Ausgabe 
15.1.1919
 
Einzelbild herunterladen

Irtrfe in der hrestgen Presse zn erwidern, weil wir die $emüeü)ung berartuer Auseinandersetzungen innerl-alb uet einzelnen Parteü-n im Jmercsse des Baterlandes für gebo.cn erachten. Nunmehr ober je Heu wir uns gc^wungen, aus der Reserve, die wir uns auferlegtar, hervorzutreten. Vor allen Lingen roexkn wir den Vorwurf der Unduldsamkeit mit Entichtedenheit zurück. Er trifft nicht uns, sondern die Leute, die ihn ersten k-aben. Sodann «der verwahren wir uns gtjet jede irreführende Larstellung hinsichtlich der Bindung der Listen der so?,en<nritten bürgerlichen Partci-m. Mit allem NaÄnTuck betonen wir, daß die Teursche demokra­tische Partei sich bereit erklärt hat, ihre Listen mit denen der Tentschen Volkspartei und des Zen­trums zu verbrachen. Ab elnien aber mußte sie eine Listenverbindung mit der konservativen, reaktio­nären Hessischen Volkspartei lTeutschnationalen Volks Part i, wie auch di-se umgcMyct es abeclehirt hat, auf eine Listenverbindung mit der'Teutschen demokratischen Par ei eirrzugelien. Tie Entsckeidung lag nun bei den beiden anderen Parteien. Sie haben sich für eine Biichung mit der Hessischen Volkspartei entsclneden. Hiermit haben sie die Deutsche demokra ischc Partei ausgeschlosen. Hier- mit haben sie aber auch zugleich öffentlich bekannt, daß sie dem konservativen, veaktwnären Geist der Hessischen Volkspartei (Teutschnationalen Volks­partei) näher sieben als dem frnh^itlichen Geist, Wve er in der Deutschen demokratischen Partei gepflegt wird.' Im übrigen scheinen die, die im Zu­sammenschluß aller sogenannten bürgerlichen Par­teien gegen die Sozialdemvkratte das Heil des Vaterlandes erblicken, die letzten Folgen ihrer De- strebrmaen wohl kaum »n bedenken. Tenn was 'mürbe tie tWgc fein, hfent es wirklich gelänge, durch einen derartiger Zusammenschluß die Mebr- 7vitssozialisten vom Staat abzudrängen? Tie Folge wäre der Vürgerftieg! Tiefer aber muß unserem 'schon schwer genug geprüften Vaterlande unter fallen Umständen erspart bleiben, zumal ohne den Tfriebert im Innern auch der äußere Friede für Deutschland nickü zu haben sein wird.

Aus Stadt und Cattfc.

Gießen, den 15. Januar 1919.

Lebensmittel.

** Krankcnbrot. Vom 16. b. M. ab kommt statt des bisherigen ,Franknbrot" wieder Weißbrot für Kranke vunt Verkauf. Ter Preis des Brotes beträgt 40 Pf. pro Pfund, der für Zwieback aus Weizenmehl 0 1.50 Mk. Ter Ver­kauf von Wei ren mehl 0 findet nur in der städt. Verkaufsstelle, Asterweg 25, von 1012 Uhr vor­mittags statt. Ter Kleinverkaufsvreis beträgt 40 Pf. für das Pfund. Etwaige Beschwerden über die Beschaffenheit des Weißbrotes sind auf dem Lebensmittelamt, Zimmer 4, vorzubringen.

*

Amtliche Personalnachrichten. (Ernannt wurde am 4. Januar der Finanzaspirant Louis Weil in Mainz zum Verwalter und Rechner der .ßebammen-Lehranstalt Mainz mit Wirkung vom 6. Januar 1919. - Entlassen wurde am 3. Januar aus dem Schuldienst die Lehrerin Marie Steinbach, geb. Rückert, an der Volksschule zu Eberstadt, Kreis Darmstadt, auf ihr Nachsuchen vom 1. Jan. 1919 ab.

** Der Hessische Volksbund, Orts­gruppe Gießen, hielt gestern seine erste Mitglieder­versammlung, wobei zur Konstituierung und Wahl L>es Vorstandes gefd)rittcTT werden sollte. Auf Wunsch von Mitgliedern, die burdj Wählversackm- fungen abgehalten waren, wurde bte Vorstandswahl «ufgeschoben. Die vorläufige Geschäftsführung Ueib-t in Händen von Geheimrat Sommer, der im Anschluß an die Mitgliederversammlung einen Vorttag hielt über Gren^r, Verfassung und Auf- tzaben des Volksstaates Groß-Hessen. D^r neue sVolksstaat soll nicht zum alten Parttkularismus l.virückfiihren, sondern Gebietsteile zufammenfassen, die srül)er zueinander gehörten, aber durch dynasti­sche Interessen auseinandergerissen wurden. Die Republik Hessen habe insbefondere die Auf­gabe, als leistungsfähiger mitteldeutscher Bunbesstuat die Interes'engegensätze zwisdtzrn Nord- und Süddeutschland auszualeickien. Außerdem soll einer neuen Zentralisierung' in Berlin, die uns eine ähnliche Verwaltung wie in Frankreich bringen werde, vorgebeugt werden. Ms weitere Vorteile versprach sich der Redner von her Neubildung, daß die FuItnreHc Kraft der Hessen- TSnbtr im Staatsganzen wirksamer werde und im ^kleineren Staatswesen die Heranziehung der wirk­lich Tüchtigen im Staatsleben leichter sei. Ms wict- ffchaftlicher Votteil werde sich vor allem ein besserer Musbau des Eisenbahnnetzes nach den Erforder- tniffen des Landes ergeben. Die Verfassungsftage werde sich durch die Interessengemeinschaft der drei Hessen und ein Regulierzentrum leicht losen lassen. Die Selbstverwaltung müsse allen Teilen erhalten bleiben, denn sie sei ein Kern der deutschen Staats- fifimft. Hierauf schloß der Redner noch eine Be­trachtung der Okenzcm an, die Hessen vom ethno­graphischen Gesichtspunkte aus besitzt.

** Die DeutschedemokratischePartei hatte zu gestern abend zu einer weiteren Versamm­lung nach demFürstenhof" eingeladen, und ihrem fiftuf war so zahlreich entsprochen worden, daß nicht hur bet Saal überfüllt war, sondern viele umkehren Mußten. Nachdem Herr Eisenbabnwerckmeister Hart- Frankfurt a. M. in kürzeren Ausführungen Über die hauptsächlichsten politisclxm Fragen vom demokratischen Standpunkt gesprockMN, nahm als Hauptredner des Abends Herr Dr. Strecker- Friedberg das Wort zu seinem Vorttag über:Die Not des Vaterlandes und den Geist der Demo- frtttie". Verständlich seien die bitteren Empfin­dungen über das gegenwärtige Durcheinander, das man bei unserem deutschen Geist der Ordnung vor­her nie für möglich gehalten. Aber Optimismus ist immer die (Seele der Demokratie gewesen, und er sei optimisLich genug, zu glauben, daß unser deut­sches Volk bald den ^lusweg aus der gegenwärtigen Wirrnis finden werde. Führer des Volkes könnten die großen Geister der Vergangenheit, unsere, Denker und Dichter, vor allem ein Kant, Jein. Es sei unser Fehler vor dem Kriege gewesen, daß wir umfcrc Politik zu ausschließlich auf die Macht und weniger auf das Recht gegründet haben. s)iur der Geist des Fortschritts fiihre ein Volk in die Höhe, jnnd wolle ein Dtautsmarur das Schicksal seines Volkes sicherstellen, so müsse er es vor allem den Händen des Volkes selbst anverttouen. Es wäre Der» «nutlich manchs besser gekommen, wenn man die Forderungen der Demokratte, statt sie zu verlachen, mehr zur Richtschnur der Politik gemacht hätte. Großer Beifall lohnte den Redner für seine Ans- Mrungen. Harr Dr. H o r n c f f e r, der nach ihm sprach, warnte vor allem vor den Extremen m her Politik: die goldene Mitte zu finden, Freiheit mit Autorität zu verbinden, das sei das Geheimnis der Erfolge der großen Staatsmänner. Herr Post­schaffner M o h r von hier besprach dann noch die Forderungen der Beamten. In der Debatte sprach iuu ein Vertreter der Freidcntschcn Jugend.

** Deutsche D o lks Partei. In der gestrigen öffentli chEn Wählerversamm­lung im Stadtcheatec iprach an erster Stelle Sxrr Finanzminister Tr. Becker- Tarmstadt. Er schil­derte in anschaulicher und beredter Weise die trau­rigen Verhältnisse und die großen Schwierig­keiten, unter denen die bevorstehenden Wahlen ftalifinben werden: Die Besetzung des Rheines, die Bedrohung der Ostgrenzen, die Rcvolrttion, das komplizierte Wahlverfahren, die Zersplitterung bitt Parteien, den zutage getretenen Mangel an natio­nalem Bewußtsein und die durch den Zusammen­bruch des wirtschaftlichen Lebens erfolgte Arbeits­losigkeit und die dadurch hervor gerufene Unzufrie­denheit. , Die Verantwortlichkeit bei den jetzigen Wahlcln sei für jeden einzelnen sehr groß; denn die jetzt zu wählenden Versammlungen legten die (Grundlage zum neuen Staate. Der Redner er­örterte sodann die nächsten Aufgaben der Nationalversammlung. Tiefe werde zu entscheiden haben, ob Teutt'chland eine Monarchie ober eine Repeablik, einen Einheitsstaat oder einen Bundesstaat bilden werde; des weiteren sei die Schaffung einer starken Reichsgewalt durch etn gutes Volksheer nötig; die wichttgste Aufgabe aber fei die Ordnung der Finanzen durch neue Steuer- guellen, nämlich eine Kriegsgewinnsteuer, die Erb­schaftssteuer, -direkte Reichssteuern und Steuern aus der wiederhergestellten, in freier Wirtschaft zu be­lassenden Industrie und Volkswirtschaft. Wie Post vnb Telegraphie Reichsbefitz sei, so müsse es auch die Eisenbahn werden, berat das fei ein NLittel, bas Reich zusammenzuhalten. Die Unmöglichkeit der Wiederherstellung der Monarchie erkenne auch er, obwohl er aus sachlichen und persönlichen Gründen von ganzem Herzen Monarchist sei. Die Eigenart der deutlchen Volksstämme sei durch die Erhaltung der Bundesstaaten mit Vertretungen in der Reichs­regierung zu erhalten. Vsti ver Versorgung der Kriegsbeschädigten und dec Hinterbliebenen der Ge­fallenen sei bei gleichem Rang im Hvere doch auf die Stellung und Bezahlung der Betreffenden vor dem Kriege Rücksicht zu nehmen. Bei der jetzigen Wahl gelte es die Abwehr der Sozialdemokratie, damit sie nicht für sich eine Parteiherrschaft bilde. Herr Professor Dr. Vigener verteidigte den alten Staat; nicht dieser sei zusammen­gebrochen; nicht die Schöpfung Bismarcks, sondern der parlamentarische Staat des Prinzen Max sei von der Revolution meg ge egt worden. Red:ler gab in ausführlichen Darlegungen ein Bild über die Wirk­samkeit der Parteien im Reichstag und über die Unfruchtbarkeit der Sozialdemokratie bis zum 4. August 1914. Er führte aus, den Reichskanz­lern nach Bismarck habe das Genie Bismarcks gefehlt, bcnjttrii'ec treffe keine moralische Schuld. Durch bte Spaltung der Sozialdemokratie, durch die Ausnahme des Ktassenkampfesi die Verhetzung der Rüsttmgsarbeiter, durch die Untergrabung des Gehorsams im Heere und bie erzwungene AÄxin- kung des Kaisers sei der Zusammenbruch unb die Revolution herberge, ührt wor>en. Ter Redner ver­urteilte gegenüber einer Aeußerung des Herrn Justizrats Grünewald in einer frül-eren Ver­sammlung das Beginnen und die Handlungsweise ber Matrosen in Kiel mit scharfen Worten. Ter jetzigen parteigebundenen Regierung sehle der starke Wille und die Entschlußkraft. Wenn die Sozial­demokratie bei den bevorstellenden Wahlen die Mehrl^ett bekäme, so würde ihr Parteistreit zum Reichsstreit. Nicht Sozialisierung, sondern Indi­vidualisierung sei nötig. Tie Demokratie ziehe den Trennungsstrich zwischen ihr und der Sozial­demokratie nicht scharf genug durch. Tie Deutsch- nationale Partei trenne sich von der DeutschenVolkS- Partei durch wirtschaftliche und geistigeFragen, durch den Bund der Landwirte und die Antisemiten. Mit dem Zentrum als einer katholisch-konfessio­nellen Partei könne man nicht gehen, wenn diese Partei auch einige Renommier-Protestanten und Juden ausweise. Zum Schluffe forberte er zur allgemeinen Beteiligung bei den Wahlen mit dem Wahlzettel der Teutschen BÄksPartzü auf. Herr Kommerzienrat Klingspir, der auch die Versamm­lung cröifnet hatte, schloß dann mit dem Tank an die Redner für ihre Ausführungen und an bie Zuhörer für ihr außerordentlich zahlreicktes Er­scheinen und für die große Aufmerksamkeit die Versammlung, die ost lauten Beifall kundgab.

* * Die Deutsche Volkspartei hält eine öffent­liche Wählerversammlung am Freitag den 17. Januar, abends 8 Uhr, im Fürstenhof ab.

** Teutschnationale Vol kspartei Auf die beute Mitt woch abend 7 Uhr im Tl)eater ftatt.iubatbe W ä hlerver sa m m l un a der Deutschnationalen Volkspartei sei hierdurch nochmals hingewiesen.

Der Markus-Frauen-Verein hält Sams­tag den 18. Januar, abends 8 Uhr, im Markusfaal einen Vortrag über Die Wahlpflicht der Frau.

* * Die Frauenvereine der Lukas- und Iohannesgem einde halten am Donnerstag, abends 8 Uhr, Versammlung im Konfirmandensaal der Jo- hanneskirche ab.

* Kindergartenverein und Fröbel-Semi. n ar. Der Elternabend findet nicht am Donnerstag, sondern am Freitag den 17. Januar, abends 8 Uhr statt. 1

Landkreis Gießen.

l-1 Lang-Göns, 13. Jan. Tie Wahl- ar beit en haben auch hier in den letzten Tagen eingesetzt. Ws erste hielt die sozialdemokratische Partei eine Wähleroersammlung ab. Redner war ein Gewerkschaftsbeamter aus Meßen. Arn Don­nerstag abend sprach Stadtverordneter Krurnm- Güßen für die Teutschualionale Volks Partei und am Samstag Justizrat Gr ü newa l d-Gießen für die Freisinnigen. Sämtliche Versammlungen waren stark besucht. Nächsten Mittwoch alfib fuibet eine Kundgebung in der Kirche statt gegen die Trennung von Staat und Kirche.

Hessen Nassau.

* * Marburg, 14. Jan. (Eine für heute abend ins Restaurant Lederer berufene Versammlung des Hessischen Volksbundes war sehr gut besucht. Nach kurzem, einleitenden Bericht des Verlagsbuch. Händlers Braun ergriff Herr Bruno Jak ob. Kastel das Wort zu einem Referate über den Stand der Bewegung und namentlich über ihre politischen Grund­lagen. Grundsätzlich ist, und das wird immer wieder betont, an der Reichseinheit festzuhalten als oberstem Gesichtspunkte, ebenso wie die Arbeit des Hessischen Dolksbundes jeder Patteipolitik fernsteht und dieser Mitglieder aller Parteien umschließt. Rach einer kurzen Diskussion kam «in fast einstimmiger Beschluß zustande, sofort die Gründung einer Ortsgruppe und die Wahl des Ortsausschußes oorzunchmen. Eine große Zahl neuer Mitglieder zeichnete sich in die auf­gelegten Listen ein.

Siebener hochschulgesellschaft.

- -Die Sozialisierung der Produktions­mittel" betitelte sich der Vortrag, für den die Gieße, ncr Hochschulgesellschast gestern abend im Broken Hörsaal der Unioerjität Herrn Pros. Dr. Skai ©eit

gewonnen hatte. Der Wirtschastswiffenschastler, nid) der Politiker war es, besten Ausführungen uns den Unterschieb zwischen Verstaatlichung und Dergesell- schaftung der Produktionsmittel vergegenwärtigten. Die Arbeiter hätten Herren der Produktionsmittel werden sollen, und der Sozialismus fei Sturm ge­laufen gegen den Kapitalismus. Aber die Vergesell­schaftung der Produktionsmittel sei nicht erreicht worden. Auch müsse man es als ein Glück betrach, ten, daß bas sozialistische Genostenschaftsideal nicht in Erfüllung gegangen sei. Denn wie könnten Fort­schritte gemacht werden, wenn der Mensch in steter Iuftiebenheit bei dem beharre, was er einmal er­rungen habe? Der Redner erinnerte daran, wie ge­rade Deutschland das Land der Staatsbeamten gewesen sei. Es hänge, könne man allgemein sagen, bei einem Unternehmen, zu besten Verstaatlichung man schreiten wolle, davon ab, auf welcher Entwicklungsstufe es stehe. Zu welch ungeahnter Hohe wären vor dem Kriege bei uns Verkehrs- und Nachrichtenmittel empor, geblüht, und sie waren staatlich wie so vieles andere, die Bergwerke, die Arbeiterversicherung, die Mono­pole. 3m übrigen könnten wir uns aber jetzt, wo wir bettelarm bastünben, einen wirtschaftlichen Dok­trinarismus am wenigsten gestatten. Wirtschaftsfragen seien nichts anberes als Rühlichkeitsfragen. Die Rot zwingt zur Arbeit, bie Arbeit aber ist bie Mutter aller Tugenben, in biesen Worten gipfelten bie Dar­legungen bes Rebners. Der Saal vermochte bie überaus zahlreich erschienenen Zuhörer kaum zu fas-

s ch e n Häfen und Landungspunkte von (Entente- truppen besetzt werden. Duisburg erhält bte Kompagnien Besatzung.

Ein neuer An-staud.

Berlin, 14. Ian. (WTB.) Nach Auskunft der Direktion ber Berliner Hoch- unb Untergrund­bahn haben deren Angestellte wegen Nichtbewilligung ihrer Lohnforderung bie Arbeit nieb er gelegt. Es ist noch ganz unsicher, wann ber Betrieb wieber aus­genommen werben kann.

Die erste.Sitzung der wüniembergischeu Landcsversammlung.

Stuttgart, 14. Ian. iWTB.) Die provisori­sche Regierung erläßt eine Verorbnung, wonach bie verfastunggebenbe Württembergische Lanbesoersamm- lung zur Eröffnung ihrer Sitzung am Donnerstag, ben 23. Januar 1919 in Stuttgart zusammen­treten wirb.

Da- Vordringen der Tschechen.

Eger, 14. Jan. Die Tschechen haben die bayrische Greftze unmittelbar vor dem bayrischen Gebiet besetzt. Die Posten stehen auf Rufweite voneinander end fentt und zwar längs des gesamten böhmisch­bayrischen Grenzgebietes.

Tos amerikanische LcbenSmittelhilsswerk.

sen; mit lebhaftem Beifall bankten sie für ben ebenso interessanten wie aktuellen Vorttag.

Letzte Nachrichten.

Neugestaltung des Auswärtigen Amtes.

Berlin, 14. Jan. Der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Graf Brockdorff-Rantzau ist unmittelbar nach seinem Asnttsantttttt an die Lösung der so dringlichen und außerordentlich wich­tigen Frage einer Neugestaltung des Aus­wärtigen Amtes herangegangen. Zu den Vor­arbeiten ist als Vhann aus dem praktischen Leben ber bekannte industrielle Kaufmann Dr. Töpfer aus Stettin gewählt worden, der zum Uttterstaats- sekretär ernannt worden ist. Er war vorher in der deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen ratter dem Grafen Brockdorff-Rantzau tätig und hatte dort wirtschaftliche und polittsche Fragen mit Erfolg be­arbeitet.

Eisner über die Berliner Negierung.

München, 14. Jan. (WTB.) Eine Sitzung der Arbeiter-, Soldaten -und Bauern- r äte be aßte sich heute mit der Frage der Eini­gung zwischen den Meinl-eitssozialisten und den Unabhängigen. Minister Eisner erklärte, daß die sozialisttsck)en Massen jetzt reif seien für die Einigung, nachdem die Spaltungsgrmtde weg- gefallen seien. Wenn eine sozialistische Regierung sich nickt mit anderen Mitteln behaupten köime, wie in Berlin, dann müsse sie fort. Ter Leiter der jetzigen, militärischen Organe in Berlin sei ein ehemaliger Veetran:er des Admirals Tirpitz, ein Alldeutscher. Auch ich bin entschlösset, die Ord­nung au>rechtzuerha!teu, wenn aber Gewalt not­wendig ist, dann überlebe ich den Tag nicht als Ministerpräsident. Von der Met-rheit der Ver­sammlung nmrbcn Richtlinien sür eine Einigung der soziaidemokrattscheu Parteien angenommen.

Aus der Neichshauptstadt.

Berlin, 14. Jan. Die Familie Lieb- kn c ch t s ist gestern tracht in ihrer Wohnung ver­haftet worden. Die Wohnmrg wurde übanvadjt, und man hatte festgestellt, daß Liebknecht selbst des Nachts von seiner Wohnung fortzufahren und sie durch einen zweiten Ausgang nach kurzem Aufent­halt zu verlassen Pflegte. Als er gestern abend wie­der erschien, wurden beide Straßen durch Trupperr abgesperrt und die Wohnung durchsucht. Man sand laber Liebknecht nicht. In der Wohnung ist eine Menge russisches bolschewistisches Material be» schlagnahmt worden. Die Frau und der jün­gere Sohn wurden verhaftet, der ältere Sohn ist mit der Besatzung desVorwärts" ge­fangen genommen worden. Ferner wurde in Steg.itz eine Führerin der Spartakusbewegung, ein Fräu­lein Unger, verhaftet. Sie vermittelte den Ver­kehr mtt der polnffchen bolschewisttschen Bewegung in Lemberg. (F. 3j

Berlin, 14. Ian. (WTD.) 3m Berliner Zeitungsviertel würbe es, nachbem bie Abenb- ftunben ziemlich ruhig verlaufen waren, gegen 10 Uhr wieber sehr lebhaft. Die Schutzwachen ber Jeitungs- gebäube unb bas Geschäftsgebäube bes Wolffschen Telegraphenbureaus würben mehr ach von bea Dächern aus beschossen unb zwar teilweise aus Maschinen- gewehren unb mit Hanbgranaten. Es hatte ben Anschein, als ob eines bieser Spartakusnester auf bem Dach bes Berliner Konzerthauses, ein an- beres auf ber Jerusalemer Kirche sich befinbe. Die Schutzwachen erwiberten bas Feuer lebhaft, allerbings mit sehr ungenauen Kielen unb so war bas Ieitungs- viertel ftunbenlang vom heftigsten Gefechtslärm erfüllt.

Die Entwaffnung in Berlin.

Berlin, 14. Jcrn. (WB.) Die plan­mäßige Entwaffnung begann heute früh 7,50 Uhr. Moabit ist besetzt. Die dor­tigen Brückenüberoänge über den Berbin- dungskcntal sind gleichfalls besetzt. Die Be­setzung und Enttvaffmlng sind nötig, damit keine Störung der Wahlen möglich ist.

Spattakus in Erfurt.

(Erfurt, 14. Ian. Heute fanben hier fparta- Kistische Unruhen statt. Die Demonstranten bilbeten einen großen Zug unb besetzten bas Wahlbureau ber Deutschnationalen Volkspartei. Aus an-- beren Wahlbureaus würben Flugschriften auf bie Straßen geworfen unb verbrannt. Der(Erfurter Allgemeine Anzeiger" würbe von ben Spartakisten besetzt. Die Demonstrationen bauern noch fort.

Schreckensherrschaft in Düsseldorf?

Berlin, 14. Ian. (WTD) DieGermania" berichtet über völlige Anarchie in Düffelborf. Die in Düffelborf herrschenben Spartakisten verhin­dern bas Herausbringen ögenbwelcher Nachrichten über bie Zustänbe in ber Stabt Der Berliner Der- tretet einet Düflelborfer Zeitung hatte in bet ver- gangenen Nacht ein Ecivräch mit Düflelbotf. Wa«; man hotte, war bet Notschrei bet Abgespcrrten. Die Spartakusleute haben bie Stabt vollkommen in ber Hanb. Sie plünbern unb morben unb verhaften (eben ber fick ihnen entgegenstellt Die Nachrichten, bah bie (Englänber Düsseldorf besetzt hätten, finb faffch Bei ber Bitte um Hilfe burch Militär unterbrach die Telesonbontrolle bas Gespräch.

Die rechtsrheinischen Hafen von Ententelrnv-en besetzt.

TuiSbar«, 12. Jan. Wie der Abschnitts- komm -"Viir der neutraler Zone mifteilt. bat die Enten»:«tumtgeflcbai, daß t« rechtsrHeini-'

Washington, 13 .Jan. (WTB.> Ritter. Die schon gemeldete Botschaft bc_- Präfidenten Wilson an den Kongreß lautet: Ich kann nicht ernst gerau, darauf bringen, daß der .üouareß die Gelder bcnnlligt, die Hoover für das Le­be n s mi t te l hi l f swer k verlangt hat Ties ist jetzt ber Schlüssel zu ber gesamten Lage in Europa und zur Löfimg der 5Tid>.*nd rage. Ter Boische wisinus rückt immer mehr nach Westen vor und vergiftet Deutschland. Er kann nicht mit Gewalt, wohl aber mit Lebensmitteln ausgehalten werden. Alle Ititenben Männer, mit denen ich beraten habe, sind sich darin daß gemeinsames Handeln in dieser Angelezenbert von größter Bedeutung ist. Ta^ Geid iviro nicht für Lebensrnittel für Teutschlond gebraucht werden, berat Deutschland kann seine Sehend mittel faueti, aber eS muß angelvendet werden, um de Lebens­mittelversorgung Polens, der be.nüat Völker ber österreichisck>-uatgarischen Tlanardne unb unseren Bundesgenossen auf bem Balkan ;,u finanzieren. Ich ersuckie Sie, diese Sache so schnell wie möglich vor den Kongreß zu bringen. Ich weiß nid)t, wie mir die nötige Macht finden sollen, um Frieden zu fd)lki>n, werat dieses Mittel, den Strom des Anarchismus abzuwenden, nicht angnve.ibd wird Ein englisches Lnftschiffbanprogramm.

London, 13. Ian. (WTB.) 3n ber(Eoening News" wirb amtlich mitgeteilt, baß bie Abmiralität ein großes Lustschiffbauprogramm vorhabe. Es werben gasgefüllte Luftschiffe gebaut mit einer Derbrängung von 2 Millionen 500000 Kubikfuß, Tragfähigkeit von 60 Tonnen, Aktionsrabius von 8000 Meilen unb einer Schnelligkeit von 65 bis 70 Meilen in ber Stunbe. Die Besatzung wirb 25 Mann betragen. Der Bau noch größerer Luftschiffe ist ge­plant Passagierflüge in naher Zukunft werben prophezeit.

Die Unruhe» in Argentinien.

Amsterdam, 14 Jan. DerTimes' wird aus Buenos Aires gemeldet, daß man neue Unruhen befürchtet, und daß des halb dic militärischeit Vorsichtsmaßregeln in der Stadt beibeholden worden. Ter Trambochn- und Wagonverkehr ist noch nicht wieder auf- genommen. Das Blatt schätzt die Zahl der Toten auf 600.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

In den letzten Tagen finb al? Beilagen zum Siebener Anzeiger jlngbläiter verbreitet warben, bie von derveutschen Vereinigung ' in Berlin her» ausgegeben find. Diese Blätter, in benen bie Arbeiter, unb Soibalenrdte oerleumbet werben, erachtet ber Arbeiter- nnb Solbafenrat (Sieten als gemeingefäbr- lid). st: finb in ber jetzigen ohnehin unruhigen Seck geeignet, (Erregung nnb Unnche in ber Bevölkerung hervorzurufen. Auf einem von uns in einer biefigtn Druckerei beschlagnahmten ähnlichen Flugblatt war weder Drucker noch Verleger angegeben, was auf <5. unb bes prehaesttzer strafbar ifi.

3m 3n erefle ber Auircchterhaltuna ber Anhe nnb Sicherheit wirb deshalb bie Oerbrdtung bieser Flugblätter untersagt und der noch vorhandene üor rat beschlagnahmt. 3n etwa weit r oorlommenben .fallen wird in ber tlben weise verfahren werden, ohne datz bie prehfretheit irgenbwie angetaftet wer. d-n fol. " 644c

Hießen, ben U. Januar 19|9.

ver Arbeiter- unb Solbatenrat «letzen. gez. Kiel._______g-z. Simon.

Bekanntmachung

D e t r.: Karte'sei Versorgung tnirdi Bezugs scheine.

Mle Kdrto'felerzeuger. u?e(dr be i serte Bc- zutzsich me noch tti-ht abgc ic evt ba en, werten aui<Kfoti>ert, diese bis jum 18. Januar b I au bte Vereinigten Getrridelwnd.ec in OHi-fitn abzuttesern. Spater ein geltende Beug-?sch iire tret«. ben in den Wirtschastskarlen nidn mehr auf­gerechnet. und es wird keine Rückiidü bei spaterer Aplie erun^s.mf ordernn i und En rvinirng aur btsie nicht aufgerechneten Mengen iNuommcn. Auvcrdem ero!gt Strafanzeige.

Gießen, den 10. Janiar 1919. Kreisamt Gießen.

I V.: vr. Sie ger 1.

An Orn $?frtrbflrg-rmriftrt zu Kictzrn miß ßte Burgerrnnfterclen, der Landgemeinden des

Kreises.

i, Ä Bekanntmachung ist sofort orts, üblich zu vero.fentllcyen.

Greß en, den 10. Januar 1919.

Kreisamt Gießen. __V : Sieger t.

Bekanntmachung. w

'Md Klauenseuche in Lauterbach . ESegen Ancbruchs bei Maul- und Klauen-

^ Lauterbach sind auf Grund der 88 19 fi 47ff^RVG. sowie den §§ 154 if. AB. zum RVG die Stadt Lauterbach zum Sverrbe-ttrk, die Gemarkungen Lauterbach einschließlich Jungviehweide, Blitzenrod, Frisch. born Ma-r. RimI-s. Ann-rsbach ium Beobachtungsgebret erklärt wvrpen.

Gießen, den 13. Januar 1919

Zireisamt Ofießen.

I B.: Langermann.