Ausgabe 
28.8.1919
 
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Kuibitii» Die autonome Verwaltung mit beutscheai Behörden unb deutscher Gendarm-erie unter einem deutschen Nationalen temninister. ES wurde ein Dreie raus schus- aus der Bauern- und Pürger- pavi'ti, beu Sozialisten und den Christlich-Sozialen entsandt, um mit der Regierung und der Entente bezüglich der vollen AutonornieDeutsch- W e st Ungarns zu verhandeln.

An» Hessen.

Angriffe auf die hessische Regierung.

In derHessischen demokrati­schen Korrespondenz" werden mehrere Angriffe, die in der letzten Zeit von der rechts gerichteten Presse, besonders der in Darmstadt erscheinendenHess. Landeszeitung", gegen Männer der Regierung gerichtet woroen waren, in folgender Weise zurückgewiesen:

So wurde dieser Tage von einem rechtsstehen­den Darmstädter Blatt, das dem Frhrn v. Hehl nahe steht dem Finan^minister Henrichin ziem­lich unverblümter Form Korruption vorgeworfen imb als angeblichen Beweis dafür erzählt, daß er seine Parteisremide Carnier und Loos als Milch- und Kartoffclaufläuser aufs Land geschickt und seinen Sohn zum Landamtmarm ernannt habe. Schließlich wird kamt auch mit Berufung auf den Abgeordneten Tr. Becker etwas bunte! ange- bcutet, die Zustimmung Hessens zu den neuen Finanzpläuen Erzbergers sei wohl mit der Er­nennung des Finanzministers Henrich zum Präsi­denten des Landesfinanzamtes erkauft worden. Ob auch die Verwendung des Lehrer Halfinger in der Zentrale für Volksbildung und die Ernennung des Lehrers Jung und des Prof. Messer zu Mitgliedern der Schnlabteilung dem Finanzmrnister in die Schuhe geschoben wird, ist nicht zu erkennen.

Tas ist ein sehr bedauerliches Beispiel für die Agitationsmechode der Regierungiogegner. Vor­gänge, die an sich -tatsächlich richtig sein können, werden uingedeutet, in ein entsprechendes Licht ge­stellt und damit erhalten sie dann ein völlig ver­ändertes Aussehen. Im Kriege haben tatsächlich eine ganze Anzahl wrtschirittlicher Stadtverord­neten und Beamten der Stadt Darmstadt und dem Lande große Dienste geleistet. Hammann ist an der Arbeit körperlich zu Grunde gegangen, der jetzige Finanzminister Henrich hat über zwei Jahre die Kartoffel- und Milchversorgimg der Stadt geleitet, Stadtverordneter Wolf das Ein­quartierungswesen, die Herren Loos, Presser, Carnier, Jung usw. haben sich in anderen Zweigen der Versorgung verdient gemacht, alle ohne irgendwelchen persönlichen Vorteil und ohne Vergütung für ihre Arbeit. Von Parteifreunden des reckstsstehenden Blattes hat man bei dieser Ar- >eit und Sorge nur selten jemanden gemerkt. Man nahm die Arbeit gerne hin, heute wird sie denen, die sie selbstlos leisteten, zum Vorwurf gemacht. Tann der Landamtmann Henrich. Herr Henrich ist seit 5 Jahren Regierungsaffessor und ist auch heute und für die nächste Zeit nichts an­deres, nachdem er neben dem Kreisamtmann Braun mit der Wahrnehmung der Funktionen eines L.rnd- amtmannes beauftragt worden ist. Etatsmäßige Stellen unter diesem Namen gibt es nicht. Es ändert an seiner Stellung nichts, ob er in der inneren Verwaltung oder in der Tomänenverwaltung tätig ist. Seine Hebern ahme erfolgte nur deswegen, weil er der einzige Verwaltungsbeamte in Hessen ist, der prak­tische Erfahrungen im Siedlungswesen besitzt. Ten Gipfel der häßlichen Parteiagitation aber erklimmt das Blatt mit der Andeutung, der hessische Finanz- Minister sei für seine Zustimmung zu der Neuorga- Msation des Finanzwesens im Reiche gekauft worden. Tie Berufung auf den Abgeordneten Dr. Becker ruht offenbar auf gleicher Grundlage, denn wir können es uns nicht vorstellen, daß Herr Dr. Becker trotz seiner scharfen politischen Gegner­schaft an dieser bedauerlichen Verdächtigungs­kampagne irgendwie beteiligt ist. Tie Uebernahme der Steuerverwaltung auf das Reich ist sowohl im Staatenhaus als auch in der Nationalversamm­lung von dem Finanzminister Henrich bekämpft worden. Sie war aber nicht aufzuhalten, denn sowohl im Staatenhaus als erst recht in der Na­tionalversammlung war eine Mehrheit (auch ohne Hessen) dafür Vorhände». Bei dieser Sachlage war Herr Henriche bestrebt, den lieber gang sozusagm statten, daß er sich in denjenigen Staaten, die wie Dessen eine eigne Steuerverwaltung haben, sowohl für Publikum wie für Beamten möglichst wenig erschütternd and fühlbar gestaltet und daß ferner bei der künftigen Reichseinkommensteuer die finanzielle Selbständigkeit der Staaten und der Gemeinden nach Möglichkeit gewahrt bleibt. Tas ist bis jetzt gelungen, allerdings tritt von dieser Arbeit wenig an die Oeffenttichkeit, da sich rxirüber lange Zeitungsberichte nicht schreiben lassen, wie dies bei jeder Rede eines Abgeordneten in der Nationalversammlung oder in einem Aus­schuß der Fall ist. Ter Einfluß auf die Gestaltung der kommenden Organisation der Finanzvecwal-

ttrng imb ihre 9hiljl>armactjung für die Jmeceneu des Landes war aber nur dadurch zu erreichen, daß die Fiuauzminister der kleineren Einzelstaaten für eine gewisse Ueber'gangszeit (in Hessen bis 1. April 1922) die Leitung der LandeS-ftnanzämter zu ihrem Amt müübernehmen. Sie behalten also nach Ivie vor die Leitung der ihnren bisher untergefteüten Steuerverwaltung, wenn auch unter anderem Namen. Tas ist ein Opfer, da selbstver­ständlich doppelt Gehälter nicht gezahlt werden trotz dec großen Verantwortung und Mehrarbeit. Zalstt das Reich ein Gehalt dafür, dann wird das im wesentlichen dem Land zugute klommen, so daß unter Umständen Hessen bis zum 1. April 1922 einen Finanzminister haben wird, der das Land nichts oder fast nichts kostet."

Die Oberhessische Bauernbewegung.

# Düdelsheim, 27. Ang. Hier wurde eine Ortsgruppe des Hessischen Bauernbundes ge­gründet, der sofort 50 Mitgli-ürer beitraten. Vor­sitzender wurde Landwirt Heinrich Wilhelm Wolf. Eine weitere Ortsgruppe wurde in Ober-Wid­ders heim gegründet, wo 30 Mitglieder bei* traten und der Bürgermeister Schäfer Vor­sitzender wurde. Weitere Ortsgruppen wurden in Nidda, Bingenheim, Gettenau,.Ech­zell, Ober-Mockstadt, Eckartsborn, B oben hausen I, Aulen - Diebiach, Stockheim und Wolf gegründet.

# Eichelsachsen, 27. Aug. Hier wurde eine Ortsgruppe des Hessischen. Bauernbundes ins Leben gerufen, der sofort 80 MitgliÄxr beitraten. Vorsitzender wurde Landwirt (Friedrich Lind. Aehnliche Gründungen erfolgten in Wingers- hausen, Vo lkar ts Hain, Glashütten, Gedern und Hartmanns ha in.

dta. Offenbach, 27. Aug. In den ersten Wochen nach der Staatsumwälzung hieß es, die Arbeiter rate - der Volksrat wür­den aufgelöst, sobald die Behörden benioFratifüert wären. Nun haben wir seit Monaten die Na- tionaloersammlung und unsere Volkskammer. Un­sere StadtoeroiDnetenversammlmrg ist neu »usam- mengesetzt. Unser Volks rat tagt jedoch noch immer. Er beschäftigte sich erst letzte Woche mit der Kohlemwt. Mitglieder der demokratischen Par­tei gehören ihm auch noch an. Wann wird er die Zeit für gekommen halten, sich aufzulösen? Die kommunistische Partei (Spartakusbund) ist neuerdings wieder sehr rührig. Sie oerbreite- ten am Samstag ein Flugblatt, das zur Neu­wahl von Arbeiterräten aufforderte, die tote am 9. November wieder die oberste Gewalt im Lande werden müßten.

Aus dem Reiche.

Für die Regelung der Kohlenwirffchaft liegen jetzt die umfangreichen Ausführungsbestim- minroen vor. Für jeden der 11 Bergbaubezirle wird ein Kohlensyndikat gebildet, nur für Obersckrilesien, Niederschilesien, Oberkirchen und Nachbarschaft, den Niederrhein mit Westfalen, Aachen, die Saar^ Lach­sen, das rechtsrheinische Bayern, die Braunkohlen östlich der Elbe, Mitteldeutschland mit Kassel und die Rheinische Braunkohle mit Westerwald _unb Hessen. Tie Syndikate müssen bis zum 20. Sep­tember geschlossen sein. Verarbeitende Merke müssen sick- auf Ve. langen! des Reick.iskvhlQiLerbandes einem Syndikat anschließen. Jedes muß einen Aufsichts­rat haben. Die Gasanstalten haben sich zu einem Gaskokssyndilat zusamnrenzufMießen. Ter Reichs- kvhlenrat besteht aus 60 Mitgliedern, darunter drei Vertreter der Länder,' je 15 der bergbaulichen Un­ternehmer und Arbeiter, 5 der Kohlenhändler, je 2 der technischen bergbaulichen Angestellten, der Unternehmer und der Arbeiter der koblenverbrau-- chenden Industrie, der Kleingewerbetreibenden so­wie der Genossenschaften. Einmal vertreten sind die Unternehmer und Arbeiter der Gasanstalten, die faufmämriicfpen Angestellten des Bergbaues wie des Kohlengnoßhandels, die Kohlenhändler, die städtischen wie die ländlichen KvlLenverbrautt^r, die Eisenbahnen, die See- und Binnensckftffahrer, außerdem 3 Sachverständige.

Ueber die Einschränkungen im Personen­verkehr

der Eisenbahnen werden übertriebene Nachrichten verbreitet, so ernst <cu&,\ die Frage der Kvhlew- versorgung fein mag. Zweifellos reichen die bis­herigen CinchEckmrgen nicht aus. Es werden'ohne Zweifel weitere Schnellzüge eingestellt und der Sonntagsverkehr beschrünkt. Tie völlige Einstel­lung aller Schnellzüge und des gesamten Sonntags- Verkehrs ist zwar erwogen, aber noch nicht ange- ordnet. Derartige Zwangsmaßregeln kommen eher in Suddeutschland in Frage. Ter Wegfall von Zügen bedeutet auch nicht eine Ersparnis von Kohlen in demselben Maße. Ter zu bewältigende Verkehr bleibt. Zusammengedrängt auf wenige Züge verursacht er Unregelmäßigkeiten und Ver­spätungen. Ist ein Zug nur eine Stunde länger unterwegs, so braucht er entsprechend mehr Kohlen. Tie Verspätungen machen außerplanmäßigeAufent-

ixiitc noticravviy und jeder Halt emes Zuges kostet eilten Zentner Kohlen mehr.

Hindenburg Ncichspräsident?

Berlin, 26. Aug. Der Geschäftsfüh­rende Ausschuß der Deutschen Bolks- Partei nahm in seiner am Sonntag in der Reichshauptstadt abgehaltenen Sitzung zu der nach Verabschiedung der Reichsverfassung be­vorstehenden Wahl des deutschen Reichspräsidenten Stellung. Die Er­örterung gipfelte in der einmütigen Auffas­sung, daß dieser Akt des deutschen Volkswil­lens nicht durch parteipolitische Kämpfe ge­trübt werden dürfe. Für alle deutschbewußten Männer und Frauen käme nur ein Name in Betracht, der uns Sinnbild deutscher Pflicht­treue in Krieg, Sieg und Not bedeutet: H i n- d e n b u r g. Das deutsche Volk muß die Pflicht in sich fühlen, den Generalfeldmarschall zu bitten, die höchste Würde, die es zum ersten Male in seiner Geschichte zu vergeben hat, als vaterländischen Dank entgegenzunehmen.

Eine Verwarnung derFreiheit" durch Noske.

Berlin, 27. Aug. (Wolff.) Der Freiheit", das Berliner Organ der U. S. P., wurde wegen dem von ihr veröffent­lichten und verletzenden AufrufsAn die re­volutionäre Arbeiterschaft", der eine Gefahr für die Ordnung und Existens des Staates be­deutet. seitens des Oberkommandos Noske eine Verwarnung erteilt.

Sus dem besetzten Gebiet.

Die Spielwut in Wiesbaden.

fm. Wiesbaden, 27. Aug. Die Spielwut greift auch hier stark um sich. Erft kürzlich wurde im HotelKaiserhof" ein Spielernest aufgehoben. Die Unternehmer er­hielten von der französischen Behörde bereits wegen Nichtanmeldung einer Versammlung Strafen von 1000 bis 5000 Mk. Nach einer Mitteilung des Administrateurs der Stadt laufen bei ihm fortgesetzt Gesuche um Spiel­genehmigung ein, wobei sich die Bewerber ohne jeden Grund auf den Hotelbesitzerverein beziehen. Diesen Gesuchen werde von der fran­zösischen Behörde nur insofern stattgegeben, daß lediglich Versammlungen genehmigt wer­den. Was in diesem vorgehe, sei Sache der Aufsicht der deutschen Behörden. Den Projek­ten zur Errichtung von Spielbanken ist hier bisher durch die städtischen Behörden üicht nähergetreten worden. Man steht, wie an maß­geblicher Stelle versichert wird, auf dem Standpunkt, daß das Spiel zu dem vornehmen Charakter der Kurstadt nicht passe und daß bei der allgemeinen Spielwut es doch angenehm empfunden werden wird, daß es ein Bad gibt, in welchem dem Spiel nicht gehuldigt werden darf.

= Kreuznach, 27. Aug. Eine franzö­sische Gesellschaft kaufte das Kurhvtel und das Kaffee Fürstenliof auf. Ter Betrieb in dichen Unternehmungen wird fvrtgefefct. Tie Stadt ist von Kursremden überfüllt.

Stadt rrrrd Land.

Gießen, den 28. Äug. 1919. Aufruf und Einziehung der Reichsbank- noten zu 50 Mk. vom 20. Oktober 1918.

Die Reichsbank wiederholt nochmals ihre Be­kanntmachung 5etr. den Aufruf ihrer 50 Mark- Noten mit dem Datum vom 20.10.1918. Die Besitzer werden aufgefordert, diese Noten bis zum 10. September 1919 bei einer Dienststelle der Reichs bank in Z ahlung zu geben ober gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel umzutauschen. Mit dem 10. September verliert die aufgerufene Note ihre Eigenschaft als gesetzliches ZaUungsmittel, was zur Folge bat, daß nach diesem Tage niemand mehr verpftichtet ist, die 50 Mark-Noten vom 20. Oktober 1918 anzunehmen. Es empfiehlt sich deshalb, schleunigst alle 50 Mark-Noten .dieser Ausgabe bei einer Reichsbankanstalt, öffentlichen Kasse, Bank, Sparkasse oder einem Geldinstitut in Zahlung zu geben oder umzutauschen. Versäumt man den Termin vom 10. September 1919, so kann man die Noten nur noch bei der Reichs­bankhauptkasse in Berlin eintauschen, die eine Ein­lösung aber auch mir bis zum 10. September 1920 Domimmt. Mit letzterem Zeitpunkt erlischt für die Neichsbank die Einlö sungspfticht überhaupt.

Um jedem Irrtum twrzubeugen, wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich bei diesem Ausruf lediglich um die Lteichsbanknoten zu 50 Mark mit dem Datum des 2 0. Oktober

191b lwudelt, bie auf der Vorderseite luits tnt grünes Zierstück und rechts daneben den Arn­bruck in einer quadratischen dunkelbraunen Um­rahmung tragen. Unberührt vom Aufruf bleibe» amtliche übrigen Neichsbanknoten. Reichökosseu- cheine und Darlehnskassenscheine, also auch die anb eren auf 50 Mark lautenden Darlehenskassen- cheine imb Reick>sbanknoten, unter letzteren auch >ie Ausgabe vom 30. November 1918, deren Aus­druck auf der Vorderseite von einem gemelltct Nahmen umgeben ist und deren Rückseite ein rcies Mittelfeld aufweist. Alte diese Geldzeichen bleiben gesetzliches Zahlungsmittel, müssen alfo von jedermann auch ferner ut Zahlung genommev werden.

** Marken-Ausgabe. Mvrgen uii Samstag gelangen in den Bezirten Brot-, Fleisch, imb Kartoffelmarken wie nachstehend zur Au-, gäbe: AE Freitag vormittag von 812 Uljr, FK Freitag nachmittag von 26 Uhr, LL. Samstag vormittag von 812 Uhr, RZ Sams­tag nachmittag von 26 Uhr. Die Marken sind unbedingt an vorgenannten Ausgabetagen abyi« holen.

* Freibank. Freitag, 29. August, nach mittags von 1 bis 3 Uhr, werden die Nummern 1601 bis 1700 beliefert.

** Freibank. Samstag, 30. August 1919, werden Bon 13 Uhr die Nummern 1701 bis 1800 bdtefert.

** B rotgetreide- und Gerstever^ sorguung. Durch Verordnung vom 5. August find, tote alljährlich vor Beginn des neuen Wr,- fchastsjahres, die Mengen an Brotgetreide und Gerste festgesetzt worden, die Unternehmer tonte wirtschaftlicher Betriebe aus rhren selbstgebauten Frückten zur Ernährung der «Selbstversorger der brauchen dürfen. Die Mengen betragen an 93 rot getreide 12 kg, an Gerste 5 kg auf bn Kopf und Monat, sind also gegenüber den bisher geltenden Sätzen um je 3 kg erhöht worden. Diese Erhöhung ist im Hinblick darauf erfolgt, bajüj die Landwirte und Landarbeiter in der jetzt ein- fetzenden Erntezeit reichlicher Ernährung bedürfen. Berücksichttat wurde dabei, daß die Selbstversorger von den Zuweisungen an amerifanifdjem Koch- mehl, das die versorgungsberechtigte Bevölkerung in Höhe von einem halben Pfund auf den Kvpj und die Woche bereits feit längerer Zeit erhält, mangels genügender Zufuhren büljer aus­geschlossen werden mußten, und daß die Aus- mahlung des Jnlandsgetreides demnächst alt gemein l^'rabgesetzt werden soll. Durch die Erhöhung wird auch eine erhöhte Naturalbelieferung der den Laud- arbeitem zustehenden Deputate in Brotgetreide und C'krfte ermöglicht. Die Freigabe von Gerste zu Fütterungszwecken mußte bis zu besserer Ueber« sicht über bie gesamte Ernte auf das aUcrnot« wendigste Maß beschränkt werden; demgemäß ist zmiächst nur die Versütterung von Gerste an Zucht­sauen gestattet worden, und zwar in Höhe oon zwei Zentnern für den Wurf. Diese vorläufig Beschränkung erscheint angesichts der Tatpickie, bag die Zwangsbewirtschaftung der Futtermittel in weitgeliendem Umfang« aufgehoben, insbesondere der Hafer bis auf verhältnismäßig geringe Pflickd lieferunffen an die Reichsgetreioestelle freigetyfen worden ist, mit den Interessen der landwirt- schriftlichen Betriebsführung vereinbar.

** Vorsicht bei Duplikatfracht^ briefen. In letzter Zeit sind mehrfach Kaufleute dadurch empfindlich geschädigt worden, daß sie mit Personen, die ihnen nur vberfläickftich bekamt toaren, Kaufverträge auf Lieferuna von Konten, Lebens- und Düngemitteln gegen Erlegung da Frachtbrief-Duplikate abgeschlossen Wir

sich herausstellte, sind diese Personen Opfer von gewisfenlosen Schwindlern gewortei, die in verbrecherischer Weise die Duplikate geWfdjt hatten. Tas PMikuM wird deshalb zur Verini- düng fc-erartiger schwerer Schädigamgen gut tmi, Kaufverträge nur mit beSnmten Firmen und duu»° aus einwandfreien PersönlickKiten abzuichließi, und auf die Mittvirkung sogenannter Mittelspti« fönen mit angeblich^ direkten Verbindmigen zu ixe« zickften. Besonders wird dringend davon abgeraten, die Ware fotzort nach Llushündigung eines Fmcht» biief-Duplikats lediglich auf Grund dieses Beleg» stückes zu bezahlen.

** M i l i r kon ze rt. Auf das MifttLo« Streichkonzert unter Mitwirkung des Comct ä Piston-Virtuosen Louis Kümmel, das heute abend 8 Uhr ans der Liebigshöhe ftartfuitet, machen wir hiermit nochmals aufmerksam.

Landkreis Gießm.

-m. H unge n, 28. Aug. Kaum ist die tfrudi eingefahren und die Dreschmaschinen einige Tage in Tätigkeit, so beginnt auch schon wieder vas Hanistererunwesen. SchareKwise trerta mit den Frühzügen die Hamsterer hier ein, M irie vor einigen Wochen die Frühkartoffeln, '» schleppen sie jetzt zentnerweise die Frucht iw mentlich Weizen fort. Da diese Leute die höchsten Preise zahlen, oft das Doppelte und fache d.'s Höchstpreises, so erhalten sie meist,

daß Tu Dichau bekannten und unbekannten Freun­den gesellen mochtest, um mich an dem Tage fühlen §u lassen, daß man nicht allein sei. Es ist dies nötiger als je: beim man findet doch überall ein Jrrsal unter den Menschen, das sie vom Ver­trauen lostrennt, inbem sie es anzuknüpfen wün­schen." Ter großen Schar seiner Gratulanten hatte Goethe eine bes«vndere AufmerksamLit sugcbadjit. Ein Crnblattdruck mit der UeberschriftDie Feier des 28. Augusts dankbar zu erwidern", der die erste Veröffentlichung des zu diesem Zwecke ver­faßten Gedichtes:Sah gemalt, in Gold und Rah­men. / Grauen Barts, den Ritter reiten" enthält, wurde von Karlsbad ans versandt. Für besvuders Würdige war der Tiuck mit Goethes eigenhändiger Unterschrift gefchinückt, imb solche Exemplare wer­den heute mit 200 Mark und mehr bezalftt,.xnky rend auch der gewöhnliche Truck einen rocht statt­lichen Wert darstellt. Ten Empfängern dieser Auf­merksamkeit machte freilich das Gedicht, wie aus verschiedenen Briefen Ixuvorgeht, arges. Kopfzer­brechen, denn kein Mensch teimte ahnen, daß. es sich bei dem als Symbol eingeführten Ritter um das Gemälde eines mit 24 Söhnen zu Karl IV. reiten­den .Edclmannes handelte, das der Dichter im Schloß zu Dux gesehen ^hatte.

Hermann Rollet und Richard Wagner. Ter österreichisHe Dichter Hermann Rollet, der vor banbert Jahren, am 28. Aug. 1819, das Licht der Welt erblickte, hat mancher­lei Hübsches Don dem Verkehr, den er 1852 in Zürich mit Richard Wagner pflegte, mitteilen können. Wagner wohnte damals bei bet Malerin Stocker-Escker, die ihn auch gemalt hat; hort be­suchte ihn Rollet oft.Nach der mit rauschendem Beifall im Züricher Stadttheater aufgenomme­nen >Porstelluna desFliegenden Holländer"

Wie Goethe seinen 70. Geburtstag feierte.

(Am 28. Airgust 1919.)

Am heutigen Tage, dem 28. August, wurde Goethes 70. lAeburtstag in Weimar gefeiert, und aus diesem Grunde war er yveggesahren." Mit diesen Worten erwähnt der Engländer Cogstoesl den denkwürdigen Tag, dessen 100. WiÄerkehr wir bedenken, in einem Brief, den er aus Weimar nach Hanse schrieb. Und wirklich: Goethe, der über- hauyt kein Freund von Geblirtstagsseiern war, batte es auch an feinem 70. Wiegenfest verstanden, sich ieber Huldigung zu entziehen.Den 28.," schreibt er rückblickend am 8. September an Wil- lemer,brachte, bei schönem Wetter, unter freiem Himmel zu, auf dem Wege von Asch nach Karls­bad, wo ich zeitig anlangte." Da so der persön­liche Mittelpunkt einer großen Feier fehlte, so verlief der Tag in Weimar ziemlich still.

In einigen anderen Städten aber ließ man es sich nicht nehmen, den größten deutschen Dich­ter an diesem Tage zu 'feiern, so vor allem in ferner Vaterstadt Frankfurt a. M. Dort fand am 27. August eine Vorfeier statt, und am Ge­burtstag selbst ein Festmahl von 200 Teilneh­mern, unter denen sich Thorwalösen und Rttßerde befanden. Auch Goethes Sugenbireunb Riese, an den er aus Leipzig so lustige Briefe gerichtet, war da und wurde von dem württembergischieu Gesandten Wangcnheim in einem Trinkspruch als Goethes ältester Freund gefeiert. In der Mitte des Festsaales stand die Büste des Dichters, ge­schmückt mit einem Lorbeerkranz, in den Sma- ragdblätter eingelegt waren. Am Abend fand eine Festvorstellung desTasso" statt, eingeleitet von einem Prolog, der in schwungvollen Versen auf

schrieb ich für dieHelvetia"," erzählte Rollt, einen Artikel, in dem ich neben alter AnerLW nung der unzweifelhaft nicht geringen örmnalii N Gestaltungskraft, Leichtigkeit und ^chönleit, Innigkeit und Sinnigkeft in einfadi volkstümligcr Form, die Poesie der Sprache vermißte. iiW meine Ansicht wurde im Sommer 1852 noch olta auf gemeinsamen Spaziergängen zwischen uns w rührt. Eines Morgens las er mir auf erneu solchen die ffisch entstandene Stelle in der Walllle vor, wo der Nachtwind die Tür aufweht, v« Lenznacht hineinleuchtet und Siegmund, dte E lauschende Sieglinde umfkmgatib in die W^r« ansbrickt: Winterstürme weichen dem WonnenorL In linden Lüsten wiegt fick/ der Len-. 'M sprang auf und sprach ihm lebhaft meine Fn'M aus über diese in jedem Sinn poetisch MM Stelle, das müsse aber, setzte ich imchdrückliÄ hbiÄI auch eine wirllich volle Melodie werden. ,<38 meiner .Weise," antwortete mit halbem ßär1W der bixfi sinnend Dremschauende und brummt -einige Töne vor sich hin. Auf meine Versichen-n^ daß ich sckMi nllhit enoarten könne, wie er w machen werde, riß er ein Blatt aus meinem gereichten kleinen Notizbuch, -og füuT Linien, fM« eine Reihe von Noten mit Takieinteilung, den angeführten Text darunter und fang mir W Strophe andeutend vor, mit starker Be'onung,tei Rlfythmus. Nachdem wir noch einiges Wei^ tKirüber gesprochen und ich eindringlich bat, t"K Weise möglichst festzuhalten, nahm ich das b* fdriebene Papier ztzl mir, und ich habe das arß vergilbte Blatt bis heute aufbewahrt. Und '« besitze ich, den ersten, in der Hauptsache ganz behaltenen Entwurf einer der schönsten und kungSvollsten Eingebungen, die Richard je ausgeprägt."

die Bedeutung des Tages hinwies. Ein sinniger Zug, der .Goethe besonders rührte, war die Be­schenkung mehrerer Frankfurter Armen, die 1749 geboren waren, mit beträchtlichen Geldsummen. Goetl^e dankte denn auch den Frankfurter Freundest besonders herzlich. Ueber den Eindruck, den die Feier auf ihn machte, schreibt er aus feinem Karls-- habet Badeaufenthalt an Willemer in jenem tief­sinnigen Gehermratsstil feines Alters:Geblendet von dem Abglanze solcher in der Entfernung mir zu Gunsten bereiteten Erfreulichfeiten, finde ich mich auf einmal wieder im Angesicht schroffer Felsemvände, denen ich mit Schlägel und Eisen einige Erklärung abgeiimtnen fiaim und mich in Gedanken umso lieber zu den wertesten Freunden himtende, bie, in freier Gegend, am belebtesten Flusse, ge.viß so schöner Herbsttage genießen, als lfter in diesen Schluchten mir zugute kommen, 'wo sie fteilich von doppelt und dreifachem Werte sind."

Auch, die Lesegesellschast in Mainz hatte den Geburtstag fefttuti begangen und ihm einen Bericht über die Feier sowie ein huldigendes Gedicht nach Karlsbad gesandt, wofür am 10. Oktober bereits aus Weimar wieder die Antwort erfolgte. Auch sonst finden wir Goethe im September in Karls­bad eifrig beschäftigt, auf die mannigfachen Auf­merksamkeiten und Huldigungen «in zahlreichen Taukesbricfcn zu erwidern.Don Weimar aus meldete mein Sohn höchst Dankenswertes von Ge- sckenken und Gaben," heißt es in einem solchen Schreiben. Besonders herzlich dankte er demUr­freund" Knebel, der ihn zu diesem Tage mit dem Anfang des dritten Buches seiner Lukrez-Ueber- setzung begrüßte, in der der römische Dichter seine berühmte Verherrlichung Epikurs anstimmt:Sie erschien mir als leuchtendes Meteor, höcksst er­quickend. obgleich durch die AMvendnng einiger­maßen beschümend. Aber auch dafür danke herzlich,

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