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Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Tie Wahlen zur verfassunggebenden deut­schen Nationalversammlung und zur ver­fassunggebenden hessischen Volkskammer.

Wir bestellen hiermit

a) zum Wahlvorsteher zu Burkhards'elden an Stelle des zurückge!retencn Bürgermeisters Hoffmann den Bäge.>rdncten Tamm: 6unt Stellvertreter des Wahlvorstehers daselbst bcn Gemeinderat Heinrich Haas:

b) -um Wahlvorsteher zu Watzenborn-Stein­berg an * Stelle des erkrankren Bürger­meisters Hirz den Mileorsneten Johannes Plstlipp II.; -um Stellvertreter des Wahl­vorstehers daselbst den stellvertretenden Bei­geordneten Georg Melchior Häuser..

Tie betr. Bürgermeistereien »vollen dies als­bald ortsüblich besann' nachcn lassen.

G Lest en, den 7. Jan a: 1919.

KreiÄaml Gießen.

I. B.: W e l ck c r.

B.cranntmachuuq.

Betr.: Die Wahlen zur verfassunggebenden deut- schen Nationalversammlung.

Die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung sind int ganzen Reich ans Sonntag den 19. l. M. festgesetzt worden. Die Wstimmnng beginnt vormittags um 9 Uhr nnb wird um 8 Uhr nachmittags geschlossen. Nachstehend bringen wir das Verzeichnis der Stimmbezirke, der Wahlvorsteher und ihrer Stellvertreter und der Wahlräume der Stadt Gießen.

1. Stimmbezirk. Wahllokal: Altes Rathaus, Markt- platz 14. Wahlvorsteher: Direktor Tr. Baur. Stellvertreter: Mctzgermstr. Ernst Ludwig Sack.

2. Sttmmbezirk. Wahllokal: Saal im Erdgeschoß des Justizgcbäudes, Ost-Anlage 15. Wahlvorst, Stadtverordneter Rektor Jann. Stellvertreters ztommerzienrat Mueller.

3. Sttmmbezirk. Wahllokal: SchulhauS, Schillert strastc 8. Wahlvorsteher: Stadtverordneter Rent­ner Wilhelm Löber. Stellvertreter: Landgerichts­rat Neuenhagen.

4. Sttmmbeztrk. Wahllokal: Schulhaus, Weft-?ln- lagc 43. Wahlvorstclrer: Stadtverordneter Rent­ner Georg Simon. Stellvertreter: Gewerlschasts- sckretär Albin Mann.

5. Stimmbezirlf. Wahllokal: Gewcrbehaus, K'irch- Üraße 16. Wahlvorsteher: Stadtverordn. Rentner Wilh. Plmtk. Stellvertreter: Professor Tr. Erb.

6. Sttmmbezirk. Wahllokal: Hotel Prinz Carl, Seltersweg 40. Wahlvorsteher: Stadtrerordneter Spcnglermeister Karl August Faber. Stellvcrtr.: Sckmeidermeister Johannes Diehl.

7. Stimmbezirk. Wahllokal: Alte Klinik, Liebig- strastc 16. Wahl vorött her: Stadtverordn. {Rentner .Heinrich Winn. Stellvertreter: Stadtverordn. Kaufmann Eduard Sttumm.

8. Sttmmbezirk. Wahllokal: StadthattS, Garten- sttaße 2, Sitzungssaal. Wahlvorsteher: Stadt- verordneter Geh. Kommerzienrat Siegmund Hei­chelheim. Stellvertreter: Geh. Kirchcnrat Pro­fessor Krüger.

9. Sttmmbezirk. Wahllokal: Alte Ohrcnklinilh Liebigstratze 20. Wahlvorsteher: Beigeordneter Krenzien. Stellvertreter: Apothekenbeiitzer Fritz Bauer.

10. Sttmmbezirk. Wahllokal: Universitäts-Biblio­thek, Keplerstraße 2. Wahlvorsteher: Justizrat Dr. Rosenberg. Stellvertreter: Geschäftsführer H<nnrich Fourier.

11. Sttmmbezirk. Wahllokal: Kvnfirmandensaal Liebigstratze 56. Wahlvorsteher: Univ.-Professor Dr. Mittermaier. Stellvertreter: Fabrikoircltor Friedrich May.

1.2. Sttmmbezirk. Wahllokal: RegierungSgebäude Landgras-Phllipp-PlatzZ. Wahlvorsteher: Bei­geordneter Geh. Kommerzienrat Louis Emmelius^ Stellvertreter: Stadtverordneter Geh. Kommer­zienrat Heinrich Schafsstädt.

13. Sttmmbezirk. Wahllokal: .Handelskammer-Ge­bäude, Lonystratze 7. Wahlvorsteher: Geh. Hof­rat Professor Dr. Jromme. Stellvertreter: Han- delskammer-Syndtkus Dr. Zeidler.

14. Sttmmbezirk. Wahllokal: Israelitisches ©e* meindebaus, Lonysttastc 4. Wahlvorstel-er: Pro­fessor Dr. Krausmüller. Stellvertreter: Wein- Händler Karl Kücl)el.

15. Stimmbezirk. Wahllokal: Unteroffizier-Speis», saal in Kaserne II an der Kaiser-Alice. Wahlvor­steher: Hauptmann Kienitz-Gerl-ff. Stellvertr.r Bizefeldwcbcl Reinheimer.

Gießen, den 6. Januar 1919.

Krcisamt Gießen. J.B.: Welcker.

Seitens der (Entente wird damit gedroht, daß das Reich für das Abhandenkommen und die Verschleuderung von j)ecresgut haftbar gemacht werden wird. Dis feindliche Presse versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß die Regierung absichtlich große Heeresläger von Waffen, Munition und sonstigem Heeresgut aller Art der Plünderung überliefert hätte. Dem muß mit aller Entschiedenheit durch die Tat entgegengetreten werden, und deshalb verlangt auch heute wieder das Reichs­oerwertungsamt die sofortige Ablieferung von Heeres- gut den zuständigen Behörden, um dadurch de» Frieden zu beschleunigen.

Aus StaSt und Land.

Gießen, den 9. Januar 1919.

Lebensmittel.

** Seifenverbrauchsregclung. Auf den Januar-Abschnitt der laufenden Seifenkarte dürfen ausnalMstocise außer der nuf Grund der Sei renk arte zuständigen Menge Feinseife von 50 Gramm weitere 50 Gramm K.-A.-Seife abgegeben werden.

** Freibank. Freitag den 10. Jan. werden von 24 Uhr die Nummern 1200 beliefert.

maßen gerechter Urteil zu fällen. Wenn wir nicht wirtschaftlich diele Entwicklung gehabt hätten, wären auch selbst Austeilungspläne, wie sie immer wieder den Alldeutschen zugeschrieben wür­den, nutzlos gewesen. Ebensowenig dürfe man die Schickd am Kriege mit Amerika in alldeutschen Hetzereien suchen. Amerika habe vom ersten Tage an unsere Feinde unterstützt uid einen deutschen Sieg zu verhindern gesucht. Alle Parteien seien für den U-Boot-Krieg eingetreten. Ferner sei ein offizielles Friedensangebot uns nie gemacht wor­den. Und dasalte System-, nach dem wir uns eben oft zurücksehnten, könne auch nicht den Untergang bewirkt haben. Rein, der Mangel an Lebensrnitteln, der schändliche Wucher und seine energielose Bekämpfung, allgemeine Flaumacherei, das ewige Besserwiffen, diese Einzelsünden, sozusagen die Erdolchung der deutschen Armee von hinten" ieien die wahren Ursachen des Zusammenbruchs. Da- zu noch eine Presse, wie sie sich das Ausland nicht besser wünschen konnte. Oder wären vielleicht in Amerika solcheinternationalen" Zeitungen, wie wir sic haben, möglich? Rechne man zu all diesen Um- ständen noch die feindliche Flugblatt-Propaganda und eine förmliche Organisation der Deserteure von feiten der Unabhängigen, so sei es nicht mehr allzu schwer verständlich, daß unser Vaterland nun hilflos zu Boden liege. Und was habe uns das neue System gebracht? Unsicherheit und Unordnung, Besetzung der schönsten Striche des deutschen Landes, erhebliche (Ent­wertung des Geldes, besonders im Auslande, drohen- den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch, Arbeits­losigkeit, Hunger und Anarchie. Zunächst heiße es handeln und arbeiten und die Regierung unterstützen, insoweit sie Ordnung schaffe und dem Volk nütze. Die Hauptaufgabe deutscher Zukunft aber sei die Pflege der geistigen Werte und Guter, ins­besondere die religis-sittlichen So richtet der Redner zum Schuß noch ein Wort an die an- wesenden Frauen und forderte sie zur, Mitarbeit für die religiöse Erziehung des Heranwachsenden Ge­schlechts auf. Die starke Lebenskraft des Christentums müffe unserem Staats- und Volksleben erhalten blei­ben und es durchdringen.

(Eine lebhafte Diskussion zwischen Anhängern und Gegnern der Pattei schloß sich den mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners an. Starken Widerspruch bei vielen Zuhörern ent» fesselte Herr cand. phil Seelbach, der als erster gegen die Ausführungen des Herrn Krumm Stellung nahm. Ungeteilten Beifall fand eine äußerst schwungvolle und zu Herzen gehende Rede des Herrn Pfarrer Schäfer über kirchliche und pädagogische Fragen. Herr Geh. Rat Haupt schloß die Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland.

**DicWirtschaftlicheVcreini- g ung her Privat-Ange st eilten von Gießen und Umgegend hält am Freitag den 10. ds. Mts., abends 7 Uhr, im Cafe Amend (Wintergarten) eine Versammlung ab.

** Z u eineröffentlichenTechniker- Versammlung sind alle techn. Beamten unb> Angestellten auf Donnerstagabend 7Vr Uhr in das Hotel Schütz hier eingeladen. Wir verweiset: auf die Anzeige in der Samstagnummer unseres Plattes.

** EinePatrouille der Sicher­heitswache nahm in der Nacht vom 7. auf 8. l. Mts. zwei Soldalen und einen Zivilisten fest, die mit Säcken gestohlenen Gutes schwer beladen waren. Die Feststellungen ergaben, daß die abgenommenen Waren im Betrage von etwa 1000 Mark aus einem hiesigen Lager mittelst Einbruchs erlangt waren.

** Don der Verband- und Kranken-Er- frischungsstelle des Roten Kreuzes am Bahnhof Gießen wurden im Monat Dezember 1918 an 7470 durchreisende Soldaten und Verwundete Erfrischungen ausgegeben; die Sanitätswache führte 277 Transporte aus und hat in 1137 sonstigen Fällen Hilfe geleistet.

** Zugverkehr und Achtstundentag. Zu dieser Notiz schreibt uns ein Arbeiter: Mit dem neuen Jahre hofften viele Hundette von Arbeitern der Strecke Gießen-Grünberg, daß die Arbeiterzüge etwas gün­stiger gelegt würden, aber vergeblich. Die Mißstände bestehen weiter, wohingegen die Vahnverwaltung we­gen vielleicht 50-60 Arbeitern, welche auf 3 Schichten im Bahnbetrieb beschäftigt sind, mehrmals am Tage Züge bis Grotzen-Bujeck gehen läßt. Es ist ja ganz schön, wenn man diesen Leuten so entgegenkommt, nur sollte man auch den anderen Arbeitern Gelegen­heit geben, zur Zeit nach Gießen und nicht so spät zu- rück zu kommen. Die ungünstigen Verbindungen er­regen (Erbitterung. Gerade vor den Wahlen sollte man aber die Arbeiterklasse nicht unnötig erbittern.

**DecAkahemische Gesangver­ein nimmt Montag den 13. Januar seine Pwben wieder auf.

**Jm Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße, muß wegen Ausbleibens eines Films ein airdcres Programm cingcschobcn iverden, das sich mit dem bereits angekündig­ten aber wohl messen kann. Aus der gleichen Maria-Widal-Scrie wird das sehr interessant: SchauspielKleptomanie" mit Maria Widal in der Hauptrolle gegeben. Es ist der geschickt durchgeführte Roman zweier Zwillings­schwestern. Außerdem wirdDie blaue Mari­ane" gegeben, ein Lustspiel in drei Akten mit Viggo Larsen in der Hauptrolle. Der Besuch ist sehr zu empfehlen.

Kreis Büdingen.

I. D r tenberg, 6. Jan. Gestern nachmittag 3 Uhr fand int Gasthaus .utr Post röte öffeuL'idjc Wählerversammttmg der Deutsch.i<rin'alen Dvlks- Partei statt, die von fäxufmann Weitzel -Hirzen­hain geleitet wurde mib in der itt ztveistündiger Aussührmtg Professor Dr. Werner-Butzbach sprach

Hessen-Nassau.

mr. F r a n f f u r t a. M., 8. Jan. Der heutige Arbeitspferdemarkt nxtr außerordentlich stark beschickt, doch fett 3c erstklassiges TurtcriaL Stark bemerkbar machten sich Militärpferde jehen Schlages vom Rufsenpfcrd bis zum schnreren Bel­gier. Die Preise waren sebr gedrückt. Für 2000 Mark traten anßerordetttlich schone Pferde zu ba­den. Durchschnittspreis war etwa 13001450 Mk. Militärpfl-rde weit darunter, schon für 500 Mk. er­hältlich. Schl acht Pferde 150300 Mk. Der Markt war um die Mittagsstunde noch nicht völlig ge­räumt. Hn 10 Tagen werden die n-raitfrurter Gaswerke ihren Betrieb einstellen müssen, da dir Franzosen die Lieferung von Saarkohlen abgelehnt haben und Dhibrfoblen wegen des Streiks augen­blicklich nicht zu beschaffen sind.

£1 Marburg, 8. Jan. In einer hier ab- gebannten Arbeitslose nversa mmlaina wurde die Bereitstellung von Notstandoarbeiten und Entlaiuing der roeiblidrin Hilfskräfte bet 2-tabti !cnb mf loverwolkung, sowie Erhöhung der Er- n»erbvlo,en Unterstützung verlangt.

[] N e u Habt (Kreis Kirchham), 8. Jan. Beim

** Verteilung der Wahlzettel. Die Stadtverwaltung ist durch die umfang­reiche Arbeit des Wahlgeschäfts derart belastet, daß ihr unmöglich ist, auch noch die Vertei­lung der Stimmzettel vorzunchmen. Die poli­tischen Parteien werden daher ersucht, für Ver­teilung der Stimmzettel selbst zu sorgen, wie das bisher der Fall gewesen ist.

** Die Sozialdemokratische Par­tei Gießen hielt gestern abend im-Stadt­theater vor dichtbesetztem, Hanse eine ösfentltche Wahlerversammlting ab, die teilweise einen ziem­lich erregten Verlauf nahm. Ter Vorsitzende, Ne- baftenr Vetters, polemisierte eingangs, gegen die Wahlversammlung der Deutschnationalen Volkspartei, die im gleichen Hattse getagt hatte, und verwahrte sich persönlich gegen den ihm ye- madjten Vorwurf, er habe früher einen annexro-- nistisch'n Standpunkt Der treten. Frau Ka u l- Offenbach legte dar, die Frau habe ohne Vor­bildung im Kriege ihren Posten voll und ganz ausgesullt und damit ihr Recht emnefen. in polr- ttschn Fragen mitzuentsclzeiden. Ter Kapitalis­mus habe sie dem Hause entrissen und der Mili­tarismus habe sie in die Munitionsfabriken ge­schickt, aber keine Partei habe sich für das Wahl­recht der Frau eingesetzt, außer der Sozia loemo--- fratic. Tie Sozialdemokratie habe e3 auch burri> gestcht, daher müßten ihr auch die Frauenstimmen gehörnt. Hierauf verteidigte die Rednerin den Achtstundentag, der es allein ermöglidje, daß die Eltern sich den Kindem widmen können, und er­läuterte die übrigen Prvgrammwtnkte. Vi-e- wackstmeist'N Kremser- Bad-Nauheim verteidigte als Mitglied des dortigen Solixnenrates die Ar­beit der A.- n. S.-Rate, die allein den völligen Zusammenbruch verhindert hätten. Drei Wochen vor dem Zusammenbruch hätten die Gwreral- komm andos den Vorschlag gemacht, die Partei- und Gcwerkschastsfekvetäre an die Front zu holen, um dort zu beruhigen. Die Bedingungen, unter denen das geschehen sollte, seien aber nicht anzu- nehmen getpefat, außerdem sei die Lage auch schon verloren gewesen. Tie Disziplinlosigkeit durch falsckie Belxrndlung der Mannscbasten habe allent­halben schon eingesetzt. Ter Kaiser, der nie einen Blick dafür gehabt, tvas im Volke vor sich gehe, habe zu spät abgedantt, und das beabsichtigte Flot­tenmanöver, durch das die Friedensverlxmdlun- gen durchkreuzt werben sollten, habe zur Ma- trosenrevolte geführt. Ta hätten die Soldaten­räte eingegriffen und durch Freiwillige die Ver­pflegung der Front ermöglicht. Ten eigentlichen .Anstoß der feindlichen Koalition gegen Deutsch- land führte oer Redner auf die Jnterviewpolitik Wilhelms II. im Jal/re 1908 zurück. Tie Zeiten seien zwar trostlos, aber die Sozialdemokratie könne Ho fen, Teuttckfland aus ihnen l-eranszn- führen. Es komme in der Politik darauf an, ob man etwas wolle und seinen Willen durchzu setzen vermöge. Das Yonne der einzelne nur durch Äsn^ schlnß an eine Partei. Hierauf ging auch dieser Redner ausführlich auf die Programmpuntte röt, erläut.Tle, was unter Vevgefellscha'tung kapila- ttstisck»en Privateigentums an Prodndi-msmitteln gemeint sei und sprach über Einheitsschule forvie die Trennung von Kirche und Staat. Ge.7en e'n- G!eichstelltrng mit den Unabhängigen und Spart.itisten verivahV'e >ich per Redner ent- schiet'en, erklärte es, aber lür durchaus anerlennens- roert, daß die Regierung es idjeue, Mensclxulel'en roeiterhin aus Spiel zu setzen Tie Sozialdeiwa- kratie »volle Ordmmg, Friert und Brrst bringen. Vernünttige Organisation und Bernuitft müßten wieder beiTfdxit und dann die Betriebe wieder in Gang gebracht werden. Ten A.- u. S.-Räten sei es gelungen, viel Unheil hintanznlxrlten, und auch Gießen sei heute mbitrer als frül-er, als die Studenten darin berumgeitnitt hätten. Tie teil­weise sehr derben Ausinhrnngen nahmen einen fo breiten Raum ein, daß die Polizeistunde dirrch ste schon überschritten wurde. An der Aussprache be­teiligten sich Herr B a u m g ä r t n c r, der die Lage her Frontarmee in den kritisckren Tagen schilderte und gegen die Einheitssckmle sprach, die mit der Forderi'ing freie Bahn dem Tüchtigen nid# iij Einklang zu bringen Tei, Herr Balser, der die Fabel \wn der geplanten Seeschlacht leider nickst nar genug dalnn richtigstellte, daß die Flotte fetrigticb als Flankrnscimtz der Flandernarni Menen sollte, und U werbe am ter Stephan, der nodrnal? di' Sckrnld'rage aaifollte, gegen die Versammlung der Tentsckten SSolkiartei polemi­siert' nnd das Paruiprowainm rechl.ertigte. Tas Schlußn»ort batte dar Hauptredner des lllhends, Bizewackgm-.-ister Kremser.

** Studentenversammlung. Die deutfch-na- tionalc Dolkspcttei hatte gestern abend die hiesigen Studenten und Studentinnen und deren Angehörige zu einer 2vahlversammlung im Saale des Hotels Für­stenhof cinaeladcn. Zunächst begrüßte Herr Geh Rai Pros Dr Haupt im Rainen der Ortsgruppe Gießen die zahlreich erschienenen Gäste und gedachte in einem kurzen geschichtlichen Ueberblick der eifrigen und be­geisterten Mitarbeit unserer akademischen Jugend an der politischen Entioi «hing des d urschen Volkes seit der Geburt des nationalen Einheits- und Reichsge- dankens. Sodann ergriff Herr Stadtverordneter Krumm das Wort zu einer längeren Rede. Indem er auf die Schwierigkeiten hhur es, die uns bei der Erörtern, i der Gründe unserer Niederlage entgegen treten, betonte er, daß gerade die Fra nach der Schi Id am Kriege in den letzten Jahren zu gründlich und cfrig gestellt wurde. Wenn man auch den Kon dürrenuieid Englands, die Reoancheidee Frankreichs und den Panflavismus als die eigentlichen Ursachen betrachte, so sei es doch schwer, rin eint er-'

Dvot Die Geiseln sterben vor Hunge,. Die Einwohner nähren sich von dem Fleisch ber in den Straßen verendeten Pferde. Die bol- schelvistifchen Elemente in Petersburg 'ählrn kaum fünf Prozent, jedoch verbindet sich eine große Einwvlmerzahl mit diesen, um etwas 511 essen zu haben. Petersburg ist in einen wirk­lichen Kirchllvf verwandelt. Jede Dis'nplin und Kvntwlle ist verschwunden. In der Stadr- derwaltung wird von oben bis unten gestohlen.

.yarttunm mrt einem Armeenvoloer traf ein jungrö Mann seinen Vater so unglücklich, daß biefer in der Marburger Klinik verschied.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd Anlage). Samstag, 11. Jarr Vorab.: 4.4o; morgens: 9.00; abds : 5.00 u. 5.40. Israelitische Religionsgesellschast. Sabbatseier am 11 Jan. Freitag abend. 4.25, Samstag vorm.: 8.30; nachm.: 3.30; Salüwt-Ausg. 5.40. Wochetr- gottesdicnst morgens 7.10; nachmtttagS 4.00.

Sofortige Ablieferung

von

Heeresgut

bei den zuständiaea Behörden 671d beschleunigt den Frieden. Beichivsrwertüogsaml, Berlin W 3, FriedridisiraBeBS

Letzte Nachrichten.

Die Kämpfe in Berlin.

Berlin, 8. Jan. Tas Reichstags­gebäude ist von den Regierungstruppen regel­recht zu einer Festung ausgebaut worden. Ucberall sieht man Maschinengewehre aus den Fenstern hervorlugen und auch aus den Dächern des Rcichs- tagsgehaudes stehen Geschütze. Tie Leitung der regi.Tungy treuen Truppen im Reichstugsgebäude hat derVorwärts"-Nedakteur Kuttncr. Tie Spartakusleute versuchen, das Rcichstagsgebäude mit allen Mitteln in ihre Hand zu bekommen. Sie wolleit die Uebergabe erzwingen und gingen mit Maschinengewehren, Handgranaten und Ge- wcbrsalven gegen das Gebäude vor. Ein regel­rechter Feuerkampf ist int Gang. Unaufhörlich knattern das Maschinengewchtteuer und die Ge­wehrsalven. Tazwiscl>en vernimmt man weitlstn die dumpfe Tetonalion der explodierenden Hand­granaten. Tas Reichstagsgebäude ist trotz dieser toüften Kämpe von einer riesigen Menschenmenge umlagert. Bisher wurden alle Angrisse gegen das Gebäude abgeschlagen. In der gl ei dien Zeit sanden heftige Kämpfe um dasBerliner Tage­blatt" statt. Negierungstruppen, man sagt, An­gehörige der Charlottenburger Sicherheitswehr, versucksten, das Gebäude, in dem Spartakus sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, zu nehmen. Tas außerordentlich stark mit Maschinengeioehren geschützte Gebäude desBerliner Tageblattes" aber mußte den Spartakusleuten überlassen blei­ben. Ter Kampf endete auf beiden Seiten recht verlustreich. Man sprack» von 13 Toten und vielen Verletzten. Ncgierungstreue Truppen haben die russische ZeitungWranja", die in Berlin er­scheint, besetzt. Ebenso ist es gelungen, dieRote Fahne" zu überrumpeln. Spartakusleutc batten sich aus den Hof der Truckerei ihres Parteiblattes bfntcr Papierrollen verbarrikadiert, die mit Ma­schinengewehren bestückt waren. Nach kurzem Kampf konnten die Regierungstruppen das Bollwerk neh­men und die Redaktion besetzen. Ferner wurden die Telephonverbindungen der Spartaknslührer ab­geschnitten, so die Telephonverbinoungen Lieb­knechts und Rola Luxemburgs und die Telephon­verbindung mit der Petersburger Telegraphen­agentur (Rosta"). Auch der Telephondierist mit der Rcdattion der unabhängigenFreiheit" und mit dem Berliner Polizeipräsidium arbeitet nicht mehr.

Berlin, 9. Jan. Für die Külmheit der Spartatttsleute ist es bezeichnend, daß an Pen Anschlagsäulen heute rrn Plakat erscheinen konnte, auf welchem man sieht, wie eine erbitterte Volksmasse Sch ioemann aufhängt: barunter stehen nur die lakonischen Worte: Am 10. Januar. Es wird erzählt, daß die Spar akusleutc, um An­hänger zu nrrben, ein Handgeld von 500 Mk. und röte monatliche Löhnung von eben aiß 500 Mk. zahlen. Tic Regierung hat jetzt fünfhundert Studenten angercorben, bereu Beira'mung be­reits stattgesunden hat. Tie einzelnen Studcnten- fombagnien werden von Frontoffiziere"! geführt, "'i :^ahl der Regierungstruppen soll jetzt auf 7080 ODO Mcnn anrcnxidjf.'n sein. Ra < uc c.cn Mitteilungen soll Hindenburg doch in Berlin cingetroiicn sein. Man erwartet sch.,n von seiner bloßen Änwrönheit einen Einssuß auf die regie­rungstreuen Truppen.

Berlin, 10. Jan. Heute zwischen 9 und 10 Uhr vormittags hat sich beim Gebäude von Mo s sc ein he tiges Feuergesecht entwickelt. Wie dieDeutsche Tageszeitung" ^eldet, haben sich die Studenten der Technisa.e.l Hochschule auf Aufforderung des Kommandanten Noske der Negierung zur Verfügung gestellt.

Berlin, 10. Jan. (WTB.) Sämtliche Blätter, die hröte erschienen sind, sprechen die Entartung aus. daß der heutige Tag yi ern­sten Kämpfen führen wird. Der Belage­rungszustand, von b' f ri Hicklärung das Z-Ulir-Äbendülatt" sprach, ist noch nicht ver­hängt, doch stehen in den westlichen Bo.orten von ausunirto gelvunnene Truppen bcrelt, und ein Aufruf des Bürsten-ates st'rdert^zum Ein­tritt in die republikanische Volköwehr auf.

Tie Straßrubahnen Huden ihren Betrieb noch nicht wieder ausgenommen, dagegen ver­kehren die Stadtbahn, -Hochbahn und die Vor­ortbahnen, auch ein größerer Teil der übrigen Bahnen.

Während der Nacht kam e- in verschie­denen Te len der Stadt zn Fenergefechten und ;usammciistößen. DieR eichsdruckerei ward in später Nachtstunde von den Rkgierungstrup- pcn wieder besetzt. Vor dem Hause desW o lsf- schen Telegraphen-Bureau" kam es zn Zusa menstößcn, bei denen 1 Mann von den Spattakisten und der Chauffeur eines vorbei- sabrenden Automobils, da« Milch beförderte, getötet worden. Das Wolffsche Telegraphen- bureau, das noch immer von einer Spartakus wache besetzt ist, hat seinen Letricb noch nicht wieder aufgenommen.

Eine Prote st Versammlung von 5500 Ang-stellten, sowie Reta teuren des V c r l a g s U l l st e i n g g n dcn G.waltstreich fans statt. Zu diese - Versammlung l,st tm sie das Ansinnen, in st>^t ikistisckir Dienste zu tre­ten, mit aller Ent.ch.edenhtit ab. In dem

Zeitungsviertel, wo sich auch Die Reichs» Druckerei bcfiNÄ^t, schte das Schießen walirend der ganzen Nacht nicht aus.

Gcsahr für drn Waffenstillstand.

Berlin, 10. Fan. (Privatmeldung.) (Eiernen. ceausHomme libre meldet, daß Frankreich die Verhandlungen mit der deutschen Waffensittstands- Kommission abbrechcn und sie umgehend aus dein be­setzten Gebiete fortschicken werde, falls eine bolsche. wistische Regierung in Deutschland gebildet werde.

Ludcndorss wieder in Deutschland.

Berlin, 8. Jan. General Ludendorff hielt sich bisher im Einverständnis mit der Regierung in Stock. Holm bei seinem Schwager auf. Infolge der in letzter Zeit gegen ihn gerichteten Angriffe hat er sich veran­laßt gesehen, die Regierung um die (Erlaubnis zur Rückkehr nach Deutschland zu bitten. Diese Er­laubnis hat die Regierung erteilt und General Luden­dorff ist bereits in Deutschland eingetroffen. Dagegen hat er sich verpflichten muffen, Berlin nicht zu betreten­der Äohlenmangcl.

Berlin, 10. Jan. Infolge Kohlenmangels hat die elektrische Straßenbahn ihren Betrieb eingestellt.

.Bolschewismus in Wien?

Wien, 10. Jan. (WTB. TasDimer Abmdblatt" meldet, daß 20 russische Bolsckn'ivistm, deren Aufgabe es sein soll, cbe.tsv wie in Deutsch­land eine bolschewistische Aktion cinjulröcn, hier eingetrosfm sind.