Aus Stu t und Can-.
Gießen, den 27. Nov. 1919.
Giessener Märkte für 1920.
Iu der Sitzung deS Markt- Ausschusses vom 6. Oktober 1919 wurden folgende Markttage festgesetzt:
Niudviehmärkte vormittags: 4 Ja- l8’ 3QllLKrri 1 Februar, 15. Februar. Z-MLr-' März, 5. April, 19. "Lpris 3. Mai. 31. Mai, 21. Juni. 5. Juli, 19. Juli 2 August 16. ckllgust, 6. September, 27. September, n. Oktober, 1. Novemlxw, 15. 4Lovember 39. November, 20. Dezember
hu lassen, wenn ihnen mehr Schweinefleisch mti>l Fett zu stellt wird und in ihren Bestrebungen zur Hebung der Zucht unterstützt werben. Gescheh: seitens der Regierung nichts, so lehnen die Vertreter der Landwirtschaft jede Verantwortung im den Zusarnmenbriub unserer Ernährung ab; der Landwirt soll ein Paria der Gesellschaft bleiben. Er soll von seiner Scholle herunter, f Sa eben links Beifall reckfts.) Die Stickswfs- und Kalisabrikeri müssen endlich zu leb/nswiäZtigrn Betrieben erklärt werden. Bei der Haltung der Regierung und der heutigen S^-u<rgeietzs?b..ng muß die Landwirt- schäft allmählich zur extensiven Bewirtschaftung übergehen. Trc Regierung muß für Saatgetreide und Seatka tofselu sorgen, sonst entsteht im Früh- fahr ein Vacuum. (Widerspruch lircktz, Beifall ^Äbg. Herold (Z.) begründet die Interpellation Trimern betreuend Förderung und Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung und zugleich den Antrag Blum (Z.) betr. Milderung der durch den o-n?it verursachten Schäden an Hackfrüchten. Die Gcia.hr oes Untergangs der ertm- sioen Wirt-chaft ist znm Schaden unserer gesamten Brikswirtschaf! und Bolksernäbrung. Tie Valuta- tinereiii nötigt uns, auf abjebbare Zeit unseren Ernallrungsbedarf nach Mbglichkci: aus der eigenen Produktion zu decken. Tie Weltmarktpreise können für uns nicht maßgebend sein. Zur Milderung der Schäden bei den Hackfrüchten könnte bis zur Bergung der Hackfrüchte die Arbeitszeit verlängert werben. Alle tzmterzüge müssen die Kartofpeln in die Verbraucher bezirke tragen. Tie für die menschliche Nahrung ungeeigneten Kartoffeln müffen leistungsfähigen Brennereien zugeführt werden. Trese mühen mit Köllen beliefert werben. Ebenso müssen die Sticksvoff- und finlitoerfe mit Kohlen beliefert werden im Interesse der Allgemeinheit. (Beifall im Zentrum.)
Minister Schmidt: Die für die Kartoffeln ein geführte Schnelligfeitsprämie hatte keinen vollen Erfolg wegen der Verkehrs- irnir Witterungs- schwierigkeiten. Ein guter Teil der noch ungeernteten Kartoffeln, besonders in Pommern, dürfte für die Ernährung noch zu gebrauchen sein, da die starke Schneedecke das Erfrieren verhinderte. Das Hauptaugenmerk mußten wir aus die Erhöhung deS Güterverkehrs legen. Die Verfehrssperre mit ihrer bevorzugten Beförderung von Kohlen und Lebensmitteln hat nicht allen Erwartungen entsprochen. Wir Höften einen großen Teil der Zucker- rüden zu retten; um zu verhindern, daß sie verfüttert werden, müssen wir die Zuckerpreise erhöhen. Die Fettrationen hoffen wir aus der jetzigen Höhe erhalten zu können. Die Steigerung der Margarine,abrikation ist eine Kostensrage. Iw nehme die Streikdrohung der Landwirtschaft noch immer nicht so ernst, denn ich kann mir nicht denken, daß sie unsere ganze Ernährung werde Über den Hausen werfen wollen. TaS h.ftmischc Brotgetreide müssen wir restlos erfassen. Ich richte an die Landwirte die Bitte, fein Brotgetreide zu verfüttern. Gegen das Schrebertum wird hoffentlich das neue Wuchergesetz günstig wirken. Tas Prinzip, einen Teil der landwirtfchaftlichen Erzeugung zwangsweise zu erfassen uns den Rest für den freien Handel ft eizugeben, würde starke Verzögerungen mit sich bringen. Es erscheint mir fraglich, ob wir das nächste Jahr die Freigabe des HgferS werden auftechterhalten sollen und können. Denn es wird mit Rücksicht »us die hohen Preise jetzt viel mehr Hafer angebaut zum Schaden der anderen Feldfrüchte. Der MekLankauf im Auslande muß bei unserem Balutasband aus das geringste Maß beschränkt werben. Wir brauck>en nicht allzu schwarz zu sehen. Auch beim Biehstand macht sich die Tendenz eines wenn auch schwachen Aufstieges bemerkbar. Auch die Scheocrnehallung zeigt einen Ausstieg. Bei Aushebung der Zwangswirtschaft würden im allgemeinen die Landwirte sicher bei abnorm hohen Preisen ihr Vieh rum Sck-aden der eigenen Wirtschaft und der All- Gemeinheit schneller losschlagen. Die städtiscstm Arbeiter, die auss Land geben, wollen anständige Löhne und Wohnungen. Die Entbehrungen der städtischen Bevölkerung in der Ernährung sind so groß, daß es nicht verwunderlich ist, wenn eine große Erbitterung und Erregung in der städtischen Bevölkerung sich zeigt und auch politisch sich ntcht angenehm auswirkt. Die laudwirtsä)aft1iche Be- völferung hat von einem solchen Mangel noch feine Ahnung. Die Grundlose unserer Ernährung muß vegetarisch bleiben. Die Zwangswirtschaft kann noch nicht ausgehoben w.rden. Es wird viele Jahre dauern, bid wir uns selbst ernähren können. Zu umsangreichen Einfuhren Haden wir kein Geld Dir können die LedenSmittelprcise nicht ins Un- gemessene steigern, weil dann wieder eine Steig- rung der Lohne die Folge sein müßte. Dafür bin ich nicht »u haben. (Beifall bei der Mehrheft.)
Es folgt bic Beratung der Interpellationen.
Aby. Wachhorst de Wende (Dem.): Mr sind mit Brotgetreide bis in den Februar gedeckt. Don einer FleischveNorgung des deutschen Volkes kann nicht mehr gesprochen werden. Uns kamt nur der langsame aber vollständige Abbau der Zwangswirtschaft Helsen. Nur dies wird eine ProductionSsteigerung Hervorrufen.
Abg. Frau Soda hl (Soz.): Die städtischen Arbeiter auf dem Lande streifen, weil sie sich die unroÜTC-ige Behandlung durch die Gutslesitz-r nicht gr^Hen lassen können. Die Jndnflrieorlviter- schäft ist unterernährt; die Landarbeiterschaft (m allgemeinen nicht.
Abg. Dusche (D.Vv): Dem Ant-agBlume stimmen wir im angemeinen zu. Ein schrittweiser Abbau der Zwangswirtschaft ist nötig, wie er sich mit den Interessen der Konsumenten verträgt. Die Forderung deS ZwangSanbaues wird nur aus agitatorischen Gründen gestellt. Das Betriebs- rätegesetz würde unsere Wirtschaft Turnieren und irn5 den Feinden ausliefern Für die Landwirt- schäft wäre das BetriebSrätrgesetz geradezu eine Katastrophe.
Hierauf vertagt ssch daS Haus auf Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: Beratung der Rrichs- abgabc inb Hungersnot in Deutsch-Oesterreich.
Schluß 6 Uhr.
Schw einemärkte und Schlacht- viehrnärkte Dorrn.: 5. Januar, 19. Januar, 2. Februar, 16. Februar, 9. März, 23. März, 6. April, 20. April, 4. Mai, 1. Ium, 22 Juni, 6. Juli, 20. Juli, 3. August, 17. August, 7. September, 28. September, 12. Oktober, 2. Rovencher, 16. November, 30. November, 21. Dezember
Krämermärkte am ganzen Tag: 23. März, 6. April, 4. Mai, 1. Ium, 6. Juli, 3. August, 7. September, 28. September, 2. November, 16. November, 21. Dezember.
Pferdemärkte vorm.: 23. Mörz. 28. Septemder.
Veranstaltungen.
Donnerstag: Felsenk-ller, 8VzUhr, Ko- cho ft scher Akademiker - Ausschuß, Vortrag des Paters Lippert-Munchen. — Hotel Großherzig, 7 Uhr Mitgliederversammlung des Rrichswict- schottsverbanoes derzeitiger und ehemaliger Be- rmssoldaten. — Postkeiler, 8l/j Uhr Versammlung des Kriegcrverrins. — Hotel Schütz, 4 Uhr Sitzung des Landwirtschaftlichen Lokalvereins Gießen. — Lichtspiellxms, Madame Dnbarry. — Lichtspiele Seltersweg, Erborgtes Glück und Die Tochter des Henkers.
** Personalnachrichten. Pfarrer Rob. Oeckinghaus zu Offenbach a. M. wurde am 19. November die erledigte Psarrstelle an der vereinigten evangelischen Gemeinde Offenbach übertragen. Pfarrer Philipp U b l $u Rieder-Saulheim die evangelische Psarrstelle zu Wellerstadt. Psarrer Karl Grein zu Kaichen die evangelisch« Pfacr- stelle zu Arheilgen. Pfarrverwalter Lic. Dr. Heinrich Adolph zu Herbstein die evangelische Pfarr- stelle Herbstein. Pjarrvertvalter Wilp. Klingel- böfser mi Langsdorf die evangeliiche Psarrstelle LangÄorf. — Kirchenrat EmU Münchzu Schotten wurde am 19. November aus sein Nachsuchen von dem Amte des Dekans des Dekanats Schollen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirbmg vom 1. Dezember 1919, entbunden. — Ernannt wurde am 17. November 1919 her Otto Gutjahr in Gießen zum Kanzleigehilfen bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Ober Hessen.
** Spar-Prämien-Auleih^. Auch aus einigen rein ländlichen Bezirken siegen bereits Meldungen vor, daß die neue Anleihe lebhaftem Interesse begegnet. Die Kassenrechner fuhren das auf die Vergünstigungen zurück, die den Zeichnern eingeräumt füll).
** Privatbriefsendungen nach Ungarn müssen offen zur Post eingeliefert werden.
** Die Wahlen zur Kirchenge- meinde-Vertretung der Johannes- gemeinde finden morgen, Freitag, von 12 bis 7 Uhr im JohanneSfaal, Eingang von der Süd-Anlage, in der Johannesferche statt Dem Wahlvorschlag des bisherigen Kirchen» Vorstandes steht der Wahlvorschlag bet Volks- kirchlichen Arbeitsgemeinschaft gegenüber, die bestrebt ist, die Kirche mit neuem Leben zu erfüllen und wieder zu einer alle Schichten unseres evangelischen Boltes zusammenfassen-- den w a b r e n Volkskucche auszubauen. (Siehe Anzeige.^
** Hausschlachten^ Bei HauSfchlach- tunaSanträgen für Großvieh und Kälber ist jeweils nachtzmvrisen, ob die Tiere von dem Antragsteller aus gezogen wurden oder nicht. AußerLem ist ein amtlicher Wiegeschrin über daS ermutelte Lebend- aenncht des Schlachttieres vorzulegen. (Siehe Be- kamllmattzung.)
** Staatliche Oberförster gegen Finanzministerium (Abteilung für Fvrst- unb Kameralverwaltung) m Hessen. Unter di: er Uekerschnft schreibt uns der Bauarbeit.r-Verbond Gießen, um etwaigen Kämpfen um di: Soljn- und Arbeitsbedingungen dir Holzhauer in di.sem Winter vorz-ubeugen, sei zwischen den Arbellcr- organlsalloncn der Holzhauer einerseits und dem Hess. Finai^ministerium andererseits (Abt. f. Forst- und Kamera!Verwaltung) ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, in dem für die Holzhauer, so'veu diese in StaotSwaldungen beschälligt ititb, Min- destlöhnr sestoesetzt wurden. Diese bezögen sich aus den Stuiwenlohn. Um nun der in der Holz- Hauerei üblichen Akkollxrrbeit entgegen zu kommen, sei weiter vereinbart, daß zwischen den Oberförstereien und den Arbeiterausschüssen über die Höhe der Akkordsätze sollte verhandelt werden. Die garantierten Minbestlöhr« fölten bei Ansetz.n der Akkordpreise mit zur Grundlage genommen mfeben, bann sollten die Akkordsätze so b.-meifen sein, daß der Tagesverdienst i>:r Akkordholzhauer um 20 Proz. über den garantierten Mindestlobn tetragt. Es bestehe darnach :in Tarifvertrag, der den Holzhauern in Hessen einen lvflimmten Min- llstveidienfl zusicheve. Tie Verordnung Über di.' lariftxrträge vom 23. Tejember 1918 (ReichS- gefetiUtt 6. 1456) bestimmte aber: § l. „Sind bic Be ingungen für den Abschluß von Arbeitsverträgen zwischen Arbeitgebern und Verrinigun- geu von Arbeitnehmern durch schriftlichen Vertrag kTarifvertrag) geregelt, so sind ArbeitSvertrügp zwischen den beteiligten Personen in so weit unwirksam, alS sie von der tarissichen Rege- limg abw-ichen. An die Stelle unwirksamer 93er- «nnfanmgen treten die entsprechenden B> ftimmamnen des Tarifvertrags." Den float' lrchm Oberförstern sei, wie bte Abteilung für Forst- und Kanvrvlwrwaltung des Hess. >Vi- nanzministcrinms dem Beuarbriterverband schriftlich mitgeteilt lvbe, von dieser Sachlage Mitteilung gemocht worden. Trntzdem hüllen die Oberförflcr tn Ober lassen zu Alsfeld ein« Zusammenkunft ge- k»rbt und beschlossen einheitlich einen Akferdlohn ftstLinetzen. Der von btn Hvlzft wnm nicht zu diesem Lohne arbeiten wolle, der mö« die Arbeit iritberfetrn. Die Folge fei gewesen, daß sich ein- züne Rotten in Unfenntnis der gesetzlichen Rege- li'Ng der Tarftverlläne zur Arbeitseinstellimg b5t- 'ü Jen verlei en lassen. Tie Hvhhnuer Hanen zur ArbeitSemstellung (Streik! ieW) ferne Beranlas- fung. ES könne den Holz^uem nur enu*tMcn werden, in all jenen StaatSwaldungen und an all jenen Arbeitsvläden, auch der Gemeinde- und Pri- vatwallnmsm. die sich ^ur Anerfennung der float- lichen Mindestlölme bei DerlxrndlunAm schriftlich bereit erklärt haben, ruhig weiter zu arbeiten und Uc garantierten Mmdislöstie einzuklog^n. Der Bauarbeiter verband will bei vossmachtserkläiuns die Klage gegen die Förstereien erheben.
** Geflügelausstellung. Am 29. uns 30 November findet hier in Gießen eine Prvvin- zial-Gefliwel- und Brieftaubeu--Ail.'ftellung steftt. Näheres siehe Anzeigenteil.
*’ Ter kalholischen Studenten- s ch a f t der Landesuniversität ist es yümgen, den Jesuitenprller Lippert aus München ftll Gießen zu gewinnen. Er ist bekannt als Schriftsteller und ist namentlich in Icfcter Zell in den gröb-tn Stödten Teutschlanss Flucht und geliebt al- Redner. Heute abend 81/» U:,t wird Pater Lippert seinen ersten Vortrag im Saale des „Fclienfeller" halten. TaS Tlxrna dieses Vortrages lautet: „Religion der Dorzell un> der Neuzell". Ein weiterer Vortrag „Neue Religiosität" ist für Sonntag den 30. November in AuSjicht genommen. Durch den „Kath. Akademiker-Ausjchutz" werden alle ötubiaxnbcn und alle bereits im Berufsleben stellende Akademiker sowie die üllholische Bürgerschaft hierzu eingeladen.
** Die Reichsvereinigung ebemal. Kriegsgefangener, Ortsgruppe Gftßen, lädt alle Ausgetaujchten zu der am 2J. Nov .1919, abends 8 Uhr, im Restaurant Sauer, OSwalds- garten, statts.iidenden ?rhtulieicrDerianuntung ein. Näheres siehe Anzeigenteil.
Landkreis Gießen.
— Ettingsha usen, 25. Nov. Unser Dorf hat vor einiger Zeit seinen Anschluß an die Elektri- zitätszentrale beschlossen. Mehrere Unternehmer arbeiten zur Zeit an der Herstellung der Haus- anschlüsse und H<msbeleuchtungeti. Auch der 93er* teilungsturm ist im Bau begriffen.
** Hausen, 25. Nov. Am Sonntag, 23., fand stier Gerneinbevatssttzung stall. Als die vier ersten Punkte der Tagesordnung erledigt waren, schritt man zu Punkt 5, die Polizcioienststelle. Nach der Aussprache wurde zur Wahl geschritten. Unter drei Bewerbern erhielten .Stimmen H. Größer 7, Karl Mohr 5, H. Münch ll. keine. Größer ist gewählt. Dieses Ergeonis wird vom größten Steil der Gtemeinbe mit Freude begrüßt.
-m. L i ch, 26. Nov. Ein eiyncrtigc4 Bvr- kommnis versetzte einen hiesigen Einwohner in begreifliche Aufregung. In einem Hause, na Ix des Bahnhofs, wurden nämlich gestern am hellen Tage Die Fensterscheiben mit großen Steinen ein- geworfen. Die her beigerufene Gendarmerie konnte trotz eifrigen Äbsnclnns des fraglichen Geländes nichts ver.ächtig^ finden. Trotzdem wurden von der Balxrselle her, während der geschädigte Besitzer unb Jane Angehörigen das Haus bewachten, weitere Jenfter mit bewundernswerter Sicherheit ein geworfen, ohne daß es gelungen wäre, dem Täter auf i>« Svrrr zu kommen. Auch Ixute früh um 9 llfc zcrsplllterle nochmals eine Scheibe. Ta die Steine nur aus nächster Nähe geworfen werden konnten, der Tater jedoch ab.vlut nirgends zu entdecken war, stell man vor einem Rassel.
** Lich, 2ö. Nov. Am verflossenen Montag eröffnete die Stenographen-Gcsellschäft „Gabels- terger" Lich ihren diesjährigen WftlterkurfuS mit 18 Teilnehmern.
+ L i ch. 26. Nov. Ein ht der Stadl und in der ganzen Umgebung, auch in ©iefcn beliebte und geschätzte Persönlichfeit wurde heute unter Deteillgung einer zahlreichen Trauergemeinde zur Letzten Ruhe geleitet: Mrpgermeister i. R. Jo- Hannes Stau III. Ter Verrrn der „Kampsgenosicn von 1870/71" gab dem treuen Kameraden das letzte Geleite. Stiftspsarrer Schorlemer hielt dem Entschlafenen die Gradrede. Zahlreiche Kränze wurden am Grade nicbcrgefcgt Für den Kirchen- Vorstand, dem der Berstorlliir feit vielen Jahren angehörie, widmete Stiftsdechant Lenz einen warmherzigen Nachruf. Beigoordneter Heller, der Direktor der Spar- und Tarlehilskasse. deren Mitbegründer und eifriger Förderer Johannes Rau war, betrauerte den Heimgang des rührigen Vorstandsmitgliedes.
-1- O u e d b o r n, 35. Nov Vom Schennew- gerüste stürzte t« seckzehntährise Dienstmagd des Landwirts Heinrich Görnert. TaS Dftllxhen trug einen Beinbruch davon.
Arris Alsfeld.
up. Mücke, 26. Nov. Jeden Sonntagabend fährt von hxr ein Zug um 7a>6 ab nach Gießai. Dieser Zug ist sonderbarerweise noch für den geivohnllchen Perionenvertehr gesperrt. Höher.» Schüler dürfen nicht missahren. Tabei fährt dieser Zug stets leer, weil die Arbeiter meistens nrfl Montamnorgen früh mit dem Arbeiterzug fahren. Seminaristen, die Sonntags zuruafahren wollen, erhoften h.er keine Billette. Dagegen w?r- ben aber solche in Frankfurt auSgegeben. Ein ähnliche Mißstand besteht darin, daß von Giessen der letzte Zug nach Frankfurt schon um 5.27 akfährt, dann Hier mehr. Von Lich aber kann man 9 Uhr abends ab noch nach Gießen fahren.
KrriS Büdingen.
A Ortender 25. Nov. Zum Gedächtnis der im letzten Kircheniabr verstorbenen (Si-mcinbc- ylieder sowie der aus Ortenberg gefallenen oder ihren Wunden erlegenen Helden ranb am Sonntag em feierlicher Gottesdi«'nst statt, der von Liedern der Gemeinde und Schulkinder passend umrahmt war und in dem bet OrtSgristliche über Offen- barunp Johannes Kao. 21 Vers 1 —5 predigte Am Schluß doS Gottesdienstes wurden die Nomen der 93erstorbeuen und Gesallenen noch einmal verlesen und Anregungen zur Ehrung brr Gefallenen gegeben. Eine Kollekte ergab 121 Mk.
LrciS Schotten.
up. Groß-Eichen, 26. Nov. Drei hiesige Mädchen fuhren mit einem Einspänner noch Ruprxrteiirod, um Getreide zur dortigen Mübte mi bringen. Auf dem Rückweg« hä gtc sich hßr cm Ort die Sckxre auS Dadurch scheute dos Pftrd, bäumte sich und ging durch. Das eine bet Mödck^n sprang ob und fiel auf die Strasse, wobei es dft Hände sich verletzte. Das andere suchte das Pferd zu halten, wurde «u Bo^en gerissen und eine Strecke über die Ehausfe^'steTine g^fdjbetft. Da>- durch wurde eS an den Knien und der einen flferfe sckw-r verwundet. Das dritte Mädchen, das sitzm geblieben war, blieb heil.
Kreis Friedberg.
o. Bad-Nauheim, 26. Nov. Auf Anregung des Krieger- und Militärvereins,Hassia" bat sich hier rin „Ortsausschuß für die Pflege und Erhaltung der deutschen Kriegergräber"' gebildet, dem Vertreter aler Behörden. Berufsstände und Parteien angehören Am Vortage des Totensonntags wurde durch Schüler und Schule- rinnen der S'adtichule und der Realschule eine vom OrlSausschuß vorbereitete H a u s s a m m - lung unternommen, deren Reinertra; der Be- ranm^stelle für Kriegerehrungen beim ehemaligen Kricgsministerium überwiesen wird. UeLer 2000 Mk iinb für den guten Zweck ein gegangen.
Starkenburg und Nhcinhesfen.
--- Lampertheim. 26 Nov. Der erst vor wenigen Woclxn gewähl e sozialll mokrali'che Bürgermeister mußte nach einer überaus stürmischen Bürger- und Arbciterversammluna sein Amt n«c- der logen und flüchten, weil er den für die Gemeinde
bestimmten Speck an seine Freunde abgegeben bzw. für sich verwendet hotte. Dem Arzt. Tr. Oelemairn, dem der Ortsgewall.ge das War^zimmcr eutrignti hatte und der dann die ganze Wirtschaft ruck,ichrs- los aufdeckte, mürben von der Arbeiter- und Bür. gerschast reiche Kundgebungen dargebracht.
Hessen-Nassau.
---Frankfurt a. M., 26. Nov. Der 20j86r. Wachter Wfth.lm Bö,er der Firma Bodenhnmer im Ostgüter bahn Hof wurde Montag abend gtgtn 10 Uhr in seinem Wärtcrhäuschen überfallen und betäubt. Dann schnürte ihm die bisher nicht ermittelten Räuber den Hals mit einem Hand- Mch zu. In diesem Zustand, dem Tode nal.e. mürbe der Unglückliche später von einem anderen Wächter aufgefunben. Tic Rettungswache riet den Böser nach zweistündigen Bemübungen bis Leben zurück, mußte ihn aber der Irrenanstalt zuführan, da a tobsüchttg wurde.
= Frankfurt a M., 26. Nov. Heute früh wurde in der Mendelssohustraße ein mit Wäiche beladenes Fuhrwerkge stöhlen. Der Wagcn- sührer batte sich nur auf einigt Augenblicke zur Abgabe eines Paketes ht rin Haus begeben.
)( Marburg, 25. 9d)v. In Fürstemmalde bet Berlin wurden zwei junge Männer von bür bei einem Einbruchsversuch erschossen.
Sängertran) Stehen.
Gießen, 27. Nov. 1919.
„Der Rose Pilgerfahrt."
Von Robert Schumann.
Schumann b^t. wie Helft Draesefe einmal fegt, als Genie begonnen und als Talent aufgehört. Taß dem so ist, zeigen sämtliche Werke seiner letzten — Düsseldorfer — Periode. Sie gewähren dem Kunstfreund im allgemeinen nur wenig Genuß. DaS Schassen Schumanns in dieser Periode tö nicht mehr einheitlich, er springt von einem musikalischen Gebiet auf das andere, er schreibt bald Lieder, bald Violinsonaten, bald wieder kleinere Klavierstücke, bald ein Trio, bald MLrchea- bilder für Viola, bald eine Messt ober em Re- auiem. Im verzweifelten Streben, ja nur Originelles. Bahnbrechendes zu leisten, sann Schumann gar auf die Einführung neuer Kunstgattungen, nahm daS „wellliche Oratorium" wieder auf und erfand das unerfreuliche, zwitterhafte Genre ber „Chorballade". —
Eine ins „Dörfliche, Teutsche" gezogene Nachfolgerin der „Peri" ist „Der Ro,e Pilgerfahrt (op. 112). Die genannten Ausdrücke Schumanns beziehen sich nur auf dos äußere Millen der Handlung. Seinem Charakter nach strriit 1>j4 We^k, weit entfernt von bäuerlicher D-rbbrit, öfters stark die Sphäre des Weichlichen und Ueber- empfindsamen. Der leri des MarchenS — bifen Heldin eine menschgtwordene Blume ist, wlche liebt, heiratet und endlich, man weiß nicht recht warum, von der Elfen königin unter die Engel angenommen wird — flammt von Morttz H o rn, der fcdoch von Schumann selbst eingehende Instruktionen erhielt. Man kann nicht fegen, daß beide damit eine besonders glückliche Hand bewiesen hätten. Der Stoff ist durchaus idyllisch, und Schumann hatte auch ganz nchttg anfänglich bloß das Klavier zur Begleitung hermtaezogea. Erst später erfolgte auf Drängen feiner Freultdr die Orchestrierung, die den bescheidenen Stoff nun plötzlich zur Haupt- und Staatsaktion erhob. Die Musik an sich ist glücklich ermüden und gibt den Stimmungsausdruck vollständig wieder, man denk nur an den einleitenden Frühlingsgesang und an den Trauerchor. —
Der „S ä n ge rkran z" Giessen hat flch diestS wenig gehörten ThvNvertes angenommen. Herr Albert Kasten, der Dirigem des Vereins, hat viel Sorgsoll und Liede auf seine Einstudierung verwendet und wurde do bei durch den ihm immer willig folgenden Chor unterläßt. Die zoll' reichen im „piano“ gesetzten Chvrfatze hielten sich gestern nicht immer an tuest Bor^ichen Besonders frisch und rhythmisch waren die Hochzeit^chöve, die daS musikalisch Wertrvllste des SBertto bar- stellen. — Von den Solisten — sie kamen alle aus Frankfurt a M. — war die Nvfe lls Fräulein zur Nieden die weitaus bifle Leistung. Auszer der klaren — immer tadellos einsek»ndQi — Stimme fiel eine auch sonst überraschend oute Musikalität dieser Künstlerin auf, die auch Dem dramatischen Vortrag zugute kam Sie duifte ellmsv wie Herr Kasten am Schluß der Aufführung einen Blumengruss annebinen. — Der etwas gaumige All von Fräulein Barth verrät gute Schulung. Die in ber Schu bert schen „Allmacht" grandiost Berherr.ichung des gewaltigen Jehova, die der „PÜgerfahrtt^ voraus- gefclkckl wurde, erfordert febod) eine alles durchdringende und alles dc^wingende Hcldenstimme.
12M7c
Zkichnunqen bei allen Bankgesck'ä'ten, Banken, Sparkassen u.Genossenschaftcn.
Liedes Jahr
Mk. 50.— Sparzkuse« für ein Stück von 1000 Mark.
3ebes Jahr
25 000 Bonu-gewinne von
1000 Mark bi« 4 000 Mark.
3ebes Jahr
5000 Gewinne gleich 50 000 000 Mark.
Was .
bringt die Deutsche Spar Pramieuauleihe •


