Ur. 12
Ler Lietzener Nnzelg« erscheint täflürf), außer konntciuS. - Beilauen: OiebenerLamllienblatter;
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Mittwoch, 15. Zanuar 1919
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M. Jahrgang - :
Gießener Anzeiger
äk. General-Anzeiger für Gberhesien
Zwillingsrunddruck u.Verlag: Brühl'sche Univ.-Such- u. steindruckerei R. Lanze. Zchriftleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Zchukstr 7.
Gras vrockdorff-Rantzau gegen die finanzielle ZUaverei. Berlin, 14. Ian. (WTB.) Tie deutsche Re- gtertma ließ beute durch die Wasfenstillilands- kommission ingpflü den Vertretern der Entente über die schwebenden Finanzfragen folgende Note überreichen:
„Bei den in Mainz über die Amvendung des Artikels 19 des Waftenstiilstandsverttages statt- gehalrlen Verhandlungen Hal der Finanzkom- missar der Alliierten eine Note übergeben. die das Höchstmaß dessen darstellt, was Ä^utschland seit Einstellung .der Feindseligkci.'en zugemiitet worden ist. Es werden darin erstlich in sachiiäicr Beziehung Forderungen gestellt, die in keinen Zusammenhang mehr gebracht werden können zu Artikel 19 des Waifenstillstandes, wonach Werte, die den Wliierten als Sicherl;eit für Entschüdigungsansprücl)e dienen föiurtcn, ihnen nicht entzogen werden sollten. Tie Forderirngen der Entente können vielmelw lediglich dazu dienen, die finanzielle Sklaverei Deutschlands der Entente gegenüber zu statuieren. Es wird darin in die Privatreä)te dec bentfdjen Eigentümer eingegriisen und zwangsweise ein Aus- tondsmoratvrium Deutschlands herbeige'ührt. Es wird, um einige Beispiele anzusüi-ren, jeder Ausgang fremder Werte in das Ausland von der Ge- uelMigung des Finanzkommissars abhängig gemacht: es wird im Gegensatz zu den seinerzeit in Trier ausdrücklich gentaebten Zusicl^ernngen erklärt, daß die Gen-Hmigrmg auch insoweit erforderlich sei, als ein deutsches Bersügungsverbot nicht bestehe. Ter Umsang der Einfuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen, sowie Fertigsabrikaten nach Deutschland soll künftig von den Witterten bestimmt werden. Auch die Rückzahlung von Krediten, die Private im Ausland ausgenommen Haden, soll genehmigungspflichtig sein. Desgleichen soll es von der Zustimmung des Finanz- kommissars abhängig sein, ob beutfefoe Beamte im Ausland Fnmktionen ausüben können. Die von der Reichsbank zu bewilligenden Devisen sollen jeden Tag dem Finanzkommissar vorgrlegt werden. Es werden genaueste Inventare und Verzeichnisse über alle nur irgendwie denkbaren Materien verlangt.
Zweitens aber entfernt sich der Ton der Note, aus dem die unverhohlene Freude spricht, Deutschland schädigen und demütigen zu können, vollkom- knen tntb wesentlich von dem Ton, der bisher seit (Einstellung der Feindseligkeiten üblich war. So wird abgesehen von der im zwischenstaatlichen Verkehr durchaus zu beanstandenden Diktion im ein- Seinen, im Artikel 8 erklärt, daß die Note „nicht etwa das Resultat einer Vereinbarung sei, sondern
Der neue Geist im Auswärtigen Amt.
Der 1 Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Graf Brockdorff-Rantzau, erfüllt nun endlich die Notwendigkeiten, die uns den Feinden im Ausland gegenüber längst das Herz bedrückt haben. Die gestern wiedergegebene Note gegen die französischen Anmaßungen und Verstöße gegen das Waffen stillstandsabtommen wirkt geradezu befreiend Manche Leisetreter mögen bisher besorgt haben, ein solcher Ton werde uns weitere Schwierigkeiten machen; die Mehrheit der Deutschen denkt aber wohl anders darüber. DeutsclftanL muß jetzt furchtlos und frei seine Stimme erheben, wenn es von den Pariser Verhandlungen, die jetzt begonnen haben, einen überhaupt annehmbaren und dauernd möglichen Frieden erhoffen will. Auch was der deutsche Staatssekretär in einer neuen Note über das Maß der Deutschland auferlegten Finanzlasten sagt, muß unter der Mithilfe aller unserer Parteien sich durchsetzen. Graf Brockdorff-Rantzau hnt am gestrigen Dienstag auch Vertreter der deutschen Presse empfangen unb ihnen erklärt, daß nur ein einiges deutsches Volk die neuen Ziele der deutschen Republik durchsetzen könne:
„Uns liegt es an dem endgültigen Sieg der Demokratie in der Welt. Dieser Sieg kann nicht herbeigefllhrt werden durch kleinliche Mittel, durch Intrigen und Vorzimmergel)eimnisse, wie sie das alte System anzuwenden beliebte; ebensowenig dürfte er dadurch gefördert werden, daß wir versuchen — wie einzelne Presseorgane, die die alten Zeiten noch immer'nicht verschwunden glauben, es Vorschlägen — Verwirrung in die Reihen unserer Gegner zu bringen. Wenn wir diese Gegner erst un- einig machen müßten, um sie zur Einsicht zu brin- fien, daß schließlich doch nur das Gute in der Welt von Bestand ist, dann könnten wir ja von vornherein bei ihnen nicht voraussetzen, was das dringendste Erfordernis für die Zugehörigkeit zum Völkerbund bedeutet: die sittliche Ucberzeu« yung. D i e s e zu wecken ist unsere Slufgabe. Lier, meine Herren, bedarf ich Ihrer Unterstützung! Wir brauchen hierzu einen Resonanzboden im deutschen Volke, das sich von dem überlebten System frei* gemacht hat und nunmehr der ganzen Wett die Freiheit wünscht, die es sich innerhalb seiner ®ren» zen zu schassen im Begriff ist. Auf zertrümmerten Geigen konnte auch Sarasate nicht spielen. So muß denn das deutsck>e Volk wieder zu einer inneren, [Einheit gelangen, wenn die Sporte seiner Führer in der ganzen Welt Mang haben füllen"
Brockdorff-Rantzau rechnet also mit der Politik und der Ehrlichkeit Wilsons. Wir wollen hoffen, daß die Nichtigkeit dieser Annahme schon bald aus der Pariser Konferenz herausklingen wird!
lediglich vorläufige Anweisungen des Finanzkommissars an die deutsche Regierung toiebergebe, deren Abänderung, Ergänzung und Verschärfung er sich jederzeit vorbehalte". !
Die deutsche Regierung lege hiermit gegen diese Note nachdrücklich st e und c r n ft e ft c Ver- Währung ein. Sie erklärt, daß sie außerstande ist, die Note anzunehmen.
Deutschland ist in dieser Angelegenheit an der Grenze dessen angelangt, nxis es hinnehmen kann. Tie deutsche Negierung gibt der bestimmten Hoffnung und Erwartung Ausdruck, daß die Alliierten in der Ausführung des Artikels 19 des Waffenstillstandes einen Weg finden werden, dem zu folgen die Würde Deutschlands gestattet. Tie deutsche Regierung hält aber ferner den Zeitpunkt für gekommen, in dem es ihre Pflicht ist, die Aufmerffam- Ecit der alliierten und assoziierten Regierungen aus folgendes hinzulenken:
In der Masse des deutschen Volkes beginnt der Gedanke aufzudämmern, die Alliierten hätten bie Wilson scheu Punkte, nach benen Deutschland als freies Volk unter Völkern leben soll, nut angenommen, um Deutschland erst wehrlos zu machen und es damt zu vergewaltigen. Die Bei- 'behaltung der Blockade, diie Hinausschiebung dec Versorgung mit Lebensrnitteln, die wirtschaftliche und politische Msperrnng zwischen dem linken und rechten Rheiituser machen das deutsche Volk darauf aufmerksam. Im Verivauen auf die Note des Staatssekretärs Lansing vom 5. November haben in Deutschland Heimat und Heer den weiteren .Kampf (als unnötig aufgegeben und die Waffen nieder-- [gelegt. Wcttn jetzt die alliierten und offeriert citf Negierungen dadurch, das; sie den Friedensschluß hinauszögem und den Waffenstillstand als Instrument zu vorheriger wirtschaftlicher Erdrosselung Deutschlands handhaben und ihrer in einem der feierlichsten Momente der Geschichte abgegebenen Erklärung entgegenhandeln, so vermag das deutsche Volk darin keine Kriegslist zu erblicken, sondern solches Vorgehen erscheint ihm als außerhalb jedes menschlichen Verständnisses und göttlichen Rechtes stehend, das jedes Gefühl für die Versöhnung der Völker ersticken müßte und für das tä kein Verzeihen und Vergessen gäbe.
gez. Brockdorff-Ncmtzau.
Ein Ausruf der Rddfysrcgicrunc,
Berlin, 14. Ian. (WTB.) Die Neichsregie- rmtg erläßt folgenden Aufruf:
Ain das deutsche Volk!
Nach riner Woche schalerer Wirren kehrt in Berlin die Ordnung zurück. Den braven Truppen der Republik ist es gelungen, aus eigener Kraft und durch die Unterstützung der Bevölkerung einen Ausstand niederzuwerfen., der alle freiheitlichen Errungenschaften der Jievolution zu vernichten drohte. Irregeleitete Fanatiker verbanden sich mit dunklen Elementen der Großstadt, um mit ihrer Hisse und der Hilfe einer fremden Macht die Gewalt an sich zu reißen, die ihnen das Volk, der allein rechtmäßige Auftraggeber jeder Regierung, aus freiem Willen niemals übertragen wird. Au dem Widerstand des Volkes, ganz besonders auch der Arbeiterklasse, die in ihrer erdrückenden Mehrheit die begangenen Ausschreitungen verurteilt, ist das frevelhafte Unternehmen gescheitert.
Die Regierung ist sich der 3ufthnnumg und Dilfe des Volkes gewiß, wenn sie entschlossen ist, die Wiederholirng ähnlicher Greuel mit allen Mitteln zu verhindern. Nachdem eimfc, in ihren Anfängen politische Bewegung zu einem wüsten Verbrechertreiben ausgeartet ist, konnte es ftir die Urheber neuer Attentate auf die Sicherheit ves Lebens, neuer willkürlicher Angriffe auf das Eigentum, neuer Störungen unserer freiheitlich- republikcmischen Ordmmg keine Schonung mehr geben!
Am 19. Januar tritt das deutsche Volk an die Wahlurne, um fein Selbstbestimmungsrecht aus- zuüben. »
Tas Volk der deutschen Republik ist der Träger der Staatssonoeränität. Wer in feine freie Willensbetätigung gewaltsam ein greift, begebt ein schvoces Staatsverbrechen und muß aus strengste Bestrafung gefaßt fein!
Tie Nationalversammlung, die am nächsten Sonntag nach dem. fixierten Wahlrecht der Wett gewälilt werden wird, soll die Derasfung des Teutschen Rrickzes bestimmen, die Nefterung nach ihren Wünschen züsammensetzen und über den altzu- schliefreuden Frieden Beschluß fassen.
Tie gegenwärtige Regierung bereitet für sie den Entwurf einer Verfassung vor, die das freie Selbftbestimmungsrecht des Volkes vor allen gegenrevolutionären oder terroriftifdjen Bestrebungen schützt. Sic ist bemüht, einen Frieden zu erreichen, der die Freiheit des deutschen Volkes auch nach außen sicherstellt und die Gründung eines Völkerbundes zum sicheren Schutz gewen neue Kriegsgefahren ermöglicht.
Die Feststellung der nationalen Besitz- verteiluag im Osten tonn nur Aufgabe der Friedenskonserenz sein. Gegen den polnischen An- nertonisnms bedarf unser Land des Schutzes, den ihm das Volk nickst versagen wird.
Richt minder gilt es, unsere Grenzen gegen die neue russische Mililärdespotie zu schützen, die uns mit kriegerischer Gewalt ihre eigenen anarchistischen Zu. stände aufzwingen und einen neuen Weltkrieg ent. fesseln will, dessen Schauplatz unser Land sein würde. Bolschewismus ist Tod des Friedens, Tod der Freiheit, Tod des Sozialismus, der nur in aufbauender Arbeit sein Werk: die Befreiung des schaffenden Volkes aus Feffeln wirtschaftlicher Ausbeutung, voll- enden kann. Dieser Sozialismus will das Wirtschaftsleben nicht erdroffeln, sondern neu erwecken. Rückkehr zu geordneter Arbeit ist dafür die erste Voraussetzung.
Die gegenwärtige Regierung besteht aus Vertretern der Arbeiterklasse, aus Sozialdemokraten. Sie kann nur handeln nach ihren eigenen politischen Grundsätzen, deren Anwendung nach ihrer Heber- zeugung dem Wohl des ganzen Volkes dient. Heber
ihr steht niemand als das Volk selbst, das in freier Entscheidung ihr Programm verwerfen oder billigen kann
In Treue zu unserem Volke, in Treue zu unserer Ueberzeugung werden wir unser schweres Amt weiterführen oder von ihm willig zurücktreten, je nachdem wie die Entscheidung des Volkes ausfällt. Bleiben wird uns die Gewißheit, daß die Sache, zu der wi> und Millionen von uns zeitlebens in Rot und Ee- .ahr gestanden sind, die Sache der Demokratie und des Sozialismus, nach blutiger Verwirrung schließlich doch zum Siege gelangen, und daß dieser Sieg ein neues Kapitel der Weltgeschichte eröffnen wird mm Heil unseres Volkes und der ganzen Menschheit!
Die Reichsregierung:
Ebert, Scheidemann, Landsberg, Roske, Wiffel.
Die Verlängerung der waffenstiMander.
Paris, 14. Jan. (WTB.) Havas. Der D b e r ft t alliierte Kriegsrat, bestehend aus den Premierministern und den Ministern des s?(cuf;crn der Großmächte, Marschall Foch, sowie Chinda und Manfttt, den Vertretern Japans, trat am Montag den 13. Januar um 2.30 Uhr nachmittags im Ministerium des Neustem zusammen, um in die Prüfung der Bedingungen für die Verl än gern ngdesWaffen st ill st andes mit Deutschland cinzutreten. Tssr Sitzung wohnten ebenfalls bei Klotz, Leygues, Elemente!, Louchmr sowie General Weygaudt. Die Versammelten faßten Beschlüsse hinsichtlich der finanziellen, maritimen und wirtschaftlichen Klauseln uud hinsichtlich der Bedingun- gen in bezug auf die Verpflegung Europas, sowie (bie Herausgabe des weggeuommcneu Metalls in den französischen und belgischen Gebieten. Die Pre- mierminifter und die Minister des Neustem der verbündeten alliierten Mächte nahmen die Prüfung jdes Vorgehens der Kommission wieder auf, die sie am Mittwoch morgen 6.30 Uhr wieder fortsetzen werden. Die erste Sitzung der Friedenskonferenz wurde auf den 18. Jairnac 2.30 Uhr festgesetzt. Die Sitzung des Obersten Kciegsrate^ bauerte von 2.30 Uh'r bis 5.30 Uhr nachmittags. Inzwischen prüften die militärischen, maritimen, wirtschaftlichen und finanziellen Sachverständigen der fünf Großmächte die Fragen, die mit der Verlängerung des Waffenstillstandes zusammeuhängen. Schließlich wurden nach Einigung der beteiligten! Minister neue Bedingungen festgesetzt, die Marschall Foch am 15. Januar den deutschen Delegierten in Trier mitteikn wird. Die Bedingungen sind wirtschaftlicher, finanzieller und maritimer Natur.
In wirtschaftlicher Hinsicht beschloß der Rat für die Versorgung Deutschlands uni) der anstoßenden Länder, Jngeslaioen, Tschecho- Slswcn, Polen, Ungarn und Rumänien Vorsorge zu treffen, doch forderten alle Alliierten von Deutschland, welches durch seinen U-Boot-Krieg den Zustand der Welt Hungers not hervor gern'en habe, es müsse die Mittel liefern, um ihr abzu- helsen. Infolgedessen wird Deutschland alle jene Sänfte liefern müssen, die noch in seinen ober in neutralen Häfen liegen, so baß bie Tonnage zum Transport von Lebensmitteln verwendet werben kann. Diese Lebensmittel können von jedem beliebigen Lande herrühren und für irgendwelche Orte bestimmt sein. In wirtschostlichec HinsiM fordern die Alliierten weiter von Deutschland die Herausgabe dessen, was Deutschland von seinen Tmppen in den Fabriken der besetzten Ge- biete an Metall weg genommen hat und dessen Eigentümer noch nachgewiefen werden tonn. Tie siiianziellen Klauseln beziehen sich auf eine Goldreserve Dort der Reichsban k und die A u s- ga be von Papier durch Deutschland. Marschall Foch oder sein Bertre.er werden ihre Ansicht äußern hinsichtlich der Sicherstellung der Golddepots ach dem Transport der Goldbestände von der Reichsbank ans Berlin. Begründet wird diese Forderung mit der Möglichkeit bolschewistischer Unternehmungen.
Hinsichtlich der maritimen Angelegenheiten verlangen die neuen Waffenstillstanbsbedingunqen von Deutschland die strikte Anwendung der Klausel über die Lieferung des H-Bootmaterials, der noch nicht in vollem Umfange entsprochen worden sei. (Es handelt sich nicht um die Besetzung neuer Gebiete durch die Alliierten, rote gerüchtweise verlautete.
Die Prüfung des Problems einer militärischen Aktion in Polen gegen die Do Ische wisten wurde vertagt, entgegen einer verfrühten Nachricht von der Entsendung einer amerikanischen und einer interalliierten Division (ein Regiment Engländer, ein Regiment Franzosen, ein Regiment Italiener). Die Erleichterungen, die durch den Waffenstillstand vom 11. November gegeben find, werden, was Danzig anbetriffl, im vollen Umfange aufrecht erhalten. Nach, dem die militärischen Bedingungen des neuen Heber- einkommens, welches den Waffenstillstand verlängern soll, festgesetzt worden waren, verließ Marschall Foch das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten; um 5 Uhr abends reiste er nach Trier ab.
Die Vertreter der fünf Großmächte behandelten im zweiten Teil der Sitzung die Prüfung des Programms für die Friedenskonferenz weiter. Sie setzten besonders die Fahl der Delegierten fest, durch die die Alliierten vertreten sein sollen und besonders die Zahl der Vertreter von Staaten von untergeordneter Bedeutung. Frankreich, England, die Vereinigten Staaten, Italien und Japan werden je fünf Ver- tretet entsenden. Einzig Brasilien wird das Recht für eine besondere Behandlung eingeräumt. Fe zwei Delegierte werden folgende Staaten entsenden: Belgien, Serbien, Griechenland, Polen, Tschecho-Slawien, Ru- mänisn und China. Ein einziger Bevollmächtigter wird im Namen Portugals sprechen und das wird auch der Fall fein für Staaten, die mit den Ienttal- mächten nur die diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben.
Die englischen Dominions werden besondere Vertreter entsenden. Neben den Vertretern des Mutterlandes werden Kanada, Australien, Südafrika und
Indien je zwei Delegierte entsenden, Neufundland und Neuseeland je einen. Die Frage der Vertretung des südslawischen Königreichs, das von den Großmächten noch nicht anerkannt ist, wurde vorbehalten. E scheint aber wahrscheinlich, daß die Slowaken und Kroaten Delegierte entsenden können. Auf jeden Fall konnte hinsichtlich Montenegros noch keine Entscheidung getroffen werden, da die Lage im Lande zu verwirrt ist und die königliche Regierung sich dem nationalen Verlang n auf Vereinigung Montenegros mit Südslawien entgegenstellt. Der Vorschlag Wilsons betreffend die Heberweisung von Roh-" stoffen an die technischen Kommissionen wurde angenommen. In einer neuen Sitzung, die am Mittwoch stattfinden wird, werden die Premierminister und bie Minister für auswärtige Angelegenheiten der fünf Großmächte die Arbeitsmethoden und die Richtlinien für die Konferenz besprechen. Eine Vorbesprechung zur Friedenskonferenz wird am Samstag den 18. Januar im Ministerium des Aeußern stattfinden. Dann wird Orlando aus Italien wieder zurück sein. Poin- ca-re wird die Eröffnungsrede halten, sodann wird das Bureau errichtet.
Verhandlungen des ZentralratcS mit de» revolutionären Obleuten.
Berlin, 14. Jan. (WBft Der Zentra lrat beriet in Anwesenheit des Vertreters des Kriegsminifteriums bie Vorlagen über die vorläufige Regelung der Komman- d o g e w a l t und die Stellung der Soldatenräte im Friedens Heere, sowie vorläufige Bestimmungen über die Bekleidung im Friedenüheere nt erster Lesung. Die Beratungen hierüber werden am 14. Januar vormittags weitergesührt werden.
Dann trat der Zentralrat in Verhandlungen mit der Kommission der revolu- t i o.n ä r e n O b l e u t e des Berliner Zentralvorstandes der U. S. P. D. und dem Groß- Berliner Vorstand der S. P. D. ein. Die U. iS. forderten, daß die Regierung durch den Zentralrat abberufen werde. Bei der Begründung der Forderung wurde verlangt, daß die Entscheidung hierüber sofort erfolgen solle. Demgegenüber wurde erwidert, daß ohne Beratung über die neuen Personen und ohne Feststellung des Programms, das die neue Regiernng ^u vertreten hat, über die Abberufung der zehigen Volksbeauftragten nicht beschlossen werden kann.
Die Verhandlungen wurden aus Dienstag nachmittag V-3 Uhr vertagt.
Ans -sm AeLche.
Aufruf zur Büdnng einer mitlelnorddeutfchen Bundesrepublik.
Braunschweig, 14. Fan. (WTB.) Die braunschweigische Regierung fordert durch Austuf zur Bildung einer mittelnorddeutschen Vundesrcpu- blik auf, vom hamburgischen Staatsgebiet im Norden ausgehend, die (Elbe entlang bis in die Nähe Burgs bei Magdeburg, in grabet Linie bis zum nördlichen Teile von Anhalt, von dort aus der Grenze von An. halt folgend bis in die Gegend von Bitterfeld, die anhaitische Grenze abrundend bis in die Gegend von Nordhausen, dann durch preußisches Gebiet über die Göttinger Gegend bis zum südlichen Teile des Braunschweiger Gebietes, der braunschweigischen Grenze folgend bis zum nördlichen Punkte des Kreises Holzminden, von dort aus weitergehend östlich Hannover und westlich Celle in gerader Linie wieder auf Hamburg zu. Als vorläufige Der- faffung des neuen Gemeinwesens schlägt die braun, schweigische Regierung eine kantonale Verfassung ähnlich der schweizerischen vor, in der die Republik Anhalt, Braunschweig und Hamburg ihre Selbständigkeit bewahren und die aus dem preußischen Staats» verbände ausscheidenden Gebietsteile als selbständige Kantone gelten. Jur Konstituierung der neuen Republik schlägt die braunschweigische Negierung vor, daß di« Bevollmächtigten der Landesregierungen bezw. bi« Bevollmächtigten der A.- u. S.-Räte der drei Repu- hüben und der preußischen Gebietsteile sich in Braun- schweig versammeln, über die Errichtung der Bundesrepublik beschließen und einen provisorischen Ausschuß bestimmen, der die Leitung der Republik übernimmt
Die braunschweigischen Arbeiter beabsichttgen mit der Errichtung der Bundesrepublik nicht nur eine wirtschaftliche und politische Intereffengemeinschaft mü ihren Nachbarn, ihr Ziel ist höher: sie möchten mit ihren Nachbarn in einen innigen Freundschafts- bnnd eintreten. Die Braunschweiger Arbeiter unb Soldaten sind fest entschloffen, die Lasten zu beseitt- gen, mit denen die bisher herrschenden Klaffen die Arbeiter belegt hatten. Sie sind aber auch fest entschloffen, jeden Angriff auf ihre Produkttonsstätten, von welcher Seite er auch kommen möge, mit allen Mitteln abzuschlagen und Besttebungen. die sich gegen die Lebensbedingungen des Arbeiter, volkes richten, nötigenfalls mit Waffengewalt zu unterdrücken. Braunschweig bietet seinen Nachbarn^ welche in gleicher Lage sind, seine brüderliche Hilfe für jeden Fall des Angriffs an und bittet, sich im Falle der Bedrohung ebenfalls um Hilfe an sie wee» den zu dürfen.
Der Aufruf schließt: „(Eile tut not! Es gilt, v. Nationalversammlung vor eine vollendete Tatfach? zu stellen."
Att» Hessen.
Bindung her Listen her bürgerlichen Parteien
Vom Vorsitzenden des Gießener Vereins bec Teutsä-en dcinokraiischen Partei ioicb nns geschrien beit: Wir Ixtben seither darauf verzichtet, auf tvü ponsriten andrer Parteien uns gemachten Stow


