Ausgabe 
18.8.1919
 
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Erster Blatt

169. Jahrgang

Montag, 18. August 1919

BietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Zwillingrrundvnick u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Such- u. Steinbruderei R. Lange. Schriftleitung, Sefchäftsftelle u. Druckerei: Schulstr. I.

Annahme von Anzeigen s. die iageJiumunct biu zuin Nachmiliog vorher vhnejcdeBervii'dlichkcit Preis fflt 1 mm Hohe für Anzeigen v.34mmBrett' örtlich 15 Ui. auswärts 18 yf., für Reklame- anzeigen von 70 mm Brette 48 Pf. Bei Pich;- vorttlwin20" Anschlag. Hauptschrittleiter: Artg. Goey. Pcrantwortlich für Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den K2liijCiflenicil: i>. Beck; fämtllch ui Gießen

ixljvje. »iwn

vievorgängevorderAb-ankuno der Kaifers.

Nach der Veröffentlichung der Darstel­lungen des Prinzen Max liefert nun der frühere Unterstaatssekretär Wahnschaffe in einem der Allgemeinheit übergebenen Briefe, den er am 2. August dieses Jahres an derr Ministerialdirektor Dr. Simons gerichtet hat, noch eine Ergänzung, die im allgemeinen den prinzlichen Standpunkt stützt. Bemerkenswert ist, daß die Herren der Regierung einiger- maßen aufgebracht darüber waren, daß der Kaiser in den kritischsten Tagen nicht in Berlin anwesend war, sondern ins Haupt­quartier ab reiste. Es ist freilich nicht ver- ivundcrlich, daß der Monarch in den schwer­sten Stunden seine? Lebens auch bei den ihm treu ergebenen führenden Generalen Rat und Stütze suchte, und diese Formte er nur am Orte ihrer Tätigkeit finden, wo über­haupt auch die militärische Sachlage erst recht überblickt werden konitte. Es ist ja be­kannt, daß der Kaiser dort eine Art Kronrat obhielt, wobei nicht nur Herr v. Hintze als Ver­treter des Kanzlers mitwirkte, sondern auch weitere erprobte Generale des Feldheeres ge­hört wurden. Im übrigen ist es auch nach den jetzt an uns vorubergegangenen ver­schiedenen Veröffentlichungen noch ganz und gar nicht möglich, zu urteilen, was richtig und was falsch gewesen wäre. Wahnschasfe selbst stellt fest, bis zum 7. dkovember seien oie bürgerlichen Mitglieder des Kabinetts nod) in ihrer Mehrheit ge^en die Abdan­kung gewesen und fährt dann "fort:Am 8. November hielten sie unter dem Eindruck der Nachrichten über die weitere Ausdehnung der Revolution ganz überwiegend den Schritt für notwendig." Der Mvnarch konnte, wie Wahnfchaffe schreibt, die Abdan­kung mit seinem Pflichtgefühl nicht verein­baren,solange er nach dem Urteil seiner mili­tärischen Ratgeber noch glauben konnte, daß et ihm möglich sei, mit der Armee die Ord­nung in der Heimat wiederherzustellen". Daß die Revolution möglichst hätte verhindert wer­den müssen, war ja auch wohl die Meinung des Prinzen Max, der von der schnellen Ab­dankung des Kaisers sich für die Rettung der Monarchie noch etwas versprach. Auch Wahn­schaffe teilte diese Auffassung. Wir glauben aber nicht, daß der Umsturz durch die schnel­lere Abdankung irgendwie andere, gelindere Formen angenommen hätte: bis zum 7. No­vember war ja das Kabinett noch gegen die Abdankung. Maßgebend war und wurde schließlich die Oberste Heeresleitung, die zur Ueberzeugnng kam, daß die Front­truppen für die Niederschlagung von Un­ruhen in dec Heimat nicht mehr hinter dem Kaiser ständen. Sehr interessant ist Wahnschaffes Mitteilung, daß Generaloberst v. Linsingen am 7. November im Zim­mer des Reichslanzlers die Frage Wcchn- schasfes, ob er sicher sei, Berlin zu halten, mit Bestimmtheit bejaht habe. Linsingen fügte hinzu, er habe nicht viel, aber sehr Sirte Truppen. Allerdings würde er unter mständen scharf zu fassen und auch Ar­tillerie anwenden müssen.

Daß im übrigen der Kaiser sich keines­wegs mit Herz und Hand den militärischen Führern verschrieben hatte, geht aus neuesten Veröffentlichungen Tirpitzens und Ludendorffs hervor.

(Sin holländisches Blatt veröffentlicht ans Briefen des Admirals v. Tirpitz Bruchstücke, woraus wir einiges entnehmen wollen.

Am 20. November 1917 schreibt der Großadmiral:

Wie gestern schon gedacht, bin ich beute ge­kreuzigt worden, gleich ganz trornciocg mit dem Eisernen Kren; 1. Klasse. Es machte mir kein Vergnügen, und ich konnte, es mir nicht ver­sagen, Stüter Majestät zu bemerken, daß ich es nickst verdient hätte. Darauf entmortete et: Keiner von uns allen bat es hier in Charleville verdient."

Auch folgender Brief ist sehr interessant: Für ein solches Unternehmen, wie eine Ein­ladung Roosevelts ins Große Haupt- anartier (die von Tirpitz vovgesckLagen .v-urde), ist unsere leitende Kaste zu steif. So unfähige Di­plomaten bat es noch nicht gegeben."

Am Neujahrstag 1915 schreibt Tirpitz: Es ist eine Eigentüml ich keil» des Kaisers, daß er keine Beschlüsse zu fassen oder Berannvortung zu tragen wünscht."

Aus Charleville vom 6. Februar:

Das Böse an der U-Bootgeschichte ist, daß wir nicht genügend U-Boote haben. Daran ob an der Art, wie wir an fangen, nämlich mit Fanfaren unb Bedrohung n gegen die Neutralen, tagt die böse Seite der Sache. Ich komtle heute Müller schwarz auf weiß beweisen, daß ich einen oberen Weg habe einschlagen wollen, den Pohl dann ablehnte. Spater machte er dann die Sackte Allein mit dem Kaiser. Der Kaiser und Müller i®tb deswegen wütend über Pohl. Mer ich bin I «reits der Heveiugefallene dabei, weil irr U Boot- tneg durch mein Gespräch mit Wiegand mit I

meinem Namen verbunden ist, und man wird meinen, daß ich der Ausführende dabei bin. Ich habe Müller gefragt, nur mein Baterlandsgesühl verhindert, daß ich meinen Abschied nehme, aber nach dem Kriege werde ich das natürlich tun."

Aus L u d c n d o r f s s Erinnerungen tei­len einige Blätter bereits folgendes mit:

lieber seinen eigenen Sturz sprickst Ludenborff ausführlich. Nach! dem Eingang der zrtolen Note Wilsons 'and bekanntlich üt Berlin die große Kabincttsfritzung .statt, in der Ludendorsf für die Organisation eines neuen nationalen Widerstandes wirkte. Es schien audi zwei Tage lang so, als vb der Krieg weitergeführt werden sollte. H i n d e n- bura erließ einen Armeebefehl, der sich in schärfster Weise gegen Wilson ansspr-och. Neber diesen ArmeebefclL ist Ludendorff nad) seiner Darstellung letzten Endes gestürzt. Der Kaiser spl'ach fid,i ihm am 19. Oktober gegen diesen Armee­befehl aus, Ludendorff fühlte, daß er das Kaiser liche Vertrauen verloren hatte unb bat um seine Entlassung. Ter Kaiser gewahrte sie ihm mit den Worten:Ihr Abgang ttxirb mir ermögLichen, mir mit Hilfe der Sozialdemokraten ein neues Reich zu schaffen." Ludendorff ging vorn Kaiser zu Hür­denburg, dem er sagte:In vierzehn Tagen wer­den wir keinen Kaiser mehr hoben."

Vie zrage der Staatrgerichtrhofcr.

Berlin, 16. Ang. Ter Berfassungs- ausschuß der Nationalversammlung hot die Regierungsvorlage auf Errichtung eines Staatsgerichtshofes abge- lehnt. Tiefe bedeutsame Talstrchc wird durch folgenden etwas diplomatischen Bericht der Oeffsnt- lidnßrit nritgeteüt:

Ter VerfassungsauSschuß der Natikmolver- sammlung trat am Samstag zur Beratung des Entwurfes über die Errichtung eines Staatsgc-- richtshofes zusannnen. Ter Vvrsitzonde Abg. Hausmann (DemI, svwie drc Abg. Dr. Spahn (Str.), Dr. Sinzheimer (Soz.) und Petersen (Dem.) regten arn, einen Unter­suchung s auSschu ß nach Artikel 34- der Ber- »g durch die Nationalversammlung einsetzvn sen und die Staatsregieruny zu ersuchen, eine Vm'lage auf Errickstmig nicht eines außer­ordentlichen, sondern eines ordentlichen Staatsgerich-tshosts nach Art-fei .108 ter. Br" faffung mvglidO rasch einzusetzeu Es ivurde ebt Unterausschuß gebildet, der bis Montag einen nufierten Antrag ausarberten und Vorlagen

Tie AnLündigllug Schoitonamrs im Junr auf

Einsetzung eines .StaatSzerichtsljofes rid^cte da­mals Üjre Spitze ganz arrsdrücklich gegen Lu­de n d o r f s. Äon einem außerordentlickien, für ehren bestimmten Fall gÄmchre-n Geiickstshof die Parteien jetzt nichts mehr nxiffett, wohl aber soll ein ordentlicher Staatsgericht s- bof für die allgemeinen Fragen der Kriegsursache und des Kriegsverlaufs sck'ilku- rrigft errichtet werden. MS ixtijlnt svll ein Unter- suckungsousschiuß der sikattonalversammluirg zur Erledigung dringender Angelegenheiten dienen.

Achnliche Enq uetefom im fHonen ha­ben in der englischien Geschichte eine oft frcgcnsrcicke Rolle gespielt und sich als ein wirk­sames Mittel gezeigt, polilifden ZusammenhÄrgon mit Erfolg nachzugetor und die Verk-.mpsnng oon Ursachen und Wirkung mit wEender Anerkcn- mrng der bistorisdien Walwlxüt jlestzustelleu. Tie Einsetzung eines solchen Ausschusses ist daher zu begrüßen. S

Herabsetzung der «ohienlieserung an die (Entente?

Berlin, 16. Aug. TieDeutsche Allg. Ztg." meldet: Bekanntlich hat Deutschland dre Verpstichttrug übernommen, bis zu 4 0 Mil­lionen Tannen Kahlen an den Verband zu liefern. Mrhandlungen, die in der letzten Zeit mit der Entente über die Kohlenlieferung geführt worden sind, haben zu einer Ermäyigung dieser Fordernn g der Entente geführt. Wie Reichswirtschastsrninister Schmidt in der Na­tionalversammlung mitteilte, ist die Forderung der Entente von 40 Millionen auf 21 herab­gesetzt worden.

Berlin, 16. Aug. (W. B.) Die in Ber­liner Blättern gebrachte Meldung von einer an­geblichen Hmabsetzung der an die Entente zu liefernden Kohlcnmenge ist offenbar von einem Teil der Presse missverstanden worden. Es ist selbstverständlich, daß die Vertreter der deutschen Regierung in Versailles unablässig ton übt, sind, gerade hi dieser für das deutsche Wirtschaftsleben so ungel-euer wichtigen Frage den Vertretern der Entente flar zu mactot, was seitens der deutschen Regierurrg mehrfach ausdrücklich betont tootbcu ist, daß näm­lich die in dem Friedensvertrag festgesetzte iähr- Iid)c Kohleuratr von Deutschland unmöglich ge­liefert wertot kann. Seitens der alliierten und assoziierten Regierungen ist jetzt auch eingesetot mortoi, daß Deutschland mindestens gegenwärtig das geforderte Quantum nicht liefern kann, unb es schweben zur Zeit naturgemäß sehr komplizierte Verhandlungen über ein für beide Teile annehm­bare Kompromiß, das es der deutschen Regie rutig ermöglichen soll, iwenigstens für die nächste Zeit durch Lieferung einer geringeren Rate die für die deutsche Heimat unbedingt notwendige Kohleumeug.' zu behalten. Die deutsck^e Regierung ist sich bewußt, daß die Kohlenuot auch in Frank­reich sehr ernst ist. Sic versucht daher zu einer I örintiaiTf zu kommen, die unsere dringende Not ­lage berücksichtigt und zugleich den Iweressen Iber (fkgirer bient. Die deutschen Vertreter spaelrn

hier, wie in allen fonfHgvn Verhandlungen, mit offenen Karten unb tun alles, um den Gcgucnm unsere Notlage völlig klar zu legen. Eine zahlenmüßigc Festlegung ist norf* nicht er­folgt und die Farderrrugeu, die die Gegner zur Zeit noch m Versailles erleben, bebrpto unser gesamtes Wirtschaftsleben immer noch mit den schwersten Gefahren. Selbst die in der B. Z. ge­machte Nachrickü oon enter Herabsetzung auf l-A Millionen Tannen würde keine Erleichterung lvedenten, da auch diese Menge unter den gegen­wärtigen Verhältnissen nicht geliefert werden kann und die schwersten Folgen für alle Verbraucher­kreise, Industrie unb Hausbrand, im kommen­den Winter unausbleiblich umreit. Es müßte da­her das oon der B. Z. berichtete Zugeständnis als völlig uiuurcidintb deutscherseits bezeichnet unb eine 'ux'itere Herabsctztutg der Lieferungen mit allen Mitteln erstrebt loerbcn. Tie m letzter Zeit in der Ocsfentlichkeit verbreiteten Hinweise auf die uns bevorstehenden Koblennöte würden auch bei der von der B. Z. bchcmpketen Lief rrmrgsm eng: ihre volle Berechttgung behalten, so daß vor Hoff­nungen auf eine Erleichterung nicht dringend ge­nug genxirnt werben fann. Bon irgend einetn Verl-alten der Entente, die als Nachgiebigkeit g> genübcr den FriedensbediugungOi angesel)cn wer- den komtte, ist dato bisher nichts festzustellen. Eine verttünfttgc Basis für befriedigend: Ver­handlungen ist nur bann gegeben, wenn die deut­schen Kohlenbergwerke tljre Förderung ganz erheb­lich steigern und es so unteren Vertretern in Ver­sailles ermöglichen, durch das Angebot einer einigermaßen beträchtlichen Kohlenmenge die Mil­derung anderer Bedingungen zu versucheii. Tte Ereignisse der letzten Zeit, besonders in den Kohlen­bezirken, haben mit erfdirectenbee Deutlichkeit ge­zeigt, daß die deutschen Arbeiter selbst am meisten darunter leiden, wenn sic durch fortgesetzte Streiks das gesamte deutsche Wirtschaftsleben ruinieren irrtb dem Tcutschen Reiche das zur Zeit einzige Mittel zu Kompvomißoerl-andlungen mit der Entente nehmen.

Die deutschen Kriegsgefangenen in Italien.

Sämtliche deutsche Kriegsgefangene in italienischer Hand sind in Florenz zum Ab t r ansp0 r t in die Heimat berettge» st e l lk. GS. hanoett sich im'ganzen um 364 Mann. Der Abtransport wird voraussichtlich in aller Kurze erfolgen.

Rückkehr der deutschen Kriegdgesangenen aus Serbien.

Wien, 1^7. Aug. (Wolff.) Nach Mittei­lung von gut unterrichteter Seite sollen alle deutschen Kriegsgefangenen in Serbien binnen kurzer Zeit in die Heimat entlassen werden. Der Abtransport aus Ser­bien werde voraussichtlich am 23. A u g u st be­ginnen.

Deutschlands Unterernährung.

Amsterdam, 16. Aug. (Wolff.) Eng­lischen Blättern vom 14. August zufolge be­richtete Professor Starling von der Lon­doner Universität über seine Reise durch Deutschland, die deutschen Kinder seien seit 1916 unterernährt. Er hoffe jedoch, daß eine beträchtliche Zahl wicderhergeftellt werde, wenn Deutschland Kredite erhalte, um Lebensmittel zu kaufen. Dies sei der Angel­punkt der ganzen Lage in Deutschland. Jeder Liter Milch, den man Deutschland nehme, be­deute die Tötung eines Kindes. Er schlägt vor, daß ein oberster Wirtschaftsrat gebildet wird, in dem auch Deutschland vertreten sein soll.

Die Erhaltung der deutschen Krieger­gräber in Frankreich.

Nad» den ortsgesetzlickren Bestimmungen in vtzlcn Gemeinden Frankreichs dürfen Gräber V» veits mich fünf J<ch-rvn neu belegt werden. Um zu verlstudern, daß diese Bcstimmimgeu Mich für die deutschen Kriegergräber angewandt werden, war die französische Maffensttllst<rnd?lvmmis ion gebeten worden, die Gräber der deutsd-cn Krieger oar dieser Neubelegung zu bewahren, damit die Mög­lichkeit bestehen bleibe, später die Leichen der Ver- ftorEvnen heimzu führen ober die Grstto zu besu- dien. Die französische Kommission bat daraufhin am 14. Juli 1919 die Erklärung abgegeben, daß dre obenerwähnten orts gesetzlichen Bcsttrnmuugm für die deutschen Kriegergräber nicht arrgewend.'t nrifcen würden.

Amerikanischer Senat und Bälterbniid

Amsterdam, 16. August. (Wolff.) Der Mauckrester Guardian" meldet aus Washington, daß eine zuverlässige Schätzung der Stimmen­verteilung im nmcritanifdxn Senate ergebe, daß 41 Senatoren für die vorbehaltlose Annahme des Völkerbundes und des- rieben <? ivrtra ged sind. 31 Senatoren fütb unbedingt dagegen, wenn nickst einschneidende Acnderungen vorgenommen werden, lieber die Ansichten von 2 t Senatoren bezüglich der von ibn n gewünschten Vorbehalt: ober Auslegungen herrscht Unflarl). : Jür die diatifiratioii sind 64 Stimmen nottv-iibig.

A m ß e r dam , 16. Augrist. (Wvlsf.) Laut Pressebureau Radio wird Präsident Wilson den Aiissckmß für aiiöivärtigc Ängistegmh.iten näclstlen Dienstag im Weißen HanS cm.fangen und auf die Eiuzelhnteu bei 5 r i e i> c 1: ö v c r t r a gc 8 so weit cir*tr:hen. als von ihm verlangt wirb. Es

ließ durch seinen Sekretär erklären, daß auch er cs vorziehc, daß die Qesfentlichkeit ü -er sämtlich' Auskünfte über beit Friedcnsvettrag, die er über­haupt erteilen kann, erhält.

Der oberste Rat und Rumänien.

Paris, 16. Aug. (Wolfs.) Reuter. Tie Au tw0 r t des Obersten Rates an R uin<i- nien wurde gestern abgesaudt. Sie gibt der Erwartung Ausdruck, daß von jetzt ab die An- gelegenhcitcn in Budapest in haruwnisch>.'iu Zusammenwirken geregelt werden.

Paris. 17. Aug. cDolfs.) HavaS: Die En­tente toutivortetc die rumänische Note mit einer Note, nt der es beißt: Ohne auf die ciuzclnen Punkte zurückzukommeit, die nock» einer Richtigstellung bedürfen, nimmt die FriedeuSkonsc- rcnz mit Genugttiung von den Erttäruugen der rumänisckicit Regierung Kenntnis, in denen Ru­mänien sich bereit erklärt, in llcberciiiflimmuiig mit der durch die Friedenskonferenz biitsickstiich Ungarns sestgclegten Politik zu hanbeln. Ter Oberste Rat besteht ani der Fordenrng, daß gtgcii- wartig keine BeschlagualMe deS Kriegsmaterials, Eisenlmlmmatcrials, landwirtsck)astlid)er Geräte, des Viehstandes usw. stattsiudet. 0)emäß den Be­stimmungen der Kvuserein, die durck) alle alliierten und assoziierten Mächte angenommen wurden und die besonders Deutschland gegenüber anecwenb't wurden, ftcbcn die Bestimmungen der Wiebergut- ntaebung, die Ungarn zu leisten bat, unb die Ver­teilung an die alliierten Mäckste nur ben alliierten und assoziierten Mächten zu. Weder die nrmänische Armee noch die rumänische Regierung sind dazu ermäfbtigt, den Jttimänien zuiallcnten T il selbst zu bestimmen. Das gesantte Eigentum Ungarns ist ein allgemeines P fan b für1 bic bcrbüni beten Mächte.

Die «ruck'rrngarische Reg^erurig.

Budapest, 16. Aug. (Wolff.) Ungar. Korr.- Burenn. Verspätet cingetroffen. Äm Freitag mit­tag wurde die neue Regierung vom Veriveser, dem königlicheir Prinzen Josef, emantnt. Mi-isteiPräsi­dent wurde: Stefan Friedrich, Mimster des Aeußem: Martin L 0 v a s z y. Minister des In­nern : Baron Siegmwrd Perenv, Finaatz- nrinifter: Johann Grün, ZVriegsmiuister: Gein ral Franz S ch m etzer, Justizmtmster: Georg Baloghy, Ackerbaurninifter: Stefan <5$ abu, Kultus- unb Unterrichtsminister: Karl H us z ar.' Minister für Volkshygiene: ?lndreas Csrllcrh, Minister der nationalen Minoritäten. Jakob Ble 1) er. Zu Ministern ohne Portefeuille wurden ernannt: Stefan Haller und Johmrn Mayer. Mit der Vorbereitung zu den FrietenSverhMrd- Iungen wurde Minister ohne PortefeuiUe Graf Paul Telecky betraut. DaS Handelspvrtefduille, Ernährmtgsministeriniu und VolkSwohlsabrtSntint- steritrm sind noch nid>t besetzt. Die Mitglieder der neuen Regierrmg leisteten heute mittag vor deut Verweser, dem Tönüglidren Prinzen Josef, den "LlmtseU'. Nach der Eidesleistung bcgrüüte der Verweser die Mitglieder der neuen Regierung Unb forderte sie iUti Interesse des Vaterlandes zu aus­dauernder uub hialgebnngsvoller Ar tot auf.

Budapest, 16. Aug. (Wolff.' Zirr Kabi­nettsbildung Meldet das Ungarisckie Telcgi a- phifche .storr.-Bureau: Das eiustitolcir unbesetzte H a n d e l s p 0 r t efe u i l le hat tz-r piovisorischr Ministerpräsident Stefan Friedrich sel st ü" er- nonuncit. Den Ministern ohne Portefeuille wer­den folgende Ausgaben übertragen: Stefan Hal­ler wird die Propagandaangelegentoten leiten, Johann Mayer ist Minister der kleinen Land­wirte: außerbetit wurde ein neues Portefeuille für Angelegeirlxiten der industriellen Arbeiter errich­tet. Dieses Porteßniille ist noch nicht besetzt. Die Geschäfte des DolkSernährungsministoriunis wird bis zur Besetzung des PortefeuilleS to stollver- tretende Staatssekretär Bela Terfy leiten.

Budapest, 16. Aug. (Wolff.) Bei dem Ver­weser Prinzen Josef erschien eine sechsgkvd- rige Kommission der ungarlänbiftpen Deutschen, um Bürgschaften hinsickttlich der Autonomie des Teutsckitums zu erbitten. Der Prinz erklärte, bic neue Regierung werbe nach ihrer Konstituierimg cs als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachten, die Wünsche des Deutschtums der Nationalversammlung zu imtcrbrcitcn, um so ihre bercd)tigtcn Ansprüche sobald als möglich zu verwirklick)en.

Aus Rußland.

Amsterdam, 16. Aug. (Wolff.) Tic eng­lischen Blätter Vorn 14. melden, daß bic ameri­kanische Regierung eiligst ben znriiekkehr enden Truppen Koltschaks materielle Hilfe bringe.

Äon dem Departement empfangenen Nachricht ton zufolge soll die Macht L e n i it i im Alrnchmen begriffen sein Tie Lage in Moskau sei ernst. Biele Persoucn verlassen die Stadt.

Amsterdam, 16. Aua. (Wolff. - TieTi­mes", berichtet and Nenyork: Nachrichreu aus Washington zufolge hat die amerikanische Regic- rrntg den Vertretern Koltschaks bereits 260 Ö00 Gewelire ausgeliefert. Die für Kvltschak ^stimm­ten Waffen intbi Niunition *lüerbcn üleh-Wla'inoslok verschifft. Tie Lage in Wcstsivrrrcu soll äußerst kritisch sein.

JSwolSk» f,

Paris, 17. Ang. (Wolff.) Harnrs. Ter ehe­malige russiscki-' Bolschaftor in Paris unb Minister l^s Aenßern Jslvolski ist in Varis gestorben.

Alexander Petrowitsch I S n»o l S k i innbc am 18. März 1856 in Moskau geboren. 1888 wurde er zunächst offiziöser Vertreter, dann seit 1894 Minister-resident Rußlands arn Vatikan ; 1896 irmrde ec Gesandter in B lgrad und 1897 in Mün- d>en. wo er bis 1903 tätig war. Von Müml;en wurde er nad) Jtobenljagcn versetzt. Nach benr ©turt