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Mittwoch, 19. ßebruar DW
169. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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der
gaben bei- „Schlesischen Zeitung", auf die sich die
veutsche Nationatversammlnng.
10. Sitzung am Dienstag, den 18. Februar.
Auf der Tagesordnung dec Dienstag-Sitzung der Nationalversammlung sieht die Interpellation Dr. Heinze u. Gen: (Deutsche Vollspartei'' betr. Verlängerung des Wasfenstillstandsablommens und die von der Wassenstillstaubskommission gepflogenen Verhandlungen über die Auslieferung ber deutschen Handelsflotte und über die Kühlen- und Erzfragen.
Der Abg. Dr. Voegler (Deutsche Volkspartei) begründet im Namen seiner Fraktion in langer Rede die Interpellation. Er rührt aus, rote die Entente es immer mehr darauf anlege. Deutschland wirtschaftlich zugrunde zu richten. Er »reift Erzbergcc int einzelnen scharf an und will ihm die Verantwortung für die unglücklichen Ab
einmal der Augenblick kommen würde, wo wir Nein sagen müßten, — daß indessen heute dieser Augenblick noch nicht gekommen fei. Wir gehen bangen Tagen entgegen. Wir wissens daß der neue endgültige Waffen- stiüstandsvertrag zu dem Schweren noch Schwereres von uns fordern soll. Wird dann der Augenblick gekommen sein . • .? Es sind nur noch wenige Tage bis zur Entscheidung. Darum soll man jetzt alles Parteigezänk und alle persönliche Reizbarkeit zurückstellen.
Vergangenheit etwas lüftete und an Versprechungen und Ankündigungen der Regierungsvertrcter erinnerte. Der Ministerpräsident Sche id e man n hatte aber wiederum recht, wenn er entgegnete, er halte seine Auffassung von früher her aufrecht, daß
von Frieden und gar von entschadigungStiffiem Frieden keine Rede gewesen. Das Wort „Friede" ist überhaupt nicht gefallen. Im übrigen hat mich General von Winter- seldt soeben telephonisch ermäckftigt vor bett
Lin Lag scharfer Auseinander- fehung.
Es ist erklärlich und von Nutzen, wenn aus dem Volk heraus gegen so schwere Waffen stillstandsbedingungen, wie sie uns der Feind auserlegt hat, scharf protestiert wird, und die Männer auf der Negierungsbank sollten auch mit einer Opposition im Parlament, die, wenn sie in maßvollen Grenzen sich bcivegt, bit vaterländische Sache stärken kann, nicht zu scharf ins Gericht gehen. Welckien Ruhm kann es bringen, wenn die ministeriellen Vertreter der Mehrheit die Sprecher der Minderheit mit rein parteipolitischer Schärfe zausen und zurückstoßcn! Freilich, .Herr Dr. Vögler, der die gestrige Interpellation über die Waffenstillstands-Verhandlungen begründete, war etwas einseitig von industriellen Jnter- essenvertvetcrn mit Zorn geladen worden, uitf) er überschlug selbst die Stränge einer gerade in diesen Zeiten gemeinsamer Not gebotenen Vorsicht. Wir haben gestern dem Minister Erzberger das Zeugnis ausgestellt, daß er sich .edlich geplagt hat, und doch sind auch wir keineswegs mit allem einverstanden, was er tut. Eine ähnliche Auffassung klang sogar oucch die Ausführungen des sozialdcmokrati- schen Sprechers, des Abg. Müller-Breslau. Und wenn auch der „Minister" Erzberger dem auswärtigen Amt nicht „unterstellt" werden kann, so kann doch, wie' es jetzt in hier neuen Meldung angekündigt wird, bei den Waf'enftillstandsvcrhandlungcn Graf Brockdorff-Rantzau die Oberleitung haben. Trotzdem Erzberger gestern einen parlamentarischen Erfolg daoongetragen hat, halten wir ihn nicht für den geborenen Lenker der Geschicke des deutschen Volkes. Dazu ist er zu sehr Heißsporn, zu sehr Effektmacher, 'in zu heftiger Parteipolitiker. Viel besser hätte es ihm gestern angestanden, wenn er, statt alte Parteizänkercien wieder aufzukochen und das große Mehrheitsschwert zu erheben, mit etwas mehr selbstloser Zurückhaltung die politisch-sachliche Seite der Anfrage und ihre Wirkung auf die Interessen des deutschen Volkes im Auge behalten hätte. In dieser Beziehung ist gestern fast von allen Seiten gesündigt worden. Wir brauchen diese fortgesetzten Streitereien über die Kriegsschuld und die Schuld der Kriegsver- (ängerung nicht mehr. Wichtig aber ist die Hervorhebung, daß der Feind nicht mit uns machen kann was er will, daß unsere Fügsamkeit eine Grenze hat. Man konnte es dem /7lb geordneten Gräfe von der deutsch- nationalen Partei nicht verübeln, lvenn er in dieser Beziehung den Vorhang
abgeschlossen werden müßte. Die „Frankfurts Zeitung" sagt, Erzberger habe nur bewiesen, daß er nichts Besseres vermocht habe, weil er keine Sachverständigen heranzieht imb in seiner Selbstüberzeugung mehrt, daß niemand es besser machen tonne als er. (Sehr gut.) Sie sagt weiter, die Abberufung des,Herrn Erzberger sei die einzige Möglichkeit, den Schaden wieder gut zu machen, den.er damit angerichtet habe, daß er die Folgen einer Ablehnung her feindlichen Bedingungen in den schwärzesten Farben malte. (Sehr richtig fieber Deutsckwn Volkspartei.) Herr Erzberger ist doch nach Svaa gefahren unb jetzt ist er wieder da, (Heiterkeit) und hat Vereinbarungen miigc- bracht, die der Regierung wirklich schwere Stunden bereiten mußten. Vielleicht mußten sie cmgenom- men werden, aber diese Abmachungen sind das Schlußlied in £er Kette, die der Rcicksminister Erzberger in den monatelangen Verhandlungen um das deutsche Volk gelegt bat, (Beifall bei der Deutschen Volksparwi, Unruhe im Zentrum), bei Kette, bie bas deutsche Volk erwürg-en wird. (Unruhe unb Rufe im Zentrum:. Unerhört!) Der Ministerpräsident verlangt, daß wir den Arm zur Arbeit ftei bclbinlncn. Sie, Herr Reickis Minister Erzberger, hohen diesen Arm in Fesseln geschlagen. (Beifall bei der Deutschen Volkspartei und Unruhe im Zentrum). Gegen Sie S>err Reichsminister Erzberger, erbeben wir schwere Vorwürfe. Wir loerfcn Ihnen vor, daß Sie in wichtigen Lebensfragen der Nation (Große Unruhe im Zentrum > niemals Sackrver- ständige zu Rate gezogen haben. Wir werfen Ihnen vor, (Die folgenden Ausführungen des Redners gehen unter den lärmenden Kundgebungen des Bcnirumö, aus dessen Reihen fortgesetzt gerufen wird: 'Unerhört Schluß, Schluß! verloren Von anderen Rednern wird gerufen: Krin Schluß Dr. Heinze ruft: Das ist in bent neuen Deutschland bie Redefreih it!, rvorauf sich die Sturmszenen wiederholen. Nachdem ddr Lärm minutenlang an* gedauert bat, erklärt Präsident Fcl/renbach: Ick) habe festzustellen, daß Ihre persönlichen Angriffe den Entrnstilusgsdurm entfesselt haben. (Unruhe recksts und Rufe: Neuling!, Nun bitte ich aber das hohe Haus, den übrigen Ausführungen zuzu- hören. Ich bedauere, daß der PräsDent meine letzten Ausfüllungen als persönliche bezeichnet Ich habe daniit nur die Schlußfolgerungen aus meinen sachlichen Feststellungen gezogen. (Unruhe bei der Mehrl-eit.)
Zur Seantroortnng uer Interpellation erhält das Wort Reichstagsminister
Erzberger:
Die Rede des Interpellanten hätte sich statt an mich an Marschall Fach richten müssen. (Lebhafte Zustimmung.» Die föeariinbung erfolg*e mit einer Oberflächlichkeit und Änchtfertigkeit, (Große Unruhe rechts, lebhafte Zustrmnnmg bei der MelL- beit) wie ich sie bisher nicht kennengelernt habe. Anklagen schioerster Art wurde-, aus völliger Un- kennttiis und auf einer unerhörten Verschiebung der wirklichen Vorgänge at!’gebaut. (Hört, hört bei der Mehret, Große Unruhe rechts.) Der Vorredner meinte, die letzte Verlängerung, drs Wafstmstrllstandes habe ilM die Augen geöffnet. Uns finb die Augen längst gcöifret, seitdem gerade die Gruppe der beittijen Interpellanten mit ihrer Politik den Niedergang unseres Vaterlandes fier» beigeführt hat. (Stürmisch? Zustimmimg bei dcr Mehrheit, großer Lärm vocksts.) Meine ganze Amtstätigkeit mar, daß ich Tag für Tag Sachverständige gehört habe. Erne Denkschrift üfer die bisherigen Verhandlungen der Wasfenstillstands- kornmission ist nahezu fertig unb wird dem Hau e zugehen. Die Verhaiwkungen in Luxemburg Haie ich garnicht geführt, sondern ber Leiter des Reichs- nnrtschastsamtes. Seine Sachverständigen ivaren der Reick)ssohlenÜommi sar ein führendes Miglied der linksrheinischen Textilmdustrre und ber Berater der Eisen- und Erz fragen im Demobil- machungsamt. Die Termine nxtrben vom Gegner einseitig festgesetzt unb die schecktten Verkehrsver- hältnisse macksten biÄveilen das rechtzeitige Erscheinen unmöglich. lieber das Schisfabrtsabkom- men lwbeit eingehende ^Besprechungen mit Schifs- fahrtskreiseu ftattgefunben. Dir gegenteilige Behauptung ist eine unerhörte Anmaßung. Jnsge- fanrt waren in Trier 30 Sachverftändi e anwesend, nur Herr Hugo Stinnes fehlte. (Hei:erkeit.) Eine Unterstellung der Wasfe-.lßillftandskommis ton unter das Mswärtige Amt juirb picht beabsick)- tp,t. Jede? Minister ist ber Nationalversammlung verantwortlich, und daher kann nicht ein Minister einem anderen verantwortlich sein. Lesen Sie die Verfassung durch, ehe Sie solche überflüssigen Fragen stellen. (Sehr gut bei der Mehrheit, Unruhe rechts.» Eine Anfrage, bk von meinem alten lieben Freimd, dem Abgeordneten von Gräfe tHeiterkeit gestellt ist, stützt ^'ich auf einen Artikel der „Schics. Zta." vom 2o. Januar 1919, in dem behauptet ist, daß bei den ersten Verlwnd- langen ber deutschen WasfcnstillstandsÜommis üm die Entente zu einem entschädiguu gslvsen Frieden bereit gewesen fei, daß aber nach Ausbruch bet Rcvolutini Fock) erklärt babe, dieses nette Faktum ändere die Lage. Deutschland sei erledigt, die früheren Angebote hinfällig. Da eine amtiidtc St 'llungnahme gegen diese Darstellung bis hnte nicht erfolgt sei, werbe an bie Reichsregierung die Frage gerichtet, ob sie sie bestätige oder eine authentische Darstelftmg ber -Vorgänge am 7. November 1918 und den folgenden Tagen zu geben bereit ist. An diesem ganzen Artikel ist nur das eine wahr, baß wir am 7. November 1918 die deutsche Front verlassen haben. (Hei er feit. । Alls andere ist Dichtung. In den Vertändlungen ist
kommen zuschieben. Er fragt Erzberger wiederholt, woher er das Recht nehme, ohne Hinzuziehung von Sachverstänbigen über so schiver-- wiegende Fragen, wie die Auslieferung ber Handelsflotte usw. zu entscheiben. Obwohl von Sachverständigen aufs schärfste Protest erhoben loorbcn ivar, bat Herr Er'.berger das Schifsahrtsabkommen unterschrieben. Ich frage lviedernm: Wer gab Ihnen das Recht dazu? Marschall Foch war anfangs bereit, mit Sachverständigen zu verhandeln. Nur bi' unglaubliche Führung ber Ber- iciu> ivi«» KKWvimw uiuuu/h»*. «y*. vv« hanblnngen auf deutscher Seite brachte ihn zu Nationalversammlung zu erllären, daß bte^Ander Forderung, baß unter allen Umitänben sckplell (, ' 7"'. 2 “
Anfrage v. Gräfe stützt, von A—Z erfunden seien I Gegen meinen Willen und ohne baß ich vorher 1 befragt worben bin, war ben Verhanbllmgen j nach Spaa Herr Hugo Stinnes entsandt worben. \ 3d) habe seine Abberufung burchgesetzt unb ich, vertrete sie, weil ich unseren Feinden als Sach- •; öciftänbigcn nicht .einen Herrn anbieten konnte. , der an ber Ausbeutung Belgiens so hervorragend beteiligt gewesen ist, wie Herr Hugo Schures, unb ber vor allen Singen bie haupttreibend^ Kraft gewesen ist, bei ber Verschleppung ber bclgr- ichen Arbeitslosen, bie so ungeheuer viel böses Blut gemacht hat. Es ist nicht wahr, baß ba!> Schiffahrtsabkommen von ber Wafsenstillstands- lommiifion zu trennen war. Daß bie Sachverstänbigen nicht rechtzeitig zur Stelle waren, hat niemanb mehr bedauert als ich. Wir konnten aber den Wa''e>nftllck<rnb nicht daran scheitern, lasscn, baß wir bie Schiffe nicht zur Verfügung stellten. An .Virbeit und Kapital geht der Rus, oas heute einzusetzen, pm unser Volk vor bem Untergang zu retten. 9tur eine kurze Frist ist uns 7wch gestellt bie Finanzierung ber Lebensmittel sicherzuswllen. Wenn ber Appell ber Regierung keine Wirkung hat, wenn srembes Kapital in beutschem Besitz nicht genügend zur Verfügung gestellt wirb, muß sich bie Regierung Vorbehalten, Zwangsmaßnahmen zu ergreifen. Jeber Deutsche muß sich flat sein, daß er sein Privatkapital nut retten kann, weim er es in ben Dienst ber Gesamtheit stellt. (Lebhafte Zusllm'mung bei ber Mehrheit.) Wir haben gegenüber dem Drängen ber Alliierten erreicht, daß die Handelsflotte nichl eher auszulamen braucht, als bis Uebereinstim- mung über die Ernährungs- und Finanzfragen herbeigesührt ist. Wenn diese Uebereinsttmmung aber nicht bald, vielleicht in 14 Tagen, erzielt; wird, beim laufen wir ber großen Gefahr, keine Lebensmittel zu kriegen unb bie Flotte schließlich bock) los zu werben. Ich glaube an unser Volk und seine Zukunft. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.
Auf Antrag des Abgeordneten Dr. Heinze (Deutsche BolkSpartei) wirb die Besprechung ber Interpellation geschlossen.
Abgeordneter Müller -Breslau (Sozialdemokrat) : Soweit die Interpellation die Zuziehung von Sachverständigen fordert, unterstützen wir sie, aber bas Reichsministerium muß bei biefer Auswahl äußerst vorsichtig vorgehen. Daß die Waffew- stillstanbskommisfion bem Auswärtigen Amt unterstellt werden soll, ist seitens ber Regierung bereits abgelehnt worben. Wir legen aber ben größten Wert darauf, baß beide im vollen Einllang arbeiten, denn wir haben im Kriege unter diesem Mangel schon genug gelitten. Wir haben die schwersten Waffeustillstandsbebrngungen aus uns nehmen müssen, well wir eben dem Diktat des Siegers unterliegen.
Abg. Gröber (Zentrum-: Tiefe Trauer hat unser deutsches Volk, besonders im Hinblick airr unsere Kriegsgefangenen, über die neuesten Waf- fenstillstandsbedingimgen erfaßt. Da ist es begreiflich, daß manche Leute nach einem Sünden- vock suchen, auf dem man allen Zorn ablaben kann. Wir freuen uns, in unserer Mitte ein Mitglieb wie Herrn Erzberger zu haben, brr mit so außerordentlicher Begalmng und so riesigem Fleiß für das Vaterland geleistet hat, was kein anderer zu leisten imstande gewesen wäre. (Lebhafter Beifall im Zentrums
Abg. Haußmann (Demokrat): Unser Volk will keine Streitigkeiten int Innern. Unser leidendes Volk fragt uns vielmehr, weshalb es weitcM hungern und frieren muß, nachdem es die Maffeis niedergelegt hat. Wir haben ein Recht und einet? Anspruch auf Frieden. Auch besiegt haben wir ein Recht, stolz darauf zu sein, Deutsche zu sein, und dieser Stolz muß uns durch alle Leiden: führen u. emporführen. (Beifall bei der Melwheit.)
Abg. von Graefe (deutsch-national): Graf Posa- dowsby hat treffend nachgewiesen, dag die Bezeichnung „Waffenstillstand" geradezu ein Hohn ist für den Zustand der tatsächlichen Unterwerfung, der damit gemeint ist. Bedauerlich ist, daß der Vertreter der Regierung gestern die WaffenstiLstandsbedingun- gen in einem Ton vortrug, in dem nichts zu merken war von dem Zorn, der das ganze Volk durchzittert. Wir lehnen jedenfalls die Verantwortung für das Abkommen ab.
Ministerpräsident Scheidemann wendet sich gegen die Ausführungeu des Herrn von Graefe und wirst ihm vor, daß er gesprochen habe, wie wenn wir noch in den Zeiten lebten, da er und seine Freunde die wüstesten Kriegsreden gehalten haben.
Reichsminister Grzberger bedauett, daß er gestern bei Verlesung der neuen Waffenstillstandsbedin- gungen nicht Töne des Zornes gefunden habe. Jur Rechten gewandt: Sie haben hier kein Recht, Anklage zu erheben, denn Sie sind die Schuldigen, die das Volk ins Unglück geführt haben.
Abg. Haase (U. S.): (Es wird immer noch viel zu sehr mit dem Säbel geraffelt. Das Volk in seiner Maffe aber will den Frieden.
Abg. Dr. Stresemann (D. Dp.): Der Kern der llnterpellatton ist nicht der „Weg mit Lrzberger!", sondern nur Unterstellung des Vorsitzenden der Waffen stlllstandskommiision unter das auswärtige Amt.
Reichsminister Dr. David: Das Schlimme an der heutigen Interpellation ist, daß sie von den Männern ausgeht, die die Schuld an unserem ganzen Jammer trifft. Wenn draußen der Eindruck ecweckt würde, daß Sie (zur Rechten gewandt) noch einen maßgebenden Einfluß haben, so könnte uns das in der Weltpsychologie außerordentlich schaden.
Schluß Uhr.
Nächste Sitzung: Mittwoch 2 Uhr nachm.
Der RkichSverfvssungKfNlivurf
Berlin, 18. Febr. (Priv.-Tel.) Wie wir hören, wird die zweite Lesung des abgeänderten Verfassungsentwurfs lwute im Staalenausschuß vorgenommen mtd voraussichtlich heute, redenjcllls aber morgen beendet
werben. Es steht zu erwarten, baß der Ent- luurf Gilbe der Woche der Nationalversamm lung zugehen wird. Wie wir zuverlässig hören, wirb die Waffenstillstandskommission auch künftig nicht dem Auswärtigen Amt unterstellt werden, jedvck) hat sich der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Graf Brockdorff- Rantzau, die Oberleitung über bie Verband lungen Vorbehalten. In allen entscheidenden Fragen wird natürlich die Nationalversammlung befragt werden.
Das kommende Waffenstillstand»- abkommen.
Paris, 17. Febr. (WTB.) Havas. Diplomatisch«' Situationsbericht. Foch erklärte am Montag, Deutschland werde eine Militärmacht von 25 000 Mann zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung besitzen dürfen. Alles Kriegsgerät soll mit der Kriegsindustrie der Entente unterstell! werden.
Amsterdam, 16. Febr. (WB.) Einem hio- sigen Blatte zufolge meldet der ftorreflwnbcnt ber „T i m es" aus Paris, man werbe von Dorisch taub fordern, baß es an bie Alliierten bas gesamte jbriegsgerät auslie ert, bas nicht von einem auf 25—35 Divisionen herabgesetzten Heer benötigt wirb. Vor der Ausftihrung dieser Sellin i mang wird die Besetzung Essens unb bet Marinearsenale für nohvenbig erachtet. Im Hinblick aber auf ben Völkerbund sei es unnötig, die deutschen Schiffe unter die Alliierten zu verteilen. Es steht beinahe fest, baß die deutsche Flotte als altes Eisen verkauft wirb.
Wilsontz Völkerbund.
Washington, 18. Febr. (WB.) Havas. Präsident Wilson telegraphierte von Bord des Dampfers „George Washington" an bas Komitee für auswärtige ^lngelegenheften des Repräsen- tantenhauses bezüglich ber vorläufigen Einführung des Völkerbimdes: Das Komitee, welches die Artikel bes Bunbes redigieren wird, wird tatsächlich bie ganze Welt vertreten. Die Vertreter.Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Japans, Rumäniens, der Tschecho- Slowakei, Polens, Brasiliens imt Portugals nahmen tätigen Anteil an ben De- batten unb trugen mit zum Zustandekommen bet Konvention bei. Es wurde fein Artikel angenommen, ohne vorher Gegenstand etneebenber Prüfung eines jeden Mitgliedes des Komitees gewesen zu sein. Jeder Arttfel enthält in seiner Form einen genügenden unb guten Dasernsgrunb. Ich ersuche um bie Erlaubnis, mit Ihnen Artikel für Artikel bes Völkerbundplanes zu prüfen, bevor er öffentlich besprochen wirb. Deshalb möchte ich, daß Sie zu einem Diner im Weißen Hause erscheinen, sobald es die Erledigung meiner Aufgaben nach meiner Ankunft in den Vereinigten Staaten ermöglicht.
Man glaubt, baß Präsident Wilson die Mit- glicber des Hauses am 26. Februar versammeln wirb.
Der dentsche Besitz in China beschlagnahmt.
Amsterdam, 18. Febr. (WB.) Die „Times* meldet aus Shanghai, daß der gesamte deutsche Besitz in China beschlagnahmt worden ist.
Die Wahlen in Deutsch-Oesterreich.
Wien, 18. Febr. (WTB.) Korr.-Bur Das endgültige amtliche Ergebnis der Wahlen liegt noch nicht vor, da aus einzelnen Bezirken die Wahlresultate fehlen, doch wird in unterrichteten Kreisen nach den bisherigen Meldungen folgendes Gesamtergebnis erwartet: 75 Sozialdemokraten, 63 Christ lich-Soziale, 22 Deutsch-Freiheitliche, ein Tscheche, 1 Jüdisch-Nationaler.
Die tage im Nuhrcebiet.
Berlin, 18. Febr. (Priv.-Tel.) Die Lage int Ruhrkohlenrevier hat sich wesentlich gebessert. Die Nachrichten über das Zu' rückschlagen der Regierungstruvpeii bestätigen sich nicht, im Gegenteil sind die Regie- r un gs trupp en fast überall im Fortschreiten. Es ist damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit im Ruhrrevier überall wieder Ruhe eintrcten wird.
Elberfeld, 18. Febr. (WTB.) Die Eisenbahndirektion wurde von den Spartakisten gestürmt und besetzt.
Die Unruhen in Bayern.
Nürnberg, 18. Febr. (WTB.) Seit gestern trat ein Umschwung in ber Lage ein. Im Laufe, bcs Nachmittags würbe bas Generalkommmtbo von ber am Sonntag eingebrungenen Solbateskc befreit. Die Einbringlinge hatten bort in vanba- listischer Weise gehaust. Sämtliche Mten unb Schriften über Unterstützung ber Kriegsverstümmelten liegen zerrisseit am Bobcn. Unterstützrmge- gelbcr in Höhe von 68 000 Mk. finb verschwunden
Gestern abenb fanben zwischen ben 11 nab hängigen und ben Mehrhcitssozial' sten Verhanblungen statt. Die Führer er klärten, baß es ihnen ferngelegen habe, einen Putsch zu veranstalten, bestritten aber nicht, bei Unabhängige ben Putsch unterstützt hätten imb nicht zurückgeschreckt waren, Arbeiterblut zu ver gießen. Die auf heute vormittag einberufenc Massenproteftverfammlung war von Zehntaiisenben aus allen Sck)ichten ber 9fümbcrser Emwohnerschast besucht. In ben Fabrik«« steA ton bie Arbeiter unb Angestellten zum Zeichen des Protestes bie Arbeit ein. Die Demonstranten wgen in geordnetem Zuge nach bem General^ kommanbo unb protestierten gegen bat frevel-- haften Putsch.


