169. Jahrgang
Donnerstag, Januar M9
Der Velagerungzzustand über Berlin.
,A,cht-Uhr-
imb treuen Wahlrecht zeigt folgendes Beispiel:
Zu
trete zu wählen sind. Der Name des ort erster
Stelle genannten Bewerbers di.nt zur Bezeich- dort gestern abend noch ein Gefecht abgespielt Hai, nung des Wahlvorschlags. StroickMNgen an den wobei es auf der Seite der Gegner der Unteroffiziere
Verluste gegeben hat. Gegen 7 Uhr abends wurde
Wahl Vorschlägen (Stimmzetteln) zur Nalioualver-
wollen.
Ausschreitungen der Spartakisten in Dortmund und Düsseldorf.
Weise gewählt oder Konstituiert sein must und die sichere Gewähr für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung innerhalb ihrer Grengen bieten. Die Lieferungen werden sich in einer Höhe halten, die bei entsprechender Rationierung eine ausreichende Lrnäh«
Die Versorgung der deutschen Bevöl- kernng mit Lebensmitteln.
München, 8 Jan. (WB.) Die „Münchener Neuesten Nachrichten" melden aus Basel: Die amerikanische Lebesmittelkommission ist, wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, nach den ihr von ihren in Deutschland weilenden Vertretern zugegangenen Berichten gewillt, die Versorgung der deutschen Bevölkerung nach folgenden Gesichtspunkten und unter folgenden Bedingungen zu übernehmen
Mit den Lieferungen soll begonnen weiden, wenn es die Notlage dringend erfordert, jedenfalls aber sogleich nach Abschluß des Präliminarfriedens. Es sollen zu diesem Zweck iw den an Deutschland grenzenden
Die Zustände in Petersburg
P a r i s, 8. Ian. (WTB.) Uelcr Stockholm meldet unter dem 7. Januar eine russische Telegraphcnagentur, daß in Peters- bürg Lebensmittel und Kohlen fast: vollständig fehlen. Die Gefangenen erhalten, nur zwei Suppen in der Woche und gar kein
Die Lage im Osten.
Posen, 8. Jan. (WTB.) Heber die Lage in den Provinzen Posen und West- Preußen erfährt das Wölfische Te egraphen- Vureau: Bei Jagdschütz (Kreis Bomst) versammeln sich deutsche Truppen mit Artillerie. Nakel ist wieder in polnischen Händen. Nördlich von Nakel bei M wischen sind die Kämpfe unentschieden. Kolmar ist in deutscher Hand. Die Deutschen rücken auf Wollstein vor. Bei Lissa etivas nördlich von der Stadt wird das Bahngeleise von den Deutschen aufgecissen. Britischen ist in deutscher Hand.
Das Vordringen der Tschechen.
Troppau, 7. Jan. (WTB.) Die Tschechen besetzten Freudenthal, ZuckmäNtel und BGrniseg.
,'reit zugenommen und gehen weiter.
Eine Ankündigung der Regierung.
Berlin, 8. Jan. (WB.) Die Regierung veröffentlicht folgenden Aufruf: Mitbürger! Spartakus kämpft jetzt um die ganze Macht. Die Regierung, die binnen 10 Tagen bto-teeie (Entfaltung des Volkes über fein Schicksal herbeiführen will, soll mit Gewalt gestürzt werden. Das Volk soll nicht sprechen dürfen, seine Stimmung soll unterdrückt werden. Die Erfolge habt Ihr gesehen. Wo Spartakus herrscht, ist jede persönliche Freiheit und Sicherheit aufgehoben, die Presse unterdrückt, der Verkehr lahmgelegt; Teile Berlins sind in die Stätte blutiger Kämpfe verwandelt, andere sind schon ohne Wasser und Licht, Proviantämter werden gestürmt, die Ernährung der Soldaten und Zivilbevölkerung wird unterbunden. Die Regierung trifft alle notwendigen Maßnahmen, um diese Schreckensherrschaft zu zertrümmern und ihre Wiederkehr ein für allemal zu verhindern Einschneidende Handlungen werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es must aber gründliche Arbeit getan werden und die bedarf der Vorbereitung. Habt nur noch kurze Zeit Geduld. Seid zuversichtlich wie wir es sind, und nehmt Euren Platz entschlossen ein, für die, die Euch Freiheit und Ordnung bringen werden. Gewalt kann nur mit Gewalt bekämpft werden! Die organisierte Gewalt des Volkes wird der Unterdrückung und der Anarchie ein Ende machen! Teilerfolge der Feinde der Freiheit, die von ihnen in lächerlicher Weise aufgebauscht werden, sind nur von vorübergehender Bedeutung Die Stunde der Abrechnung naht!
Berlin, 8. Januar 1919.
Die Reichsregierung:
Ebert, Scheidemann, Landsberg, Noske, Wiffel.
Kundgebung für die Neichsregierung in Mannheim.
Mannheim, 7. Jan. Heute mittag hatte die Sozialdemokratische Partei zu einer Demonstration gegen Spartakus aufgefordert. Mittags um 12 Uhr verließen die Arbeiter und Angestellten die Betriebe und sammelten sich auf dem Meßplatz, von wo sich dann der Zug durch die Stadt bewegte. Immer mehr Personen schlossen sich ihm an. Vor etn?a 50 000 Personen hielt bann der frühere Reichstagsabgeordnete und Mannheimer Kandidat für die Deutsche Nationalversammlung, Oskar Geck, eine Ansprache. In einer einstimmig angenommenen Entschließung bekannte sich die Versammlung für die Regierung Ebert-Scheidemann und versprach, wenn nötig, durch die Tat für Ruhe und Ordnung sorgen
gemeldet, daß vom Höllischen Tor aus ein mit Maschinengewehren bewaffnetes Automobil sich dem Wilhe msplatz nähere, um die dortige Sperrkette zu durchbrechen. Als das Automobil in die Nähe kam, eröffneten die Unteroffiziere mit Maschinengewehren das Feuer; dabei gab es sehr viele Verletzte und lote. Das Automobil machte schließlich kehrt. In der Chariten wurden 14 und in einer Unfallstatton 7 Verletzte abgeliefert, während am Abgeordnetenhaus mehrere Tote aufgebahrt sind.
Berlin, 8. Jan. (WB.) Bluttge Kämpfe spielten sich im Lause der Nacht auch am Anhalter Bahnhof ab, in besten Nähe sich die Druckerei des Spartakus-Bundes befindet. Die Versuche seitens der Spartakisten, den Bahnhof zu besetzen, wurden von Regierungstruppen mit Hilfe von Soldaten, die gerade von auswätts eintrafen, abgeschlagen. Die Verluste der Spartakusleute sollen erheblich sein. Im Laufe des heutigen Vormittags wurde an vielen Stellen der Stadt lebhaft gefeuert Gegen 107., Uhr eröffneten die Spartakisten am Brandenburger Tor, das in der Nacht von Regierungstruppen unter Führung des Mehrheitssozialisten Kuttner genommen worden war, eine lebhafte Schießerei, die bis in die Nachtstunden andauerte und verschiedene Tote und Verwundete zur Folge hatten. Die auf den Dächern der Reichskanzlei befindlichen Regierungstruppen bestrichen die Richtung Unter den Linden, in denen sich die Spartakusleute aufhielten, und die Wilhelmstraste dauernd mit Maschinengewehrfeuer, sobald sich jemand den Regierungsgebäuden näherte. Um 1172 Uhr schwoll das Feuer stark an, namentl ch in der Nähe des Brandenburger Tores, das ebenso wie die angrenzenden Häuser der Südseite der Straße Unter den Linden noch von Regierungsttuppen beseht ist. Die Spartakusanhänger dagegen haben die Dächer in der Dorotheenstraste in der Nähe der Kriegsakademie mit Maschinengewehren besetzt. Bei den Feuer-
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für Gruppe C 15 200 Stimmen. Tann hätte nach früherem Recht die Gruppe C gesiegt, n?cU sie die absolute Mehrheit der Stimmen erlangt hat, und nur die Kandidaten der Gruppe C wären gewählt, obwohl die beiden mtbern Gruppen zusammen 14 400 Stimmen hatten. Nach dem Verhältnis- walstshstem würden der Gruppe A mit 8000 Stimmen 2 Abgeordnete, der Gruppe B mit 6400 Stimmen ebenfalls 2 Llbgeordnete und der Gruppe C mit 15 200 Stimmen 4 Abgeordnete zufallen. Es entfallen also auf jede Gruppe soviel Abgeordnete, als der Zahl der Wähler der einzelnen Gruppen entsprechen, und es Eamt in den gesetzgebenden Körperschaften auch der Wille der Minderheiten zum Llusdruck gebracht werden.
„ Neu eingesül)rt ist die L i ft enwa h l, d. h. die Wähler stimmen künftighin nicht mehr für einen Kandidat, sondern sie geben ihre Stimmen gleich für mehrere Kandidaten, für eine ganze Lifte oder einen Wahlvorschlag ab. In Hessen umfaßt diese Liste für die Nationalversammlung 9 und für die Landesversammlung 70 Mmen, ba 9 Abgeordnete zur Nationalversammlung mtb 70 Abgeordnete zur Landesversammlung zu wählen sind. Das jgttnze Land bildet einen Wahlbezirk, in dem alle Abgeordneten zu wählen sind. Ter Wahlvvr- schlag darf nicht mehr Namen enthalten, als Ab- golwdnete zu wählen sind. Dagegen brauchen nicht soviel Bewerber genannt zu werden, als Abge-wd-
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erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Gtetzroer Hamilicndlütter;
Kteisblcrt für den Kreis Siehe«, vcznyrprelr:
nwnatl. Alk. 1.35, vierteljährlich Mk. 4.05, durch Abhole- tu Zweigstellen nwnatl. Alk. 1.25; durch die Post Mk. 4.05 viertel- jährt. ausschl. Beltellq. Fernsprech - Anschlüsse: für hie Sd)rift(eiluiigll2 Verlag,V>eschäslsstelle51 Anschrift für Drabttiacl)- richten: Anzeiger Stehen.
in einem Wahlbezirk seien abgegeben worden für Gritppe (Partei, A 8000, für Gruppe B 6400 und
dieser Teil zahlen unter Umständen noch eine so sgroße Zahl, daß auf diese verbundenen Listen noch ein Abgeordneter entfältt. Es ist deshalb ohne Weiteres klar, daß diese Listenverbindung, »venu sie im ganzen Reich von den bürgerlichen Parteien durchgeführt würde, eine immerhin nicht uuerhelr-, liche Vermehrung der bürgerlichen Abgeordneten' bewirken, unter Umständen sogar von ausschlag- gevender Bedeutung sein kann. Gmelin hat unter Zugrundelegung der Zahlen der Reichslagswahl rtzin 1912 berechnet, daß die Bürgerlichen ohne Listenverbindung 238 Sitze und mit Listenverbin- iXung 253 Sitze, also 20 mehr, erhalten würden. Es trifft deshalb Parteien und Parteivorstände, die einer Liftenverbindnng entgegenarbeiten, eine große Verantwortung, uird es kann intr immer wieder bei Wunsch ausgesprochen werden, daß die bürgerlichen Parteien, die so gerne den Satz: „Das Vaterland !über die Partei" betonen, die Gefahr, die durch eine sozialistische Mehrheit droht, nicht unterschätzen, daß die Parteivorftände sich ihrer Ver- anttoortung voll bewußt sind und nicht ans reinen Parteiinteressen eine Listenverbindung aller Gruppen ablehnen, durch die ja einem späterem selbständigen Handeln in den gesetzgebenden Versammlungen nicht vorgegriffen wirb.
Heute ist es aber mehr als früher Pflicht, daß Jedermann am Wahltage an die Wahlurne tritt. Gerade weil bei der Verhältniswahl jede Stimme gewertet wird, und auch die Minderheiten zur Geltung kommen, ist jede Stimme von Bedeutung. Es ist nicht zu verstehen, daß bei dem Ernst der Zeit, wo die höchsten und heiligsten Güter des Volkes in Frage kommen, immer noch Bemerkungen zu hören sind, wie: „Ach, auf eine Stimme kommt es nicht an" ober: „Ich habe noch nie gewählt, da wähle ich jetzt auch nicht" oder gar: „In unseren Kreisen wählen die Frauen nicht". Nein, Wahlrecht ist heute Wahlpflicht. Die Sozialdemokratte weiß, daß ihre Jugend und ihre Frauen ohne Ausnahme wählen, sie rechnet mit der Lauheit der bürgerlichen Wähler. Deshalb allein hat sie das Wahlrecht ausgedehnt. Sie soll sich aber geirrt haben! Jede Stimme wiegt heute doppelt schwer. Deshalb darf kein Mann und keine Frau am Wahltage an der Wahlurne fehlen.
rung sicherstellen.
LcbenSmittelnot in Wien.
Leipzig, 8. Ian. (WTB.) Wie das „Lripz. Tagebl." aus Zürich meldet, hält nach eurer Meldung der „Züricher Post" die furchtbare Lebensmittelnot in Wien an. Nach amtlicher Angabe sterben in Wien täglich 400 bis 500 Menschen an Krankheit und Hunger.
Wien, 8. Ian. (WTB.) Wiener Korr.-Bur., Tie hier weilende amerikanische Kommission jur Prüfung der Lebens Mittelverhältnisse Wiens war, wie der „Reichspost" von uu terri ch-- teter Seite mitgeteilt wird, von den Bildern test’ Elends und Grauens, die sich ihnen in den £tmn> Heren der Armut darboten, rief erschüttert. Dis Kommisswnsmitglieder erklärten einmütig, daß nach ihrer Ueberzeugung die Entente alles tun werde, um dieser Not ein Ende zu machen. Es werde für rascheste und ausreichende Hilfe Sorge getragen werden.
Wiksou wieder in Pari».
P aris, 7. Jan. (W.) Wilson ist, von Genua kommend, mit Frau und Tochter heute nachmittaz in Paris eingetroffen.
Paris, 8. Ian. (WTB.) Havas. Tie Eröffnung der offfziellen, Besprechung über den Frieden vor dem 13. Januar wird durch die Tatsache erleichtert werden, daß Wilson auf Anraten seines Arztes sich in Paris 48 Stunden Erholung gönnen muß. Sein Besuch in Brüssel und in den chesetzten Gebieten wird auf geschah ben werben, doch werden zwischen den Vertreter« Frankreichs, Großbritatrniens, Italiens und dec bereinigten Staaten Borerörterimgen ftattfinbar. Tie Regierung der Vereinigten Staaten ha! den Kanzleien der mit Amerika verbündeten! Mächte die Namen der Vertreter Nordamerikas auf dem Friedenskongreß beftrmtgegeben. Es sind außer Wilson Oberst House, Lansing, White, früherer Bevollmächtigter der Vereinigten Staaten in Paris, und General Bliß.
Tie Demobilisierung in England.
London, 7. Jan. (WB.) Reuter. Heute Karnes wieder zu DemobillsierungsKundgebungen. Die Mannschaften der Marinefliegerstation Fairlop (Effex) demonstrierten und in Shoreharn wurde eine Massenversammlung abgehalten Urlauber von der Saloniki Front gingen nach Whitehall, wo eine Abordnung gewählt wurde, um mit den Behörden zu verhandeln. In Shoreharn wurde mitgeteilt, daß Sir William Robertson, der die Streitkräfte in England kommandiert, mit Lord Milner über die Demobilmachung konferiert. Wie heute bekannt wird, wird sich die Regierung energisch mit dieser Frage befaßen. In Fairlop wurde durch den kommandierenden Offizier mitgeteilt, daß einige Tage Urlaub gewährt werden würden, um es den Soldaten zu ermöglichen, in die Heimat zu gehen, und daß diejenigen, die den Beweis erbringen können, daß Arbeit auf sie wartet, zu Hause bleiben können, um dort die Demobilmachung abzuwarten. Das neue Demobilmachungsfystein wird so eingerichtet werden, daß diejenigen, die am längsten unter den Waffen sind, zuerst entlassen werden.
(Einigen Soldaten, die in einem Lastkraftwagen zum Kriegsamt fuhren und einen verantwortlichen Beamten z u sprechen forderten, wurde durch den kommandierenden des Bezirks London erklärt, daß unter diesen Umständen ihre Forderungen nicht berücksichtigt würden. Der General erinnerte die Leute daran, daß der Kriegs- zustand noch bestehe, er wiße, daß diese Störung nur vor einigen wenigen Agitatoren ausginge. Darauf» hin gingen die Leute in Ruhe wieder hinaus und fuhren in dem Kraftwagen wieder in das Lager zurück.
Der nationale a isführende Ausschuß der Ar- beiterpartei und die Abgeordneten der Arbeiterpartei beschloffen heute in gemeinsamer Sitzung, daß die Arbeiterpartei im Unterhause sofort Schritt- un» ternehmen soll, um offizielle Opposition zu werden.
Reuter erfährt, daß der Gedanke, daß ein neuer Krieg oder eine neue Expedition nach Rußland bevorstehe, ausschließlich auf Einbildung beruhe. England habe im ganzen russischen Reiche 15000 - 20000 Mann stehen, von denen nicht alle zu den kämpfenden Truppen gehören. Eine tatsächliche Macht müffe aufrechterhakten werden, um England in den Stand ju setzen, allen Möglichkeiten, die die Friedensoer- Handlungen zeitigen könnten, begegnen zu können.
Schlechte Stimmung in Australien.
Amsterdam, 7. Jan. (WB.) Rach der hier eingetroffenen „Times" vom 3. Januar ist man wegen der schlechten Stimmung in Australien in Sorge, Die zurückkehrenden Soldaten sind unzufrieden, und da ein Teil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter die 42-Stunden-Woche und höhere Löhne verlangt, rechnet man mit der Möglichkeit von Unruhen in der Industrie.
Dortmund, 8. Jan. (WTB.) Tie „Westfäl. IMlgcmeine Volkszeitung", die gestern abend von Spartakusleuten besetzt worden war, ist heute früh fum 3 Uhr von der hiesigen Sicherheitswehr zurückerobert worden, ohne daß diabei ein Schatz ficL Die Zeitung ist heute früh wieder als Organ der Mehrlieitssozialisten erschienen.
Düsseldorf, 8. Jan. (WTB.) Im Lln- schluß an die gefter.t abend abgelwltene Versammlung des Spartakusbundes wurden die Redaktionen und Druckereien der „Düsseldorfer Zeitung", des ,^Tsüsseldorfor Tageblattes", der „Düsseldorfer! Nachrichten" und der „Freien Presse" (Organ der Mehrheitssozialiften) von den Spartakisten besetzt und am Erscheinen verhindert. Die „Düsseldorfer Nachrichten" wurden gezwungen, das Blatt ünter veränderter Form unter dem Titel „Note Fahne vom Niederrhein", unter Weglassung aller beanstandeten Artikel und Nachrichten, erscheinest zu lassen.
sammlung sind wohl erlaubt, aber zwecklos, weil doch die beim Wahlkvmmissar eingcreickste Lifte als gewählt gilt. Sei den Wahlen zur hessischen Landesversammlung sind Aenderungen an den Stimmzetteln unzulässig. Tenn abweichend vom Reichs reckst ist bestimmt, daß die Stimmzettel vollständig, auch in der Reihenfolge der Bnverber, mit einem eingereichten Wahlvorschlag überein» stemmen muß (gebundene Listen) oder daß er nur ein Kennwort enthalten darf. Es totn bai Wählern deshalb nur dringend geraten wer- ben, die Stimmzettel unverändert abzugeben, und dre Partuvorstände sollten erwägen, ob sie nicht etwa -Stimmzettel ausgeben wollen, die nur das Kennwort enthalten.
Man hört vielfach im Volk Ausdrücke des Bedauerns darüber, daß die bürgerlichen Parteien sich stricht zur gemeinschaftlichen Abwehr der (Aefahr triner sozialistischen Mehrheit zusammen geschlossen haben. Zunächst ist es sicher zweckmäßig, leden- salls nicht sch^lich, getrennt im Wahlkampf auf- tzumarschieren, damit die Wähler sich Den Parteien, die ihren politischen Anschauungen zusagen, an- sschließen und Abschwenkungen nach der einen ober kdnbcrn Seite, oder gar ein Fernbleiben von der Wahlurne vermeiden werben. Es ist aber in der Presse, auch in diesem Blatt, schon mehrfach darauf hingewiesen worden, daß bei aller Selbständigkeit der Parteien doch ein gemeinsames Schlagen möglich ist durch die sog. Listenverbindung. Es können nämlich meliere Parteien ihre Listen bWahl vor sch läge) durch Anzeige bei dem Wahlkom- imissar mit der Wirkung verbinden, daß ihre Listen «als eine Liste gelten. Bei der Verhältniswahl Aeiben nämlich bei der Verteilung der.Sitze kleine Aeilzahlen unberücksichtigt, und diese Stimmen gehen verloren. Werden die Listen mehrerer Parteien aber verbunden, dann ergibt die Smrune
zu st and über Berlin verhängt.
Die Hoffnung, durch Verh and bärgen eine 9ket- tung aus der verzweifelt gewordenen Sittiation zu finden, hat sich beider nicket erfüllt. Wir treiben unabwendbar einem furchtbaren Blutbad entgegen/ tmb die gesamte Bürgerschaft vereinigt sich mit dem überwiegenden Teil dier Arbeiterschaft irr dem Wrrnsch, daß es der Negierung gelingen möge, in diesem furchtbaren Kampf Herr der Lage zu bleilren.
Die Verhandlungen in der Reichskanzlei zwischen Regierung, Unabhängigen und revolutionären Oblerrten sind vollständig gescheitert. Wie uns von Altegierungs feite mitgeteilt wird, ist keinerlei Aussicht auf Verständigurrg mehr vorhanden.
Wie dem Blatt ferner mitgeteilt wird, haben die unabhängigen Sozialdemokraten soeben in zwölfter Stunde noch einen letzten Vermittlungs-, Vorschlag gemach". Haase und Breitscheid, die die iVerharrdlungen führen, weilen noch in der Reichskanzlei.
Dir Kämpfe in Berlin.
Berlin, 7. Jan. (WTB.) Das „8-Uhr-Abend- blatt" schreibt: Ein lebhaftes Treiben herrschte heute in der Wilhelmstraße in dem Prinz-Louis-Ferdinand- Palais. Dort Haden sich die aktiven Unteroffiziere cinquartiert und haben das Palais stark armiert. Aus allen Fenstern lugen Maschinengewehre. Zahlreiche Studenten haben sich eingefunden, die sich den Unteroffizieren zur Verfügung stellten und dort bewaffnet wurden. Das Blatt schreibt, daß sich
Die Verhältniswahl.
Aus gelegentlichen Bemerkungen von Wählern und selbst in Versammlungen tont man die WahrncInnung nrachen, daß es noch reckst zahlreiche wahlberechtigte Bürger gibt, die keine Ahnung von dem Wtefen der Verhältniswahl haben. Diese Leute stehen meist in dem Glauben, die bevorstehende:: Wahlen vollzögen sich im wesentlichen mxf) nach dem srü!)oren Mehrlxitswahffyftem. Gute Diätste für die in dieser Hinsicht, besonders auch in bürgerlichen Kreisen, nötige Ansklürungsarbeit iirirb die von dem Staatsveckuslehrer der Landes- mriversität Pros. Tr. Gmelin verfaßte Broschüre leisten: „Wie wählen wir die Abgeordtteten zu der deutschm Nationalversammlung usw.?", die für 20 Pf. zu lwben ist. Hier soll versucht wettM, die Grmidzüge des neuen Wahlver^ahrens und die Hauptunterschicds dieses von dem früheren kurz darzulegeir.
Das neue Wahlrecht sicht wie das frühere Reichs- tagstixchlrecht das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht vor. Stark vermehrt hat sich die Zahl der Wahlberechtigten, indem das Walstrecht schon mit dem 20. Lebens- ja Irre erlangt wird und künftig auch Frauen und Militärp^'ouen wahlbercch.igt sind. Tie Wähler- zal)l wird sich mehr als verdoppeln. Grundsätzlich verscksteden ist die Zählung, richtiger die Wertung der Stimmen. Bei dem bislierigen Mehrhrits- walstsystem erhielt nur die Partei Sitze in dem Reichs-(Land-)tag, die die Mehrheit der Stimmen erlangte. Tie anderen Parteien erhielten keinen Abgeordneten, auch wenn die Zahl der Stimmen der Minderheiten noch so groß tvar. Es ist klar, daß die Wahlen nach diesem System kein klares Bild vmt der Volksstimmung geben und den VolkÄvillmt nicht zum Ausdruck bringen, daß das alte Wahlrecht also ungerecht ist. Der leitende Gedanke der Verhältniswahl ist der, daß die Volksvertretungen in ihrer Zusammcnsetziulg ein möglichst getreues Spiegelbild dec Partei- gruppierung der Wählerschaft bilden untb den Volksnnllen wirklich zum Ausdruck bringen sollen. Tie Abgeordnetensitze sollen der Stärke der ein« zellten Parteigruppen entsprechend auf die verschiedenen Parteien verteilt werden.
Die Verschiedeitheit des Ergebnisses nach altem
ums in-uw» wui/iiwi/i jviyx fviyK.ii.wx> onfyiui *. Berlin, 8. Jan. (23TB.) Das
Ängeiwmmen, bei der Wahl von 8 Abgeordneten j lAbendblatt" meldet: Der Oberbefehlshaber Volks-
-j---cm-t/rr—-r— ■ -t- beauftragter Noske hat den Belagerungs^
kärnpfen gab es Tote auch unter den Passanten.! neutralen Ländern große Lebensmittellager er« Gegen 11 Uhr eröffneten die Spartakusleute einen! richtet werden In Deutschland selbst werden Stapel« heftigen Angriff auf die Rückseite des alten Aus-lager eröffnet, die in ihrer Mehrzahl entlang der wärttgen Amtes und der Reichskanzlei vom Tier- \ neutralen Zone l egen sollen, damit die dott liegengarten her. Bald darauf fielen auch in der Wilhelm- i den Vorräte im Falle irgendwelcher Gefährdung rasch straße die ersten Schüsse. Die Häuser in der Ehar- zurückgezogen oder geschützt werden können Die Ver- lottenst.aße, in der das Wolff'sche Telegraphen-! sorgung erfolgt jeweils auf 1-3 Monate. Sie erfolgt Bureau liegt, sind stark beschädigt. Große Blutlachen - auf Gemeinden und Bezirke, und zwar werden nur waren heute noch auf dem Bürgersteig zu sehen. Die ‘ solche Bezirke versorgtz deren Leitung in gesetzmäßiger Kämpfe haben in den Nachmittagsstunden an Heftig an-!t "" x c*‘“ ',“x
«s. General-Anzeiger für Gberheffen......
ZVillingrrlrnd-ruik u.Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- u.ZLeindruckerei R.Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Zchulstr 7.


