheine, wo diefAnträge am Freitag, Samstag, Montag und Dienstag zurückgege ben sind, in den Brotmarkenbezirken vormU tags von 8 bis 12 Uhr abgeholt werden.
Tie Lesezenkrale ist also ernt französische Zensur. ®ian darf gewannt fein, wie fit; arbeitet.
-- T ie z cr. d. L„ 28. Sept. Ter französissten Desatzungsarmee wurden sechs Pferde -.stolzen. Tcm Unterlahnkreise ist eine Strafe von 150000 Mark angeb nobt worden, falls die Tiere nicke bis zu einem bestimmten Tage zurück- geyben worden sind.
(ßcricbtifaaL
Der Offenbacher Putsch tar dem Schwurgericht.
RMK. Darmstadt, 29. Sept. Zu unserem Vorbericht über den Offenbacher Putsch vor dem Schwurgericht zu Darmstadt können wir heute weiter melden:
Auf der Anklagebank sind nur die vier Angeklagten W. Hch. E i s e n r e i ch, geb. 1882 in Zwickau, ber Taglöhner Adam Bauch, geb. 1879 zu Urberach, die Hch. Braun Ehefrau, 79mal vorbestraft, geb. 1872 zu Riesa a d. Elbe und der nicht in Hast befindliche Karl Bockhardt, Portefeuiller aus Offenbach erschienen. Der fünfte, R. F. Moritz, Ingenieur, geb. 1892 ju Aschaf'en- tnirg, hat es vorgezogen, nach seiner mit Schluß der Voruntersuchung erfolgten Haftentlassung zu verschwinden. Tie Anklage gegen ibn wird deshalb abgetrennt und nur gegen die anderen verhandelt.
Die Anklage vertritt Amtsgerichtsrat Tr. Bittet, die Verteidigung führen für die Angeklagten Eisenreich und Bockhardt R.-A. Dr. Se cke l in Frankfurt, für Bauch und Frau Braun R.-A. Dr. Maurer.
Der Angeklagte Eisen re ich entwirft bei seiner Vernehmung in erregten Worten ein Lebensbild, verweigert aber über die Offenbacher Vorkommnisse die Aussage. Die Angeklagten Frau Braun und Bauch, wie auch Bockhardt schildern dann die ganze Begebenheit in dem Lichte, daß sie die mit dem Offenbacher Volksrat unzufriedene Bevölkerung beruhigen und vor Gewalttätigkeiten warnen wollten. Bockhardt schildert besonders lebhaft, wie das Feuer durch die Schuld der Soldaten eröffnet wurde. Frau Braun gibt u. a. an, daß sie aus Unkenntnis zu der K. P. D. übergetreten fei; sie habe aber jetzt genug davon. Es werden noch die ersten Aussagen des inzwischen flüchtigen Angeklagten Moritz verlesen, aus denen hcrvorgeht, daß auch er mit den Zuständen bei der K. P. D. nicht zufrieden war.
Dann wird mit der Zeugenvernehmung begonnen. Zunächst schildert Kriminalkommissar Hellwig entgebenb die Vorkommnisse und deren Folgen. Bekanntlich haben dabei etwa 20 Personen ihr Leben verloren, ebensoviele sind schwer verletzt, abgesehen von denen, die sich aus Furcht vor Strafe nicht meldeten.
Äon Interesse ist die bami folgende Vernehmung des Redakteurs Kaul vom Offenbacher Abendblatt, der die BorgeschEe, die Strömungen und Msickiten der U.S.P. unb der K. P. T. eingehend erläutert und bamt auf die Vorgänge selbst eingehend mitteilt, wie man nach, den versck-redencii aushctzenden Ausrufen mit allen Mitteln versucht habe, die aufgehetzten Mengen pi beruhigen und Blutvergießen zu vermeiden. Tie Menge ließ sich aber nicht mehr halten. Bei dem Blutvergießen selbst war Kaul auf dem Kreisantt.
Da Angeklagter Eisenreich wie sein Verteidiger eine Reihe von Fragen stellen, kommt es verschiedentlich zu Zusammenstößen. Als schließlich der Zeuge auf die Frage: 23er die 9leu(iemmg.-n, daß Blut fließen.müsse, ehe die Offenbacber Philister aufwachten, ihm mitgeteilt habe, die Aussage ver weigert, und als ihm diese Steigerung als unberechtigt vorgehalten wird, bezieht er sich auf seine ßmmunität als Abgeordneter. Der Gerichtshof muß ihm diese Verweigerung auf Grund der Verfassung zugestehen.
Die übrigen Zeugenaussagen ergeben nichts bemerkenswertes: die Verhandlung nimmt aber durch die fortwährenden Gegenfragen der Angeklagten, wie der Rechtsanwälte, wie auch des Staatsanwaltes nur einen schleppenden Fortgang.
Att» Hessen.
Die Gemeindewahlen im besetzten Hessen.
Das Ministerium des Innern hat über die Kommunalwahlen in Rheinh s,«n und im besetzten Teil der Provinz Starkenburg u. a. folgendes bestimmt: Die gegenwärtigen Stadtverordnetenversammlungen und Gememderäte werden aufgelöst. Die Neuwahlen hab^n an einem Sonntag, und zwar spätestens am 9. November 1919 zu erfolgen. Bis zum Amtsantritt der Neugcivählten bleiben die bisherigen Mitglieder der Stadtverordneten Versammlungen und ber Gememderäte in Tätigkeit. Sobald die Neuwahl der Stadtverordneten und Gemeiudcratsmitglüder und ihre Amtseinführung vollzogen sind, foriben in den Städten die^unbesoldeten Beigeordneten und in den Landgemeinden die nichtbesoldeten Bürgermeister unb die Beigeordneten aus ihren Aemtern aus. Zu bereit Neubesetzung sind die erforderlichen Wahlen
alsbald vorzunehmen. Fn ben Stödten Haven diese Dahlen spätestens am 30. Moember 1919 zu erfolgen. In ben Lattdgemeinden sind die Burger- rwisierw.chlen spätestens am 30. Novemb-r 1919 unb die engeren Wahlen (Stichwahlen, für diese spätestens am 14. Tezernbcr 1919 vorzunehmen, unb die Wahlen aller Lleigeordneten spätestens am 28. Dezember 1919, die engeren Walüeir (Stich- prahlen) für diese spätestens am 1. Januar 1920 zu beenden. Die Wahlen der Büraemunster und, der Beigeordneten haben in den £ani>gemetnben an Sonn.'agen stattzufinden. Die ausgeschiedeuen Bürgermeister und Beigeordneten sind wieder irrählbar.
Landesausschuß der Deutschen Dolkspartei.
lk. Darmstadt, 28. Sept. Samstag, 4. Oktober, vormittags 11 Uhr, tritt im „Neuen Krokodil" in Frankfurt a. M. der Landesausschuß der Deutschen 2Zolkspartei für den Freistaat Hessen zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Programmentwurfs, die 23al)l der Vertreter zum Parteitag in Leipzig und die Besprechung der nächsten Neichstagswahlen. Am gleichen .tage findet in Frankfurt der Parteitag der Deutschen Volkspartei für Hessen-Oöajiau statt, zu dem auch Dr. Stresemann erwartet wird
** Amtliche Personalnacheichtk» Der Lrhramtsassessor Friedrich Lehmann rni* Bensheim wurde zum Oberlehrer an ber höheren Bürgerschule ju Rüsselsheim ernannt. — Der Staatssassier Rechnungsrat Friedrich Bitsch zu Grünberg wurde vom 1. Oktober d. I. ab. der Zollkassier bei dem Steuer amt Friedkrg 9?ed>- mmgärat Christian Dönges zu Friedberg auf fein _ diachswÄTN unter Vtnerkrar-ur, ferner dem Staate g.L ifteten Dienste trom 1. Cft d.J. ab und der SraatSkassier Rechnungsrat Johr Frieß zu Lauter back auf sein Nah suchen unter Anerkinmung feiner dem Staat gr- leisteten Dienste vom 1. Oktober ab in den Ruhestand versetzt. — Am 17. September 1919 uniitv der Recn^ungsbaumeister 2ld-.»lf Schaumburg aus B le b e n ko pf zum fbauasstfsor un.er Verleihung des Titels und Rangs eines Dauinspek' wrs ernannt.
** Die wirtschaftliche Notlage der Kriegsbeschädigten unb Kriegshinterbliebenen. Die Geschästsstelle bc» Kreises Gießen des freien hessischen LarckesVerbandes ber Kriegsb-schädigten und KrtegsHinterbliebenen bzw. des Einheilsverbandes der ü'riegS- beschödigten Deutschlands Sitz Lech ^ uns: Der Einh.itsverband der KriegsbesaMidigl,'« Deutschlands (Sitz Leipzig) mit Abteilung B Kriegshintcrbliebciie, hat durch eine breigliebriße Kommission aufs neue G legend it genommen, bm Herrn ReickMrbritsminister die schivere Notlage der Kriegsk^-sich^diaten und Kriegshinterbliebenen vor^uttagen und sckmellste Del-ebiing zu forbem. Aus die neuerlich für die kriegSbeschädigteu Beamten erlassenen Versügungen, die l>öd>fte Erbitterung hervorgerufen haben, Uxurte sofortige Aushebung gefordert. Unter Zusicherung w.itgehrnd- fter Unlerslützung fritens des Reichsarbeitsmiiu- fters wurde die Bespreckmng (u-enbet.
** Tie Deutsche Bol kSpartei verni- ftxütct am TienstaD, abends 8>/« Uhr, im Hot.l Sckütz einen öffenlirchen Vortrag über ,Mittel-
etnem Jagbausflug, so daß man erst seine Rückkehr abwarten muß. Aber in vier 2B6dh?n ist er sicher zurück. Ich hätte Magnus am liebsten auf offener Srraßc umarmt! Aber morgen, ivenn er kommt, tue ich es bestimmt! Sertie war fj txr- Plcx über dieses unerwartete Glück, daß er ganz stumm dasiand unb ich ihm erst einen heimlichen 8ilppknstoß geben mußte, ehe er sich au frassen ^mnte, .ein paar Tanka»rte zu stammen!"
Modesta hatte sich wahrend des Gesprächs unbemerkt davongcschlick-en.
Lotte, die am liebsten noch bis Mitternacht von ihrem Glück gespvochen hätte, bemertt: plötzlich. daß Emmy ibr nicht mehr zuhörte und mit vergrämtem Gesicht vor sich hinstarrte.
Ta war es mit Lottens stürmischer Freude auf einmal vorbei. Tie arme Emmy — natürlich mußte sie jetzt doppelt leiden unter der Aussichts- toÜOfcit ihrer eignen Brautschaft . .. n,ch dazu, ivo Vieler Egon sch nun schon so lange in Schweigen hüllte. . . „Bertie würbe mir das nie antun!" dachte Lotte unb schlang bann zärtlich ben Arm um die Schwester.
„Nicht traurig sein, Emmylein! 23er weiß, ob Magnus nicht auch für euch einen 2lusweg weiß! Er hat so viele Bekannte unb ist so gut . .
Ein tiefer, beklommener Seufzer war Emmys Antwort. Tann drängte die Mutter zum Schlafen-
Am nächsten Morgen stand Mama Losenstein in der Küche und beriet mit Mvdesta, wie man den Küchenzettel noch mehr vereinfachen könnte, um die Auslagen, die Mognus' unb Berties Besuche ifmen nun auferlegten, wieder wett zu machm.
Sie machte verschiedene Borschläg:, aber Mode sta gab keine Antwort. Sie lehnte am Fenster
unb starrte verträumt in ben engen Hof bin ab, wo auf dem einzigen kümmerlichen Lebensbau-n. der dort »ein To fein fristete, eine Amsel ihr eriid Frühlinaslied fang.
,^Jch glaube, du hörst mir gar nicht zu, M» desta'? Was hast du tknm nur heute?"
„Mir ist nicht wohl, Mama. Ich habe schsecht geschlasen und fühle mich fo müde . . ."
„Na, du wirst mir dxh nicht blutarm werden? Blaß siehst bu ja schon seit einiger Zeit aus 3d wollte, ich könnte bich irgendwohin aufs Lan» schicken, aber daran ist ja leider vorläufig gar oichi zu denken. Also. .
Es läutete. „Ter Briefträger," sagte ci Mutter und verschwand. Als sie roieberfam, lächelte sie froh. „Gottlob, Emmy bat endlich do lteißersehnten Brief Den Egon bekommen. Nun wird auch fie hasfentlieh imeber ftohlicher v:: Letzen blicken. Ich habe ihr das Schreiben gktf hmein getragen."
Gleiche darauf hörten beide Frauen in M Küche einen halber stickten Schrei aus dem 23*' zimmer.
Tie Mutter stürzte erichrockm hinein.
Modesta ihr nach einigen Minuten folgte, sand ßc Emmy bewustlos am Sofa liegen unb die Mutt.r. leichenblaß im Gefickt, einen 23rief in der Hand haltend, daneben stehen.
„Er hat ihr bad Wort zurückgegeben. . " stammelte sie, Modesta verwirrt anblidenb, vu tvnlj;er Stimme, ,,wcll er schon lange und au- ihrem letzten Brief erst recht deutlich fühlte, dov Emmv ein besseres Los verdient hab:, als uio Unge.visse hinein auf einen armen Oberleutnant zu warten. Er wollte nicht schuld an ihrem Unglück fein . . ." Tie Mutter brach in Trauen aus. (Fortsetzung h>lgt.)


