M.23H
■s?cx •tettittr Anze'zer erscheint täglich, m c Sonn- und FrirNag«.
Btsugsprcis: monatl.Älk.1.60, viertel- Kid) Mk. 4.80; durch , >(e- u. Zweigstellen tnonatl. Mk. 1.50; durch die Poft Mt. 5. - viertel- jährl. ausschl. Be'tellg. Fernfprech - Anschlüsse: für die SchrMeitunaN2 Verlng,b>eschästSstelle51 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehen.
poftfcherttonlo: Srenffurt a. M. U686
169. Jahrgang
Dienstag, 7. ©hoher 1919
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
ZwMingrninddruS u. Verlag: Yri"chl'fche Univ.-buch- u. Zteindruckerei R. Lange. §chrift!eituna, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.
Annahme von Anzeige» s. die Lagesnummer bi5 gunx Nnchrnillaq vorher ohne jedeDerbindlichkeit Preis für \ mm höhe sür Anzeigen v.34mmBreite örtlich 15 Ps, auswärt?
18 Pi., sür Reklame- anzeigen von 70 mm «reite 48 Ps. Bei Platz« vorschriii20°^Ausscklag, Hauptschristleiter: Ang Goetz. Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Neinhold Zenz; für den Anzeigenteil: ». Beck; sämtlich in Gießen
Da» neue türkische
einzuberuten.
ment
fenb -iSre Verhältnisse der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Gefangenschaft. Es scheint hier eine Aendernng ein- getrcten zu sein, da häufige Klag m über grausame, ja menschenunwürdige Behandlung kommen. In der Note wird die Vermittlnrrg der Schweizer Regierung dafür erbeten, daß eine Reihe von Vorfällen zur Kenntnis der amerikanischen Jtegierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben wird. Es wird gleichzeitig um die Entsendung von Vertretern in dreie Gefangenenlager gebeten, die Ermitt hingen an stellen und den Mißständen abhelfen sollen.
3us dem besetzten Gebiet.
Das Zopfabschneiden.
Das hessische Gesamtministerium ver-j öfsentlicht folgende Bekanntmachung: In letzter Zeit ist in verschiedenen Orten de- besetzten Gebietes versucht worden, weibliche Personen durch öffentlichen Anschlag ihrer Namen, Abschneiden der Haare usw. öffentlich an den Pranger zu stellen. Abgesehen davon, daß derartige Vorkommnisse den Tatbestand einer strafbaren Handlung nach den deutschen Strafgesetzen erfüllen können, besteht die große Gefahr, daß auf diese Weise anständige Personen in der empfindlichsten Weise an ihrer Ehre verletzt werden. Da ferner die Besatzungsbehörden gegen solche Handlungen mit der größten Strenge vorgehen und künftig die Bürgermeister der Gemeinden für jedes derartige Vorkommnis verantwortlich machen werden, falls nicht der Täter innerhalb 48 Stunden gefunden wird, ergeht an die Bevölkerung die dringende Warnung, alles zu unterlassen, was die öffentliche Ruhe und Ordnung zu stören geeignet ist und die Aufforderung, andere, insbesondere jugendliche Personen von derartigen Handlungen abzuhalten.,
Kabinett.
Wie die .Pariser Konstantinopel eilt
Versailles, 7. Okt. Abendblätter melden, ist in neu es Ministerium Ali Riza Pasch a gebildet «morden, das 6 Minister des alten Mi- nisteriurns enthält. Minister für auswärtiae Angelegenheiten wird Mustafa Resthid Pascha, Kri:gs- Minister Tiemal Pascha. Das Jrade te? Sultans erteilt dem neuen Ministerium dm Auftrag, sofort die Wahlen vorzunehmen und das Parlr-
Der Zwischenfall von Fiume.
Versailles, 6. Okt. (WTB.) Laut „Matin" aus Rom erhielt der H e r z o g von Aosta den Auftrag, sich nach Abazzia zu begeben, um d ' A n u n z i o aufzufordern, sich auf die Besetzung von Fiume zu beschränken, keine neuen Freiwilligen mehr .anzunehmen und abzuwarten, bis Italien mit den Alliierten die Verhandlungen über den Zwischenfall von Fiume abgeschlossen hat.
Der italienische Sozialiftenkongreß.
Bern, 6. Okt. (Wolff.) Gestern ist der So- zialistenkongreß in Bologna unter sehr starker Beteiligung zusammengetreten. Das Direktionsmitglied B a r c c i eröffnete den Kongreß mit heftigen Angriffen gegen die Regierung, die sich nur durch reaktionäre Maßnahmen, wie die Wiedereinführung der Zensur halten könne. Er las dann einen Begrüßungsbrief der russischen Sowjetrepublik unter stürmischen, sich immer wieder erneuernden Kundgebungen für Lenin und Sowjetrußland vor. Der Parteisekretär Lazzari gab den Tätigkeitsbericht bekannt. Er stellte ein weiteres Anwachsen der Partei und der straffen Dis-
Die erste BölkerbundStagung.
Versailles, 5. Okt. lWvlff.) Im Anschluß an den Antrag, Renaudel und Albert Thomas, der eine baldige Zusammenkunft des Völkerbundes verlangt, um die progressive Abrüstung in die Wege zu fetten, läßt Ministerpräsident Clemenceau durch die Agentur Harms einen Brief veröffentlichen, den er am 4. Oktober an Oberst Hvuse richtete und in dem er ersucht, eiligst die erste Versammlung des Völkerbundes nach Washington cinzuberufen. Ter Völkerbund habe Hoffnungen erweckt, und um eine Reihe internationaler Probleme, mit denen sich alle Nationen beschäftigten, lösen zu können, wäre es deshalb ratsam, schon im Monat 9-ovember zu einer Sitzung einzuladen. Clemenceau erklärt, es scheine ihm von besonderer Wichtigkeit, daß durch diese Tagung! der Welt bewiesen terbe, daß ein Völkerbund bestehe, der sich bemühe, moralische Kraft zu erlangen.
Paris, 6. Okt. (WTB.) Havas. Oberst House ist mit feiner Gemahlin am Sonntag abend nach Amerika abgereift Clemenceau, Pichon intb Vallaee als Vertreter Poincarös hatten sich am Bahnhof eingesunden. Tie französische Mission nach den Vereinigten Staaten ist mit demselben Sonderzug abgereist.
*
Fragwürdige Feststellungen des Kriegsgerichts in Lille.
Genf, 7. Okt. (B. T.) Tas Kriegsgericht in Lille hat gegen den Grafen Bismarck und 7 andere Teutsche Anklage wegen Mordes, Dodschlags mtb vorsätzlicher Brandstiftung erhoben. Graf Bismarck wurde beschuldigt, daß er 14 Einwohner des Dorfes Vieoignc er» schießen ließ. Er hat angeblich diese Lmte vor der Hinrichtung öffentlich durchpcitschen lasten.
Deutsche bergbau-sachverständige im beschädigten Gebiete Nordsranirelchs.
Versailles, 5. Okt. (Wolff.) Eine Kommission der deutschen Bergbau-Sachverständigen unternahm vom 23. bis 25. September von Versailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten Bergbaugebiete Nvrdfrankr eichs. Die Kommission war in zwei Gruppen geteilt. Ter Gruppe 1 gehörten 5, der Gruppe 2 drei deutsch» hölrere Staats- und Privat-Bargbeamte und je ein Vertreter her deutschen Arbeiterschaft an. Sie wurden von einem französischen Offizier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe 1 besuchte die Grubeuftldn des Tepar tements Pas de Calais, Courriöre, Lens, Lisvstl, Tvocourt, Meurchin, Carvin, Tiourges, Gruppe 2 die Grubänfe-dec des Tepartements du Nord, l'Es- carpelle, Aniche, Anziu, Douchs.s. Tie Aufgabe der Kommission bestand darin, sich einen Ueberb.ick über die in beiden Departements an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstörungen und eimBüd für die Beteiligung T-eutschlands an dem Wiodcraufb.ru der Bergwerke zu verschaffen. Sie kand bestätigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zusammenwirkens vieler schloi'.rigec Fragen, und zirmr die Auftäumruig, Wiederher- 'telluirg der Verkehrsstraßen, Zu- imb ^lbfuhr der Materialien und Lebensmittel, Wiederbelebung der Forst- und Landwirtschaft, Herstellung der Bergwerke und Wohnungen, Pflege des Gesundheits- 'wesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt gestalten imrd. Bei den Gruben östlich der Linie Henin-Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen, bei <bcn Gruben westlich dieser Linie außerdem die Schachte aus der Kriegsnotwendigkeit heraus ge- prengt worden. Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungskrieges durch das mehrfache Hin- und .Herfließen der Front ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, darunter die Stadt Lens und die großen Bergwertsdörfer um Lens herum eigentlich nur noch aus R u i n e n bestehen. Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungsarbeiten eine Ee. e itenb längere Zeit umfassen, weil die Vergivertsanlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu aufgebaui werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll- tändig ersoffen imd an ihre Sümpfung kann erst herangetreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten festgestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äitßerst mülstelig, zumal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der Schächte naturgemäß fehlen, ober weil von verschiedenen Truppenkörpern verursacht,^ nur schtver gesammelt werden können. Fm östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten 93eyg: Werksanlagen zum größten Teil schon mietet i m Aufbau begriffen Einige Schächte lördet- ten bereits wieder und bei manchen steht die Inbetriebnahme sür die nächsten Monate zu erwarten.
Im allgemeinen kann man wohl sagen, daß die östlichen Gruben in etwa 2 Jahren, die westlichen in 6—8 Jahren roieber vollkommen her- gestellt sein werden. Die französischen Gmbenver- walttrngen haben für den Wieder,russt>.l zumeist schon vollständig.feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte den Eindruck, daß die an die ftanzö- sischen Grubengesellschasten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so bedeutend sind, daß sie deutsche Hilfe in Anspruch nehmen werden. Diese Hilfe wird sich besonders bei Auf- räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eiseukon- ftruftionen, Lieferung von Maschinen, Bau üon Koksöfen einschließlich Nebenproduktengewinnung, Bettiebsgebäuden, Arbeiterwohnhäusern in Form ganzer Kolonien, erftreefen können.
Der „Wiederaufbamninister".
Berlin, 7. Okt. Für den Posten eines Wie- deraufbauministcrs^konrmcn, wie das ,.B. T." hört, il a. in Betracht Cberbürgermeifter Geßler-Nürn- berg und der badische Minister des Aeußern Dr. Dietrich.
ziplin innerhalb derselben fest, wodurch die Wahr^ scheinlichkeit des Gelingens von Massenaktionen: zur Eroberung der wirtschaftlichen und politischem Macht gewachsen sei. Im Namen der Intima-' listischen Wahlbeteiligungsgegner sprach Bor-' diga unter scharfen Angriffen gegen die sozia- listtsche Kammerfraktion. Treves antluortete in! deren Namen in sehr geschickter Weise. Er stellte fest, daß der Appell an die Gewalt, welche heute von vielen Genossen verlangt werde, ein Kriegs-
Wilsons Erkrankung.
Amsterdam, 5. Okt. (WTB.) Das Preß- Dureau Radio meldet aus Annapolis vom 4. Oktober: Wilsons Zu stand ist günstige r geworden.
Schlechte Behandlung in amerikanischer Gefangenschaft.
Berlin, 6. Okt. (Wolff.) .Wie wir hören, richtete die deutsche Regierung Ende September eute Verbalnote an die schweizerisch? «Regierung betret
Überbleibsel sei. Ein Barrikaden-Sozialismus unter Leitung der Minderheit führe nur ins Verderben. Die Revolution der ganzen proletarisck>eitt Masse müsse durch Aufklärungsarbeit beschleunigt werden. Die Gesamtheit wolle keine Einzelaktion. Jedenfalls sei gegenwärtig nur ein ganz unsä-ein- barer Teil der Arbeiterschaft für den gewaltsamen^ Umsturz zu haben. Die Meinung der überwingen- ben Mehrheit des Kongresses gab G e n n a r i wieder, als er die Notwendigkeit der Revolution für die Einführung der Diktatur des Proletariats forderte, aber auch gleichzeitig die Beteiligung an den Wahlen als unerläßlich verlangte. Aus den Verhandlungen des ersten Tages kann feftgefteut; werden, daß zwar ein tiefer Gegensatz zwischen fliesormisten und Maximalisten besteht, Paß aber niemand eine Trennung wünscht und daß aller Wahrscheinlichkeit nach die Einheit der Partei er-, halten bleiben wird. *
Der dänische Sozialistentag.
Berlin, 6. Okt. (Wolff.) Nach dem „Vorwärts" beschloß der dänische sozialdemokratische Parteitag mit überwältigende» Melftheit, unter Ablehnung der bvlsck-Qvistischcn Methooen beider zweitenJnternationale zu verbleiben. In einem Aufrufe an das dänisclie Volk heißt cs, daß sich die Partei wie immer am den Boden der Demokratie 1 teile. Otto Wels niberiegle in einem WschiedÄvorstan den Kiongres die in der neutralen Preise mehrfach ausgedrücktL Auffassung, daß Deutschland vor dem Bankerott stelle und nicht arbeite. Bei den Berliner Streiks Hand'Ai es sich nur um 8 Prozent der Arbeiter, schäft. Tas Schlimmste sei überstanden.
Da» Ende des Eisenbahnerstreiks in England.
Berlin,?. Okt. Dem „Vorwärts" wird anS Kopenhagen berichtet: Londoner Mitteilungen über die Beilegung des Eisenbahnerstreiks zufolge war eS der Führer der Konservativen, Bonar Law, der die Grundlage für eine Verständigung der Parteien schuf. In der Massenversammlung der Eisenbahner in Albert Hall wurden Thomas' Mitteilungen von der Beendigung des Streiks Von den Eisenbahnern und heren Frauen mit Begeisterung ausgenommen. Man erwartet, daß der König eine Proklamation unterschreiben wird, durch die das Parlament zu einem trüberen Zeitpunkt ciitbcrufen wird als zuerst bestimmt war.
Amsterdam, 6. Okt. Reuter meldet aus London vom 5. amtlich: Die Bedingungen! für die Beilegung des Streiks sinÄ folgende:
1. Die Arbeit wird sofort wieder aufgenommen.
2. Die Verhandlungen werden fortgesetzt mit der RÜatzgabe, daß sie vor dem 31. 12. beendet sind.
3. Die Löhne werden bis 30. 9. 1920 auf der ^gegenwärtigen Höhe gehalten und können nach nach dem 1. 8. 1920 im Lichte der dann herrschenden Verhältnisse nachgeprüft iuetben.
4. Kein erwachsener Eisenbahner soll weniger als 51 Schilling wöchentlich erhalten, solange! die Kosten des Lebensunterhalts nicht weniger! als 110 Prozent über der Höhe vor dem Kriege stehen.
5. Der Arbeiter werden mit den bei der Arbeit Gebliebenen oder schon wieder Zurückgekehrten in Harmonie arbieten, und niemand wird in irgendeiner Weise wegen des Streiks benachteiligt werden.
6. Die infolge des Streiks einbehaltenen Löhne werden nach Wiederaufnahme der Arbeit ausgezahlt werden.
Amsterdam, 6. OSt. Das Preßbureau Radio meldet aus Horsea: liebevoll herrscht Freude «darüber, daß Regierung und Volk dem Eisenbahner streik so erfolgreich die Stirn geboten habtzn. Im Interesse des guten Einver- tnehmens wird jedoch Sorge getragen, daß der Zusammenbruch des Streiks nicht allzku deutlich her vorgehoben nrirb. Die Bedingungen, unteif denen die Einigung erzielt worden ist, gehen über die von der Regierung vor Ausbruch des Streiks angebotenen Bedingungen nicht hinaus. Es ist nur die Garantie gegeben worden, daß die ietzigen Löhne anstatt bis zum nächsten März 6 Monate darüber hmaus in Kraft bleiben. Die Lösung sei für beide Teile ehrenvoll.
Kein Clearinghouse in Berkin.
Berlin, 5. DEL (Wolff.) Ter „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge schreiben tue „Times", daß der Vorschlag des Vizepräsidenten der britischen Handelskammer in Köln, Knott, auf Errichtung eines Clearinghauses tu Berlin unter britischer Kontrolle von der Kammer selbst abgelehnt wurde. Knott wurde aufgesordert, zurückzutreten.
Xus dem Reiche.
Bon den Unabhängigen.
Berlin, 5. Okt. Molff.) Anläßlich bet Vorgänge im Baltikum veröffentlicht die Parteileitung der Unabhängigen sozialoemokrati- schcn Partei Teutschlands in der „Freiheit" einer Ausruf an die Parteigenossen, in der sie fordert, daß der Konftikt mit der Entente sofort beendet uite> mit Sowjetrußland sofort der Friedenszustand hergestellt werde.
Erzberger gegen Helfferlch.
Berlin, 6. Okt. (Wolff.) Nach dem Ein^ gang des Strafantrags des Reichsministers.Erz- ber ger gegen den früheren Staatssekretär H e l p ferich wegen Beleidigung leitete die Staatsaw waltschaft das Ermittelungsversahren sofort ein. Tie Bearbeitung der Sache liegt in den Händer des Oberstaatsanwultes Krause.
Der Belagerungszustand in Münster.
Berlin, 7. Oft. Generalleutnant Freihen v. Matter erließ, wie der „V. Z." aus fünfter berichtet wird, für die unter Belagerung^ zu stand stehenden Gebiete eine Verordnung, nach der alle männlichen Einwohner im Alter vom voll lendeten 17. bis zu in 50. Lebensjahre verpftichte sind, im Bedarfsfälle auf Anweisung der Gemeinde« behörden Notstandsarbeiten und alle zui Erhaltung der Volkswirtschaft nottoenbigen Auf träge auszu führen.
Die Reformen im auswärtigen! Amt.
Einige Blätter wissen aus einer „Ergänzung zum Entwürfe des Haushalts für das auswärtige Amt" allerlei Interessantes mittzuteilen. Die trennenden Schranken zwischen Diplomatenlaufbahn und der Konsulats- karriere sollen aufgehoben werden; die Leiter zur höchsten Macht, zu den bevorzugten Aem- tcrn soll bequemer als bisher aufgestellt werden. Nun fragt es sich nur, ob gesimiungstüch- tige Parteimänner sich in die Stellen teilen werden — dann wird die alte Klage über Unzulänglichkeit unserer Diplomatie kaum verstummen — oder ob das neue System wirklich hervorragend tüchtige Menschen aufziehen kann. Einstweilen kostet das System etwas imehr als das frühere. Denn die neuen Beam- iten wollen und sollen nicht mehr, wie die alten, öfter aus chrer eigenen Tasch^ zulegen. Trrpitz z. B. sagt in seinen Erinnerungen, er habe noch als Staatssekretär die Kosten jfür die notwendigsten Repräsentationen nicht Mis seinen Dienstbezügen bestreiten kön- pieu. Ebenso rühmt General Ludendorff, rauch das alte Offizierkorps habe nicht um »Geld und Gewinn, sondern „um Ehre" gearbeitet. Der republikanische Fortschritt, den wir jetzt gemacht haben, verursacht also größere Aufwendungen an Gehältern, wogegen nichts einzuwenden ist, wenn die neue Zeit wirklich dem Tüchtigen, woher er auch stamme, freie Bahn macht. Dem „Berliner Tagebl." entnehmest wir folgende Angaben:
„Ein bc.iit|d)cr Legationssekretär in Kopenhagen — also ein Mann, der mit anderen Diplomaten, mit den Mitgliedern der Regierung, hohen Beamten imb Großkaufl eilten verkehren soll — hatte bisher, alles in allem, jährlich ungefähr »achttausend Mark. Jetzt hat man ihm wenigstens bie Ortszulage, die für Legationssekretäre ht Kopenhagen dreitausend Mark betrug, auf fünf- ftautertbeinbunbert erhöht. Die ersten Botschaftsräte, die ost in Vertretung die Botschaft selbständig Seiten, bisher ein Gehalt von sechstausendbrei- thnnbert Mark und in Madrid beispielsweise eine Ortszulage von 5700 Mk. erhielten, werden jetzt beinahe Kräfusse, denn die Ortszulage ist, je nachdem, verdoppelt oder verdreifacht, worden, und das Gehalt wird durch Gewährung einer von sieb zehn- -hundert bis fünftausendsiebenhundert Mark steigenden „persönlichen pensionsberechtigten Zulage" auf das Gehalt der Generalkonsuln gebracht. Die bei den Gesandtschaften wirtenden ersten Lega- Ltionssekretäre werden gleichfalls durch eine persönliche Zulage von achtzehnhundert Mark den Konsuln gleichgestellt und empfangen den Amtstitel ^Gesandtschaftsrat". Da auch in Kopenhagen und Stockholm di/Stiefel sehr teuer sind und die Mark ttur noch der Schatten einer Münze ist, wird man nicht behaupten können, daß die deutschen Diplomaten durch die beantragte Vermehrung -ihres Einkommens dazu verführt werden Könnten, in einem internationalen Schwelger- Jebcn unterzugehen. Wer von ihnen nicht ein eigenes Portemonnaie mitbringt wird auch fernerhin zumeist auf Freuden des Her- ^ens und des Geistes, die sich nicht durch Gelb er- toerben lassen, und auf die stillen Genüsse der Ar- beit angewiesen sein. Die Mitteilungen und Zahlen der „Ergänzung" sind überall dem neuen System angepaßt, das die trennenden Schranken tzwisch-en der angeblich vornehmeven Diplomaten- lausbahn und der Konsulatskarriere beseitigt und gewissermaßen ein einziges Mannschaftsdepot oder einen einzigen Lehm, aus dem man Diplomaten und Konsuln knetet, schaffen soll."
Von weiteren dreuerungen wird sodann noch berichtet, daß das s-og. Regionalsystem eingeführt werde. Das Amt ist nicht Mehr in höhere und niedere Etagen, sondern, von oben nach unten durchgehend, nach Län- dergruppen eingekeilt. In der Abteilung „Ostasien" beispielsweise wird alles, was politisch oder handelspolitisch auf Japan, China und andere asiatische Reiche Bezug hat, vereint. Man hat, so weiß das „Berliner Tageblatt, hin und her Überlegt, wieviele solcher Gruppen man bilden solle, und gegenüber der Ansicht, daß man die Arbeit, um sie zu vertiefen und zu vergründlichen, und um überall wirkliche Landeskenner zu Worte kommen zu lassen, möglichst verteilen müsse, hat die Idee, daß die kleine Zahl, die Zahl sechs, doch praktischer sei, triumphiert. Zwei Unterstaats- ^sekretäre bilden über den sechs Gruppen die höhere Instanz.
Die Ratifizierung des Friedensvertrags durch Japan.
Amsterdam, 4. Okt. (Wolff.) Nach einer Meldung des Pariser Korrespondenten des „Tele- graaf" verlautet in dortigen diplomatischen Kreisen, daß die Ratifizierung des Friedensvertrages durch Japan eine Frage von Tagen fei. Eine japanische Mission in Deutschland.
Haag, 5. Okt. (Wolff.) Tte vorgestern hier aiig-etommcne japanische Miss ivn mit Vizeadmiral Cato an der Spitze reiste, heute nach Deutschland n'eiter, um die dortigen Verhältnisse zu studieren.


