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Erster Blatt

169. Jahrgang

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Stehlarbeiterstreik in Amerika.

Neu York, 22. Sept. (MB.) Reuter. Der sich über das ganze Land erstreckende allgemeine Stahlarbeiter streik begann um Mitter­nacht. Meldungen aus Pittsburg, Chicago, Clevc- land und anderen Orten besagen, daß Tausende die Arbeit niedergelcgt haben. Die Eingaben über die Ausdehnung des Streiks lausen jedoch bisher widersprechend. Beispielsweise erklären in Pittsburg die Beamten einer Gesellschaft, daß die meisten Be- triebsanlagcn mit verringerten Arbeitskräften ar­beiten. Die Arbeiterführer dagegen erklären, daß der Streik in feiner ganzen Größe erst in zwei Tagen zur Geltung kommen würde.

Bern, 22. Sept. (22TB.) TerAvanti" bringt die gestern mitgeteilten Absetzungen verschiedener Generale mit einer nalio-, -

nalisiisch-militarisiilichen Verschwörung in Zu-'Derg n.ü g ung § führten

Dir Spaltung in Italien.

Bern, 22. Sept. (Wolff.) Admiral Cagni

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Birkenfelder Krage.

Wir lesen intMainz. Tagbl.":

General Mangin etnpfing ant 17. Se)>» tember.zwei Abordnungen aus Birkenfeld und' unterhielt sich lange mit ihnen über die in der Provinz durch die jüngsten .Ereignisse go schaffene Lage.

Die erste dieser beiden Abordnungen, zu^ sammengesetzt aus Gegnern der Regie-/ rung wurde erstmals von 9 bis 12V2 Uhrs empfangen. Diese Herren erklärten, daß sie die Trennung von Oldenburg wünschten, dass sie aber der Ansicht seien, daß die Trennung Birkenfefes und Oldenburgs nicht eher ver­wirklicht sei, als bis sie durch ent Gesetz der okdenburgischen Regierung sanktioniert fei.; Sie wandten sich gegen die Persönlichkeiten; der gegenwärtigen Regierung und gegen die,' Art der Auflösung des Landesausschusses. Siel wünschen zur Gesetzmäßigkeit zunückzul'ehren und bitten, daß der alte Landesaussthuß und die alte Regierung Wied« in ihre Tätigkeit eintreten.

Um 2 Uhr nachmittags empfing General Mangin eine Abordnung der Anhänger der jetzigen Regierung. Sie wollen nur von Beamten regiert sein, die aus der Provinz« Birkenfeld oder zum mindesten aus den! Rheinlanden stammen. Einige unter ihnent verlangen die Wahl eines direkt vom Bolte er*} nannten Präsidenten, aber General Mangins besorgt, die gesetzlichen Formen zu achten, anta wortete ihnen, daß es ihm unmöglich erscheine, diese Maßnahme anzuwcnden.

Die erste Kommission wurde um 5 Uhr, nachmittags von dem General aufs neue eme*

Berlin, 22. Sept. (WTB.) In einem Aufruf der Frauenliga zur Heimholung Kriegsgefangenen an die deut- r Frauen wird zur Einstellung der aufgefordert.

beim.

>r 1919 liegen Ihr vormittags

sammLnhang. Tic anläßlich des italtcmfifen Na­tionalfeiertages der Befreiung Roms in den verschiedenen Städten geplanten Shmbgebungcrv gegen die Regierung seien durch, die Tcilnahnis- losigkeit der Bevölkerung gescheitert. Ter ,/Avanti" meint, daß das Offizierskorps die Temobilisicriuig zu verhindern suche, um weiter im Besitz der hohen Bezüge bleiben zu können. Das fei auch der tiefere Grund für die Parteinahme für d'Llnnunzio.

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Dienstag, 25. September 1919

Annahme von Anzeigen f. die Taqesnummer bi-3 A zum Nachmittag vorher tgysb . W ohnejedeVerbindlichkett

M3 W v Preis für 1 mm höhe für Eflj ÄäJf WZ Anzeigeno.34mmtpi:eüe

XtA Of örtlich 15 Pf., auswärts

M W, 18 Pf., für Reklame-

anzeigen oon 70 mm

Arrs dem Reiche.

Eine Zusammenkunft der Finanzminister.

Bamberg, 22. Sept. Unter dem Vor­sitz des preußischen Finanzministers Dr.- d e k u m (Berlin) sind heute in der hiesigen Residenz die Finanzminister der Länder Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Hessen und Baden zu einer streng vertrau­lichen Besprechung zusammengetreten. Die Beratungen werden zwe^Tage in An­spruch nehmen und dienen einer Aussprache über die Finanzlage der einzelnen Bundes­staaten. Der Besprechung wohnt auch der preußische Minister für öffentliche Arbeiten Oeser bei.

Der vorbereitende ReichervirtschafL-rat

Berlin, 20. Sept. (Wolfs.) Dec Entwurf eines Gesetzes über den vorbereitenden Reich' swirtschastSrat, der bereits durch eine Mitteilung deS Rcichsivirtschastsinmisters Schmidt in der Nationalversammlung an gekündigt worden ist, ist inzwischen fertiggestellt worden.. Er ivird in den Nächsten Tagen den Gegenstand von Besprech­ungen der zuständigen Ressorts bilden. Ms zur Schaffung des in der Verfassung vorgesehenen end-, gültigen Reichswirtsehaftsrats ist für den vvrberei-. tendcn Rcick)swirtfchastsrat ein weitg-ehcndes Mit­wirkungsrecht bei der Gesetzgebung iritb beim Er­laß gewisser grundlegender Verordnungen vor­gesehen. Der vorbereitende Reichswirtschaftsrat wird in seiner Zusammensetzung den Interessen

im letzten Augenblick, nachdem schon ein Sondcrzug zur Abreise bereit stand, die lieber» nähme des Kommandos über die gegen Fiume operierenden Streitkräfte a b y-e l e h n t. Als Grund wird angegeben, daß es sich nicht um eine

an: Note?

leben solchen behufs v!an- eine Coch

betjen liegt.

um das zur Heimbeförderung der Kriegsge­fangenen erforderliche rollende Material frei­zubekommen.

Zum Kohlcmmmgel.

Köln, 21. Sept. (Priv.-Tel.) Wie dieKöln,' Zeitung" meldet, daß ba5 Reich >wittsttnftsminff> <- rium den preußischen Eisenbahnminisder criudti, durch eine vorübergeliende, nahezu völlige Ein­stellung des Personenverkehrs in Oberschlesien die Möglichkeit eines gesteigerten.Abtransportes der Kohl« zu schaffen.

Die schwarz-weiß-rote Fahne.

Berlin, 22. Sept. (Wolff.) Unliebsame Bor-' kommnisse der letzten Zeit gaben d:m Reichswehr- Minister Veranlassung, den Truppenteilen da^ Vorant ragen schwarz-wei ß-rvtev Fahnen beim Marsche durch ihre Garnison ufw. zu verbieten.

Aus Braunschweig.

Braunschweig, 22. SiftN. (^Äoffs.) Wie dieBraunschweigische Landeszeitung" meldet, ist der ,^Vvl?s freund", das Organ der Brmm- fdjTrctger unabhängigen Sozialisten, in der tvrgan« genen Nacht von seinen rechtmäßiger Eigentum mevn, den Braunschweiger Mehr l>eitsfozia- listen, unter dem Schutz der Reichswehrtrupp.m in Defrtz genommen worden. Tie Unav-. hängigen hatten denBolksfreund" in der 8le- volutionsnacht int November 1918 besetzt, obgleich die Zeitung nach der Spaltung der alten Partes durch Gerichtsbeschluß den früchererr Jichabern dev Firma Rieke u. Co. (Mehrheitsfoz.) zu gesprochen war.

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daß rein türkische Städte und Länder im westlichen Teile des türkischen Reiches den Türken genommen werden sollten, habe heftigsten Widerstand bei dem türkischen Untertanen gefunden. Er wolle, indem er feine Untertanen zum Gehorsam auffordne, auch ihre Unabhängigkeit und die seinige vertei­digen. Von der FriedensSonstninz : warte die Türket ent gerücktes Urteil. Er Hofs * teAhalb daß bic türkischen Un ter Händ ler baldigst nach Paris berufen würden. Tie Türken sckchecktm nicht vor einer AuSeinandnsetzuitg zurück und be­fürchteten nur, daß. Entscheidungen getroffen wür­den, ohne daß man sie gehört hätte. Aber man müsse überall wissen, daß man nicht die Türftn auslöschen könne, die zwar Fehlser beg.mgen habe, die sie wieder gutmachen Wolle, die sich aber nicht erniedrigen lassen könne. Schließlich erklärte der Sultan, nieder er noch sein Volk vergäßen, daß 1878 Frankreich und England und schon seit 1854 dieselben Mächte der Türkei kostbaren Beistand geleistet hatten. Die Türkei hoffe noch jetzt, diesen Beistand und auch dm der großen amerikanischen Republik zu finden.

nenommen daß die telephonische Uebermittelung durch das amtliche Wiener 5torrcspondenzbureau gegen 7 Uhr, spätestens gegen V»8 Uhr erfolgen mürbe. Aber es wurde 8, Vsd, ja 9 Uhr, und der erwartete Anruf blieb immer noch aus. Inzwischen begannen aber auch die amtlichen Berliner Stel­len nervös zu werden: ein telephonischer Anruf folgte dem andeven. Namentlich das Aus-

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} mit Gründen

Es wird daraus wohl mit Recht gefol­gert, daß die Wilhelmstraße das in Belgrad überreichte Dokument nicht kannte, und zwar weder in seinem Inhalt, noch in seiner Länge, ^och in seinem Wesen. Daß die Schiffschen Auslassungen auf Wahrheit beruhen, geht daraus hervor, daß, als sie bei einer frühe­ren Gelegenheit, im Juli 1917 veröffentlicht Serben sollten, die Zensur einschritt mit dem die Angaben seien zwar wahr, aber dre Veröffentlichung sei unerwünscht. Einzel- helten der Wiener Enthüllungen bestätigen t'r .?t,ad Schiff vorbrinat. In den Wiener Enthüllungen ist festgestellt, daß die deutsche Regierung weder offiziell noch inoffiziell so frühzeitig von der Wiener Note an Serbien Kenntnis erhalten habe, daß die Berliner Regierung auch beim besten Willen den ver­hängnisvollen Schritt hätte verhindern kön­nen. Dte Wiener Regierung hatte beschlossen, den Mächten, baninter auch Deutschland, in einer Zirkularnote erst von der vollzogenen Tatsache Kenntnis zu geben. Es hieß, ,,streng vertraulich sei Herrn v. Tschirsch- ky die erwähnte Note schon am 21. Juli mit- geteilt und durch den Herrn Botschafter je­denfalls bereits nach Berlin vorgelegt wor­den". Nun bliebe also festzustellen, was hat der deutsche Botschafter in Wien gewußt und was hat er getan ober unterlassen?

Eulhoth

aller Volkskreise, sowohl der produzierenden wie I der konsumierenden, ausgiebig Rechnung tragen unb nach dem ^Grundsatz bet Gleichberechtigung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammengesetzt feilt

SHuhbcschafftrng für MmdclÄewittette.

Tas Reichs Wirts chaftsministerium tritt mit einem neuen Plan zur raschen Beschaffimg von Schuhen für Minderbemittelte hervor. Bekanntlich sollten nqch bent Gesetz vom 15. August d. I. dieSchuhfabrikanten 60 Pn^ent des Kon- j u n k t u r g e w i n n e s abliefern, den sie dadurch erzielen, daß sie am Tage der Veröffentlichung des Gesetzes vorhandene Schuhbestünde, die aus zum Höchstw'eis gelieferten Leder hergestellt sind, zu einem höheren als dein seither geltenden Schuh­höchstpreis verkaufen. Nach dem Plan des Ministe­riums soll nun die Ablieferung dieses Konjunktur­gewinnes nicht in bar, sondern in Schuhen er­folgen, die zum seitherigen Höchstpreis den Ge­meinden zu überlassen wären. Zur Durchführung der Verteilung soll eine neueGesellschaft für Vo l'ksschu hver sorg ung" ins Leben gerufen werden, die außerdem die noch vorhande­nen Lederbestände der Kriegsleder-A.-G. zu über­nehmen und in billige Schuhe umarbeiten zu lassen hat. Wie sich in dem bisherigen Verlaufe der Generalversammlung des Verbandes der Deut­schen Schuh- und Schäftefabrikanten, in der dieser Plan bekannt gegeben wurde, zeigte, ist die In­dustrie wenig geneigt, auf die Pläne der Regierung «ein zu gehen. Es nrirb geltend gemacht, daß ein Zwang zur Leistung des Konjunkturgewinnes in Waren eilte Härte für diejenigen Fabrikanten bedeute, die Schuhe infolge teilweiser Verwendung von nickt unter die Höchstpreisbestimmungen fal­lenden Lri>ers teurer als zum Höchstpreis perkaust haben, daher zur Ablitzserung des Konjunktur­gewinnes in Schuhen verpflichtet sind, aber keine Ware mehr besitzen und solckje nur unter viel tm- günstigeren Bedingungen beichaffen könnten. Auch eine Beteiligung an dem neuen Konsortium scheint in den Interessentenkreisen abgelekmt zu werden, da dessen Leiter Nichtfachleute seien und die ganze Gründung nur eine versteckte Rückkehr zu der Zwangswittschaft bedeute. Die Industrie hält die Versorgung der Minderbemittelten durch Zuschüsse an die Gemeinden eventl. aus den baren Kriegs- konjunkturgewinnrahlungen für geeigneter, schlägt aber vor, den Fabrikanten die Wahl zu über­lassen, ob sie in bar ober in Ware ihre Abgaben begleichen wollen.

Zur Heimholung der Kriegsgefangenen.

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Eine Vettelrede des Sultans.

Versailles, 22. Sept. (Wolff.) Ter Ver­treter desJournal des T^btts" in Ato.istantinvpel ist int Beisein des Großtvesirs Damad Ferid Pascha vom Sultan Mchmed VI. empfan­gen werden. Tiefer erhärte ihm: Seit 10 Mvnateiz befinbe fick- die Türkei mit Frankceinh und fernen Mliierten weder int Zustande des Krieges noch im Zustande des Friedens. Tiefe beifpicUose Lage bringe das Osmanische Reich in schwerstes, mora­lisches und materielles Elend. Ten Frieden, den er mit seinem Diüke herbeisehne, habe er nicht erst gesucht, als die unvcrnteidli»che Katastrr>pl-e einge- tveten sei. Sertdcm er den Thron bestiegen habe, habe der jetzige Gwßwesir auf seinen Befehl ver­sucht, auf dem Seewege mit dem englischem Ad­miral und auf dem Landwege mit dem französischen Kommandanten in Verbindung zu kommen, um über den Frieden zu verhandeln. Seiner Initiative

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Namentlich das Aus- die Reichskanzlei riefen ,Was ist mit der

. .... ------ Was steht in der

Stotc? Wo bleibt die Note?" Unter beit

mnitlidcn PerfönlickiLibsni, von t<nm ich mit B.'- fiimmtfjctt sagen tarnt, daß sie diese und ähnliche Fragen letavlvnifch, und zwar wiederholt an uns dichteten, feint hier der damalig: Chef der RrickB- tanzlei, WahNschaffe, die rechte Hand Bethmann- Hollwegs und Gel>ümrat Hanvamt, dieeniinenoe ga;c" des AuÄvärtigen Amts, genannt. 2luf im- ^ ren wiederholten Besch-id, daß wir rvoch immer Lichts aus Wien erhalten häktzm, baten triefe Herren dringend, man möchte ihnen den Inhalt der Note, ft-bald er gekommen toäne, telephanrsch nritteilen.

Issten halb zehn Uhr erfolgte der erste Auftuf des Wiener KorvefpvndenzbureMks, welches gleick) nuttcUte, das Tofftment sei außerordentlich lang mich werde kaum innerhalb fünf Anrufen über­mittelt werden können."

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N an torafitiuer l- üenn die Q«ienttäget, )en Mafien tonnen) »erben, eine gwße n- Bohnen, »ben, sollte \ nachdem ober Aus-

Reini- lSes Knltnr- dfr Säume nlle hängen- enen Fruchte lanzen burdi n des Obst- 1 i11 macken, en Pilze der ns auch ein en getroffen, nist überall >er Aneckn-, lenken. Wo lc man die-

Ein deutscher Tag in Marienburg.

M-arienburg, 22. Sept. (Wolff.) Hicr^ fand ein vvn den demokratischen Veveinm der Ab, slimmungsgcbiete Marintburg, Stuhn, Marien-, werder, Rottenberg und Elbing vevan dalterer beut*, scher Dag statt, der in einer Msa senknnd-- gebung im großen Remter des a den Ord ns-»^ schlosses gipfelte. Ter Ahg. SchNt liam l-ielt eine eindrucksvolle Ansprache, das Lied ^Teutflb- laut), Deutschland üb« alles" ivurde mm ix*c Menge spontan angeftinrmt. Nachmittags fand eine große öffentliche SSöfantmlintg statt, iu dec die Abg.Fvau Dr. Brvenner-WirigÄxrgüber die Llufgaben der Frau unb der Jugend zur Er-, Haltung des TeutsckftnTns und Ilbg. A' 0 p f ch übe- die politische Lage sprachen.

Oberschleften.

Berkin, 22. Sept. (Wolff.) Mnh ehKnr Telegramm derBerliner Börsenz'.itung" sprach sich der in Hindenburg abgehaltene auß-worbem-« liche Bezirkstag der sozia ldemukrati sche nj Partei Oberschlcsiens entschieden gegen die staatliche Autonomie Oberschlesiens aus,

Berlin, 22. Schot. (WolffZ Tie pvenhifch- Staatsregierung ernannte dm Gey. Regierungsrat Frhrn. v. Braun zum Präfidettten ber Regierung in Gumbinnen, unb den Schriftsteller Ludwig Bartels (Frankfurt a. M.) zum Präsidenten der Regierimg in Frankfurt a. O. und den Städte rat Dr. Hausmann (Stettin) zum Präsidenten der Regierung in Stralsund.

Halle, 22. Sept. (Wolff.) Wie dieHalle, scke Zeitung" meldet, wurden heute vormittag bei Borsi tzendeder hiiesigen Ortsgruppe der kom- munistischen Partei und mehoere ander: Parteimitglieder verhaftet. Sie werden be* sch.uldigt, zur Beseitigung einer ihnen mißliebig^ Person ffufgeforbert zu hasten,.

des Generals Townshend in Konstantinopel. Der Krieg sei die Tat einiger Ver­brecher. Tie Lage der Türkei fei schwierig. Er hoffe aber, daß die Mliierten il-re llnabhängigkeit und ilw Anrecht auf türkisches Gut und Land aus Grund tausendjährige Belitzes anerkennen würden. Er werde den Traditionen seines Vaters, des Sul­tans 2lbdul' Meschlld, treu bleiben und den ILerpftych^ tmigen, die die neue Welt, die aus diesem Kriege! chervorgegangen sei, beherrsch.ten, und die er in das Wort zusammenfasse: Fveiheit. Tiefe Freiheit verlange er andj für fern Volk, dessen Vertreter er sei.

lieber die Sage in Anatolien sagte der Sultan: Mitten im Waffenstillstand und gegen seine Bestimmungen würden Gebiete des türkischen Besitzes, obzwar keine Unruhen dort ausgebrvchen seien, von Fremden besetzt, die der Türkei niemals den Krieg erklärt hätten. Die Festsetzung der Gricchien in Smyrna, Vereint- der NaclTricht,,

einfache militärische Mission, die er als Soldat hätte übernehmen können, gehandelt habe, sondern um eine politische Aktion, für die nach seiner Ueberzengung jede Möglichkeit des Gelingens fehle. Die Blätter deuten an, daß Cagni aur seine An- ftage an die Regierimg über das endgültige Schick­sal FiurncS eine ausweichende Antwckrt erhalten habe und daß diese Unsicherheit der Lage und vielleicht auch die stille Abneigung, gegen Volksgenossen Gewalt anwenden zu müssen, Cagni zu seiner Weigermig veranlaßt habe. Die Lage wird für die Regierimg immer verwickelter. Aus Rücksicht auf die Stimmung int Volke und int Heere selbst darf sie zu energischen fNaßnahmen kaum schreiten. Andererseits wird sie von den Offizieren der jetzt aus F-rume abziehenden eng­lischen Besatzungstruppen des geheimen Einver­ständnisses mit d'Annunzio beschuldigt, was aus die Haltung der selbst einer Annexion von Fiume durch Italien anscheinend nicht unftenndlich gegen­überstehenden Regierung von England und Frank­reich einen ungünstigen Einfluß ausübt. Die Ohn­macht der Regierung zeigt sich auch in der Sabo­tage aller Maßnahmen, die die Blockade von Fiume bezwecken. Täglich passieren trotz mili­tärischer Absperrung Sch ar eit von Freiwil­ligen auf dem Wege nach Fiume den Ab­sperrungsgürtel und gestern wurde ein weiterer Eisenbahnzug mit Lebensmttteln, die für die Rc- gicrungstruppen bestimmt waren, von den mit d'Ammnzio sympathisierenden Eisenbahnbeamten in Nacht und Nebel nach Fiume geleitet. Der (Sorriete della Sera" wendet sich heute wieder gegen die Bestrebungen der militaristischen und nationalistischen Kreise. Das Blatt gibt zu, daß Nittis Haltung nicht enthxnrbfiTi sei. ES befchvört aber auch die Gegner der Regierung, von allen Versuchen, dein Lande eine Diktatur auszuzwingen, abziilassen. Die gesunde DLehrheit des Volkes solle sich zur Abwehr unllarer Bestrebungen gewisser Militaristen nm die gesetzmäßige Regierung scharen. In Italien, tw es keinen Bonaparte gebe, dürfe es auch zu keiner Parvdie des 18. Bru-, matte kommen.

Die Enthüllungen über die Uriegsursachen.

Man darf das neue Buch der Wiener i-Derlautbarungen nicht als die einzige und vielleicht auch nicht als die beste Quelle der "Erkenntnis bezeichnen, denn die Zusammen­hänge sind doch wohl größer, als die eifrige Kimtliche Publizistik in Wien denkt. Der große Wert dieser Bekundungen liegt darin, daß Äber den Charakter der ö fterreichi sch­ling arischen Politik endlich zuverlässige Einzelheiten bekannt geworben sinb, unb es darf jetzt niemand mehr wagen, zu sagen, der preußische Militarismus habe die Wiener Politik zum Kriege ausgehetzt. Für die An­schlußbestrebungen der Oesterreicher bedeutet das Goos'sche Buch eine willkommene Kund­gebung und Aufmunterung. Künftig soll die Einheit unter den Deutschen bestehen, uffd kein Habsburger Einfluß, keine Rücksicht auf ein außerdeutsches Volkergrmengsel darf in die Lebensfragen des deutschen Reiches hinein- sprechen. Wir müssen aber feststellen, daß das Wiener Buch die Schuld der Entente, beson­ders diejenige Rußlands, nicht herabmindert. Die neue Erkenntnis bringt uns fein Ab­schwören dessen, was wir bisher wußten und Mas auch künftig Wahrheit bleibt. Wir sind weil entfernt davon, London ' oder Paris Sühneopfer darzubringen und, wie es jetzt der türkische Sultan tut, diesen imperialistischen Hohepriestern Lobesreden zu halten.

Wenn derVorwärts" von der Nibe­lungentreue des Reiches schreibt, e5 wäre Treue bis zum Jdiottsmus" gewesen, so rteüt er zu hart. Allerdings, Verwunderung .aus; die wenig entschlossene und.wenig mann­hafte Art erregen, wie die Herren Bethmann- .mllweg und Jagvw auf die Wiener Politik -reagierten. Sie überließen dieser einfach die Verantwortung und scheinen sich heimlich wohl dabei befunden zu haben, daß sie nicht fchnelfer und besser informiert wurden. So teilt derVorwärts" eine neue Enthüllung mit, die der Genosse Viktor Schiff in der , Soz. Korr." macht:

Im Juli 1914 war ich Redakteur in der ".berliner Zentrale von Wolffs Telegraphisck)em '.buveau. AIS solcher machte ich am Abend des 23. Juli 1914 mit anderen Kollegen Dienst, als die in Belgrad um 6 Uhr überreichte Note der Wiener Regierung erwartet wurde. Allgemein wurde an-

ttk. 222

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