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Aus tttt» Land.

Tiefen, den 17. Nov. 1919.

Eiugefchneit.

Ter Cfcn brenn! und üufeit, tfrt ift? ytaee 9Bdt ml EyS be^mörrt,

fo fjri&t ei in einem ter köAichen Sieber des SchäjerS Taphuis tim Anw SU»-. .

Wahrhaftig. id.m Hal man eie Well in der 9&n>?mbermitje fo dick mit Sdm« und Ets be* xuzfert gesehen, tote in diesem Jahre. Ter zweite Schneefall. der seil Fr-iüig nacht ununterbrochen die weirfjen leuch' en Hecken über Gieren nieder- rieseln licß. wirst alle Erfahrung der lebten Iahro Über bm öciufon. In einer Höhe txm 23 Zenn- metern hüllt der weifte flocktge Teppich Stadt und Land ein und ttxxj man selten sieht, das dürre Laub des noch nicht seiner Herrschaft entsetzlen Herbstes legt sich aur den Schnee des oortciii-ien Wint.rS. Schlimm ift dieser Lorwirucr für ben Landmann, der seine Karwsfeln noch in der Erde stecken Hot und fajLmm jux den S L) er. dem sie nun tut j ter nriängertcn Verseh ssperre nicht in den Keller geschasst werden können.

Aber für bie Jugend bedeutet die unerwartete Winter Herrlichkeit ri.ri Lust und Freude. Schon ehe dos Hockens?riesel am Zonntaa narf>mi;tag unter einem scharfen Nordost nacht', verwan­delten sich die Strassen Gfolßens in ein ausgi biges Vinterirortseld. Schlitten mit (nftigm Sch llen- geLut fuhren durch die Stvatzrn. Ja, Schrläufor trrlurfiten sich im W^ichbil) der etabt. Jeder Strabenhang wurde zur Nodel'.ahn für Buben und Mädrts. die tton der frischen Kälte zum ersten Mole toirixT rote Backen batten. Gm- iy'er machten den Vorspann am Rodel- sch'itten tjr-r Kinder bei der Fahrt um die An­lagen. E n «ganz m» brner mid wogemutiger Short» jüng r hotie nur seinen Rvdrtschl.tlen ein Pferd gespannt und sagte in frischem Tempo durch die verschneiten Alleen. Tas attermerftoürtrigrje Gc- sährt pasi rte aber am frühen Nachmiltag? die Ludwigstvoste? eine selbstkxwusü drri?ischauende Ziege, die mit einem Sack als S?hutzhülle ui einem Hrtzkas^en stand. wurde per Schl.tten von zwei glücklichen Sejxm durch den dicken Schnee der Ludw'geraste gezmien.

Tas Haupttpn-ttreiben entwickelte sich hinter dem Trieb am Eulenk'pf. Manckiler, der sich den Wog dorthin leicht machen wollte, wurde schwer enttäuscht, denn um Strom zu sparen, gab es die Straßenbahn aus, den steilen Anstieg der Sidv-r Straße zu nehmen und hatte die Ecke der Mollke- straße als Endpunkt erfLirt. B. eb nichts ül ttg als ein Sünnpien durch den hohen Schnee der Kaiier- Allee nach dein Turch-gan gslag r Schm aus der Lbihühe der neuen Kaiernen wurd? man für die Mühe emschädigt. Wunderbar entrollte sich das winterliche Landschaftsbi d vom Betzb'rg. den Kranz der Berge binüd r bi i zn n ß llaer Kovi und Hangelst.nn. Tie Walbbestände Haban den Sckmee in ihrem AÜrner k ausgesaneen und stele.» dunkelbraun »wlschen den Schn el'chen Dunkel, biaue Tön?, G au und Ortm'jlau b l ben das e n* tönigt Weiß und heben landschaftlich betonte Er­hebungen, wie die Burgen, die Kap lle des neuen Friedboss und später den Kirchturm von Wieseck plastisch hervor.

An den gebeizten Baracken des Durchgangs­lagers ist der Schnee auf den Tüchern zum Teil geschmolzen, in der kalten Lust haben sich an den Konten lustige Eiszapan g bildet, ganze & hange glitzernd n-brnirnander ausger ibt. Zn'ei Rihs- wehrangelLriae stieben auf fdmaut-enben Rossen unter den Bäumen dorfci, daß die Schne?brocken von den Husen ins Geäst g schleudert werden.

Hinter dem Lager bietet sich der unendlich trau­rige Anblick des hier verkommenden Wagnparks. Hunderte von Frldwagrm, d e den stharsen Brand der somm.-rsonne ausg^hol en haben, zermorschcn weiter ungenützt und zwecklos in Schnoenässe und Kälte.

Aber schm wird fröhliches Lachen laut, das vom Gulm^^ hcrübrik inqt. Gai^e Scharen von Duden und Mädclien ru'.ßhen aus ihren n ebrken ©dritten zu zweien und dreien zusamirengerückt ben kurzen Abhang hinunter D r fei: en B gleiter aus der lustigen Fahrt bat, legt sich bauck>'ings aus fentm Schütten und hat somit die Möglich» lichkeit, bi einem Fall srh mit dem unnnchtigsten Körperteil im rocitwn Schnee zu vergraben Ber- enr^lt sind auch Schneeschuhläufer vorhanden, die stolz bergab sausen.

Ter Hügel selbst aber liegt inmitten der Din- terlandschait in selt'amer Schönheit. Tie wenigen Tannen auf dem weißen Gipfel strecken ihre zer- riffenm schne beladen m Zweige in bi - Winde und der Kranz v-rn B.rckrn, der s inen Fuß in weitem Abstande umsäumt, träsjt noch volles braungelbs Laub. Man atmet eine reine, aber sckfarse Luft

In der Nacht fmft die Temperatur «och «r- hettich und weist 10,5 Grad auf, eine für diese Jahreszeit fast unbekannt? Eriche mmg. Trotzdem ist Tauwetter wahrschwnlich g-.ro.r.en. Wenn auch tximu der iSauerioort cii icbnriles Ende finden wird, so ift es doch erfreulich, daß ein Umschwung des Wen er s und Damit eine mi oere Temperatur unS von dem vorzeitigen Winter erlösen. zz.

Tie Vereinfachung im Poftbelrieb.

Eine Vereinfachung des Postbctrivchs wird be- kanntlich ,etzt mit besonderem Nachdruck a gstrebt Da-,u geh ren Mast rahmen wie d.r Freimochungs- zwaug, d.e Abschaffung des Bestel.ge.des usw. Von ,-eher war die Post ferner bemüht, möglichst wenig Sorten von Postwert pichen zu führen. Diese machen bei der Verrechnung und insbel andere bei Die Heber gab: bet Kasse jedesmal große Arbeit In der Neuordnung der Postgebühren werden deshalb nicht weniger als 10 Briesmarkensorten abgeschafft. Nicht weiter geführt werden solch? zu 2, 2*/,, 3, 7V,, 25, 35, 63 und 8J P»., sonne «yu 2 irnb 5 Mk tfe gibt künftig nur noch Frei- mar Jen zu 5, 10, 15, 20, 33, 40, 53 Pf-, zu 1 Mk., 1,25, 1,50, 2 50 unb 3 Mk. Bei ben sog. Ganzsachen ändert sich lediglich der Wert bei ausgedruckten Marke. Di« Zahl der bereit ru haltenden Drucksachen ändert sich dadurch nicht Nach wie vor werden Kartenbriese, Postkarten für das Inland unb für bas Ausland zu je zwei Wetten, zweierlei Postmnoeisungen, eine Rohr- postSatte und ein Rohrpostbri-sumschlag verkauft.

-lugcftcUtcu-Bcwcguiig in Gießen.

5>m der Arbeitsgemeinschaft der Angestellten Gießen wird uns geschrieben:

Tie techni'chen und kaufmännischen Angestrll- tm haben nunmelw den SchlichtungsauS- schuß um einen Schiedsspruch ersucht, da t* Arbeitgeber ohne Grundangabe nicht zu der aus 11. ds. Mts. Der« urbanen Kommis fonsvcrhnnd- lung erschienen sind. Beim S<Uick>tungsausi<friß ist von den Ang.'üeN en beantragt worden, den vorg legten Tarnhertrattsentwurf zum Schieds­spruch zu erh?bcn, sowie daß bereits erfolg t Kün- t/gtmgtn rückgängig gemacht wer Den. Ter ernste (SlxiEafter, ten die Bewegung angenommen hat, wird l^sfentlich recht bald durch ci ren beide Teile einigermasten befriedigenden Schiedsspruch bei- gelegt.

Gültige Lebensmittelmarken

für die Zeit vom 17. bis 23. November 1919.

Brot. 2300 Gramm Brot ober 1680 G amm Mehl. Brot fiilogr. 75 Pf Weizenbrotmchl f.Logt. 90 Pf. Weißbrot Kilogr. 1.0 > Mk W^ischäck<r- Wilh. Fleckenstnn, Wallkorstr 31 S. Katz, Neu­stadt 14, A. Teich?rt. Liebigstr. 69.

Butter Marke 47. 125 Gramm Kimstspcise- sett zu 1,65 Mk.

Fleisch. Wochenabschnitt 47 Metzger für Fr ernte: .(ta l F edler, Lan gra-Phi i.p Plai.

Nährmittel für November lin^etroffen. Nähere Bekanntmachung f Igt.

Zucker für November noch nicht einge- troffen.

Nährmittel und Zucker für Zngrzogene: M. Krug, Weflter Weg 65. K. Sorget, Wctzste.n. gaffe 15, K. Jeckel, Marburger Straße 25. Hch. Triefch, SclterSwcg 70, Joh. Bohe, Wel str. 7.

ZuckerfürstranketK. Borger, Wetzstcin- gasse 15.

Nährmittel für Kranke: A. Blum Ww., Steinstraße 78.

Mehl für Kranke: Kilogramm 1,16 Mk : Ehr. Bucker. Neustadt 55.

Nährmittel u Zucker für Fremde: H. F. Nassauer, Nenemv g 15.

Seife. Mark« für November 1919. Anteil 125 Gramm K.-2L-Selferipulver, p. Pfb. 90 Pf

** Kartoffel-Versorgung. Unter Aushebung der Bekanntmachung vom 13. b. Mts. wird bestimmt daß Jnl?a er von Winterkartosel- scheinen aus Händler Dienstag ben 18 b. M., vor­mittags von 912 Uhr und nachmittags von 25 Uhr, auf ben Bezirken Wochenkartofsel- marken für bie 4., 48 unb 49. Woche erhalten Soweit bie Scheine durch Hänbler bereite do'I beliefert sind, werben Marken nicht aus­gegeben. Inhaber von Kartoftelbezu.sschein.-n auf Lanbwirte erhalten feine Marken Nicht ober nur teilweise belieferte BezugSschnnr können aus bem Stöbt. Lebeusmittelaml, Rim­mer 12, in Wiirterllattviselscheine umgelauscht wer ben. Mit Ablauf des 20. b. Mts. verlieren dir Kattosfelbezugsch-ine ihre Gültigkeit unb dürfen durch Landwirte nicht mehr beliefert nx*rben 3. Personen, die roeber Winterkattosfelscheine noch Kattosfokbezugschente habni, haben am 14. unb 15 b. MtS Woclienkattosfelmark^'n erhalten , sie frf.immen daher am 18. d. MtS. keine Marken 4. Ti.- STodnttarti'fftlnwrlen sind mi: Bursts.alxn

(A, B, C ufto.J versehen. Je nach der cinge- gangenen Kattoffelmenge wird eine entsprechende Anzahl Buchstaben der jeweils laufenden Loche ^uig rufen wer.«:. Ter Aufruf er.ilgt durch 4k» tanntmadiunp in den Zettunf.en unb An diäge bei Den KattoNeltA wlcrn. 5. Sobald g nügend Sar- wft.ckn eintrcnen, werden auf säm.liche Winter- aiwNeUcheine gleichmLstige Teilljeserungen er­folgen.

** B uttermarken. Diejenigen Terfonen, welche ihre Dutter ma rken am Fre.tag den 14 und Samstag ben 15. November 1919 nicht alg-holt haben, wollen dieselben Dienstag den 18. ds. Mts. auf den zuständigen Bezirken in Empfang nehmen.

* Milchversorgung. Auf die auf V* Liter lautenden Milchmarken kann auch diese Woche keine Milch geliefert werden.

** Freiba n k. Dienstag, 18. Neoember, werden van 13 Uhr die Nrn. 3231 bis 3300 beliefert.

*

L. U LudwigS-Universi'ät Gießen Am Totensonntag, 23 No.e.aber feiert di« Lud- wigs-llniversi ät das Gedächtnis ihrerGe­sa l l e n e n Wie aus dem Lizeigcm il e.sichtlich, siiid dazu bif Angehöttgen der Ü* allenzn etngl i» den, bie ftch mit einer heim HauSverwaltzr des Bor- lesungsgebäu es erf äl ti?hen Platzä e ter eben müssen. W i ere E nladuug n konnten Liber infolge Nanmmcnjib nicht ergehen.

* Zur HanbelSka mmerwa hl wird imS gimricben: Tie Vertretung des WaKberech- t:g en kann nur durch ei len für ihn im Handr-lS- iTg fter cm ^tra -men Por-ku i en cb.*r, wenn ein x Liter nW uotb rtixm ist. durch einen w ll öh ig n t ufrrä.L i djen ober techni ck-e i A gltrUtim stti es Geicl^fts erstlgn: ter An^estrll.e betarf dazu schristlichkt $e.Lünarf)t. Pervnen, die unter Vor­mundschaft oder Pflog ch f. s^e'.-en, fotrtc juri i che Personen, Ge e.lschaf^n und Genossen f'frf en kön­nen ihr Wahlrecht nur durch einen Vertreter aus­üben. Denn der Ste'lp.rttetcr zur Vertretung des DaUberechliglen frafi Ge.eres ermächtigt in lV' nund, persönlich hastender tzfosellsckinf.er, Dor- slani^milglieb), bebari es einer V» llinacht nicht. Wal-lberechtige Frauen üben tljt Wahliecht per­sönlich oder durch einen Vertreter aus.

** Gin Verbot der unwirtschast- lichenBenutzung derEisonbahngüter- wagen hat der Noichs-erkehrsminister crlaifen. Wenn Wagen von der Eisenl-ahn zur Beorderung bestimmter Güter gefielt sind, so dürfen iic nirfj? olme Einverfiändn s der Gifonca'm zur Verladung anderer Güter verwendet nxT.en. Eben'owenig Dürfen Wazen, Die be aben cingegangen sind, nach der Ent a)ung ohne E.nverftändnis ter E senbalm wieder belade-' werden Auch bi? Au l ee.ung von Gütern zur Be.öcderung mit dec Eisenbahn wird unter Stra e gef eilt, so ern die Grenba-jn durch öffentliche Bekanntmachung die Be örderung dieser Güter mit der Eiseliba m a s irn öf entlichen Ver­kehr unju'ä fig bezeichnet hat Die Stra en gelen bis zu Ge.ängnis bis zu einem Jahr« und G^-ld- strafe bis zu fünfzehntausend Mark oder einer dieser Stra en. Außerdem kann auf Ginziebung der Gegenstände, auf Di« sich Die strafbare Handlung bcjielrt, erkannt werden, gleichviel ob sie dem Tatet gehören ober nicht Die Verordnung grünM fick, aur die Bechgnifse, die vom Reichsininisteriuni für wirtscha tl che Demobilmackncng auf Den Reichs- vcrkehrsmiiii.ter über gegangen sind.

** Briese nach den Vereinigten Staaten von Amerika und witor gehen im allgemeinen über Gnglajtb Sie werben aber auch am 21. Nooeniber aus Rott rdam, am 27 aus Kopenhagen, am 4 Dezember aus Kop?n Hagen und am 5. aus Rotterdam befördert. Die Tampser nehmen alle !Smdun^en mit, bie brei Tage vorher bei ben AuslandsiteLen her Post in Emmettch unb Hamburg eingehen. Sonst geh^n bamit auch Briesse chungen mit einem Lei vermerk wiemit direktem Dampier", die sonst unmittelbar von Hamburg ober Bremen nach Neuyork be* förbert werden, die England nid)t anlauieu. Nach Sübanrerifa werden aurrr englischen auch italie- nifdr und nied rlänbisd-e Dampfer benuhl aus Genua am 25 und 27. November, a d Amsterdam am 3 Dezench.r zuletzt von Fi: in ff utt 12.22 nach­mittags, am 2d und 25. November, von Ober­bau,en 8.41 vormittags am 1. Dezember.

"DieEisernen Kreuz« der Gefan­genen. Die Eisernen Kreu;e sind un e en (Sc­angenen in Feindes and meist abgenomm m wor­den. Es gehen jetzt bei ber Gx'ne.a!»Orbens Kom­mission in großer Zahl Anträge von militari chen Dienststellen auf Ersatz der Kreuze ein. Die Ge­suche entbehren ab.T m vielen Fällen des Nach­

weises b«6 rechtmäßigen Besitzes ber Auszeit irung. Als einzige Unterlage ist häufig nur die eidesstattliche Versicherung der Antragsteller ge­geben. daß ihnen bas Kreuz bei ber Gefangen» nähme abgenommen sei. Es ist aber notwendig, daß bem Anträge das Befitzzeumis, ein Stamm» rollcnauSzug ober eine Bescheinigung bes Trup­penteils über bi« Rechtmä'>gkeit des Anspruches beigefügt wird Ist bie Beibringung keines btefer Ausioerse möglich, so beoari es unbedingt bet Angabe, wann und bei welchem Truppenteile du Auszeichnung erworben ist. Nur dann tonnen Du Anträge Den jetzt zuständigen Dienststellen zui Nachprüfung zugeleitek werben. Ter R-?ichswebr» minutcr hat auBcrbem noch darauf hingeunefen, daß der unentgeltliche Ersatz E i.rner ÄTi-u e nut dann erfolgen kann, wenn bieieiben roäbrrnb bei Feldzuges ahne Verschulden ber ÖGie^ncn in Verlust geraten sind.

* Tas Hotel Grobherzog von Hefte« ist in bie Hanb des Herrn Marl Schneider über» gegangen. Die allgemeine Eröffnungsfeier ber nen unb schön bergendjteten Röumr des Wem» nnt Speifrreitaurantf fand gestern flott.

** TeutschlanbS Finan zen. Ueber diese- Thema wird in einem ö ieiulidjtn Bott rag Mittwoch abends 8 Uhr, im großen Sa le drs HotelG nborn" Finanzmüiftster Henttchs-Darm. Habt iprcdkiL

** Der Verein ber Deutschen De» rnokrati scheu Partei vrranstal et Pdittwoch» abenbe 8 Uhr, im Hotel Großl^rzog eine Mit» gliederveesammluiig, in der Iustizrat Grüne- wa l d (M.d. N.-B.) Mitteilungen au8 bei Na« tionalVersammlung madm wird

* Die Bürger-Gesellschaft Gießen (1864 geprünbet) latte ihre Mittztteder za ihrcm 5 5. Stiftungsieste aus gei;cm nachmittag ins Hotel Einhorn eingelaDen. Ein reichhaltiges Programm hatte auf bie oerid) ebenen Dardictua« gen Musikvorträge, Tmiz. Verlosung u a. aufmerksam gemacht. An dieser Stelle Id einiges über ben muii.ä.ndpn Teil ge agt . AuS ührrn.'e waren das Duo-titreidMuartett des Crcbefter- vereinS, dec unter Leitung von Herrn Musiklehrei Gernhardt stehende Gemischte Chor unb Männer» und Fraucnchor der Bürgerjefdlfdiait und Frau Swotte-Frey. StreidMuar'ettr (Beethoven mid LandM, gemischte Elö.e von Mücken Abt und Mendelssohn, Frauenchö e Sieber für Sopran unb Streichquartette Schumann, Grieg, Wolf), eine Romanze für Violine (Beethoven), Sopranlieder mit Z t her Leg e.tung cHi.bach, Bohm), VolkSivcisen, Likder zur Saut« wem hätte da nicht die eine ober ander» bteh»r zahlreich« Tarb etungen etwas zu fa ,c r vermocht? Die GMV. sind trotz ter 5 äljngcn Pauledie Fraue-ustimmen überwiegen alerbingd etwas gut geschult und fingen, von kleinen DewnierungSmomenten ab­gesehen, rein. Für bas ernsthafte Bestre­ben des Dirigenten sprich: es, daß er Den nicht leichtenBrautchor"' aus WagnerSLohen» grin" von seinem Ehor fingen ließ Tas Zu- .ammmfpiel des Streichguartetts war flott unb einheitlich unb gewann wählend ber zweiten Num­mer auch an Sauberkeit. AlS Solistin war Frau S ch o 11 e - F r e y gewoimen worlen, beren hl ute etwas Ptjricrcnbe Summ» iDnuntnfdKnSlljng hat Der wie man sieht, abwechslungsreiche musikalische Teil würbe durch eine herzlich« Be­grüßungsansprache des Schlos.ermeisterS Marlin Dorr, d.S 1. Borfihenben brr Bürg<igrsr'.l cha't, unterbrochen Später erfuhr man auch, daß £>m D ö r r aui eine 40jährige Mitgliedicba ft im Verein, um ben ft sich große Verdienste er­worben bot und auf cm 3 0iähriges 'B r ä f i benteniubiläum u ü bl cf n Fann Er u u t« daher zum Ehre.ivorsitzcndeu ernannt una r.ich» (id) beschenkt Im weiteren Ver.auj« teJ Abends ianb eine Verlosung statt.

LanVkrdS Giktzen.

Bolksdochjchule.

** Wieseck, 17. Nov. In Vieleck fand ge­stern abend die Gcüiduug einer Volkshochschule statt. Dank dem taicrä.t gen Vorgehen von Plc. Sattler hat ber Geoauke Dort schnell Gestalt g> wonncn. Daß dieS in so großer Näh« der Gicß iu-r Volkebochschulc gcidwrb, ist bei beste B.ii^iS für ote Notlreiidigkeit unb Lebenskraft des Gedanff-nS. Io den näheren Ausführungen gab Pir. Sattler «im äuferst lebend ge Darstel.ung ber bantidk-n Banern- hochfchnle, betonte aber gleich, baß tn« Deutsd» Sdnvester ganz anberS, io grundverfchieben In Nur im Ziele einig, gehen beide verfchichene Weg. TaS Ziel ist ber Mensch, über ben Partei.n, üler bem Berus, über dem GlaubenSb Kenntnis, ber Mensch, der in der Heimat wurzelt, in ber engsten unb weitesten. Danach gliextt sich ber

(Siebener Sta-ttheater.

G' eßen, 15. November. Tlr WiWrntt.

Schlanspiel von Henrik I b s e n.

Tas Stück krankt daran, baß Ibsen s lbst keine Eteftlmq dazu genommtn Ixxt, ob das Postulat brr ftttlirben Forderung ober ber Le'ens üge allgemein St Bedeutung hab n soll. Er weicht ber Ent- rng aus unb zeigt «ns nur, wie bie betben etcr bi fer Seb nSQiiffirun en (Vr-go s D rle unb Ski ng am uiyiwnetrn DlneCt Hjalmar Ekbal berumer-perrnnntiEt. Ja, er gibt sogar diesen fanbmSeel nürz en" Dgenschv t n. di? ich mkvt mrbr als 5^o lm n chen g l en las e i können. Tetm Gregors Werl? ist ein wirklich»! 5b Liber Idealist, brr bie sittlich? Forderuni war j.i der Brusttasdu, aber nicht im Sinne Kants irn ethi­schen Bewußtsein trägt und baher oft nne e n? fio- möbiöi iurr wirkt und Rel big ist d i verbum­melte- Gk-nir, bas nur aus Zweckmäß gfdtSgrün» ben hand.lt. Schält nmi R kling scheinbar Ne-l», ha bas GrttTunrnt Hjalinar Edal miffl ürtl unb tra-nfdru Ausgang nimmt, so wirkt stier Ibsen mißoerständsich In Wahrheit T tbet er s l st in all seinen Ges llsckuiftsdra'nen an einem nicht nurakuten SReditid«ifenHtdfie.er" unb sucht bi« ideale Forbei-ung" unablässig rinzukas ic.en, wenn auch nicht bn so zahlungSunsähL,«!» Schuld­nern. irre £>)clmrr Ekd-'l

Tenn biefoi Götzrnbilb eines Adelsrnenschen ist tdnr 33eriönliih!.it. Re li g chrrafe isi tt ibn: Wenn er jemals Ansätze zu solchen Abnonnitäten 9'tolrt hat, där sie Ikriön iiwcü nennen, fo sind bie Wurz In mitfanti brn Fas rn schon in sein en srnabeniQlTcn gdht. Lth q r ri rt tmib n". Gt

3?brafc unb Selbnb tc br^u-1 e irTg Gt Anlaß zu rühridi en Trklama ionett.

Mill ftch r«rin drtei, vor sich und anderen zu ümmMClern. befonber* mit den Pbrveut bet fitt111(ta ^Forbepntg zu ichmppcleen. bie ihm ©regt»r Wett« entgeblaren bat. Hätte et auf an­dere Weise erfahret, daß seine Frau vor oa

Ehe dem Gr-ihbänd er Werl? an e'örte unö daß eine Batnschait an b-.*m Töchterchen H brvvT zwai- cl'xift ist, er hätte als tat,äd)Lidrr Geiwmngs- ' ump, ber er ist, m Anbetracht tx.-r Vorteile, dir er aus diesen Umständen zieht, sich ruhüg mit bat Tatsachen abgefunden. Cs ist ihm sogar martthlmut imongettehm, daß er den sittlich C-t- rüstetcn spiel.n muß Noch bei bem Op er'ode Hrd- wrgs, die des mruürbiiien 3Zaters Liebe sich zurück» gwinnen wA, idru ridert er erhabnen Schmerz und abermals dutraf eriiiert Re li:tg nüch ern und richtig:.steine dreiviertel Jahr und 51 i i-Hrdwig ist für ihn nichts andere; als ein schönes Dek a- mationsthana, dann feilen sie einmal sehen, n>te er sich einnnrMt m Nüintung un) in 5«ib|dx1oini- beruug unb in Mnl.-id mit sicht selbst".

CS sind alo btri Personen torfrtnben, die das L>ltanichauun-Ä)rama zur Kvmödic mit tra g:idrn Au solang werden lassen und das ei'entli.te Pvo'.4?m verdecken, statt herausheben. Wir be- taw-rn dL?s ton der Grundcinchlluun imfcrcr Zeit au4, di? bi« iittlidx Forderung lüxrfcr als je nnebrr erh.-bt und ihrettvf.len bie Kunst zu menich- vutselh.sckrn Tiani erm greifen[4, teren ein 8 *H*r 'n Unrnl-SG l'dckecht" kennen g lernt haben. Cs wäre ernt Fros?, ob man mit un eren Kräften ntdU Idiens ,,Brand" zur Aufführung bringen könnte, ber l>ei »einen FvrderiMArn den äußerÜen fiXmf auenKH für »ich wlbst nich: ausweLht.

. .Wildente", 1884 ettstmnls in Berlin auf» a-fütrt, bdxulct einen Sknberunft in Ibsens SdMinit, ba ber Realist zum er'.en Male bi« Hanclung durch «in vi k<entiges Svmch l finr- »uMlen fudtt, las auf fetx Per on und iiiuatwn leine Anwendung si eben kamt. In früb ren Dra­men. wieben Stü.ttt dar Ge ellichtft", hatte ha8 morsch. Schiff nur ri rbeutifxn Sinn. Hier ist es dauernd fo, wie die kleine He>v.g aus tn- fiirttioem GefÄl ct m< l t»n Gvc or

war. wie nmn er eiwas anhid meinte, als roo5 er sagte". DicS ift in DirEichkdt Ibens Ab,'ich«, aber im Drama wirkt dies irresÄpend, denn im

Wasen des Symbols liegt es. niemals dndeutig zu fern, und fo wird ber Kern der bid)tcriid>rn Absicht burd) bie shmboli che DLbente für tit masten Zubö er v t'tmid-, statt erb tlL

Di« Ausführung übertraf leHidjt Erwar­tung. Ibsen rid)>1 zur Geltung fbmmtn zu laifcn. erfordert ein fchtrfes Ersti sen der pivckfo b g^.sden Beinngtlieiten und bie t 3>>rauS etzung scheint bei dem Spielleiter bes 'Sbbends Adolf T e l e k y y- 9 ben. Er wich bem gerade in der Wildente mch Ikirf realistischen Zuge nicht aus und suchte k ine yexnrtfamfieLen Veirtyljeimnifien. bie nicht vorhanden sind. Im Surnc des Vorbergeiagien lütte er nur die Szenen zwiichen Gregor Wette unb Rellurg mit noch bebeutiameran Akzent ver­sehen dürfen.

Grafen wir bie unstreitig beste 8dihing des Abends heraus, so ist Hedwig Rupprecht alS das 14 Jabre alte Töchterchen Hedwig zu nennen. Die Künstlerin, Die in manchen Weienschren an Helene fta Imar erinnert und bi5kr nur als Walter Teil bebrüt,amer heroordrat. spie.te die rübrenbe Mädchmge. alt geradezu ooroi b ich Sie hotte den Seelenzu,.and d.-s vorn Erb inDen bedrohten Mäd- ckenS mJ den tx.1. amen Stimmungm der kommenden Reife, bie es aui alle seelischen Reize stärker reagieren lassen, p vchologijch cinroanbitci erfaßt und war befonders erircifenb in dem stum­men Spiel, bas bem tragischen Dp ertobe oorauS- ^ebt. AIS Hialmar Gfoal konnte LSkar Feigel ieinen natürlichen An aun nachgebm, ba sie hier §e ordert sinb Pat'zos. se. ins llnnatür iche ge- Iteigrrt und übertrieben, kennzeich rel nur deut­lich r das au geblasene Nichts dieser Gestalt. Nuboli Moll machte aus dem ocridirole.renarmen schisibrüchigen Greis im Silberlaar", ber früher als Leutnant Bären jagte und test in ri ter jät- iamen Rumpel'ammer Kaninchen nieder knallt ritte p. achtvolle, lebenswahre Fiaur Es iil nur merk­würdig. daß bas Meißener Pud!i5im. bar »ich a"ch an anderen Stellen für bteieS Schau:«ri ' iche reif zeigte, sich iebtfmd zum Lachm v^tt-f.ich»

tet fühlt, wenn Rudolf Goll aus bie Bühne tritt Franz Braun konnte man a!S Greyor Werke burchaus gelten lassen. Gr zeichnete richtig unb n»ar auch im Spiel beS letzten AuizugeS, wie in ber gru; b eg n'en AuSeinanberfetzung mit feinem Va er Der situatim g-we^>n Gron^nbler Wette (Harrn R o bet ira hingegen zu schm .chlich re* ze.cynet. >it war nicht .^ditn, denen Wandel einSchachtieid voll hingcmorbcler Menschn- lose" bedeutet Auch Relling (Karl V o l ck) hätte trotz ber äußeren B rkornmenheit innerlich selbst- bewußter Giegor Werie gege- ertreten können. Seine Antrilnahme an bem Schicksal der FamUie Gkdal bürite wärmer gegeben sein.

Ros- Rubner v ronlt.cbte nuigi^dre* bte geistig nicht hochstehende, aber trotz iurcs rrübere« FeliltdttS um io bravere Hau-irau CkdalS. Aeußerst geschickt wußte sie De« aus dem Gleichgewicht ge­worfenen Plwtographe-n im fünften Au'zuge bei seinen Schwächen zu packen, um ihn seinem be­haglichen Heim wiederzu gewinnen. Auguste MarckS spielte ebenfalls sehr geichickt bic ver­ständige Haushälterin Frau Sörbo. die bie auf Vertrauen gegrünbete Ede aus rein prg'tifchtt Vernunft ohne ethischen Zwang verwirfticht.

Auch in ben N den allen foh men gute Leistungen, wie über Ito dpt die Aufführung eine der bellen dieser Spielzeit war. zz.

Frankfurt a M. 16. 9bn> TaS feit 42 Jabern l« e Fr:'nkfuttcr frun'grnr tr* Mus'-um. eine- Der ersten friner Art D ut ^«tonds, wurde seit Oärünbung kmrch private Mi tri unb ö-Tinge fräbtiidK Zu d>iff« untrrlx t en. Ivie 8u« ru-nbungm rridjen jrivch jetzt nicht mehr tum Unterteilt deS Mu eurns ans Es besteht die @e- iaku. fall- nicht Sofortig? Hilfe rin fetzt ober die VerstaaU chung eingrlritel wirt», daß dieieS bost- bare Kulturgut Fg»nkfutts aus Mangel an Be- tncWmiudn czngdjen muß.