Ausgabe 
14.5.1919
 
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Erstes Blatt

169. Jahrgang

Mittwoch, 4. Mai 1919

StBtntngnunbörntf u. Verlag: vrW'jch« Univ. Such' u. Steindruckerei R. lange. Schrlftleiwng, Geschält,stelle u. vruckerei Schulstr. 7.

Drei deutsche Noten

Worben ist, darf nicht dadurch gutgemacht toerbm, I ba& gegen Deutschland und feine Verbündeten em

man

Recht

alliierten und Entschädigung

durch

asso- durch Krieg Tarnt.

der auf die

den werden

Zur au vom der

treu bleibe, frage ......

Steinkohlen übrigbehalten werde, wenn es sowohl das Saarbecken als auch die schlesischen Kohlen.

Annahme von Anzeige» 1. tie Lagesnummer Di5 zum 'Hadnn'.tia i vorder ohnejedeVerdmdltchtert

Letleapreise:

lüt öt 111 di c Anzeigen 25 Uf.Jür (iu4n>ä rtiqe 30 Pf, sür Reklamen 'Dif.l.-ncbft 20reue- rung»-us.Dtag:Platzvor- schrill 20 X Aufschlag. Vauptichri tieitcr: Auq. «Soen. SerüntiDortluD für Politik: llufl. Aoey. für den übrigen Te»l: Dr. Remholo Jenj; für den An-eigentecl: v. deck: lämtltd) in ® i e | e n

will nicht glauben, daß alles nur cm Irrtum war, daß so mit dem Vertrauen und der Hoffnung eines ganzen Volkes ein in der ganzen Welt­geschichte unerhörtes Spiel getrieben worden sei. Nock jetzt sagen die Optimisten:Das tut Wilson nicht, das kann er nicht tun." Er Tarn es nicht tun, wmn er weiß, um was es sich bandelt.

Wir wollen zu Ehren Amerikas annehmen, daß nur eine vollkommene Unkenntnis der geschicht­lichen, ethnograohi'c^n und wirtschaftlichen Ver­hältnisse Ostdeutschlands sie dazu veranla'sen konnte, die polnischen imperialistischm Phantasien mit kritikloser Sentimentalität zn übernehmen Nock wünsche und hoffe ich und alle, die heute die furchtbare Last der Verantwortlichkeit für die zu. treff ende Entscheidung auf sich nehmen müssen, daß diejenigen, die unbeirrbar immer noch ihre Hoffnungen auf Wilson und Amerika setzen, sich nicht betrogen sehen. Wir wünschen und hoffen noch immer, daß bie junge deutfche Republik an die ältere Schtvestcrrevubiik Amerika nicht ver­gebens novellierte. Stellt sich die amerikanische Demokratie wirklich auf den Standpunkt dieser Friedensbedingungen, so macht sie sich zum <5 e - nassen der politischen Erpresser. Sie gibt den Grundsatz des fair play auf und zieht das hohe Ideal der wahren Demokratie in den Staub.

Berlin, 13. Mai. t Wolff.) Ebert machte geitern gegenüber einem Mitglied derVorwärts"- Rcvaktion folgende Mitteilung: Würde man den Versuch machen, die Friedensbedingungcn der En­tente durchzuführen, so würde Deutschland durch Sterblichkeit und Abwanderung in kürzester Zeit em dünnbevölkertes Agrarland werden. Vielleicht erscheint das manchem Politiker auf der Gcoen- serte als ein erstrrbenswert^s Ziel. Aber bi? gan e Welt würde arm und krank werden, nxiin das deutsche Volk zum langsamen Absterbcn verurteilt würde. Auch der englische Friedenöde egiettc Lar­nes wird an dieser Tatsache nicht zweifeln können. Solange nur cm Rest von Hoffnung bleibt, aaß die Vernunft der Völker siegen wird, werden wir kein letztes Wort sprechen. Stellt es sich heraus, daß man uns diesen unmöglichen Gewaltfrieden auöröfiai will, jo werd« w utiae Eutschlüste

ähnliches Unrecht begangen wird. Tie Welt toin> das Begehen eines ähnlichen Unrechtes als Mittel zur Wiedergutmachuny und Neuregelimg nicht dulden " Tas ganze deutsche Volk hofft, daß die Welt das nicht dulden wird. Erwartungstzoll hott es bereits die ersten Stimmen aus der englischen und französischen Arbeiterschaft. Es setzt seine Hoffnung auch auf diese Vorboten der neuen und besseren Gestaltung der Welt. Aber gleichzeitig erklärt es, daß, unabhängig von dem, was andere tun, esselbersolches Unrecht nicht dul­den wird. Es beginnt erst aus der Hhpnose zu erwachen, in die es unter Ausnützung seines tiefen und ernsten Vertrauens auf die Wahrhaftig-; keit des von Wilson aitfgestellten Programms seiner. 14 Punkte versetzt ist. Ta? Erwachen wird furchtbar fein, und wir alle sehen ihm mit Vangen entgegen. Noch will man segen die kalten und harten Tatsachen an dem Glauben festhalten, der m dem Namen Wilson und Ameri'n. in den Be- gr^en der Demokratie, in dem Versöhnungsfried.M! unb im Völkerbund seinen Ausdruck fand. Man

erlittenen Verluste abgeleitet

Grund der Note des Staatssekretärs Lansing 5. November 1918 unabhängig von___

Frage der Schuld am Kriege. Die deutsche Delegation vermag nicht anzucw'ennen, wie aus

bergwerke vettiere. Tie vollständige und baldige Wiederherstellung Deutschlands auf industriellem Gebiet sei nach der Ansicht der amerikanischen öffentlidm Meinung und auch der verantwort­lichen Autoritäten eine der wichtigsten Bedingun­gen für eine gerechte Regelung. Es werde ver­sichert, daß ohne diese Regelung Deutschland keine Schadenvergütung werde befahlen können. Tie öffentliche Meinung sei im Gegensatz zu der vor­herrschenden Auffassung der Ansicht, daß die Rede Brockdorffs keineswegs im Ton herausfordernd war Was die boabfichtigten, sich auf lange Zeit erstreckenden Bürgschaften wie z. B. die 15 Jabce dauernde Besetzring des linken Rhrinu ers betreffe, so würden viele Amerikaner es nicht billigen, wenn den von den deutschen Delegierten gegen die Teile des Vertrages, die von zweiselhatter Rechtlichkrit sind, vorgebrachten Beschwerden nidjt Rechnung getragen werde.

Lr. Ul

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Ein Meinungsstreit -wischen Petain und Foch.

Bern, 13. Mai. (WTB.) TasBerner Tagblatt" meldet nach zuvnlästchen, in Gens ein» »?hx>fkrten Mcldumrm ixe Temffsüm des Genera-» lismus der französifck-en Armee, P 6 tarn. Die UrfadK der Demission Potnins liegt in Mci- nun Verschiedenheit en _ wegen der FriedenSbediw, grungen mit dem Mariarrll Fvch Petain be­kämpft die Absicht Fochs, Deutsch­land bei Ablehnung der Friedcnsbe- b i n g u n ~' n z u besetzen, n»nl dazu eine Mil­lion fra'.' ösrsch.n Sostaten nötig ci Nach der An­sicht Pötauls konnten nmhrenb des Sammers even­tuell farbige Truppen verwendet werden, jedoch in den Wintrrmonaten nur weiße Fvanzoscn, die dann der Gefahr der ^Lnüerfimg duock) den Botsck-ÄvismuS aus^setzt seien. Die frrm^jfirchx Zensur hat alle Meldungen über die Demission PLtnbis verboten. TerPetit Parrsicn" meldet jedoch, daß Clemen- ceau P4tain empfangen hat.

ober Anspruch $i irrten Mächte Deutschland sür

Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

dem Ziel, für das der Krieg geführt wurde, bleibe, frage man sich, was Deutschland an

Tie geforderte Ablieferung von 140 000 Milchkühen.

Berlin, 13. Mai. fWTÄ) Die von btf Entente geforderte Ablieferung von 140 000 Milchkühen würde nach amtlichen Berechnun­gen die MilchversorMng der Kinder, Mütter und Kranken in den Städten, insbesondere in den Großstädten, deren Bedar' jetzt nur ;u 66 Prozent gedeckt werden kann, weiter um annähernd 9 Proz. vermindern Ta infolge der Viehablie erungen für die notwendigste Fleischversorgung in. die Milch- viehbeftäirte eingegrirfert werden müßte, da der Nachwuchs durch die Ablie'erung von 40 000 Stück Jungvieh erheblich vermindert wird, würde die Milchnot im Laufe der Zeit sich noch wesentliche steigern.

Tie Vertreter der alliierten und assoziierten Staa­ten haben zudem wiederholt erklärt, daß das deut­sche Volk nicht für die Fehler seiner Regierung verantwortlich gemacht werden soll.

Das deutsck)e Volk hat den Krieg nicht gewollt Und würde einen Angriffskrieg niemals imternom- men haben. Im Bewußtsein dos beuticfien Volkes ist dieser Krieg stets ein .Verteidigungskrieg gewesen.

Auch die Auifassung der alliierten assoziier­ten Regierungen darüber, wer als Urheber des Krieges zu lvschuldigen ist, nnrb von ben deutschen Delegierten nicht geteilt. Sie vermögen ber frül?e- ren deutschen Regierung nicht btc alleinige ober auch hauptsächliche Schuld an diesem Kriege zuzusprechen. In dem Dor gelegten Entwurf eines Friedensvertrages befinde sich nichts, was jene Auffassung tatsächlich begründe. Keinerlei Beweise werden für sie bei gebracht. Tie deutschen Delegierten bitten daher um Mitteilung des Bericksts der tvon den alliierten mck> assoziierten Regierungen eingesetzten Kommission zur Prüfung der Verantwortlichkeit des llrh bcrs des Krieges.

Genehmigcn Sie föerr Präsident die Vett'rche- rang meiner ausgeKeichireten HoclNchttrng

(AH.) Vnockdenff-Rantzau.

(Dritte Rote siehe Letzte Nachrichten.)

Mündliche Verhandlungen?

Berlin, 13. Mai. Nach einer £xnxb5ni>te vom Montag werden die deutsck>en GegenDvr'chli.v bis Freitag erwartet. Clemenceau habe die Vollmacht erhalten, unmittelbare Be­sprechungen mit den deutschen Delegierten zu führen, sofern dies notwendig fern sollte.

(Ebert an die Amerikaner.

Berlin, 13. Mai. ^Wolfs) Rrie^präfident Ebert ywährte geltem dem Vertreter derAs'o- riateb Preß" eine Unterredung, deren Inhalt uns in nach, lebendem feixif übermittelt wird:

Tie Kundg-bung, die ich hiermit durch Sie a n bie amerikanische Dessen t lichkeit tunte, bebeutet die moralische Kriegserklärung des neuen Deutschland an das ganze übriggebliebene, Syuem ber alten internationalen Politik Das deutsche Volk zertrümmerte die Herrschaft der Ge­walt und Unwahrhaftigkcit bei sich zu Söaufe. Es tat das nichts um die Hand dazu zu bieten, daß, dieses selbe System in sinnlos gesteigerter Porm ber -wnzen Welt die Zukunft diktiere. Teiüschland legte die Waffen und die Rüstung ab, als es vor einem halben Jahr in döejsr LUmpj cmriaL 52r"ho

flärfer sittlich gerüstet tritt eS heute für diese Ziele (Fflm eine Welt tx>n Feinden auf den Platt. Es pslmtzt das Bonner mit ben 14 Punkt eit auf, daö Wilson auscheiiiend im S ich l, unb es bvfst, daß bad amerifanifdje Volk diesen tieferen Sinn der neuen Auseinander^ setzung, die jetzt anhebt, rührig er­fassen wird. In der ganzen Weltgesclnckte wird man seit Rom und Karthago vergeblich nach Frie* benöbebinninigen suchen, in denen ber Wille -Ur völligen Vernichtung des Gegners so voll kalter Grausamkeit und raffiniert ausge- brMt würbe. Ter Entwurf, ben man uns Dor* [egte, wirkt zugleich entsetzenerregend unb ab- llopenb. Er bedeutet nicht nur eine Ver­drehung . sondern sogar eine voll­st a n d r g e Negierung des von Wilson auf gestellten "Friedensprogramms der 1 4 P unkt e dieses Programms, auf dessen verwirktlchung wir vertrauten unb auf das uns -iac7L ^cr ^s Staatssekretärs Lansing vom

5, November 1918 ein Recht zusteht Ich habe dre Schrat über Wilson und ben Rechtssriedcn mir. Da ist in seiner Botschaft vom 22. Januar 1917 an ben Senat das Wort von der Notwendigkeit einesFriedens ohne >2 leg". Ter Präsident sagt:Der Sieger bars nicht den Besiegten seine Be- blngungen aufzwingen. Sie würden un­ter Erniedrigung, unter Zwang und unter u n e rtr äglichen Opfern angenommen wert oen. sre wurden den Stachelder Rachsucht unb 23it ter feit zurücklafsen, so daß ein fvld>cr osiere nicht auf fester GranÄage, sondern nur tme auf Triebsand ruhen würde. Nur ein Friede zwischen Gleichen kann von Dauer fein. Wo ist in diesem Friedensent- luurf, ben Wilson mitunterschrieben hat, auch nur kilA A.vur von all ben große:: Idealen, bie er auMelltL? Aus die Note des Papstes antwortete WUson am 27. August 1918:Ter Friede ist nicht gesichert, wenn er sich gründet auf politisckie ober wirtschaftliche «Beschränkungen, die einigem Nationen zugute kommen, andere jedoch hemmen und lähmen." In ferner Botschaft an ben Kon­greß sagte Wilson am 4. Dezember 1917:Tas entsetzliche Unrecht, bas in diesem Kriege begangen

gezwungenen Krieges erlitten haben.

Deutschland bat die Verpflichtung Wiedergutmachung übernommen

einer Schuld ber früheren Henrichen Regierung an ber Entstehung des Weltkrieges em T

Deren Verschärfung während des Waffenstillstandes -.e Volksgesundheit gebrochen ist.

Kein Hilfswewk, noch so groß und langfristig -'gelegt, formte diesem Massensterben Eiichalt tun. er Friede würde von Deutschland ein mehr- iucheres ber Menschenopfer fordern, bie der 4J/2* ihrige Krieg verschlang. (PA MUlivnen sind im - rlde gefallen, fast 1 Million ein Opfer der Blok- ?ade geworden. > Wir willen nicht unb möchten es bejweifclrt, ob die Delegierten der alliierten und ajfoziicrtai Mächte sich über die Konseauenzen im, klaren sind, wie sie unvermeidlich ciirtretcn wär-« den, wenn Deutschland, soeben noch erit dicht­bevölkerter, mit der ganzen Weltwirtschaft ver­knüpfter, auf gewaltige Rohstoff- unb Lebens­mittel-Einfuhr angewiesener Industriestaat plötz­lich auf rbt« Entw.cÜmrgsslufe zu^üchgessoßen wird, die seiner ökonomijchen Konstruktion mw feiner Bevölkerungsziffer von vor einem halben Jahr­hundert entspricht. Wer diesen Friedensvertragl unterzeichnet, spricht damit das Todesurteil über viele M illionen deutscher Män­ner, Frauen unb Kinder aus.

Ich habe es für mein Pflicht gehalten, vor ber liebervrichung weiterer EnrzelhMen diese all­gemeine Aeußerung über die Wirkung des Frie­densvertrages auf das deutsche BevvtkeranqsPro­blem zur skenntnis der alliierten und af foltert cm Friedensdclegation zu bringen. Die statistischen Nachweisungen stehm ruf Wmrsch zur Verfügung

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Ver­sicherung mein« mlsgez-richneten Hochachtung.

Bvockdorfs-Rantzau.

(Eine Note über bas Matz ber Wiedergutmachung.

Brrsaillrs, 13. Mai 1919. Sm Sfrä» fibent! In dem den deutschen Delegierten vor- gelegten Gntnnrrf eines Friedensvertrages wirH ber 8. Teil, betreffenb die Wiedergutmachung, mit dem Artikel 231 ein geleitet, welcher lautet: Tie alliierten und assoziierten Regierungen erklären unb Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste unb alle Schaven verantwortlich sind, welche die alliierten unb assoziierten Regierungen und ihr« Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten auf*

Die .fhmbgebmtgrn im Deutschen Reiche unb auch im Auslände gegen den Deutsch land auferlegten Gewaltfrieden bauern for. Auch die preußische Lanbesversammlung Hai gestern einbettig basUnannehmbar" gespro­chen, wobei auch Adolf Hoffmamr für bi< Unabhängigen denHalsabschneiderfrieden venvarf. Soeben erhalten wir noch die Nach' richt von der Ueberreichung dreier Noten des Grafen Rantzau an Ctsmenceau, deren erste eine geradezu erschütternde Beweisfülr- runa ist über die Tatsache, daß bei dem Versuch der Ausführung des vorgelegtrn Friedensvertrages Millionen von Deutschen zugrunde gehen müßten, weil mehr, als wir im Krieg, während des Waffenstillstan­des unb der Blockade durch die Unmensch lichkeit der Gegner bereits verloren haben. Wenn im übrigen eine Korrespondenz bereits, von einerBrockdorff-Krise" spricht, indem dieser entschlossen sein soll, zurückzutreten, wenn die Bedingungen nicht in ganz erheb­lichem Maße abgeändert würben, 4o möchten wir bringend hoffen, baß es uns erspart bleibe, wieder den uyvermeidliehen Herrn Erzberger als Nachfolger Rantzaus nennen zu hören. Wir wissen, baß dieser , Minister sehr geschäftig und rührig ist, in vielen Dingen auch Verdienste sich erworben bat, aber die Mehrheit des Volkes wünscht ihn in seiner schwersten Stunde nicht als seinen Vertrauensmann.

Versailles, 13. Mai. (MTB.) Reichs Minister Graf v. B ro ck d o r f f - R a n tza u hat brüte an ben Präsidenten ber Friebensbmferenz, Clemenceau. folgende drei Noten ge- ädtet:

Versailles 13. Mai.

Herr Präsident! Entsprechend der Ankündi- wimg in meiner Note vorn 9. Mai dieses Jahres LfcrrridK ick bie nachfolgenden Ausführungen der vvi kSwirts chas tlichen Kommission, tie beauftragt ist, bie Rückwirkung ber in Aussicht frmomnnnCTt Friedens!)edingungen auf bie beutjdv ( vcDöIriTiing zu prüfen. Deutschland war im Laufe ter letzten beiden Jahrzehnte vom Agrarstaate ! tunt Jndustriestaate übctiTegnngvn. Als Agrarstaat hnnte Tnilsck^anb 40 Millionen Menschen er- «tihren, alS Industriestaat war es in ber Lage, he Ernährung seiner Bevölkerung von 67 Millio- neu sicktz'rzustellen. Tie Einfuhr an Lebensmitteln betrug im Jahre 1913 rund 12 Millionen Tonnen, cor hem Mrirge lebten in Teutschlanb von dem ihbMriirtiitm 5)anbei unb der Sckn fahrt entweder ! btr.-ft ober indirekt rund 15 Millionen Menscktzm. Nach den Bestimmungen des Friedensvertrages soll Deutschland seine für ben internationalen Handel pottvenbigeit Schiffe sowie bie Neubauten ab» n .n au(^ sollen die Werften in den nächsten N> Jahren in erster Linie für bie Alliierten und J'lriiicrten Regierungen bauen. Deutschland büßt »wut seine Kolonien ein. Die Gesamtheit pntr Besitzungen, seiner Interessen und Titel, N« zur teilweisen Deckung der Entschädigungs- toitrüdie der Liguibation unter iegen Und wieder wen andere wirtscka tliche Kriegs Maßnahmen nu5» 2?«?- n kvelch' die alliierten und assoziier- »» Mäck)trn in ber Friedenszeit aufrechtzueihallen !ur Qr neu einzm'ühren beschließen können, vn Austuhrung der territorialen Bestimmungen 2; 6nnVnsoertrag-?s würben im Osten die lanb-

'chanlichen Probukrionsgebiete für ©etrci'je und Snrriüieln verloren gechm. Das wäre gleichbe-

mit einem Ausfall von 21 Proz. der wiamh?mtc an diesen Lebensmi tdn. Ohne dies ,ur.^ unsere landwirtschaftliche Produktion stark ^.!"ü'hen. Einmal würde die Zuful>r von Roh- 'ür bie deutsche Düngemittelindustrie, wie U pdate mangeln, sodann würde diese Jndu- ivte jebe aiKxrre Industrie unter Kohlenmnigel

.beim der Friedensvertrag sieht vor, biß 'alt ein Drittel unsere r Kohlen- rtbu ftion verlieren. Weiter soll Deutsch, «w nach ben Vorlagen fast drei Viertel seiner r:-^Produktion und mehr als drei Fünftri! tncr Produktion an Zink zu Gunsten sriner Nach- abtreten.

tiefer Einbuße an eigener PnK»uktion, F® ber wirtschastlickten Lahmlegung durch ben Forint der Jtvlonien, ber Handelsslottze unb ber Fjroarti(jen Besitztümer wäre Deutschland nicht ppr m der Lage, genügend Rohstoffe aus dem ri^nb ju beziehen, die Deutschaich inftanb» f.dnri «emcn Bedarf an Lebens mittel-

! J'5n: öu betten. Teutscktzland Würbe daher in ftir= .n.c'-51j_. nutzer i rmbe fein, ben vielen Dtill iv neu der .ji 3önn^jrt unb Handel angewiesenen Menschen und Brot zu gewähren. Liese Menschm u.lc n fl u 5 ^.eutschlandauswanbern,

f 2?lT te chn i s,ch unmöglich, zumal ^ v.ele der w.chig t«n Länder der Welt gerade ^^le deupche Auswanderung sperren. Außer- k/ Hunberttausende ins den Gebieten

Ln:,t, ^-eulichand Krieg fübrenben Staaten, aug i-en abzutretenden deutschen Territorieil .S ?wch dem übrigbleibenden deut- i « Gebcet emftrömen. Werden die Friedens- i uigungen durchgeführt, so l-edeutct das ein- i j* -yL a f1 f e n M illionen Menscken i chI a n dz u gründe gehen m ü s- i » l,>U'.C.C Brozen würbe sich rasch entwickeln, |

Die Blockade chchrenb des Krieges und ,

zu fasten htben. Ich für meinen Teil tonn nitf lagen, daß ich stets auf dem Standpunkt gestanden Irtbe, biß man galten soll, was man versprochen'^ fx»t, unb daß man nichts verspreche^ solle, was man nickt halten kann. 3d>: nrürbe es für ein Wei tun heil Wien, wenn dieser Grundsatz im Verholtois ber Völker iintcrtmanberi uerlaHen würde, unb loerut mm getrübte Staats-' Verträge absch<"ste mit dem Bewußtsein, daß sie doch nichts anderes sind als fault Aiav. lierwcchsel. Heute hoffe ich noch, daß man nicht versncheck' wirb, dem deutschen Volk eine Zustimmung abyu* pressen, die nichts anderes sein könnte, als aus der Verzweiflung >itborene Lüge hoffe,, daß das deutsche B. . nicht ber 1 nnrb,,

mit einer Lüge in den neuen Absck,..*r Ge­schichte einzutreten.

Gewiß, wir sind in einer furchtbaren Lage, aber: Mut verloren, alles verloren Wir müllen alles tun, um für die kommende schwere Zeit dia Ge schlossenheit unseres Volkes zu er­holten und sie, wo sie gestört ist, wieder herzu­stellen. Wir müssen unseren Volksgenossen, bfe fremde Gewalt gegen ihren Willen hon uns tren­nen will, unverbrächtick>e Treue halten, unb yur Durchführung auch der schwersten Entsckliestungl bereit sein. Wir mögen in freiet Au.lprack»e reif­lich überlegen, was wir zu tun gedenken. Kommt es aber zum Handeln, bann darf nicht ein Test des Volkes dem andern rn den R licken fallen. Würde die entscheidenbe Stunde ein Volk finden, das sich selber zerfleischt, dann wäre alles ver­loren. Vor allem sollen die Arbeite» bedenken, daß es jetzt um ihr Letztes und Höch st es geht. Ein zertretene- Tentsck)- land kann nichts leisten für den sozialistisckckn Fort­schritt der Welt und für das Wohl der arteiienbcir Bevölkerung. Tic Arbeiter Tünnen, indem sie all­gemein in die Wege der Vernunft ein lenken und ihre bewunbem8wcrte moralische Widerstan-vskraftl in den Dienst des Volksgmazen stellen, Deutschland retten. Ich hoffe zuversichtlich, sie werben eS tun!

Amerikanische Stimmungen.

Rotterdam, 12. Mai. (Wolstll Tu Tailv Mail" berid^et aus Neupvck, daß man sich dort angesichts der Deutschland auf- erlegten Friedensbebingungen frage, ob die beab­sichtigte Bestrafung nicht velleicht großer sei, als Teutschlanb übtT&aupt aushalten könne. Man sehe ein, baß eine ober zwei edelmütigere Bedingungen im Friedmsvcrtrag die augenblickliche Lage gün­stiger gestaltet hätten. In ben Kreisen, in benen