Ausgabe 
17.9.1919
 
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Hüsn der beide besichtigten die Gefan­

genen mit Seidl, vor autln die Thuleleute im Geiselteller ganz heimlich zur Nachtzeit, nach Vcr- brccherart sich nicht zu erkennen gebend. Als Fritz Seidl Vorbereitungen zur Flucht, traf, schaffte er 60 000 Mark Löhnungsgelder beiseite. Rote Gar­disten nahmen sich von den Herumliegenden Bank­noten, weil eben alles stahl.

schlag hatte ich herzlich gerne zugestimmt, wenn er gemacht worden wäre. Die Pflicht der All­gemeinheit gegenüber bewog mtcfi zu dem gestellten Antrag, für den ich die volle Verantwortung übernehme.

Tie falsch unterrichtete Masse hat ihrer: Zweck für diesmal erreicht. Sie wird sich in der Folge­zeit nicht mehr beschweren dürfen, wenn ilw gegen­über mit dem gleichen Matze gemessen wird, und cs wirft sich von selbst die Frage auf:Sind die zur Verfügung stehenden Mittel ausreichend, um die ordnnngsgnnätze Arbeit des Stavtpartaments entsprechend dem Willen der Wähler sicherzu­stellen?

Tie Führer der Bewegung haben dem deut­schen Ansehen erheblichen Schaden zugcfügt und damit illcht zuletzt dem Interesse des Arbeiters.

K l i n g s p o r, Beigeordneter.

§6. Alle Reichs-, Staats- und Gemenwe- Behörden sowie die Notare sind verpflichtet, Zu- kwider Handlungen gegen die Vorschriften "schritten dieses Gesetzes, die ihnen zur Kenntnis 'kommen, dem Besitzsteueramte mitzuteilen.

8 7. Der N eichsm inister der Finan­zen ist ermächtigt, durch Verordnung Maß­nahmen zur steuerlichen Erfassung geflüchteten oder ver st eckten Ver­mögens zu treffen, insbesondere auch in Ab­weichung von der Vorschrift pes 8 6 des Bank- tzesetzcs vom 14. März 1875 Reichsgesetzbl. S. 177) den Aufruf und die Einziehung der umlaufenden Banknoten und Darlchnskaffensck-eine zum Zwecke des Umtausches anzuordnen und vorsätzliche Zu­widerhandlungen gegen seine Anordnungen mit Geldstrafe bis zu 100 000 Mark und mit Ge­fängnis bis zu zwei Jahren oder mit einer dieser Strafen sowie mit der Verfallserklärung des ver­heimlichten Vermögens zugunsten des Reiches zu bedrohen.

Der Reichsminister der Finanzen ist ferner er­mächtigt, im Einvernehmen mit dem Rcichswirt- schaftsminister durch Verordnung Vorschriften über den Geschäftsbetrieb der Banken zu erlassen und Banken, die keine Gewähr für die Innehaltung dieser Vorschriften bieten, den Geschäftsbetrieb zu untersagen. Vorsätzliche Zuwiderhandlungen gegen die im Satz 1 bezeichneten Vorschriften werden mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mark und mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit einer dieser Strafen bestraft.

Die auf Grund des Abs. 1 und 2 erlassenen Verordnungen bedürfen der Zustimmung eines vom Reichstag aus feiner Mitte zu wählenden Aus­schusses von zehn Mitgliedern. Sie müssen auf­gehoben werden, wenn der Reichstag es verlangt.

§ 8. Dieses Gesetz tritt mit dem auf seine Ver- ckündung folgenden Tage in Kraft und mit dem J.. Oktober 1920 außer Kraft.

Bosheit geprägt hat:Die Kakerlacken?" (Der Kölner nennt die Engländer nach ihren gelben Mäntelndie PädSjüdde", die Psntejuten.)

Nach sechsmaligem Umsteigen lungt man end­lich in Koblenz an. Ist das noch eine dnitsche Stadt? Auf der Feste Ehrenbrettstein, den Ka­sernen, dem Regierungsgebäude weht da§ Sternen^ banner. Tie preußischen Schilderhäuser haben rot- weißen Anstrich erhalten. Ucberall tun sich Läden auf mit rnarktschlveierischen englischen Plakaten: ,^Jce Cream".Souvenirs". Ms Souvenirs sieht man die größten Geschmackslosigkettcn. Aber dre Amerikaner taufen, kaufen wie die Kinder alles, was sie sehen und zumal die Juweliere machen die besten Geschäfte. Andere Schilder springen ins Auge :Eonre in and Hove your shves polished". Es sind deutsche Manner und Frauen, die dem glattrasierten Amerikaner den Treck von den be- neidenswert gediegenen Stiefeln putzen? Schuh­putzbuden finb zu Dutzenden in den Verkehrs straßen aufgejchlagen.

Und überall wimmelt es von Amerikarrern, Mann und Offizier nur an unscheinbaren Ab- zeicken zu unter) cheiten. Erst erkennt man den Offizier nur daran, daß er gegrüßt wird, mit einem merkwürdigen Gruße, so, als ob ein Katholik das Kreuzznchen mache. Vielfach sieht man die PMC- Mädchen, eine Art amerikanischer Rote Kreuz- Schwestern, dürre fleischlose Gestalten, in grauer Tracht. Ta fallen schvn mehr die Französinnen inr Sttaßeiibild auf, die den neueften Pariser Chic an den Rhein verpflanzen wollen. Hote Schnür­stiefel fast b,6 zum Knie, kurze Röckchen, kaum bis enrunter, dazu in der prallen Sonne ein dicker Wrnlerpelj. Koblenz ijt international geworden. Mau hat nicht umsonst immer gesungen:Strömt terbc: :hr Völlersck-aren." Jetzt sind sie da: die Amerikaner, in der Uniform abwet<?> die Kana- dicr, Engländer, gespreizte Franzosen, von den amerlkanischen Bunüesbrüderii geflisseittlich über- ielxn, und xn immer größerer Zahl die den Offi- zxereii legal ober illegll alliierten Tamm. Und die Koblenzerin widersielst vielfach,! tcc Versuchung nicht, gleichen Chic an den Tag zu legen mW bla» miert sich vor Einheimischen und Fremden durch

Vom Verein der Deutschen demo­kratischen Partei wird uns geschrieben:

In der gut besuchten Mitglietervtefammlang am Tienstag sprach Pfarrer Weidner- Ober- Lais über die politisch Lage, insbesondere über die gegenwärtige Bewegung auf tem Land'. Seine auf bester Kenntnis der politiscten Strömungni, besonders in der ländlichen Bevölkerung beruhm- den Ausführungen.fanden reid)en Beifall. Msdann sprachen der Vorsitzende und mehrere Mitglieder der Stadtvevordnetenftaktton über die bekannten Vorgänge in der letzten Atadtverord- netenversammlung. Es wurde Widerhall mit größtem Nachdruck ausgesprock)en, daß diese tief beklagenswerten Vorgänge gerade üom Standpunkt der Trmokratte aus als überaus unheilvoll an­gesehen werden müssen, weil ff: der obersten de­mokratischen Forderung Selbstherrschaft des ganzen Volkes zuwiderlaufen und die Herr­schaft der Gasse an ihre Stelle setzen. Ein Fort­schreiten auf der am 15. 9. 19 beschrittenen Bahn muß uns unabweisbar in den Abgrund führen. Nach einer ausgedehnten Aussprache tourte fol­gende Entschließung einstimmig angenom­men:

Tie .zahlreich besuchte Mitgli^erversamm- timg des Vereins der Teutt'chen demokratischen Partei Gießen ertebt schärfsten Protest gegen den gegen die Stadtvervrdnetenversanmi- iintg aus geübten Tervor. Mit Demokratie ist ein derarttges Vorgehen unvereinbar. Es kann die ruhige Aufwärtsbewegung .in freiheitlichem Sinne nur gefährden.

steif groteske Nachahmung des Hahnentritts der Pariserin.

Und erst wenn sie vor einem Auto beiseite springen muß! Das muß man dauernd. Tausenoe von Kraft- und Lastwagen sausen in immer­währendem sinnlosen Gordon-Bennet-Wettrennen durch die ganze Stadt. Warum, darüber zerbrechen sich die Koblenzer nun schon feit Beginn der Besetzung den Kopf. Jede Straßenkreuzung nimmt den Friedensvergleich mit dem Schnittpunkt der Seidiger und Friedrichstraße auf, obwohl schon mehrere Tiviffonen heimgcllhrt sind und der Ver­kehr erheblich nachgelaffeu hat. Erst regelten MP-Leute (sprich Ern-Pi, amerikanische Militär- Polizei) das Getriebe an den Straßenecken und toiefen jedem Auto die Fahrtrichtung an. Neuer­dings hat die Stadt Verkehrsschutzleute anstellen müssen, die mit schrillem Pfiff den Chauffeur aus­merken lassen und bann die Arme wie Signal» maste an einer Körperseite Hochziehen. Dieses Sck-auspiel narb j nahmen, ist ein Hauptzeit vertreib ter Koblenzer Straßenjugend geworden.

Bewundernswert ist die Fahrsick-erheit der Amerikaner mit Riesenlastautos um die schwie­rigsten Straßenecken der Altstadt. Niemals wuchte» Tempo herabgesetzt. Die verrückteste Fahrt macht ater die Site-car, ein Motorrad mit wippendem Beisitzer zur Seite, von den Koblenzern ter Form wegen dasBadewännchen" genannt Ter Ameri­kaner vermag es, dieses Teufelsgefährt aus ra­sendstem Tempo beraub mit einer Kehrtkurve von einem Meter Durchmesser zum Stehen zu brin­gen. Man sieht den Lenker schon Hals und Genick brechen, da ist er bereits seelenruhig von dem tedtenten Rate al»gesprungen.

Die Sidc-car ist das Hauptverkehrs mittel ter gefürchteten MP, die fast unumschränkte Gewalt baten. Dar einfache MP-Soldat famt jeden Offizier vom Fleck verhaften, ter MB-Offizier, wie die Amerikaner behaupten, selbst Herrn Wilson. Man erkennt die MP an den rot aufgenähten Buchstccken auf dein linken Aermel oder einem kleinen roten Spiegel am Halsschluß. Sie achten vor allem darauf, daß kein Amerikaner mit einer Deutschen antetntelt, richtioec, daß niemand ihnat

Der Seiselmordprozetz.

München, 16. Sept. (WTB.) Nach mehr als vierzehntägiger Dauer endete heute der Geiselmordprvzeß. Nachdem noch dceVer­teidiger ter übrigen Angeklagten deren Frei­sprechung beantragt hatten, da es sich höchstens um Hochverrat hanteln könne, schlossen die ein­zelnen Angeklagten sich den Anträgen ihrer Ver­teidiger an. Als Letzter er Härte Fritz Seidl, daß er wohl verstehen könne, wenn er als Hoch­verräter an die Wand gestellt würde, nicht aber als Mörder. Er habe keine Schuld an dem Geisel­mord und sei barmt nicht beteiligt, er habe im Gegenteil den Befehl zur Erschießung sofort ab­gelehnt und auf ter Ablehnung bestanden. Das Urteil wird am Donnersta g nach­mittag verkündet.

In mehrstündigen Ausführungen begründete der Staatsanwaltdie schön mitgetetften An­träge: Die zur Aburteilung stehende Tat ist Mord. Kem Kampf war tert, wo sie geschah. Wehrlose, unschuldige Dkenschen wurden hin- igeschlachtet. Auch fein Schein von Recht umgibt die Tat. Die sie begangen, haben nicht einmal den Versuch gemacht, dem Mord auch nur den Schellt ber Berechtigung zu geben. Kein richtiges Verhör, -reine Feststellung, nicht ter Versuch einer Aburtei­lung. Der Staatsanwalt entwirft ein Charakter­bild von den Urhebern des Verbrechens. Der Ober* lommanbierente ter Roten Armee und Müncheirer Stadtkommandant EgelHofer kam aus ter Marche, ein in Köln entsprungener Sträfling. Der Haupt­angeklagte Seidl, der Kommandant ter im Luit- poldgymnaschm postierten Roten Gardisten, war niemals Soldat; nach fernem eigenen Eingeständ­nis bat er tei früherer Gelegenheit Lohn zettel ge­fälscht. Hausmann ist ein notorisch arbeits- f (teuer Mensch, Schicklhöfer ein Alkoholiker, Mister erlitt am Morgen der Erschießungen einen schweren Nerven anfall, Hesttlmann, der im Pro- Keß als Heiratsschwindler entlarvt wurde, ist wegen Diebstahl mehrmals vorbestraft, Fehmer wegen Zu- chälterei, Josef Seidl wegen Landstreicherei, Dwb- stahl und Unterschlagung, ter Schirmflicker Huber wegen Landstreicherei, Völkel wegen Diebstahl im Atücksall wiederholt vorbestraft, Pstrzer ist ein .Psychopath, Schmittele Tarn frisch von der ©traf* 'Kolonie. Wirklich, so sagte ter Staatsanwalt, eine famose Gesellschaft zur Ausübung der Kommando- Gewalt. Als ter Krieg ausbrach, waren von diesen Helten ganze vier volljährig, zwölf waren mindec- lährig. Eine geheime Verbvechergruppe war es, die in den letzten Rätetagen mit verbrecherischen Mit­teln sick in ter Herrschaft ziu behaupten suchte. Hmter bew Kulissen dieses Prozesses tauchen jene Hetzer und Schürer Levien und Levins-Niffen auf. Levien war zugegen beim Verhör ter Thule- leutc, Levien und Levinö-Nissen bei der Jnqui-

Reiserin>rücke aus dem amerikanischen Deutschland.

,1. Die Kakerlacken.

Etnas beschwerlich ist die Reise schon, wenn man fte anck) nicht mehr mit dem Ueterseedampfcr zurückzulegen braucht, fett bie Amerikaner den Union Jack in kerndeutschem Saute aufgerichtet baten. Zwölf Stunden Reisezeit benötigt man auf dem scheinbar nächsten Wege über Westerburg, -Montabaur Siershahn, Sayn nach Koblenz, der Metropole des amerikanischen Brückenkopfes.

Die erste Begegnung mit den Amerikanern Macht man in Elbingen, ber Grenz- und Paß? chation in deutschem Lande. Tas Bähnchen, das 'früher mrr Arbeiter- und Güterzüge beförderte iintb auf jeder Station planmäßig eine Viertel - ptunbe zum Rangieren hall, schimuft sich in El- Ringen erst recht tüchtig ans. Vom Bahnhofs- «ebäute lösen sich gelbgelleidtte Gestalten, die ein, den Franzosim nachgebiltetes Käppi verwogen auf dem Ohr sitzen haben. Einer steicft auf die Ma- ^chllre; einer kommt auf die Personenwagen zu. igr reißt die Tür auf:Paffe!" Man hält ihm int Einreiseerlaubnis unter die Nase. Ohm? ein Mort zu reden, ohne die Miene zu verziehen, jgeht er weiter.

Ein halbes Dutzend anterer Amerikaner räkelt 4id) auf einer Bank und unterhält sich laut und amgezwungen in nrmtbfanlem Pankee-Englisch, guicr steht Posten, mit Gewehr und läcterlich jlachen: Stahlhelm. In kleinen, schnellen Trippel- i(bntten geht er auf und ab. Zetzt hält er und W Gewehr bei Fuß: Zuck Zuck Zuck, die enifrclnt'n Bewegungen scharf ineinander abge- setzt, schluumer noch wie beim preußischen Prä­sentieren. Heiliger Vankecmilitarismus!

Von iulu an sicht man die braunen, sehnigen Sports-ge,tollen mit dem beweglichen Hüftgang Lus ictem Bahnsteig. Man verwundert sich, bau m dem groben Völlerschu^lzttgel Amerika ein fo cuchcitlichcr Typ entstanden ist. Cs werten chrer mehr und mehr. Tie gelbe Flut üter- schwcmmt da» Land. Und das Scherzwort taucht «um ersten mal auf, das ber Lvölcnzer mit einiger

Kohlennot und ber bevorstehenden neuen Ma­terialabgaben an die Entente wahrscheinlich am 1. November nochmals bedeutend eingeschränkt werden. Beabsichtigt ist, im Fernverkehr im Winter Perfonenzüae an Sonntagen überhaupt nicht zu fahren. Selbst wenn bte Kohlenförderung sich bessert, kann das Mehr an Kohlen nur dem Güterverkehr zugeführt werden. Von Heizung und Be­leuchtung der Züge wird in den meisten Fällen abgesehen werden müssen.

Die Vorgänge in der Siebener StMverordneten-versammlung.

Beigeordneter Klingspvr schreibt uns:

Zu den gestern von Ihnen gebrachten Aus­führungen gestatte ich mir, nach einiges ergänzend hinzuzufügen:

Tie Grünte zu diesen Tumullszenrn waren zweifellos die den Arbeitern entstellt wietergegebe- nenAufklärungen" ihrer Führer über die ..Mord­waffen", die auf Borsck.ilag der durchs Volk ge­wählten und anerkannten, sickerlich nicht arbeiter- feindlicken 'hessischen Regierung zu Sicherheits­zwecken für die hiesige Polizei angesckafft tverden sollten.

Flugblätter und Plakate, die schon am Sams­tag abend in ter Stadt verbreitet Worten sind, mit der Aufschrift:Gegen E u .ch Arbeiter, richten sich diese Waffen!", die die unsinnigsten Gerüchte zur Folge hatten, geben ein unwiderlegliches Zeug-, nis von der geschehenen Irreführung und erllären die unglaublrche Erregung, die sich ter Arbeiter bemächtigen mußte.

Unabhängige, Mehrheitssozialisten und Ge- werkschaftskartell tragen dafür die Verantwortung. Eine rechtzeitige Aufklärung, tote sie u. a. ter Stadtverordnete Vetters in ter letzten Minute ver-i suchte, tarn zu spät, um die Lütge peitschten Massen zu beschwichstgen: den Mehrheitssozialisten tourte ihr Versuch des gemeinsamen Hantelns mit den Unabhängigen zur Vergetvalliguny ter Mehrl-ett mit Hilfe der Gewalt ter Straße mit ber völligen Ausschaltung vergolten.

Ter Stein war ins unaufhaltsame Rollen ge­bracht, unb da erhebt sich die Frage:Waren die dagegen unternommenen Maßnahmen ausreichend, um die sachliche Turchführung ter Verhatidlungen zu gewährleisten?" Tas bedarf zweifellos einer gründlichen Nachprüfung.

Tie Stadtvevordtretenverhanblungen waren jedenfalls im Gange und die BeweMng nicht mehr aufzuh-alten. Tie weiteren Einzelheiten ergeben! sich aus Ihrem gestrigen Bericht. Zum Schluß­akt nur:

Ein Vorschlag des Abgwrdneten Vetters, die Waffen unter den Schutz des Aeltesteirrates tes Sladtparlaments zu stellen, dem alle bürgerlichen Parteien zustimmten, erwies sich bei ter .vaichsenden, Erregung der Massen nicht mehr als duvchßlhrbar, da die in den Saal gedrungener: Elemente Vetters meterschirien und in ter gemeinsten Weise be­schimpften, überhaupt die Fortsetzmrg ter Verhand­lungen unmöglich machten.

Ter Oberbürgermeister ersuchte um untere Vor- schllLge für einen AuSweg aus dieser Zwangslage. Alles versagte. Niemand wußte einen gangbaren Weg zur £ö[ung ter Frage vorzuschlagen. Der Tumult int Sitzungssäle wuchs, ber Abgeordnete Sommer mühte sich vergeblich Aufilärung zu schaffen, ater selbst die Ausführungen der unab­hängigen Abgeordneten wurden nicht mehr re­spektiert.

Ich war mir klar darüber, daß es sich jetzt nicht mehr um die Austragung eines Prinzipien- stteites, oder eines Strettes d«nokratischer Grund­sätze wegen, drehen konnte, sondern es mußte gehantelt werden.

Entweder die Mehrhett bestand auf ihrem an sich guten Recht unb übernahm damit die Ver­antwortung für alle,sich daraus ergebenden Fol­gen, die zweifellos m ausgiebigstem Maße ein» getreten wären und zu gröbsten Ausschreitungen geführt hätten, wie sie ter Abgeordnete Kiel an­deutete, indem er aufs eindringlichste vor Blut­vergießen warnte, ferner zu dem angekündigten Generalstreik der Eisenbahnen, ter städtischen Werke usw. Oder man mußte in Anbettacht ter Situation sich von ter derzeitigen Unmöglich­keit der Aufrechterhaltung tes vorher gefaßten Beschlusses überzeugen. Ich zog das Letztere vor, zumal mir ter Wert tes Streitgegenstandes, dessen Hierher bringen und dessen Verwendungsmöglich­keit nach dem Vorgekommenen mehr wie zweffel- haft war, solchen Erschütterungen gegenüber unter den gegebenen Umständen nicht ausreichend erschien.

Nachdem in dieser Zell ter Not schon Tau­sende von Arbeitsstunden vergeudet waren, glaubte ich es nicht verantworten zu können, daß unser ganzes Gemeinwesen den schwersten Prüfungen ausgesetzt würde. Jedem die Krise lösenden Vor­

Anr Stadt und Land.

Gießen, den 17. Sept. 1919.

Höchstpreis für Spättartoffel».

Ter Erzeuger Höchstpreis für Winterspeise­kartoffeln wird vom 15. September ab bis auf wei­teres auf 7.25 Mark für den Zentner einschließ­lich aller Prämien festgesetzt. Bei Lieferung nach außerhalb Hessens wird eine toeiterc Ausfuhrprämie von 25 Pf. durch den Kommunalverband erhoben. Dieser Preis ist Höchstpreis im Sinne des ..Ge­setzes, betrefreni) Höchstpreise. Er gilt für die in Hessen erzeugten Kartoffeln und für den Verkauf durch den Kartoffelerzeuger; er gilt für die Lie­ferung ohne Sack sowie für Barzahlung beim Emp­fang: er schließt die Kosten ter Beförderung bis Mr Verladestelle des Ortes, von dem die «Ware (mit der Bahn ober zu Wasser versandt wird, fonrie die Kosten des Einladeirs ein. Bei Lieferung ber Kartoffeln auf Btzugsschein durch den Erzeuger frei Keller tes Verbrauchers kann außer tem Höchstpreis für die Anfuhr einschließlich Sackleih- tzebühr ein Zuschlag von 1.75 Mark je . Zentner gefordert werden. Bei Gestellung ter Säcke durch den Verbraucher ermäßigt sich dieser Zuschlag um 0.30 Mark je Zentner. Bei Liefermrg an die Lager eines Kvmmunalverbantes, einer Gemeinte oder deren Verteilungsstellen kann ein Zuschlag von 1 Mark gefordert werten. Bei Lieferung durch den Erzeuger frei Keller innerhalb derselbe:: Gemeinde oder an einen Ort im Umkreis von nicht mehr als 4 Kllometer darf ter Aufschlag bei Lieferung auf BeMgsschein höchstens 1 Mark und bei Selbst- gestellung ter Säcke durch den Verbraucher höch­stens 0.70 Mark und bei Lieferung an einen Kom­munalverband, eine Gemeinte oter deren Vertei- lungssteklen höchstens 0.50 Mark je Zentner be­tragen. Bei Lieferung auf Bezugsschein vom Lager eines Kommunalverbandes, einer Gemeinte oder durch deren Großha:chel beträgt der außer tem Höchstpreis zu zahlende Zuschlag 2.75 Mark.

Einschränkungen im Winterfahrplan.

Wie der Eisenbahnminister mitteilt, wird der Winterfahrplan wegen der dauernden

** Verbillig tes Brennholz. Ge­mäß Beschluß der Stadtverordnetenversamm­lung sollen an Kriegsbeschädigte, Kriegshin­terbliebene, Kriegsgefangene und deren Fa­milien Kartoffeln und Brennstoffe zu verbil­ligten Preisen abgegeben werden. Personen, die Anspruch auf die Verbilligung erheben wollen, erhalten Donnerstag den 18. Septem­ber 1919, Dorrn. 812 und nachm. 26 Uhr, in den zuständigen Bezirken die vorgeschrie­benen Vordrucke ausgehändigt. Näheres ist im Anzeigenteile zu ersehen.

** Die Gießener Waldbühne wird am Sonniag ihre diesjährige Sommerspiclzett mir der Aufführung zweier (?inafter beschließen:Die Gouvernante" von Th. Körner undD e r Bruder und die Schwestern" von Kotze­bue, ter bekanntlich gerate vor 100 Jahren Er­mordet tourte. Die Spielleitung hat Herr O. Grst- vius übernommen. Ter Reinertrag wird bar Durchgangslager zugefülwt toerten.

** F ahr raddiebstahl. Gestern tourte in hiesiger Stadt ein var einem Friseurlaten in ter Neustadt dahier ausgestelltes Fahrr id, Marke Viktoria" imb ter Polizeinummer blaues G 6580, im Werte von 350 Mk., gestohlen. In ter vn- tfoijenen Nacht tourte mittelst Einbruchs aus ein.'m G'sckäftshause in der Bleichstraße für 300 Mk. Schvkstate, MarkeKohlett" undChocolat tes Families" enttoentet.

** Ertrunken ist am Samstag nachmittag ein 16jähriger Junge, der bei Rübsamen in Stel­lung toar. Er toollte in der Nähe tes früheren Militärschtoimmbates ein Bad nehmen und tourte von einen: Herzschlag betroffen.

** Bon ber Feuerwehr. Am Sonntag abend 7 Uhr wurde die Feuerwehr durch zwei Feuermelder alarmiert. Sie rückte aus und sand in der Braugasse ein Stallgebäute der Firma Wallenfels & Sohn in Flammen Das Feuer war zum Teil schon gelöscht und konnte mit enter Schlauchlinie schnell bewältigt werten. Der Scha­den ist nicht erheblich. In derselben Nacht tourte die Wehr um 12 Uhr durch falschen Alarm zur Ausfahrt oermckaßt.

** Bei der städt. Obst- und Gemüse- stelle kommen morgen u. a Aepfel zu 50 und 55 .Pf., Birnen, Einmach- und Tafclbirnet: zu 45 und 70 Pf. und Ztoetschen zu 65 Pf. das Pfund zum Verkauf.

** Die Jugendgruppe der Deut­schen Bolkspartei, die durch unterhaltend' und belelrrenbe Veranstaltungen den Zusammen­schluß Glcichgesiwrter zu fördern und ihre Mttglst- ter in die verschiedenen Gebiete ter Politik einzu- sühven sucht, tritt nächsten Sonntag zum crstenmst vor die Ocfsenllichkett. Sie will die Gbn^ze:^ bd Vaterlandes nicht tote Vergangen hell narrten l.ffscn»- sondern vor allem in unserer Jugend bie Erin­nerung an bie Heltenleistmrgen mährend drs Krie­ges wachhalten. Daher ist es tegrüßenSivert, teß Herr Kapitinr König, ber Führer des Hantels- U-Boots Deutschland, sich bereit erklärt ha!, durch einen öffenllichen Vortrag über seine Er« lelmisse die Bestrebungen ter Jugendgruppe bet Deutschen Volkspartei zu unterftüfren. (S. Anz.l

* Der Kriegerverein Gießen hat während tes Krieges bekanntlich alle seine sonst üblichen Festlichkeiten unterlassen und die ihw dafür zur Verfügung stehenden Gelter mehr Unterstützungen oerroentet. Jetzt, da seine ir Kriege gesund gebliebenen Mitglieder wieder alb zu Hause sind, wird ter Verein nun auch dic Geselligkeit und Kameradschaft weiter pflegen. Zu diesen: Zweck findet kommenden Sonntag als erste ^-esllichkeit nach tem Kriege ein Familien- Ausflug nach Tcrtors Terrasse statt. Pre:»- schicßen, Kinterbelustigungen, musikalische Unter« Haltungen und dergleichen, sowie am Abend Tan; sind vorgesehen, so daß die Tellncluner angenehm- Stunten verleben können. Punk: 2 Uhr erfolgt Abmarsch von ter Lalmbrücke ans, wie im Jnse- ratenteck ter heutigen stummer zu ersehe:: ist.

dabei inS Gehege kommt, weshalb der Soldat eine regelrechte Wut aus sie hat, denn die deutsck- mnerikanischen Beziehungen nehmen immer mehr zu und heimliche Verlobungen sind epidemisä». Der Amerikaner schätzt die deutsche Häuslichkeit, die ihm völlig fremd ist. Zudem sind sämtlick« eingezogenen Truppen unverheiratete Leute ztm- Üben 20 und 30 Jahren. Daß ältere, befimnent Elemente unter ihnen fehlen, macht fick fehl geltend. Rol)ettsakte sind nicht selten, zumal toeni der Amerikaner aus Unkenntnis oder Heimweh den guten deutschen Wein wie Wasser durch d.e Kehle gegossen hat. Bei 14 Mark Tllgeslöhnuuz kann sich das selbst der einfache Soldat erlauben. Kopfschüttelnd erzählen sich die KoblenzerSchob- Dcnftcd)cr", daß anwrikonische Ossizierc aus Bern- kastler Dot'wr Glühwein gemacht haben, daß Sol­daten brühwarmen Sekt aus Kafleedassen trinkci undvery gvod" dazu sagen.

Den Betrunkenen saßt unfehlbar die MP, Zehn Schritte muß er gehen. Wehe, wenn et wackelt. Sckwn sitzt er in ter Site-car und wirs zur MP-Wache in der Elemensstraße gefahren. Dort muß er erst schwören, daß er die Wahrhnl sagt, und damr ein Kreuzverhör bestehen, bei bei er nur mit Ja und Nein antworten darf!

Der deutsche Milftarisnn:s ist tot. ES lebe der Bankeemilitarismus. Seten Abend wird gepcM 7 Uhr eine Art Zapfenstreich geblasen. Ganz ong'- nclle Weisen. Dann muh jeder Amerikaner Man» und Osfizier, wo er sich gerate befindet, und die Töne hort, stehen bleiben und die Hand mit be» Batcrunser-Gruß an bie Stirn legen, bis bi Zapfenstreich vorüber ist. Alle Sllctos halte-, Cl-auffeur und Insassen springen heraus unb steh'» grüßend stramm.

ES ist ein Gaudium für die Koblenzer, t t andeves Mflitar gewohrtt sind, als die naü- gemachten Soldaten, und die heute iwch troß Preußenfeindlichkeit und ohne Ansehung der Parti mit Stolz von dem Parademarsch erzählen, ort dem ein Garteregimeill unter beit staunender 1 Augen ter bereits eingerückten Amerikaner al- letzte deutsche Truppe Kvbla^ verlief