Ausgabe 
4.9.1919
 
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Nack ferner 5)arftdlintg hat Seidel die Ober- Irihrng über den ganzen Betrieb im Gymnasium yeführi. Soviel er gesehen habe, habe ihn auch Hausmann bei allen wichtigen Entscheidungen ge­sagt. Seidel habe immer vom Erschießen gesprochen irnb sich gegen Kameraden und Gefangene frevel­haft benommen Tag für Tag habe er den Revolver tu der Land gehabt und auf Denunziatiomm sofort mit Haftbefehlen geantwortet. Im Luitpoldgymna- sium habe in den lebten Tagen unt> auch am 30. April ständig ein Ausschuß getagt, bestehend aus den Führern wie Levien, Levin e-N i s - sen, Seidel u. a. Nachmittags habe Seidel den schriftlichen Befehl Eglhofers zum ßkifcLiwtb mit den Worten empfangen:Endlich, darauf warte ich schon lange. Eglhofer hat nun eingesehen, daß er es so machen muß." Als die Leute ihre Löh­nung wollten, habe Seidel gesagt, erst müßten Die Geiseln erschossen' werden, sonst seien feine Leute mehr "dazu da. Die Erschießuirg der Geiseln durch 8 bis 10 Mann sei von Dausmann geleite: wor­den. Er selbst habe die Exekution nicht mit anschen Toitnen und den Dos "verlassen. Dem Angeklagten wurde eine Uhr m i t K e t t e und ein Ring ab- Mnommen, die die Angehörigen von drei der er- mordcteten Geiseln bestimmt als ihr Eigentum be» zeichnen. Demgegenüber erklärt Desselmann, daß er diese Gegenstände schon im Februar durch Tausch erworben habe.

Ten »weiteren.Angeklagten Josef Seidel, Jo­hann Scksmitte'e. Johann Dannes, Johinu Fe hm er amt) Wilhelm Mftmaier liegt die Anklage zur Last, xnit die -Geiseln geschossen zu haben, was jednh sämtliche entschieden in Abrede stellen. Wenn sie Seutat gegenüber nruh der Tat von ihrer Tat erzähl t haben, so sei das zu Unrecht oder, wie einer der Angeklagte:: behauptet, im Rausch geschehen. Scr Angeklagte Sch mittele schildert ausführlich, wie .Fürst Thurn und Taxis vom Richtsatz noch ein­mal dem Seidel vorgeführt wurde, wie dieser, von Soldaten umringt, in der Kanzlei mit dem 'Auszahlen der Löhnung beschäftigt war. Ter Fürst Habe sich ans dm Zahltisch stützend und weinend, vb.wmals feine Unschuld beteuert und gebeten, dem sRevolutionstribunal übergeben zu werden. Ein Soldat hätte gerufen:Tie Menge im Dof ver­langt seinen Tod!", uni) ein anderer:Wird der Kuß bald erschossen?" Ta habe Hursmann ge- isagt:Raus mit ihm!"

Tie Verhandlungen werden morgen fortgesetzt.

Aus dem besetzten Gebiet.

Berlin, 3. Sept. (Wolff.) DieB. Z." meldet aus Euskirchen: Mehrere Einwohner von Euskirchen hatten britische Besatzungs- truppen überfallen, wobei ein Engländer getötet wurde. Der Stadt Euskirchen wurde dafür eine Geldbuße von 110 000Mk. auferlegt. Der Haupttäter, ein Arbeiter na­mens Küpper, wurde vom britischen Kriegs­gericht zum Tode verurteilt und er- schossen.

fm. Mainz, 3. Sept. Die seit etwa 3.4 Tagen abgeschaffte Vorzensur wurde von General Mangin von neuem über die tnehrheitssozialiftische MainzerVolks- Rettung" verhängt, weil siedurch Ver­breitung lügenhafter Nachrichten Unruhe in Die Bevölkerung getragen habe". Das Blatt chatte in der beanstandeten Nummer die Nach­richt von der Verhaftung Dr. D o r t e n s gebracht.

fm. Groß-Gerau, 2. Sept. Groß- iGerau mit 6000 Einwohnern hatte bisher eine französische Besatzung von 10 500 Mann. Im Park ist längst der letzte Hirsch nieder- gestreckt und wehe dem, der ein Wort der Kritik wagt. Ein Besenbinder hatte einem Bekannten, der gerade vorüberging und ihn Inach seiner Arbeit fragte, scherzend gesagt: mit meine Bese wern noch die Franzose 'nausgekehrt." In diesem Moment flitzte ein französischer Radfahrer vorbei, meldete den Vorfall, dec dem Besenbinder IVe Jahre Zuchthaus einbrachte! Ein eigenes Kapitel ist der Verkehr mit der Weiblichkeit. 19 Bur­schen, welche die Franzosenliebchen mit Zopf­abschneiden bedrohten, wurde der Prozeß ge­macht. Sie erhielten Strafen bis zu vier Jah­ren Gefängnis.

Dta. K o b l e n z, 3. Sept. Der Chef der französischen Militärverwaltung des Nieder- iahnkreises teilt in einer Bekanntmachung mit, daß den deutschen Beamten die Ablegung des neuen Eides unter An- droüung schwerer Strafen verboten sei.

Ans dem Reiche.

Verbesserungen des Postverkehrs.

Mit der Eröffnung der Leipziger Messe wird ein fuiifentclegraphisck^er Schnellverkehr zwischen Leipzig Telegraphenamt und Berlin Haupttrie-

graphenamt vom Rrichspvstmrnisterium eingerich­tet. Dadurch erfährt das im Bau begriffene deut­sche Binnen-Fun kennetz einen willkommenen Zu­wachs. Oeffentliche Funkstellen, die unmittelbar mit Berlin verkehren können, sind außerdem in Hamburg, Königsberg (Pr.), Leipzig, Hannover, prankfuri (Main,, Darmstadt und Dortmund ge­schaffen worden. Die Arbeiten für die Errichtung weiterer Funkstellen in Breslau, Konstanz, Stettin und Braunsclyvcig bcftnden sich im Gange. Für den internen deutschen Luftschissverfehr ist eine besondere Linie Berlin-Friedrichs Hafen errichtet worden. Außerdem waren bisher für die Zwecke der Nationalversammlung zwei Verbindungen mit Schnellverkehr zwischen Berlin und Weimar in Tätigkeit. Um den Verkehr mit allen diesen Funk­stellen bewältigen zu können, sind die Funkeinrich­tungen beim Haupttelegraphenamt in Berlin er­heblich erweitert worden. Uebcr Berlin erhalten die Funkstellen des Reiches Anschluß an die Groß­stationen für den bestehenden internationalen Verkehr.

Sämtliche Funkstellen sind mit Gerät neuester Art ausgerüstet. Ta sie mir ungedämpften Wellen arbeiten, besitzen sie bei verhältnismäßig geringem Energieaufwand eine genügende Reichiveite für den unmittelbaren Verkehr innerhalb Deutschlands und machen eine scharfe Abstimmung der Wellen möglich. Hierdurch wird die bei einem Funkennetz mit zahlreichen Stationen sich ergebende große Schwierigkeit der WellenVerteilung wesentlich ge­mildert. Die Außerbetriebsetzung der noch vor­handenen und zur Aufnahme in das neue Verkehrs­netz ungeeigneten Militärstationen ist erfreulicher­weise bald zu erwarten. Denn der Verkehr dieser Stationen stört naturgemäß den Betrieb auf dem allgemeinen öffentlichen Verkehrsnetz des Reichs- postmiisistkriums und das umsomehr, als diese Militärstationen noch mit älterem Gerät für ge­dämpfte Wellen arbeiten, die sich nicht so scharf absttmmen lassen.

Gegen die Zersplitterung des Meßwesens.

Leipzig, 3. Sept. (Wolff.) Die in der A u s s ch u ß s i tz u n g der Zentralstelle für die Interessenten der Leipziger Mu st ermesse gefaßte Entschließung lull folgenden Wort­laut:Die am Vorabend der Leipziger Herbst- muftermeffe 1919 in Leidig versammelten Mit- glieber des Ausschusses der Zentralstelle für die Interessenten der Leipziger Mustermessen E. V. sehen mit wachsendem Erstaunen immer wieder Pläne zur Schaffung neuer Messen neben der Leipziger Mustermesse auf tau eben und wenn auch nur vorübergehendreifen".Krine Kon­kurrenz für Leipzig" ist das Geleitwort, , das diesen Schöpfungen mit auf den nach den bisherigen Er­fahrungen nur kurzen Lebensweg^egeben wird. Die Zentralstelle hätte gegen eine Kvukurrenz für die Stadt Leipzig nichts einzuwenden. Sie wirft sich nicht zum Hüter der lokalen Interessen Leipzigs auf. Wogegen sie sich aber mit aller Entschieden­heit wendet, das ist die Gefahrenquelle, die die Zersplitterung des Meßwesens für die deutsche Volkswirischrft bedeutet. An dem Mittel­punkt, in dem Herzen des Reichs sollen sich An­gebot und Nachfrage in Meßwaren begegnen. Der Fabrikant und der Grossist sollen die Möglichkeit eines vereinfachten, Zeit und Geld sparenden Ver­kaufs, der Händler Sie Möglichkeit eines Besuchs und eines lleberblicks über die Stiftungen eines großen zentralen Jnkandsmarltes und internatio­nalen Handelsplatzes haben. Diese bedeutsamen, ge­rade in der nächsten und weiteren Zukunst zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, insbesondci'o aber zur Wiederanknüpfung der Handelsbezieh­ungen mit dem Ausland unbedingt notwendigen Aufgaben können nicht erfüllt werden, wenn der Begriff der deutschen Messe, die auf Grund Jahr­hunderte alter Entwickelung ausschließlich durch Leipzig repräsentiert wird, verwischt werden soll. Tas Ausland bewundert die Leipziger Messe und beneidet um uns sie. Bei uns selbst aber wird von einigen Seiten vernicht, die Weltstellung der Leip­ziger Messe berabsumrnbent. Tie zahlreichen durch dieZentralstelle" (mit ihren 7000 Mitgliedern) vertretenen deutschen Industrien, die am Äusfuhr- handel lebhaft Äntell haben, protestieren hiergegen und crflären, daß sie die Beteiligung an einer an­deren als an der deutschen, d. h. Leipziger Messe ablehnen. Sie erwarten von der Regierung des Reiches und der Negierung der Gliedstaaten sowie von den Volksvertretungen, daß sie die Leipziger Messe mit aller Kraft zum besten unseres Vater­landes fördern und keine Pkäne zur Zersplitterung des Meßwesens unterstützen naetben.

Aus Braunschweig.

Braunschweig, 3. Sept. (Wolff.) Wie dieBraunschweigische Landeszeitung" meldet, traten die Unabhängigen heute aus der L a n d e s v e r s a m m l u n g mit der Begründung aus, daß die Landesversammlung dadurch gegen den parlamentarischen Anstand verstoßen habe, Saß sie die Führer der Unabhängigen nicht habe zu Worte kommen lassen.

Berlin, 3. Sept. Die BlÄtter zeigen die Entbindung der sicheren He r feVgi n Viktoria Luise von Braunschweig von einem Kmaben an.

Clreikcnde Gymnasiasten.

Stettin, 4. Sept. Nach DemBerl. Lok.-Anz." sind in Greifswald die Schü­ler des Gymnasiums in den Streik getre­ten, weil die von ihnen gestifteten Kaiser­bilder und Büsten während der Ferien entfernt worden sind. In einem Telegramm an das Kultusministerium bitten sie um Wie- deranbnngung der Bilder.

Aur Hessen.

Die hessische Schule und die Weimarer Verfassung.

Ter Präsident des Landesbildungsamts, Tr. Strecker, entwickcltc am _am:tig in einer Ver­sammlung m Tarmstadt ausführlich die B bcutung, die Li günstigem unb ungünstigem Sinn die Schul- artitti der neuen Reichsverfassung für Hessen haben: Für Diejenigen deutschen Gebiete, welche schon seit Jahrzehnten die Simullanschule, das htißt die ton» f4i'ionell gemischte Schule, in welcher nur der Reli­gionsunterricht getrennt erteilt wird, haben, ist der Artikel 146 in der Weimarer Verfassung ein schwerer Stein des Anstoßes. Es soll trotzdem nicht verkannt werden, daß die übrigen Schulart!kiel ein, M indestprogramm Tür das neue deutsche Unter» richts- und Er^iehungÄvcseii aufttellcii, mit dem gerade auch moderne Pädagogen durchaus zufrieden, lein können. Wenn die Lel/rerbildung so feftgdegt wird, daß der Besuch einer höheren Lehranstalt und anschließend eine wissenschaftlich pädagogische Fachbildung voraussichtlich die 9äorm werden wird, ist das erfreulich. Auch bi: Gltich^ellungjder Lecher in ihren Rechten und Wichten mit den Staats­beamten entspricht der Würde wie den Wünschen des Standes. Taß bas gesamte Schulwesen unter der Aussillft bes Staates steht, bedeutet für manche ßänber einen Fortschritt, nachdem in anderen sich diese Praxis längst bewährte. Ob die Unentgclt- lich'kcit der Lernmittel in Volks schalen und Fvrt- lnlduugsschiuleii sich überall wird durchführen lassen bleibt angesichts der allgemrinen Finanzlage noch ziveifelhaft, ebenso wie der Umfang, bi welchem minderbemittelten Eltern Erziehungsbtil/ilfen wer­den gegeben werden können. Toch ist die Feststel­lung der guten Absicht ebtftiDeilen schon zu be­grüßen. Ter erste Abschnitt bes 146. Artikels legt die Einheitsschule fest und wirb deshalb in allen pädagogisch sottschrittlichen Kreisen willkommen ge­heißen werden. Es ist an eine Grundschule gedacht, auf der sich das mittlere unb höhere SckMlwesan ausbauen soll. Es soll dieser Aufbau der Mannig- faitigfcit der Lebens berufe Recl^nung tragen und i*eninad,i auch das Fachschulwesen umfassen, und bie Kinder sollen bi die verschiedenen Zweige dieser Schule, nach Anlage unb Neigung, nicht nach sozialer oder fern fei iLvnefler Stellung der Eltern, verteilt werben. Int Interesse dieser Eviheitssckyile müssen die privaten Schulen kontrolliert werden. Private Vorschulen sind Eünftig undenkbar, weil sie ja sonst die gemebtsame Grundschule illusorisch machen würden.

Tie Bildungs- und Erziehungsziele werden in der Weimarer Verfassung gleichfalls? in modernem Geiste aufgestellt. Zur persönlichen Tüchtigkeit muß bie berufliche kommen. Persönlichkeftskültur und Gemeinschostskultur werben so bieinander verfloch­ten, wie es der Natur der Sache eittspricht. Zur Staatsbürgerkunde kommt der Arbeitsunterricht. Bloße verstandesmäßige Bildung wird also mit Recht als unz urrick,end empftinden. Alle Werte der butschen Kultur, der deutschen Sprache, Literatur, Musik und Kunst werden in der künftigen Schule einen breiteren Raum haben clls bisher. Tie Ver-i fassung will also nicht eine im äußerlichen Sinne nationale Erziehung^", sio-ndern eine Erziehung im Geiste des deutschen Volkstums. Ter Religions­unterricht wird als o-rdentliches Lehrfach anerEannt, aber unter Aussicht des Staates. Tie Empfindun­gen Aiidersdenfesioer soklen im Unterricht der öffentlichen Schiülen geschvitt werden.

Mit all diesen Bestimmungen könnte man ein­verstanden sein. Wenn nur der 2. Absatz des Ar­tikels 146 nicht wäre! Er Mit vollständig aus dem Nähmen heraus. Er verleiht jeder Gemeinde das Recht, mit Hilfe des Antrags von ein paarEr- riehungsbewcktigten" in das Schulwesen des Lan­des eine Bresche zu schlagen . An Stelle der gvorb- neben Tenwkratie, bic durch das -Ovgcui der Volks­vertretung ihre Schule schafft, setzt dieser Absatz ein regelloses Entscheidungsrecht von lokalen Aulv- ritäten, das an Bolschewismus streift. Tie Aus­gabe wird sein, das kommende NtichZgesetz so zu beeinflussen, daß bie Fehler unb Unklarheiten der Verfassung ridjitig^ritrlU werden. Tas Neichs- s ch u l a m t, das nicht mehr zu vermeiden sein wird, muß einen genügend starken Einschlag füSbeutfdxr Kultur erhallen, damit wir der Gefahr einer Ber­liner Uniformierung entgehen.

Wie arbeiten die Ministerien?

Wir lesen imDarmst. Tagl. Anz.": In der Stadtverordnetensitzung am 21. August haben sozialdemokratische Stadtverordnete Sen hohen Stromverbrauch im Landestheater be­mängelt. Zwei Familien, von denen die einevon

hoher Stelle protegiert" sei, haben im Monat für 1500 Mk. Strom verbraucht. Eine Beschwerde sei unerledigt geblieben. Gegen biefe Kritik Hal sich Derr Minister Dr. Fulda im hiesigen Vollsfreund" in einer Weise verteidigt, bie nicht gerade darauf hindeutet, baß zwischen ihm unb leincm Parteiblatt ein vertrauliches Verhältnis besteht. Derr Dr. "Fulda legt dar, baß der Herr Finanzminister, dessen Angelegenheit die Erledi­gung der Beschwerde war, sich in Weimar befand und daß deshalb er Tr. Fulda die Dinge in die öanö nehmen mußte. Die Untersuchung fei mit aller Beschleunigung durchgeführt worden. Für den Feinersteh.mden ergeben sich <mS dieser Darstellung verschiedene Fragen: 1. Wenn der Derr Finanz- miiiister verreist ist, ist denn da niemand in sein em Ressort vorhanden, der solche Beschwerden erledigt? Wir wissen doch, baß wir 8 Minister haben und daß jedes einzelne Ministe­rium durch neue Dil'sarbriter so verstärkt ist, daß eS, unbedingt möglich sein sollte, seine Aufgaben resfortmäßig zu bewältigen. Es macht doch einen eigentümlichen Eindruck, wenn der Finanzminister in einer dock immerhin nicht weltbew genden Sache durch den Minister des Innern vertreten werden muß. 2. Derr Dr. Fulda gibt zu, daß er mit Derrn Ottenheirner, gegen den bic Beschwerbe wegen bes hohen Stromverbrauchs vorlag, ver­wandt ist. Es erhebt sich die andere Frage, ob es korrekt und vorsichtig von Derrn Dr. Fulda war, in der Angelegenheit eines Ver­wandten die nötigen Erhebungen zu machen. Wenn solche Fälle cintrcten, ist es fein Wunder, daß die Parteigenossen des Derrn Fulda von Prolettionswirtlchaft" reden.

# Lehnheim, 3. Sept. Hier wurde eine Ortsgruppe des Hessischen Bauernbundes ^.gründet, der sofort 35 Mitglieder brirraleri. Vor­sitzender wurde Beigeordneter Hönig, Stellvertre­ter Rechner Thraum, Beisitzer Gustav G-, Eduard Zulauf und Karl Zimmer. In Merlau wurde eine Ortsgruppe gegründet. Vorsitzender wurde Ludwig Sartorius, Stellvertreter Georg Schnei­der, Beisitzer Demrich Karl Zimmer, August Schlosser und Deinrich Dahn.

# Rodenbach, 3. Sept. .Hier trat eine Ortsgruppe des Dcssischen Bauernbundes ins Le­ben, der sich 26 Mitglieder anscklosfen. Vorsitzen­der wurde Beigeordneter Hammel, Stellvertreter Heinrich Loh, Beisitzer Heinrich Hammel und Hein­rich Tierbach. In Dauernheim schlossen sich 29 Landwirte zu einer Ortsgruppe zusammen. Vor­sitzender wurde Heinrich Gorr, Rechner Hemrick Wilhelm Faber, Beisitzer Karl Wcith und Heinrich Schmidt. In N jeder»Mock sta d t gründeten 35 Bauern eine Ortsgruppe. SSotfi.xmSer wurde Gustav Ulrich II., Stellvertreter Wilhelm Leon­hardt. Rechner Hermami Kruger, als Beisitzer Rtinhard Bauer und Wilhelm Bauer.

A«» Stadt und Land.

Gießen, den 4. Sept. 1919 Erholungsheim de» Hessenbunde». Ter Wartburg-Verein Gießen, der schon seit 32 Jahren Jugendpflege in unserer Stadt betreibt, hat gemeinschaftlich mit feinen f&rüier- vereinen in Hessen neben vielen schon bestehenden Fürsorgen ein neues Werk für seine Mitglieder geschaffen, ein Erholungsheim. Droben im Vogels­berg, in Herbstein, mit seiner kräftigen Luft und seiner reizvollen eigenartigen Sckönheit ist t5 entstanden. Freundliche Leute hatten 1918 ihr ge­eignetes Häuschen angeboten, und bet Bunb hat es gepachtet, um es später zu erwerben. Jedes Mit­glied der Wartburg-Vereine bat das Recht, jähr­lich einmal bis zu drei Wochen in dem $>cim zir wohnen und orSentlich verpflegt zu werden und sich von allen beruflichen oder anderen Sorgen und Mühen des Jahres auszuruben und zu crljokn, um dann frisch gestärkt die Pflichten des Lebens wieder aufzunehmen. Es ist dabei nicht nur an bie Stabt* buben" griracht worben, auch an bie vielen Andern im Bunde, die unter dem schweren Druck der Gegen­wart eine kurze Ausspannung nötig haben. Das Ferienheim ist das ganze Jahr geöffnet, unb wer nicht im SoNrmer droben verweilen kann, bem stehl es im Winter zum nervenstärkenden Schneespori zur Verfügung. Für Verpflegung, vollstänbige gute unb ausreichende TageS ko st ufro., fordert der Bund 3 bis 5 Mark. Für Mitglieder, bic die Erholung am nötigsten haben, aber nicht ausreichende Mittä besitzen, sollen Freistellen gesck-afsen werden.^

Ter Zuspruch ist aber mit der Zeit so gr5® geworden, daß bie varhanbenen Räume nicht rei­chen, unb die Verwaltung mehr Kräfte braucht. Um angrenzende Räume unb Gelände für den gleichen Zweck umbauen zu können, bedarf es arößeoer Mittel, die auf dem Wege von Samm­lungen und Wohl tätigke §fon jerteit durch die Vereine aufgebradx werden sollen. Ter hiesig.' Wartburg-Verein gibt zu diesem Zwecke am Tonncrstag den 11. September im Saale des Hotels Crinlprn ein Konzert, dessen Reinertrag für das Heim verwandt werden soll. (Näheres siehe Inserat.) Auch ist dem Wartburg-Verein

Feuilleton.

Adolf Pichler als Deutscher.

Bor (lintert Jahren, am 4. September 1819, tourte in Erl, unweit Kufftein, Adolf Pichler geboren, der als Dichter, Gelehrter unb Bvlks- erzieher bestes Ansehen in feiner Tiroler Heimat »tno& unb wohl auch auf die Erhaltung der deut­schen Gefimumg m Oesterreich großen Einfluß hatte. Wie er geachtet wurde von seinen Lands­leute, beiviescn die Feiern seines 70. und 80. Ge­burtstages, bic allgemeine Volksfesttage in Tirol waren. Bald nach fernem achtzigsten Geburtstage, ernt 15. November 1900, starb er. lieber feine eckt deutsche Gesinnung geben seine Tagebücher Aus­schluß. Sehr bemerkenswert ist zum Beispiel, was da unterm 1. Dezember 1870 zu lesen:Zum Sckluß will ich noch, von der leidenschaftlichen Tcil- nahine er^iblen, mit der ich den Ereignissen des deutschen Krieges folgte; wie bei all den Helden­taten mein Herz zwischen Jubel und Sorge hin juni> her geworfen wurde, daß ich gar manche Nacht schlastos lag. Nur ungern ging ich in die Sommerfrische, und ich weiß es einem Freunde nvch immer großen Twik, daß er mir die Berichte, welche ich telegraphisch erhielt, sogleich durch einert Boten zumittt'lte. Ich werbe mich der Angst stets erinnern, in welcher ich. nach einer Lügennachricht Dom Siege der Franzosen, die ein Beamter der Süd bahn verbreitete, am Ufer des Sees qualvolle Stunden verbrachte, bis der Bauer, den wir noch srät Abends nach Jenbach gesandt, uns aus zuver- läfjigcr Quelle Serubigung bradjte. Mit verzcl)- lenber Sehnsucht erwaritic ich Tag für Tag am

Ufer den Kahn, der die Zeitungen brachte; gegen Wiener, welche Napoleon den Sieg wünschten, fuhr ich sckwft los, unb ich erinnere mich noch lachend des zerkritzelten Gesichts eines Hoßrates, dem ich die Tepesche von Wörkh vovlas. Ich war nicht der Einzige; Unterinnthal auf und erb wogte die Be- gtisterung selbst unter den Bauern, und deswegen gelang es, beträchtliche Beiträge für die deittsich-n Beommbeten zu sammeln. Hu Ehren des Sieges von SBrifprnbirrg zündeten wir Feuer an, der '.ffec Jäger Karl lud die Böller, daß sie krcuhend im Widerhall der Berge durch bte DAer unsere Freud?, verkündeten. Ter erste September war ein schöner Tag. Ich stieg mit meinen Kindern hinauf aus Den Münz, diese Hochiwarte, von der ntttn weit hinaus auf die bayerische Ebene sieht. Nach 12 Uhr er» rtickten wir den Grat. Ms wir uns gelabt, füllte ick, ein Glas mit rotem Tiroler Wein und brachte in Gesellstl^aft etlicher Fremden, dir zu uns? ge­stoßen waren, rin Horl> auf beit Sieg der Deutschen aus. Tann schleuberte ich dis leere Glas an den Felsen, daß bie Splitter ivrilhin flogen unb rief: So nrog' es allen Fernden bes deutschen Volkes ergeben, im Osten wie fm Weiten!" Ich backte dabei an die Russen. Es war gerade ein Uhr, die Stunde, wo Napoleon zu Sedan bie Waffen streckte. Das erfuhr idi schon am nächten Mittag, unb ich werde stets des intercnanien ZxpalleS auf dem Münz adtenfen." Pichler hat auch damals in ker­nigen Siebent feinem lebendigen deutfchm Natto- ualgefühl kräftigen Aiübruck glliecknl. Aber auch spater noch bat er stets und überall für das Deutsche htm in Oesterreich gekämpft, und diese seine Mi- fdtiu-ungen waren Nrohl die Ursache, daß er ungc»

bicholick. lange warten mußte, ehe er die Lehrersteile am Innsbrucker Gymnasium mit einer Professur an der dortigen Universität vertauschen konnte.

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Vom W<serbergland. Aus Han­nover schreibt man uns: In der schönen, viel­besungenen Weserstadt Hameln hielt nach vier­jähriger, durch den Krieg hervorgemfenen Unter­brechung soeben der Wesergebirgsverein seine Lnmptversammlung ab, an der auch Ver­treter der Stadtverwaltungen der einzelnen Weser- städte teilnahmen. Ta die Rheingegend zum großen Teil zum besetzten Gebiet gehört und damit dem freien Reiseverkehr zumeist verschlossen ist, kann eS nicht wundernehmcn, daß ein Teil des Frem­denverkehrs von daher jetzt in verstärktem Maße, trotz der Verkehrsschwierigfeiten der Eisenbahn, der lieblichen berg- und waldreichen Wesecgegend, btefem urbcutfd)en Kernlanbe Germaniens, zu­strömt. In der Hauptversammlung des Weser- debirgsvereins wurde denn auch eine erhebliche Zunahme des Verkehrs im Weser­gebiete festgestellt. Daraus ergibt sich, daß der Verein »in verstärktem Maße seine Ziele und Be­strebungen verfolgen will, nämlich die Organi­sation des Fremdenverkehrs und bie Werbearbeit für ba-3 Weserland. Als sein Gebiet kommt Ober­lauf und Mittellauf der Weser in Betracht, also die Gegend von Kaffel bzw. Hann.-Münden bis nordwärts zur Feste Westfalika bei Minden in Westfalen. Tiefes Stück Land ist in der Tät eine der reizvollsten, von der Natur in verschwende­rischer FUle ausgcstatteten Gegenden Deutschlands. Auf der Weser verkehren während des Sommers

Personendampfer. Bei den unzähligen Windun­gen des Flusses hat man einen ständig wechseln­den Blick auf die herrlich bewaldeten bergigen User mit ihren Burgen und geschichtlich denkwürdigen Siedelungen. Und von der Weser aus lassen sich nach allen Ricktungen die wunderschönsten Wan­derungen in Gebiete unternehmen, die bisher noch abseits des großen Verfehrsstroms lagen, darum aber gerade von unberührbarer Schönheit sind. Es sei u. a. nur das herrliche Waldgebiet des Sollinggebirges genannt, wo Köhler noch ihr altes Gewerbe der Mrilerri (Holzkohlengewmnung) betreiben. Der Solling ist nickt nur eins der größten Walbgcbiete Deutschlands, sondern eine Gdbirgslandschaft, die an Naturschöndeit, Eigen­art und Shmmungs^auber kaum rhresglrick)en in Deutschland findet. Und doch nxnr dieser Landes­teil vor dem Kriege fast eine terra incognita für den großen Fremdenverkehr. Allerdings kommt dort nur der Naturfreund auf seine Rech­nung; wer Vergnügen, Feste und sonstige rau­schende Veranstaltungen des modernen Bado- und Kurlebens nicht entbehren null, mag lieber fern bleiben. Ter Wesergebirgsverem wird nun für eine umfassende Wegebezeic^iung, die während des Krieges arg vernachlässigt war, Sorge tragen imb den Dieckhvffsck^en Führer durch das SPtfergebiet, der vergriffen ist, in erweiterter Bearbeitung bei BrocklMiS in Leipzig erscheinen lasen. Anschluß­gebiete werden in den Führer ausgenommen, so baß sich fein Gebiet, von der Werra und Fulda im SüSen bis zur Porta Westfalika im Norden, von Osnabrück im Wejipn bis Hildesheim im Osten erstrecken wird.

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