Arrs Stadt «nd Cant
Gießen den 17. Januar 1919.
W-»a alle rLähler en> Wählerinnen zn beachten haben.
Daß sie am 19. Januar früh genug 3am Wahllokal gehen.
Daß sie für alle Fälle »'ne Legitimation (Wahlausweis, Steuerqutttung, Mietsoertrag) »ttnehmen.
Daß sie die richtigen Stimmzettel abgeben.
Dsß kein Stimmzettel durch irgendwelche Zusätze oder Abstriche ungültig gemacht wird.
Daß sie sich einen mit amtlichem Stempel versehenen Umschlag geben lassen müssen, in den der Stimmzettel eingesteckt wird.
Wenn man sich überzeugt hat, daß alles in Ordnung ist, lege man den Zettel in die Wahlurne.
•* An alle, die zum erftenmale wählen, insbesondere Frauen, wendet sich im Anzeigenteile dieses Blattes eine Aufklärung des Oberbürger- Meisters über die Art, wie die Wahl vorgenommen wird. Es ist ratsam, sich diese Aufklärung genau «inzuprägen.
*• Das Anbringen von Flugblättern und Wahlaufrufen am Stadthaus ist verboten.
** Die Deutsch-nationale Volks- Partei hatte gestern abenb die Unteroffiziere des aktiven und Beurlaubtenstandes, Offiziere, Militär- btarnte und deren Angehörige ins Stabttbeater zu einer Wahlversammlung entgeladen. Nach einer kurzen Begrüßlmgsansprache des Herrn Vorsitzenden K 0 h l h a s e ergriff Herr Geheimrat Prof. Tr. Haupt das Wort und entwickelte die Richtlinien für das Programm der Deutsch-nationalen Volks- ipartei und die Gegensätze, die sie von anderen Parteien scheiden. Ein starkes deutsches Volkstum und eng damit verbunden eine kräftige Auslands- fltnb Heerespolitik, Gewährleistung einer rechtlich «und wirtschaftlich gefieberten Lebensstellung aller Militärpersonen, Förderung wettgel,xrnixr Für- sorge für die Kriegsbeschädigten und die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen seien gerade frnit Hauptziele der Partei. Es möge daher jeder sHeeresangehörige am Wahltag« für sie seine Stimme abgeben. Msdann wandte sich Herr Oberarzt Prof. Tr. I e ß als Angehöriger des hiesigen Regiments an die anwesenden Kameraden. Tas deutsche Volk habe nicht politisch denken gelernt, am allerwenigsten dar deutsche Unteroffizier und 'SDffiticr, denen Beschäftigung mit der Politik bisher verboten gewesen sei. Nun sei auch der Heeres- angehörige angesichts der bevorstehenden Wahl zur Nationalversammlung vor die Zrage gestellt, welcher Partei er seine Stimme abgeben solle. Zu- .Rtächst gab der Redner einen Ueberblick über die allgemeine politische Lage. Es sei verfrüht, die Schuldftage auszuwerfcn, immerhin läge die eigentliche Ursache des Krieges in dem rafdjen Enr- porkommcn Deutschlands, und Schuld an unserer ^Niederlage sei besonders die innere Vergiftung von Teilen der unabhängigen 'Sozialdemokratie. Daß !diese Verhetzung auch bei imfevat Fronttruppen aus fruchtbaren Boden fiel, barmt seien all die ^Fehler mtü Mängel schuld gewesen, die sich mit der Zeit in unser Heer eingeschlickren hätten. Jetzt heiße es, das, was am alten System gut war, er- ihalten, ein starkes Volksheer bilden, unb da fei es gerade die Deutsch-nationale Volkspartei, die den 'Wünschen und Bedürfnissen der Unteroffiziere und '(Offiziere am meisten entgegenkomme. Ms letzter ! Redner ging Herr Ritter an Stelle des erkränk- ten Feldsoebelleutnants Ufinger auf die Stellung fter Militaranwärter näher ein, schilderte u. a. die Schwierigkeiten, die zu überwinden seien, um eine feste Anstellung zu erlangen, und sprach zum Schluß eine Reihe bestimmter, durch die Zeit gerechtfertigter Forderungen aus. An der Aussprache beteiligten sich Herr Prof. Stepp, Exzellenz K l i n g e 1 h ö f e r und Herr Prof. W e ck e r l i n g. "Auch diese Ausführungen wurden, ebem'o wie die der Hauptredner, mit großem Beifall ausgenommen. Die Polizeistunde war schon weit überschritten, als Herr K'ohlhafe die Versammlung schloß.
*• (Eine SolbatenDerfammlung hatte zu gestern abenb der Soldatenrat nach der Liebigshöhe einberufen, um Stellung zu den bevorstehenden Wahlen zu nehmen. Nachdem Herr Arbeitersekretär Mann feie technische Seite der Wahl erläutert, nahm Herr Dizewachtmeister Kre ms er- Dad-Nauheim das Wort zu ihrer politischen Beleuchtung. Er betonte zunächst die Pflicht eines jeden, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Wie ein jeder wähle, sei Sache seiner Anschauung und seines Gewissens. Um das Richtige zu finden, sei es aber zu empfehlen, die Parteien nach ihren bisherigen Taten für die Zukunft zu werten. (Er würdigte nun die verschiedenen Parteien vorn sozialdemokratischen Standpunkt und empfahl zum Schluß, auch nach der Entlastung vom Militär sich rege am politischen Geben zu beteiligen, um so mit am Wieder- Gufbau unseres Volkslebens helfen zu können. - In der Diskussion wurden u. a. Entlastungsfragen besprochen und vom Referenten sachgemäß beant wartet.
M mickrsM Mutes» M Hern iÄchü ZrsrS.
fitem an von H. U. AdamS.
Nachdruck verboten. Fortsetzung 47
Der junge Mairn schaute fernen älteren Begleiter voller Erstaunen an. Aber nun war er einmal in das Abenteuer tjcwidclt, und wenn es doch einmal gesehen sollte. Tonnte er les jetzt tun. Aber noch zögerte er, und selbst Galabads Drohung, die Feuerleiter selber zu erklettern, konnte ihn nicht bewegen. Endlich erledigte sich die Sache ganz zufällig. Die Nachtdüfte des Gartens quälten Galahad schon lange, er hatte die hartnäckige Erkältung noch nicht ganz abgeschüttelt.
Galalnid nieste.
Ein schwack-cs Sichregen ward hinter den Vorhängen hörbar.
Galal>ad zog Horace geschwind in den Schutz des Balkons.
Eine erschreckte Stimme klang leise von oben. ,Lst jemand dort?"
Ga'ah.rd drückte Horaces Arm. „Schnell, sagen Sie cs ihr!"
„Sibtzl!" rief Horace gehorsam.
,H>oraee!" hauchte sie im Gefühle froher Erleichterung. „O, ich habe gehofft und gehofft — warte einen Augenblick, ich will etwas um tun."
Schweigend warteten die beiden, uni) endlich lochte die Stimme wieder zu ihnen herab. Die Vorhänge bewegten sich, und das Mädchen rief in fiebernder Glückseligkeit: „So bist du doch gekommen! Mein wackerer Ritter!"
So war derm Galahad abgesetzt. Nun, früher oder später einmal muhte ihm dock) seine wahre Stellung klar werden. Indes, ob Küchenjunge oder Hausknecht, er konnte ihr doch immer dienen — und er raffte sich zusammen, denn er wußte, daß die Aufgabe nun fdmjerjcin würde. Geräuschlos husche er aus dem Schatten des Balkons in einen andern Sck)atten, der durch eine vorspringende Ecke des Hauses gebildet wurde. Hier war er vor Beobachtung ganz sicher: dennoch konnte er selten und aus seiner Einflüstererecke Horace seine Stichwvrte geben. Sie schaute nicht in seiner Richtung, denn ihre Augen hingen nur an ihrem Liebsten. Der junge Mann stand im schwachen Lichte des ausgehenden Mondes und schaute empor.
Sibyl hatte die Vorhänge geteilt. Sie lehnte sich heraus, ein zartes, zerbrcchlick)es Gebilde aus weißen Spitzen und Lieblichkeit. Ihr dunkles Haar hing in zwei)Mieren Flechten herab, deren eine über ihre Schultern floß. Und all ihre tauige Süße mar für diesen faden jungen Mann, der im Mondlicht aus dem duftenden Garten zu ihr emporstarrte!
„Wir — ich habe in der Laube gewartet." Horace tat seine Pflicht. ,Hch konnte nicht
Ä Die Unabhängige ioitalbemc» kratische Partei veranstaltete gestern abend cm «Hotel Fürstenhof" eine öfseittliche Wählerver- lammhing. Als erster Redner trat Herr Gg. Beckmann- Gießen auf. Entftehungsge'ch d>te des Krieges, Annrrnmsbestred ungen, U-Boot-Krieg und der Brester Friede wurden beleuchtet, woraus sich der Redner besonders gegen die. indirekten Steuern wandte unter dem Hinweis, daß eine progressive Einkommen-, eine darchfwfi-nbe mögenssteuer, vor allem aber die Krtegs^ewiune die Lasten zu tragen haben müßten; ein sozialistischer Volksstaat solle aus der Wahl erftehen. Im übrigen wurden gar manche Bestrebungen und Rechtfertigungen der Unabhängigen Sozialdemokratie zur Sprache sebracht. Unter anderem stellte Herr Re- oattcur Zwehl, welcher für den infolge von Ler- kehrsschwierigkei.'en am Erschetnen verhinderten Herrn Hüttmmm-Frankfnrt <rigrsprungen war, als zweiter Redner ausdrücklich feit, daß die Rouhs- regietung bei den Berliner Vorgängen die von der Unabhängigen Sozialdemokratie angebotene Vermittlung abgelehnt habe. Sozialisierung der Produktionsmittel, Trennung von Kirche und Staat sowie die Einheitsschule gaben fctem Redner noch Anlaß zu Erörterung^, bre er in dem Wunsche zusammenfaßte, es möchten in die Nationalversammlung Männer unb Frauen kommen von wirklich revolutionärem Geiste. — An der dlussprache beteiligten sich Herr Schaul, der besonders für Arbeiterschutzgesetze eintrat, und Herr Stephan, welcher bemerkte, die bürgerlichen Parteien hätten eben meist so viele Redner auf dem Programm, daß es zu keiner Diskussion käme. Im Schlußwort stellte Herr Zwehl auf Wunsch noch einmal den Unterschied zwischen der Unabhängigen SozmI- bemvfratie und der Liebkncchtgruppe h.waus, welcher in erster Linie darauf beruhe, daß diese im Gegensatz zu jener auf dem Standpunkt des Wahlrechts unb der Nationalversammlung stehe.
** Die Deutsch.nationale Hessische Volks» Partei schreibt uns: Die Versammln ngstätigkett der Partei ist überall in vollem Gange. Reichstagsabg. Dr. Werner sprach in durchweg sehr stark besuchten, meist überfüllten Versammlungen in Lich, Hungen, Nidda, Wallemhausen, Ortenberg, Gedern, Lauterbach, Schotten, Büdingen, Schlitz, Alsfeld, Großen- Buseck, Laubach, Bad-Nauheim, (Brünberg, Nieder- Weisel, Oftheim, Friedberg unter großem Beifall. Am Abend vor der Wahl spricht Dr. Werner in Worms. Auch die übrigen Redner, bzw. Kandidaten der Partei, die Herren Krumm, Gisevius, Kling, Fritsch, Link, North, Fenchel, Dorsch, Jost, Schröder, Kohlhase usw., leisten erfolgreiche Wahlarbeit.
** Die Deutsche Volkspartei macht ihre Wähler darauf aufmerksam, daß ihre Stimmzettel an die Bürgermeistereien der einzelnen Orte abgcgangeit sind. Sollte nriber Erwarten einer ihrer Wähler nicht in den Besitz eines Stirnm- zetteks kommen, so genügt es, wenn der Wähler auf ein tveißes Blatt Papier (9X12) nur den einen Namen: Finanzminister T r. Johann Becker, Darmstadt mit Tinte schreibt.
** Die Deutsche demokratische Partei hält am Samstag den 1& Januar, abends 8 Uhr, im Fürstenhof eine öffentliche Beamten-Dersammlung ab.
** Die Gießener Frauenvereinigung für Wahlarbeiten halt am Dienstag, den 21. Januar, abends 7% Uhr, im Stadttheater eine Frauenversammlung ab.
-er- Steinbach, 14. Ian. Am letzten Sonntag abenb fand in hiesiger Kirche eine von wett über 300 Personen besuchte Gemeindeversammlung statt, in der Pfarrer Dr. Preuschen-Hausen über Trennung van Staat und Kttche und die Lage der ev. Kirche in Hessen sprach; der Ottsgeistliche, Pfarrer Koehler, sprach über die Pflicht aller evangelisch gesinnten Männer und Frauen, in dieser ernsten Zeit treu zu ihrer Kirche und deren hohen Gütern zu stehen. Es wurde eine Entschließung gefaßt, die jeden gewaltsamen Eingriff in die geschichtlich erworbenen Rechte der hessischen Landeskirche zurückweist. An den oberhessischen Bauernrat soll das Ersuchen gerichtet werden, die in sein Programm auf- genommene Forderung, wonach die Güter der „toten Hand" zwecks Gründung kleinbäuerlicher Siedlungen aufgeteilt werden sollen, wieder aus dem Programm zu streichen, da zu den Gütern der „toten Hand" auch die Kirchen» und Psarrgüter gehören, deren (Ertrag« niste eine Haupteinnahmequelle der Kirchengemeinden zur Bestreitung ihrer kirchlichen Bedürfnisse bilden, die Kirche aber durch deren Wegnahme eines großen Teiles ihrer Einnahmen beraubt würde.
** Lich, 16. Jan. Gestern abenb fand hier eine sehr stark besuchte Dählerversamm- lung statt, welche einen recht stürmischen, aber iltteresstatten Verlauf nahm. Sie war stark von Frauen besucht, ba auch zwei Damen sprachen, Frau S ch n e i b e r unb Frau Retzlaff von Gießen. Ihre Aussührungen sanben Beifall, aber auch heftigen Widerspruch bei ben zahlreichen an- roefenben Sozialbemokraten, zu welchen hier in Quartier liegenbe Soldaten ein starkes Kontingent unb einige scharfe Gegenrebner stellten. Pfarrer Fritsch-Ruppertsburg hielt ben Hanptvortrag. Er legte bie Gstünbe des Zusammenbruchs bar unb führte aus, weshalb zur Wahl ber Deutsch-nationalen Liste aufgeforbert werben müsse. Bei starkem
1 Widerspruch unb Unruhe auS der Mitte der So- I zialbemokraten gelang eS ihm schließlich, ben Sturm zu beschwichttgen unb namentlich seine Ausführung gen über Notwendigkeit ber Religion für -93o.lt, Haus unb Schule barmten bie Unruhe. Nachher trat eine Reihe sozialdemokratischer Redner auf mit den bekannten Vorwürfen, welche alle Schuld aus Offiziere, Besitzenden und Nichtsozialbemokraten roarren. Auch ein Mitglied der Temokrattselfen Partei griff in die Aussprache ein. Die Versammlung wurde gegen 12 Uhr geschlossen.
** Schlitz, 14. Jan Eine von sämtlichen Vertretern der evang. Kirchengemeinden und zahlreichst ©emeinbegliebem von Schlitz jmb dem Schützer land stark besuchte evangelisch Volks ver- sammümg fand am vergangenen Sonntag, 12. Januar, im Guntrumschen Saalbau statt. Oberpsr. Knodt sprach über „Kirche und Staat in Hessen" Stadtpfarrer Boeckner übet „Kirche mW Schule in Hessen". In der folgenden Aussprache trat Lehrer Gom Pf . Obmann der Lehrer des Schützer» lcmdes, warm für den hohen erzieherischen Wert htnb die Beibehaltung des Religionsunterrichtes im Lehrf^an der Schule ein. Lehrer Stephan- Sanbloss betonte die durch nichts zu übertreffenbe Ethik Jesu und der christlichen Religion, Studiosus Habicht erblickte in der SMeüigung des Staats- ftrchcmtums die Ueberwindung von viel rcHgiöfer Gleichgültigkeit unb Heuchelei. Als gemeinsame ttunbgebung verlas Oberpfamm' Knodt eine Ent- schließimg an bie hessische Regierung und VÄks- Dertretung, bie von der Versammlung durch Er- Ix’ben von den Sitzen einstimmig angenommen funrrbe. Der Gesang des Lutherliedes: „Ein' feste Burg" bildete den Schluß.
4 Ortenberg, 16. Jan. Am Sonntag nachmittag hatte unsere Gemeinde eine von den Gemeinden Bergheim, Eckartsbom, Lißberg, Ortenberg, Merkenfritz, Selters, Usenborn unb Wippenbach sehr gut besuchte kiccAiche Versammlung, in der Pfarrer Kahu-Ortenberg über die Trennung von Staat und Kirche einen Borttag hielt. Es sprachen noch Graf Kuno zu Stvlberg-Roßla, bie Lehrer Häuser-Selters unb Krausch Bergheim, Rechtsanwalt Holzapfel und Landwirt Gg. Hrch. Hebbel-Ortenbertz. Mit dem Lutherlicd wurde bie Versammlung emgcleitet, mit dem Lieb Großer Gott, wir toben dich! geschlossen. Die gefaßte Resolution, für bie in allen Gemeinden Unterschriften gesammelt werben, hatte folgenden Wortlaut: „Die beute in ber Kirche zu Ortenberg zusammengckom- menen evangelischen Beroohner der Gemeinden erwarten von der Regierung und Volksvertretung, daß die Tremrung von Kirche und Staat mir nach reiflicher Ucberlcgung, nach eingehender Beratung mit ber gesetzlichen Verttetung der hessischen evangelischen Laubeskirche und ferner unter gerechter Berücksichtigung aller dem Staat durch die Kirche geleisteten Dienste erfolge. Insbesondere stellen die Versammelten ff. Fvrocrungen auf: 1. Wei ter - erteilung des konfessionellen Religionsunterrichtes in allen Staats schulen unseres Landes durch Löhrer und Pfarrer. 2. Die Erhaltung ber theologischen Fakultät an ber Landc-s-Univcrsüät. 3. Gewährung bes gesetzlichen Schutzes der mit den Sonn- unb Feiertagen verbundenen kirchlichen Sitten und Ordnungen .Aufrechterhaltung des christlichen Charakters unseres Volkslebens. 4. Fortbestehen der Kirche als einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft, Belassung des Steuerrechtes unb Erhebung ber Steuern gleichzeitig mit Staats- und Gemeindesteuern. 5. Vermögensrechtliche unb finanzielle Sicherstcklung der Kirche durch Fortgewährung eines Staatszuschusses oder Auszahlung einer Ab- findungs summe. 6. Belastung altes mobilen und immobilen Besitzes der Kirchen gemeinden unb Pfarreien."
Lebensmittel.
•• Freibank. Samstag, 18. Januar, werden von 12-4 Uhr die Nummern 951-1100 beliefert.
•* Bodenleder für Minderbemittelte steht der Stabt Gießen in gewißer Menge zur Verfügung. Wer Sohlleder als Minderbemittelter beziehen will, hat entsprechenden SIntrag auf dem Stadthaus, Gartenstraße 2 (Zimmer Nr. 8) zu stellen. (Siehe Bekanntmachung.)
** Ber kauf von Lebensmitteln aus den Heeresbe st ändern In der letzten Zeit ist es wiederholt vorg'kommen, daß Lebensmittel aus .Heeresbeständen dem freien Handel zugeführt wurden. Ganz abgesehen davon, daß die bettestenden HoereSongehörigen sich strafbar machen, so werden auch die betreffenden Käufer zur Verantwortung gezogen. Lebensmittel, auch Market-mderware, n»eich? die He reSoerwaÜung nich !e öti t bür er mir den mit der öffentlich.1 ^kirnvtfdxiitung beauftragten Stellen (Kric^gese! lsckialten, Regie- rungspräsibenten, Kvmmunalverbänden usw.) an» geboten werden. Soweit diese Stellen nicht ohne Gcnchni igung zur Uebemahme bercchiigt sind, haben sie sich an die vorgesetzte Dienststelle zu wenden.
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♦* Von ber Uniüerfität. Zwischen ferne fier (Kriegsn otsemester) .für Kriegsteilnehmer. An berLandes-Univer^-
gehen, ohne dich gesehen zu haben." Wacker tat er feine Pflicht.
„Ach!" hauchte das Mädchen in einem Schauer des Entzückens. Gewiß, fein Mädchen war je so geliebt worden wie sie! ,^zch konnte nicht lierabkommen: ich war zu krank und zu schwach. Ich versuchte es, aber ich muß wohl ohnmächtig geworben sein," sagte sie. „Und ich wartete unb wartete in bei Hoffnung, baß du vielleicht zu mir fommen würdest, und dann — dann sagte ich meinem Herzen, es sei zu spät, ging zu Bett, und," dabei lächelte sie kummervoll, „ich muß mich in ben Schlaf gcnx?int haben. Aber jetzt —"
Ihre Stimme starb dahin, ihre ganze Seele lag einzig in dem hungrigen Blicke, mit dem sie ihn anschaute.
^,Du bist krank gewesen," sagte sie. „Ach, mein Geliebter, und ich tonnte nicht zu dir kommen."
^Jch^ sagte er fragend und schaute Galahab an. Sein Einsager nickte.
.La, ich bin krank gewesen. Aber ich fühle mich wieher wohl." Er sog Inspiration aus Galahads Gesicht und fügte eilig hinzu: „Seit ich dich gesehen habe."
,La, nun ist alles wieder gut — unb —" Sie sah herab und maß die Entfernung zwischen ihr und ihm.
,Lch kann nicht herabkommen Ich bin heute abend nicht kräftig genug."
Stab immeu stand der junge Mann ba
tat findet vom 3. FebmarbislO April ein Kriegsnot ferne st er für Kriegsteilnehmer statt. Tas Vorlesungsverzeichnis für dieses Semester wird demnächst ausgcgcbcn. In allen Fakultät« werden besondere Kurse (Vorlesungen und tte bun- gen) für Kriegsteilnehmer abgesehen: die Kurie lifrtb teils für Anfänger bestimmt, teils bienen sie vorgeschrittenen Studierenden zur Wtebereinfüh- rimg und Wiederholung. Um ben Abiturienten mit Klicgsrcisepvüfung bas Einarbeiten in ihre Stv- diensächcr zu erleichtern, werden nach Bedarf besondere Ergänzungskurse eingerichtet, unb zwar in Mattxnnaük, Latei lisch. Griechisch, Französisch, Eitglisch unb Geschichte. — Das Äriegs- notfcmeitcr wird Kriegsteilnehmern bei der Meldung zu hessischen Prüsimgen auf die 00c» geschriebene Studienzeit ang ercchnet. für bie reichsrechtlich^ geordneten Prürnrgen (Prüfungen für Aerzte, Tierärzte unb Apotheker nxrben noch Bestimmungen erlassen. — Zu den Vorlefun- ge n können auch Studierende zugelassen werben, die nicht am Kric,^ tcilgenommat haben, ihnen luirb jedoch das Semester nicht auf bie Studienzeit angerechnet. — Auskunft erteilt di: Aklibe- mische Auskunnsstelle in der Uiliocrf'ttätsbibli>- thek ((Kcplerftr. 2).
•* An die Landbevölkerung wendet sich ein Aufruf des Demobilmachungsamtes der die Landwitte, die in aufopferndster Weife und unter Einsetzung ihrer ganzen Kraft bisher gebol en haben aufrvft, auch jetzt die zurückkehrenden Krieger und alle an» deren, die keine Arbeit finden, auf dem Lande zu beschäftigen. „(Bebt ihnen Arbeit," heißt es, „Nahrung und Wohnung, auch bann, wenn Ihr Euch felbft im Raum beschränken müßt. Baut Wege, melioriert Euere Felder und Wiesen, macht Waldarbetten, kurz, schafft Arbeit! Das ist jetzt eine hohe, sittliche Pflicht der Landwirtschaft.- Gleichzeitig werden die Arbeiter aufgefordert aufs Land zu gehen. Das Land aber braucht Arbeiter. Nichts ist jetzt roid)tiger als die Sicherung unserer Ernährung. Landoerbefferungen, Wegebauten und viele andere Arbeiten ähnlicher Art harren der Ausführung. In jedem größeren Der» waltungsbezirk find landwirtschaftliche Arbeitsnach» weise vorhanden.
** Tas Finanzamt Gießen teilt mit: Eine Auslegung von dem Reichssinanzhos zur Frage der Umsatzsteuerpflicht ber nach tem Inkrafttreten (1. 8. 1918) des Umsatzsteuergesctzes vom 26. 7. 1918 vereinnahmten (Entgelte für Lieferungen unb Leistungen aus der Zeit vor dem Inkrafttreten dieses Gcketzcs lautet: „Sind Lieferungen ober sonstige Leistungen, btc ihrer Art nach unter das Um satzsteuer gesetz vom 26. 7. 1918 fallen, vor dem Jnkrafttteten bes Gesetzes bewirft, so ist die Steuerpflichl nach diesem Gesetz begründet, nxim für sie nach seinem Inkrafttreten Entgelte vereinnahmt worden sind. Für Lieferungen, die ihrer Art nach unter bie Bekanntmachung des Reichskanzlers über Sickerung einer Umsatzsteuer auf Lupusgegenslänb? Dom 9. Mai 1918 fallen, unb für bie das Entgelt in ber Zeit vom 5. Mai 1918 bis 31. 7. 1918 entrichtet worden ist, besteht bie Umsatzsteuerpflicht nur wenn auch bie Lieferung nach dem 4. Mai 1918 erfolgt ist."
** Schwarz-Weiß-Lichlspiele,Seltersweg81. Die Rothenburger betitelt fich ein Koloffal-Kunstfilm nach dem Roman von Adolf Wilbrandt, der von Samstag bis Montag zur Aufführung gelangt. Dieser Film wurde unter dem Protektorat der Stadt Rothenburg und der Genoffenschaft deutscher Bühnenkünstler ausgenommen. Die Hauptrolle hat Friedrich Zelnik. (Ein Besuch ist besonders zu empfehlen.
ÄTrid Scholten.
e Wetterfeld, 14. Fan. In der Nacht vom 11. auf den 12. Januar wurden hier zwei Militür- Zugpferde gestohlen.
Startonburg und Wintteffen.
•* Ederftadt, 15. Ian Am Dienstag abend stürzte der Landwirt Philipp Görlach II. in seiner Scheuer so unglücklich ab, daß der Tod sofort eintrat.
Hessen Nassau.
sj Marburg, 15. Jan. Wie in der letzten Stabte verordneten-Sihung mitgeteilt würbe, haben jetzt neuerbings etwa 20 Canbgemetnbcn um Anschluß an bas hiesige Elektrizitätswerk nachaesucht. - Die Wahlbewegung hat in dieser Woche ihren Höhepunkt erreicht. In Stabt unb Land finden täglich eine Menge Versammlungen der verschiedensten Partei» Achtungen statt, bei beiten es zuweilen recht lebhaft her geht.
Kirchliche Nacbvichten.
Sonntag ben 19. Januar 2. Sonntag nach Epiphanias.
Evangelische (Gemeinde.
In ber Stadtkir che. 9V8: Pfarnrsftstrrrt Schaefer. 11: Kurberk. f. b. Mark.-Gern. PsarrLss Schaefer. 5: Pfarrer Lir Dr. Adolph In der Fohanneskir che. 91/,: Pft. AnSseld 11: ilmberL für die Joh. Gem.: Pft. Ausselb 5: Pft Bechtolsheimer. 8: Bibelbcspr. im Johaturessaal. Kirchberg: vorm. 10. — Lollar vorm. 10. unb starrte ausdruckslos empor. Sein Einsager legte sich ins Mittel. Er beutete nadj bcc Letter. Horace fing ben Wink auf. Er kletterte empor, bis er sich in einer Höhe mit Dem Balkon befand. Sie beugte sich ilM entgegen, als er dastand und sich ungeschickt am Außengeländer fefthielt. Sft küßte ihn.
_ Galahab senkte seine Augen, um diesen Kuß nicht durch seine Zeugenschaft zu ent- wei^n. Aber er konnte feine Ohren nicht ver» swpfen. Er vernahm des Mädchens beinahe unaTtituhertc Liebestöne, ihr leifes Girren in ihrer Glückseligkeit.
Aber dann — vielleicht war des jungen Mannes ungeschickte Steifheit, mit der er an der Außenseite des Gelänbcrs an seiner Leiter klebte, daran schuld, vielleicht eine plötzliche 6furcht,^ daß Horace sie durch die DKihrheit töten könne, vielleicht rein menschliche Eifersucht — dann trat Galahad aus seinem Schatten heraus ins Mondlicht.
l,Es ist Zeit zu gehen," sagte er hart.
-Hst es so spät'?' fragte das Mädchen- bleich vor Bestürzung.
„Sehr spät."
„Aber du wirst morgen abenb wiederkommen?"
Die Frage war an Horace gerichtet. Galahad anttcortete an seiner Stelle.
„Unb ich werde mich dann wohler fühlen," sagte sic mit einem mutigen Blick naä Galahab. (Fortsetzung folgt.)


