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169. Jahrgang
Donnerstag, 28. August 19X9
SießenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
SViUtngrrunddruck u. Verlag: Brühl'fche Unio.-Vuch- u. Lteindruckerel H. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: 5chulstr. 7.
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Die Wirkungen der Hungerblockade aus Deutschland.
Das englische Weißbuch über die Nah- rimgsnnttelverhältnisse in Deutschland liegt mm vor, und wir entnehmen der „Franks. Btg." die folgende Inhaltsangabe. Es ist sebc bemerkenswert, daß die Engländer sich mit der furchtbaren Wirkung der Hunger- lilockade geradezu brüsten. Sie wußten auch schon vor einigen M> *'iten, daß die Er- uihrungslage in Deutsa/land st.achtbar war: trotzdem lockerten sie ihre Blockade nicht. Die Mffen ruhten, aber die Mordwaffe der Blockade nicht... Das war der brutale Vernichtungswille der'englischen „Vettern". Auch heute rühren sich bet ihnen nicht etwa menschliche Gefuble, sondern es sind, toi- aus der nachfolgenden Darlegung hervorgeht, in der Hauptsache geschäftliche Gründe, weshalb sie gerne sehen möchten, daß wir wieder ein bißchen auf die Beine kommen. Wir sollen zahlen, und da ergreift man von zwei Mög- lichkeiten das zweckmäßigste...
Der Bericht sagt über die Wirkung des Krieges auf die Gesundheit der Bevölkerung nach genauer Feststellung des Ausfalls an Nahrungskalorien, daß gerade das Gehalt an Protein in dec Nahrung von ausschlaggebender Wichtigkeit sei, und daß. väbrend die englische Royal Society eine T^i.rdestmenge von 70 Gramm pro Tag annimmt, die deutschen Rationen zwischen 20 und 50 Gramm pro Tag schwankten.
Nach den Berichten aus Belgien war die Nation der belgischen Bevölkerung quantitativ um 5 Prozent höher als die der deutschen und enthielt 50 Prozent mehr Prvtem und dreimal so viel fäett. Der Bericht findet es daher erstaunlich, daß st^r Unterernährung im besetzten belgischen Gebiet geklagt wurde, und stellt fest, daß von den in Belgien verteilten Nahrungsmitteln ein großer Teil zu hohen Preisen von den Belgiern wieder hertauft wurde. Die Kindersterblichkeit in Bel- pen war geringer als vor dem Kriege. Der Äeriäst sagt weiter, daß eine Gewichtsabnahme tnm 40 Prozent den Tod des Menschen herbei- sllhve. In Deutschland traten zahlreiche Todesfälle bei 30 Prozent Gewichtsabnahme häufig ein und besonders vielfach im Minter 1916/17. Berlin waren die Todesfälle an Lungerödem in den Gefängnissen bänffg durch die verminderte Widerstandsfähig- leit. Dies hatte zur Folge, daß die Todesfälle tn Tuberkulose Zweiern halbmal zahlreicher riaren als in Friedenszeiten und besonders bei den Frauen. Die Statistiken weisen eine Vermehrung der Trkesfälle im ganzen um 760000 unter den Erwachsenen allein zwischen 1915 und 1918 auf. Berlin erhielt vor dem Kriege 1250 Millionen Liter Milch, während es jetzt 250 Mil- Ivonen. erhalt, eine Menge, die durchaus ungenügend ist. — Leider vergißt der Bericht hinzu- jufügen, daß die Entente trat des absoluten Milchmangels auf der Auslieferung von 150 000 Milchkühen aus Deutschland besteht.
Ter Bericht sagt weiter, in DeutsckKrnd sei fein Rachegefühl unter den Arbeitern zu bemerken, hindern nur Niedergeschlagenheit und Erschlaffung. Auch bei den Mrenden Persönlichkeiten sei die .Erschöpfung in die dlugen springend.
Tie Aussichten für die kommende Periode 1919/20 schildert der Bericht aufoerft düster. Tie Versorgung mit Bwtgetreide habe sichum 550000 Tons, mit Zucker um 150 009 Tons, mit Fleisch um 666000 Tons, mit Butter und Fett um 92 000 wi vermindert. Sckwn im Mai 1919 sei trotz der Verringerung des Heeres der meiste Vorrat bereits erschöpft gennffen. 1920 werde die Lage noch viel »schlimmer sein, wobei in Betracht gezogen werden tnülse, daß noch 800000 Gefangene zurückkommen ää ebenfalls ernäl/rt werden müßten. Die deutsche ^Bevölkerung werde der gleichen fiirchtbaren Lage erstehen wie 1916/17. Deutschland be - sich also vor einer Katastrophe, Hungertod von Millionen nach sich ziehen werde, wenn nicht für genügend Einfuhr von Nah- vmgsmitteln gesorgt werde. Ter Bericlft berechnet «notwendig einzuführenden Mengen auf55 Mil- lwnen und das nur, um die jetzige erbärmliche Er- Eimrg aufrecht zu erhaltear, die an sich schon «hmfljrit, Tod uni) Verminderung der Arbeits- Wgkit zur Folge habe. Mair habe vor allem Fett tob Protein nötig, von denen. 2l/a Millionen Tonnen eingesührt werden müßten.
Das Weißbuch kommt zu dem Ergebnis, daß keine andere Nation imstande gewesen sei, 1° großartige Mittel und Menschenmaterial ln den Krieg zu werfen wie Deutschland, und darum sei Deutschland während der letzten sechs Monate so furchtbar im Angriff und r^'rteidigung gewesen. Nun sei es vollständig lusannnengebrochen. Die soziale Maschine 2be' sei unberührt in seinen Fabriken und ^hlengruben, welch letztere noch Reserven für »underte von Jahren hätten. Deutschland soll * Diilliarden Pfund Schaden zahlen. Wenn geschehen soll, würden sich zwei Mög- [*cb feiten ergeben, entweder Deutschland vollständig zu zerstören oder sein Geschäftsle- en wieder aufzurichten. Bei der Zerstörung ei nur ein kleiner Teil der Summe zu erhal- lcn- Richte man Deutschland wieder auf, gebe 01311 ihm das nötige Kapital, so erhalte die
Entente die Kontrolle und die Gewißheit, Schadenersatz zu erhalten. Deutschland habe Nahrungs- und Düngemittel sowie Rohmaterialien nötig, was die Entente liefern müsse, denn mir so könne sie zu ihrer vollen Enit- schädigung gelangen.
Amsterdam, 27', August. (Wolff.) Der „Daily Herold" schreibt in einem Leitartikel: Die Gefahr des Zusammenbruchs Deutschlands sei zugleich eine Gefahr für Englcnrd. Die Lage in Deutschland sei ein Teil der Lacpe in Europa, daher auch ein Teil der Lage in England. Deshalb werde man nicht das 'Ziel verfolgen, den Zusammenbruch Deutschlands zu fördern, utbem man die deutschen Arbeiter und''die deutschen Frauen und Kinder an der Kehle würge, sondern man müsse ihnen Helsen, sich nach ihrem Zusammen bruchzu erholen, damit sich die Lebensmittel-, Transport-, Kohlen- imb Finanzlage in der Welt bessere und damit vor allem ihre gcisttge und moralische Verfassung sich vom Zerstören dem Schaffen zuwende. Eine gewisse Gruppe von ^Patrioten" erwarte und hoffe anscheinend, daß Deutschland in den Staub sinke. Ern solches Deutschland werde aber ein neues „menschlich totes Gewicht" sein, welches am Kapse der friedlichen Welt hänge, die sich bemühe, das Vergangene wieder gut zu machen pnd vorwärts zu schreiten.
Amerika und der Friede'
A m st e r d a m, 27. .Aug. (Wolff.) Tas Presse- bnreau Radio meldet aus Washington, daß W i l - son der „N:w P)rk Times" zufolge in einer Unterredung mit dem Senator Swanson, über die keine Einzelheiten veröffentlicht werden, btt Ge- samtlage in Bezug auf den Friedensvertrag, wie sie durch das Vorgehen des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten geschaffen ist, besprochen und erklärt hat, wenn die vom Senatsausschuß vorgenommene Abänderung des Frie- densvertrages auch vom Senat aufrechterhalten werde, so stehe der gesamte Friedensvertrag, soweit die. Vereinigten Staaten beteiligt seien, in Mlahr. Wilson soll auch die Senatoren aufgefordert haben, ihre Kräfte zu vereinigen, um bei der Abstimmung im Senat die Ablehnung des Abänderungsantrages Lodges zu erreichen. Ter Präsident äußerte, er sei überzeugt, Großbritannien und Frankreich würden wegen ihres früheren Abkommens mit Japan, durch das sie sich verpflichteten, die Ansprüche der japanischen Regierung auf das Vorrecht in Schantung unterstützen, kernerler Abänderungen zustimmen. Wenn der Senat den Beschluß .des Senatsausschusses bekräftige, würden die Vereinigten Staaten genötigt sein, mit Deut schl and einen Sonderfrieden zu schließen und aus dem Völkerbunde auszutveten.
Washington, 27. Aug. (WTB.) Reuter. Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat mit 9 gegen 7 Stimmen einen Verbesserungsantrag zum Friedensvertrag angenommen, nach dem die Vereinigten Staaten sich an der ütternationalen Kommission zur Festsetzung der Grenze zwischen Belgien und Deutschland nicht beteiligen wollen. Der Ausschuß war bei der Abstimmung entsprechend der Haltung der in ihm vertretenen Parteien geteilt. Der Ausschuß nahm ferner eine Reihe Verbesserungsanttäge an, durch die die Vereinigten Staaten von der Vertretung in anderen Kommissionen ausgeschlossen werden, da andernfalls zahlreiche Aenderungen im Friedensvertrag notwendig würden. Der Ausschuß für Wiedergutmachung wurde indes hiervon ausgenommen.
Wilson droht der Türkei.
Paris, 27. Aug. (Wolff.) Die Zeitungen veröffentlichen'ein Telegramm aus Athen, vom 25. August, wonach der amerikanische politische Kommissar in der Türkei der türkiscl>en Regierimg ein Telegramm Wilsons übergeben habe, in dem die Türkei aufgefordert wird, unverzüglich die Metzeleien in Armenien einzustellen. Andernfalls werde Wilson von seinen 14 Punkten den zweiten zurückziehen, der sich auf die Aufrechterhaltung der türkischen Oberherrschaft in den rein otto- manischen Gebieten bezieht.
sagens." Ti- „tfcimed" aber leitet ihre erste Veröffentlichung mit -einem Leitarttkel, der eine für die enciliiche Auffassung charakteristische Würdigung des Buches enthält. „Alle berühmten und viele bekannten sülwenden Persönlichkeiten des Krieges haben iljix Geschichte oder ihre Rechtfertigung geschrieben, schreiben sie oder werden sie schreibe^. Tlber General Ludendorfss Buch ist das wichtigste und das aufklärendste, wenigstens für englische Leier. Eine vollständige Uebersetzung wird binnen kurzem bei Hutchinson herauskommen, und sie wird über eine Viertelmillion Worte enthalten. Unterdessen haben wir die Veröffentlichung umfangreicher Auszüge vorgenommen, sotveit als möglich mit den eigenen Worten des Generals; nur für den Fortgang und das Verständnis der Stellen haben wir verbindende Zwischenbemerkungen eingefugt. Ludendorff tvar noch eine der unbedeutenderen Persönlichkeiten, als die vorbercc- tete Entwicklung der dmtschen Heere gegen Belgien stattfand. Es tvar ein Zufall, aber freilich ein Zufall, wie er nur Männern mit einem Zug von Größe zu begegnen pflegt, daß er sogleich eine Hauptrolle in der Eroberung der Zitadelle von Lüttich spielte." Ter Schluß des Leitarttkels lautet: „Wir glauben, daß die Auszüge die Leser dazu führen tverdcn, unsere Urberzeugung zu teil rn, daß.General Ludendorff ein enger, aber ein anständiger Mann war. Er war empört über die opportunistische und durchaus unanständige Politik der deutschen Zivilregierung. Aber sein Geist, verdorben durch eine rein preußische Auffassung von der höchsten Wirksamkeit der militärischeir Disziplin und durch einen fast mystischen Glauben an das Königtum, verführte ihn, Maßnahmen an- zunehmen oder zu erzwingen, die noch verhängnisvoller für sein Land waren, als die zaudernden Kunstgriffe Bethmann-Hollwegs."
Eine Friedensdebatte in der franzvsischen Kammer.
Versailles. 28. Aug. (WTB.) Bei der 'Erörterung der Ratifiziermrg des Friedensoer- ttages mit Deutschland in der französischen Kammer führte der Abgeordnete be Chapi- pedelaine Beschwerde darüber, daß die Entente mit dem Deutschen Reich und nicht mit den einzeldeutscherr Staaten verhandelte. Wir haben Deutschland nicht ein Heer von 100000 Mann, sondern ein Heer ton 1 OH 000 Heerführern für die zukünftige Revanche zugesagt. Zum Schluffe erörterte der Abgeordnete Fournier den Plan der Schaffung eines internationalen Parlaments, das mehr Sicherheit bieten könne als der Völkerbund. Die Diskussion wurde darauf auf Mittwoch nachmittag vertagt.
Holland und Belgien.
V e r s a i l l e s, 28. Aug. (WTB.) Nach einer Meldung des „Ncw Pork Herold" sollen die Beziehungen zwischen Belgien und .Holland an der Grenze Limburgs zu wünschen übrig lassen. Die holländische Regierung hat dcm an der Grenze wohnenden belgis-ck-en Bauern verboten, ihre auf holländischem Boden befindliche Ernte einzubringen. Als Gegenmaspvahme erließ die bcl- gisckie Regierung ein gleiches Verbot für Holländer. Tie holländischen Archütekten, die aus der Ausstellung für den Wiederaufbau in Brüssel ausgestellt hatten, haben ihre Werke zurückgezogen.
Die „kommiffion des reparationS".
Versailles, 28. Aug. (WTB.) Nach einer Meldung .aus London wurde John B r ad- tz u r g, einer der ständigen Sekretäre des Schatzamtes, zum Hauptvertreter Englands in der kommiss.ion des reparations, die in Paris ihren Sitz haben wird, ernannt.
Die Ratifikation des Friedensvertrage- durch Belgien.
Versailles, 28. Aug. (WTB.) Der belgische Senat rattsizierte gestern einstimmig den Friedensvertr ag mit Deutschland.
Von der fiämifchen Bewegung.
Versailles, 28. Aug. (WTB ) Einer der ältesten und angeschendsten flämischen Aktivisten, Franz Reinhards, ist gestern in Brüssel verhaftet worden.
Polen und Litauer.
Vern, 27. Aug. (Wolff.) Nach einer
Ludendorffs „Kricgserinnerungen" in England.
Meldung des litauischen Pressebureaus aus Kowno unterbreitete eine polnische Mission der litauischen Regierung den Vor-
Tie „Kriegserinnerungen" Ludendorfss rufen in England das größte Aufsehen hervor. Tie „Times", die sich das Borrockst gesickert hat, zu- glerch mit d.'r Ausgabe des Buches in Teutschland die erftvn Auszüge zu bringen, veröffentlichte vier Artikel, jeder viele Spalten lang, in denen die wichtigsten Kapitel in geschickter und objektiver Weise, zum größten Teil mit den Worten Generals wieder gegeben waren. Auch die andern Blätter bringen große Auszüge, und überall erschienen Annoncen, in denen das Werk als „das Kriegsbuch vorn deutsck^en Standpuntt' b^eichnet n>ir2>. Interessant sind die Sätze, mit benen das Werk in dieser Anpreisung charakterisiert wird. Wir geben daher einige wieder: „Bernhardi und ander.' haben die Theorie des deutschen Militarismus bargdegt; Ludendorff ist der erste, der fein geheimes Wirten von innen heraus enthüllt. Ludendorff war zweifellos das Hirn der deutsckien Mi- litärmaschme, und in den letzten z>vei Jahren des Krieges der wirkliche OberbeselM)aber. ,Hinde7l- bnrg war der Volkshüd; Ludendorff bte wirk- lidje trübende Kraft hinter ihm. Er schreibt mit einem Freimut, der fast brutal ist. Sein Buch wirft viel rc-ues Lickt auf die mUitarischen Operationen und auf die Gründe des bcuttdjen Ver
schlag, die Wahl einesLandtages,der in Wilna zusammentreten sollte, zu veranlassen. Die Polen verlangten die Kontrolle über die Wahlen im besetzten Gebiete von Litauen. Die litauische Regierung erklärte, daß die Wahlen nur nach Zurückziehung der polnischen Truppen hinter die Memel stattsinden könnten.
Mexiko.
Amsterdam, 27. Aug. (Wolff.) Laut Pressebureau Radio meldet die „Neuyork Sun" aus Washington, daß die Pläne für eine Intervention der Vereinigten Staaten zu Lande und Zu Wasser in M e x i k o fertiggestellt sind. Das Blatt erhielt diese Nachricht aus bester Quelle und fügt hinzu, die nächsten Ereignisse müßten wohl ober übel als unvermeidlich mcgesehen werden. Zunächst müßten die Vereinigten Staaten in Mexiko intervenieren und die mexikanischen Angelegcn- hetten ebenso vollständig übernehmen, wie seinerzeit die kubanisä/rn. Als Hauptgrund für die Besetzung Mexikos durch Amerika gibt das Blatt den vollständigen Verfall Mexikos an.
Cisenbahnarbeiterbewegung in Amerika.
Washington, 28. Aug. (WTB.) Reuter^ Tie Vec tretet der E i s e n b a h n w e r k st ä 11 e n i arbeitcr setzten den Kontrolleur für die Eff'en- bahnen davon in Kenntnis, daß sie eine Regelung ihrer Forderung auf der von Wilson vvrgesckZla- genort Grundlage nicht annehmen könnten und daß sie mwerzüglich über den S t r e i k abstimmen würden.
Lin Erlaß (Eberts über bie verwalun- bet Reichswehrmacht.
Berlin, 27. Aug. (WTBO Tas Heeresvev* ordnungsblatt, das an die Stelle des bisher Dom preußischen Kriegsministerium herausgegebenen „Armee-Verordnungsblattes" tritt, enthält eine Verordnung des Reichspräsidenten Ebert, worin es heißt:
Mit dem Inkrafttreten der Verfassung sind alle Teile der Wehrmacht des stieiches! Meinem Ober* befehl unterstellt. Ich übertrage die Ausübung dieses Oberbefehls dem Neichswehrminister, soweit ich nicht unmittelbar Befehle erteile. Gleichzeitig ist die Heeresverwaltung auf das Reich übergegangen und hat die Selbstüw, big leit der Heeresverwaltungen der einzelnen Läwi- der ausgehört. Tie Vertvaltungsbeftig.lisse und die Kommaudi-aewalt stehen daher den cinzelstaatlichen. Kriegsministern nicht mehr zu. Mittel des Reick^ess sind sür ihre Stellen vom 1. Oktober 1919 abi nicht mehr verfügbar. Tie Veranttoortung für militärische Maßnahmen und Ausgaben wird von. nun an allein von der Reichsregierurrg getragen urcd von ihr vor der Nationalversammlung oder dem Reichstag vertreten. Spätestens bis zum 1. Oktober 1919 soll aus den vorhandenen einjet-i, staatlichen Kriegsministerien und den sonst geeig* neten Militärbehördeu das Reichswehrmini-rj sterium gebildet sein. In der Uebergangszeit wird sich der Reichistoehrminister zur Führung ber Verwaltung der vorhandenen einzelsbaalliä^en miNl litärischen Zentralbehörden bedienen, bie zu diesem! Zwecke in Reichswehrbefehlsstellen irmgeroaitbrft^ werden. Er wird dabei der landsnuumschafttichenij Eigenart in den einzelnen Ländern im Sinne den mit den Landesregierungen wahrend der Berfas^! sungsberatung gsetroffenen Vereinbarungen Rechel nur^ tragen, und die endgültige Regelung dieser Bezrehuugen durch ein. neu zu schaffendes W^hrgkfetz sckfteunigst in die Wege leiten.
Jin Anschluß daran wird eine Vekamrttnnchttng- des Reichswelwrniniiters NoSke verölfentticht, worin es hiißt:
Die Chefs der Reichswehrbefehksstellen ekhal-. ten bis auf weiteres die Befugms, alle Verwob, tungsangelegenheiten ihres Bereifte in meiner Ber-, tretung selbständig zu erledigen. Außerdem bevoll- mäck-tige ich bis zum vollendeten Ausbau heS Reichswehrministeriums die Reichswel/r-Befehls^ stelle Preußen, in meiner Abwesenheit und in miru der wichtigen Sachen in der Art der GesMftsfü^ rung des bisherigen preußischen Kriegsministeriums die für das gesamte Heer gültigen Erlasse für mich zu bearbeiten und „in Vertretung" beziehungsweise „nn Austrage" zu unterzeichnen. Arcordiruugen und Maßnahmen, die zu ihrer WirksantLit der Zustimmung des Reichspräsidenten und meiner mii nisteriellen Gegenzeichnung bedürfen, sind hiervon ausgeschlossen. Tie Cl-efs der Reichswehr-Befehlsstellen üben auch die BefehlSgewalt über die Trup-, Pen ihres Bereiches aus, soweit ich nicht immittel-, bare Befehle an die Truppen richte, was hinsickFich der Führung und Verwendmtg der.Truppen bw Regel bilden wird.
Oberschlefien.
Paris, 27. August. (Wolff.) Reuter. Jv! einem von der Friedenskonferenz in der Frage der Kommission für Schlesien an den General Dupont gesandten, Instruktionen enthaltenden Telegramm wird die Ansicht ausgedrückt, daß das einzige Mittel, um die Ruhe wieder herzustellen und die Kohlenerzeugung in Oberschlesien und Teschen wieder zu vermehren, die Besetzung durch die Alliierten fei. Es wird nicht erwartet, daß die deutsche Regierung auf ihrem Recht ihre Einwllligung zu ben toi gern, be* stehen wird. Tatsächlich wurde bereits von der deutschen Delegation in Versailles inoffiziell der Vorschlag gemacht, die Alliierten möchten die sofortige Besetzung Oberschlesiens in die Wege zu leiten.
Hierzu wird dem Wölfsschen Bureau von zu-< ständiger Stelle erllärt: Soweit die Reutermel-, düng von der Stellungnahme der deutschen Re-, gierung oder ihrer Vertreter spricht, ist sie vom ersten bis zum letzten Worte falsch. Die deutsch Regierung hat weder ausdrücklich noch andeutungsweise auf irgendeines ihrer Souveränitätsrechte über Oberschlesien verzickstet und denkt auch nicht an einen solchen Verzicht. Dies gilt vor allem von der vorzeitigen Besetzung Oberschlesiens durch die Entente. Im übrigen ist sestzustellen, daß die Reutermeldung durch die Entwicklung der Dinge in Oberschlesien nach Wieder Herstellung der Ruhe und Ordnung voll-» kommen überholt ist.
Deutsch-Weftungarn.
Wien, 27. Aug. (W. B.) Die „Neue Fw« Presse" meldet aus Budapest: Gestern fand eine Konferenz von Vertretern aller deut- schen Parteien, sowohl der Bürger- und Bauernpartei, als auch der christlich-sozialeir und der sozialdemokrattsck)en Partei, statt. Die Kvn- serenz beschloß bie strikte Durchführung des seinerzeit vom Natvonalttätenmiinster Jaszi entworienen I AutoTwrnievroaramms unb forderte bezügli^


