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fangen. Dec General erklärte alsdann, daß er «die Lr e n n u n g durch das Votum der beiben SSolksnersammlungen von Birkenfeld und Ol­denburg als verwirklicht erachte.

Die Kommission drückte ihre Beunruhi- tzung für die Zukunft aus; vielleicht würden die Beamten unter der neuen Regierung ihren Dienst nicht mehr versehen wollen. Wenn das Reich die neue Republik nicht anerkenne, seien große Unzuträglichkeiten zu befürchten.

Der General ist dec Ansicht, daß die Herren die Gefahr übertreiben. Er will keinen Schritt zu rücktun und die gegebene Lage ver­nachlässigen durch Wiedererrichtung eines Zu­standes der Dinge, den niemand wünscht, selbst nach Ansicht aller Mitglieder der zwei -Kommissionen. Er wird keine Beamtenstreiks -aus politischer Ursache zulassen und würde Strafmaßnahmen (Ausweisungen) gegen die- Zeuigen treffen, welche durch Aufgabe ihres Dienstes dem öffentlichen Leben der Provinz Abbruch tun sollten. Seiner Ansicht nach wer­den Neuwahlen zum Landesausschuß, die in derselben Zeit erfolgen, wie die Wahlen, die in den verschiedenen Kreisen der besetzten Ge­biete stattzufinden haben, gestatten, aus der gegenwärtigen Lage hecauszukommen, indem sie allseitig vollständige Garantien geben und sich berufen auf den frei geäußerten Witten der Einwohner.

P ar i s, 22. Sept. (Wolff.) Havas. Frei­herr v. Lersner übergab Pich on eine -Note, worin gegen die Haltung des Majors E a st i a n i protestiert wird, der anläßlich der Unruhen in Birkenfeld versucht hatte, in diesem Lande eine unabhängige rheinische Re­publik ausrufen zu lassen. Lersner verlangt von der Friedenskonferenz Sanktion.

Französische Kulturträger.

--- Frankfu rt a. M., 22. Sept. Am Samstag abend wurden mehrere Frauen, die vom Römerhof nach Rödelheim gingen, von .drei Senegalnegern der eine halbe IStuude entfernten letzten französisches Feld­wache angehalten. Unter vocgehaltenem Re­volver zwangen diese französischen Kulturträ­ger drei der Frauen, mit ihnen zu gehen, um sie später zu vergewaltigen. Ein Feld­schütz, der die Frauen befreien wollte, wurde mit der Waffe zurückgcscheucht. Der Vorfall trug sich in der neutralen Zone zu.

*

Cronberg, 19. Sept. Die Fran- Izosen hoben vor einer Woche die Stadt ver­blassen. Diesen Umstand benutzten am Sonn­tag Zahllose Ausflügler zu einem Besuch der Stadt. Als sie abends front Bahnhof ab fah­ren wollten, erschienen plötzlich französische Feldgendarmen, die eine Prüfung der Pässe Vornahmen und alle Reisenden, die ohne Aus­weise waren und das waren leider sehr viel zur Bestrafung notierten.

= Koblenz, 19. Sept. Die amerika­nische Behörde überwies hiesigen Kaufleuten 200 000 Pfund Zucker zum freihändi­gen Verkauf an die Bevölkerung, da der Luckerbcdacf für die Truppen gedeckt ist.

tut. Mainz, 20. Sept. In der hiesigen Gegend ist die Z w e t s ch e n e r n t e sehr reich­lich ausgefallen. Sie werden indes zum Teil wach dem neutralen Ausland, vor allem Hol- 1 and, verschoben. Eine Handlungsweise, Die schärffte Mißbilligung verdient.

ma. Mainz, 27. Sept. Eine franzö­sische Zeitung soll, wie derM. Anz." hört, wom 21. September ab tätlich unter dem Na- rmenL'Echo du Rhin" hier erscheinen.

tm. M o n t a b a u r, 22. Sept. Die ame­rikanische Gerichtsbehörde verurteilte 26 Per- fauen in Montabaur zu G e l d st r a f e n von £)0 bis 200 Mark, weil sie es unterlassen halten, Düngerhaufen aus dem Ort zu entfernen oder fliegen- und gcruchssicher zu sbedecken.

ch. Nieder-Jngelheim, 18. Sept. 'pSn der Nähe desHäuserhofes" soll angeb- ,1ich von der französischen Militärverwal­tung ein Flugplatz errichtet werden, der :sich über 800 Morgen in den Gemarkungen Mieder-Ingelheim und Wackernheim erstrecken .soll.

Siershahn, 19. Sept. Die Rheini­schen Chamottewerkc, deren Arbeiter eben tim Streik stehen, wurden bis auf das Maschinen­baus durch ein Großfeuer zerstört. Das Feuer ist vermutlich durch die Stichflamme der imter Brand gehaltenen Feuerung entstanden.

Reifeetnbrfide ous dem amerikanischen Deutschland.

4. Die Rheinische Frage.

Die sogenannte rheinische Bewegung tritt we- lngstens im amerikanischen Brückenkopf kaum sicht­bar an die Oeffentlichkeit. In der rechtsstehenden Koblenzer Zeitung unb dem Zentrumsblatt, der ..Koblenzer Volkszeitung, wird nur bei besonderen Anlässen ein lauer Kampf dafür und dagegen ge­führt. Aber unterirdisch gärt es. Wohl kommt es inod) vor, daß angesehene Familien den Icsell- schastlicben Verkehr mit Anhängern der Loslömngs- liestrebungen abbrechen. Im Stillen gewinnt aber die rheinische Republik innner mehr an An­hängern.

Die Grunde, die dafür angeführt lverden, sind ijc nach dem Menschen ganz verschieden. Der ÜZcntnmcsmann weist darauf hin, daß die Rhein- lande in hundertjähriger Zugehörigkeit zu Preußen lediglich als Kolonie behandelt wurden. Er spricht front Zkulturkampf und der Frrnhalttmg der Katho- jliken von den höheren Verwaltungsstellen, obwohl die neue Regierung säst übereifrig bestrebt ist, nunmehr wichtige Posten mit Katholiken zu be- seven. Der Schieber möchte seinen schnell erworbe­nen Reichtum durch belohnende Vergünstigungen für eine Daenticrung nach Westen vor unliebsamen Relchsabgaben gesichert wissen. Aehttliche unsaubere Gründe kennt man von den Landverschiebern in der Pfalz her, die der autonomen Pfalz geringere Steuerlallen unb einen verbesserten Geldkurs ver- sprecheit. Die Furcht vor einem Staatsbankerott spielt überhaupt im Rheinlande, insbesondere in

Arre Hessen.

Tie Gemeiudewahlen im besetzten hessischen Gebiet.

Die Gemeindewahlen im besetzten hessi­schen Gebiet, die am 12. Oktober stattfinden sollen, sind auf Veranlassung der französi­schen Behörde verscchchben worden. Wie wir hören, sollen sie nun. sm 9. November vor­genommen werden. "

Otto Hirsche! f

Friedberg, 22. Sept. Der Herausgeber der seit 1908 hier erscheinendenNeuen Tagesztg." und Direktor der Landwirtschaftlichen Haupt­genossenschaft in Oberhessen Otto Hrrschel ist vergangene Nacht einem Schlaganfall erlegen. Ter Verstorbene stand im 58. Lebensjahre; er war seit 1890 in der Baucrnbeweaung tätig und Mit­begründer des Hessischen Bauernbundes. Im Reichstag vertrat Hirichel von 189398 den Wahlkreis Bensheim-Erbach, in der Hessischen Zweiten Kammer von 19021908 den Wahlbezirk Grünberg-Gießen. (Wir werden morgen auf das Wirken Hirschels nochmals zurückkommen. D. Red.).

Oberhessische Bauernbewegung.

rt. Langsdorf, 22. Sept. In einer Ver­sammlung der hiesigen Ortsgruppe des hessi­schen Bauernbundes, die zur Zeit 52 Mit­glieder zählt, wurde nochmals das Verhalten einiger Landwirte gegenüber den Viehrevisoren zur Sprache gebracht. Die gesamte Ortsgruppe erklärte sich solidarisch mit den hiesigen Land­wirten, die dem Kontrolleur den Zutritt zu den Stallungen versagt hatten. Sie duldet keine Kon­trolle und Bevormundung mehr, insbesondere nicht von Nichtlandwirten. Die Ortsgrichpe will zur Volksernährung leisten, was in ihren Kräften steht. In dieser Hinsicht wird sie auch das Wucher- imb Schiebertum bekämpfen.

Die Papiernot der Presse.

Ter 1. Oktober wird dem größten Teile der deutschen Zcitungslcser wiederum eine erhebliche Mehrausgabe für den BezuA ihrer Zeitung bringen. Waren bisher die ftufeWöcifen Erhöhungen in den allgemeinen Teuerungsverhältnissen begründet, fo liegen diesmal Ursachen zu Grunde, die sich» bei einem geschickteren Verhalten der Regierung hätte vermeiden lassen. Vor allem hätte die Regierung den unerhörten Wucher mit Papierholz unterbinden sollen. Außerdem hat sie jetzt das Aushören einen nährend _ des Krieges für die Papierversorgung der Presse geschaffene Einrichtung angeordnet, die im Jnteresic der Oeffentlichkeit unter allen Um­standen für die Uebergangszeit noch, hätte iveiter- bestehen müssen. Es ist der Allgemeinheit wohl kaum bekannt, daß der deutschen Presse in den letzten Zähren das Weitererscheinen nur dadurch möglich ix ar, daß unter Mitwirkung fron Reich und Bun­desstaaten durch eine Reichsstelle für die Sicher­stellung des Papierbedarfs «sorgt wurde. Sir ermöglichte eine bevorzugte Belieferung der Zei- tungspapierfabriLen mit Kohlen und Papierholz unb verhinderte fo auch eine allzu starke Erhöhung der Papierpreise.

Diese Reichsstelle soll am 1. Oktober ds. Js. aufgelöst werden. Tie dringenden Vorstellungen der gesamten deutschen Presse haben nicht vermocht, die Regierung von der Notwendigkeit eines Weiter­bestehens der Refasstelle, die ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit geschaffen war, zu überzeugen. Tie Tätigkeit des bisherigen Reichs­stelle soll mm zu einem Teile wenigstens von einer privaten G. m. b. H. svrtgeführt werden. Ter Wett dieses Planes wich aber dadurch illusorisch, daß es dem den überwiegenden Teil der deutschem Papiererzeugung beherrseienden Verband Teutscher Truckpa die riabriken gelungen ist, schon jetzt den be- stimmenoen Einfluß in der neuen Gesellschaft an sich zu! reißen. Und das mervvürdigerweise mit Wissen des Reichswrrtsichaftsministeriums, dessen Vertreter in völliger Verkennung der Sachlage biefg Bestrebungen des Verbandes ganz offenkundig un­terstützt.

Gelingt es nicht, diese unter einer so stark sozialistischen Regierung doppelt befremdenden Be­strebungen zu verhindern, so tritt durch, die bereits fron den Fabriken unverblüntt angekündigten Pa­pier p reiserhöhungen eine Verteuerung! des Lese-, stofses ein, für bat die Presse die Beraittloortung unbedingt ablehnen muß. Es bleibt ihr, von der große Teile schon seit Jahren schwer um die Exi­stenz zu ringen haben, nichts anderes ü6ri», als die Aufmerkiam her Oeffentlichkeit und der Parla­mente auf diese int öffentlichen Interesse tief be- danerlichicn Tatsachen zu lenken.

Arr» Stadt und Land.

Gießen, den 23. Sept. 1919.

Da- Hirrterlandbahrrprojekt.

R. Rodheim a.d.B., 22. Sept. Heber das Hinterlandbahnprojell erschienen in den verschie­densten Lokalblättern Berichte, die geeignet waren, die Leser irrezuführen. So wurde im .Hinter­länder Anzeiger" vom 26. August 1919 Nr. 100 aus Wetzlar u. a. berichtet:

den Köpfen der Bauern, eine große Rolle. Alles Hartgeld, und erst recht ausländisches Geld, das durch die Besetzung in erheblichen Mengen in Um­lauf kam, wird sorgsam in Sttümpse verwahrt. Der rechtschaffene Bürger ersehnt die Autonomie, um im besetzten lebtet geschlossen gegen das Schieberunwesen unb bie Schikanen ber Besatzunas- behörden vorgehen zu können. Er verspricht sich davon ein Wiedererstarken der autoritativen Ge­walten, vor denen der Einheimische und auch die feindlichen Mächte Achtung gewinnen müßten. Tenn Deutschland ist fern und allgemein hört man die Klage, wie wenig man sich von dem kraftlos ge­wordenen Arme des Datschen Reiches geschützt fühlt. Man freut sich sogar vielfach der Absper­rung, die es verhindert, daß die gefürchteten kom­munistischen Putsche auf das Rheinland übergreifen können. Dafür befürchtet ber Bürger Putsche der Sonberbündler unb auch dagegen hofft er sich erfolgreich wehren zu können, sobald daS Rhein­land im Rahmen des Deutschen Reiches weit- gehende Selbstbestimmungsrechte erhalten hat.

Ja, man hat seine Sorgen im amerikanischen Deutschland, selbst wenn man allmorgendlich zum echten Bohnenkaffee ein 50 Gramm schweres Bröt- ckien 5um Preise von 35 Pfennigen aus blüten­weißem amerikanischen Weißmehl genießen kann. Sieben Stück solcher Brötchen stehen jedermann in der Woche als Ertraration auf seine Brotkarte zu. Man kann allerdings auch unrationelle Brötchen kaufen: die sind aber natürlich teurer.

Nur Leute, die sich matcrieUeii Vorteil davon versprechen, sind für ein Ausscheiden btr Rhein- lande aus dem Verbände des Deutschen Reiches. Selbst jeder Zentrumsmann, mag er noch so

,Letzt sei in dieser Frage (Hinter landbahn) von ber Eisenbahnbehörde zugunsten. Wetzlars entschieden worden. Man totale vorläufig eine Teilstrecke der genannten Bahn bauen und zwar von .Königsberg über Waldgirmes nach Wetz­lar" usw.

An all diesem Gevcke ist kein wahres Wort! Dem in dieser Angelegenheit allein tätigen Arbeitsausschuß ist von dieser angeblichen Ent­scheidung ebensowenig bekannt, wie der Eisenbahn­behörde selbst. Die Eisenbahnbirektion Frankfurt a. M. antwortet auf eine dies­bezügliche Anfrage unterm 6. September 1919 V. 51. 2591:

Die Angaben des Ihrem Schreiben vom 27. August d. Js. beigefügten Zeitungsaus­schnitts sind unrichtig. Die Eisenbahnverwaltung hat sich mit Vorarbeiten für eine Bahn von der mittleren Lahn nach Biedenkopf in den letzten Jahren nicht beschäftigt, noch viel weniger eine Entscheidung 'getroffen, gez. Unterschrift."

Richtpreise für Obst.

Das Hessische Landesemahrungsamt hat für das Gebiet des Freistaates Hessen folgende Er­zeuger- und Kleinhandelspreise als Richtpreise fest­gesetzt. Die Preise beziehen sich auf das Pfund.

Erzeuger- Kleiuhan- preis belspteis Iwetschen u. Pflaumen 0,25 ML. 0,36 ML.

Aepfel

Tafelobst I (Kabmettobst)

Tafelobst n (Reinetten unb gleichwertige Sorten)

Wirtschaftsobst (Kochobst), ge­pflückt und sortiert

Schüttel- und Fallobst

Birnen

nach freier Vereinbar.

0.40 ML. 0,55 ML.

0,25 ML. 0,35 ML.

0,15 ML. 0,22 ML.

Tafelobst I (Kabinettobfl) nach freier Vereinbar.

Tafelobst n (Butterbirnen u.

gleichwertige Sorten) 0,35 ML.

Wirtschafts ob st (Kochknrnen), gepflückt und sortiert 0,20 ML.

Schüttel- und Fallobst 0,12 Mb.

Quitten 0,45 ML.

Walnüsse 0,65 ML.

0,45 ML.

0,30 ML.

0,18 ML.

0,55 ML.

0,80 ML.

Als Tafelobst I (Kabinettobst) gilt nur tadel­loses, ausgesuchtes Obst erster Sorten, in kleinen Packgefäßen sorgfältig stückweise verpackt.

Wesentliche Ueberschoeitungen dieser Richtpreise werden auf Grund der Verordnung gegen Preis­treiberei vom 8. Mai 1918 wegen übermäßig« Preissteigerung mit Gefängnis und mit Geldstrafe Äs zu 200 000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bestraft.

Wie uns von einem Augenzeugen erzählt wird, wurde bei der gestrigen Obstversteigerung inNiddazu geradezu vorbildlichen Maßnahmen geschritten. Um einer sinnlosen Preistreiberei, Ivie sie sich in diesem Jahr so oft bei Obstversteigenmgen zeigte, vorzubeugen. Zunächst wurden in Nidda nur Einheimische zur Versteigerung zugelassen. Von diesen waren wieder solche ausgeschlossen, die auf eigenem Grundbesitz genügend Obst erzeugten, um ihren Winterbedarf decken zu können. Bei der Ver­steigerung selbst nnrrbe von den Obstliebhabern, die sich bei dem ziemlich engen Kreis der Hugelaffenen meist persönlich kannten, ein höchst originelles, aber musterhaftes Verfahren geübt, um die Preise nach sozialen Gesichtspunkten zu regeln. Ein schöner Zug bet den so oft als hartherzig und eigennützig ver­lästerten Wetterauer Bauern das ehrendste Zeugnis ausstellt: Wollte eine Ktisgerswitwe oder eine Frau, berat Ernälwrr noch in Gefangenschaft schmachtet, einen ihr zusagenden Baum steigern, so hielten sich bie Anwesenden in stillschweigender Verabredung zurück und ließen die betreffende Frau allein stei­gern. Nachdem sie ein Gfebot von 310 Mark ab­gegeben hatte, tumbe ihr ber Baum, ber meistens mit mehreren Zentnern Früchten behangen war, zugescklagen. Die meisten ber anwesenden Krie- aerswitwen konnten auf diese Weise ihren gefaulten! Winterbedarf für wenige Mark decken. Im übrigen kam der Zentner Obst auf 2050 Mark zu stehen. Im einzelnen war die Jobbe des Pieüses ein ge­treues Abbild derBeliebtheit", die sich der be­treffende Steigerer erfreute. Bei einem Manne, dem man es gömtte, sein Obst besonders billig eützukaufen, nntrbe beim Bieten merkliche Zurück­haltung geübt. Anderseits wurde gciinffe Freudig­keit imBieten" an den Tag gelegt, wenn Leute, bie man etwas ärgern wollte, Interesse für einen Baurn zeigten.

VrotpreiSerhöhrmg.

Infolge fortwährender Steige­rung der U n t o |t e n in beit Backerei­betrieben hat ber Lebensmiltelausschuß ben Brot- preis um 1 Pfennig für das Pfund er­höht. Gleichzeitig wird daraus hingewiesen, daß in absehbarer Zeit eine weitere Erhöhung eintreten wird, welche durch die neu fest- gesetzten Getreidcpreise und werter durch die Ver­teuerung ber allgemeinen Unkosten hervor gerufen wirb.

n

** Amtliche Personalnachrichten. Durch Entschließung be5 Landesamts für bas BildmigSwesen wurden die Lehr am ts refe- r en da re Artur Jacobi zu Bensheim, Her­

mann Junker zu Gießen, Otto Kunkel ztt Gießen, Karl Nie decken yi Rüffels heim a. M. und Ernst ©taufe aus Darmstadt zu Lehr« amtsassesforen ernannt. Dem Schulamtsartwärter Peter Kaiser aus Heusenstamm (Kreis Offen­bach) wurde die erste Lehrccitelle an der Volksschule zu Ober-Mörlen (Kreis Friedberg), der Schulamrsanwärterin Luise D r a i ß aus Mainz eine Lehrerinstelle an ber Volksschule zu Klein- Welzheim Kreis Offenbach) und ber Schul- amtsanwärterin Auguste H i l b aus Darmstadt eine Lehrerinstelle - an der Volksschule zu A r- heilgen (Kreis Darmstadt) übertragen. Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer au be­setzende Schulstelle zu Bannerod (Kreis Lauter­bach).

** Volkszählung. Für die am 8. Oktober ftattftnbenbe Volkszählung wird eine gröfeere An­zahl von Zählern benötigt. Für die Tätigkeil wird auf Wunsch eine Vergütung gewahtt. Mel­dungen werden bis zum 27. Sern eucher im Stadt­haus, Garttnstraße 2, Erdgeschoß, 3imm*-r Nr 8, entgegeugenommen. Im Hinblick auf die Wichtig­keit der Angelegenheit wird um zahlreiche Beteili­gung gebeten.

** Tie Meisterprüfung als Frrkewc und Perückenmacker haben bestanden Heinrich Iton und Willi Tränkner, beide von Gießen.

** Gießener Wa ldbühne. Tie am Sonntag wegen Ungunst der Witterung abgefagre Aufführung ber beiden LustspiLl-Einakter fin­det nunmehr am Freitag abend 7l/i Uhr im Saale veS Hotel Einhorn statt.

** Volksbildung unb VolkShoH- schule. Zu dem uns gestern aus Darmstadt üba- mittclten Bericht bittet uns Herr Dr. Werner (Gießen) um Aufnahme nachstehender Zeilen: Der Bericht über die erste Sitzung des Volkshochschul­ausschusses ber Zentralstelle zur Förderung bet Volksbildung m Hessen, den Sw in Ihr« gestrige» Nummer brachten, gibt bet Sinn mein« Ausfüh­rungen zum Teil in ein« Weise wieder, die zu syUßverständnissen Anlaß geben könnte. D« Satz: Seiber mißversteht ein Teil des Volkes noch immer bie Bedeutung ber Volkshochschule, indem « glaubt hier etwas zu gewinnet, ivas ihm für daS prak­tische Leben Ttützlich sei" sollte in seinem (letzten Teil besser lauten:indem er glaubt, hier etwas zu gewinnen, was ihm ganz immütet- bar und ausschließlich zu seinem beruffiche» Fortkommen dienlich fei". Denn die Volks hoch- faule kann und darf keine Fachschule sein. Sie wurzelt aber tief -ui den Wirklickteiten des braf-i tischen Lebens, dem letzten Endes ja ihre Arbeit gilt. Tenn eine vertiefte Geistes- und Gemütsbil» tnntg, beten Träger allen Kreisen angeboren, wird mit Notwendigkeit bestimmend auf alle Formen des Lebens innerhalb der Volk^wmeinsckvft ein* nirtett. Ferner habe ick, nicht gesagt, daß die Volkshochs'chule ,xtui Veranlassung der Gewerh- schäften Spraichkursc für Lehrlinge" ein­gerichtet habe. Ich habe nur auf Anfrage er­klärt, daß unsere Volkshochschule Surfe in Ele­mentarfächern (Deutsch, Rechnen, Sprach-v) in ihr Programm ausgenommen liobe unb dabei erwähnt, daß das Bärürfttis danach besonders auch von feiten ber Gewerksck>aften betont worden sei. Diese Etementarkurse sind jedoch, wie alle Vermtstalttmgen jedermann zugänglich, nicht nur Lehrlingen und anderen jungen Leuten.

** Zu der Versammlung des Ober» Üessi schert Bauern b unbes bittet uns Ge- schäftsführ« Boock »^r Ftnschor-Innung Gteß:n, nack-stehende Ergänztmg ivtedcrzugebm: Ick) -abe keineswegs aufigeführt, daß man ge<jen bi? 6er- abietiung btt Fleischp«ise fei und bnfe die Bevöl­kerung gar kein Bedürfnis nach billigerem Fleisch bade. Ich habe lediglich erflärt, daß die ein - fettige Herabsetzung der Fleischpteise ohne An­hören ber Tterufsorbanisationai eine weltfremde Matznahme her Regierung sei und ich habe dem noch hinzugefügt, daß es bei der beute zur Aus­gabe k-mmeiiden geringen Fleischmenge es wohl D« Dlehrheit des Volkes einerlei sei, ob jie 10 od« 20 Pf. mrhr R'-ahle, die Hauptsache sti für sie, daß man Fleisch überhaupt bekomme. Dies' Ausiührungen entsprechen auch dem Verhaltm der Metzg« speziell in Gießen, brnn die VerkausSpreise für Fleisch- und Wurstwaren sind hier schon seU läng«« Zeit die niedrigsten und iteben in keinem Verhältnis zu bat Erstrhungskosten des Metzgers.

Landkreis Gießrn.

Die Pfarrhausfrage in LangSdsrf.

Die Pfarrhaus frage d« Gemeinde Langsdorf, die fayon läng«e Zeit die hiesige Kirchongemeindevertretung und den Z^irchenvor* stand einerseits und das Marienstitt zu Lich und das Oberkonsistorium zu Darmstadt andererseits in Spannung hielt, ist gerade in d« jetzigen Zeit wieder akut geworden, insofern, als das Dberton* sistvriurn sich nicht baeit «klart, die Pfarrstelle endgültig zu vergeben, bevor die Dfa«hausfrage erledigt sei. D« geschichtliche H«gang ist fol­gender: Bor b« Reformation bildete sich in Lich durch freiwillige Stiftung eine Bereinigung geist­lich« Herren, die von Lich aus das geistlikhe Amt d« umliegcnbtn Dörf« verwalteten. Im Laufe ber Zeit nahmen bie Geistlichen ihren Wohnsitz in ben jeweiligen Gemeinden. Das Marienstist

radikal sein, betont nachdrücklich feine retchStcrue Gesinnung, verwirft die Machenschaften Dr. Dor- tens und erklärt das Vorgehen der Kölnischen Volkszeitung als schwere intb bedauerliche Miß­griffe. ,

Fragt man danach, welches Ergebnis etwa eine augenblickliche Abstimmung haben würde, fo schätzt man auf der Zentrumssette, daß eine knappe Mehrheit dafür, auf rechtsstehend« Seite, daß eine knappe Mehrheit dagegen sein wird. In Wirklichkeit dürste deumach wohl ein heiß« Kampf mit -weiselhastem Ausyange entbren­nen. Da bie Propwumda -für Autonomie ber Rheinlande aber unentwegt tociterbetriebcn imrb, wie es die Zentrumsführcr in Köln offen angekün­digt haben, so muß man bei Ablauf der Sperr­frist mit einer überwieg nden Mehrheit von An­hängern der rlteinisckvn Selbständigkeit rechnen. Und diese Mehrheit kann bei den wenig »«locken­den Zu ständen im Deut sck)en Reiche leicht in rnbi* totere Bahnen geleitet werden. Ansätze dazu sind unverkennbar vorhandai.

Die rheinische Frage reifet tiefe Gegensätze selbst innerhalb ber politischen Parteien auf. Wed« das Zentrum würde geschlossen dafür eintreten, noch rechtsstehende Parceien und Sozialdemokratie geschlossen dagegen. As Hauptgegncr redmen die altpreußischen Beamten, die Gewerkschaften und bie Eisenbahnerverbände. Die beiden letzten Grup- peii angeblich, weil sie befürchten, in einem auto­nomen Rheinstaate, der nach sein« politischen Schichtuiig Gefahr liefe, ein klttikalcr Zentrums- Itaat zu werden, den Achtstundentag und die hohen Löhne zu tKtlicrai

Im Gegensatz zu brrr Franzosen halte» fuU

bie Ameriton« aus ber ganzen Frage draußen und intb eh« gegen eine AblösungsbestvÄicns als dafür. Ihnen wäre eine westliche Orientierung! sicher unangenehm, und Dr. Dorten, lyint« dem die Franzoftw stehen, hat sich wenigstens in Kob­lenz noch nicht 61 i cf en lassen. Es will zwar nicht viel heißen, ab« es ist immerhin bezeichnend, wenn amerikanische Offtziere «klären:Wir sind jetzt die Wackst am Rhein, damit ihn niemand euch fortnimmt"

Offiziell üben die Ameriton« strenge Neu­tralität. Ihre Zensur sielst vor allem darauf, daß in ben Zeitungen überhaupt und jurnal ut ber rheinischen Frage kein Gegensatz zwischen den Alliierten erwähnt wirb. Bei der MclluuiA über ben letzten Putsch in der Psate, befand sich an ber Stelle, wo von ber Mitwirkung französischer Soldaten die Rede war, eine deutlich erkennba» Zensurlücke.

Und dock letzten Endes sind sie die Urheber d« ganzen Bewegung durch nichts anderes, all daß sie als feindliche Besatzungsulacht im Lande sind, daß sie.es jedermann gut Schritt und TnU zum Bewußtsein bringen, daß ber Husainmenhm» mit Deutschland unterbrochen ist, baß der Deutsche, insbesondere derPreuß" nickst mehr Herr im Lande ist. Man schimpft auf ihn, aber bte Aus­sicht, 15 Jahre lang an sein« Statt mit Ameri­kanern austommen zu muffen, erscheint leben1 Rheinländer trostlos. Daher kommt er auf ben Gedanken, .sich selbständig zu machen und krn- willig eine neutrale Zone vor Teutsästand. «o bilden in der trügerischen Hoffnung, dadurch <nne> weiteren Besetzmig entledigt zu werden.