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Erstes Blatt

169. Jahrgang

Montag, 10 Februar 1919

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

SmimngsroMnut a. »erleg: vrühl'Ichr UnI-.-Soch. u. SteinOrutferei R. Cenge. $d)riftleitnng, SelchSstsftelle L vreterel- SdfulJH T.

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vle Neneintrilong der Reiches.

Während Staatssekretär Preuß am Samstag der deutschen Nationalversammlung bfe Richtlinien des provisori.chen Vcrfafsungs- entwurfts auseinandersetzte, ringt be.anders tn ben westlichen Teilen Preußens Die Be­völkerung nach Klarheit über Einzelftagen bei der yteupj teberuitg. In der Frage einer rheinisch^ux st fäi ischen Republik sind bedeu­tungsvolle Kundgebungen ins Land gegan- gen, die beweisen, daß zwar die Meinungen noch gegeneinander streiten, aber doch schließ­lich eine Einigung nicht ausgeschlossen ist. 2ie Kreise der rheiniscl-rivestfälischen In­dustrie haben am Freitag in Essen zwar gegen die bekannten Kölner.Bestrebungen und Die Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der Errichtung einer westdeutsä^n Republik protestiert, dann aber selbst einenKleinen Ausschuß" gebildet, der beauftragt nntroe, die Ange legen lj-ei len des rechts- und links- rl-cinischen Preußens gemernschaftlich mit dem Költter Ausschuß zu beraten. Die Ver- ireter der Industrie wollen keinem Plane zu- |tim men,der die Grundlagen des Reiches zu erschüttern geeignet ift". Gegen solche Unterstellungen wehren sich auch die Kölner 3entru ine Leute und an ihrer Spitze dieKöln. ssZollsztg." mit Händen und Füßen. Die Rhein.-Westf. Ztg." hatte vor einigen Tagen Den Beraucht geäußert:Offenbar sitzt hinter den Marljenschiaftru der ettglisch-französische .Einfluß, daS Pfund rollt, man spart nicht mit Franken und mit Aussichten auf Speck, und damit fließt zusammen der kirchliche Ein­fluß." DerVorwärts" bestätigt dagegen in einer Zuschrift, die er von rheinischen Partei­kreisen eryält,die Beteuerungen der Zen­trumsführer, sie wollten beim Reiche bleiben, feien ehrlich gemeint." Im übrigen nimmt die Sozialdemokratie noch keine ganz klare und entschiedene Stellung zu der Frage ein. Der Vorwärts" polemisiert gegen die Zentrums­teile und mahnt zu vorsichtigem Abwarten:

,Mr wove« nicht eine junkerliche Vormacht in Osten beseitigt haben, um dafür eine klerikale Dor- «nacht im Westen einzutauschen. Nur politische Notwendigkeiten, nicht Vermutungen und Mög­lichkeiten, dürfen die Sozialdemokratie veranlassen, dem westdeutschen Freistaate zuzustimmen."

An einer anderen Stelle fahrt das Matt fort:

Nur unter einer Bedingung würden auch die rbeinif d>en Sozialdencokraten ohne Besinnen und mit allem Eifer für die westdeutsche Staaten­gründung eintreten, wenn nämlich dadurch eure offene oder verschleierte ober allmähliche Annexion der Nheinlande verhindert werden könnte. Eine Trennung von Preußen könnte als viel kleineres liebel von uns hingenommen werden. Mit der Forderung einer Loslösung vom Reiche oder auch nur einer Lockerung des Neichsgedankens darf man keinem rheinischen Sozialdemokraten kommen. Nicht die Franzosen, aber auch nicht die Klerikalen sollen ihn haben, den freien deutschen Rhein."

Auch dieK ö ln. Z t g." äußert noch kein unbedingtes Ja ooer Nein. Sie gibt zu, die Leiluttgsbestrebuiigen selbst erhielten ja aus dem übrigen Preußen reiche Stärkung: durch die Schlesier zur Lösung! ihrer Mischsprachenfrage, durch Batocki für O st Preußen, durch die erst 1866 zu Preu ßen geschlagenen Nie- d e r s a ch f e n, die ebenfalls ihr Selbstbestim- rnungsrecht fordern.Eine besondere Note bekommen diese separatistischen Bewegungen vor allem auch durch den im Reich freudig und aufrichtig begrüßten Wunsch .> der Deutschösterreicher, dem neuen beut» fdjen Staatenbunde beizutreten, die bevor­stehende, ooer wenigstens zu erhoffende Ver- wirklichuttg des alten großdeutsä)en Geoan- kens." Und oaun gesteht DieKöln. Ztg.": Um ein unlösbares Mich mögen wir schließ­lich auch die Einheit Preußous hingeben, wenn es vonnöten sein sollte." ulie Stär­kung der Zeutralgervalt äst auch ihr Richt- gedanke:

Mag nun Preußen in drei ober vier Teile zerlegt irerbat oder nicht, Diner müssen alle Teile des Rrick^es zu diesem zeittraliüischen Zwecke brin­gen, auch die alten Bundesstaaten: die reichs- eigmen Kompetenzen müssen unb.Hirgt in Wein'ar g.'flärft werden. Sonst bekommen wir den Zu- staick» des Deutschen Bundestages wieder, der Bis­marck burtf) die Frankfurter Beobachtungen zu der Politik von Blut und Eisen gebracht hat. Und diese Politik ist heute nach dem freien Willen deS deutschen Volkes und nach der Maßgabe unsrer noch verfügbaren Mittel erledigt."

= Raffel, 8. Febr. Der Landesausschuß des chsssifchsn Bezirksoerbandes in Raffe! nahm in einer Sitzung zu der Frage Groß-Hessen Stellung und erklärte: Er lehne den Gedanken einer Abtrennung des ehemaligen Ruihessens von Preußen einmütig ohne jeden Parteiunterschied seiner Mitglieder ab. Cin>- Auflösung des großen und leistungsfähigsten Bunde Staates Preußen in eine Mehrzahl von Klei» »nere Einzelstaaten würde die Zukunft des deutschen

Reiches in verhängnisvoller Weise gefährden. Eben­sowenig sei die Abtrennung unseres Regierungsbezirkes und dessen Bereinigung mit anderen Gebieten zu einem neuen Staat Groß-Hessen durch seine außer- hessische Heimat gerechtfertigt. Rein gefühlsmäßige Rücksichten könnten nicht den Ausschlag geben, zumal geschichtliche Gründe für eine Vereini­gung sich nicht geltend machen ließen. Auch fehle es an einer Gemeinschaft des Stammes ober auch nur der wirtschaftlichen Interessen unter den verschiedenen, für ein Grog-Hessen in Aussicht genommenen Landes­teilen, dessen Schwerpunkt zudem ganz zweifellos im Süden liegen. Damit würden die Interessen der Stadt Rassel schwer gefährdet werden. Der Landesausfchuß des hessischen Bezirksverbandes vermag daher, so wirb erklärt, nur in ber Fortbauer ber Vereinigung mit bem Staat Preußen bie Gewähr für eine künf­tige gebeihliche Entwicklung unserer Kur hessischen Eigen­art zu erblicken.

Deutsche Nationalversammlung

(Dritte Sitzung.)

Weimar den 8 tyebruar 1919

Präsident Dr. David eröffnet bi? Sitzung um 3.25 Uhr nachmittags. Es ist eine Reihe weiterer Glückwunschabreisen und Telegramme an bie tionalversammlung eingelaufen.

Die Nationalbemokralische Partei Deutsch- Oesterreichs sendet unter bem Ausdruck größten Be­dauerns, noch nicht an der deutschen Nationalver­sammlung teiilnchmen zu können, dem größeren Deutschland ihre Grüße. (Lebhafter Beifall.)

Das Rftultat der Wahl der Schrift­führer wird bekanntgegeben. Gewählt finb: Fischer (Soz.) mit 384 Stimmen, Dr. Neumann- toofer (Demokrat) und Stücklen (Soz.) ebensalls mit 384 Stimmen. Dr. Pfeiffer (Ehr. Vpt.) mit 382 Stimmen, Kcmpkcs (D. Vpt."> mit 382 Stim­men, Volz (Ehr. Vpt.) mit 381 Stimmen, Malke- witz (Dtsch. Vptll mit 376 und Frau Agnes (Unabh. Soz.) mit 61 Stimmen.

Das Mitglied Männer (Bahr. Bauernb.), gew. hlt ünf25. Wahlkreis, hat das Mandat nfeber» gelegt.

Hieraus tritt das Haus em in bie Tagesord­nung einer ersten Beratutrg des

Entwurfs eines Gesetzes über die vorkSttfige Rcichsgewatt.

Staatssekretär Dr. Preuß: >,Die Schaffung einer Verfassung für das Reich liegt Ihnen einer Verfassung für das ganze Iteich liegt Zhnen dieser Verfassung liegt in der Souveränität bet Nation. Deutschland wird eins fein, ein Reich, regiert von dem Willen des Volkes, unter der Mit­wirkung aller seiner Glieder. Wenn über manches Zweifel bestehen iverden, die Forderung der Ein­heit ist die Forderung der ganzen Nation. Die Einheit will sie, die Einheit wird sie haben." Mit diesen Worten grüßte einst Heinrich von Gagern die erste verfassunggebende Nationalversammlung des deutschen Volkes in der Paulskirche zu Frank­furt a. M. Und wenn Sie, mcüte Damen und Herren, heute diese Worte wieder vor sich sehen, so zweifle ich nicht, Sie empfinden berät mit wunder­barer Wiederholung der Erscheinungen die Auf­gaben angebeutet, vor denen die terfaffungnebenbe Nationalversammlung in Weimar steht. Damals ist, wie man annahm, namentlich an dem Wider­stand der dynastischen Kräfte in Deutschland das Wer? der Nationalversammlung in Frankfurt ge­scheitert. Dieser Widerstand ist durch die Nevolu-- tion beseitigt. Aber so leicht wird sich auch nach Beseitigung dieses Widerstartdes die dteuorgmtisa- tion des Reiches nicht schaffen lassen. Damals war das Reich bloß ein Traum, das Idealbild natio­naler Einheit. Heute haben wir das Reich, haben es ja seit Jahrzehnten gehabt, und es ist durch die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit nicht aufgelöst, nicht beseitigt. Seine staatsrechtliche Or­ganisation ist zusammengebrochen und bedarf der Erneuerung. Es bedarf das, was durch die Revo­lution geschehen ist, nunmehr der rechtlick^en Ord­nung und Fundamentierung durch-fe hohe Ver­sammlung. Das Reich als solches, bie Gesamtheit der deutschen Nation, von der wir ja nach den Kundgebungen dieser Tage hosten und ermatten dürfen, daß sie sich durch den Hinzutritt unserer deutschen Brüder ans Oesterreich ver­vollständigen wird, ist der feste Bestand, den wir in den neuen Zustand hinübernehmen. Auch in den Wirren der letzten Vergangenheit ist bei allen Stürmen und Zwischenfällen, die mit den revo­lutionären Zuständen untrennbar verbunden sind, im großen und ganzen der ordnungsmäßige Gang der Geschäfte im wesentlichen aufrecht erhalt n wor­den, und ich glaube , an dieser Stelle den Kräften des Beamtentums, die sich ohne Rücksicht aut poli­tische Ueberjeugung in den Dienst der Aufrecht­erhaltung der vaterländischen Ordnung und der Er- tebigung der vaterländischen Geschäfte gestellt ha­ben, Anerkennung aussprechen zu büre*!. (Beifall.)

Ein großer und mätitiecr Dr rg in unserem Volke geht nach starker Vereiiihe^.i.yung, ein Drang nicht nur des Gefühls, sondern der harten materiellen Notwendigkeit. (Zustimmung.) Will Deutschland nach allem, was geschehen ist, wieder aufsteigen unter den Nationen, so muß es mehr noch als bisher seine (Einheit betonen u nb stärken. (Sehr richtig!) Aber der Gegensatz dazu lag keineswegs bloß in den Dynastien Es ist eine vielfach segensreiche und fruchtbare Eigenschaft un­seres Volkes, daß es mit Herz und Socke an den Einrichtungen, an dem Leben enger Gemei ischaft hängt, und solche engeren Gemeinschaften wachten schon in verhältnismäßig kurzer Zeit zu ei xm festen Organismus zusammen. Auch von bem gar nicht stark genug zu bctoiwubat Standpunkt der

Meichseinheit aus wäre es doch' verfehlt, die­sen Selbsterhaltungstrieb und -Drang lediglich be- Limpfen zu wollen. (Sehr richtig!) Auch in ihm liegen Stärken unseres Volkes. Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten! Aber einfügen müssen sie sich» in die Bedingungen der Stärke und Existenz unseres gesamten deutschen Vaterlandes. (Sehr richtig!) Dieses Werk muß möglichst auf dem Wege freunblidjer Vereinbarung aesamtdeutjä^en Gefühls zuwege gebracht werden Aus der Erkenntnis heraus, daß ber Abschluß bie- ses Werkes zur Eile mahnt, ist ber Entwurf der Festlegung einer vorläufigen Reichsgewalt ^rvor- gegangen. Dieser Entwurf ist ein Kom­promiß entwurs, bie erfahrenen Poli­tiker haben es ihm mit Leichtigkeit ange= f.'fjtn. Er kann keinen Anspruch auf VollstaNdrg- teit machen. Gerade die weitreichendsten, schwie- rigisten Fragen, besonders die der Kompetenz zwischen Reich und Einzelstaaten und gimnfte andere Kompetenzfragen mußten hier von teomb rein ausseschaltet weriäm, denn gerade über sie wäre nicht schirell eine Einigung zu erzielen gewesen. Auch sonst läßt zweifellos der Entwurf in dem, was er bietet, viel, sehr viel zu wünschen übrig. Aber die Entschuldigung nicht nur, son­dern die Rechtfertigung dafür war die dringende Notwendigkeit, sofort beim Zusammentritt der Na­tionalversammlung den Enttvurf vvrlegen zu kön- nen, und zrvar einen Entwurf, von dem man sich bortjer versichert hatte, daß er bei der weit über» nnLgenden Mel/rza'i der verschiedenen Einzelstaa­ken keinen ent|d>iebene-n Widerspruch erfahren würde.

Diese Nationalversarmn lang ist als eine Ver­tretung des souveränen Volkes auch in ihrer Tälig- frit souverän. Sie hat von sich aus mit niemand zu vereinbaren, solchem hat zu beschließen, und sie bat selbstverständlich das Recht und die Pflicht, zum Heil des Ganzen und zum fand en Zustande­kommen des Enüvnrfs diele Souveränität selbst zu beschränken. ,Sechr richtig!» Diese Selbstbc- schränkuug gilt aber nicht für das besondere Werk dieser Versammlung, für die Versossunggebung. Nur ist«em dringenden Verlangen der Einzel­staaten entsprechend dem Staatenausschuß bie Befugnis verliehen worben, zum Berfafsungs- enftmitf vorher Stellung nehmen. Aber wie auch diese Stellmrgnahtme auSfallt, es btiibt die Möglichkeit, daß der Verfasswigsentwurf der Nationalversammbrng zur Entscheidung unter- frrritel wird, lieber bie Perfasstmg entscheidet die NQtumaTderfammrimg selbst cnxmltig mit der ein» Ligen Ausnahme des § 4, wonach ber Gebieis- zustand der Freistaaten nur mit bereu Zustimmung abg äiibert werden kann. Tie Einzel­staaten sollen sicher sein können, daß nicht einfach durch Beschlutz der fl?atbonafoeraimnluitg ohne oder il/ren Willen eine Neueinteilung Der La-dlarre von Deutschland stattfirrden kann. Diese Einräumung lomtte um so leichter gemacht werden, als das Gegenteil ja doch nicht dlirchführbar wäre. Wir lärmen nicht ohne weiteres mit einem Feder­strich nur durch Beschluß der Nationalversammlung g gen den Will.n der Einzelstarten Gebiete ändern. Endgültige Bestimmung darüber aber, welches der Rechtsweg für die vermutlich notwendigen terri­torialen UmgruDiHcruirg-m sein soll, ist natürlich der Verfassung vorbechckten.

Anders als bei der RrichSverfasfung selbst soll ^<r Gang bei den andern dringenden Gesetzen fern, für die die Nationalversammlung in Frage kommt. Hier nnrb eine Zustimmung ber einzel- staatlichen Vertretungen vorgesehen, eine Ueberräistimnnmg zwischen dem Staaton-russäniß urrb der Nationalversannnlirng. Aber es bestellen Unterschiede zwisck-en diesemS taatenausschuß und dem früheren Bundesrat. Mit der W- lehnung eines Beschlusses der Nationalversamm­lung durch den Staatenausschuß soll nicht das letzte Wort gesprochen fern, sondern es ist die Mögllichkeit vorgesehen, die strittige Frage im Skgy ber Volksabstimmung ^ur Entschei­dung zu bringen. Ter verantwortlichen Reichs- reßiienmg kann nicht durch ev ert Mehriritsbcsck^ deD Staatenausschusses der Weg zur Natirm.alver- sammllmg obgeschnttterr werden. Wir müssen unb wollen uns mrt den Vertretungen per Einzel- ftaatrn einigen. Wenn aber eine Einigung nicht zu erzielen ist, so war es früher ztrrxifellos, ein Mißstand, daß der Regierung damit der Weg'.zum Reichstag versperrt war. Das ist jetzt beseitigt. Kommt eine Verständigung im StariertemÄchiß nickst zustande, so ist bie verantwortlickie Reichs- regienrrg befiigt, mit ihrem Enttmirs Vv^ bie Ratioualversammlimg zu treten. Der Gerechtigkeit halber ist dann bestimmt, daß der distentierenden. Mehristi! des Stachenansschus es ebn'falls ^Weg zur Narionalv-ersammlung osfeusteht.' Diese 'Aeu- bcruitg ist von erheblicher Bedeutung, denn sie verhindert, daß Entwürfe ber Reichstes eräug von vvrnbrrin im.Schoße'des Staatenausschusses ver­schwinden können. <

Im übrigen sicht der Entwurf an der ^Spitze des Reick^s rären R e ichspr ä si bent»n vor. Auch, hier ist, wie es für die Zwecke des Entwurfs inrd seinen Elstrrakter als den einer vvrlÄifigen Organisation notwendig war. vermieden worden, in die Einzelheiten ber Zuständig'eiten einzutreten. Im großen unb ganzen find -ech wie Befugnisse, die republikanischen Zftaats--»ber- Häuptern zuzustehen P^l-^en, unter verantwvrt- lick»er Mitwirkmrg eines M i n i ste r i u m'K, das ti fer Nationalversammlung verant­wortlich ist von Deren Vertrauen ablKu^. Auch gerade durch diese Abweichung von dem bis- bc eigen Bundesrats'y!'em wird eine Wahre poli- lische Verantwortlichkeit des Reick^sminPteriums g-gen über der NatronalversamTTcknng wenn nicht ermögsickst, so doch erleichtert. Selbstversdändlich sind KriegserklärungenunbF riebe ns-^ s ch l u ß nickst bem Präsidenten torfcclxiltert, son-: bem auf den Weg der ReichögesetzgcLmtü Veckvvsvü.1

Auf dem Gebiet der internationalen Ver­träge wird das bisherige Recht einstweilen auf- recksterhalten, mit dem Zusatz, daß im Hinblick auf den Völ kerbn nd, wenn in diesem allen feinen Mitgliedern bie gleiche Verpflichtung auf* erlegt wird, alle Verträge der parlamentarischen Mitwirkung bedürfen sollen unb damit mit dem System der G.chnmverträge gebrochen wirb. Die künftigen Reichsminister sind jedenfalls für il/tc Ressortverwalttcrg unmittelbar der Nattonalrvr-, fammlung Veranttvvrtlich und nickst melyr wie frülXY Gehilfen des Reichskaitzlers. Aus dieser Tatsache wird sich bie Notwendigkeit eines kollegialen Zu» sannnenwirkens ergaben, die in der bidbmgen Oro- nung nicht vorhanden war. Bestimnntngen über das VolleMale System schon in dieses Nvtgeietz auf« zunehmen, erschien nicht praktisch: man soll bad frer ErrttviÄung überlassen. Ten alten ehrwürdigen TiteL für das leüenbe AmtfReid^tangier" haben wir zunächst in dicken provisorischen Gesetzentwurf nicht eing-setzt, vielleicht ans dem Gefühl heraus, i) er historisch zu schooer sei, um tu einen vor» läufigett Eittwurf aufaenommen zu werden. Sollte es der Wunsch der Versamnrlung fein, etwas ber« artige schon letzt einzufüllen, so steh-en prinziyieü Bedenken krineswogs entgegen. Wir stellen jetzt vor der Aufgabe, die grossentsck)e Republik zu gründen und keine ber Bestimmungen dieses vor­läufigen Entwurfs sieht beit von ber National­versammlung etwa zu billigenden orgaui a «rischen Bestimnmngm der definitiven Venaßuna im Wege. Ab^r die Hofstrnng möckste ich ausspreaxn dürfen, baß der Gedanke, der dickem Kvmpromißeutwur'^ zugrunde liegt, der Gedanke der Vereinbarung, der Gte)anke, auf dem Wege des möglidxft geringsten Widerstandes» dem neu zu schaffenden Deutschen Reich so schnell wie möglich eine anerkannte Re­gierung zu geben, daß dieser Gedanke auf allen Seiten der hohen Versammlinig .Anllang finden möge. Es wird das züglrich ber erste und loabr» schrinlich nicht bAeutung^left-fte Sckiritt zum Wie. bcranffti.'g des deutschen Volkes fein. Mehr noch als im Glück heißt es jetzt in Schmerz und Leid für alle: Teutschlmä» über alles. -Beifall.)

Vizepräsident Haußmann: Worttnelduuae» liegen nicht vor. Tic erste Beratung ist gckchlossar

Damit ist die Tagevrdnung erschöpft.

Nächste Sitzung: Montag, 10. Februar, nach» mittags 3 Uhr: Zweite Benmrna des Qauöurftf über die vorläufige RrichSverftmung.

Dir AemtrnettrUmiß.

Weimar, 8. Febr. (DTV

Ufingen.) Infolge ber Dahl Dr. Drittos yun Präsidenten oer Nationalversammlung trat der Abg. Hoch in den Mehrhertssozialistischen Vorstand ein. Nach bisher vorliegenden Mel­dungen wird in politischen Kreisen allgemein damit gerechnet, daß zum Reichspräsidenten Ebert gewählt werden wird, Reichsminister» Präsident, der wieder Reick)skanzler genannt werden soll, würde voraussichllich Scheibe­mann werden, der sofort zur Bildung des Kabinetts schreiten würde, in diesem wird jedenfalls der Staatssekretär des Auswär­tigen Graf Brockdorss-Rantzau das Auswärtige Amt übernehmen, Rcichsvertcidi- aungsminister wird jedenfalls N o s k e wer­den. Als Kandidaten für die Reichskolonial- mnt werden Dernburg,Erzberger und Frhr. v. Richthofen genannt. Aitßerdem verlaittet, daß Staatssekretär des Reichswirt- schaftsanttes Dr. August Müller durch den gegenwärtigen Staatssekretär des Temobil- machungsamtes General th ersetzt werden soll, der vorher Leiter der Kriegsrohstoff- abteilung int Kriegsministerium war.

Pressemeldungen zufolge macht das Zentrum feine Beteiligung an der Regie­rung davon abhängig, daß die Trennung von Staat und Kirche in Der Verfassung ausdrück­lich ausgeschlossen wird.

Em Antrag der Unabhängige».

Weimar, 8. Febr. (WTB.) Der Natio­nalversammlung ist folgender An trüg der Un­abhängigen zugegangen: Die Nationalver­sammlung ist sofort von Weimar n-ch Berlin zu verlegen. /

Die Verner Konferenz.

Bern, 8. Febr. Durch die Ankunft zwrie- irischer Delegierten ist die Zahl der Vertreter ate 102 gestiegen. Auch Bernstein ist heute Vor mittag eingetroffen. \

Macdonald legt bie Stellung ber frritv schm Arbeiterpartei zu den Fragen ber Nationali­täten, der Kolonien und ber Besetzung strategiscb«' Punkte bar. Die britische Arbeiterpartei tritt i'ribst» verständlich für die Selbstregierung in Irland ein. F-ür Aegypten sollen die gleichen Grundsätze wir für Indien angewandt werden.

3nf Solonialfragk

verweist Macdonald auf das Londoner Memoran­dum der Ententesozialisten vom, Februar 1318. Dort ist in einer auf die Anregung der britischen Arbeiterpartei zurückzuführenden Resolution die Möglichkeit der Rückkehr eroberter Kolonien an das Volk, das sie vor dem Kriege belaß, ober ein gleich­wertiger Austausch zugcstanden worden Was ha von Englaick» besetzten sttategisckxn Punkte betrifft, so gibt die britii'dte Arbeiterpartei zu, daß daS Selbstbestimmungsrecht, z. D. auch für Cyveri, an« iuerümnai ist. Die britische Deirgaräm ftinuuX fös