Dienstag, 15 April 19N
Erstes Blatt
(69. Jahrgang
Der Ratcrongretz.
aud^ Erzberger, ffnnen gestellt morden. Die fragt, ob ein Bewendet nnd iofortig: Veroifeutl^chmirg des Atten- amter, welche Stellung er auch eingenommen Materials über die Vorg>sttzicküe des Krieges for- hat, pensionsberechtigt ist oder nicht, Mlrd durch- dert nmrbe angenommen. AbgclelM wurde da- aus nach den Grundsätzen beantwortet, bie vor^ gc^ai ein Antrag, nach dem eilt Teil der Mit-1 der Revolution in Geltung waren.
M un- ersten ange-
Be rl in, 14. April. (WTB.) Von zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt: Gin Berliner Blatt behauptet, das Ausscheiden Schiffe r s hinge mit seiner Weigerung, tn die Aus- Zahlung größerer Pensionen für gewtsie, nach kurzer Zeit aus geschiedene Unter ft aa tssekre- täte der Rsv olnti onszeit enizuwilligen, zusammen. Diese Behauptung ist unrichtig. Von niemand im Kabinett ist ein wlches An-
vieveschlüffedespariserviererratr.
Die Franzosen äußern über den Ausgang der Pariser Konferenzen Genugtuung und teilen Einzelheiten mit, wonach wir eine Riesen- funune von Entschädigung zu zahlen und auf 15 Jahre das Saarkohlcngebiet abzutretcn hätten, wobei nach Ablauf dieser Frist eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit des Landes entscheiden soll. Es ist klar, daß ein solches Fricdensprogramm den Abmachungen mit Wilson ins Gefüllt schlägt. Wie weit die Amerikaner mit diesen vorläufigen Beschlüssen cinverstairden sind, ist nicht zu überblicken; wir wenden Klarheit darüber bekommen, wenn es sich entscheidet, wie man mit der deutschen Friedensdelegation zu verhandeln gedenkt. Es muß ausgeschlossen sein, daß dabei zur Annahme des Entwurfs eine Frist gesetzt wird. Da Lloyd George vom 15. bis 18. April in London weilt, dürfte, so lesen wir in der amt- lichen „Deutschen Allg. Ztg.", mit dem Eintreffen der deutschen Delegierten vor dem Osterfeste nicht zu rechnen sein. Die deutschen Herren werden voraussichtlich (Sitte nächster Woche in Paris sein. Die Großmächte sollen beschlossen haben, wahrscheinlich aus Furcht vor Unruhen in Deutschland, den „Friedens- Vertrag nicht bekannt werden zu lassen, bis er unterschrieben sei. Darüber müßte sich unsere Regierung alsbald Klarheit vcrschafsen. Auf der anderen Seite heißt es wieder in englischen Blättern, die „Gefahr" einer Annäherung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten sei in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Jetzt darf es nicht bei der bloßen Frie- densentichäeßung der Nationalrersammuing bleiben, sondern jetzt müssen alle Deutschen in allen Dingen auch danach handeln!
Annaqme een anjtlgee s. die Lagesnummer viS zum Rachmiuag vorder ohneikdeBerbmdlicdkert öellenprtift:
für örtliche Anzeigen 25P'..furauswärt,qe 30 Pi., für Reklamen Pik.!. —nebst 20" .Teue- rungSznßylag-.Vlatzvor- scdriii 20 % Austcvlag. Hauptjchrdtleuer: Aug. Goeg. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenleit: ö. Beck; lämtLut) in Gießen
Aus dein Reiche.
Der Streif im Ruhrgebiet.
Essen, 14. April. (WTB.) Im Ruhrgebiet hat auch heute die Zahl der ©tret» fenben einen Rückgang zu verzeichnen In der heutigen Frühschicht waren 159 20b Bergarbeiter gegen 160 720 am Samstag morgen ausständig.
Das Ausscheiden Schiffers.
amt zur Verfügung gestellt.
Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr vormittags. (Anfragen Mc.iscicrvorlage, Ermächtigungsgesetz, Kuligejetz, Wahlprüfungeu.)
Tie Maifeicrfrage.
W e i m a r, 14. April. In der heute morgen abgehaltenen interfraktionellen Besprechung wurde im wesentlichen eine Verständigung über dieMaifeierfrage erzielt, und zwar dahingehend, daß der 1. Mai in diesem Jahre als Weltfeiertagfü reinengerechten Frieden festgelegt werden soll.
' Abg R o e h l d (Soz.) verlangt Verteilung der ausländi-ckicn Lebensmittel je nach Beduttttg'kit. q'/imif auch Minderbemittelte daran Tetl hatten,
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 14. April-
Rach der Mitteilung, daß Abg. Dietrich^Baden (Dem) sein Mandat niedergelegt hat, tritt das Haus in die Besprechung der
sozialdcmo rati'chcn L<ben§mittel- interpellation
Parteitag der Deutschen Dollspariti.
Jena, 13. April.
gl jeder der frredcnÄvmmission, in erster Lmü Tr. David, abberufen werden sollte ,
Rach einer Ab.imimmg. in die die imbcgnmn- det hoben Mandat sansprüc le der IhuLbfrutgwni Abwechslung und Erregung hinembrachen, erbten , der neue Zcntralrot schließlich fblgnrde Zusmnmm- setzimg: 16 Mehrh.itssozialisten, 2 Vertreter der Soldaienfraktion unb je ein Demokrat, christlicher Gewerkschaftler und Bauer; die Unabhär.g gen Patten zule'.tt ausdrürklich ihren Verricht auf leit' rcirhatg bei der Bildung des Zenttalvrgmis cnlart.
Damit auch Minderl^mittelte daran Teil bi müsse das Reich Mittel zur Verfügung stellen. An der Zwangswirtschaft müsse für die matter der.Lebensmitttlbtappheit festgchalten werden.
Ernährungsminister Schmidt erklärt, daß er mit der Verteilung der Lebensmittel sofort beginnen würde, und zwar erst cm die Großstädte, da die Lebensmittel dort am ehesten gebraucht würden und dadurch am schnellste das Industtiegebiet versorgt werden würde. Auch sehe er darin ein vorzüglick^s Mittel, zur Bedampfung der politischen Unruhen. Leider stellen sich unserer Versorgung mit ausländischen Lebensmitteln durch die Streiks sowohl in der Industrie rote bei tat Beamten, sowie durch Plünderungen der Lebensmitteln' agazine Schwierigkeiten entgegen. Dadurch
. das Vertrauen des Auslaiwes zu unserer
München, 14. April. (WTB.) Die ebener Garnison hat gestern in den Ado genstuiiden eine Proklamation schlagen, in der es heißt: Arbeiter und floatest! Die gesamte Garnison Münchens m Verbindung mit den um das Wohl und Wehe des Proletariats besorgten Volksgenossen hat beute nacht den Zentra trat für abgesetzt erklärt Heute werben die Arbeiter- und Soldatenrate zwecks Stellungnahme zur alten sozialistischen Negierung versammelt. Arbeiter und Soldaten! Ehrgeizige landfremde Agitatoren, die mir eigennützige Politik treiben, verfolgten unter der Vorspiegelung der vollzogenen Einigung des Proletariats selbstsüchtige Zwecke. Leuten wie Lipp und Wagner vertraute man Euer Geschick an. Lipp denunzierte Eisner und Wagner. Arbeiter! Heute steht Mun- cfen, abgefdy.litten vom Lande, allem! Es gut unsere Rettung. Daher unterstützt die gesetzmäßige Regierung, die Ruhe schafft. Arbeit, Brot und Lebensmittelzüge stehen für München bereit. Sichert Glich vor der Reaktion, indem Ihr die so- zialistische Regierung unterstützt.
hobener Stimme erklärte der Minister, wenn eine i große Unruhe im Jdeiche Herrs ck», so solle sich diese an die einzig Schuldigen wenden. Die Schuld an dem teuren Preis der ausländischen Ledens- । mittel sei einzig und allein das Sinken unserer Valuta. Tas sich ergebende Destzit pur die Besorgung von 600 000 Tonnen an Mehl zur roc.» teren Brotliesenmg köime er bei der jetzigen Finanzlage nicht der Reichskasse auferlegen, lon- bern er müsse auf einen Teil des Mehlr? eine RisikopFämie hinzuschlagen. Er beabsichtige eine neue Einrichtung bei der Brot Verteilung in der Weise zu treffen, datz s u r d i e Brotkarte mehr Mehl abgegeben werden dürfe, wodurch es ermöglicht würde, daß die Begüterten Weizenmehl, die M i n - berbemittelten Brot kaufen konnten. Mit der Verteilung des Auslandsmehls soll enie .große Speditionsfirma betraut werden. Tie Zwangsbewirtschaftung der Eier sei aufgehoben worden, weil der Verwalttmgsapparat in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis stand, und bie kleinen Bauern es gewimscht hatten, mit denen ein gutes Verhältnis zu haben die Regierung das größte Interesse habe. Die Einfuhr auslänbischcr Lebensmittel werde er nach Kräften unter!twzen. Hierzu bebürfe er als Bundesgeiwssen die deuttche Arbeiterschaft, die die beste Helferin in der Not sei, wenn sie die Erzeugung stärke
Zen t im m S a »rbneter schlack verlangt Die Hilfe des Ri idK-3, Damit auch Minderbemittelte sich ausländische Lebensmittel kaufen Eömicn, Demi sie bedürften am meisten eine gifte Ernährung. Ter Redner tritt für Zwaiigswirtsch.ift von Brot, Fleisch, Fett und Kartoffeln ein und verspricht sich für die Zukimst eine bessere Lebensrnittel- Versorgung durch Rußland. „
Abg Vershosen (Dom.) will bei der Verteilung der ausländischem Lebensmittel die Korn- ninmeu au - geschaltet wissen und sieht in der Arbeit die einzige Rtttmig vor dem Verlmugern. 2.azu gehöre vor allein eine Gesinnungsänderung unserer Arbeiter. Die Zwangswirtschaft will er bei Erufulw und Verteilung von Rohstoffen beteiligt wissen. Ten einzigen Kredit, auf den Deutschland sich verlassen könne, wäre der Privatkrebst den eimzelucn Privatum lernehmeu, der in lahrzehnte-i langer Arbeit draußen gefdwren fei, imd sofort ein treten .würde, wenn das Ausland sich sagen könne: In Deutschland bahnen sich wieder ge-
ge stellt.
Das Wolfs-Bureau bemerkt hierzu: Authentische Nachrichten sind bei dem Mangel leglichm Verbindung mit München nicht zu erlangen, ü-er Augsburger A- und S.-Rat erklärte auf Anfrage, feine Kenntnis über die Vorgänge in München zu haben. Im übrigen wurden von Der Stabt- kommanbantur Augsburg, um eine etwaige Rückwirkung der Münchener Vorgänge auf Aiigsburg zu verhindern, alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Arbeiter ans den Fabriken sind zum Schutze der Fabriken und zur Verstärkung der Sicher- hi-itswacheu bewaffnet worden
Augsburg, 14. April. Heute ist der Verkehr nach München mit Schwierigkeiten verbunden Es gehen Gerüchte über schwere Uu- rnben durch die Stadt. Der Stadtkommandant Edelmann hat sich mit der Augsburger Delegation heute früh in einem Sonderzug nach Bamberg begeben, um der Regierung Hoffmann über das Resultat der gestrigen Versammlung Mitteilung zu machen.
Eine Proklamation der Münchener Garnison.
Nr. 89
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Sranttud a. M. U686
Berlin, 14. April. (WTB.) In der heutigen Sitzung deä Rätekongresses wurde die Sozialisierung des Wirtschaftslebens erörtert. AnSt.lle des erk.a ck.en Karl K a u^t s k y verlas seine Frau sein Referat, worin er die Lrckxtt- fung einer Organisation fordert, ^durch die, dc-nj Arbeitern, Konsumenten und der Wlftenfchast Der iwNvendige Einfluß auf den Produktionsprozeß, ermöglicht werden soll. Nur die $ur Sosnin immg reifen PrcduktionsMveige sollen lozialisiert werben. Tie bäuerliche Wirtsck)aft sei i»xh nickst rei^ dafür. Die heutige Koa'i.ionsregierung habe die ^oziali- sterung-skonmiission zur Bcdeutungslviiglrit herab- gedrückt. Man brauche ein zentrales Lozialisie- rungsamt und erweiterte EntLignungsbefuguisse für Reich, Staat und G-emrinde. . .
In der Erör.eruug crttmcke Kaliski (Soz.), wenn KautSky das Konsumentenint-eresse an die Spitze stelle, sei der Rückfall ins Manchestertum unvermeidlich. Ter Rrickfsminister Wissel l erklärte sich im wesentlichen mit dem Referat jnn* verslanden, lehnte aber die Mgen die 9tegterungl gettchte.en Ausführungen ab. K oene n-Hatte (U. S ) sagte, die Betriebe müßten durch die BetrrebS- und Arbeiterräte von innen heraus für Die Sozialisierung reif ge machst werden. Um 1 Uhr ver- tag.e sich der Ingreß aus den Nachmittag.
Ein von den llnabbäng gen cn. gebrach er Antrag, Der sich gegen D.e au sn-ä r 11 g e Po li 11 k
Paris, 14. WU. (WTB.) Der künftige Einircuck über die Stuftungi Ort Beratungen des Viererrats bc)rätigt sich völlig. Tie Frage . des S a a r b e ck c n s wurde so geregelt, daß die . Bergwette auf einige Zeit an Frankreich kommen. . Toutittstand tvird für die Einwohner des Landes , berairtirorltüd) bleiben. Frankre i ch imrD das , Polizeiwesen ausüben. Die politischeSvu- . yeränität des Laud.-s unteriW einem Direktorium, das vom Völkerbund feftyftellt wird und aus fünf Mitgliedern bestellen soll. Eines davon wird Fvan- -ose, eines Eiinovhner deS Saarbeckens fein, wäh- venb drei v^i der Konferenz festgesetzt werden. Die Einwoh.er des Saarbeaens Verfüger über alle bidlxrigcn Rettete, werden aber keinen Abgeordneten in das .beutf che Par l am en t fenben. Tiefer Zustand dauert fünfzehn Jahre. Nachher wird eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit des Lanr^s vvr- fleirommen. Sollte eine solche zugunsten ^euttch- lands ausfallen, so wird dieses die Gruo^i von Frankreich nach ihrem Schätzung.-wett zurnckiansen müssen und die Kaufsumme in Gold zu begleich n Itaben. In der Tat Et l-ier von einer Annerion keine Rede, da den Saarbeivo^iern freie .Hand geirälyrt wird, ihre Selbsändigkeit zu wahren.
Sodann wurde ein weiteres Problem m der Entschädignugsfrage gelöst. Wie bereits gemeldet, soll Tentschand l 25 Milliarden Entschädigungen bezahlen, wovon 5 5 Proz. Frankreich zufallen wird, ^iese Summe ist in jährlichen 3ta cn zahlbar. Tie Frage der Gwantien, die frwikreich gegenüber weiteren An- griiicn erhalten soll, ist noch, nicht geregelt, ^er Viererrat ist hier für eme ^ttaliaerung des linken Rbeinufers und das Verbot lur Deutschland, dort Befestignmaen, Gamn'onen oder strategische Unternehmungen zu unterhalten, wahrend er die Unversehrt Hit der deutichen Souveränität betont. Die Besetzrnig des linken Rlstiiiufers wird von Frankreich allein durchgefübrt tverben. Zudem bleibt eine neutrale Zone von 50 Kilometer Tiefe be- stehen Ter Verttag sieht auch die ^idyranfung der Rüstungen Tentschllwids tret. .Der Enchrnck dieser Abmachungen in fr-rnkreich tit em äußerst günstiger, und man glaubt, daß Aendernngen n'ch. ■nrelyr m' ailich sein werden. Die Westgrenze Deutschlands ist" t-ivi geflogen Ebenso Ut die Dlt9Tcn3e nrffteMt erledigt. Es gilt nur noch, die Frage der StMteng-enzen auf der Beklkmchalbrnsel und gegen Ungarn zu i-egttn. Tie Vvvarbeiten d-a;u suü) erledigt Der Biererrat durste nur noch bie italienisch südslawische Grenze und die symiche fr-W zu regeln haben.
Lenin über die Weltrevolntion.
S t o ck h o l m, 14. Avril. (WTB.) Ueber das Gespräch, das er vor kurzem mit Lenm batte, berittst etc unser Gewährsmann, Lenin habe 'cingeräinnt, daß die Zeit . bi s z u r Weltrevolntion von ihm chrrrg^be- messen worden sei. Frühestens in zehn Zehren iverbe es vielleicht so weit sein. Die Wartezeit wäre für Rußland zu lang. Es könne nicht länger gezögert wer^n, dem Zusammenbruch vorzubeugen. Zu dmem Znntt mußten schleunigst Verkehrsmoglichkettcn beschaffen und das Eisenbahnmaterial wieder instand gesetzt werden. Deutsche Ingenieure und deutsche Lokomotiven seien erwunsü)»..
suude Zustände au. _
Abg A rnstadt.(D.-Natl.) verlangt tetltoct e Aushebung der Zwangswirtschaft. Stärke man die Erzeugung und gewahre dem' Landwirt aus- reid>enbe Preise, dann würde die Londwirtschast das Volk besser und billiger versorgen können.
Abg Dusche (D. Vp.) fordert Arbeiter anS den Großstäbteii für das Laub. Er verlangt all- nvählicheii Abbau der Zwangswirtschaft, lehnt aber die Sozialisierung der Lmü>!victschist ab.
Abg Wur m (U.S.) erkennt an, daß durch die Streiks das Volksvermögen geschädigt wurde. Tie Schuld daran trüge aber die Waffenpoltti? der Regierung. Wmn die Arbeiter wieder Glauben und Vertrauen zu ihren Vertretern hätten, würden sie auch wieder Stube und Arbeitslust b<ioin*= men. Ernährungsminister Schmidt fordert den Vorredner auf, seinen Appell auch an die Arbeiter des Stuhrreviers zu ttchien. .
Oberst Wai tz erttärt, die nreiften Bestände des Militärs seien berci s dem Reichsvenoertungs-E
in München: Am Sonntag nachmittag ianb eine Demonstration ber kommunistischen Arbeiter unb Solbaten aus Der Theresienwiese statt. Den späten Rachmittagsstunben unternahmen bie Spartakisten einen Angriff auf den Bahnhof, ber von einer Abteilung ber republikanisck>cn Schutz- truppe besetzt war. Aus beit drei Stadtseiten bes Bahnhofs hatten sich allmählich bewaffnete Mannschaften ber Roten Armee unb anbere Trupren- tcile angesammelt, bie fortwäbrenb Zuzug erhielten. Die Beschießung bes Bahnhofs erfolgte zunächst mit Gewehren unb Maschinengewehren, wobei es zahlreiche Tote unb Verwundete gab, insbesonbere baburch, baß bie Passanten des Bahn- hofSplatzes von ber Schießerei völlig überrascht würben. Das Publikum stob in wahnsinniger Hast auseinanber unb suchte in ben Häusern L-chutz. Als der Angriff mit Ma'Ä e g ehren fernen Erfolg vcrspiacy, wurden baei Mi..euwerfer aut- gefahren. Da den Verteibigern des Bahnhofs nur Maschinengewehre unb Hanbgranateu zur Vec- sügung staub n, war ihre Lage burch die Tätigkeit der Mineniverfer aussichtslos geworden. Gegen 10 Uhr erfolgte ein allgemeiner Sturm auf Den Bahnhof, bei Dem es Den Angreifern gelang, in ben Bahnhof einzudringen. Tie Besatzung, bie unter der Beschießung tmwer gelitten hatte, mußte sich ergeben. Im Triuinpl)- zug wurde der Bahnhosskommandant A s m e n - brenn er die Neuhauser Straße timaingefiinrt, um angeblich erschossen zu Werden. In der Nacht wurden in iurzer Folge die Stadtkommandantiir, das Haiiptguartier der republikanischen L-ckiutz- truppe, genommen, sowie die andern offenthdien Gebäude Münchens und die Kasernen der republikanischen Schutztruppe. Ganz München war heute früh in den .Händen der Spartc- kist en Ter Generalstreik wurde erklärt. Der Bahnhossplatz war von Mannschasten, der Roten Armee gesperrt. Von Verwüstungen ist jedoch cm Bahnhof selbst, außer den zerschottenen Fenstern, wenig zu sehen. In der Stadt herrscht verhältnismäßig Ruhe. Der Zugverkehr bleibt em-
Heute vornrittag mürbe der Parteitag tn den Rosensälen eröffnet. Tr. Strescmann sprach über die politisck>c Lage. Er führte etwa folgendes aus. Tie Entzvicklung durste nur auf dem Wege der Cvolutton, nicht auf dem Wege der Mvolution vor >uh gehen. Es ist eine Lüget zu sagen, die Revolution habe das absolute System gesrürzt. Als sie kam, war Deutschland ein Land, in dem die Monarchie auf demselben Boden ftanb wie in Englanb. Der 9 November war für jeben Liberalen Fern Tag ber «Genugtuung, für jeben, ber monarchisches Empfinden befaß, ein Tag der Trauer. Aber hoher nocki als die Liebe zum Monarchen steht uns die Liebe zu Volk und Vaterland. Und von diesem Slaiidpunkt auS war das Traurigste die Würdelosigkeit und Schamlosigkeit, mit der sich die Revolution gegen das nationale Empnndendes ganzen Volkes gewandt hat. Ich berciwie mich zu der Auffassung, daß sowohl vom Stano- punkt des Verstandes wie des Gesühls für unsere deutschen Verhältnisse die Monarchie das Gegebene war und das Geeignete ist. Der Kaiser stand dem Einslnß großer Kapitalmächte unendlich viel freier gegenüber als es bei Mackutmbeni einer Republik der Fall ist. Die sttepubllk kann viel weniger den sozialen Ausgleich finden als das Kaiserreich. Bedeutet das nun, daß wir uns zu Trägern einer gegenrevolutionattn Bewegung machen? Nein, das bedeutet es nicht. Denn die könnte nur durch einen Bürgerkrieg hindurchgehen, und da muß wiS doch das deutsche Volk in seiner Gesamtheit Wt stehen. Es kommt auch in Bettacht, datz Grotz.- deutschland nur zu schaffen ist auf republikanischer Grundlage. Das» Verhalten des Prinzen Max von Baden ist das schmählichste, was wir erlebt haben Sv eilig hatte es dieser Prinz mit ferner Flucht, daß er uns FmktionSfulner nicht mefyc empfing, sondern uns eine Mitteilung herausschickte, die die Ernenmmg EbettS zum Reichskanzler enthielt und die geschichtliche Luge, daß der ttaiser abge Dankt lMtte. Die Sozialdemokratie muß den Vorwurf erdulden, das- sie nicht die Charakterstärke besitzt, offen zu sagen, daß der Marxismus sich Nicht Durch führen läßt. So schwankt die Sozml- Demofratie in der Regierung zwischen harter Gewaltanwendung und schmählicher Nachgiebigkeit Der Redner spricht über die Sozialisierung unö das Rätesystem. Das finanzielle Bedürfnis des Staates verweise auf die dauernde Beteiligung des Staates an dem finanziellen Ertrag der Unternehmungen. Gegen eine exorbitante Vermögensabgabe muffe man sich mit aller Entschiedenheit wenden. Ter deutsche Privatkredit sei im Auslände heute viel sicherer funbtert als ber Krebst bes Staates. Deshalb solle man bie freie Initiative unangetastet lassen, baS Reich aber am Verbienst beteiligen. In bezug aus bie Beteiligung bes Arbeiters am Erzeugungsprozeß vettvies ber Rebner am Die zwisclien Industrie- und Gewerllckwstsverbanden beschlossene A r b e i t s g e m e i n s a) aj t. Wmn wir den ganzen Streid des Berufslebens dieser Gemeinschaft angliebern, bann kann em Parlament ber schaffenben Arbeit entstehen, bas jebe Einseitigkeit ausschließt unb einen .Zentralarbeiterrat unnötig macht. Dann haben wir an Stelle bes Klassenkampfes bie wirticyastliche Zw> sammenarbeit. Dr. Stresemaim gab bie an- r-gung, bie Bilbung geistiger Arbeiter« räte ben kosmopolitischen Kreisen aus ber Hmid m meljmen unb für eine euer gliche ^orbewtg ber Siedlungspolitik auffder Grimblage voben- resormettschcr Anschauungen einzutreten, zer Rebner forbertc bie Erhaltung ber Religion ati sittlichen Erziehungssaitor.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Swtntngsruntorud u. Verlag- vriihl'sche llnio.-vuch- u. SkinUruderet K. Lange. Sdfriftlcitung, ®efd)iftsjtelle u. vruckere!- Sd)»tftr. 7.
Die letzten vorqänze in München.
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