Ausgabe 
10.9.1919
 
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In der Versammlung fragte der Militärverwalter I nach der Ursache der Arbeitsniederlegung, und es wurde ihm mitgeteilt, daß es sich anscheinend nur um eine Protestkundgebung gegen die neue Re­gierung handele. Als Geiseln wurden ver­haftet und nach Birkenfeld übergeführt: Fa­brikant F. Hahn-Oberstein, Geschäftsführer Ludw. Cullmann-Oberstein, Arbeiter Phil. Göclitz-Ober- stein imb Rechtsanwalt Törr-Zdar. Anderen Tags wurde die Arbeit wieder aufgenommen,' die P re ß- zensur wurde wieder eingeführt, ebenso die Polizeistunde auf 8 Uhr zurückverlegt. Bon abends 8 Uhr bis morgens 4 Uhr ist jeglicher Verkehr auf der Straße verboten.

Berlin, 10. Sept. Nach demBerl. Lok- An^." erlaßt dieRegierung" der Repu - blikBirkenfeld eine Zßuudgebung, wonach» die bisherige Provinz Birkenfeld des Freistaates Ol­denburg sich von diesem lvssagt und als selbständige Republik erklärt. Tie Regierung setzt sich zusammen aus Ludwig Cellcr als Präsident, sowie aus Hubert Eifel und Wilhelm j)aut. Tie bisherigen Staats- einrichtungen bleiben bestehen. Tie Beamten blei­ben im Amt. Ucber die Zeitungen ist die Vorzensur verhängt worden.

Räumung hessischer Orte durch die Franzosen

= Frankfurt a. 9)2.; 9. Sept. Tie Fran­zosen haben in den letzten Tagen weitere Orte an der Ostgrenze des Brückenkopfes Mainz geräumt, so das hessische Steinbach und das Dors Esch­born.

Aus dem Reiche.

Werktätiger Arbeitsschutz".

Berlin, 10. Sept. Utter die Organisation der technischen Hilfstruppe zum Schutze lebenswichtiger Betriebe, wie Gas-, Wasser- imb Elektrizitatswerken bei poli­tischen Streiks, erfährt dieBoss. Ztg." von unter­richteter Stelle u. a., daß die über das ganze Reich sich erstreckende Organisation den Namenwerk­tätiger Arbeitsschutz" führen wird und von der Berliner Zentrale aus geleitet wird. Tas ganze Reich wird in 19 Kreise eingeteilt. In jedem von diesen wird eine besondere technisch^ Hilfstruppg von freiwilligen Technikern, Ingenieuren, Fach- und ungelernten Arbeitern gebildet werden. Tie Freiwilligen werden in drei Kategorien eingeteilt: in solche, die sich zur Verwendung im ganzen Reich zur Verfügung stellen, solche, die sich nur tm Kreise verwenden lasten und andere, die nur im Orte tätig sein wollen. Eine erhebliche Ammlch von Freiwilligen hat sich« bereits gemeldet. Nach einer ungefähren Schätzung würden im Reich 30 000, darunter für Berlin 6000 Freiwillige nötig fein.

/ Saatgutpreise.

Berlin, 9. Sept. (Wolff.) TerReichs­anzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Regelung der Ein- und Ausfuhr und eine Ver­ordnung über die Saat gutpreise für Brot­getreide und Gerste.

Ein sozialdemokratischer Redakteur zum Land­rat gemacht.

Berlin, 9. Sept. (Wolff.) Hum Land­rat des SaalekreiseS ist das mehrhertssoziildenro- krettscke Mitglied der deutschen Nationalversamm­lung, Friedrich Adolf Thiele, Redakteur und Schriftsteller in Halle a. S., berufen Worten.

Reichskonferenz der Unabhängigen.

Berlin, 9. Sept. (Wolff.) Nach demVor­wärts" tagt die heute beginnende Reichs kon- ferenz der Unabhängigen unter st r e n g - st em .Ausschluß der O e ffen t li chfei t. Nicht nur die Presse, sondern auch die Arbeiter- rälv und sonstigen Funktionäre der Unabhängigen sind von der Konferenz ausgeschlossen.

Nachspiel zu den Chemnitzer Unruhen.

Berlin, 10. Sept. Nack demBerl. Lok- Anz." sind aus Anlaß der Chemnitzer Un­ruhen bisher 4 0 Personen wegen Plün­derung, Mißhandlung usw. verhaftet worden. Es werden immer neue Fälle angezeigt.

Ans Hessen.

Die Vauernbewegung in der Provinz Starkenburg.

Darmstadt, 9. .Sept. 12 Bauernpro­testversammlungen fanden am Sonntag in Babenhausen, Bensheim, Beerfelden, Bieter, Hep- venl-cim a. B., Höchst i. O., Hofheim, Gr.-Bie- berau, Ober-Ramstadt, Psimgsladt, Reichelsheim und Wald-Michelbach statt, die zum Teil sehr gut bcfndirt waren. Es wurde überall eine einheitliche Entschließung angenommen, in der vor allem gegen die, Fortdauer der Zwangswirtschaft prv- testicrt wird, da sie nicht nur wirtschaftlich ter- . hängnisvollcn Schaden anrichte, sondern aivch durch Unsinnige und undurchführbare Mafchahmen dicUn- tergrabung von Ordnung, Recht und Gesetz der- schiuldct habe. Schleichhandel und Schiebertum habe das ganze Wirtsckriaftslcten verseucht. Tie ein­seitige Bildung der Preise für landnnrtschaftlickL Produkte sei ein schveres Unrecht und drvhe heute die schwerste Gefahr für die Existenz der Landwirt­schaft zu werden. Ter Kampf gelte aber nicht um der Zwangswirtschaft und umhöhererP reise willen, sondern es sei der Kampf des freien, selbständigen Bauern für die Freiheit seiner Wirt­schaft. Nur durch die Aufhebung der Zwangs.virt- schaft könne unsere Volkswirtschaft gesunden. Tie Entschließung fordert: 1. Tie Puoduftwnslielnmü durch Beschaffung geeigneter und billiger Tung- mittel, Saatgut, Futtermittel us'w. 2. Bei der Preisgestaltung weitgetente Zuziehung von Be- rufslandwirten zum Beirat des Ernährunasmini- steriums. 3. Zur Sickrwung der Selbstversorgung Freigabe der Hausschlachtungen für Selbstmäßer, gleichniäßige BerteÜuny des Auslandsmehles, oder als Ersatz Freigabe einer entsprechenden Menge Weizen, sowie Freigabe eines Teiles der (Erzeug» Nisse eigner Ernte zur Hebung der Viehzucht, . rascheste Wiedertelebmtg der Schweinemast, geslei- aerte Aufzucht von Jungvieh. 4. Zur Erfassung ter Landesprodukte wird erklärt, daß es für die erste Pstlcht erachtet wird, die Bolrseruähning zu sichern, urdem den berechtigten Wünschen und der Wveren Notlage Rechimng getragen wird. Tie Verfassung soll ohne bureaukratische Schälänen gelxmblxibt wer­den. Absckxtrfung der Revisoren und Koittmllcure Bei den Konimunalverbänden soll die Entscheidung bei aNen sie betreffenden Fragen bei den Landt- nnrten li.-gen, Reform des Viehhandelsverbantes, Beseitigung der Viebkommistiionärc und Aufhebung der Vi. hkataster, s?(ufljcteing der Eierzwangs.virt- schast und Freiteit der Kar1offelal>gave, schärfste lieberwachung des SchiebertumS usto.

Endlich wird erklärt: Tie Landwirtschaft kann in dem Präsidenten des Emährungs- und Land­wirtschaftsministeriums einen sack-verständigen Ver­treter ihres Berufs nicht erblicken. Sie fordert end-, lich Fertigstellung der Verfassung und Neuwah­len für die Volkskammer.

Lberhejsische Bauernbewestnng.

'* Grünberg. 8. Sept. Gestern wurde in einer öffentlichen Versammlung der Landwirte von Grünberg imGasthaus zum Rappen" eine Ortsgruppe des hessischen Bauern­bundes gegründet. Karl Georg Jöckel erläu­terte in längerer Ausführung, daß der deutsch^ Bauernstand die Befreiung von drückenden Fesseln mir erreichen könne, wenn er sich einmütig zu­sammenschließe. In Zukunft'werde der deutsche Bauernstand wohl dazu berufen sein, das Vater­land vor dem vollständigen Zusammenbruch zu retten. Tie Landwirte sollten aber auch Ver­ständnis zeigen für die Notlage der anderen Stände und deshalb das Verhamftern des Ge­treides unterlassen und ordnungsmäßig abliesern. Sämtliche 30 Ämvesende erklärten durch Namens­unterschrift ilyren Beitritt zu der Ortsgruppe Grün- terg. Heinrich Bausch wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Es soll in einer nächsten Versammlung ein Vorstand gewählt werden, der bezüglich der Wünsche und Anträge der Landwirte in Verbin­dung mit dem Abgeordneten Fenchel in Oöer- Hörgern und dem Kreisamt Gießen in Verbin­dung treten soll.

Aus StaM rinv Land.

Gießen, den 10. Sept. 1919.

Ruhrgefahr.

Von Herrn Kreisarzt Medizinalrat Dr. W a l- ger wird uns mit geteilt:

Ta in Offenbach' einige Erkrankungen an Ruhr vorgeliommen sind und auch in Gießen ein von dort eingeschleppter Fall aufge­treten ist, sei hiermit auf folgende Merkpunkte er­innert, die ich am August 1917 in diesem Blatt zur Kennttiis der Oefsentlich/eit gebracht habe:

R u h r ist eine von Cholera völlig verschiedene, nenn auch gleichfalls duvckMusf ernste Krankl-eit, und entsteht durch Ansteckung: sie wird durch bestimmt.' Krankheitskeime (Nuhrtezillen, Ruhramöben) her- Dorgcrufen, und in unseren Gegenden meistens im Spätsommer -oder Herbst beobachtet. Tie Krank- teitserscheinungen bestehen Hauptsachlich in Seite schmerzen, heftigem und sckMerzhaftem Trang zu Stuhtentleerungerk, sowie häufigen toäfferigcit, mit schleimigen Flocken und Blut gernischiten. Auslee­rungen, nach deren Abgang der Stuhldräng nicht aufhvrt.

Man versäume ja nicht, rechtzeitig den R a t eines Arztes einzuholen. Einer sorgsamen Pflege nach näherer Anweisung des Arztes ver­danken selbst Schweikranke ost ihre Genesung.

Tie Llnsteckungskeimc werden mit den Tarm- entloerungen ausgeschieden.

Zur Uebertragung der Krankheit genügen selbst Spuren der von Ruhrkranken herruhcenden Aus­scheidungen. Gelangen diese auf "die Seite und Bettwäsche, die Kleider, den Fußboden, auf- mid Trinkgeschirre, in Milch, auf Gemüse, Obst, Salat u. dgl., so können sie leicht von anderen Personen aufgenöinmen loeroen und bei diesen die Krankheit hervor bringen. Auch, kann der Krank- heitskeim durch Wasser, welches beim M spülen von - und TrinkgejckstrrQi, non Obst, Gemüse u. dgl. mit Iiuhrkeirnen verunreinigt tvird, weiter.verbrei­tet worden.

Tie Pflege eines Ruhrkranken ist zu Hause wegen der damit verbundenen Ansteckungsgefahr meistens tritt mit Schwierigkeiten durchführbar. So­lange es sich also nur um einzelne Fälle tändelt, ist die Ueterführung in ein Krankenhaus zu emp­fehlen.

Wo dies nicht möglich ist, muß der Kranke in ein von den übrigen Wohnräumen getrenntes Simmet gebracht und jeder unnötige Verkehr von ihm fern gehalten tverden. Niemand, den nicht feine Pflicht dahin führt, besuche einen Ruhrkranken. Namentlich sollen Kinder niemals zu Ruhrkranken zugelassen werden. Im.Krankenzimmer soll man Speiien und Getränke niemals zu sich nehmen, und,n>ir einen Ruhrkranken oder dessen Wäsche oder Bett berührt hat, reinige unmittelbar nackt­ster die Hande gründlich mit einer desinfizieren­den Flüssigkeit.

Selbstverständlich müssen die Ausleerungen der Ruhrkranken durch Desinfektton (Kalkmilch, Chlor­kalks unschädlich gemacht werden. Ebenso dedür- fen Wäsche, Kleider und alle Gebrauchsgegenständ:, besonders auch das Eßgeschirr, sorgfältigster fort­lausendet Desinfektion nach Anweisuna tes Arztes.

Zu Zeiten von Ruhrepidemien ist der Genuß von Milch, Obst und Gemüse in rohem Zu - stand dringend zu widerraten. Direkt gefähr­lich kann der Genuß von unreifem Obst wer­den, desgleichen scckl man sich» vor Erkältungen deS Leites hüten. Wo keine Wasserleitung ist und das Wasser aus Brunnen entnommen werden muß, ist sorgfältig auf Reinhaltung der Brunnen zu sel.en, und zu Epidemiezeiten soll am testen das Wasser erst nach vorherigem Abkochen genossen werden.

UebrigenS sei zur Beruhigung aller mitge­teilt, daß außer der einen oten erwähnten Ruhr- erfranfung keine weiteren Fälle in Gießm oder Umgegend' bis jetzt vorgekommen sind.

Herabsetzung der Fleischpreise.

Infolge der Aufhebung der Bewirtschaftung der Häute sind die Preise für Häute innerhalb kurzer Zeit außerordentlich in die Höhe gekommen, so daß zur Zeit für eine Rindshaut 500 bis 800 Mk., für eine Kalbshaut über 100 Mk. bezahlt werden. Um das hierdurch entstandene Mißverhältnis zwischen dem Einstandspreis des Schlachtviehs und dem Fleischverkaufspreis zu beseitigen, hat das Landes- ernährungsamt die Kreisämter angetviefen, die Preise füt Rind- und Kalbfleisch mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres um 1 Mk. pro Pstmd zu senken. Hierdurch wird der Mehrwert der Häute bei den Rindern ungefähr ausgeglichen. Bei den Kälbern bleibt noch ein gewisser Unter­schied, der dem Abli'ferer in Form eines Zuschlags zu dem Schlachtviehpreis in Höl-e von 40 fMk. zugute kommen soll. Sollten in der Preisgestaltung der Häute Aenterungen eintreten, werden die eut- spreckxmden Ataßregeln getroffen werden.

Der Fleischpreis wird mit Rücksicht auf die eingetretene außerordeutliche Preissteige­rung der Vtehhäute mit Wirkung vom 10. d. M. bis aus weiteres für Rindfleisch auf SMk., für Kalbfleisch auf 1,40 Mk. das Pfund festgesetzt.

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Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 10. Sept. 1919.

** Keine Richtpreise für Ledet. Nachdem auf Beschluß des Volkswirtschaftlichen Ausuhusses der Nationalversammlung und auf Alt- ie- img des Vertreters der Leterinterefsenten die Aushebung der Zwangsbewirtschaftung für Leder Deriügt worden ist, nnü> der Regierung vielfach der Vorwurf gemacht, die starke Preissteigerung hätte sich durch Aufstellung von Richtpreisen der- meiden lassen. Dieser Vorwurf ist durchaus un­gerechtfertigt. Von einzelnen Fachoerbänten ter Ledccherstecker sind bereits Richtpreise ausgegeben motten mit dem Erfolge, daß sie gleichwohl durch Vereinbarung besonderer Vergütungen umgangen wurden. »Dian kann sich infolgedessen von der Einsührung von behörteichen Richtpreisen um so weniger Erfolg tersprecheu, als diese nur für eine Uetergangszeit in Börsetag gebracht wurden. Nach den bisterigen Erfahrungen bei Höchstvreis- erhöhungen vor Aufhebung der Lederzwangswirt- schäft würden diese vorübergehenden Richtpreise dazu führen, daß große Mengen von Waren bis zu tem Zeitpunkt zurückgehalten würden, bis die niedrigeren Preise außer Kraft gesetzt werden. Da­mit würde also das Gegenteil der Wirkungen er­reicht tverden, die man sich von der Freigabe des Lederhandels versprochen hat. Von der Einfüte rung ter Richtpreise wird infolgü>essen abgesehen.

** Seifen verbrau chs reg elung. Wäh­rend Seifenpulver auch künftig nur gegen die mit dem AufdruckSeifenpulver" versehenen Abschnitte der Seifenkarten abgegeben werden darf, lömicn nunmehr Feinseife, Kernseife und Rasierseife ohne Marken verkauft werden. Es gelten hierfür folgende Höchstpreise: 80pvoz. Feinseife 100 g 1,20 9)tT., 6062prvz. Kernseife 100 g 0,80 Mk., 80proz. Rasierseife 100 g 1,20 Mk.

** Der Eisenbahn-Konsumverein, e. G. m. b. H., hielt vor einigen Tagen tm Ge- werkschastshaus seine erste ordentliche Generalver­sammlung ab. Von 686 Mitglieder waren 54 er­schienen. Auf ter Tagesordnung stand: Die Ver­schmelzung mit tem hiesigen Konsumvereül Gießen und Umgegend und Aenderung der Statuiert. Ober­eisenbahnsekretär Wagner trug die Grunde vor, die eine Vereinigung wünsckensivert erscheinen las­send und empsiehlt dringend die Verschmelzung. An der Aussprache beteiligte sich Stadtserordneter S i« in o n , der ebenfalls für die Vereinigung eintrat. Stadtv. Diener (Geschäftsführer vom Konsum- Verein Gießen u. Umg.) legte die Vorteile der Ver­schmelzung dar. Eisenbahngehilfe Simmer- machet, Zugführer Bender und Unterassistent Stephan traten auch für die Vereinigung ein. Weick-ensteller 1. Kl. Bechtold übte scharfe Kritik am Vorstand, protestterte gegen Abhaltung ter Generalversammlung im Gewerkschastshaus und sprach sich gegen die Vereinigung aus. Ein ^Be­schluß konnte nirfjt gefaßt werden, weil Zweidrittel Der Mitglieder nicht anwesend waten.

** Tie Vereinigung der Wagner- meister des Kreises Gießen hält am nächsten Sonntag, nachmittags 1 Uhr, in ter Gewerbeschule ihre Herbstversamknlung ab. (Siehe Anzeige.)

Landkreis Gießen.

Schmutzfilme auf dem Land-.

ch. Langd, 10. Sept. Der Schulvor­stand und der Kirchen vor st and zu Langd haben heute einmütig die folgende Eingabe an das Kreisamt Gießen gerichtet: Am 2. September spielte in Langd das mit einem Gewerbeschein versehene KinoFrankfurter Wand er-Licht spie le" von Hvlmheit. Wie Von mehreren Anwesenden glaubwürdig versichert wird, wurde datei als Schluß ter Darbietung ein Bild vorgesührt, das jedes Anstandsgefühl auf das Gröbste verletzte. In der Bevölkerung herrsckst, bis in die Kreise der Jugend, eine, soweit wir fcststellen können, einmütige Entrüstung darüber, daß solche bisher hier unbetamite Un­sauberkeiten jetzt den Dörfern geboten werten dürfen. Die unterzeichneten Borsttinde sind davon überzeugt, daß solches Treiben auch die schärfste Verurteilung der Behörden findet, und richten daher an Hessisches Kreisamt Gießen die ebenso dringende wie vertrauensvolle Bitte, mit allen Mitteln auf einen" wirksamen Schutz der Bevölke­rung, insbesondere ter imgefeftigten Jugend, gegen ein derart unsauberes Gebaren Hinarteiten zu wollen.

Turnen.

** Wieseck, 10. Sept. Tas 57. Stiftungs­fest des Turnvereins Wieseck nahm einen sckönen Verlauf. Tie 40 angetretenen Turner boten recht gute Leistungen. Tie Freiübungen brr Schülerabteilung sowie die Geümgsvvrträge ter GesangSabttilung und besonders die des neugegrün- teten gemischten Chors, fanden ungetrilten B.'isall. Tie bei eintretenter Dunkelheit aufg.'führten Pyra­miden zeugten von echt turnerischem Geiste.

weiter auszutehnen, seien kurz die Hauptpunkte erwählt, die zur Erledigung kamen. Im Mittel­punkt der Verhandlungen stauten ein Gesuch ter stützt. Arbeiter um Bewilligung einer Teuerungs­zulage von 400 Mk und die Fürsorge für Kriegs­beschädigte, Kriegshinterbliebene usw. Bei beiten $untten kam cs zu erregten Auteinantersetzungen Wiichen den soziack>enrorra tischen und bu gcrlichen Parteien, die sich um 9?etenfragen drehten, mäb- rend man sich in den Hauptfragen einig war. In beiten Fällen wurden die Anträge tes Fi­nanzausschusses angenommen und die Erweite­rungsanträge ter Unat: ingigen abgelehnt bzio. tem Finanzausschuß zur Prümug übernnesen. Um die Nitlage der Kr-iegsb.schädigten zu steuern, ifti ein Kredit von 20 000 Mk. bewilligt ivorden, ter es ermöglicht, ihnen Brennholz und Kartoffeln zu billigerem Preise und je nach den Verhült- niffen umsonst zu liefern. Tiefer Beschluß ist mit zwei w.iteren Für orgemaßnahmen verknüpft, die den Kriegsbeschädigten Gartenland und rück­zahlbare Darlehen zur Verfügung stellen.

Aus tem weiteren Verlauf ter Sitzung sei noch hervorbehobcn, daß ter Betrieb tes Stadttheat.'rs im Wmter v-orläuftg ausgenommen werden foU.

-m. Hungen, 10. Sept. Der 18jährige Karl Emmel von hier stürzte gestern von einem im Bau begriffenen Hause, an tem er beschäftigt war, so unglücklich ab, daß er sich einen doppelten Beinbruch znzog. Das Wohnhaus tes Gast­wirts Karl S a m e s ging zum Preise von 10 700 Mart in den Besitz des Sattlermeisters Geiß- l e r, ter sein Geschäft schon feit mehreren Jahren darin betrieb, über.

** Stockhausen lOberiß), 10. Sept. Der Eisenbahn-Unterassistent Karl Rohm und seine Eheftau Katharina geb. Deuker feierten gestern das Fest ter silbernen Hochzeit.

Kreis Schatten.

dz. Kreis Schotten, 10. Sept. Tie Bür­germeistereien Schotten, Laubach und Drei­eichenhain wurden ermädXigt, eine Ueberlas- sung von Wohnräumen an Personen, die von aus­wärts zu ziehen, ohne Zustimm'ung tes Mieteini- mlngsamtes zu verbieten und teil Aufenthalt von Personen in Gasthöfen, Wirtschaften und dergleichen auf eine gewisse Zeit zu beschranken.

Hessen-Nassau.

--- Frankfurt a. M., 9. Sept. Aus einem Stofflager der Mainzer Landsttaße wurden vor einigen Tagen durch nächtlick-en Einbruch für 100 000 Mk. Stoffe gestohlen. Die vier Einbrecher und drei Hehler wurden heute verhaftet. Ein er- heblick^er Teil ter gestohlenen Stoffe tonnte bereits wieder herbeigeschafft werten.

Tie gesttige Tagung ter Stadtverordneten er­ledigte tn ter öfsentlick-en Sitzung in einem Groß­reinemachen 41 Punkte. Tie Sitzung, die um 4 Uhr begann, zog sich bis halb acht Uhr lstn rnntz tetemtelte in der Hauptsache Vorlagen des Fi- nanzausichusses. Um den langen Sitzungsbericht

8. Sitzung.

Beginn ter Sitzung 4 Nhr.

Anwesend sind: Oberbürgermeister Keller, die Beigeordneten K l i n g s p o r und Rosen­berg sowie mit Ausnahme der Stadtverord^ ncten Ebel, Sichert, Gmelin, Kiel, Frau Kramer, Frau Naumann und Sommer 42 Stadtverordnete.

Zu Urkundspersonen wurden erwählt die Stadtverordneten Simon und Wenzel.

Oberbürgermeister Keller eröffnet bu Sitzung mit folgender Ansprache:

Zu Beginn der ersten ortenllichen Sitzung, die nach meiner Rückkehr aus Urlaub stattfindet, ist es mir ein Bedürfnis, tes Umstandes zu getenfen, daß zwei bewährte Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Herren E m m e l i u s und Grünewalch inzwischen aus ihrem Amtilö unbesoldete Beigeordnete der Stadt Gießen kud» geschieden sind.

Herr E m m e l i u s hat der Stadtverordneten- Versammlung seit tem Jahre 1893 ununterbrochen angehört, wurde im Jahre 1911 zum unbesoldeten Beigeordneten aewählt und im Jahre 1917 ein­stimmig in dieses Amt wiedergewählt. Die ihm anvertrauten Aemter eines Stadtverordneten und Beigeordneten bat er mit hervorragendem Fleiß und größter Gewissenhaftigkeit verwaltet und ist namentlich auf dem Gebiete tes Finanzwesens ein sachverständiger Berater der Stadtver.valtung ge­wesen. Nicht nur als Stadtverordneter und Bei­geordneter, auch in sonsttgen Ehrenämtern hat er seine Kraft und große Ersahrung bereitwilligst in. den Dienst unserer Stadt gestellt, so daß die Wirksamkeit dieses Mannes in vielfältiger Weile von reichem Segen für unser Gemeinwesen be­gleitet gewesen ist. Tie Stadtverwaltung wird die verdienstvolle Tätigkeit tes Herrn Beigeordneten Emmelius in dankbarer Erinnerung bewahren.

Herr Grünewald bat der Stadtverord- neten-Versammlung von 1893 bis 1901 und dann wieder von 1908 ab angehört, wurde im Jahre 1912 zum unbesoldeten Beigeordneten gewählt und im Jahre 1918 einstimmig in dieses Amt wieter- gewöhlt. Mit größtem Interesse und vollem Erfolg bat er trotz starker bennlieber Inanspruchnahme diesen Ehrenämtern sich Ijingeijeben. Als Ab­geordneter der Stadt Gießen zum Hefsifcksen Land­tag hat er mehrere Jahre hindurch den Interessen der tobt Gießen in ersprießlicter Weise gedient. Auch die Tätigkeit, die er als Vorsitzender der von Ümt mit großer Tatkraft ins Leben gerufenen Siebener Hochschulgesellscha't ausgeübt hat, ist wie jede der Universität förderliche Wirffamkeit auch für die Stadt Gießen von größtem Nutzen gewesen. Tas verdienstvolle Wirken des Herrn Beigeordneten Grünewald zum Se.zen der Stadt Gießen wird von ter Stadtverwaltung in dank­barer Erinnerung sestgehalten werden.

An Stelle dieser ausgeschirchenen Beigeoü>neten hat die Stadtverordnetenversammlung zu unte^ loldeten Beigeordneten die Herren K l i n g s p o r und Dr. Rosenberg geivahlt, die ich hier an meiner Seite begrüße, in der Ueterzeugung, daß sie mit ihren bewahrten Sltäftcn sich den Geschäften des Beigeordnetenamtes mit regem Eifer widmen werten.

Es ist mir weiterhin ein Anliegen von dieser Stelle aus öffentlich allen Denjenigen herzlichen Dank auszusprechen, die bei den mehrfachen in der letzten Zeit stattgel-abten Wahlen zu öffent­lichen Körpersck>asten tätig gewesen sind: bei ter Wabl zur Nationalversammlung, zur Hessischen Volkskammer, zur Stadtverordnetenversammlung, zum Kreistag und Provinzialtag. Eine grobe Zahl von Herren und Damen haben als Wahlvorsteher Beisitzer, Protokollführer und in sonstiger Weist hierbei amtlich gewirkt und sich für diese nichl geringe Mütewaltung den Dank der Stadtver- loaltung verdient.

Eine Zuschrift des Vereins städtischer Be­amten und Bediensteten dankt für die bewilligte Teuerungszulage.

Das GetoerUck-aftskartell deutscher Eisenbahn­beamten, Ortsgruppe Gießen, bat ein Sdyreiten eingereicht, das sich mit ter Wohnungskalamität besaßt. Das Schreiten wird der Wohnungskom­mission überwiesen.

Baugesuche.

Auf Befürwortung der Baudedutation wer­den genehmigt: das Baugesuch des K. und L. Wehrum für die Frankfurter Straße, Befteiuug von § 70 ter Ausführungsverordnung zur All- gemeinen Bauordnung, das Bange such des Ver­einsRudersport" für das Lahnuser, Befreiung von S18 des Ortsbaustatuts: Erricküung einer Einfriedigung durch H. W. Rinn in ter Süd-An­lage; durch Ludwig Georgi in ter Dammsttate und durck K. Küchel in ter Gutenbergstraße: ein Baugesuch des Ludwig Joachim für .naifec-Allee Nr. Io, Befreiung von § 5 und § 18 des Ons- bauftatuts.

Der Bausluchtlinienplan für das Gelände ter Baugenossenschaft 1894 an ter Licher Straße wurde allgemein genehmigt, eine Anregung tes Oberbürgermeisters^ an der Straße längs ter Eisenbahnlinie zwei Reihen Bäume ntenemanter zu pflanzen, wurde an die Baudeputatlon ter» wiesen.

Genehmigt wurde ebenfalls ein Vertrag mit Bauunternehmer H. W. Rinn, betr. 'Iktennaig seines Grundstückes in ter Süd-Anla c Es ban­delt sich hierbei um ent Gelände am Schorgrab.m, das mit ter Haupt front nach ter Süd-Anlage licflsm soll. Der Vertrag ackspricht den Verträgen,

um nun lunyuii 'öi^uiiHäPtTiu#! bie bet bcn anderen Grundstücken in ähnlicher Lago durch euu längere Zusammenfassung nicht noch j abgeschlossen worden sind.