ZwiHiilgsrunddruck u. Verlag: Brühl'fche Univ.-Such- u. Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.
zeichnen ober sich der Unterzeichnung zu enthalten. Tie rumänische Delegation hat noch keinen Beschluß gefaßt.
Nr. 2U
Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Eonn- und Feiertags.
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postschecktonto:
Frankfurt a. M. U686
Der Angriff ans Petersburg.
Amsterdam, 9. Sept. (Wolff.) Englischen Blättern zufolge meldet Central News aus Hel- singfors: Wie verlautet, wurde wegen der zu erwartenden Offensive der Alliierten
Aimayuie von Anzeigen f. die Lagesnummer vis zuin Nachnnltag vorher ohuejcdcVerb'.udlichkcit Sretr für l mm höhe füc neigen v.34min Vreite örtlich 15 Pi., auswärts 18 Pi., für Aeklame- auzeigeii von 70 mm Breite 48'1'1. Bei Platz- vorichriii20°/„Auischlag. Hauvtjchriitleiter: Aug. Goey. Verantwortlich für Politik: 'iliifl. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zeuz: für den Auzelgent.il: H. Beck; sämtlich in Gießen
Der Streit über die deutsche I Verfassung.
lieber die /Antwort der Entente auf die letzte deutsche Note in der Verfassungsfrage ist noch nichts Bestimmtes bekannt, doch verlautet, daß Clemenceau eine unnachgiebige Haltung beantragt habe und demgemäß eine schroffe Kundgebung nach Berlin bevorstehe. Französische.Hetzblätter, wie der „Temps" regen sich künstlich über die deutsche Auffassung auf und sprechen von einem „verhöhnten Ultimatum". Die friedliche, nachgiebige Haltung unserer Regierung, die in der Sache wie in der Form den besten Willen erkennen läßt, in der Frage des Anschlusses Oesterreichs an das Reich nichts zu unternehmen, was der Völkerbund vorher nicht genehmige, soll Hohn und Herausforderung feti! Der „Temps" meint u. a., wenn Deutschland sich heute über ein Ultimatum lustig mache, werde es in zehn Jahren vor der Blockade keine Angst haben. Das „siegende" Frankreich zeigt fürwahr eine wenig stolze und hoheitsvolle, vielmehr eine im Grunde klägliche Haltung. Es duldet die engherzigen und gehässigen Uebergriffe in den besetzten Gebieten und es läßt nicht davon ab, den toten Löwen Deutschland immer wieder anzuspeien. Man betrachte sich die ruhige ' Lammsgeduld der Berliner maßgebenden Stellen bei einer so starken Herausforderung, wie sie der französische Finanzminister Klotz . mit seinen ungeheuerlichen Milliardenziffern . vorgebracht hat! Es fragt sich sehr, ob die deutsche Regierung genug getan hat, als sie in ihrem amtlichen Organ Herrn Klotz als nicht ganz ernst zu nehmenden Minister bezeichnet , hat. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, : bleich formellen Einspruch zu erheben und das i französische Gebühren, das unsere Valuta wie- ' herum geschädigt hat, vor der Welt gebührend 1 SU kennzeichnen und zurückzuweisen. Im übri- 1 gen Ausland, so in England und Amerika, wachsen doch allmählich die Meinungen, die dem französischen Haß Grenzen gesetzt haben möchten.
Englischer Gewerkschaftskongreß.
Amsterdam, 9. Scpt. (Wolff.) Dem „Tcle- graas" zufolge wurde gestern der Gewerk- s ch a f t s k o n g r e ß in G l a s g v w eröffnet. 848 Delegierte waren omvesend, die 5 265 426 organisierte Arbeiter vertreten. Ter Vorsitzende, Stuart Dunning, behandelte in seiner Eröfsnungsreoe die Frage der direkten Aktion und setzte miseinanp der, warum die parlamentarische Kommission sich weigerte, zur Behandlung dieser Frage einen be- foitbcren Kongreß einzuberufen. Der Kongreß habe nie ernstlich an einen allgemeinen Streik zu politischen Zwecken gedacht.
Der Münchener Selse!nrorb vor Gericht.
Münchcn, 9. Scpt. Zu Beginn des heutigen Verhandlungstages wird als unbeeidigter Zeuge der Kausniann Karl P f i st e r vernommen, der tvieder- holt als dritter Konunandant im Luitpvldgym- nasium genannt worden ist. Er gibt an, Seidl fei als Oberstkommandierender im Gymnasium tätig veivesen. Er habe immer nur von Verhaftungen, vom Ausschluß aus der Roten Garde und chvm Erschießen gesprochen. Seidl und Hausmann hätten sich gegenseitig im Dienst abgelöst und sich auch von dem Angeklagten Hesselmann vertreten lassen, der in manchen Fragen nntentschieden habe. Am Nachmittag habe Hausmann mit Gsell und Hesselmann im Geisclzimmer die zu Erschießenden ausgesucht, und später, sei Hejselmann nochmals zurückgekehrt, um die Reihenfolge der Opfer zu bestimmen. 1
Bon den weiteren Zeugen berichtet der Zeuge Ludwig Pozzo, er habe als Wachhabender int Luitpoldgymnasium in der erster: Nacht die Geiseln aus dem Keller herausführen lassen und ihnen feilt Wachzimmer züm Wärmen angewiesen. Als er Seidl Vorhalte über den unmöglichen Aufenthaltsort der Geiseln machce, habe Seidl ihm geantwortet: Tann führen wir sie eben wo anders hin. Darauf seien sie im dritten Stock untergebracht worden. Am Tage der Niselenuordung sei kurz vor 12 Uhr mittags im Wachlttokal ein Russe mit der Aufforderung erschienen, Leute für die Erschließung der Geiseln zusammen zu stellen — Ter aus der Festungshaft ooogeführte Zeuge Ferdinand Mair- g ü n t h e r, der in der Räterepublik vorübergehend Polizeipräsident von Münckren war, bestreitet, daß von ihm an Seidl der Befehl ausgegangen sei, die in der Polizeidirektvon untergebrachten Geiseln nach dem Gymnasium zu bringen. Er wisse nichts davon, daß der Aktionsausschuß nach deni 27. April im Luitpoldgymnasium Sitzungen abgehalten habe. Er persönlich habe am 28. April Axelrod von München fortgeschafft; er könne also an späteren Besprechungen im Gymnasium nicht mehr teilgenommen haben. — Ter Zeuge Josef Schneider berichtet, der vor einigen Tagen in Haft genommene Kammerstetter habe noch der Erschießung der beiden Weißgardisten ibn auftordern ivollen, den beiden die Papiere a^unehmen. Kammerstetter habe zu ihas gesagt: Niederschneßen habe ich sie schon Helsen, aber den Mut finde ich nicht, ihnen die Papiere abzunehmen, mir graut davor. Er habe ihm geantwortet, doch ein paar Russen zu holen, wenn er nicht selbst den Mut dazu finde.
Hierauf wird der verheiratete Fliesen- berger alias Kammerstet ter vorgcfü'hrt, der letzten Samstag im Zeugenzimmer wegen B.'r- dachlts der Teilnahme am Geiselmord verhaftet wurde. Nach seiner Darstellung sei am Morgen des 30. April ein Soldat aus dem Kriegsministerium mit der Nachricht eingetvoffen, im Isartal wären rote Gardisten von den weißen erschossen worden, dafür sollten nun die beiden Weißgardisten erschossen werden. Ter Zeuge sei darauf sofort in die Wohnung des Se.idl gegangen, um ihm hiervon Mitteilung zu machen. Seidl habe geantwortet: Wenn du glaubst, daß du es jnädjeti kannst, dann kannst du '-*3 machen. Er habe den Sinn seiner Worte dahin verstanden, daß er den Befehl ausführen solle. Ins Gymnasium zurückgekehrt, habe er die beiden Soldaten zusammen mit Schickel- hofer in den Hof geführt. Schickelhofer habe dann Leute für die Erschießung gesucht. (Er sei in dieser Zeit mit den beiden im Hofe gestanden. Mehrere Soldaten hätten den betören, bedeutet, sie sollten sich an die Wand stellen. Sie hätten es aber von selbst getan. Tann sei Schickelhofer mit etwa 10 Mann gekommen und darauf .nieder fortaegaitgen. Ein Mann, der wegen der Erschießung eines Angehörigen durch, die Weißen besonders erbittert war, habe zuerst geschossen. Ein Kommando sei nicht gegeben worden. Bon den Angeklagten habe Josef Seidl bestimmt in der Schützenkette gestanden und geschossen. Der Zeuge erklärt, er sei dann in die Kanzlei
gegangen, wo ein Zivilist Seidl grab frug, weshalb die Heiden erschossen wurden. Seidl habe ihm gesagt, sie hätten zur Noskegarde gehört, und hätte ihn dann ausgefordert, von den beiden Toten die Papiere zu holen. Im Hofe habe er zu einem Soldaten gemeint, er tue das nicht selbst, weil er einen Toten nicht anrühren könne. Russen hätten es dann getan. Der Zeuge Schneider müsse seine Worte mißverstanden haben. Davon, daß er selbst geschossen habe, wie der Angeklagte Seidl behauptet, könne keine Rede sein. — Die Zeugin Elsa Linnenbrügger, die Frau des einen der beiden getöteten Regierungssoldaten, glaubt mit Bestimmtheit die dem Angeklagten Hesselmann abgenommene Uhr als das Eigentum ihres Mannes wiederzuerkennen, vor allem, weil sie sich an eine schadhafte Stelle daran erinnert.
Berlin, 10. Sept. Nach einer Meldung des „Bert. Lokalanz." aus Lugano hat in der gestrigen Sitzung des Obersten Rates über die an Deutschland zu richtende Antwort, wie der „Cor- riere della Sera" berichtet, Frankreich eine sehr energische Antwort vorgeschlagen, die aber von der amerikanischen Delegation verworfen worden ist.
London, 9. Sept. (Wolff.) „Daily News" schreibt in einem Leitartikel, der Streit zwischen den Alliierten und der deutschen Regierung über die Beziehungen Deutschlands zu Deutsch-Oesterreich sei in jeder Hinsicht zu bedauern. Das Veto der Alliierten gegen den freiwilligen Zusammenschluß zwischen Deutschland und Oe st er reich sei voll- ständig unberechtigt. Es vergewaltige jeden Grundsatz der Selbstbestimmung und sei auch aus Gründen der Zweckmäßigkeit eine Torheit, da der Anschluß Deutsch-Oesterreichs an den Deutschen Bund ein ansehnliches Gegengewicht gegen die Vorherrschaft Preußens bilden würde. Deutschland sei vollauf berechtigt, Vorsorge für den künftigen Zusammenschluß mit Oesterreich zu treffen, besonders wenn es annehme, daß der Völkerbund diesen Plan wahrscheinlich billigen werde.
Die Frankfurter Linsuhrmesse.
Frankfurt a. M„ 9. Sept. (Wolff,) Un»' unterbrochen laufen die Anmeldungen zur Beschickung der internationalen Einsuhrmesse Frankfurt a. M., die zum erstenmal vom 1 .bis 15. Oktober abgehalten wird, beim Meßamt ein. Die Ausstellerzahl ist bereits auf über 1000 angewachsen. Man hatte In der Meßleitung damit gerechnet, alle Aussteller in der Festhalle unterzubringen. Das hat sich nun als völlig unmöglich «erwiesen. .Mehrere große Hallenbauten mutzten bereits in Angriff genommen werden, um die vorliegenden Anmeldungen berücksichtigen zu können. .So wird der Umfang der ersten Jittcrnatio- nalen Einfuhrmesse in Frankfurt a. M. wesentlich größer sein, als ursprünglich angenommen wurde. Sehr lebhaft ist das Interesse für die Messe im besetzten Gebiet, vor allem auch bei den dort tätigen ausländischen Geschäftsleuten. Um die .Erteilung von Auskünften im besetzten Gebiet zu erleichtern, bat das Meßamt in Köln und in Mainz zwei Geschäftsstellen errichtet. In Köln erteilt das Bureau des Norddeutschen Lloyd, Domgasse 1, und in Mainz die Speditionsfirma G. L. Kayser in allen die Messe betreffenden Fragen bereitwilligst Auskunft. Verschiedene Anfragen gaben Veranlassung, darauf hmzuwcisen, daß auf der Frankfurter Einfuhrmesse auch bisher nicht bekannte Artikel und Erzeugnisse. Neuheiten, zugelassen und in besonoerem Maße willkommen sind. Es ist bei dem starken Besuch aus dem Auslande, der 3u erwarten steht, damit zu rechnen, daß sich Erfindern wertvolle Geschästsmög- lichkeiten bieten werden. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal daran erinnert, daß auf Antrag des Meßamts der Reichsjustizminister eine Bekanntmachung erlassen hat, nach der Erfindungen, Mustern und Warenzeichen auf der F-rcmksurter Messe der im Gesetz vom 18. März 1904 vorgesehene Schutz zuteil wird.
Ein deutscher Offizier in den französischen Gefangenenlagern.
Versailles, 8. Sept. (WTB.) Nach dem „Temps" erhielt Major Traudt, der deutsche Kommisstlr für den NücktraNsp >ortderdeut - schen Kriegsgefangenen, die Erlaubnis, einige Gefangenenlager zu besuchen.
Die Versorgung Deutschlands.
Amsterdam, 9. Sept. (Wolff.) Laut „Tele- graaf" beschloß die interalliierte Kommission für die Versorgung Deutschlands, daß 50 Prozent des Kvrns, das aus Südamerika nach Deutschland verschifft wird, über Antwerpen und 50 Prozent über Rotterdam gesandt werden.
Die Unterzeichnung des Friedens von St. Germain.
er. das e l / 9. Sept. (Wolff.) Depeschenagentur. Er österreichische Staatskanzler Renner hat anS V.r Fahrt nach St. Germain Basel pas- pert. Wie die Depeschenagentur erfährt, erfolgt die Unterzeichnung des österreichischen Friäens- verträges Mrttwoch vormittag 11 U h r i n St. Germain. Am Abend desselben Tages reist vtenner nut dem Teil der Fried en sdetegation. der St. Germain geblieben ist, nach Wien ^n^^^<^dschaftstrager der deutsch-österreichi- schen Republik verbleibt in St. Germain Sektionschef E r ch h o s mit einem kleinen Stabe von Mitarbeitern zu ruck, der in ähnlicher Weise, wie es der deutsche Vertreter tat, bis zur Herstellung der diplomatischen Beziehungen den Zusammenhang Mit den Ententemächten aufrecht erhalten wird.
Holland und Belgien.
Versailles, 9 Sept. (Wolff.) Nach der „Chicago Tribüne" soll die holländische 9t e» «ierung sich weigern, territoriale Fordern ng en anzuerkeunen. Sie sei jÄvch bereit.
Uns dem besetzten Gebiet-
Arbeiter- und Bürgerstreik in Virkcnfelo.
In der Stadt Ober stein ist es zu einem Streik der gesamten Bevölkerung gekommen, der einzige Weg, aus dem gegen die Vergewaltigung durch den französischen Militärverwalter Major Dastiani protestiert werden konnte. Tie Arbeiter in sämtlichen Betrieben legten am Freitag nachmittag Plötzlich die Arbeit nieder. Auch das Elek- ttizftätswerk stand, wie wir dec „Pfälzischen Volkszeitung"^ entnehmen, infolge des Streiks der Arbeiter still, und die Geschäfte in der Stadt schlossen sofort ihre Läden. Der Militärverwalter dec Provinz berief sofort eine Versammlung sämtlicher Fabrikanten ein. Die Nichterschienenen und die Inhaber der Firmen, welche ihre Betriebe geschlossen batten, wurden mit hohen Geldstrafen belegt, auch die Stadt Oberstem selbst.
gegen Petersburg die Zivilbevölkerung von Kronstadt, Krasnaia-Gorka und Oranienbaum nach dem Innern Rußlands gebracht.
H e l s i n g f o r s, 9. Sept. (Wolff.) In einer Unterredung mit einem Vertreter des Helftngsorser „Sanomat" äußerte der hiesige englische Geschäftsträger, daß aus eine aktlve Teilnahme Englands an dem Vorgehen gegen die Bolschewiki kaum zu rechnen sei, da der (Gebaute in verschiedenen politischen Kreisen Englands auf scharfen Widerspruch stoße. Auch sei die Armee nach den Beschwerden des Weltkrieges o ruhe bedürftig, daß es schwer sein werde, sie zu einem neuen Kriegszug zu verwenden. Daher werde England alle kriegerischen Operationen in Nordrußland aufgeben. Der H e i rn tra n s Po rt der in Murman befindlichen englischen Truppen habe bereits begonnen. Die Heimschaffung der Verbleibenden sei nur noch eine Frage der Zeit. In keinem Falle werde die englische Regierung neue Truppen gegen Rußland senden. In englischen Regierungskreisen herrsche die Ansicht, daß man in England die Entwicklung der Verhältnisse in Rußland als Außenstehender verfolgen, Mach eine bewaffnete Einmischung vermeiden müße. Er glaube nicht, daß Petersburg in der nächsten Zukunft genommen werde.
Eine Spaltung unter den russischen Bolschewisten?
Amsterdam, 9.Sept. (W.B) Das Reu- tersche Bureau meldet, daß die Anzeichen aus eine Spaltung unter den Bolschewisten, insbesondere in Nordwestrubland, und die Bildung einer neuen Grupp?, die die radikale Politik Lenins und Trotzkis nicht mttmachen will, hindeuten.
Die Polen im Kamps mit den Litauern.
Berlin, 9. Sept. (Wolff.) Der „Lokalanz." bringt eine „Times"-Mcldung aus Warschau, wonach sich die polnischen Truppen längs des nördlichen Abschnitts der Eisenbahnlinie Wilna- Dünaburg im Kampfe mit den Littau- ern befänden. Die Polen ständen beinahe vor Dünaburg.
Königsberg, 9. Sept. (Wolff.) Die Räu - mungLittauens südlich der Memel ist planmäßig ohne Zwischenfälle verlaufen.
Rumänien und die Entente.
Belgien .aus wirtsck-aftlichem Gebiet entgegenzu- Lommen. Holland wolle Belgien erlauben, auf der I Sche lde zwischen Antioerten und dem Meer zu baggern und Leuchtfeuer zu unterhalten. Ferner fei man bereit, dem Bau eines Schelde-Maas- R Hein-Kanals zuzusttmmen, soivie freier Schis fahrt auf dem Kanal Geni-Terneuzcn. Andererseits wolle Holland, hxmt Belgien eine Kriegsmarine besitze, seinen Schiffen das Recht zugestehen, die Schelde hinauf bis Antwerpen zu falyren, das dadurch zu einem Flotteustützpunkt würde.
Nachtleben Japans in der Schantungsra^t.
Berlin, 10. Sept. Wie dem „Berl. Lok.-Anz." aus dem Haag berichtet wird, erklärte nach einer Meldung aus Paris das Mitglied der japanischen Friedensdelegation, Matauka, in einem Interview, daß Java n seine Truppen wahrscheinlich noch in diesem Jahre aus Schantung zurück- z ich en würde. Innerhalb weniger Monate sei eine Einigung mit der chinesischen Regierung zu erwarten.
Wilson über die Philippinen.
Amsterdam, 9. Sept. (W. B.) Laut einor „Times"-Meldung erklärte Wilson, Amerika zögere, den Philippinen die Unabhängigkeit zu geben, da cs befürchte, sie eventl. den westlichen Mächten auf Gnade und Ungnade auSz liliefern, wodurch Amerika gezwungen sein werde, eine gröbere Flotte in den .asiatischen .Gewässern zu unterhalten. Artikel 10 des Völkerbund Vertrages fordere dagegen, daß die ganze Welt, Japan einbegriffen, die territoriale Unverletzlichkeit der Philippinen verbürge.
Die syrische Frage.
Versailles, 8. Sept. (Wolff.) In einem großen Teil der Pariser Morgen preise werden Telegramme aus London veröffentlicht, aus Grund deren fcstgestellt wird, .daß in der lyrischen Frage eine offenbare Entspannung eingetreten ist, und daß mit einer Regelung zwischen England und Frankreich gerechnet werden kann.
vernommen. Aus ihrem Verhör geht hervor, daß ihr Mann früher einmal in einer Nervenheilanstalt untergebracht war. Die Zeugin bestreitet entschieden, vom Fenster aus der Erschießung Angesehen jn haben. Sie habe später ihren Manu gefragt, ob er das Kommando zum Feuern gegeben habe. Er antwortete: Rein, ein gewisser Senner hätte den Befehl gegeben. Bevor er in den Hof ging, habe er in seinem ?lbschiedsbrief seine Unschuio beteuert. Ter Befehl zur Geiselerschießung sei vom Oberkommando ausgegapgen. Es wäre eine infame Lüge, daß den Getöteten die Finger verstümmelt worden seien.
Ter Schneidermeister Titus Watzelsberger, der in bekamt tfchaftlichm Beziehungen zu Seidl steht, wird darauf unbeeidigt vernommen. Er antwortet aus di: Fragen des Vorsitzenden äußerst zurückhaltend und vorsichtig und sucht den Eindruck zu erwecken, als sei seine Bekmmtschaft mit Seidl nur flüchtig gewesen. Der Zeuge versucht dar- znstellen, wie er an einem Sonntag morgen zufällig dazu gekommen fei, Frau HauSmann zu besuchen. — Ter Vorsitzende läßt darauf Frau Hausmann nochmals yortrelen und hält dem Zeugen vor, daß er bei jedem Besuch Frau Hausmann darauf aufmerksam gemacht habe, daß sie die Hauptzeugin im kommenden Prozeß sei und daß es an ihr liege, den Seidl einigermaßen entlasten. Frau Hausmann hätte darauf geantwortet, sic habe ja ihre Aussage schon gemacht und sei bereits vereidigt, worauf ihr der Zeuge envidert habe, ihr ßid gelte nichts, weil sie damals noch krank gewesen fei/; sie könne ihren Eid noch so ummvdeln, daß Sndl nicht so hü ei iomme, und dem Toten täte cs ja nicht mehr weh. — Ter Zeuge leugnete die Richtigkeit dieser Darstellung, wogegen Frau Hausmann sie bestätigt und hinzufügt, der Hinweis, dem Toten täte es nicht mehr weh, habe sie besonders verletzt.
Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Hofmann, gibt darauf bekannt, daß er die Beurteilung der Aussage dieses Zeugen zum Gegenstand eines Ermittelungsverfahrens wegen Meineids inache und den 'Zeugen für verhaftet erkläre.
Im selbenr Augenblick erhebt sich der Angeklagte Josef Seidl und erklärt, Watzelsberger habe sich während der Geiselerschießung im hinteren Hose oes Gymnasiums aufgehalten. Er erkenne ihn ganz Be» stimüft als den Man nwieder, zu dem er sagte? Man sollte doch nicht die Leute erschießen. Darauf hätte Watzelsberger geantwortet: Die machen es uns auch nicht anders, in zwei bis »drei Tagen sind wir auch alle tot — Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, ob er sich nicht tausche, föofcfi Seidl bleibt jedoch bei seiner Behaupttmg, der Watzelsberger widerspricht. Ter Zeuge wird darauf in die Untersuchungshaft abgeführt.
Die Verhandlurrg wird morgen fortgesetzt.
Erstes Blatt 169. Jahrgang Mttwocy, jl). Zeptsmber M9
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
Paris, 9. Sept. (Wolff.) Havas. Die N o t e der rumänischen Delegation teilt die Absicht der rumamschen Regierung mit, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Indessen kündigt die rumänische Delegation an, daß sie Vorbehalte machen werde zu der Bestimmung des Vertrages hinsichtlich der Rechte der Minderheiten, die unter die Kontrolle des Völkerbundes gestellt werden sollen, eine Klausel, die die Souveränität Rumäniens l>eeinträchtige. Außer diesem Vorbehalt erklärt die rumänische Delegation, sich vollständig der Politik der Alliierten anzuschließen.
Ter Oberste Rat hat beschlossen, dreien Zu Beginn der Nachmtttagssitzung wird als Vorbehalt nicht anzunehmen und Rumänien ern- erste Zeugin die Witwe d.s Komma^cuften und zu laden, den Verttag ohne Bemerkungen zu unter- > früheren Straßenbahnangeftelltrn Hausmann


