Ausgabe 
15.4.1919
 
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Die tzriednrsgkbühnüsse für llnteroffutere und Mannschaften.

Berlin, l4. April (WTV) Ta» In­krafttreten der von der Retchsregierung er­lassenen Verordnung vom 4.April übte Den Ein­tritt ter Friede nsgebühraisse *ür Unier- ofitikre ur.) Mannich.sen ocs b S tetigen icehen- Ken dec res ist vom 11. April auf den 1. Mar ver­schoben worden

AU5 dem vaugkwerbe.

fcta n f f u r t, 14. April. Unter dem Vorixtz btm Gtüb'tit Tr Saran als UnpaNeiiicben fanden in der vergangenen Woche zwilchen dem Mitteldeutschen Arbeitgeberver­band für das Baugewerbe sowie oem Deutschen Bauarbri eroerband, dem Zentralv'r- band christlicher Bauarbeiter und dem Zentral- Derbanb der 3mwTtr über den Abschi utz cinc-> Tarifverträge. Berhand'ungen statt, zu txme-t cu» Frankfurt u'd den bauportm Mitte cdeutschlanbs etwa hundert Vertreter erschienen waren. Ls ge» lang eine Einigung über Lohnsätze, um­fang deS Tarifgebietes, Arbeitszeit und sonstige Nebenbestimmungen. Wenn die Zentra! Vorstände den Bertrc.g geneh­migen, wird betritt ein einl)eillichcr Lohn- und ArbeirStacil für das gesamte Baugewerbe in Mit­teldeutschland nbgeschlossen sein. Ter Taris be­deutet zwar wiederum eine erhebliche Verteuerung« deS Bauens, ist aber nur als Uebcrgangstarii gr- dacht mid soll obgebaut werden, sobald die Ge­staltung der all gemeinen Preisverhalmisse es irgend zuläßt.

Au» Hessen.

DaS Laudgefetz in brr hessischen Volkskammer.

lieber den Stand der Aufhebung der Fi­deikommisse und die Austeilung des landwirt­schaftlichen Großbesitzes zur Hebung der land­wirtschaftlichen Kleinbetriebe, der Schaffung von Heimstätten und Arbeiterwohnungen Hal, wie wir bereits in Nr. 85 berichteten, Finanz­minister Henrich in der Sitzung der Volks­kammer am 9. April d. Js. wichtige und weit­tragende Erklärungen abgegeben:

Außer den in Kürze vorzulegenden Ge- setzentivürfen über die Baukostenzuschüsse für den Kleinwohnungsbau, über die Geldbeschaf­fung für zweitstellige Hypotheken und der­gleichen mehr, ist, nach einer uns aus Darm­stadt zugehenden offiziösen Notiz, der G e s e tz - entwurf über die Landaufteilung so gefördert worden, daß er bei dem Wieder- zusaminenlrilt der Volkskammer nach Ostern alsbald beraten und verab­schiedet werden kann:

Hessen wird damit der erste Gliedstaat des Reiches (ein, der auf Grund der Reichsverord­nung über daS landwirtschaftliche Siedlungswesen vom 29. Jan. 1919 eine landesgesetzliche Regelung dieser außerordentlich schwierigen Materie in An­griff nehmen und durchführen wird.

DaS Landgesetz wird seine Ausgabe darin er­blicken, den fiderkommissarisch gebundenen Land­besitz, wie auch den sogenannten Landbesitz der toten Hand" zunächst staatlich zu erfassen und ihm durch Vermittelung des Staates den land- bedürftigen Kleinbetrieben und Arbeiterheimftätten ! umführen. Die Verteilung deS Landes wird nach oiialen Rücksichten erfolgen und die Boden- pekulation sowie die eingerissenen Preistreibereien, bei Landkäusen und Verpachtungen dauernd und wirksam unterbunden.

AlS gesetzliche Zwangsmaßnahmen sind zu diesem Zwecke ein Vorkaufsrecht, die Ent­eignung de» Grundeigentümers und die Zwanaspachtung vorgesehen.

i Hessen wird in einige Arbeitsbezirke geteilt, die Arbeit an mehreren Stellen im Streife be­gonnen und so beschleunigt werden, daß sie in 23 Jahren durchgesührt fein wird. Die Ent­schädigung der Grundeigentümer für Pachtzins ober Bodenwert wird aus der Grundlage der vor dem Kriege gezahlten Preise erfolgen und sede übertriebene Bodenrente ausschließen. Die Ver­wahrlosung der überwiesenen Grundstücke wird ihren Entzug zur Folge haben. AlS Endziel wird da» Landgesetz dahin ftreben, das erfaßte Grund­eigentum in daS freie Eigentum der kleinen Leute und Dauern über-usühren: den freien $3 au* ern.BürgernundArbeiterneineige- ne< Heim auf eigener Schollt."

Aus Statt und Land.

Gießen, 15. April 1919.

Sperrzeitem für Gas und elettr.Licht.

Im Haushalt:

von 1V9 Uhr nachmittags bis 6 Uhr abends, von 10'/» Uhr abend» bis 6 Uhr früh.

In öffentlichen Lokalen:

von 9 Uhr a bendS.

Die Einzelheiten find auS den Bekanntmachun­gen deS Anzeigenteil» »u ersehen Wir weisen aber auch an dieser Stelle nochmals daraus hin, daß äußerste Sparsamkeit unbedingt geboten ist.

Die Einschränkungen werden ausgelwbcn, sobald wieder genügend Kohlenvorrat cingetrosst'n ist.

Einftellung des Lchnellzugverkehr».

Turtf) den Kohle nm angel wird, wenn nick» noch im letzten Augenblick Stöhlen beigeschasft wer den können, der Schnell zugsvcrkehr im Direktion tbczirk 3 r n tt f f it r t a. M. nahezu völliglahmgelegt werden. Heute fällt bereits bat 0 Zugspaar Iiichtung Leopolds^ höhe (Abkaln" 10.18 ab Fnnrksnr!. Ankunft de» korrespondierenden V-ZugeS 4.05 Ubr in Franfturli auc Ferner fällt mit dem heutiger, Tage das D*3ufl?pnar 57 und 59 nach imb von München Nürnberg au». Wegen Streiks in Bauern war diese» l> ZuaSpaar ffnige Tage b« reit 5 aus.vstrklen und sollte letzt ,(Heber ein-reführi werden lAbsahrr 12.37 ab Frankfurt Ankirnst de» korrelpondierelkden Zuges 536 . Von morgen ab kommt das D-Zugsvaar 1 und 2 ttacb Darm - stadtHeidellveg und zurück in Winftall (Tbfnbrt 5.50 früh, Ankunft 11.22 al'ends. Am 16 Avril fällt der Schnellzug Frankfun Vertin Antralter Bahndoi und fein korrespondier-über ^gni zu» au» (Absahn 7.40 früh. Ankunft 6.36 nachm?. Nach dem 16 April geht also von den ffmf Schnellzügen, die von imb nach Frankenn r>- frtnvn, Bem einzig, r neebr. Auch die Sckmellzüge 81 und 82 Frank urtG ieße nElfenHa i-1 Betzdor, G esun ab morgen» 10 06 und abends an 10 Uhr, fallen bi» auf weitere» aus Von morgen ab wird übrigens auch der sehr wichtige Perionenzug 602 FrankfurtDarmstadt über Offenbach uvd der korrrsrvndierende Personeuzug

603 ausfallen. Ein weiterer Ausfall von Personen - undSchnellzügkenistm Aus- sübt genommen. Die Ursache i|t wie gezagt letig- l.ch lwhlenmangel.

Wie uns soeben mitgeteilt wird, fallen weiter folgende Züge aus:

Aus der Strecke Frankfurt-Marburg P. 771 Frankfurt ab 11.25 nacht-, Güßen an 1 47 nachts.

Gießen ab 1 58 nacht», Marburg an 2.38 n P 781 Frankfurt ab 5 50, Gießen an 8 26 n. Gießen ab 8.35, Marburg an 9.28 nachts Vorzug 793 Franks, ab 1.11, Gießen an 3.02. P. 774 Marburg ab 8.59, Gießen an 9.46. Gießen ab 9.59, Frankfurt an 12.10.

P. 7 «8 Marburg ab 7 3) n , ®i ßen an 8 19 n. Gießen ab 8.29 n., Frankfurt an 1U.50 n. P. 790 Ma bürg ab 6 3«, Gi.ßen an 7 31.

P. 794 Marburg ab 4.24, diesen an 5.14. Gießen ab 5.27, Frankfurt an 7.27 n.

Strecke Gießen Ärünberg:

P. 4337 Gi.ßen an 2.37.

P. 4340 Gictzen ab 3.10.

Strecke Gießen Limburg:

P. 409 ab Limburg 7.41, Gießen an 9.52.

P 4o8 ab Güßen 10.12, an Li ubürg 12.15. Strecke GießenWetz.ar:

P. 1658 ab Gießen 7.00 n , an Wetzlar 7.20. P. 1661 ab Wetzlar 7.40 n, an Gießen 8.00. Halle a.S., 14. April. Die Eisenbabndirek- lion Halle macht durch Anschlag bekannt, daß wegen Kohlenmangels nur ein be - schränkter Zugverkehr aufrecht erhalten werden kann. Es verkehren daher täglich aui der Strecke HalleBerlin nur zwei v-Züge und zwei Personcnzüg«^ auf den Strecken HalleLeipzig, .HalleÜottbu», HalleNordhausen je zwei Per­sonenzüge. Verschiedene D» und Personenzüge, so BerlinHalle, FvaiffurtHa lef8ci(in,fttufel WeißenfelsBert m und Winenberg sallen vvn heule ab aus.

Ta» Schlagen von Bucheckern freigegcl-eu.

Wie wir erfahren, hat die Regierung nunmehr endlich das Scküagen von Buckxckern olync Scküag- schrin f r e i oe g c be n. Tauii: wird rrichiich se<it ein Wunsch erfüllt, der Hunderte von Erngaben und Pivleslen v.ranlaßt l>at. fleider werden die nenigsien Buch ckernsammler mehr in der

Lage sein, ihr SammctergebniS voll aus^mxützen

Lebensmittel.

** Käse-Verteilung Am Mittwoch den 16. April 1919 gelangt in vertchiedenen Geschäften Käse zur Verteilung. Siehe Anzeige.

** Seefisch-Verteilung Am Mitt­woch den 16. d. M oriangen Seen sehe zur Ver­teilung Tie Abgabe ges hi h! g ge, Vorlage der alten Lebensmittetta. i. und Abgabe des Bezugs- abschnitles Nr. 15. Aus jeden Bezugsabschnitt ent» fällt Vs Pfund. Siche Bekanntmachung.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt tvurde am 4. April der Direktor der Realschule und des Proghmnasiums in Dieburg Joseph Diehl zum Direktor des Gymnasiums in Bensheim vom 16. April 1919 ab. Ernannt wurde am 8. April 1919 der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Ulrichstein Georg Büdin- fl e r MM Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Friedberg mit Wirkung vom Tage de» Dienstan­tritts seines Nachfolger». In den Ruhestand versetzt wurde am 8. '2lpri( 1919 der Gerichtsvoll­zieher mit dem Amtsftye in Bad-Naul-eiin brecht Glenz auf sein Nackffuchm unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers. In den Ruhestand versetzt wurde der Rotten­führer in der Hessisch-Preußisckien Ei enbahnge fneinschaft Jakob Becker zu Lampertl-eim vom 1. Mai ds. Jtz. an.

** D a s N o t s e rn e ste r der Landesuni- verfität schließt morgen. Das Sommersemester beginnt nach einer Pause von kaum 14 Tagen am 28. Avril.

** Oderbess Ge schi chtsv ere in. Vor­gestern abend hielt im großen Öörsaal der Uni­versität der Denkmalpffeger für die Provinz Ober- Hessen, Herr Geh. Baurat Pros. Walbe von der Technischen Hochschule in Darmstadt, einen Vor­trag über da» Zisterzienserkloster Arnsburg. Das benachbarte Stlofter fei nur noch als Ruine vorhanden. Nach der Säkularisierung habe man es abgerissen, um die Steine anderweitig zu ver- »venden. Nun habe die Natur mit einem grünen Moostcppich die noch stehenden Mauern bedeckt, und gerade in dieser Wechselwirkung von Bau­kunst und Natur liege für den Beschauer ein großer malerischer Reiz Wer ober den künst- lerisch-orch-tektonischen Gehalt dieser dreischiffigen Basilika erkennen wolle, der müsse Umschau halten in der Geschichte des Zisterzienserordeus wie in der Geschichte anderer .Klöster dieser Zeit. Die Wiege de» Ordens sei Burgund: doch durch die französische Revolution seien die MutlerNöster zer­stört worden. So komme es, daß gerade Deutsch­land die meisten Reste von alten Zisterzienser- Höfteni aufzuweisen habe Der 3ifttruen[er­erben sei bte Reaktion gegen den Benedxktiner- orden. Die einzigen Spuren der von diesem ver­tretenen romanischen Baukunst, speziell der söge- nannten Hirsauer Sckmle, seien die fpärhrfni Grundmauern im Kastell Arnsburg Damals aus- kommende tedmifdx* Neuerungen wie Spitzbogen, Strebepfeiler und Kreuzrivvengewölbe feien be­gierig ausgenommen worden mtb auch schon m Arntzburg testzustellen. Der Redner ging mm näher ans die GründungSgeschichte deS Klosters Arns- bürg und anderer auf deutschem Boden sich be­findender Schwesterklöster, wie Sckiönan, Mm>l- ironn, Elvrbach u a. ein, um hierauf im Licht- bild ihre Grundrisse »oruihlbren und da» ihnen allen im Aufbau Gemeinsame darzulegen Sodauu iolote noch eine Fülle gut gelungener photverravdi- scher Aufnahme, cm xxrib deren der 9kntrmxnbe eine teinff mig- Cimff x r ifdr Anal s der t?er. cknedencn Bauten de» Klosters bis in die klcinsten architektonischen Einzelheiten hinein brachte imb au» den Ergebnissen ferner Ausgrabungen qleich- scitiq wichtige Schlüsse aus die Vauge'chichre der Abtexkirche zog. Leider ist es nicht möglich, hier darauf nfibrr einzugehen. Die zahlreich ,Tf*ie- nene Zuhörerschaft bankte mit starkem Beifall für die interessanten und lehrreicher. Ausiübrungen.

** Mit dem vorgestrigen Woßl- tätigkeitskonzert zum Besten unserer ßeimkebrenden KriegSaesangenen im Saale des HotelsEinhorn" hat das Mufikkorps des F.-R. Nr. 116 einen vollen künstlerischen Er­folg erzielt. Die durch ihre tüchtigen Leistun­gen bekannte Kapelle hatte ein tebr zahlreiches Publikum angelockt, so daß der Saal bi» auf

den letzten Platz gefüllt war. Geboten wurde ein geschmackvoll ausgewähltes Programm, das sich vornehmlich aus bekannten Stücken der Cpemliicratur zusammensetzte. Unter der straffen Leitung des Herrn zrorpsfühcers Schleuse entledigte sich das Lrchester seiner Aufgabe in trefflicher Weise, indem es bei schö­nem Zusammeuspiei den verschiedenen Kompo- fiiionen zu wohleinstudierter, geschmackvoller Wiedergabe verhalf. In dieser Hinsicht seien besonders erwähnt die Ouvertüre zuRun Blas" von Mendelsohn, das Ballett aus der OperCopvelia" von Telibes, der Prolog zu LeoncaoallosBajazzo" und die spanischen Tanze von Moszkowski. In benjeiben letzten Stücken kamen besonders die Sireichinslru- menie voll zur Geltung. Der Fackeltanz a. bei OperDer Lanbfriebe" von Brüll, mit feiner dramatischen Wucht, beschloß bas interefiante Konzert. Das Publikum lohnte sämtliche Dar­bietungen mit reichlich gespendetem Beifall.

** Reisen nach dem Brückenkopf Mainz. Zahlreiche Personen reifen nach Frank­furt am Main, um sich von dort au» in das be­setzte Gebiet des B.'ückenkopies Mainz zu begeben. Irr Ein» und AnSreiieverkhr zum vorübergcl en­den Aufenthalt im franzö ücbcTiei!» besetzten Ge- biet ist gesperrt Es ist deshalb eine Weiterreise u-m FxanktuN ohne Einreiseerlaubnis in daS be- etzte (Gebiet nidn möglich. Gefuckx um Einreise­genehmigung sind bei dem Zivilkommisfari.it für den prrubiidien Teil des Abschnitts IV der neu­tralen Zone in Frankfurt a. M., BilterSdorffpIatz 27 an;-ubringen. Sie erfordern etwa 1 i Tage Zeit, bis die Genehmigung von der französischen Be­hörde ausgesprochen wird. Um die Reisen>en vor Weiterungen zu bewahren, hat der Minister der oifenklichen Arbeiten durch die Ei enbahnbirektioren anordnen lassen, daß (die Erteilung von Fahrt- erlaubnissckzrincn zu Reiien in das besetzte Gebiet des Brückenkopfes Mainz und die Ausgabe von F-al?rkarlen nad) Stationen dieses Gebiere; von Irr Vortage der 6rinreijeqenehmimng abhängig zu madxm ist. Rriiende, die FahrerlaubniSschrine oder Fahrkarten nach Frankfurt .fordern, sind zu be­fragen, ob f« von da a.i» in das be^ejM Gebiet Weiterreisen wollen und zutreffendenfalls auiiu- flären.

** Versammlung ausgetauschter Kriegs- und Z i v i l g e i a n g e n e r. Am 11. Avril hatte der PollSbund zum Schutz der deutschen Kriegs- und Zivilgeiangenen die AuS- getauschlen zu einer Zusammenkunft gebeten, in der der Vorsitzende der Landesgruppc Oberhessen über die Bestrebungen des VolkSbmxdes Mittei­lung machte. Er erwähnt vor allem auch die Ein­gabe de» Volksbundes an die Regierung, die am 22. März von der Bcr.'reterversammlung in Oenn- Hansen abgeschickt worden war, welche die Bitte enthielt, daß den deuffchen Smcgögci an gehen für die Zeit ihrer Gefangenschaft die immobilen Ge- huhrnisse nachgezahlt würden, soweit Tiefe Zah­lung noch nicht an die Gesaugenen selbst oder die Angehörigen erfolgt sei Die Anerkemrung des Rechtsanspruches der Knegsgcsangenen auf Löh­nung sei wirtschaftlich, politisch imb moralisch eine unabweisbare Forderung, die eine sofortige Erftillung verlange. ES wurde darauf auftnerksam gemacht, daß die Kriegsgefangenen sich na«f> ihrer Veimkehr zusammenschließen müßten. Da sie noch in Zahl sehr gering seien, sei es zweckmäßig, daß sie sich zunächst dem Volksbund emschlössen, da krine andere bestehende Verrinigung für di- be­sonders gestaltete wirtschaftlich? Lage der .stliegs- gefanqmen, geschweige denn für die eigenartige seelische Versa'sung daS nötige Verständnis be- fitze. Die Anwesenden bekundeten ihr Cinverstänb- niS dadurch, daß sie hx großer Zahl den Beitritt zum BolkSbund erklärten. Der Redner bat zum Schluß inständig, daß möglichst viele Ansgetauschte sich am Empfang der heim kehrenden Kriegsgefan­genen beteiligen möchten, sobald dir Entcnte die Rückkehr zulasse, da gerade die Ausgetauschten das meiste Verständnis für die Heim kehrenben besäßen. Melbungen derer, die sich an den Emp­fängen zu beteiligen wünschen, seien zu richten an: Sanitätsunterosftzier Braum, Gießen, Kath. Schwesternhaus.

**Besitzwechsel. StcinsGarten ging durch Kauf für 217 500 Mark in den Be­sitz der Firma Goebel u. Appel über, die die Absicht haben soll, dort eine Fabrik einzu- richten. Würde diese Absicht ausgesührt, so verlöre unsere Stadt ben einzigen vornehme­ren Konzertgarlen unb eine Stätte der Er­holung worin sich seit Mitte des vorigen Jahr­hunderts alle Kreise unserer Bevölkerung wohlgesühlt haben.

** Die gewerbliche Fortbil­dungsschule nimmt ihren Unterricht am 28. 2lpril wieder auf. Der Besuch ist besonders zu empfehlen, da der Wert einer guten theore- ki'chen Ausbildung für die praktischen Berufe nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Siehe An .eige.

Vergebung von S tipendien AuS der JubiläumS-Stivendicn-Slistung zu Ehren der 25jährigen Regierung des Großherzoas Ludwig III. sind für das Jahr 1919 als Beihilfe zu ben Kosten der Ausbildung auf einer höheren Bit- dungsanstalt drei Stipendien von je 400 Mark an drei junge Leute zu vergeben. (Siehe Bckaimt- madjung.)

* Eine große öffentliche Kund­gebung gegen die Abtrennung be» Saargebie:» lindct am Mittwoch, 16. April, abend» 8*/« Uhr, int großen Saale M HotelsEinhorn" (Fürst.'n hof> statt. Al» Redner sind der Präsident des Landesaml» für das BildungSwesen, Professor Dr. Strecker (Darmstadt) und Vertreter der politischen Parteien gewonnen.

**DiehiesigenBanken haben ihre Kaffen unb sämtlichen Geschäftsräume am SamStag, 19. April 1919, für jeglichen Ver­kehr geschlossen. Siehe Anzeige.

" Die Mitteldeutsche Credit- bank bringt taut der in dem Anzeigenteil ver­öffentlichten Bilanz für da» verflossene Geschäfts­jahr eine Dividende von 7 Prozent zur Ver­teilung. Wie wir noch hören, wurden die lnslxeigen Prokurn>n der Filiale Gießen, bte Herren Ludw. Liebmann und Gust. Solen» berger, zu stellvertretenden Direktoren er­nannt

** Bom Volk-Hontz zum Schutze der deutschen Krieg» und Zivilgeiange- ntn tvrio in dieser Woche im Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) rin Film ausgesührt, der durch das packende 6i*d Moissi, ba» schwere Leid,

da» itakre Gefangenen bedrückt ond die großs Sehnsucht nach der Heimat, die sw erfüllt^ in er* greifenber Weife zum Ausdruck bringt. Hoffent­lich werden recht viele durch den Namen be» gefrierten Künstlers angeregt, sich ben Film an* tu leben, und dadurch für die dXe Sache, bet er dient, gewonnen.

* Lichtspielhaus sVahnhofstrahe. Von beute ab tritt Alen Richter in be n Filmw.tkDer Flieger von Goerz" au? Außerbem ist ein gute» Beiprogramm vorgesehen.

* * I n den Schwarz-Deiß-Licht- spielen (Seltersweg 81) treten bi» einschließlich Donnerstag Erich Kaiser-Titz und Lia. Mara m dem Drama ,L>alkas Gelöbni»" und Kurt Brenken- dort als Detektiv Joe Jenkins in dem Detetttv- ÄomanSirocco" auf.

Landkreis Gieße».

Beuern, 15. April. Am Sonntag wurde in stattlichem Trauer-ug da» 50. Kriegsopfer un­trer Gemeinde, der 2) jährige Arbe.ter Heinrich Kumpf, zu Grabe getragen. An ben Folgen einer icbwren Verwundung, die er im Okto (ex erhielt, starb er in einem Lazarett in München.

K Grünberg, 12. April. Die riesige Preissteigerung der Pferde zeigte sich kesonders beim Berkaus de» Pferbe» eine» tödlich verunglückten Besitzers in einem Nachbarort. Den Mann hatte daö Pferd 103 Mark gekostet, leine Angehörigen verkauften setzt da» Tier ;u 3300 Wt, so daß der Gewinn rund 3200 Mk. bi trug.

uv. Vom Lande, 14. Aonl lieber bed jüngst gelieferte Pe troleu m wird lebhaft ge­klagt. Es eniwickeft bei geringer Brennkroft einen burdjfrringenben Geruch

Hrssen Nassau.

Frankfurt o. 5t., 14 April. Die beim städtischen Lebensmittelamt delegierten ihmtrol» leure der HilfSpolizei beschlagnahmten in den Ok- frierhtiUen von E. & I Mayer, Höchster Straße Nr. 82, 4 00 Zentner Schweinefleisch. DaS Fleisch lagerte dort schon etwa zwei Jahre und war angeblich Eigentum der Eisen- und Stahl­werke Röchling in Völklingen fSaar), konnte aber wegen der inzwischen erfolgten Besetzung des Saar- gebiete» nicht nach dort verschickt werden. Das hiefiac Lebensmittelamt hat die Heber nähme be* Fleische» das Kilo 16 Mk. abgdehnt, wett c» sich den Untersuchungen zufolge nicht mehr als ganz einwandsfrei erwies. Die Beschlagnahme de» Fleische» erfolgte in dem Augenblick, als e» verschoben werden sollte, angeblich nach Duisburg.

11 a r b u r g, 14. April. Dem Vernehmen nach bleibt Marburg auch in Zukunft Garni- sonstadt. Voraussichtlich kommt da» 1 Ba­taillon des 2. Hessischen Reichswehr Re' (ment» 3 Kvmpagnien, Maschmengetvehr- und Nachrich- tcn-Truppel hierher.

Aus b:m besetzten Rheingebiet. Die Frauzoieu in @rir»bcim.

Fran ksurt, 14. April Wenige Meter Linier her End sta iron bet Strnßexckuünü nxe 11 an brr Maftizev Landsttafte ftxchön feit heute früh die äußersten französis-^en Grenzposten unmittelbar vor Frankfurts lernen. Wmn auch der Verkehr nach OKiesbenn bis cürschließluh Mitt­woch poch frciygcbcn ist, R> findet tnxh schon an der Sperr grenze eine ShmtroTIr der Wanhervr imb Fulmrerkc statt, jedes ^Gepäckstück wirb imtrrftKhl, jeher 9Ba»-n durchstöbert Ein ununterbrochener Menfchrnstrvm tpalltr sftl dem frühen Morgen non GrieSl"eim nab Frankchntt bnu-xn. Ein einziger Wunsch nur befMtt die Tausende: Photogra­phieren lassen! Die in Frmx^urt tzskwf.üp- tm GrieSbeimer, und e» sind Taufenhr, I« biYrfrix vom Dmrners ag ab neben ihrem Ausweis auch einer Plwtog avhie. Unsere Li.ch'bildkü:ist1er btlrfen den 14. April al- Eirmachmrtng erster Crtmimg verbuchen.

Höchst a M , 14. Avril Das französische lMilitär-Polizeigericht verurteilte Nm Gärt­ner Sck>neider von Oberliederbach zu 2000 Fre». Geldstrafe wegen verleumderischer Anzeige fron- ziösisck>er Soldaten und den Bürgermeister von Oberliederbach gleichfasl» zu 2000 Frei. Geldstrafe, tveil er, ohne ich von der Richtigkeit zu fibn* geuaen, bescheinigte, daß Schneiders Anzeigen auf Wahrheit beruhten.

Saarbrücken, 14. April Dr» franzö­sisch.' KriegSgerich' verurteilte 14 Bergleute zu je 2 Jahren unb 4 Bergtb ute zu je 5 Jahren (Mäng- ni», weil sie der A u f f o r be r u n g ber Militär­behörde jur Arbeit nicht na chgr kommen waren. Ein anderer Bergarbeiter nmrbe wegen Beleidigung eines Beamten zu drei Jahren G«- fängni» verurteilt.

^odifebttliiacbriditen.

P Marburg, 14. April. Im Alter von 72 Jahren hat hier der ordentliche Professor der Anatomie und Direktor de» anatomischen Insti­tuts, Geh Med.-Rat Dr. metr Emil DaNer, da» Zeitliche gesegnet. Der Berblichene, dessen Wiege in Idstein im Taunus stand, war Mar­burger Student, wurde dann im Jahrr 187? Assistent am anatomischen Institut, 1883 außer­ordentlicher Professor und folgte ein Jahr später einem Ruf al» Professor der Anatomie nach Bern Nack drei Jahren kehrte er tcdoch wieder nach Marburg zurück und blieb dann der hiesigen Uni» versftät treu Seine Verdienste um die von ihm vertretene Wissenschaft brachten ihm mancherlei Auszeichnungen.

Kttttfi und Wiffcnfd><ift

Neucrioerbuugcn der Frankfurter Musern.

--Frankfurt a. M., 13. Avril. Ba k tret* tor Artur v. G w i n n e r-Berlin bat dem Scuckrit- bergischen Museum da» erste nahew nellständi t er­haltene Sk l tt eine» Placod « S geschenkt und da­mit die paläontologische Sammlung um ein Sck>a'.istück allereriwn Range», rote e» bisher kein J.'.hifeum der Welt besitzt, bereichen. Von de n Urweltftere konnte man bisher nur Zädnr unb fÄhavel, niemals aber ein ZIelett. Tvr Besitzer de» machtvoll erhaltenen Sßeletts war Redakteur H. König in Heidelberg. Die weltberühmte Vogeffammlnng be» Grafen v. Berlepsch, mehr al» '»5000 Bälge, wurde durch die Unterstützung von Kommerzienrat 9t be Steefhilft, Dr.O. Löw-Beer und Justizrot Dr. tz. Günther stzr dos Senckenberg-Muieum erworben Dir ein­zigartige Sammlung birgt 300 neue Arcen und sodann kostbare Ezemplare au» ber Bogelweit Süd­amerika». Die Bogelfammlung aus Peru imb Bo- livia enthält mehr Material al» irgend ein an» bete» Mus um der Seit, daZ Lonboner ci beut fen. Die Kolibriiammlung ift jetzt bk jror tPoUiunibiuite der Wett.