Ausgabe 
10.2.1919
 
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bh SMotxtton te den ten*»ri»ten tfreget, neü fte krftnjcbt, daß die berin euAgefwtom ®nmb- sähe gerade auch für das britische Reich Httroov- bxng finden müssen

Duolijokl (Finnland) verlangt namens brr Amländischor Partei außer bet llnabhängtgkett yümlands einen eisfreien Vasen an der Munnan- tofte. Die f n ischen Gemeinden in Kaveliei wollen durch vo.ksa sti nnmng übe ihre ^ugehSri ritenl- scheiden D« Frage der Aalandsin ein ist nur ourch eure nach e aigen Jahren erst vorzunehrnencte Volks- obftimmurtg zu el tscheiden Branting macht do tu namenS der schwedischen Dele>;ation ci en Dor- behalt. Er ist grundsätzlich mit der Volksabstim­mung einverstanden, findet aber, daß die Bevölke­rung schon letzt über ihre Zugehörigkeit entscheiden sollte.

Hermann Müller erklärt namens der deut­schen Mehrheit, mit dem Punkte der Resolution völlig einverstanden zu fein, der den öingdiorcnui in bei Koloirien völligen Schutz zusichert. Ties soll aber für alle Länder gelten. Wenn die Reso­lution ferner sagt, die Konferenz verwerfe das Aecht des Siegers auf Beute, jo dürfe das nicht nur für Europa gelten Man sagt, bte Teutfckien hätten die fiofünien schleckst verwaltet. Tic Sozial­demokratie protestierte gegen Fehler der Verwal- tung mit Erfolg. Sonst Höllen die deutschen Kolo­nist tat Kriege nicht so lange Widerstand leisten können Wenn die Kolonien bet beutfdjcn Republik zurückgeacben würden, so sei diese Lösung idxm- fallS besser, als wenn sie in die Hände der kapi­tal islisch-imperialistischen Regierungen der Entente fiden.

Mistral teilt tn seinem Schlußwort iut Re­solution über die Gebietsfrage u. a. mit. daß der Schutz der nationalen Minderheiten sowie der Mehrheiten in den Text ausgenommen werden soll. Der Zusatz an trag der tsck,cchischcn Genossen, daß daS Seibstbestimmungsrecht tm Falle gewaltsamer Entnationalisierung eines Landes nicht wterkannt werden soll, wird von der Kommission abgelehnt, dagegen der schwedische Zusatzantrag Enyberg an­genommen, her dem Völkerbund Rücksichtnahme empfiehlt, wenn eine systematische Entnationalisie­rung das Wachstum eures Volkes gehemmt habe und insolaedes en eine Volksabstimmung die tat* sächlich Vergewaltigung festlegen würde.

Friedri h Adler erllirl im Namen ter deutsch - oiterreichi chen Delegation diesen Zusatz- autrag in der Dodiegertben Form für unawnehm- bar. Die ganze Resolution wird nochmals an die Kommission zurückgewiesen unb heute nacht oder morgen zur Beratung kommen

In der Nachmiftagssitzung bringt tm Auftrag der Komnllssion Henderson eine Resolution über internationale

Atdkitkrschntzgkskßqebung

ein, in der es an den wichtigsten Stellen heißt, daß die kapitalistische Klosse durch Ausbeutung der Lohnarbeiter ihr Ei. kommen erhöhe und dis Kraft der Arbeiter damit schwäche. Dieses Streben des Kapitalismus könne nur durch Aufhebung der kupi ^alistischm Produktion verhindert werden. Der Kongreß fordert u. a.:

1. Kinder unter 15 Jahren ist jede Erwerbs- Li tratest ut verbieten 2. Jugendliche im Alter von £5 vis 18 Jahren dürfen nicht länger als sechs Stunden beschäftigt werden. 3 Die Arbeitszeit für Crbettertimen darf an SamStngen vier Stunden nicht überschreiten. Beschäftigung von. Arbeiterin-« nm während Der Rächt ist zu verbieten. Einfüh­rung der Mutterschaftsversicherung mit einer Min- destentfchädiguna in Höhe des gesetzlichen Kranken­geldes ist allen -Staaten mr Pflicht zu machen. Für gleiche Arbeitszeit ist Frauen der gleiche Lohn wie Wönivrn zu gewahren. 4, Die Arbeitszeit darf für all« Arbeiter acht Stunden täglich oder lo Stunden wöchentlich nicht überschreiben. Nachtar­beit zwischen 8 Uhr airmds und 6 Uhr früh ist ge­setzlich zu verbieten für alle Betriebe, die nicht ihrer Art nach oder aus technischen Gründen auf Nachtarbeit angewiesen sind. Der freie Samstag- Nachmittag ist in allen Ländern crnzustreben. 5. Den Arbeitern ist generell wöchentlich eine zu­sammenhängende Ruhepause von mindestens 36 Stunden zu gewährleisten. 6. Zum Schutz der Ge­sundheit und zur zur Verhütung von Unfällen ist die Arbeitsdaner m gesundheitsschädlichen. Betrie­ben ie nach dem Gval>e der auf heuiger als acht Stunden ßesttzusetzen. 7. Alle Gesetze und Regelungen auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes sind sinngemäß auf die Heim­industrie anzuwenden Den Arbeitern ist in allen tiduabem ein freies KoalstionScecht zu gewähren. 8 Gesetz« und Verordnungen (Gesindeordmmg, Koalittottsverbot), welche einzelne Arbeiergruppcn in eine Ausnahmestellung gegenüber anderen brin­gen ober ihnen bas Recht bet Koalition unb die Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen usw und das Mitbestimmungsrecht bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen vorenthalten, falb unzulässig und zu beeitigen. 9. Es ist eine Verordnung gegen Arbeitslosigkeit zu schassen. Die Mrbeiter sind von Staats ivegen gegen Brrufs- mrfülle zu versichern, der Erlaß von Auswande- rungsverboten ist unzulässig, bet Erlaß genereller Eiuwanderunasverbote ebenso.

Die Konserenz wird mUerbrochen Für heute nacht ist eine Sitzung anberaumt, in der die Reso­lution über die territoriale Frage endgültig fest- gelegt werden soll.

Vr ü s k.el 8. Febr. sWTV.) Da» Automo­bil Danderveldes stieß mit einem Straßen- bahTUvageg zusammen Vandcrvelde wurde am Kopse schwer verletzt.

Vie waffenftillftandrverhandlnngtn.

Berlin, 8. Febr. MB.) Sitzungsbericht der Wafsenstlll''inirdslonrmission in Span rom 7. Februar 1919:

Ter fr o: Höfische Vorsitzende gub bcftmnt, daß deu tsche L e den »mittel dvn dem rechts- rihriniscktml nach dem trnksrionrrichm (Gebiet be* Hebert r^Tbcn dürfi-n, und daß ihr Umlauf im ganzen besetzen Gebiet ur^jibcrt vor sich gehen kann

Im totfirnge Fock» erklärte Äubant. er lehne es ab. ri.tr txm den öemttem her deutschen Regiennig Lberrrichte Note zu beanhronx'n. weil sie folgnibc Stelle enthält: ..Tatfächich ist die Deseyui'g des deutschen Oiebitte» nicht durch die tlebarlc-ir;bei! bet Waffen bmn-'advt worben" Tiefe Not werde erst b<rm g-prüft werden, wenn sie in Lorr-'kter Form überreicht würde. Auf die veutscbe AnftoA.' Itf.i ließ bet Öl-ertommanixcrenbe der alliierten Orientarmee mich i en, daß die Frei, ÄritSbeidir-h Tmig n des Mavchllls von Macken­sen aubei: Worten nxlrctt. nachdem er ter- fbTödxm habe, sich nicht obne offizielle Gench- migutrg zu nirimteiL Dte Wachtti Wien seit An­fang Januar vom Schloß zuribäg'.iogen und der S aiwldrgh Vt1,7u nm den Park e.itfmrt worden Die im Sckch'ß bcfrtblidx Äbteilung bxiic zum Lchn» M Felvmarfchall- und jein-etz General-

stnbcS Mackensen und fern Sterb könnten sich tnrcrboCb und außerhalb des Parkes tm betoegen intb auch der Poudiemt Mr sie sei geregelt.

Tie deutsche Kvmntisllon wiederlwl e Crr^ttte, bausche Lazarette im besetzten Gebiet für ver­wundete und kratcke deutsche Soldaten benutzen zu tonnet General NudaM erklärte nunmehr, > dir Aufnahme Kranker aus Dem unbesetzten G<chitt in lmksrheinische Hrilonsdalien durch eine xnnnöchst erscheinende Bertohrsordnung geregelt herben würde

Tie Alliierten Orderten die deutsche Regte- nmg auf, gegen den A.- und S.-Rat in Mannheim vorzu geben, da dieser zur Einfuhr in das besetzte Gebier hriggcbeite» Sefer zurück- tz.halten unb es auch auf keinerlei Vorstellung hm lrrausgogebcn habe. Es habe ben Anschein, baß <r Mannheimer Arbeiter- und Soldatenrat die Einfuhr in das besetzte Gebiet grundsätzlich zu verhindern trachte.

Nach Absatz 6 des Wafsenslil^mrdsaLkonnnenS vom 11. November 1918 darf dem Ergmturn bet Einwohner in den von den Mnerten besetzten Gebieten kein Nackueü oder Schaden zugefügt hxtr= den. Tic französischen BelatzurgsbcH rten in El- >'-Lotlpi gm leben sich über be.i Aaren Wort­laut dieser Bestimmungen h.nro.ggefetzt, wie aus den za hl reicderr übereinstimmenden BerickRen von ben aus Elsaß-Lothringen geflüchteten ober aus- gmckesenen Teutschm k^dwrgeht. Die finanzielle schädigitTig der altdeutschen Bevölkerung des El­sass s gicht planmäßig weiter. Die urfpriinglick-e Maßregel in Artikel 6 der französischen Münzen« terorbnung, die ben Mr-ElMern intb den All- lotpringern gestattete, die deutt'che Mark gegen 1,25 Fr. ciirzutauschen, tonnte man noch als eine bloße <-evor»ugm:gauffassen. InÄwisckien sind noch folgmdc Bestimmungen hinzu gekommen: Me in Mark ausgedrückten Schulden an staatliche Stoffen stich zu 1,25 Fr. umzurechnen. Ter Altdcausche, her Zahlmigen an Behörden zu machen hat, bc- torrrmt also für seine STZarftotbenniflcn etwa 60 Centimes, toälfteiib er seine Markickrulden mit 1,25 Fr bezahlet muß Zu welchen unbilligen und geradezu katastropl.v-len Zus^inden das sührm kaim, mag fvlg.gcheö Beispiel zeigen: .Bor Dem Kri.ge erschloß die Stadt Straßburg ein g-. s vor den Toren liegendes Batt- terrah und forderte dir ortsansässigen Familien auf, davon Parzellen zu erwerben und dort Wohnhäuser zu errichten. Die Stadt er­klärte sich bereit, zur Erleicksterung der Bebauung die erste Hypothek auf die zu erwerbeichen Grund­stücke zu übernehmen. Es sind insbesondere viele deutsche Bccnnte dieser Aufforderung gefolgt unb haben Grundstücke (genannt Fünfzeh nerioörth) er­worben und Wohnhäuser daraus errichtet und sind Aypotyekenschuldner der Stabt Straßburg geworden. Alle diese Familien müssen nun zunächst, wie schon erwähnt, infolge des Kurszwanges an Hypotheken- zinsen mehr als das Doppelte gegen früher entrichten, sie haben aber auch den völligen Verlust ihrer Grund­stücke und damit auch denjenigen ihrer Ersparnisse und ihres Vermögens zu gewärtigen. Em Alt- deutscher, der jetzt ausgewiesen wurde, hatte zum Beispiel ein Grundstück von der Stabt erworben und darauf sein Wohnhaus errichtet. Grundstück nnb Hau» haben zusammen einen Wert von etwa 60000 Mvrk. Die Stabt ist mit einer Hypothek von etwa 30 000 Mark beteiligt. An Hypotheken und Zinsen muß jetzt das Doppelte entrichtet werden. Die dagegen erhobenen Vorstellungen werden mit dem Bemerken abschlägig deschieden, es müsse in der neugeordneten Weise bezahlt werden bi» eint allge­meine (Regelung ber Frage erfolgt sei. Künnigt nun die Stabt die Hypothek, so muß ber Betreffende statt 30 000 Mark 37 600 Franc» bezahlen, um diese 37 500 Franc» zu erhalten, muß er 70-75 000 her­geben, mit anderen Worten, um die Hypotheken- gläubiger zu befriedigen, muß er nicht nur ben Wert des ganzen Grundstück» samt dem darauf befindlichen Gebäude opfern, sondern noch erheblich zulegen.

Nene Erschwerung der Waffenstillstandebedingnngen.

Pari», 9. FcHr. (Havas.) Diploma­tischer Situationsbericht. Dor Oberste KriegSrat hielt am SamStag nachmittag von 35'/« Uhr eine Sitzung ab. Er setzte die Prüfung ber Bestimmungen für die Etmeue- rung des Waffenstillstandes fort. Die nächste Sitzung wird Montag nachmittag stattfinden. Am Abend fand noch eine zweite Sitzung statt. Die Diskussionen wurden in günstiger Weise fortgesetzt, und eS scheint Uebereinstim- mmrg zustande gekommen zu sein zwisäxm den Vertretern ber alliierten Länder über die Notwendigkeit, infolge der Haltung Deutsch­lands die WafsensttllstandSbebin- gungen bei ber Erneuerung zu erschwe- r e n durch Kontrolle der Demobilisierung und ber Fabrikanten ber früljeren Kriegsinbustrie- betriebe. Es müssen mir noch bie Formali­täten ber Ausführungen .bestimmt werden. Man denkt, daß Oie Montagssitzuna dazu genügen wird. Wenn es sich so verhält, wer­den oie Persönlichkeiten vom Konferenz-Ko­mitee für Montag zusanrmengerusen werden sollen, um ihre Ansprüche über das Hed- ichad mitzuteilen. Gleicherweise werden die belgischen Delegierten zur Darle­gung dec Forderungen ihres Landes gehört werden.

Das britische Kvmitee gibt den Text der Resolution bekannt, ber von Wilson im Laufe ber SamStag-Sitzung int Obersten Kriegsrat zur Annahme vorgclegt und durch- gebrachr wurde. Dieser Resolution zufolge muß die permanente Kommission in Spaa, btt bisher ausschließlich aus alliierten Mili- tärsochrerständigen zusammengesetzt war, NichtrüilitärS als Vertreter jeder Negierung hinzuzieheit. Diese Vertreter haben das Reckrt, nenn sie auch gleichzeitig die Ansicht des alli­ierten Oberkommandos einholen müssen, sich mit einem Organ zu beraten, dessen Schaf­fung «bcnfalls beschlossen wurde, nämlich mit dem Obersten Wirtschaftsrat. Die in Paris gebildete Kommission besteht aus fünf Mitgliedern für jeden alliierten ober verbün­deten Staat. Sie wird die Aufgabe haben, während ber ganzen Dauer des Waffenstill­standes die wirtschaftlichen Fragen zu regeln, bie hinsichtlich Deutschlands jeden Tag zahl­reicher unb wichtiger werben und die [einer­lei militärische Kenntnisse erfordern, sv bte Frage der Finanzen und der Verproviantie­rung und ber Kvuttvlie der Rohstoffe.

vir drmschen Kriegsgefangentn.

Berlin, 7. Febr. IWTB.) Die deutsche Waffen- stilpandskomm'ssion teilt mit:

Zum Schutz der deutschen Krieg»- iwb Zi- oilgefangenen hatten sich, wie bekannt, ohne Unterschied der Parteien deutsche Männer und Frauen zu ammcngelchlossen, deren Angehörige noch immer in feindlicher Besangenjchaft schmachten, um vereint für die Rückkehr unserer gefangenen Brüder zu sorgen Einem Vertreter de» Dolksdunde», dem bereit» über 10 Millionen Deutsche angehören, sollte in Spaa Gelegenheit gegeben werden, den Gegnern, die bisher zu keinem Entgegenkommen in der Frage der Heim» beförberung unserer Gefangenen zu bewegen waren, persönlich seine Wünsche vorzulragen. In einer ber letzten Sitzungen der interalliierten Waffenstillstand». Kommission in Spaa bat General v. Hammer st ein, ber neue Vorsitzende der deutschen Waffenstillstands- Kommission in Spaa, General Nudant, eine Sitzung der Unterkornrnission für Krieg-gefangene einzuberufen, um den Herren zu ermöglichen, der feindlichen Unter- Kommission die Wünsche der deutschen Bevölkerung oorzuttagen. Nudant lehnte diesen Vorschlag ab unter der Begründung, daß die Unterkommission für Kriegsgefangene in keiner Weis- ermächtigt sei, beutflpe Wünsche entgegenz'.mehmen, da sie nur ein ausfuhrendes Organ darstelle. Er erklärte sich nur bereit, alle Mitteilungen durch den deutschen Dor- sitzendenentgegenzuuehmen und weiterzuleiten. General v. Hammerstem bedauerte diese Erklärung und be­tonte, daß die Vertreter des Volksbundes nur die Stimmen und Wünsche des deutschen Do Kes zur Kenntnis der alliierten Mächte bringen wollten. Ge­neral Nudant entgegnete, daß ihm schon häufig solche Wünsche übermittelt worben seien. (Er könne nur wiederholen, baß die Alliierten auf ihrem Standpunkt beharrten, oie Heimführung der deutschen Kriegs­gefangenen erst auf der Friedenskonferenz zu verhandeln. General o. Hammerstem erwiderte, dies sei wohl der Rechtsstandpunkt, doch hoffe -r, daß von den Alliierten aus Gründen der Menschlich­keit die Heimführung der deutschen Kriegsgefangenen schon vor Beginn der Friedensvcrhandlungen erwogen werde. General Nudant erklärte nochmal», er sei bereit, eine erneute Bitte des deutschen Vorsitzenden wegen der Heimbefö.derung der deutschen Kriegs- gefangenen den verbündeten Regierungen zu über­mitteln.

Ein Aufruf bei volkibunde» zum Schutze der deutschen «rieg»gefangenen.

Berlin, 8. Febr. iWTB.) Der Dolksbund zum Schutzs der deutschen Kriegs- und Iivilgefangenen sandte durch die Fünkspruchstatton Rauen folgendrn Hilferuf:

An alle Völker ber Erde!

Der Krietz ist beendet. Das deutsche Volk hat weder den Willen noch die Macht, ihn wieder aufzu- nehmen. Das deutsche Volk will Dölkcrfiieden, Döl- kerfreiheit unb Völkcrversöhnung. Der Haß, der die Welt vergiftet hat, soll verschwinden. Ader noch droht dem neuen Menschheitsideal eine furchtbare Gefahr. In der Deburtsstunde de» Völkerbundes werden 800 000 deutsche Kriegs- und Iioilgefantzene ohne Fristsetzung ihrer Heimat vorenthalten. Kriegsgefan- genschaft nach Kriegsende ist Sklaverei. Sklaverei ist Vergewaltigung der Menschheit und de» Völkerrechts. Unauslöschlicher Haß wird daraus erwachsen müssen. Das deutsche Volk verlangt, daß die Gerechtigkeit, die Wilson der Welt verkündet hat, auch uns wider­fährt. Das deutsche Volk wird niemals einen Frieden erdulden, der seine nationale Ehre mit Füßen tritt. Im Namen ber Menschlichkeit wendet cs sich an das Gewissen der Welt. Im Namen der Gerechtigkeit fordert es: Gebt un» unsere gefangenen Brüder wieder!

Eine Flngleiftung.

Usingen, 9. Febr. Bericht ber Funkenstation Usingen. Das Flugzeug Farmann Nr. 60, das den NamenGoliath" trägt, hat Samstag 10.50 Uhr den Flugvlatz von Tousius bei Versailles verlassen zu einer Reise nach London. C» trug nur militärische Passagiere, und zwar im ganzen vierzehn : einen Leut­nant, einen Mechaniker und zwölf andere Dersonen. Jeder von ihnen hatte 10 Kilogramm Gepä« bri sich. DerGoliath" ist in Croydon bei London nach einer Reise von drei Stunden 40 Min. eingetroffen.

Dai Frauenstimmrecht in Portugal.

Lissabons. F^hr. (WTD.) Havtos. Die Kammer nahm einen .plan an, durch ben ben Frauen das S t i m m re cht für die Wahlen zuerkannt wird. Tt? Altersgrenze ist 21 Jahre, Wählbarkeit vom 25. ^Lebensjahre an.

Aus dem Reiche.

Dai verhalten der Polen.

Berlin, 8. Febr. (WTB.) Durch die am 7. d». in der Presse bekanntgegebene Mitteilung ist dem Obersten Polnischen Volksrat gegenüber die Einstellung aller Kampfhandlungen an die Vorbedin­gung geknüpft worden, daß keine bewaffneten For­mationen im reich-deutschen Gebiet verbleiben dürfen. Hieraus ist der preußischen Regierung heute eine Ant­wort de» Obersten Polnischen Dolksrat» zugegangen, worin die Auflösung der bewaffneten Formationen abgelehnt wird.

Ans dtm besktztkn Nheingebitt.

--- Königstein, 9. Febr. Die Maßnahmen ber französischen Desatzungsbehörden gegen die Be. cölkerung werden immer willkürlicher. Hier oer- meigert man den Arbeitern, die auswärts arbeiten, die Ausrcisepässe, während nicht arbeitenden Frauen und Mädchen Pässe austzehändigt werden. Den Königsteiner Kindern, die in Frankfurt Schulen, be­suchen, wurde die Reise nach Frankfurt ein für alle­mal verboten. Eine Frau, die ihre von den Fran, zosen zu Bureauzwecken beschlagnahmte Wohnung betrat, um aus dieser einige Gebrauchsgegenstände zu holen, erhielt :i00 Mark Geldstrafe. Freitag abend wurden die auf dem Bahnhof ankommenden Reisenden von 35 Franzosen unter Führung des Ortskommandanten einer Leibesuntersuchung unter- zogen. Wer sich nicht gründlich ausweisen konnte, mußte sofort 20 bis 30 MarkStrafe" erlegen. - Auch den Wanderern wird nach anfänglichen Erleich­terungen der Besuch des Taunus immer mehr erschwert. - Alle» Wild, da» den Franzosen vor die Büchse kommt, wird rücksichtslos nieberneknallt - Auf sol- chen racherfüllten Maßnahmen will man nachher den Dölkerfriedeu aufbauen!

Ans Stadt rrnd Land.

Dießen, 10. Februar 1919.

Der Sck,lichtuugiau»schutz für bie Provinz Cberhrifcn

hielt am Freitag seine erste Sitzung unter der (Bet- tung b«r neuen Verordnung oom 23. 12. 18 übte

Schlichtung van Arbeitrstreiligbeit en usw eb. Seae Geichai^ziiamer befindet sich nunmeh: Vuoroigto. 5 in Gießen (Fernsprecher 2097). Nack mündlicher Der- Handlung wurde über Arbeits- und Lohnstreitigkeiten zwischen den Arbeitern zweier Friedberger Brauereien nnb ihren Arbeitgebern, nachdem der angestrebte ver­gleich nicht zustande kam, folgender Schiedsspruch gefällt:

Die Teuerungszulage wird bei den Brauern um 3 Mk. auf 21 Mk. und bei den übrigen Arbeitern um 4,50 Mk auf 19,50 Mk. erhöht, dagegen wird das Bier nur mit 20 Pf. pro Liter vergütet.

Die Ueberftunbcn werden Werktags mit 1 Mk und Sonntags mit 1,20 Mk. vergütet

Die Arbeitszeit mit 8 Stunden wird wie folgt geleistet. von 7 bis 8' Uhr, von 9 bis 12 Uhr und von l1/. bi» 5 Uhr. Diese Arbeitszeit tritt mit dem 17. d. Mts. vorläufig auf 4 Wochen versuchsweije in Kraft.

Die Bi-rfahrer erhalten nach rehnstündiger Prä- fenszeit die obenbefagte Ueberstunbenv.rgütung ober sie sind für die entsprechenden Ueberftunbcn an einem anderen Tage solange von Arbeiten unter Fort- gewahrung des Lohnes befreit.

Von der Arbeiterschaft wurde gefordert: Erhöhung der derzeitigen Teuerungszulage um 8 Mk. die Woche, Ueberfiunbcr.Dergütung von 1 Mk. an Werktagen unb 1,50 Mk. an Sonntagen, sowie eine Arbeitzeit von 8 Stunden innerhalb 10 Tagesstunden mit einer Halden Stunde Frühstücks» und 1'/, Stunden Mittags­pause.

In der Lohnstreitsache der Schreinergelel- len in Gießen mit ihren Arbeitgebern wurde fol­gender Schiedsspruch gefüllt:

Der Sch ichtungsausschuß steht auf dem Stand­punkt e, daß auch die Gießener Schreiner meister ab Lohnausgleich da» bezahlen, was im ganzen Reichs­gebiet von allen maßgebenden Organisationen ver­einbart wurde, nämlich, daß für die achtstündige Ar- beittzzeit täglich soviel bezahlt wird, wie für die neuneinhalbstündiqe. Da bisher für neuneinhalb­stündige Arbeitszeit 9.50 Mk bezahlt wurden, so sind demgemäß von jetzt ab für acht Stunden tägliche Arbeitszeit 9.50 Mk. ober pro Stunde 1.18 Mk. zu bezahlen.

Der dritte Fall betraf eine Beschwerde aus der Reich».Landcsarbeiterordnung. Ein Dserdeknecht war auf Hofgut U phe mit Iahreslohn eingestellt. Nach viertägiger Arbeitszeit wurde vorn Arbeitgeber da» Arbeitsvcrhaltnis zum Monat»schluß gekündigt, »eil der Pferdeknecht nur acht Stunden arbeiten und iw weiterer zweistündiger Feit zum Füttern nicht misten wollte. Rach Aufhebung der Gesindeordnung gelten die Bestimmungen des DGB., wonach in diesem Fall nur mit Frist von sechs Wochen zum Vierteljahrs- schluß gekündigt werden kann und dem verheirateten Knecht außerdem die Wohnung weitere drei Wochen unentgeltich zu belassen ist. Eine Einigung kam nicht zustande; ein Schiedsspruch konnte nicht gefallt werden, da der Ausschuß nach der Landarbeiterord­nung nur zuständig ist bei Streitigkeiten wegen an- derwcitcr Sachbezüge. Daß diese nicht in der aus» bedungenen Weise gewährt werden, war nicht streitig. Der Arbeitgeber, der auf Lösung de» Arbeitsverhält- nisscs unb Räumung der Wohnung am Monatsschlub besteht, mußte zur Räumungsklage an das ordentliche Gericht verwiesen werden.

Lebensmittel.

**Lebensmittel-AuSgabe (Aus­gabe Nr 4.) Bon Diensbaa, 11. bis Samstag, 15. dnftffl. gelangen in Den Geschäften, bei Venen bte Vorbestellung erfolgt ist, gegen Abgabe des B^ugsabfchnittes Nr. 4 ber Le­bensmittelkarte 1 Pfund Zwieback und vier Pakete Gemüsekonserven zum Preise aon 2^0 Mark zur Ausgabe.

**Snmenverkauf. Erbsen unb Bo> nen verschiedener Sorten, sowie Gelberül'en- und Mairnben-Samen merden heute und bw tolgeiibe Tage, sormrit der Vorrat reicht, im Turml-aus am Brand, Arvttnarkenbezirk 2, vor- unb nachmittags verkauft

** Zigarre n-Ausaabe. Zigarren- Empfangsberechttgte, die ihre Marren nicht rechizeittg einbeläst haben, erhalten bie ihnen ÄU)tel)enben Ztgarren in den (^eschäiten von todyrrmonn, Lindettplatz und Todt, Pltxistt. gegen Abgabe der Kontrollabschnitte ano Zi- ga rren marken. «

* AuS dem Stabttheater SS sei auch an dieser Stelle darauf hi »gewiesen, daß am kommenden Mittwoch ein vfafrspiel von Hannelore Siegler ftattfinbet Die be­kannte und beliebte Tänzerin wird an dem Abend neue Tän^e eigener Ersineang bringen.

** Gießener Ko nzert - Verein. Sonntag, 16. Febr 1919, nachm. 41/, Uhr, findet in der neuen Aule ber Universität das 6. .Konzert mit Prof. Corl Friedberg aus München statt. Zum Vortrag gelangen Werke von Bach, SchumMm, .Kreis teriana, Kinderszenen, Toccata, Symph. Studen u. a.

K. Kriessbeschädiglentagung in Gießep. Tie Ortsgruvor de» ftricii briiifcho, Larckx-rverbanbe» der )Cri Meschäbg en nt Hf en batte auf Sonntaa den 9. (jrbrunr -u einer Ber» sammluna imPostkellcr" ringdaben. Ncrch Er- Öffnung der Derhanvlmtgen durch ben 1. Bor» HlX-ltben der Onssrirpve «Kamerad Eichert, ber mit kurzen Worten auf bm neu garrü.tocteii, schon mehr als 1090 Milglieder zählenden hessi­schen Landesverband hinwies, erhielt der Ve.tr rter des Berliner Bunde», Herr A 11 me ie r-Frankfurt a. M. das Wort. Er hri>3 darauf hin, daß etwa 15 Millionen der besten Kräfte von Eunrvas Völ­kern im Majfensrobe niben, 10 Millionen 3«- validen den einzelnen Staaten zur Last fre!e-t und ber is: . bürten rückgang ebenfalls mit rund 15 Mrllionen tn Anschlag gebracht werden müfle. Nach bün'cn nxilnbait eriAredenbcn Zah^ir fei sthr wohl zu oedenken, ber Rleferrrneto, von MTicc»* b.1chädi»m zu Prisen und sie aus (Irrer traurigen £ai>2 zu befreien. ES stehe ihnen ein Recht zu, bahnt ,>u kommen, daß fie leben tonnten. SJaiu müsse ihnen so helfen, daß sie bat Verlust ihrer verlornien Glieder nicht merkten und bas; ihnen wieder Gelegendrit gr.-boten wäre, im Siaale so schon während des Krieges in Großbetrieben oe» S den habe. Neuerdings habe nun auch iwch Die Kriegsh ivterbliebenenru den Bund ein- k'pogen, um auch ihnen einen Halt m dem jetzigen mt luarbeünt, wie jeder andere zum D^ÜledeS Dolksgoitr n inüw rteii tön te 9Äa.i h b cmch nm i.i ben -ouno Der te:i.gsbeichäd gcnteckrteg»« leilnehmer rinbegogm, wrl sie in späteren Zen en auch durch Kra . klU Üen als Fvl»- bei xiiege» ui eine bJftba/ürftuac Lage gerieten. / L 'AVk- M *Ä