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Wir «ballen Darüber von unjertm vazn enijanoren Berichterstatter folgenben B«icht: SIs Vertreter des 3. reisamls Gießen waren ti reifem tmann Dr Siegelt und $xrr Arnold anrvc ciw 2lus Der Mitte der Versammlung h«aus wurden uie Herren 5d)m ul bad) »um Versammlung^[euer und Sitfopp zum Schriftführer gewadlt.

Der Versammlungsleiter gibt zunächst bekannt, "laß ein Antrag etngelaufen fei, der den Ausschluß des Btitrelers des Gießener Anzelg«s von den Ser* Handlungen verlange. (Verschiedene Rufe: Sehr richtig.)

h e r r - Großen Duselli erklärt, daß der Antrag ehr begründet sei. (hx erinnere an den fünftägigen Streik der Heyligenftädtischen Arbeit«. Damals hätte her .Gießener Anzeiger' eine vollständig entstellte Darstellung des Arbeitgebers aufgenommen, sich aber geweigert, eine Richtigstellung des Demobilmachungs« Kommissars zu veröffentlichen.

Braun- tikcEöi erklärt, et sei nicht über dm .ngeiübrini Fall unierrichterDverurteil: ihn aber .rjinioenianwid), uxnn <x sich tatsächlich P .jcjpifl» baiAii sollte Tiefer Fall hab: aber mit et Uarioiieloerprguna nicht das muuxite zu tun. tes Hegt nur in unserem .jnieuife, ronm ine All-rm'inheit von dem uiucriid/tet s:i, was heule hier besprochen w.tde. ter sei colltanunen un- parrei.jch, bitte aber dringend um Abiehnung des Antrages.

2 tep Han-Gießen schließt sich den Aus­führungen HcrrS an. Der Giegener Aiizerger gar nicht in der Hage, selbst wenn er es wollte, sachlich zu berichten, ec dien.' einzig Den Zitter eßen Des MapiiqliSiiiud. ter sei das einzige Blatt, das oie Arbeiterjcha,t von je bekämpft habe und auch heute noch bdämp.e An uns liege es nun, diesen Kamps mtt allen Kräften auszunehmen.

Demut h-Gießen tritt leb^i gegen den Antrag auf Ausschluß des Gießener AnzeMrs ein. Wir wollen Gleichheit für alle und nicht eine einzelne Meinung unterdrücken.

Bei der Abstimmung wird der Anttag ungefähr Zweidrittelmehrheit abgelehnt.

Schmu Ibach bittet bei Eröffnung der Ver­sammlung zunächst oic Anwesenden, segliche Politik von dec Debatte iemiugalten. ter legte dann die Gründe dar, die den Beachten- und Arbetteraus» schuß bei der Bahn veranlagten, die Versammlung einjubcruien. Nachdem sich Oic ter nie seht an* nähernd übersehen lafic, sei jeitjuftcllen,. daß ein Fehlbetrag von nicht weniger Denn iböÜOü Ztr. vorhanven jeu Man baut bereits Erhebungen an­gestellt. inwieweit die anderen timte Overi/eftens unserem ti reife in «einer Notlage zur Seite spcin- uen tünnten. Aus den tireifen ^de.jlar und Mar­burg sei wohl kaum etwas zu er hol len. Vom Streife Schotten, in dem die tifrn e sehr fchl.cht ausge­fallen sei, sei euciiialld ntchiS zu erunmen. Vom & reife Lauterbach sei unter Uaiiianuen eine roenn auch nur Heine Stenge zn erlangen; Vorausfetztuig sei die behürbliche Genehmigung zur Aus.uhr. Die Streife Friedberg und Büdingen Dagegen hätten eine vorzügliche tiarwffclernte aufzuweifen; von dort könnten mir vielleicht größere Mengen tiar< tofseln erl)alten.

Mreiflan tmotin Dk. Sitgerl:

Die Karioffelnot ist in diesem Jahre so groß wie in Keinem ttriegsjahre. Ihre Ursachen liegen aber nicht allein beim Landwirt. Auch die Verbraucher sind nicht ganz schuldlos. (Ein großer Teil derer, die sich ihren lümierbebarf auf Grund von Bezugscheinen bei den Bauern eingedeckt haben, hat sichüb er oer» sorgt", d. h. sie Haden mehrere Zentner über der auf dem Bezugsschein angegebenen Menge, meist unter Ueberschreiiung des Höchstpreises, eingehauft Diese zu Unrecht erworbenen Kartoffeln müssen vor allem wieder der Allgemeinheit Angeführt werden. Sollte sich die erregte Stimmung unter der Bevölkerung so verschärfen, dag Unruhen und Ausschreitungen zu befürchten sind, so muffen sich die Glücklichen, Die bereits ihrenißinterbeöarf im Heller haben, Damit ad finden, daß ihre Vorräte im Interesse der Allge­meinheit .geteilt werden, daß die Kartoffelration ein ober zwei Zentner herabgesetzt wird und daß die Verbraucher, die sich bereits emgedeckt Haden, eine entsprechende Menge Kartoffeln wieder zurückliefern müssen. Aber so weit sind wir Gott sei dank noch nicht, daß wir zu dieser letzten Maßnahme greifen müssen. Vorläufig läßt sich die (Ernte auch noch gar nicht übersehen. (Eins möchte ich aber hierbei bemer­ken: die hiesigen Gasthöfe und Hotels Liegen dick voll Kartoffeln; sie Haden sich sehr reichlichüber- versorgt". Aehnlich verhält es sich mit den Schweine- Haltern.

Tie diesjährige Ernte ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren außerordentlich iurüd ge­gangen; ne ist höchstens eine inuielmäßige. Zn in Sell liegt dies Daruu, bau die Bauern in diesem Jahre bedeutend weniger Kartoffeln als früher an­gebaut haben; im ttieife Wieben beträgt das minus alleine J20u Morgen. Schuld an Dieser Anbau- unlufl für Kartoffeln trägt hauptsächlich Die un­vernünftige Preispolitik für Dictwurz und IRübtn. Tie Sieglet ung hat in allen diesen Fragen schwer gesündigt und die Bauern direlt zur Zurück­haltung ii)ter Vorräte anfgeioiDert, da |ie nach allem Vorausgegangenen sich sagen mußten, daß ihnen Die Neaierung ja doch höhere Preise be­willigt. Dr. Siegert bespricht sodann verschiedene Alaßiiahmen zur hrfaffung der auf dem xranbe vorhandenen Haitofjeluorrate, die eine baldige Befferung der Belte,erung der Bedarfsorte erl-offen lasten.

Ter Redner bedauert sodann da» geringe Ent­gegenkommen, da« die teisenbahndirektion dem RominuiialuerbanD gegenüber an den Tag lege- sie habe ihm bei der Ausübung der Bahnhossloii^ trolle dire.t Schwierigkeiten bereuet. Solange die Eisenbahnoehörden nicht dafür sorgen, dap jeher Reisende nicht mehr als sein (tiepäd sich,uhren darf, solange die ilßagen iwch hoch voll Schleich­handels- und Hamstergut liegen, solange müssen die Züge van nn< auch kontrolliert weroen.

Das Erträgnis Der Ernte ist so gering, daß wir selbst Dann, wenn die Bauern allen Verpflicht taugen nachloinmen, noch mit einem (jeblbeitag i" redmen haben werden. Es muß also noch eine er:eilige Wfenge von Kartoffeln von auswärts eingefuhrt werden. Tie ktadt (ließen ist bereits jetzt in diesem Sinne tätig. Bon heute aus morgen ist es nicht möglich, sämtliche Berbvaucherür Das ganze Wirtschaussaorzu versorgen; die Hauptsache sei vorerst, den laufenden Bedars sicherzusteUen. Am Schluffe seiner Ausführungen bat der Redner die aniuelenben Vertreter, der Arbeiterschaft, bei ihren lolflgenonen für Beruhigung sorgen zu wollen.

- Uitteraffiflent Stephan bespricht eingangs 'einer Uus.uhrungcn, dte StartojfelKriorgung nur a ff.mLlul-rlldja,lltdlc Staat bchanDeln zu wollen, stellt aber schon un nächsten Satze die Behauptung aus, daß | «J sich bet der tiarwsielvetsorgutig um eine politische Machtpcol»e Der B,iueru handele ter imrb im. Lause seiner Ausführungen vom Ver­sammlungsleiter mehrfach gebeten, zur Lache zu

iorech<m und Die isolütr aus dem Spiele zu laTien. 5?ert Stephan meint, daß mit Resolutionen, front» mi ff tonen usw. nichts erreicht werde; man müsse sich die ftactoneln Dort holen, wo welche vorhanden feien. Gebracht würden sie nicht. Auch auf die Reichswehr fei lern «erlaß, wie sich un Kreise 5aeobtrg herauSgeftellt habe Der emsig sichere Weg fei der der Selbschttie. Vorher emmehle er, alle Zugänge zu den Städten zu besetzen und alle Kartofitljenoungen einerlei ob mtt ober ohne Bezug'cl>ein ein gekauft zu beschlagnahmen und einem Lammellager zu überweisen, von wo tine gleichmäßige «erteilung .an alle Verbraucher zu erfolgen habe. Wenn jedes sanfte Druckmittel versage, müsse man zu schärferen Maßnahmen greifen, der ländlichen «eoölterung Äa'ser und Beleuchtung sperren. Gäben Die Bauern auch bann nicht nach, dann sei jedes Mittel durch den Z.veck geheiligt. Was Die Revisionen bei den Land­wirten anlange, so glaube er, daß es Dafür schon zu spät fei tes müffe sofort gehandelt werden, die Not sei übergroß. Zn Grünberg mit einer über­wiegend bäuerlichen Bevölkerung allein fehlen nicht weniger als 600 Zentner ti ar löffeln (Herr Arnold vom rtreisamt: Wie mir der Bürgermeister von Grünbeig erllärte, handelt es sich nur um 197 Zentner.) Mit der Zelepbonieterci des Bürger­meisters verhalte es sich anscheinend ebenso wie . Dec Mitteilung des tiommunalverbandes an Das Landesernährungsamt, daß im Kreise Gießen alles in bester Ordnung, von einet tiartofselnot nichts zu spüren sei.

Dr. Sieger t widerspricht den letzten Teil der Anssührungen des Vorredners; eine solche Mitteilung sei niemals an das LandesernährungS- amt ergangen.

Ro hrba ch-Lollar teilt zunächst mit, daß in Lollar durch eine rechtzeitige Bestandsaufnahme 500 Zentner Kartoffeln für die Allgemeinheit ge­rettet worden seien. Trotzdem fehlen in Lollar nicht weniger als noch 3u0ü Zentner. Ter Reoner be- tontv rodter, daß man den Bauern mcht alles, vor allem Die Saatkartojfein nicht nehmen dürfe.

Maier berichtet über Die Verhandlungen einer Gewerkschaftsabordnung mtt dem Präsiden­ten des Landesernährungsamts. Tie Aovrdnuna hätte diesem gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß Der gegenwärtige tiartoifelpreiä von ö Mark pro Zentner vollauf genüge und das Minisderium habe zugeiagt, an diesem Satz festzuhaltcn. 2&iter Hove die Abordnung ein Miwestttiunungsrecht beim tionununaloerbanb gefordert. Tas Ministerium habe daraufhin angeordnet, daß Lei sämtlichen jlommifi unten. Die Der ilommuualoerbanb zur Be- standsaufnahnie aufs Land fende, je ein Arbefter- Dcrtretet muioirlc.

SDberfefretär Althaus schlägt vor, daß jeder, bet seinen Winter bedarf bereits eingebeft habe, einen Tett feinet Vorräte an leine tartofjelloiai Mittmiger. vor allem an seine HiutsgenvssLn ab* gebe, tun der augenblicklichen 9lot zu steuern. jjieie Abgabe müßte dem Betreffenden selbstver­ständlich gutgefdjneoen luerben.

tein Derr teibmann will bestimmt wissen, daß der Leiter Der Kartolselstelle in Lsfenbach allein von Reichelsheim in der Wxuterau luO bis 120 Waggons tiartoifdn nach Köln und Saarbrücken ocrja»ben habe, von wo sie aller Wahrschittllichkrtt nach Jranlieich gegangen seien, das für den Zent­ner Kartvffcln 18 ö ronfen >ax,le.

Cberainftent Luh (rilein-Lviden) kilt mit, daß in seinem Dorfe allein für ine Dort wohnhaften teuenbapiur 12uü Zentner Stattoffeln fehlen. Die Regierung müsse auigefordert imroen, eine Be- chnntmaaiung an die Ixmbnnrte zu richten. Daß itoer Bauer, bei dem eine größere UebersaMtjmenge gefunden n*eroe, mit texfängniä von einem haloeu dis einem Jahr bestraft lueue.

Weigel (tilein-LinDen) teilt mit, daß er ftn Auftrag des Bürgermetiiero in oer W tceiau her- iimgefuyren sei, um Staclöffeln aufjutaufen, was ihm oder niayt gehuigeu fei, trotzdem er 12 Mt. für beit Zeniuer yeovlen habe.

Läufer ('UiütiUeu der Volkskammer) fordert Ncafien auf, vor allein eimtual die Ötcguxiuig zu iMierstütz.m und nicht selbst durch freiiuüligcd ueberbiCien der gi|<Bliu)en ^ret,e die Hoogier oer Baueril troch zu mehren,

Zm lueiieren Berlauf Der Der Handlungen wurde 8unäa)ft ein Ausruf an die Land- wirte u>u> je eine an bas LanDescrnäh- r u n g i a m t und d.e teifenbahnoirektion in 5rant|urt zu übersendende tentschließung angenommen.

An die Landwirte!

Entgegen Den bisherigen alljährlichen Gewohn­heiten ist gerade in die,em Jayre der größte Teil der Bepötterung unseres tirnses noch nicht i.n Be­sitze von Hartoffcln. teme große Anzahl Landwirte hofft anfck-einend. Die Desiände zur terjielung Höherer U>reiie zurück hallen zu können, vierourch ist außerhalb der Landwirticha.t li fast allen Bolts- schichten eine große Beunruhigung eingetreten. Beraillaßt Durch diese 9iot haben sich am 20. <ut* tobet im teafe Leib in teiefjen sämtliche Arbeiter-, Atigestellten- und Beamtenausfamßprrtreter aus allen im Äteiie Gießen b.finolichen privaten ittid Staatsbetrieben versammclt und erheben sckrärssten Protest gegen Das Berhallen der Blllcht- vergessenen und Lvioerstreber. Sie bitten DieLand- witifchasi, hauptsächlich die lleinen und mtttiercn Bauern, sich ihrer früheren bedauerlichen Lage zu erinnern, wo jeder ohne llnterschieo trotz ieiner VioUage Die ihm berufsmäßig obllegeiiden Pflichten glatt erfüllte. Sie warnen ausdrücklich davor, bei Der heutigen wirtschaftlichen Not, wo die Land- wir»fcha,t einen ungeahnten Au,schwung errungen bat, der Bevölkerung anderer 2xru,e d.r Proittgier yalbet das Lebensnottpendigste vorzue.tt.,a.ren. Denn diesen sind sie wohl nicht in letzter Linie zu xan! verpslichtet, daß ihre Scholle, Haus und Hof vom Feiiwe verschont gcblieoen sind und sie heute iwch über ein unzerstörtes Besitztum Perjügen können. Jßir hoffen, daß diese Worte genügen, um Daö soziale tempiinöen Der landwirtichasttichen Preise, Dem man früher nicht Die Achtung oer- lagen tonnte, wieöcr wachzuruien. Ist dieses jedoch Niwt der öall, so können mir nicht Daiür einstehcn, roenn Hungersiwt, telend und Berzweislung, Die Dann uitausbieiblich wird, auch,die unmenschtichen mid unchristtichen LanDwirie, die nur an sich Demen und andere Volksgenossen verhungern lassen wollen, in den "Strudel des Verderbens mit hinab- reißen. Die Zett gebietet, daß ieöer ernst denkt uiiD zum Wohle der Allgemeinheit handelt. Gegen diesen Grundsatz ist jede Ausrede hinfällig.

Än das Laudcsernähntngsamt.'

Di« om 20. Cfiobtr wegen der tiartoffelnot im teaiö Leid ui Giegen versammetten Arbeiter- Angestellten und Beamtenousschußvertretcr sämri sicher un Streik Gießen befindlichen privaten und Staatsbetriebe erblicken in Den zur ter a sung der tiartoffelbeüanbe bis setzt g trossenen Anordnungen keine Getvahr, um Die Dringende und notwendige Belieferung der Bevölkerung tzcS ganzen Kreises

no® vor teintrm oer Mllte skcherzuflellen. Titl Persammlimg fordert einstimmig. Daß sofort die chan'sten Maßnahmen getrven werden, Damit bet drohenden Hungersnot durch sofortige Belieserung oer Bedan'sorte frü^ätig und energifd) Dorge» beugt wird, zur Unterbinbuna der in letzter Zett oicllock, Dorgtlommenen Berschiebung einer ver­mutlich großen Anzahl von Waggons bitten wir, mit Der Eisenbahndircktion Frankfurt sofort ver- hmideln zu wollen, daß

1. dte Gestellung der Wagen zum Starte"fd- versand nur auf Vorzeigung der vom Kommunal- verband nut auf Vorzeigung Der vom Sommunal- verband mit BestimmungssUttwn, Stempel und llmerschrlft versehenen Frachtbriefe erfolgen kann;

2. daß für jeden Wagen em besonderer Fracht, brief vorgelegt wird (zur Zeit können auf einen Frachtbrief fünf Waggons befördert werden);

3. daß der Versand nur innerhalb des ÄTeifeB QhtBCTi gestattet ist;

4. daß eine Ausfuhr von Kartoffeln aus dem Kreise Gießen DDÜftänbig verboten ist.

Weiter möge das Landesemahrungsamt beim ReichSernährungsministerium ein sofortiges Ver­bot über die Verbrennung von Kartoffeln zu Spiri­tuosen emnröcn. Wir hoffen, daß die Behörde alles aufbietet, um die notleidende koölJenmg mit den unentbehrlichsten Kartoffeln schnellstens zu versorgen, so daß die durch die Äartoffelnot ent- lanöene Unruhe nicht zu einer Katastrophe aus­wachst. Zur Durchfuhvüng Der gesetzlichen Diaß- nahmcn ist jede Unterstützung gewährleistet.

Än Vie teifcnbatjiUiireftion Frankfurt am Main!

Wegen Der großen Kartoffelnot bn Kreise Gießen orden Die am 20. Oktober im Lass Leib versammel, en Arbeiter., Angestellten, und Beamtenausschuß. Vertreter aller privater und Staatsbettiebe fofonige Anweifung der im Kreis« Gießen liegenden Stationen, daß

5. Daß jede weitere Abfertigung ohne Geneh. migung der besonders einzurichtenden Kontrollstellen verboten ist;

6. daß jeder Beamte sofort entlasten wird, Der fi<h der Unterstützung oder BechUfe von Schieber, gcschästen schuldig macht;

7. daß bei allen LisenbahnbehörDen sofort ein geeigneter Mann als Revisor angesleltt wird, der jede Berladung von Lijenbahnwagen überwacht und Dafür verantwortlich bleibt, daß Berschiebungen aller Art unterbleiben.

Einige Bemerkungen noch zu dem Vor­gang, der sich zu Beginn der Verhand­lungen abspielte. Dtehrere Radikatislen hallen den Antrag eiugedracht, den Ver­treter des Gieße ner Anzeigers von der Tagung aus^uschließe n, wett dieses Blatt kapitalistische Interessen vertrete und ein Gegner der Arbeiter sei. Selbst wenn unser Blatt diesen Arbctter- sreunden einen wirklichen Anlaß zum Groll gegeben hätte wie kleinlich bllebe den­noch diese Art Rache, womtt sie gegen die besten Grundsätze aller wahren Kämpfer sür Fortschritt u. Freiheit oerstotzett! Vöirlltch nette und großzügige Begriffe haben die Herren von dcin Wcseii, den Ausgabetl und der Freiheit der Presse. Würde Herr Stephan einmal Minister oder Diktator werden, so würde er wahr- scheinltch'nur Zettungi'n d'.ilden, die genau so schreiben, wie er es für richtig halt. Er würde Das Licht Der freien Lritnutig, der Acylung Andecsden!enDer ganz anders abdämpfen, als der aufgeklärte' Absolutist auf Dem ..weußischen 4.91:011, der einmal gesagt hat: Gazellen sollen nicht genieret weroen." Un» sere Leser erinnern sich vielleicht, daß wir upc einigen Wochen, nämlich am 9. Septem­ber, aus der FeDer des Bor,itzei^en Des All- gemeinen Eiie>ibahner-Berva.ideS, Erhard, eine Darlegung veröffentlicht Hutten, Die sich, mitt Den Zustäirden hn Den Betriebswertstätten Der Eisenbahn be­schäftigte und die Eisenbahimrbi.tterschaft gegen Den Vorwurf in Schutz nal)m, als sei |ie der schuldige Teil an Der jetzigen Ber- kehrsnot. Herr Stephan, Gewertf^a,tssekre. täc des Deutschen Eisenbahner-Veroaildes, wollte diese Veröffentlichung noch über­trumpfen und saiwie unS einen Artikel, dessen Ausnahme wir ablehnten, weil er au, eine allgemeine politisch-..atriale Agita- tio n hinauSlief, Die wirklich nicht tjt Den Gießener Anzeiger gehörte. In uii.ecem Ant- wonschreiben an Herrn Slephun hieß es am Schlüße aber iwch wörtlich:Falls Sie kurze, rein sachliche Feststellungen, ohne tenden­ziösen Beigeschmaa zur ö^entlichen Kenntnis bringen wollen, so stellen wir Ihnen die Einfendung einer kurzen Notiz ergebenst an­heim." Solches Entgegenkommen quittiert Der Herr uns jetzt mit oer in Dem vorstehenden Bericht roieoergcgcbenen Aeußerung. L6as Den Fall angehl, oen Der Sprecher Herr aus Großen-Bufeck angeführt hat, so erinnern wir uns nicht, eine Darlegung in Sachen des Streiks Der Heyligenstaeotschen Arbeiter, Die uns Dom Deniooiunachungsiommillar zu- geganaen sei, jemals zurückgewteien zu ha- Den. Vielleicht handelt es sich hier um em Mißverständnis.

llnser Bestreben ist es immer gewesen, fach- liche Dinge unvoreingenommen rein sachlich zu behanoeln, uno dieses Bestreben leitet uns auch, roenn roir heute ungeschminkt über die gestrigen Verhandlungen berichten. Was der Vertreter des tiommunalverbandes, Kreis- amtmann Dr. Siegert, ausgeführl hat, zum Tett erstaunliche Dinge, darf einer weiteren Oeffenlllchkeit gegenübet nicht unterdrückt werden. Hoffentlich hat die gestrige Versamm­lung mit dazu beigeiragen, daß Die Kartoffel- frage in unserem tireije einer befreienden Lo­sung entgegengeführt roetDr .

Au» Stadt und Land.

Gießen, Den 21. Olt. 1919.

Ein vaterländischer Abend

Dem ßteix:atm der Leu^ign: Völkerschlacht gewid­met, wurde am Samstag abaiD van Der Teutsch- n a 1 io n a len Volkspartei und der

TentscynattvnalenZvgendgrupvecml der Liebigshöhe veranstaltet. Nach ein.'r kurten Legrüßungsanfprache Durch Lehrer Blank und nuuilalifdyen und rezitalvrischni Darbietungen natm ber Haupttcdner, Der Frankfurter Vfarrer Beidt, bL vor kurrem Mitglied D.*r Narionol- oet;ammLimg, DoS Dort. Er wußte Die Aufm.rk- iamteit [einer Hörer vorn erfdon bis zum l.'tzten SBort zu fesseln und Der laute Beifall wäh^nd und beionbero am Schluffe feiner Ausfüyrungen zeugte Dafür. Pfarrer Veidl ging davon auS, Daß Der letzt b gern> fo ost bJtontv1 ®egcn- fatz zwischen Dem Geiste von Weimar und Pots- oam in Wirksichkeit nur erkünstelt fet ^lationak Lewensckaft, nattortalc Ziele seien immer Der GrimDzag echt Deutschen Lichtens und TentenS gewesen. Bezeichnenö sei es aber. Daß Dte, Die letzt so eifrig bieten Gegensatz zu teniiruicren Der. suchte», als einzige Stütze iprer Nllutzt des Restes Des DotsDarner Geifds, Der alten Armee, nicht entbehren können. Noch Dem Väg.ichcn ZWammen- bruch Der revolutionären Ideale, nach Der Um- nanDUmg des Völkerbundes in eine Altiengefell- fdaft zur 4siederHaltung XeuifdxanD-., nach Der Dolrtommeneii llnfahigkrit ber Novemberfüdr.'r untz Der Massen, sich iTibit au vegieren. müfi: icbet. Dem das Wohl seines SaterlaiiDed tvohrhaft am Herzen liege, mit allen Kräften Duran müarbriten, auS diesem Massen- und Ga fenuguuent hwauszu- kommen. Wenn trnr nur Den ykaupm an unS selbst nicht verlören, roenn rott fe'dxe.tin am na« tenaien GeDanken, Dann glaube er. Daß Der Um- und Auftchroung, rote er 1813 nach ebenso tiefer Not und Unecht schäft erfolgte, auch nach dieser schwärzesten Zett Deutscher Ge chickftt kommen werde. Pfarrer VetDt ließ »eure Rede in folgenden Drei Losungen auskiingeit:Wir txry icn nicht Dte Zett Deutscher Größe, Da man noch von einem TeutfchlanDhoch ui Eyren" sagen Konnte; roir neunen nichts zurück von Dem, ioas wir während Des Krieges bttcnrnt haben und roir holot uns wieder, roaS uni von Gottes unD Recht) roeaen gehört." Nach weiteren mufttalischen, gesmglichen und Gcdicrtvvrträgen, fämtid) ccm tebarütter Des in allen Teilen vorzüglich verlaufenen AbrnDß angepnf,t, touroc ber programmäßige Lett mtt Dem tegriiierr ge.ungenen Li DeTeu.sch.anD, T^itt.ch^ iat!b über alles" Geschloffen, tein yiHtftgLo.ei Beu lammen fein fvll Die Lüchrzahl Der Anroes.'nden noch bis Mitternacht tufanune.igehalten Hoven.

** Annahme von Wert- und StitN schreibpaketen nach Berlin Ort. Bow 20. bis einschl 25. Oktober roerben Wert- unh Etnschiechpakete, ausgenommen solche mtt Geld, Zuwelen und WertpaP.eren, nach Benin Oct von Prioatperfoiien nicht angenommen.

** Gül tige Lebensrnittel. In bet gestrigen Tabelle ist un» ein Truckiehler unter­laufen; nicht Das Kilo, lonocrn Das Pfund Weißbrotmehl lostet 45 Piennig.

Oberhesjifcher Kun st verein. Die neue Ausstellung ha*ie am Sonntag einen Derartigen De. jud) aufzuweijen, Daß viele KunfUiebhader keinen Einlaß mehr pnöen konnten. Da ein Teil Dieser Au», fteüung nur noch bis zum Sonntag hier bleibt, ist fie täglich, außer Samstag, von 11 bis 1 Uhr, auch morgen Mittwoch nachmittag von 3 bis 5 Uhr ge­öffnet.

* (Ein populäres Dolkskonzert finDe^ morgen Mittwoch, abenös 7.30 Uhr, im Haltt(Ein- Horn" statt. Das Konzert wird ausgesühit von Dem Frankfurter Mozari-Ustchefier (Ceitung E. Schwarz).

** Volkstum unD Mens chheit. Lus Den heute abend 8 Uhr im Hotel Großherzog staltsitiDeuden öjientlichen Vottrag von Herrn Pro- leifor Fritzsche roc-sen wir nochmals hin. Man­ner und orauen alter Parteien fuiJ cutgcia^en.

** Cäsar-Flaischlen-AbenD. Aus Den heute üactio b Uhr ^p ü n 1111 d» im Stale Des bvt,tlIjuy.f 1 vPercii\3 ftaijiubenven 45urtiag>» aixnD von teäiar Flaisi,le.t iei h.erinil raxw einmal au,merk,am gemacht. Der Dichter hat nachstehcnDes Programm gewußt: 3m Sturm Der Zeit (einzelne GeDtchie). Sommer und Herbst amjüleer (Lieber unD Stimmungen), Kunst unD Leben (Pro,a unD Kritisches), Heckeres. (£111 Besuch Des Abenüs ist mit Hinsicht auf Das retchhal.ige Programm nur zu empfehlen.

** Vortrags . unb terperimentalabenbe Pasqueel-Barys. Der Vorverkauf zu Den am kommeuDen Donnerstag unb Freitag im .Einhorn' ftattfinDenDen Vorträgen ist bereits ,ehr rege. Das Gebiet, über Das Herr Pasqueel unter entbrechen- Den Vorführungen reben wirb, ist außerorbentlich interefjant (Okkultismus, Spiritismus, Der Geister, schreibapparat, Tischrucken, Er,cheinungen, wo unsere Toten sinb u a.) Den Vorverkauf hat Das Musik« Haus Bufch, Studierende haben Vergün>tigung.

** 3n den Schwarz. Weiß-Ltchtspie le n tritt ab heute bis Freitag den 24. Oktober die be» kannte Filmkünftterm P 0 la Negr 1 in .Wanda Varska", einem spannenden Sittenroman aus dem Leben einer Tänzerin, auf, außerdem kommt noch das zweiaktigeLustspiel.HerrnKnauferichs Brautwerbung' zur Aufführung.

Landkreis Gießen.

Großen. Bufcck, 21. DhL Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute der Uhrmache» Heinrich Müller und Frau Therese, geb. Volk.

Kreis Büdingen.

Eröffuung der Bottshochschnle.

A Nidda, 20. Oktober. (Eine große Zahl der Bewohner Niddas unb dessen näheren Umgebung hatte sich gestern abend tm (Bambrinus hier versammelt, um einer allgemeinen Öffentlichen Feier zur (Eröffnung der Volkshochschule Nidda beizuwohnen. Vürger« meister Eck begrüßte die von regem Interesse für Die neue Entrichtung zeugende Versammlung und Dankte befondersdemGründer des Vere.ns,Rektor Dr.V etter Dann hielt Professor Dr. Hans Werner von Gießen, der Geschäftsführer ber Dortigen Vocksschttte, einen Vortrag über Das Wesen, die Ziele, Die Einrichtung, Arbeit und Stoffgebiete der VolkLi ochjchule. (Er ern. tett reichen Beifall für seine Ausführungen. Schreiner Mantel von hier ermahnte dann Die Arbeiterschaft das neue Werk zu unterstützen und zu förbern. Dee Wert des Kinos als Volksbildungsm.ttel erläuterte Dr. Vetter in einer längeren Ansprache. Herzlich dankte er unserer Stadtverwaltung, die Das hier be« stehende Kino mit allem Zubehör käuflich erwor. ben und Dem Verein Volkshochschule Nidda ge chenkt hat. Dadurch sind alle ftttlich unD morah]d) anstößige* Vorführungen unmöglich geworden und Gewahr für nur wirklich bildende Unterhaltung geboten. Nidda lst die erste hessische Stabt die ein eigenes Kino hat. Zum Schlüsse wurden noch mehrere kinomatographische Vorführungen aus den Deutschen Alpen, der Technik, der Naturkunde und Dem Leben Berlins gegeben. Die Paujen wurden durch klassische Vlusikvorttäge ausgefuüx. Sicher t