Ausgabe 
9.7.1919
 
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Die

ist soeben erschienen.

mtrumsabgeordneten Dr. Schmitt und Genossen ersuchen, der Volkskammer recht bald Mitteilungen zugehen zu lassen, wie die Ne­gierung hie auf der Provinz Nlunnhessen und den übrigen besetzten Gebieten Lassens auch für die Zukunft bestehen bleibenden Belastungen, die durch Regikisitionen, Einquartierungen usw. entstehen, mildern will und form, sowie ferner bei der Reichsregierung entsprechenden Ersatz zu erwirken. Der von dem Abg. U r st a d t verfaßte Bericht über das Landgesetz, der 16 Druckseiten umfaßt,

Aus Statt rrnd Land.

Gießen, den 9. Juli 1919.

**UnserRoman mußte wegen allzu großem Platzmangel heute leider nochmals Zu­rückbleiben.

** Han del mit Frühobst. Zahl­reiche Anfragen aus den Kreisen der Obst­erzeuger und Obsthändler lassen erkennen, daß Unklarheiten über den Handel mit Frühobst bestehen. Der Handel mit Frühobst ist frei- gegeben. Das Re «He rnährungs Mini­sterium hat sich wiederholt gegenüber den An­trägen der Regierungen einzelner Freistaaten dahin ausgesprochen, daß irgendwelche Be­schränkungen des Handels mit Frühobst, sei es durch Vorschrift von Versandscheinen oder andere Absatzbeschränkungen, nicht erlassen werden können. Anordnungen über den Ver­kehr mit Frühobst, die Absatzbeschränkungen enthalten, ermangeln daher der Rechtsgrund­lage und sind ungültig.

**DerdurchweichendeRegen ist endlich, nach wochenlangem Warten, einge­troffen. Gestern nachmittag und verflossene Nacht zogen wiederholt heftige Gewitter durch das Lahntal und brachten unserer Gegend, die bis jetzt mit Regen reck)t stiefmütterlich bedacht Ivar, die entbehrte Feuchtigkeit. Die Landwirte schauten bereits mit Besorgnis in die nächsten Wochen, denn die Pflanzen konnten nicht ge­setzt werden, und die Dickwurz- und Gemüse­pflanzen, die bereits gesetzt waren, sind viel­fach vor Trockenheit zugrunde gegangen. Da­zu kommt die Futterknappheit. Der zweite Klee konnte nicht wachsen, das Grummetgras hat kaum angesctzt, und die Viehhalter waren gezwungen, die bereits geringen Vorräte der neuen Heuernte anzugreifen. Auch Gerste und Hafer, Bohnen und Gurken hatten den Regen dringend nötig. Die Frühkartoffeln, deren Ernte in 23 Wochen bevorsteht, werden sich nun hoffentlich and) noch erholen, so daß der Ertrag nicht allzu gering werden wird.

** Einbruch. Am verflossenen Sonntag wurde durch Einsteigen durck) das offene Fen­ster einer Wohnung in der Alicestraße ein gol­denes Medaillon mit Brillantsplittec, ein Paar Smaragd- und ein Paar Bcillantohr- ringe, 2 goldene Ringe, eine Korallcnkctte, eine silberne Bsosche, ein silbernes Kettenacm^- band, 2 Perlenketten und ein Medaillon Gold gab ich für Eisen entwendet.

** Au f Einladung des Studenten­ausschusses der Universität hielt Prof. Tr. Messer am Montag abend in der Aula einen Vortrag über die Aufgaben der akademischen Jugend in der Zukunft. Nicht auf die Zukunft warten, sondern an sie herantreten voll Ideen und voll Kraft, überzeugt und selbstbewußt, ist die Pflicht des Einzelnen. Der Geist, der den Ein­zelnen beseelt, muß Tat werden. In jeder politi­schen Auffassung ist Wahrheit. So sollen sich die Vertreter der verschiedensten Anschauungen in Unterredungen zusammen finden, um Gememsames festiustellen und sich in Grundanschauungen zu einigen. Das Wesentlichste ist, daß der Wille besteht, z«m Wahle einer Gesamtheit eine Grund­lage zu finden, aus der sich die eine möistichst große Menge umfassenden Glücksmöglichkeiten er­geben. Der Reoner regte an, in kurzen Zeit­abständen Versammlungen abzuhalten, in denen Sprecher der verschiedensten Meinungen zu Worte kommen sollten. Eine Diskussion, die er wünschte, kam nicht zustande, da sich niemand zum Worte meldete.

** Im Cafs Leib tritt täglich 7V1 Uhr die Konzert truppe der Chiemseer mit ihrem reichhalttgen, alle drei Tage wechselnden Pro­gramm (Musik, Gesang, Schuhplattler, Theater) auf. Wir werden gebeten, den dezenten Charakter der Veranstaltung hervorzuheben, der den hiesigen Familien den Besuch empfehlenswert macht.

** Eigentümer von ungarischen Wertpapieren jeder Art werden zum Schutz ihrer Interessen hiermit dringend aufgefordert, ihren Besitz unter Vorlegung der Stücke bei den hiesigen Banken bis zum 15. Juli anKumelden. (.Siche Anzeige.)

Landkreis Gießen.

O Lich, 4. Juli. Der hiesige Flvbcrt- Schützenverein, der 28 Mitglieder zählte, hat sich aufgelöst.

O Lich, 7. Juli. Der neugewählte Ge- meinderat hielt seine erste Sitzung ab. Bei­geordneter Heller führte die Gewählten in ihr Amt ein und verpflichtete sie, indem er den Wunsch aussprach, daß sie «stets das Wohl der Stadt im Auge haben möcksten und eigne und persönliche Interessen außer acht lassen sollten. Sodann wurde die Wahlkommission für die am 13. Juli statt- sindende Beigeordnetenwahl gewählt.

Kreis Lauterbach.

xi Sickendorf, 7. Juli. Eines plötzlichen Todes starb der in weiten landwirtschaftlichen Krei­sen unseres Landes bekannte und geschätzte Ober­verwalter des Freiherrlich RiedeseHchcn Hofes Sickendorf Herr Kiepe.

Kreis Friedberg.

bz. Bad-Nauheim, 9. Juli. Einen guten Fang machte unsere Polizei mit den gestern ver­hafteten Ausländern (Polen). Neben anderer Die­besbeute wurden ihnen 14 000 Mk. Bargeld und für 25 000 Mk. Juwelen abgenommen. Da die Sachen aus Diebstählen in Frankfurt herrühren, wurden die Spitzbuben mit sicherer Begleitung nach Frankfurt transportiert und der dortigen Polizei übergeben.

Rl.- Friedberg, 8. Juli. TaS früher hier garnisonierende dritte Bataillon des Jnf.- N e g t. 16 8 ist in der neuen Formation als Neichswehrrogiment 35 dieser Tage hierher zurück- gekebrt. Sein Verbleiben hängt davon ab, wie sich die Beziehungen zur Entente gestatten iverden. Es wird versichert, daß die Disziplin unter den Leuten ausgezeichnet sei, .nachdem vor kurzem alle unzu­verlässigen Elemente auögeschieden worden sind. Tas Zutrauen zur Reichswehr ist jedoch unter der Bürrprschast nicht allgemein, wenigstens ist in der Stadtverordnetenversammlung der Antrag ein­gebracht worden, zum Schutze unserer Stadt vor eventuellen Ueberfällen auswärtiger Plünderer eine Einwohnerwehr zu schassen. Die nächste Sitzung des Stadtvarlaments wird sich mit der Angelegen­heit befassen.

Starkenburg und Rheinhessen.

d. Nieder-Jnaelheim, 6. Juli. Es kostete hier das Pfund Kirschen 12 Mk., Stachel- I beeren 7080 Pf., Johannisbeeren 0,701 Mck.

möchte ich freilich nicht, daß totfere Schule eine Bvlizekschule sein und daß auch in solchen Fallen die Pädagogik eine seelsorgerische sein müsse. Zur wahren Toleranz gehört auch, daß man beim Gegner den guten Willen anerkennt unb nicht im Darteihaß das Trennende übertreibt. Herr Kollege Lenhart l-at gesagt, ich hätte bisher dem Katho­lizismus nur Wortzugeständnisse gemacht. Ich habe die SSertTitcr d.s Eat^oiil'cbe, Volksbildungswesens, darunter auch Herrn Sen bart, zu uniereu Be­ratungen zugezogen. Zur selben Stunde, als die Kritik an mir geübt wurde, lag ein Aktenstück im Bildungsamt vor, das der Jugend den Zutritt zu religiösen Vereinen gestattet. Um der ßsewissens- sreiheit müssen wir ihnen auch den Zutritt zu anderen Vereinen gestatten, aber in der Auswahl dieser Vereine, müssen wir uns von unserem pädagogischen Gennssen letten lassen. Das sBeveuiswesen ist in den Schulen zu pflegen um der Erziehung zum Gemeinscl>afts- gefühl willen. Auch die Serien vom Zentrum werden erkennen, daß in unser Schulwesen ein freierer Geist eingezogen ist. Ich stehe dem Katholi­zismus durchaus nicht so kühl gegenüber, Ivie mir Herr Lenh.rrt vorwarf. Ter Katholizismus kann nicht ausgeschaltt-t werden Aber auch Sozia­lismus und Temvkratie nicht, wie es früher der Fall war, eben um der Gewissensfreiheit wttlen. Mit dem Zentrum verbindet mich seine Sozial' polttik. Tas Zentrum hat eher ein warmherziges soziales Gewissensgefühl gezeigt, als der Protestan­tismus. Das gestehe ich als Protestant. Um viele Schrttbe ilähergetreten bin ich dem Zentrum durch seine Stellung zur Friebensfrage, an der sich bei den nächsten Wahlen nach meiner Ueberzeugnug die Geister scheiden werden Ich war schon vor dem Krieg ein Mitglied der Friedimsgesellschast. Herr Köllege Dorsch hat mich zwar als verschleierten Annexionisten bezeichnet, well aus einer Rede von mir in Friedberg epi Satz gerissen wurde. Ich habe Erzbergers Schrift über den Völkerbund voll -ugesttnunt. Ich Whtte mich eins mit ben Reden, die Prinz Max von Baden gehalten hat. Der Red­ner verliest ein langes Zitat aus den Werken Prof. Försters. In diesem Sinne will ich wirken auch auf dem Gebiete der Schicke. Sobald eine chauvini­stische Politik auch in ber Schule wieder getrieben tirirb, werden Sie mich nickst mehr auf diesem Platz sehen. (Zustimmung links.) Ich habe die Revolution nie als einen Segen betrachtet. Tas brauche ich nicht ju betonen. Wenn die linke oder die rechte Opcposttron immer mehr anschwillt, dann kommt es zur spartakistischen oder chauvinistischen Diktatur. Das kann nur auf dem Wege der Ver­nunft vermieden werden. Dem will ich auch mit meiner Volksblldungsarbett dienen. Ich hoffe dabei die Unterstützung wenigstens der Parteien der Re- gjerungsmehrhett zu finden. (Beifall links.)

Es tritt eine Pause ein.

Abg. Reiber (Dem.) nimmt das Landesamt für Blldungswesen gegen die Kritik in Schutz. Die Einheitlichkeit unb Zähigkeit der Angriffe gibt ein falsches Bild. Weite Kreise, insbesondere die Lehrerschaft, stehen von rechts und links ge­schlossen hinter dem Landesamt und begrüßen es, daß nicht mehr ein Jurist, sondern endlich ein Fachmann an der Spitze des Bildungsamtes steht. Wie Zentralstelle für Volksbildungswesen ist be­reits von dem Vorgänger des jetzigen Präsidenten, dem Abg. Urstadt. geschaffen worden. Die Wahl des Leiters der Zentrollstelle ist eine sehr gün- istige. Nur muß sie befjer dotiert werden, wenn dir Zenwalstelle ihren Ausgaben gewachsen sein faH. Die Rechte des Hauses hat sich sehr etfnrnt te&eifft durch die Kritik des Herrn Lenhart. Ich glaube nicht, daß die Einigkett auch andauern würde, wenn ein Zentrumsanh äug er Letter der Zentrale würde. Der SRebner begrüßt die Bildung von Ortsblldungsausschüsseu und von Ortsbiblio­theken. Die Zensur gegen die Schundliteratur und das Kiuounwesen ist zu erwägen. Der öden Ber- miügungsfuckst sollte durch Veranstaltung von Jugendsesten durch die Zentrale entgegen gearbeitet werden. Wir pflichten der Absage an den Intel­lektualismus bei. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Lehrpläne in diesem Sinne geändert werden. An dem Schwinden der Autorttät sind wir Lehrer vielleicht zum großen Tell selbst schuld durch unwürdige Bevormundung. In Bensheim erhielt ein Kriegstellnehmer, der ben Abschlußkurs am Lehrerseminar inttumcht, eine Stunde Arrest, well er auf der Straße eine Zigarette rauchte. (Heiter­keit.) Mtt unseren Sttasmitteln erreichen wir gar nichts mehr. Verantwortlichkeitsgefühl erreichen wir nur, wenn wir Verantwortung überttagen. Nur nicht zuviel Zett durch Erwägungen vcr- üeocn. (Beifall.)

Präsident Adelung schließt um 1 Uhr die Sitzung, da noch 5 Redner vorgemerkt find, von denen einige eine längere Redeangedroht" haben. (Heiterkeit.)

Nächste Sitzung: Mittwoch, vormittags. 9 Uhr.

Aus der Volkskammer.

nn. Darm stadt, 8. Juli. Das Ministe- rium des Innern hat der Volkskammer eine Borlag e ein gereicht, in welcher zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, im besonderen Schaffung von Aufnahmemöglichreiten für Ge­schlechtskranke bei der Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Gießen ein Kredit von 100 000 Mk. nachgesucht wird. Unter dem Truck des in der Vorlage geschilderten Notstandes wird um die Ermächttgung nachgesucht: 1. drei zerlegbare Baracken z uermerben, um sie auf dem Gelände der Universitätsllinik in Gießen zur Aus­nahme von Geschlechtskranken auszustellen, 2. die für die innere Einrichtung notwendigen Gegen­stände zu beschaffen, 3. etwa notwendigen Zuschuß zu den Betriebskosten aus Staatsmitteln zu leisten. Alles Erforderliche soll, soweit möglich, ausHeeres- beständen erworben werden.

Eine dringliche Anfrage des Abg. Dorsch wünscht Auskunft, ob bei Jeldbereinigungen die Mqssengrundstücke unter das Siedlungsgesetz fallen oder ob sie, wie bisher, im freien Verkehr verkauft werden können?

Die Zentrumsabgg. Knoll und Gen. be­antragen, daß die Negierung veranlaßt wird, den mittleren und unteren Beamten einen gleichmäßigen Urlaub, und 8war bis zum 40. Lebensjahre 3 und über dem 40. Lebensjahre 4 Wochen zu gewähren.

Hessen-Nassau.

H erbo rn, 6. Juli. Zwischen der hie­sigen Station und Burg wurde der Bauunter­nehmer Gries aus Herborn bei der Besichti­gung von Bahnerweiterungsarbeiten von dem GießenSiegener Schnellzuge überfahren und getötet.

Aus dem besetzten Nheingebiet.

= Königstein i. T., 7. Juli. Für den lommandierenden General der französischen Be­satzungsarmee im .Brückenkopf Mainz, General Mangin, wurde in der Vllla der Baronin von Rothschild Quarüer gemacht. Es ist darnach anzu­nehmen, daß das französische Haupt­quartier während der Sommermonate von Mainz nach Königstein verlegt wird.

mr. Königstein, 6. Juli. Der Arbetter Lorenz Graf aus Mamrnelshttn erhielt vom französischen Militärpolizeigcricht 1000 Mk. Geld­strafe und einen SDäonat Gefängnis, well er Zei- t ungen und Flugblätter aus dem unbe­setzten Gebiet geschmuggelt hatte. Seine Frau er» hielt wegen Beihilfe 2000 Mk. Geldstrafe, ein weiterer Helfershelfer 500 Mk.

mr. Frankfurt a. M., 6. Juli. Marschall Foch hat sich mit einer Verstärkung der Reichs­wehrtruppen in Frankfurt a. M. und Mann­heim einverstanden erklärt.

Turnen.

G ie ß en , 8. Juli. Ter Turnverein von 1846 begmg am Sonntag in seiner Halle ein Wetturnen. Angetreten waren 76 Wetturner. Geturnt wurde in drei Stufen: Aktive, Zöglinge und Schüler. Ein erfreulicher Fortschritt in den tumertf Ijen Leistungen konnte durchweg festgestellt werden. Am Nachimitdag war Schauturnen mit Konzert, dem die große Zuschauermenge reges Interesse ent­gegenbrachte. Abends bereinigten sich die Turner mit ihren Famillen zu einer Abendunterhaltung. Der erste Spreck-er, Univ.-L>ekr. Erle, ermähnte die Turner Wetter zu streben in der Ertüchtigung ihres Körpers, damit uns die Volkskvaft, die uns der Feind nicht nehmen formte, erl-alten bleibt. Tie turnerisck-en Ausführungen, besonders auch die der Tamenabtellung, fanden ungeteilten Beifall. Tie Sicgerverkündung batte folgendes Ergebnis: Tie fünf ersten Sieger der Akttven sind: Ehren­preis H. Neußer, 1. K. Erb (84), 2. A. Schuck und C. ©omnrer(bm (83), 3. E. Freitag (74), 4. N. Köhler (73), 5. H. Salzmann mit oöVt Punkten. Zöglinge: 1. K. Reuter (96), 2. N. Frecher (94Vz), 3. W. Koch (91Vz), 4. K. Spies (85), 5. W. Arnold mit 83V, Punkten. Schüler: 1. H. Tinges (80), 2. Fr. Pfeiffer (751/,), 3. Ehr. Ziegler (741/,), 4. K. Jost (73), 5. W. .Rinn mit 72V, Punkten.

H. Lang-Göns, 8. Juli. Tas Bezirks- wetturnen des 5. Bezirks des Gaues Hessen findet am 20. Juli statt. Für alle Teilnehmer (Turner, Zöglinge, Schüler) sind als Ucbungen vor geschrieben: Freiweitsprung (ohne Brett), Frei­hochsprung (ohne Brett), 100-Meter-Laufen, Ku­gelstoßen, eine Pflichtfreiübung.

Arrnft rind Wissenschaft.

Berlin, 8. Juli. (Wolff.) LautV. Z." ist gestern in Kiel Geheimrat Prof. Paul D e u s s e n, Phllosoph und Indologe, das an­erkannte Haupt der deutschen Schopenhauer- Gemeinde, im Alter von 74 Jahren gestorben.

SLtzrrng der Stadtverordneten.

(Schluß.)

Gießen, den 8. Juli 1919,

Tie wettere Tagesordnung erledigt sich ver­hältnismäßig schnell.

In der Ersatzwahl zu den Deputationen und Ausschlüssen für den verstorbenen Stadtver­ordneten Heichelheim wird von demokratischer Sette vorgeschlagen für den Finanzausschuß Stadtv. Noll, für die Verschon ßÜMnmission Stadtv. Hühn, für die Lebenömitteldcputation Stadtv. Erhard. Die Vorschläge werden angenommen.

Baugesuche.

Angenommen werden ohne Debatte das Ge­such des H K. Fießer für ein Gartenhaus auf seinem .Grundstück an der Georg-Phikipp-Gail- Straße, des Nathan Günther um Genehmigrmg für ein Holzdor für das Grundstück Wetzsteingasse 47 und Hemrick) Ger lach für fein Grundstück Koos- dorfer Strafte 12, des Ernst Niemann um Ge­nehmigung einer Einfriedigung für fein Grund­stück am ßetbgefterner Weg und des Braunstein­bergwerks für den Gasthof-Neubau am Leih- gefterner Weg, des Braunsteinbergwerks um Be- frciitng von den Vorschriften der H 5 und 18 des Ottsbausbcttuts, des Friedrich Schreiner für ein Gartenhaus auf dem Grundstück Flur XVI Nr. 55Vio, schließlich ein Gesuch der Baugenossen­schaft 1894 um Befreiung von verschiedenen Bau­vorschriften.

Bei dem Gesuch der Firma Gy. Ph. Gall um Genehmigung einer Einfriedigung an der Verbin­dungsstraße zwischen Sand-gasse irrti> Kirchstrohe, das ebenfalls genehmigt wich, bedauert es Stadt­verordneter Wachtel (Z.), daß ein schöner Garten zugemacht werde.

Beig. Krenzien weist daraus hm, daß die Mauer durchbvcxlien sei.

Stadtv. W inn (D. Bp.) erklärt, die Bau­deputation sei sich in diesem Falle einig, daß der Gartenzaun schöner sei, als die Aussicht auf die Hintergebäude.

Stadtv. Grvde (83: Die Befreiungen von Bauvorschriften haben sckMr vor dem Kriege den sÄdtischen und staatlichen Behörden viel Arbeit, ben Bauenden Zeitverluste, Geldausgoben und Ver­druß gebracht. Cs war deshalb schon früher ge­plant, bei der Beratung der neuen Bauordnung; aiid) die örtlichen Bauvorschriften einer zeitgemäßen Umarbeitung zu unterziehen. Ta aber bei der heutigen politischen Lage nicht abzu- zuiehen ist, wann das Gesetz,die allaemeine Bau­ordnung bett.", beraten wird, stelle ich den Antrag, ohire sstücksicht hierauf, die Abänderung der be­treffenden lokalpolizeillchen und ortsstatutarischen Vorschriften alsbald zu vernnlaffen.

Erhöhung der Gebühren für die Aus­grabung von Leichen. Die Baudeputation empfiehlt eine Erhöhung von 50 Prozent, so daß sich die Sätze nunmehr zwischen 150 und 200 Mk. bewegen werden.

Stadtv. KrauSmüller (D. Bp.) bittet, solche Anträge prinzipiell erst den Ausschüssen zu Überweisen.

Stadw. G m e l i n (D. Bp.) weist darauf hin, daß hi diesem Falle auch der Rechtsausschuß zu- gLKvgen werden muß.

Spielplätze.

Ter Sportverein Merkur imb der Verein für Bewegungsspiele haben Ueberlossung von Sport-1 Plätzen auf dem neuen Vichmarktplatz beantragt I

24000 Mark.

schicht dies lediglich aus

terial gemacht worden sind, haben diese Möglih

Außerhalb der Tasesvrdmmg

0 Srün^erg, Mtislermhl tun

Fabrik empfehle, so gt» oem Grunde, well ein

lungskosten der Schlackensteine wird wesentlich e wirken, wenn wir die große Schlackenhalde an btt Margaretenhütte mitver arbeiten. Die Proben

erheblich großer Wohnungsinangel herrscht, wczii der Mangel an geeigneten Baustoffen beiträgt. Ä bleibt fest bestehen, daß die Betonbauweise billigt: sein wird wie biejenige mtt Schlackensteinen. Stu­bern wirb sich bet Preisunterschied zugunsia: bet Schlackensteine dadurch, wenn der Fabri rattvneller eingerichtet wttb, wozu ca. 10 000 12 000 Mark erforderlich sind. Auf die

dos beste s .! für die seitherig

Stadw. Winn (D.B.): Wenn beute die Uebernahme der Fabrik emp

mitt

Zita«.

Hk Van

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Nach kurzer Verhandlung wird der Antrag an bit Baudeputotion und land- und .svrstwirtsck)astlich! Deputation zurückverwiesen. Die DeMtatwwcn werden beauftragt, für Spielplätze zu sorgen.

Verbot über das gleichzritise Mieten von mehreren Wohnungen.

Hierzu führt Beig. Krenzien aus:

Bei der ReAierung soll auf Grund der Skr-' ordnung zum Schutze der Mieter vom 22. Jmi« 1919 um Ermächtigung zu der Anorbnmrg nach. gesucht werben, baß jeber Abschluß eines Mie^ Vertrages innerhalb einer Wockie anzuzeigen ift, Wetter ermächtigt bie erwähnte Verorbnung biti Herabsetzung bes Mietzinses^ toenn er bie übliche und angemessene Höhe übersteigen sollte. Etwaigk! Nebenleiswngen bes Mieters gelten als Teil beit Mietzinses, ebenso eine für den Nachweis der! Mietsräume gezahlte Belohnung, soweit sie dm Vermieter mittelbar ober unmittelbar zufließt.

Das Ansuchen um Ermächtigung wird be. schlossen.

Bestandsaufnahme der Wohrmngrn.

Tie Wohnungsdeputation hat besckllossen, bq genauen Bestand an Wohnungen durch Revier« schutzleute und sachverständige Techniker ceufnchm^ zu lasserr. Nachl-er soll die Deputation die not« nenbigen Besckstüsse zur Beschlagnahme fassen. Tie Stadt ist hierzu in drei Bezirke eingeteilt. bie Bestandsaufnahme verlangen die SaclwerslLi> bigen 5 Mk., die Schutzleute 4 Mk. Pro L-vmd«. Tas macht eine tägliche Ausgabe von 604 Mtt Ta voraussillftlich Vier Tage erforderlich^sein wer­den, werden sich die Kostcrr auf etwa 3000 belaufen.

Stadtv. Sommer fTem.) regt ost, $n btp langen, daß die Inhaber der Wohnungen zugexq sein müssen, und beantragt daher, die Jnchrbv genau in Kenntnis zu setzen, wmm die Kom­mission erscheint.

Stadtv. Simon (Dem.) beantragt, bestimmte Straßen an bestimmten Tagen aufzunehmen.

Ter Betrag wird bewllligt.

Städtische Steirrfabrik.

Zu diesem von der letzten Tagesordnung an

kett ergeben. Durch die Verwendung dieses M» terials wird auch ein wertvolles Gelände fai> gemacht, Pas jetzt durch die Halle weniger g» braucht werden farm. Bon dieser Scte&nma mrs gehend, möchte ich Ihnen ben Äntaf xnb VL.

der Fabrik empfehlen und ben Äntre» stellen, bl Baudeputation zum AnLrnf und Betrftd ba Schlackensteinfabrü an der 9Rarflar>etatiteltte 45 WJ! Mark zur Verfügung zu stellen. Die Uebernshe der Sttnnfabrik ist nur ein Notbetrieb, der, rooa,

wieder aufgelöst werden sollte.

Stadtv. Sommer (Dem.) spricht für da; Antrag, bittet aber, auch andere Bauweisen toi den Lehmbau im Auge zu behalten.

Stadtv. Erhard (Dem.) hält den Schlack«^ stein nach einer Probe, die er selbst vornahm, üj feuergefährlich. , I

Stadtv. Görz (Zentr.) spricht ebarfall- M die Lchrnbauweise. Das Licher Schloh ist so vi baut. Eine Anzahl ton Ringöfen soll trorai' Steine haben, bie aus Mangel an Kohlen iriitii gebrannt werden können. Vielleicht könne die StnK Kohlen hierfür beschaffen.

Stadtv. W i n n (D. V.) erfEärt, dah die 5<w»l gefahc wohl bei Steinen aus Flugasche nicht axt bei solchen aus ausgebrannten Schlacken vorhi»? den sei. 51 I

Stadtv. Mann 0So&.) bemerkt, daß to Schlackenstein kein ideales Baumaterial, aber 1» nigftens sofort greifbar sei.

©tabto. Kraus müller (D- V.) lädt!i einer Versammlung des Instituts für Erftndsi tätigtot am Donnerstag ein, in der Architekt mann einen Vortrag über Ersatzbauweise bdtfl : werde. ''

Auf Anfrage des Stadw. Simon erV Stadw. Winn, daß sich der Preis der Schlön»'I steine vorerst auf 86 Mk. für 1000 Stück, sM schätzungsweise auf 65 Mk. stellen werde. j

Der Baudeputation werden zum Ankauf v» zur Uebernahme der Stettrjabrik 45 000 Mk. Iti

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Stadw. Höhn (Dem.) fragt <n, * » möglich ist, den Posten durch einen Angrstellla des Werkes zu besetzen. ,

Berg. Kren zien erklärt, daß hiettu ms

gesetzlicher Borschrrft ein Mann mit abgeschlosieue

Hochschulbildung erforderlich ist .

Stadtv. Michel (Dem.) rechtfertigt fub, seine gelegentliche Forderung bes konsesstonttSD Unterrichts mit dem Programm der bcmofrantiP^ Partei übereinstimme. J

Stadw. Otter (U. S. P.) bringt den DrM« lichtotsantrag ein, daß bie ausgewiesenen Bcaa>»V und Arbeiter als erste bei Wohnmrgsmögllchcruei berüHichtigt werden sollen.

Stadw. Simon (Dem.) antnrortet, da« als stlbstverstandlich schon geschehe. »

Stadw. Kling (D.-N.) erinnert an )errw| Antrag auf Wiedereinführung aufgehobei-I Haltestellen der Straßxichahn. r.l

Stadw. Fourier (U. S. P.) erimrert an * neu Antrag auf Gehaltserhöhung der AngesteulS» des Lebensrntttelamtes. ..

Stadw. Diehl (Soz.) beantragt, für l1.| städtischen Obst verkauf an den Marktlauben nne® daö Markensystem einzuführen.

Die Sitzung schließt fui» vor 9 Ubu

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welche vom Stadtbauamt von dem dortigen SR® 1 ; vmuf er in Li -.......11auch tu

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tun gen zum Preise von 28 000 Mk. zm erwerb« und Römer mtt 450 Mk. Gehalt vorläustg aui g vier Wochen und dann mit monatlicher Kündrguiq an zustellen. Ferner beantragt die BandeMtav die Bewilligung eines Betriebskapttals vv»