Ausgabe 
12.9.1919
 
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neten-Bersammlun den 15. September

** Amtliche Personalnachrichten. Ter Aft»ariatsaifiAent bei dem Amtsgericht Grün­

berg Ludwig Volz wurde zum Mnariatsassi- flentcn bei »em Amtsgericht Hungen ernannt.

** (E_i nc Sitzung der Stadtverord- ?iil am Montag 919, nachnl. 5 Uhr,

der man in unseren fReebertreiTen Deutschlands altes Seehandelsansehen wiederzugcwimren holst. Ter Vortrag wies leider nur säzwachcn Besuch auf.

** Ein Wohltätlgkeitskonzerl zum Besten des Erholungsl-eimes des Heiseubund:s wurde gestern abend im Saale des Hotels Ein­horn vorn Wartburgverein veranstaltet. Vie! Aufwand an Fleiß, Hingebung und ehrlichem Streben staiw hinter diesem Abend. Er war nicht vertan. Tas den grasten Saal bis aus den letzten Platz füllende Publitum verlieh feiner Befriedigung über das auf der Bühne Gebotene durch reick^n, oft fpontanen Beifall Ausdruck. Es wurde aber auch vortrefflich geipielt von der aus Mitgliedern und Freunden des Vereins bestehendm Kapelle, die durch mehrere Herren der Militärmusik tx5 hieiigen Ncichswehrregim.mts verstärkt worden war. In dem knappen Rahmen dickes Berichts müssen wir uns ein Eingehen auf Einzelheiten leider versagen. Es sei jedoch festgestrllt, dast sich, besonders in der großen Pl>anta>ie aus dem Der- dischen Troubadour, die Streiclrer durch über­raschende Reinheit in der Tongebung auszeick>- neten. Auch die Solis der Bläser l>aben eine lobende Erwähnung ehrlich verdi.nt. Ten Höhe­punkt des Abends bildeten unstreitig bL> vmr Frl. Schuch aus Echzell vorgetragcnen Lieder. Sie sang eine Arie aus Carmen, dos von Menl^lsstohn < Hartoldy vertonte Nachtlieb des Zarittnrstta und melnere Schumannlieder. Tie noch jugendlickM Sängerin besitzt einen geschmeidigen, satten Sopran von, besonders in den hohen Lagen, berückendem Schmelze. Namentlich den ewig iungen Melodien Schumanns wurde Fräulein Schuch nnmderbar gereckst und wußte sich mit jedem Siebe tiefer in die Herzen ihrer Hörer einzusingen, die mit kaum enden wollendem Beifall .ber Künslleriv mehrere Zugaben abzwangen. .Auch Blumen fehl-

Eine Rede Scheidemanns.

Kassel, 11 .Sept. (W. B.) Der frühere Ministerpräsident Scheibemann hielt heute abend hier vor einer gewaltigen Menschenmenge eine grosse politische Rede, in der er einleitend in persönlichen Bemerkungen die gegen ihn gerichtc- I ten bösartigen Verleumdungen energisch zurück­wies und sagte bann: Ebensogut wie die heutige aus Sozialdemokraten und Zentrum bestehende 'Regierung könne man sich auch eine Regierung 1 nur aus Sozialdemokraten und Demokraten denken. Eine Regierung aber, in der die Sozialdemokratie 'fehlt, können sich nur die rücksichtslosesten Kata- Itrovhenpolitiker denken. Tatsächlich würde eine solche Regierung eine Katastrophe für unser un- -glückliches Land bedeuten. Sowohl eine Regie­rung von rechts, die die Monarchie, wie eine solche von links, die die Räteoiktatur bedeutet, wären ohne schwere innere Kämpfe nicht denkbar und wurden Experimente darstellcn, die mit dem Zu­sammenbruch enden müßten. Ich verlange bon den Monarchisten, bar, sie sich nicht in Gegensatz stellen zu den lebendigen Interessen des Volkes, und dost sie nicht neue Krisen heraufbeschwören, die unser erschüttertes Volk nicht mehr erträgt. Die republikanische Staatsform ist überall im Vordringen und beherrscht ganz Ame­rika, den grössten Teil von Europa und Asien. Von den Pyrenäen bis zum Stillen Ozean steht kein Thron mehr. Könige gibt eS nur noch im Lager der Sieger und in den im Kriege neutral gebliebenen Ländern, mit der einzigen Ausnahme des kleinen Bulgarien. Man erlebt heute das sonderbare Bild, dast die monarchistische Gefahr von der Ententeseite kommt. Ich wünsche den Sozialisten der Weststaaten die Macht, zu ver- hinoern, dast nach bem fehlgeschlagenen Versuch in Ungarn in Rustland mit der Wiedereinfüh­rung der Monarchie der Anfang gemacht wird. Die Gefahr ist grost unb ernst! Was aber auch immer in Rustland kommen mag, Deutschland soll eine Republik bleiben. In diesem Punkte ist sich die ocmze Arbeiterschaft und ein groster Teil des Bürgertums einig. Jene aber, die dennoch mit dem Feuer der Gegenrevolution spielen, seien gewarnt.

Scheidemann kam dann auf die irreführende Meldung der Presse zu sprechen, dast dem früheren Kaiser Wilhelm auf Grund von Verein­barungen über die Verrechnung seines Privat- besitzes bzw. als Abfindung die Summe von 170 Millionen Mark ausgezahlt werden solle. Diese Mitteilung, die auch der Finanzminister Südekum bestritten hat, must falsch sein. Es wäre unerhört, wenn eilte Regierung fid) bereitsinden würde, dem Manne eine solche Niesensumme ans- zuzahlen, in dem Millionen und Abermillionen den Hauptschuldigen an dem Kriege und dem daraus hervorgegangenen Elend sehen. Eine foldx? Regierung könnte sich keinen einzigen Tag mehr halten. Die dcutschnationale Partei hat sich auf ihrem Parteitag zur monarchischen Staatsform bekannt. Sie bekunde damit, dast sich die bestehende Staatsfvrm und die bestehenden Gesetze nicht zu respektieren gewillt ist, sondern darauf lauert, sich mit Gewalt darüber hinwegzusetzen. Kein Staat kann den Rechtsbruch ungeahndet lassen. «Eine Regierung aber, die ihn begünstigen würde, «würde sich an ihm mitschuldig machen. Ich werde Iiie versäumen, soweit mein Einflnst geht, die .Negierung auf die Wichtigkeit dieser Ausgabe auf­merksam zu machen. Der Redner erörtert darauf fctn Fall Nein hart. Oberst Reinhart, der vicl- ifach mit dem loyalen Kriegsminister Oberst Rein­hart verwechselt werde, ist öffentlich der Vorwurf gemacht worden, dast er der Monarchie vorarbeite. Er soll gesagt haben: Erzberger ist ein Lump! Die Regierung ist Gesindel! In einem Briefe an den Vorwärts" hat er dies auch verblümt zugegeben. Es ist ein nnmöglid)er Zustand, dast Oberst Rein- liart bis zum heutigen Tage sein Kommando führt. Hat die Regierung nicht die Macht, diesen Mann von seinem Posten gu entfernen? Dann wäre tat- sächlid) Herr Reinhart der Noske, der über die militärische Macht verfügt. Noske aber nur der Inhaber einer papierncn Vollmacht.

In den Kasernen wird offen monarchistisck-e Propaganda betrieben unb in Jubenhetze gemacht. Die reaktionären Drahtzieher werben dann mit den ans den antisemitischen Leimruten gefangenen An­hängern ihre Pläne zu verwirklichrir suchen. Hier heißt es: Widerstelle den Anfängen! So wie eine Mogierung von redits die Monarchie und baniü: hen Bürgerkrieg bedeutet, so bedeutet eine Regie­rung von links die sogenannte.Rätediktatur und damit ebenfalls den Bürgerkrieg. Ich sage ans- drüdlich: die sogenannte Rätediktatur, denn Rustland wird nickst von gewählten Vertretern her Arbriterklasse regiert, fonbern es herrscht die nackteDespotieeinigerParteiführer, hie weder burd) eine Volksvertretung noch durch die Presse kontrolliert wird. Ein solches System ließe sich die deutsche Arbeiterschaft keine 14 Tage lang gefallen. Die Einführung des Rätesystems in Oeutfdilanb lehnen alle Parteien ab. Selbst die Unabhängigen sind in dieser Frage gespalten.

Oktober, wie gestern irrtümlich angegeben war.

** Das Schicksal der Kapitulanten. Kapitulanten, die bis zum 31. Oktober über 12 Jahve dienen, werden nach einer Verfügung d:s Reich swehrrnmisters mit diesem Tage entlassen. Vereinzelte Ausnahmen sind wegen Unentbehr- lrckkit nur zulchsig bei beonberen Fach- unrerofsiziergruppen, wie Musikmeistern, Unter» zahlmeistern usw., sowie bei etatmäßigen Stom- pagniefelckwebeln usw. Tie bleibenden Kapitulanten treten mit ihrer Zustimmung am 1. Oktober in ihren bisherigen Tienststellen zunäch'st aus ben Etat der vorläufigen Reichsivehr ober auf den austerordentliche« Etat für 1919. Tie endgültige Entscheidung, wieviel in das Friedensheer zu über­nehmen sind, trifft der Reichswehrminister. Es wirb jetzt feptzestcllt, wieviel Kapitulanten vor­handen und ivieviel für das künftige Feiedens- hecr und für das 200 000-Miann-5)eer nötig sind, bas bis zum 31. Marz befielen beibt. Tie Aufstel­lung machen bwonbere Kommis ionen. Bei Mei­nungsverschiedenheiten wird abgestimmt.

**FreigabeberObstkonserven- herstellung. Durch eine Bekanntmachung ber Neichsgesellscliaft für Obftkonserven und Marmeladen ist die Herstellung unb ber Ab­satz von Obstkraut unb Dörrobst freigegeben warben. Auch Gelees und Obstmus bürfen, so­weit eine Berwenbung von Zucker nicht statt- finbet, ohne Genehmigung ber Neichsgese.b- schaft hergestellt unb abgesetzt werben. Rur die .Herstellung von Pflaumenmus bleibt in bem bisherigen Umfang verboten. Die der gewerbsmäßigen Herstellung von Obstkcaut und Dörrobst enlgegenstehenben Vorschriften ber Neichsftelke für Gemüse unb Obst sind ebenfalls aufgehoben worden.

* Sommertage im Polavgebie t. lieber dies Thema sprach gestern abend in der Neuen Aula auf Veranlassung der Vortrag sver- einigung (Kaufnrsmnscher Verein und Ortsgewerbe- verern) Kapitän Herbert aus Hamburg. Ter Red­ner hielt sich im wesentlichen an eine Nordlands-, fahrt des TampfcrS Großer Kurfürst vom Nord­deutschen Lloyd im Jahr« 1912. Wundervolle Licht­bilder führten in die Region des ewigen Eises, wo im Sommer drei Monate lang ununterbrochen Tag und Nacht die Sonne scheint und mit Hilfe des Golfsttvmes eine Temperatur von + 25 Grad Celsius erzeugt, während sie im Winter bis zu 50 Grad sinkt. Diese seltsame Sommerwärme auf 'windstillem Meere, das von Tausenden von Seevögeln bevölkert wird, erhöht den Kontrast ber braunen eis bedeckten Schneespitzen und ber ge­waltigen Gletschermassen, auf deren Nioränen zwi­schen dichten Nivosen ein fast beimatlitfxr Blülen- flor prangt. Tic NordlandsHerrlichkeit würbe ei­gentlich entdeckt durch Graf Zeppelin, der im Jahre 1910 mH dem Dampfer Mainz eine längere Ex­pedition nach Spitzbergen veranstaltete, um von hier aus mit zwei Lustschiffen in zwölf Stunden den Nordpol zu erreichen. Ter Plan kam nicht zur Ausführung, aber damals wurden die Golfe ausgemessen, die der Lloyddampfer auf seiner Ver- gnügunfrMaM berührte. Ter Norddeutsckie Llol)d erwarb sich damals auf dem Niemandsland Hoheits-1 rci<te, die aus der Friedenskonferenz für die ganja Inselgruppe Norwegen als Tank für seine ein-, fettige Neutralität zugewiesen wurden. Der Redner begleitete ben Tampfcr noch auf seiner Rückreise durch die nottvegischen Fjorde, zumal ben 180 Momeier ties ins Land einschneidenden Sonjefjvrd. Tie gai^e vierwöchentliche Reise konnte damals für 500 Mark unternommen werden. Ter Ans- lall des größten Teiles unserer Handelsflotte wird uns sobald nicht mehr an ähnliche Vergnügungs­reisen denken lassen können. Wohltuend war es aber zu hören, mit welchem Optimismus der Red­ner von der z-ukunfts furchen Mheigkeit sprach, mit

SchewemaTM bespricht dann fn längeren Ausfüh­rungen das Verhältnis zwischen den Sozial­demokraten und den Una bhängi gen. Die Unabhängigen hätten die Frage der Einheit des Proletariats als eine Frage der Führer hingeftellr. Nachdem aber Landsberg und er ihre Aernter nie- beraekgt hätten, fei sein Nachfolger Bauer noch viel schlimmer von Den Unabhängigen behandelt worden. Gewissermaßen könne man sagen, er sei bei den Unabhängigen verhältnismäßig beliebt ge­wesen. Rian mag an Bauers, Eberts und Noskes Stelle einen anderen Sozialdemokraten stellen, er heiße wie er wolle, immer wieder wird Man an das Geschrei von der niederträchtigen, arbeiterver­räterischen Regierung hören. Reine Regierung kann ein geschlagenes, durch einen entsetzlichen Krieg kör­perlich und seelisch zerrüttetes Volk mit einem Sdjlage zu einer Schar von Glücklichen und Zu­friedenen madjen. Wdebcraufrictstung unb Wieder­genesung können sich mir allmähtig in Jahren uniM Jahrzehnten vollziehen. Auch der Sozialismus kann nur allmählich Helsen und muß schrittweise Vorgehen. Pferdekuren darf er nicht veranstalten. Es ist eine Schmach und Schande, wenn die Ar­beiter immer wieder aus die Agitation der Kom­munisten und Unabhängigen hineiusallen. Was die Unabhängigen predigen, ist nichr Sozialismus, sondern Aberglaube, mit dem sie hausieren gehen im Vertrauen auf die Unwissenheit ber Massen.

Tie Frage ber Unterzeichnung ber Fricdens- bebingungen war vielleicht nicht weniger verhäng­nisvoll als bic Frage ber Beivilligung ber Kriegs­kredite. Ein Teil der Fraktion, zu dein ich gehörte, war der Meinung, baß bieser Vertrag nicht unter­zeichnet werben dürste, und er hoffte aus Grund sehr wichtiger Berichte aus dem Aus­lande, bah einige Wochen ber Weigerung ge­nügen würben, um eine gründliche Revision des iFnebensVertrages herbeizuführen. Der Frie­densvertrag hat uns zu einem Skla­venvolke gemacht. Er hat uns Pflichten auserlegt, die kein Deutscher für erfüllbar hält, und hat uns im eigenen Lande rechtlos gemacht. Einen solchen Vertrag wollte ich nicht untcr.vndxncn. Der andere Teil der Partei war anderer Meinung, unb wir Gegner ber Unterzeichnung blieben in der Minderheit. Wir haben daraus die bemofratifdxn Konseauenzen gezogen und uns der Mehrheit ge­fügt. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen, erkläre ich: Id) selbst hätte den Vertrag nimmermehr unterschrieben. Nachdem er aber unterzeichnet worden ist, müssen wir bemüht fein, die ein gegangen en Bedingungen zu erfüllen.

An die Arbeiter richte ich die Aufforderung, den Genossen in der Regierung ihr Amt nicht noch schwerer zu machen als es ist. Dies bedeutet keineswegs einen Verzichts auf das Recht der Kritik. Ich sehe z. B. nicht ohne Sorge, wie sich die parlamentarisd)c Grundlage der Regierung durch das Ausscheiden der Demokraten verengert hat. Die gegenwärtige Partei- ko nsiell a tio n ha 11e ich weder für glück- l.ich noch dauerhaft. Wenn wir schon nicht allein regieren können, ist es besser., daß 2 bürger­liche Parteien in der Regierung sind, die sich die Wagschale halten. Den Tod des Abg. Naumann bedauern wir tief, da Naumann viel dazu .bei­getragen hat, das Zusammenarbeiten der beiden Parteien zu erleichtern. Unser Ideal ist aber die Einigkeit der Arbeiterklasse unter ben Fahncm des Sozialismus und der Demokratie! Diese Aus­gabe ist des Schweißes der Edlen wert. Ich glaube an eine bessere Zukunft unseres Volkes unb baß unserer Partei die Aufgabe zugefallcn ist, es dieser besseren Zukimst näher zu bringen. Arbeiten und nicht verzweifeln, ausharren und weiterkcimpsen! Dann werden die kommenden Geschlechter uns Dank wissen. Arbeiterklasse, Sozialismus unb De­mokratie, diese Dreiheit wird uns aus dem Elend der Jetztzeit wieder in eine hellere und bessere Zeit führen.

arweraumt. Auf ber öffentlichen Tagesordnung steht: 1. Bangesuch des Georg Olt für Bahnhof­straße 56; hier Befreiung von §§ 2 und 15 der Lolalpolizeiverordnung. 2. Baugesuch des Karl Walbfckmiot für Friedrichstraße 4. 3. Vaugesuch der Gesellschaft für Beton- uno Eisenbetonbau für Erdkauterweg 20. 4. Einfriedigung deS Grundstücks Gutcnbergstrahe 30. 5. Vergebung der Fuhrlcistun- gen für das Gas- unb Wan'erwerk. 6. Wahl eines Rechners der Looerstistung. 7. Erlaß eines Verbots über das Einholen von Holz während der Nachtzeit.

** Kriegsgefangenenheimkehr Gießen. Tie Angehörigen berjeniyn dcutsck^m Kriegsgefangenen, die in bet Stadt Gießen be­heimatet find unb bemnäckst dorthin als an ihren dauernden Wohnsitz zurückkehren, werben aufgc- forbert, sich im Interesse ber Heimkehrer mündlich ober schriillich alsbald spätestens aber bis zum 20. bs. .Mts. beim Arbeitsausschuß ber Kriegs­gefangenen Heimkehr (Alte Klinik, Rotes Kreuz, Liebigstraße) zu melden. Siehe Anzeige.

* T ie kunstgewerbliche Ausstel­lung der Gewerbeschule Gießen findet oom 15.28. September im Turmhaus am Brand, den Rämmm des Kunstvereins, statt, nid>t im

An» StaM rind Land.

Gießen, den 12. Sept. 1919.

Lebensmittel.

♦♦föeiber städtischen Obst-undGe- müsestclle fonmten morgen Gemüse aller Art, Aepscl, Birnen verschiedene Sorten, zu Den billig­sten Tagespreisen Pfund» und korbweise zum Ver­kauf.

* Nährmittel-Ausgabe. Tie bei ben Kleinhändlern der Stadt Gießen bestellten Waren für September können von 9)iontag ab gegen Vor­lage des VestellauÄocises zur Nährmittel karte und Abgabe der Nährmrttelmarke Nr. 9 (September 1919) in Empfang genommen werben.

ten nicht.

** Der Verband ber unteren Vvft- undTelegraphen-Veamten, O tsgruppe (Küßen, veranstaltet Sonntag ben 14. S viernter, nachmittags 3y4 Uhr, imHotel Einhorn" eine allg.'meine Beamtcnversammlung, zu ber alle Klassen ber Reicks-, Staats- unb Gemeindebe-am- ten unb Beamtinnen ein geladen sind. Tagesord­nung: Beamten fragen in Gegenlvart unb Zukunft. Redner: Herr Oberpostschafsner Kocki-Essen, Mit- gtieb ber Nationalversammlung.

♦♦ Tie Sozialbemvkratische Par­tei veranstaltet morgen abend 8V, Uhr im Hotel Einhorn eine öffentliche- Vvlksversamnilung. Tr, Max Quark, M. b. N., Tr. Sinzl-eimer, M.d.N. unb Eduarb Grafe, Unlerstaatssekretär, M. b. L., werden über die beutfdje Politik fpredjen.

** I m Lichtspielhaus wirb von moracit ab bas große Lustspiel ,/Lie Austernprinzessin", in der Hauptrolle Ossi OSwalda, aufgeführt.

Landkreis Gießen.

-m. jungen, 10. Sept. Bei einer gestern hier abgehaltenen ÖbftDcrftcigcrunq wurden außer- gewöhnlich hohe Preise erzielt. Ein BaumBirucn kam beispielsweise auf 325 Mk. Man kann hievnmb einen Durchschnittspreis von 5070 Mk. pro Zentner annehmen. Bei der großen Nachsraae nach Obst spielt das Geld scheinbar gar keine Nolle, imb cs mirb beim Bieten nicht darnach acsragt, ob die Ware auch nur annähernd den dafür an­gelegten Wert repräsentiert.

Hessen-Nassau.

-= Frankfurt a. M, 11. Sept Mehr afe 500 Personen des Vororts Rödelheim haben eine Bewegung cingeleitet, die die A u st e i l u n g de r Ländereien des Grafen »n Solms-Rödelheim in Assenhcim zum Endzweck hat.

Frankfurt a. M., 11 Sept. Der Vor­sitzende der hiesigen geiverkschastlich zusamnnm- gesdstossenen Kellnerorganisationen, GewerkschastS- beamter K Ö l l e n b e r g e r, ist nach Unterschlagmig einer erheblichen Summe Verbandsgelder flüchtig gegangen. £

fm. Frankfurt, 12. Sept. Bis kurz vor dem Kriege war der Katl)arinenturm in Frank­furt aus seiner luftigen Höhe bewohnt. Die da­malige Meterin verließ nur ungern die seit Jahren bewohnten Räume. Der Turm mußte aber aus verschiedenen Gründen damals geräumt wer­den. Auch aus bem Eschenheimer Turm wohnte lange Jahre eine Tunnivadsterfamilie. Vielleicht erinnert sich jetzt in Seiten höchster WohnungKwt bas Wohnungsamt dieser verlassenen Räume, für die sich genug Liebhaber finden nxrben. (And) in Gics-ni stcht die Wohnung des früh ven Turm- wächtcrö auf der Stadtkirche leer unb könnte be­zogen werben. Zumal für ein junges Ehepaar müßte diese Wohnungsaussicht ideal sein.)

oz. Fulda, 11. Sept. Verhaftet wurden zwei von Gießen gebürtige Männer, die hier einen Ballen Leder und einen Sack Kaffee an den Mann bringen wollten. Bei ihrer Verhastting leisteten sie den Kriminalbeamten energischen Widerstand und bedrohten sic mit Waisen. Die schweren Einbrudi-dicbstähle in Büd)cnberg (Kr. Fulda) haben die beiden auch ausgesührt'. Die

Das Glück der andern.

Original-Iloman von Erich Ebenstein.

Copyright 1916 by Oreiner 6c Comp., Berlin W 30.

lNachdruck verboten.) Fortsetzung 5.

Als Mama heute früh erklärt hatte, Lottens Verlobung am Abend burcb ein kleines Familien- sest zu feiern Geras sollten kommen, halt: Evelyn erklärt:Bed-aure, aber ich muß mich dabei entschuldigen. Ich bin für heute abend b.'i Millners verjagt."

Wenn nun aber Millners hier erwartet wur­den bann kam vielleicht auch Evelyn mit?

Si» rühmte sich ja so oft:Wo Beate verkehrt, da verkehre ich auch. Sie geht ohne mich nir­gends l>in, unb all ihre Bekannten wissen dies."

Wie wütend wäre sie, wenn sie zufällig -:r- lühr: . . Modest« wurde ganz heiß bei dem Gedanken.

Nun, liebes Fräulein, wollen wir nun bic Tischkarten verteilen? Hier sind sie. Ich b.'lwlte die Liste unb Sie lesen die Namen ab. während Sie bann die bettesfenden Karten aus bie ein- tzelnen Plätze verteilen. Id) bcnke, wir.fangen hier oben links an."

Cie reichte Mobcsta efn Päckchen Karten unb begann die Namen von ihrer Liste abzulesen.

Plötzlid) fuhr Modesta zusammen.

Fräulein Losenstrin," hotte die Gräfin ge­lesen.

Also doch! Modesta Ivar so verwirrt, baß sie den nächsten Namen, der Evelyns Tischlierni nannte, überhörte nnb iwch einmal fragen mußte.

Graf Magnus Sanderfeld."

Fünf Minnten später war man fertig, unb

die Baronin fragte nun Modesta in zarter Form nach ihren Honoraransprüäicn.

Modesta starrte sie ganz erschvoden aus ihren Samtangen an.

Sie sollte bezahlt werden? Tavan hatte sie ja gar nicht gedacht . .

Ich weiß es nicht ... ich habe noch nie anders als ans Gefälligkeit gedeckt . . .," mur­melte sie in tödlicher Verlegenheit und wurde blutrot.Sie mürben mich glücklich machen, wenn Sie mir erlaubten ... cS machte mir ja Freude . . ."

Aber das geht bock nicht!" unterbrach sie die Baronin halb erstaunt, halb verlegen.Nein, nein, das geht wjrNich nicht . . .!"

In bizein Augenblick wurde die Tür geöffnet und ein bildhübscher junger Mann mit schwarzem Kraushaar unb blauen Augen steckte oe» Kopf herein.

Tarf ich, Ta»tck)en, ober stört man?"

Nein, nein, Magnus, bu störst mich nie. Komm? nur herein unb sieh bir gleich bas Ar­rangement für ben Abend an."

Ter junge Mann trat vollends ein und warf einen brütenben Blick um sich.

T-onnerwetter, das ist ja feenhaft? Da hat sich Francois wieber mal selbst übertroffen!"

Sag.' lieber, er hätte es nie so zuwege ge­bracht? Francois ist nämlich krank und hat uns int .Stich gelassen. Tic Künstlerin steht hier!"

wies auf Modesta, bereu Anwesenheit ber junge Mann erst jetzt bemerkte.

Pardon," murmelte er, während seine tief­blauen .Augen sick) stannend auf Modcsws schlanke, fi über Aart« Gestalt ßerabfenfleit.

Erlauben Sie, baß ich Ihnen meinen Neffen vorstelle Graf Smtdcrstlb. Aber da merke ich

eben, daß ich Ihren Namen noch nicht einmal weiß,, Fräntem Ndodesta . . .?"

Modesta murmelte verwirrt etwas, daS nie­mand verstand. Tann sagte sie, die Wimpern scheu senkend, hastig:Verzeihen Sie, Frau Ba- tenin, ich muß nun gehen. Ich ... ich habe heute noch einen Tisch zu decken," und glitt, ohne eine Antwort abzum-arien, aus bem Zimmer.

Ein komisches Mädchen," lädyelte die Ba- Donnt.Denke dir. sie will sich nicht einmal be- zaht-m lassen für ihre Arbeit hier! Ich muß nun dos Honorar selbst bemessen und eS ihr durch untere Klavierlehrerin schicken, die ihre Freun­din ist."

MagnuS Sanderfeld lehnte am Büfett und strich Aerfcreut feinen sckMarzen (Sdynurrbart.

Welch ein blumcnhaftcs Gefchöpf," sagte er nackdeuNicy,alles so weich unb biegsam und poettsth, als wäre sie eine Elfe, die eben irgend- ehrem Blütenkelch entstiegen ist . . ."

Mein Gott, du wirst ja ganz elegisch! Soll­test du dich etwa beim ersten Sehen m diese kleine Modesta verliebt Ixtben?" lachte seine Xante scherzend.

Auch Magnus lachie jetzt.

Aas fällt dir ein! Es war eine rein objektive Betrachtung. Mein Genre in Fraucnichönheit ist viel rcalkstfscher. Ich liebe nicht die schüchternen Veilchen, sondern stolze Frauen, die an die könig­liche Rose erinnern!"

6t trat an die Tafel unb überftog mit einem Blick bi: Sitzordnung.

Seine Miene slrahlte plötzlich.

Tas hast bu famos ein geteilt, Tantchen! Tu verdienst dafür wirklich einen Kuß!"

Er umarmte die SBaronüi, dieripm lachend euren Klaps gabu

Weil ich deinen Birten nicht widerstehen könnt: und dir Evelyn Losenstem als Tischnach­barin gab, bu Schlingel? Aber nimm bull in acht, bürst bu? Ein Flirt ist dir geitattet, unb ich bin feine Spielverberberin, aber setze dir um Gottes willen feine Raupen in ben Kopf! Sie ist doch immerhin, wenn auch arm, doch ein anständiges Mädchen und Beatens Freundin da spielt man nicht gedanfeuloS! Unb so viel weißt bu doch deine Mutter wäre nickst entzückt von btrier Schwiegertochter! Sie erhofft eine ganz ander: Entscheidung, seit du bei Millners häufiger xxx-

'Magnus errötete und schwieg.

Nack einer Pause sagte er leichthin:IS wollte bir nur sagen, Tantchen, daß Mama mir heute schrieb uno fategorifch verlangte, ich soll' Urlaub nehmen unb nach Rettenegg tommvn

Nun, bann tust bu es eben! Du bist ihr einziger Sohn, undes ist begreiflich^ daß sie diL wieder einmal bei sich hoben will."

Ader es paßt mir eben jetzt gar nicht, 2kmri den! Tu bist so klug könntest du mir nick« helfen, eine Ausrede zu ersinnen?"

Tie Bavoriin sah ihn einen Augenblick schars an. Tann antwortete sie trocken:Nein, m w lieber Magnus. ES |d>etnt( baß bu wirklich.schon tiefer, als ich fürchtete, nt Evelyn Losenstenis schäne Augen geblickt halt. Da ist bir ein schleuni­ger und langer Aufenthalt in Rettenegg nur drin­gend zu toünfdjcn!"

Aber Tante, waS hast du gegen FrSuleM Losensdcin?" , . _ . ...

Nichts, als daß ich rae wünschen würde, Jtj als bv'iitc Frau zu sehen!" Somit wandte ßfl die Baronin ab.

(Fortsetzung Mät)