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Die Lage des Arbeitsmarktcs im Reiche »eist keine wesentlichen Verbesserungen gegenüber den Vorwochen aus Nach wie vor besteht eine grohc Nachfrage nach Arbeitskräften nur in der Land­wirtschaft und in einzelnen Zweigen 6er Industrie, deren Kohlenzufuhr im allgemeinen durch eigenen Zechenbesitz gesichert ist, ferner in der Bekleidungs­industrie, die .,:.ten ziemlich bedeutenden Bedarf an Schuhmachern und Schneidern aufweist, und in der Holzindustrie, wo insbesondere Mabelschreiner und Stellmacher gesucht werden. Andererseits tritt der Widerstand der Arbeitslosen, sogar der Ledigen, gegen eine Abschiebung «nr Landwirtschaft, zum Grenzschutz, zum Bergbau üb' läge, zur Eisenindustrie und an sonstige Stellen, an denen größerer Arbeitermangel harscht (beispielsweise zu Notstandsarbeiten) täglich mehr in die Erscheinung, ebenso in den Hauptindu- striezentren die Beeinflussung der Arbeitsuchen­den durch unzufriedene und unruhige Elemente. Vereinzelt zeigt sich allerdings auch schon stärkere Nachfrage »ach Arbe t auf dem Lande und im Freien, jedoch ist die Gefahr der Arbeitsnieder­legung nach kurzer Zeit dann stets sehr groß.

Die Arbeitsmarktlage in der Nahrungsmittel­industrie, in der Textilindustrie, Spiel- und Luxus­warenindustrie, überhaupt in allen Fein- und Fertigindustrien, ist nach wie vor sehr ungünstig. Eine Besserung ist nur von einer stärkeren Versorgung mit Kohlen und Rohstoffen zu erwarten.

Der weibliche Arbeitsmarkt verschlechtert sich aurch die Entlassungen der Arbeiterinnen aus den Fabriken und Bureaus mehr und mehr. Die Unter­bringung in häusliche Dienste ist jedoch durch die Abneigung gegen diese Art von Arbeit immer noch -ehr erschwert. Desgleichen stößt die Vermittlung weiblicher Arbeitskräfte aufs Land auf großen Widerstand. Jn verschiedenen Städten, so z. B. Oppeln i.nd Kiel hat man Haushaltungskurse für entlassene Arbeiterinnen eingerichtet.

Der kaufmännische Arbeitsmarkt ist ebenfalls durch weiteres Anwachsen der Erwerbslosen gekenn- zeichnet. Die Unterbringung der kaufmännischen und technischen Angestellten in andere Berufe stößt auf die größten Schwierigkeiten und wird kaum in ab- iehbarer Zeit zu ermöglichen sein. Hier kann nur ,ine vermehrte Wiederaufnahme der Arbeit in ihrem früheren Ausmaße "helfen.

Infolge verstärkter Inangriffnahme von Not- standsarbeiten hat sich vorübergehend die Zahl der Arbeitslosen in einzelnen St' dien etwas verringert. Doch hat das seither bestehende Froslwetter durch Einstellung der meisten Arbeiten im entgegengesetzten Sinne gewirkt. Aus einzelnen Teilen des Neiches wird berichtet, daß die Arbeiter, die bei Notstands- arbeiten unterkommen, zu einem großen Teil nach kurzer Zeit die Arbeit wieder aufgeben.

Der empfingliche Kohlenmangel hält im ganzen Neiche an und hat dazu geführt, daß in einzelnen Städten und Bezirken das ganze Wirtschaftsleben dainiederliegt. Als empfindlichste Schädigung des W rtschaftslebens tritt jedoch nach wie vor die Der- kehrsnot in die Erscheinung. Mit einer Besserung ist hier für lange Zeit noch nicht zu rechnen.

2lus Statt unt Cant.

Gießen, 19. Februar 1919.

Lebensmittel.

* Käse-Verteilung. Bon Don­nerstag den 20. bis Dienstag den 25. b. M. einschließlich gelangt in verschiedenen Geschäf­ten Käse zur Verteilung. Näheres siehe Be­kanntmachung.

* Freigabe des Absatzes vonWeißkohl- iauerhraut. Gemäß den wiederholten öffentlichen Aufforderungen haben zahlreiche Kommunalver- waltungen und Verbraucher bei der reichen Ernte erhebliche Mengen von Weißkohl selbst eingelegt. Nachdem im laufenden Wirtschaftsjahr bereits zwei chlllsselmähige Verteilungen von Weißkohlsauerkraut norqenommcn worden sind, hat es sich daher als entbehrlich erwiesen, die behördliche Verbrauchs- r ege hing für dieses Nahrungsmittel noch weiterhin aufrechrzuerhalten. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hat demgemäß durch eine im Reichsanzeiger Nr. 27 veröffentlichte Bekanntmachung das Weißkohl- sauerkraut unter Aufrechterhaltung der bisherigen Höchstpreise zum Absätze (ausgenommen an militärische Stellen) freigegeben.

Fürsorge für ans Elsaß-Lothringen «rtrte- bmc Deutsche.

Die Fürsorge für die immer zahlreicher werdenden Deutschen, die seit der Okkupation Elsaß-Lothringens durch die Franzoselt von dort vertrieben werden, ist jetzt auch in Hessen organisiert. Was die Beamten anbc- trifft, so hat das Staatsministerium eine Ver­pflichtung Hessens anerkannt, allen denjeni­gen aus EljafftLothringen ausgewiesenen oder geflohenen Beamten zu helfen, welche aus Hessen stammelt oder vornehntlich zu Hessen nähere Beziehungen haben. Der lnssische Staat wird versuchen, die Landes-Beamten im Staatsdienst und die Gemeindebcamten im Kommunaldienst unter,»bringen, und hat, wie er sich selbst zur Einstellung von Staatsbeam­ten für verpflichtet hält, durch eine Verord­nung auch den leistungsfähigsten ziommunal- verbändcn, b. h. den Kreisen und größeren Städten, die Verpflichtung auferlegt, vertrie­bene elsaß-lothringische Beamte zu verwenden. Außerdem Hal das Staatsministerium einen Betrag bewilligt, ans dem mittellosen Beam­ten foyort Ilnterstützuna gewährt werden kann, solange die Berliner Zentralstelle noch nicht eingreift. Beamte, tvelche die Hilfe des hessi­schen Staates in Anspruch nehmen wollen, müssen sich also an das zuständige Fackmini- sterium wenden oder soweit ein solches für sie itkbi gegeben ist, an das Ministerium des In­nern in Darmstadt, welchem die allgemeine Fürsorge für die Dcrtricbarcn Beamten über­tragen ist.

Die Fürsorge für alle Nichtbeamten hat für Hessen die vom hessischen Landesver­ein vom Steten .streuz und dem Alice-Frauen- vcrem seiner,zeit gemeinsam geschossene Ab­teilung für vermißte und gefangene Deutickx übernommen und will iic zugleich für den Rcichs-Hilfsbnnd mit Hilfe bei bereits be­stehenden Bezirksausschüsse für Kriegs- gefangene, der Kreisvercin. des Alice Frauen- Vereins und dec örtlichen JwctgDcrcinc des Landesveretns vom Roten Kreuz und des Alice-Frauenrercins durchführen Diese Or- tzanisationen mit ihren über das ganze .nnb verteilten Stellen wollen den Vertriebenen Helfer, Keper ihrer Beziehungen zu

H^feii sich dort niederlassen Mollen. Erne er­hebliche Beihilfe zur Aufnahme der Arbeit ist ihnen bereits durch dos Staatsministerium be­willigt worden: auch die Stadt Darmstadt hat einen Zuschuß gewährt. Die Landes-GcschüftS- telle der Organisation ist in Darmstadt im Alten Palais (Eingang von der Wilhelmincn- straße) in den Räumen des Roten Kreuzes. Eine besondere Fürsorge ist daneben aber nocl) am Hauptbahnhof Darmstadt eingerichtet.

Selbstverständlich entbinden alle diese Hilfsstellen in keiner Weise die Gemeinden als Ortsarmenverbände von ihrer gcsctz- tchen Pflicht, vertriebene hilfsbedürftige Deutsche, die zu ihnen kommen, auf Grund des Unterstützungswohnsitzgeietzcs zu unter­stützen, vorbehaltlich des Ersatzes ihrer Auf­wendungen durch die zuständigen Orts- oder Landarmenverbände. Die iltot der Vertriebe­nen ist oft bitter. Aber cs ist zu hoffen, daß die weitesten Kreise ihre nationale Pflicht nicht vergessen und tatkräftig helfen, oas harte Los der Vertriebenen zu mildern. Sämtliche El- saß-LothringerinHessen werden zur Auskunftserteilung gebeten, Namen und Wohnung bei der Auskunftsstellc, Altes Pa­ais, Darmstadt, anzubringen: ein Formular zur Erlangung genauerer Angaben ist in Vor- wreitung.

** Poftve r kehr mit Elsaß-Lothriw gen. Bon jefct ab lind zur Postbesörderung aus dem unbelebten Teutscl-land nach Estaß-Lothringen .zugelassen: (Gewöhnliche und cingefdjiricbeitc Posri larten und verscküossene Briefe rein gcid>afthdicn Inhalts, geschäftliche Drucksachen und Waren­proben, sowie sämtliche Briese an und von Be- bürbat. Tie zugclassenen Sprachen sind deutsch ober französisch. Die Briefe und Postürrien müssen bi-2 volle deutliche Adresse des Absenders tragen oivie den handschristlich bescheinigten Vermerk: Handelskorrespondenz. Tie Veri'cndung von Zci- tungen unb Zeitschriften ist strengstens verboten.

* Deutsche Soldaten aus der Schweiz? Für die aus der Schweiz nach Deutschland gekom­menen Soldaten, die nun zu ihren dortigen Familien zurückkehren wollen, sind mit dem ersten Februar neue Verordnungen für die Einreise getroffen worden. - Ein ausführliches Merkblatt, das Aufschluß über die Formalitäten gibt, ist erhältlich durch die Ab- ertigungsstelle des General-Kommandos 14 A.-K. in Singen a. H.

♦♦ Die 4Millionen Gießener Stadtanleihe hatte eine so außerordent­liche Nachfrage zu verzeichnen, daß die Anteile bereits ausverkauft sind.

* Unsinnige Gerüchte werden wieder einmal in Gießen ausgestreut, die vermutlich mit irgend einer verborgenen Spekulationsabsicht Zusammenhängen. Es wird behauptet, das Lebensmittelamt gebe in Erwartung einer in ben nächsten Tagen erfolgenden Besetzung der Stadt durch die Amerikaner schleunigst seine Vorräte aus, damit sie den Besatzungstruppen nicht in die Hände fielen. Das Gerücht entbehrt selbst­verständlich jeglicher Unterlage und wird nur von Interessenten in Umlauf gesetz sein, um ihnen das Abstößen zurückgehaltc- ner Lebensmittel zu Wucherpreisen zu er­möglichen.

* Frauenversammlung. Der Allge­meine Deutsche Frauenvcrein und der Verein für Frauenstimmrecht veranstalteten gestern abend im großen Hörsaal der Universität eine Frauenver­sammlung. Fn einer kurzen Begrüßungsrede wies zunächst die Vorsitzende des Allgemeinen Deut­schen Franenvereins, Frau Naumann, daran hin, daß die beiden Vereine sich zusammenge- schlossen hätten, um den Frauen aller Stände durch Vorträge verschiedenster Art politische Be­lehrung und durch gegenseitige Aussprache glcich- zcttig eine gewisse rednerische Schulung zuteil werden zu lassen, ohne dabei einer bestimmten Partei das Wort reden zu »vollen. Sie bedauere daher umsomehr, daß sich nur ein so kleiner? Kreis von Zuhörerinmm eingesunden habe. Als­dann ergriff Frau V oj t das Dort und suchte eine möglichst objektive Darstellung der bisherigen Tätigkeit der Nationalversammlung an Hand der erschienenen Presseberichte zu geben, indem sic die wichttgstcn Reden naher beleuchtete und die leitenden Gesichtspunkte in klarer und anschau­licher Weife zur Darstellung brachte. Daran an­schließend schilderte die Rednerin turn Eindruck, den diese historischen Tagungen der letzten Tage hinter­lassen hätten: Der einheitliche Wille zum Ausbau des deutschen Rcichsstaates, zunehmende rechtliche Konsolidierung, eine wohltuende Offenheit inüt Sachlichkeit seien einige erftculiche Momente iw der Zeit unserer nationalen Trauer. Frau Nau­mann übertrug Frau Bousset die Leitung der nachfolgenden Debatte, in der Anhängerinnen vcrschiedener Porteirichtungen zum Wort kamen und ihre Ansichten vertraten. Leider ist cs nicht möglich, auf die längeren und interessanten Aus­führungen verschiedener Rednerinnen hier einzu- gchen. Nach einem kurzen Schlußwort von Frau Vogt beschloß Frau B o u s s e t die Versammlung.

Ter Allgemeine Verein für Armen- unb Krankenpflege läßt in der ruichslrn Zeit die Mitglieoerbciträgc für das Fahr 1919 einfammeln Das gibt bem Vorstand des Vereins Anlaß, an die Ein wohnerschaft der Stadt Die dringende und herzliche Ditte zu richten, den Verein in seinen wohltätigen Bestrebungen und Un- tcrnehmuiigrn: Krankenfürsorge, Säuglings- fürfoTac, Volksküche, Krippe, Flewährung von Unterstützungen an kurbedürftige arme Kin­der, ebenso zu den Ausbiloutigskoslen bedürf- rifle Kinder, Beschaffung von H-rizimaterial und Mich urMi iderb-mittelte,-iefer^i'g vvnH i - u Kräftigungsmitteln für undemittc te \t tarne usw. durch C*[bfpcnocn Mitgliederbeiträge, Alt unterstützen. Die an den Verein gestellten Anforderungen sind, namentlich auch durch die lange "Lauer des Krieges, immer größer geworden Es ivird deshalb dringend gebeten, dem Verein recht reichlich Mittel zuzuwenden Aber auch die kleinste (Mcbc ist herzlich will kommen. Die Verwendung der Pcittel des Vereins wird allfLbrlich in der Hauptver scnnmlung rechnungsmäßig nadjge.m ien unb untersteht einer genauen lährllchen Revision.

Die Fursorgetätigkeit des Vereins kommt! allen Bedürftigen der Stadt ohne Mcksicht auf ihr Bekenntnis zugute, sic wird geübt in Verbindung mit dem städttschen Armenamt und entlastet die öffentliche Armenfürsorge ganz wesentlich.

-Besitzwechsel. Möbelhändler August Os- mann kaufte von der Firma Baruch Strauß in Mar« I bürg deren Haus Plocksttaße 14 für 30000 Mark. I

Landkreis Gittzen.

= Inheiden, 15. Fcbr. Dem Frankfurter Berwaltungsbcricht zufolge lieferte das hiesige Wasserwerk im Rechnungsjahr 1916 an die Stadt Frankfurt 7 230 9 X) Kubikmeter Trinkwas er gegen 7 322 400 Kubikmeter im Jahre 1915. Die übrigen Vogelsberger Quellwassergebiete cinschlwß- lich der Spesiartstationen lieferten 1916 i» 48b OCX) Kubikmeter Waf er gegen 5 308 700 Üuß.fmcter m 1915 nach Frankfurt Me genannten Verioraungs- gebicte tiefer leit rund die Hälfte der 1916 in Frmik- urt verbrauchten Trinkwassermenge (28128 760 Stubihnetcr .

-m. Watzenborn-Steinberg, 19. Febr. Gestern abend ereignete sich auf der Station Schiffenberg bei der Einfahrt des 9-Uhr-Iuges ein tödlicher Unglücksfall. Der mit diesem Zug von Gießen kommende Arbeiter Ludwig Babel aus Watzenborn wollte, da dieser Zug auf der Station nicht hält, wahrend der Fahrt abspringen. Er geriet hierbei unter die Räder wobei ihm beide Beine und ein Arm abgefahren wurden. Rach wenigen Minuten trat der Tod ein. Der Verunglückte war 52 Jahre alt, 30 Jahre in der Oberhessischen (Eifen. bahn-Werkstätte in Gießen tätig, und Vater von 8 Kindern Er hatte sich erst vor kurzem zum zweiten Mal verheiratet und in Gießen, Schiffen- berger Weg, ein Haus gekauft, das er in nächster Zeit beziehen wollte.

Kreis Büdingen.

<£ Ortenberg, 15. Februar. Nachdem unsere 3. Sch ul st eile nach langer Kriegspause endlich zur allgemeinen Iuftiedenheit wieder beseht war, ist sie jetzt schon wieder über 14 Tage verwaist. Der 9n- Haber, Lehrer Werner, will an der Universität Frankfurt weiter studieren.

Kreis Schotten.

e. Schotten, 16. Febr. Nachdem zu Beginn des Winters für Fuchsfelle der Preis von 18-25MK bezahlt worden war, stiegen die Pelze innerhalb kurzer I Zeit auf 40-50 Mk., und in den letzten Wochen wurde sogar wieder der Bettag von 80-100 Mk. für ein Fell angelegt. Also auch in dieser Hinsicht ist von einem Abbau der Preise infolge Beendigung des Krieges noch nichts zu verspüren.

Streik Wetzlar.

Wetzlar, 17. Febr. Für acht Gemeinden des I Hinterlandes plant ein Unternehmer die Anlage einer Ueberlandzentrale für elekttisches.Licht und elek­trische Kraft. Das Werk soll seinen Sih in der Nähe I von Altenkirchen haben.

wa. Wetzlar, 18. Febr. 3m Kriegsgefangenen­lager sind zwei Fälle von Fleckfieber festgestellt: die nötigen Schutzmaßregeln sind getroffen, um die Weiterverbreitung zu verhindern. Das Lager ist ge­sperrt.

Hessen-Nassau.

X Bad Orb, 17. Febr 3n der Sitzung der Stadtverordneten wurde zur Sprache gebracht, daß augenblicklich in der Stadt Orb mehrere Listen zir­kulieren, welche der Wiedervereinigung des ehe­maligen Verwaltungsbezirkes Orb mit Bayern das Wort reden. 3n der Versammlung war man ein­mütig der Ansicht, daß Bestrebungen, welche zur Zeit den Uebergang von Orb an einen anderen Staat be­fürworten, nicht zu billigen sind. Auch der Gedanke, Anschluß an den Freistaat Groß-Hessen zu suchen, scheine unzweckmäßig zu sein.

Frankfurt a. M., 18. Febr. Die Gas­gesellschaft erhöhte den Preis für das Kubikmeter (Bas von 25 auf 36 Pf. Sie begründete die Er­höhung mit den hohen Kohlenpreisen, den steigenden Löhnen und Teuerungszulagen, die bisher einen Mehr, aufwand von 7 Millionen Mark erforderten.

Kiedrich, 18. Febr. Aus der katholischen Pfarrkirche wurden durch Einbruch eine Anzahl wertvoller Kirchengeräte gestohlen, darunter auch sein kostbares großes goldenes Kreuz, das nur einmal im Jahr, am St. Dalenttnstag, ausgestellt wird.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantlovrtung.)

Kohlknnot und ttohlcnvergeubung.

Seit Freitag den 14. Februar brennen in Heuchel­heim die elektrischen Straßenlampen Tag und Nacht ununterbrochen. Wie läßt sich diese Lichtver- schwendung mit der jetzigen Kohlenknappheit verein- baren?

Letzte Nachrichten.

Der neue Entwurf der ReichSverfasiang.

Weimar, 18. Febr. Der neue Entwurf der endgültigen Reichsverfassung liegt nunmehr fertig vor. Er hat gestern das R e i ch s k a b i n e t t be­schäftigt und dort völlige Einstimmigkeit gefunden. Heule nachmittag wird die Vorlage dem Staatenausschuß unterbreitet werden, und es ist anzimehmen, daß sie Ende der Woche die National­versammlung beschäftigen wird. Im allgemeinen istderGrundgcdankedes ursprünglichen Ent­wurfs des Staatssekretärs Dr. Prcußgewahrt worden. Ter Minister des Innern ist dabei auch, wie er heute in einer Besprechung erklärte, mit dem Gang der Dinge durchaus jufricben. Ter Dersassungsentwurf zerfällt ht 109 Paragraphen and bis am zwei oder drei Punkte ist eine Ver­ständigung erzielt worden: über die strittigen Punkte wird also die Nationalversammlung zu ent- icheidcn haben. Es handelt sich babet um die Mög­lichkeit der Abruudungder vorhandenen Staatengebilde und die Abgrenzung de« ikvmpetcnzen zwischen R e i ch s r a t unb Reichs- t a g. Es ist die Möglichkeit gegeben, daß stch die Gliederstaalen durch Vereinbarung mit ihren Nach- barn ab runden können und es fragt sich nur, ob km Falle des Sckxmerns dieser Verhandlungen und der Reichsvermittlung die Nationalversammlung endgültig entscheiden soll. An die Stelle deS Staatenhauses soll der Reichsrat treten, der in gewissen Dingen dem alten Bundesrat ähnelt: ein Unterschied beftcht darin, daß die Bevölkerungs- jabl für die Vertretung im Rrichsrat ausschlag- gevend sein soll. (F. Z.)

Dir Diätenvorlagr

Weimar, 18. Febr. Die Diätenvorlag- ist der Nationalversammlung zugegangen Darnad) er. halten die Mitglieder der Nattonalversamrnlung für die Dau?r der Tagung, sowie 8 Tage nach Schluß frti» Fahrt auf den deutschen Bahnen und vom

1. Fed.-uar 19T9 ad eine Aufwandsent chadigung opb 1000 Mark monatlich, die am OTcr.atscrften Im Voraus zu zahlen ist. Die Ausschußmitglieder, die ht den Pausen der Vollsitzungen arbeiten, erhalten außer der Aufwandsentschädigung ein Tagegeld von 20 Mk. für jeden Tag ihrer durch das Sitzungsprotokoll de» Ausjchuffcs nachgewiesenen Anwesenheit. Für j ben Tag, an dem ein Mitglied der Nationalversammlung der Vollsitzung fcmgcblitben ist, werden 30 Mk. ab­gezogen. Die Vorlage schließt sich im übrigen den Vorschriften des Diätengesetzes für den Reichstag an, nur soll die Pflicht der Abgeordneten ihre Anwesen^ heit nachzuweisen, in einer Form erfolgen, die br Würde der Versammlung entspricht.

.Qunbgebnnfltn im Reiche.

Berlin, 18. Febr. <WTD.) Anläßlich bet verschärften Forderungen mtserer Stinbc bei der Erneuerung des Waffenstillstandes sind der Reichs- ccgicrung in Berlin und Weimar ;ahlrerche telc graphische Kundgebungen aus allen Teilen des Reiches zugegangen, die m stammenden Wo. ten gegen die neuerliche Vergewaltigung Einspruch erbeben und die Regieruna auffordern, die bentü ligenden Zumutungen Fachs abzulehnen. Es bau beit sich dabei um Beschlickungen politischer Orts gruppen, Bürgervoreinigungcn und Masseiiver- lammlungen.

Eine Lttindgebung des Bundes der LandwiNe

Berlin, 17. Febr. Die Gcncralver- sammlung Les Bundes der Landwirte hat eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Der Bund der Landwirte hält die Re volution für ein Unheil und erblickt nach nrie vor in der Monarchie die für Deutsch­land geeignetste Staatsform. Er wird aber an dem Wiederaufbau des Deutschen Reiches, ins­besondere seines Wirtschaftslebens auch unter der jetzigen und ftder verfassungsmäßigen Re­gierung mit Ernst und Hingabe m i t a r b e i ten. Um den Aufbau des Wirtschaftslebens zu erreichen, ist jedoch der schleunige Abbau per Zwangswirtschaft erforderlich, weil bei deren Beibehaltung die Ernährung des Volkes durch die heimische Produktion zur Unmöglichkeit wird. Die Zwangswirtschaft be­seitigen, heiße die Produktion fördern. Der Bund der Landwirte verlangt die sofortige Freigabe unserer Kriegsgefangenen. Elsaß Lothringen muß das Selbstbestimmungsrecht durch Abstimmung gesichert werden. Die Ab­trennung des Saargebietes an Frankreich wurde Deutschland wichtiger Rohswffe be­rauben.

Die neue dentsche Flagge.

Weimar, 18. Febr. Der Staatenausschuß be- schloß heute abend, daß die schwarz-rot-dvlden« Flagge in Deutschland als Nationalfarbe »mgeführt werden soll.

Der Kongreß der A.- und S.-Näte in München.

München, 18. Febr. (WTB.) Im Per- laufe der Sitzung gab der Arbeiterrat F ranz namens der Mehrhcitssozialisten die Er klärüng ab, daß diese infolge der neuen Tat fachen nunmehr für den Antrag auf Wei tertagung stimmen werden. (Bravo' Ein dringender Antrag der U. S. P ocr langte- daß sofort drei-Mitglieder des Kon gresses sich nach Nürnberg begeben, um den drohenden Bruderkrieg unter allen Umstän den zu verhüten. Der Soldatenral Schröder verlangte entschlossenes Handeln in der ge­fahrdrohenden Nürnberger Situation. Es soll sofort in Verhandlungen mit dec sozialisti­schen Partei eingetreten werden. Die 2i tualion ist so, daß wenn es nicht gelinge, mo­ralisch auf unsere Brüder einzuwirken, bei morgige Tag von außerordentlich verhäng­nisvoller Bedeutung für das gesamte Prole- tariat Bayerns sein kann. Der Arbeiterrat Mühsam führte die Nürnberger Vorfälle auf den Roßhaupterschen Erlaß zur Bildung einerWeißen Garde" zurück. Der Kongreß sollte darauf verzichten, für die eine oder an­dere Partei Stellung zu nehmen. Ein Ver- treterderMehrheitssozialisten er­klärt, daß die von Mühsam vorgebrachten Gründe für die Nürnberger Vorfälle nicht zu treffen:Es handelt sich in Nürnberg um s p a r t a k i st i sch e D i n g e, die wir nicht un rerstutzen können. Wir können nicht zugeben, daß es eine Handvoll Leute so weit treibt, daß es zum Blutvergießen kommt. Dagegen I findet morgen eine Demonstration statt. Es «wird den Spartakisten ein Ultimatum gestellt, das Generalkommando zu räumen." Nach weiterer Debatte wurde einem Antrag aus Entsendung einer besonderen Kommis liion nach Nürnberg zugestimmt. Damu ist die Sitzung zu Ende.

Die Lage in Münchei,.

München, 18. Febr. Durch die Sicherheit»- I wehr und die Polizei sind dl« Spartakisten do« I den öffentlichen Gebäuden vertrieben worden. I Die Spartakisten wurden größtenteils entwaffnet und I aus den A - und S.-Räten entfernt. Die städtische I Polizei wurde wieder mit Waffen versehen. De» I Schaden ist gering

Cbftbäume für das eomme-Webiet

-Dr.s den, 19. Febr. (L. A.) Französische ntiö I englische Offiziere bestellten bei sächsischen Daurnschul- I besihern Obstbäume für das Sommegebiet au* I deutsche Rechnung, damit die deutschen bte dort zer- I störten Obstanlagen wieder ersehen. So hat cm I Baumschulenbesitzer loOODbftbäumc zu liefern. Sochst' I und Thüringen sollen zusammen 35000 Bäume ab I geben.

Die amerikanische Delegation gegen Dir französische Propaganda

Berlin, 18. Febr. .Neuvork limesy berichten. I daß die amerikanische 'Delegation ent- | r ü ft e t sei wegen der intensiven Propaganda der Franzosen, die zum Ziele habe, den Fne- densschluß zu verzögern. Die amerikanische Dele Sation wolle deshalb Vorschlägen, dic Friedens' o n f er e n 3 nach einem Ort außerhalb Frank- r < i d) $ zu verlegen. Ls handle sich nicht um eine isolier!e Stimme, sondern um ein Konzert der Press« .Washington Times" sprechen von einer Obstruktions­politik der französischen Presse.