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ZVilliirgrrrmdöruck u. Verlag: Srühl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Gefchäflrftelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

Nationale Erinnerungen.

Gestern war der Erinnerungstag von

Die deutsche Verfassung von der Entente angefochten.

Versailles, 3. Sept. WTB.) Nach demJournal" hat die j u r i st i s ch e Kom Mission der Friedenskonferenz ihren Bericht über die deutsche Verfas- su n g fertiggestellt und der Friedenskonferenz übermittelt. Sie vertritt die Ansicht, daß Ar­tikel 2 und 61 der Verfassung gegen Arti­kel 86 des Friedensvertrages vyn Versailles verstoßen. Der oberste Rat entschied, daß die deutsche Regierung inner­halb von 15 Tagen die deutsche Verfassung abzuändern habe.

Der Zrledensverttag mit Gesterreich.

Französische (üewaltttiaßregelrr in Birkenfeld. «

Oldenburg, 3. Sept. (WTB.) Am letzten Samstag hat der franzöjische Kommandant den Birkenfelder Landesausschuß auf gelöst und die Mitglieder der oldenburgischen Negierung abgesetzt, weil die berufene Vertretung des Landes in Uebereinstimmung mit der olden-

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Ludwigshafener Borgänge.

Mannheim, 2. Sept. (Wolff.) Tie fr in», zösische Besatznngstehörte in Ludwigshafen hat den gestern noch nicht entlassenen Po^bountew Fuhrmann auch heute noch nicht freigelassen. Tie Arbeiterschaft hält an dieser Freilassung un­bedingt fest, so daß der Generalstreik schließ­lich auszubrechen droht. Verhandlungen hierüber schweben noch. Tie Beerdigung des getöteten Dost-.

daß die in englischer Hand in Frankreich be­findlichen Kriegsgefangenen im Abtransport nach der Heimat begriffen seien. In den letz­ten Tagen seien täglich 1000 Kriegsgefan­gene in Deutschland eingetroffen. Die Zahl wird sich von heute voraussichtlich auf 3000 täglich erhöhen.

Der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete.

Berlin, 2. Sept. (Wolff.) Dieser Tage fan­den zwischen den beteiligten Reichsbehörden und der Waffen stillstandskommission Verhandlungen statt, die sich auf die Ueberlettung großer Arbeits­gebiete der Wafsenstillstandskommission auf die demnächst damit zu betrauenden ReichSstelben be­zogen. Nach Maßgabe dieser Besprechungen geht sofort das den Wiederaufbau betreffende Ar-, leitsgebiet unter vorläufiger Beibehaltung der bis­herigen Arbeitsräume aus das Reichswirtschasts- ministerium über. Aus der Unterkommission fite' die Rückgabe der aus Belgien und Frankreich' w eg ,g e f ü h r t e n Maschinen ist ein dem aus- wärtigen Amt unterstehendes Kommissariat gebil­det und Herrn Kommerzienrat Tr. Guggen- heimer übertragen worden. In gleicher Weise wurde dem bayerischen Legationsrat Freiherrn von Stein die Bearbeitung der Rückgabe der Jrnanzdokumenbe und Kunstgegenstände übertra­gen.

Annahme von Anzeigen f. die Laqesnuinmer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbmdlichkeit Preis für \ mm höhe für An-.eigeuv.34mm Breite oithm 15 Uf., auswärts 18 Vs., für Reklame- anzeiqen von 70 mm Breite 48 Vf. Bei Plah- vorschrisi20°/.A>!sfchlag. Hauvtschri'tleiier: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den ädrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den AnzeigeiiKil: v. Beck; fämtli in Gießen

l fessor Q u i d d e (München), Dr. H e i l - berg (Breslau), von Gerlach (Berlin), Eduard de Neufville (Frankfurt a. M.), Dr. Fried (Bern) ein so schwaches deutsches Gewissen besitzen, bei solchen Feststellungen" mitzuwirken. Wir sehen doch in der Gegenwart jeden Tag deutlicher, wie die Entente-Staaten Macht vor Recht ergehen lassen und wie sie sich das Zeugnis ausstellen, daß sie ber der Vertretung ihrer Interessen von keinerlei Skrupeln und Zweifeln geplagt werden. Soeben stellen sie an unsere deutsche Regierung die Zumutung, die deutsche Ver­fassung müßte binnen 15 Tagen an den Punk­ten abgeändert werden, wo sie von der Mög­lichkeit eines Zutritts Oesterreichs in den deutschen Reichsverband spricht! Sie stützen sich dabei auf den famosen Friedensvertcag, in dem uns derlei Bemühungen untersagt seikm. Wir haben wahrlich Grund, uns zu besinnen, was wir einst waren und galten und was wir heute sind! Wir müssen uns an der früheren Glanzzett unseres Deutschen Reiches doch öfter das nationale Gewissen schärfen!

Gestern war der Erinnerungstag von Sedan, und wenn auch keinerlei festliche Kundgebungen in der Oeffentlichkeit damit verbunden wurden, so haben doch zweifel­los Biele im stillen Herzen das Einst und Heute überdacht. Unsere hessische Regierung hatte das Muster des preußischen Ministers nicht nachgeahmt, der es für nötig gefunden hatte, in einem plumpen Erlaß das Flaggen öffentlicher Gebäude aus Anlaß des Sedan- 3es zu untersagen. Fahnenschmuck war cm vorhanden; er galt den aus der Ge­genschaft heimkehrenden Kriegern.

Oberst Reinhardt.

Berlin. 2. Scht. Ein Offiziersteltvertreter Neuendorfs von der Brigade Reinhardt hatte vor einigen Tagen imVorwätts" einen offenen Brief an den Obersten Reinhardt gerichtet, worin er diesem vorwaf, daß er bewußt mit allem ihm zu Gebote stehenden Mitteln für die Wiederherstellung der Monarchie agitiere und selbst vor dem Mißbrauch der Kommandogewalt für seine Zwecke nicht zurückschrecke. Der Brief vetteidigte den Verband inaktiver Unteroffiziere und Mannschaften Deutschlands gegen den Vor­wurf, eine die Truppe verhetzende Politik zu treiben und mit dem republikanischen Führerbund in Gemeinschaft zu steten. Es sei höchste Zeit, die Regierung und die Oessentlick>keit auf das regie­rungsfeindliche Treiben des Obersten Reinhardt aufmerksam zu machen, für den in der Reichswehr kein Platz mehr sein dürfe.

Oberft Rein Hardt aickwortet heute auf diesen Brief mit folgenden Schreiben an die Re­daktion desVorwärts":Mein Wunsch fürs Vaterland im Augenblick ist vor allem Ord­nung. Weil ihr sich Neuendorff nicht fügte, ist er entlassen worden. Daß bei den augenbliÄichen Zuständen einem Feld- und Frontsoldaten ge­legentlich ein recht derbes Wort über die Lippen fährt, wird wohl niemanden wundern. An die Wiederkehr einer Monarchie im Augenblick ist wohl nicht zu denken: sie verbietet schon die Entente. Das weiß auch Ihre Redaktion. Ich vermag daher in Ihrem Artikel mir den Versuch zu erkennen, sich für kommeicde Unruhen bei den radikalen Parteien noch schnell in günstiges Licht zu setzen: auch dies bezweckt wohl die Gründung des republikanischen Führerbundes in Ihren Räu­men. 'Sie können nicht verlangen, daß man zu­sieht, wie Sie und Ihre Anhänger sich allmählich der Zerwühlung der Truppe widmen. Diese weiß genau, daß sie für die kommenden Zeiten treu Zusammenhalten muß, wenn sie be­stehen will. Nicht um Republik oder Monarchie wird es sich demnächst im Lande handeln, sondern um Arbeit und Ordming. Ich kann die Redaktion nur bitten, sich hierbei zu beteiligen. So wird sie Deutschland am meisten nützen und auch nur dann wieder Männer finden, die ihr Helsen, wie am 11. Januar."

DerVorwätts" nennt den Ton des Schrei­bens anmaßend und unverschämt, und sagt, daß Oberst Reinhardt durch die Wendung des Briefes über die Monarchie seine Gesinnung auf das deutlichste enthüllt und verlangt ein Einschreiten Noskes gegen den Obersten Reinhardt.Dieses Berliner Gegenstück," so schreibt er,zum Münch­ner Herrgott hat schon lange genug sein Unwesen getrieben. Für diesen Mamr ist in der republikani- 'chen Wehrmacht kein Platz. Die siegesbewußte Anmaßung, mit der er schreibt, zeigt zur Ge­nüge, wie iwtwendrg die Gründung einer republi- kmlischen Abwehrorganisation gegen derattige Mo­narchist isck'ie Wühler und Umstürzler gewesen ist. Wir verlangen vom Rcichswehrminister, daß er bieiau Treiben ein Ende macke und zwar auf dem Wege, den ihm Oberst Reinhardt selber ge­wiesen bat."

Die Rückkehr der Gefangenen.

B e r l i n, 3. Sept. (WTB.) Die Reichs­zentralstelle für deutsche Kriegs- ; und Zivilgefangeue gibt bekannt.

Der Schmuggclprozeß gegen den Prinzen zu Wied.

Berlin, 2. Sept. (Wolff.) Nach einem Bei richt derB. Z." erschienen in der heutigen Ver­handlung des Schmuggelprozesses gegen den^P ringen zu Wiedin Trelleborg nur Tr. v. Stockhausen mit dem Stockholmer Advo­katen L i s f o r ß , während die Sck)wcigerin teS Prinzen, die Gräfin von Svlms-Wildenfels, selbst nicht zugegen war. Ter schivedisck-e Advokat er­klärte, Prinz Wied hätte dttngende Gründe fite die Ausfuhr der Schätze. Tie Sicherheitsverhält^ nisse in Deutschland seien so ungenügend, daß <5 gefährlich gewesen fci den Schatz dort zu belassen^ Tas Recht zur Ausfuhr leite er ans ferner E x-< territvrralität als ehemaliger ü r ft* von Albanien her. Er suchte um Erlaubnis- zur Ausfuhr nach. Da ine Antwort aber fror* aussichtlich noch sehr lange auf sich warten lassen? würde, sei er zur Selbsthilfe geschritten. Es trete nicht feine Absicht, die schwedische Zollbehörde um die ihr zukommende Steuer, die bei dem Wett deS Schatzes UM 6 Millionen Kronen etwa 270 000 Kronen, also eine Million Mark, betragen hätte, zu bringen. Ter Zollfiskal Hallström nüber* sprach dem Vertreter des Pttnzen Wied in jeder Weise. Er be{tritt, daß die beiten beim Schmuggel Ertappten die Msicht gehabt hätten, die Schätze zu verzollen. Aus Anttag des Rechtsanwaltes wurden die Berhandlungen auf den 29. September vertagt. Bon Interesse ist, daß seinerzeit jmar eine ganze Menge Leute den Vorgang beob­achtet, aber nichts für die Anhaltung ter beiten Deutschen getan haben. Diese wurde erst auf Ver­anlassung des Assistenten Jönsson vorgenom­men. Falls die schwedische Behörde die Beschlag­nahme ter Wertsachen ausspricht, bekommt die schwedisch? Regierung nur ein Viertel des gesamten Wertes, während drei Viertel Item Angeber Jönsson zufallen würden.

Aber sollten wir die Erinnerung an die Zeit der Reichsgründung ganz in unseren Herzen auslöschen? Sollen wir die stolze Zeit des nationalen Aufstieges seit 1871 aus ^grundsätzlichen" Bedenken verwerfen, weil wir jetzt ja in der rühmlicheren Atmosphäre einer Republik lebten, deren Präsident gegen­wärtig auf seiner Rundreise durch die Haupt­städte der Einzelstaaten sich die beste Mühe gibt, zur nationalen Einigung aufzurufen. Wie schlecht und aufreizend das erwähnte Fahnenverbot in manchen doch wohl auch gut deutschen Kreisen unseres Volkes, ganz abgesehen von den oppositionellen Parteien der Rechten, gewirkt hat, geht aus folgen­der Zuschrift hervor, die wir von einem Geistlichen eines Nachbardorfes von Gießen erhalten:

...Tie fast mrglaubliche Zumutung, die Uns von gewisser Seite gestellt wurde, daß wir jede Erinne- ntug an den großen Tag von Sedan und was damit zufammenhängt, auS unserem Gedächtnis austilgen, jedes Zeichen ter Erinnerung an diese öroße peit, wie z. B. Aushängen von Fahnen, ängstlich meiden sollten, um unsere Feinde nichck zu verdrießen, ist so recht ein Zeichen unserer Zeit, ater em trauriges, und beweist, wie weit wir heruntergekommen sind. Ein Volk, das feiner ssvoßen Vergangenheit vergißt, das feine großen Toten vergißt und verachtet, hat das Recht seiner Exrstenz verwirkt und ist vfis zum Untergang Wir toeuen batet eine solche Zumutung mit Entrüstung zmcklck und Men damit nicht allein zu stehen Wer die große Zeit von 1870 erlebt hat, kann gar nicht anters denken und handeln, sonst macht er nch'/um Verräter an den heiligsten Gütern unseres Volkes und Vaterlandes."

Man kann diejenigen Deutschen, die eine Monarchie für die beste Staatssorm Deutsch­lands halten, doch nicht einfach niederknüp- veln. Freiheit des Wortes mrd der Ge­sinnung perbürgt uns doch auch unsere neue Verfassung. Wir halten eine solche Agitation, wre sie jetzt der Alldeutsche Verband entfacht, für falsch und schädlich, denn wir sind der Meinung, daß man der Entwicklung unseres Reiches und Volkes nicht mit stürmischen Forderungen vorgreifen soll, die nur den inneren Arader vermehren und uns auch nach außen hin schaden. Aber das Bekenntnis zur Monarchie an sich ist zu respektieren! Es ge­fällt uns jedenfalls entschieden besser, als der Klub jener deutschen Pazifisten, der sich letzt vomRat des internationalen Friedens­bureaus" in Bern hat beglückwünschen lassen dafür,daß er die Verantwortung Deutschlands und Oesterreichs am Ausbruch des Weltkrieges unumwunden zu­gegeben und die dem deutschen Heere zur Last gelegten Ausschreitungen verurteilt hat" In der Resolution dieses Rates wird auch denjenigen österreichischen und deutschen Pa­zifisten volle Anerkennung ausgesprochen, die während des Krieges durch ihr mutiges Auftreten für die pazifistische Idee sich die Verfolgung der Behörden zugezogen haben". Das Friedensbureau hat ferner über die Ur­sachen des Weltkrieges und die Verantwort­lichkeit folgende Feststellungen gemacht:

.Was die allgemeinen Ursachen des Welt- kneges anbetrifft, jo haben nach Ansicht des Rats alle Völker, besonters die großen, ihren schweren Teil ter Verantwortung, aber Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland und die Türkei Ha­ven durch Unterdrückung ter nationalen Minter- wten, Deutschland und Oesterreich-Ungarn durch vw zweimalige Gefährdung des Erfolges der Frie- vmskvnferenz, Deutschland, Oesterreich-Ungarn dadurch, daß sie den militäri- fwen ^hicl>ten eine fast unbeschränkte politische wÄH "Nen üierroiegenben

acn allgemeinen Ursachen 3 auT geladen. Ueberdies S.-nfe"11 Ursachen i> Krieses wir- mit ^nrrtoc1,n besondere Willens- tnflmlunc nut voller Ueberlesnng den AnSbruch der Katastrophe h-rb-igesahrt hätten. In dieser Be- l*n<l bat OeNerrerch-Ungarn dadurch, daß es l-erln-n etn Ultmmtum zupehen lieh, dessen Un. «nnedmbarkeit es wollte und wnhtc, und d°b es E l"'5A^tchtlt»c Entscherdnng ablclmte. und hat Teutschlant da noch. >8 in den entscheiden- teil ~ag. i oas Wiener Kabinett rüdbalbos unter­stützte und Rußland und Frankreich den Krieg er- llätte, die Verantwortlichkeit für den Krieg auf sich geladen."

Wir bedauern, daß deutsche Pazifisten die Vertreter Deutschlands und Oester- Deichs an den Sitzungen des Rats sind Pro- i

bnrgischen Landesregierung den Anschluß Birken­felds an die preußische Rheinprovinz erstrebt. Es wurde in Birkenfeld eine neuerevolutionära Provinzialregierung eingesetzt. Tas oldenburgische Staatsministerium Hal scharfe Ver­wahrung gegen diese verfassungswidrige Gewalt­maßregeln eingelegt.

Das Schicksal der deutschen Luftflotte.

Berlins. Sept. (WTB.) Zn der englischen Meldung von oerZerstörungzwölfauszu- liefernder Luftschiffe erfahren diePoli­tisch-parlamentarischen Nachrichten": Von ten zer­störten Luftschiffen luaren einige bereits während des Krieges abmontiert Worten, weil sie unbrauch­bar geworden waren. Sieben Luftschiffe wurden von ten Mannschaften im Anschuß an die Vor­gänge in Scapa Flow zerstört.

Die Fragen des OftenS.

Haag, 3. Sept. (WTB.) DerN^uwe Courant" meldet aus Neuyork, daß die M i t- g lieber der amerikanischen Mis­sion für den nahen Osten der amerika­nischen Delegation in Paris Bericht erstattet haben. Sie melden, daß die meisten Türken für ein amerikanisches Mandat seien. Der Li­banon jedoch gebe Frankreich den Vorzug. Die Syrier verlangen, daß Palästina mit Syrien vereinigt werde. Sie sind gegen den Zionismus, da nur 10 Prozent der augen­blicklichen Bevölkerung jüdisch seien.

Militärische Einberufungen in Elsaß-Lothrin-en.

Berlin, 3. Sept. (WTB.) Nach terTeut- scken Allgemeinen Zeitung" melden französisch: Blätter, daß die Jahrgänge 1918 und 1919 in Elsaß-Lvthringen in ten näch­sten Tagen unter die Fahnen berufen werten. Sie werten in eigens gebildeten Ver­bänden mit «risässijschen Unteroffizieren und Osfi- ^ieven in Bcsancon, BeHott, Reims mrd Nancy in tert gamifonierente Regimenter eingereiht wer­ten. Nach ter gleichen Quelle wird in Paris ein amerikanisches Flugzeuggeschwader gebildet, das die Polen im Kampfe gegen die Bol­schewisten unterstützen soll.

Eine Botschaft Wilson- an die Arbeiter.

H a a g , 2. Sept. Reuter meldet aus Was­hington: Präsident Wilson richtet aus An­laß des Arbeitertages eine Botschaft an die Arbeiter, in der er eine Konferenz der Arbei­ter und Industriellen einberuft, die darüber beraten soll, wie eine Verbesserung des Ver­hältnisses zwischen Kapital und Arbeit zu­stande gebracht werden und die gesamte Lohn- frage auf eine andere Grundlage gestellt wer­den könnte.

Die Kabinettsbildung in Ungarn.

Wien, 2. Sept. (Wolff.) Tie Blätter mel­den übereinstimmend aus Budapest, daß die Bemühungen des Ministers Heinrichs zur Bildung eines Kabinetts einen günsti­gen Erfolg haben. Wenn das Kabinett auch formril unter der Führung Heinrichs stehen tvird, so han­delt es sich doch in erster Linie um die Einsetzung eines Ordnungsministcriums, das den Charakter HHgkdl,es-Huszar-Garami tragen werte.

Die italienische Balnta.

1 m fter bant, 2. Sept. (Wolffs Laut Pressen bure>>- Radio meldet dieNew Park Sun", daß mit ter Möglichkeit gerechnet wird, daß die ita­lienische Valuta fo tief fällt, daß ter Wett des Liv: nur mehr Vio Dollar betragen wird. TieNew Pork Tribüne" schreibt, ter Tiefstand ter ausländischen Valuta könne nur dadurch be­seitigt werden, daß ein internationales Kreditsystem zur Finanzierung ter von Ea-* oopa vorgenommenen Käufe errichtet werte.

S t. G e r m a i n, 3. Sept. (WTB.) AuS dem Inhalt des österreichischen Friedens­vertrages ist im wesentlichen gegenüber der Fassung vom 20. Juli folgendes hervorzuheben: Bei den politischen und militärischen Bestimmun­gen bleibt ter Eingang unverändert. Deutsch- Oester reich wirb somit nur unter dem NamenRe­publik Oesterreich" anerkannt und wird im Falle der Ratifizierung des Friedensvettrages von dem Augenblick der Kundmachung im Staatsgesetz­blatt anOesterreich" heißen. Der Artikel betr. den Völkerbund ist unverändert. Bezüglich ter Grenzbestimmungen wurde den nachdrücklichen Gegenvorstellungen der Friedensdelegation nicht Rechnung getragen. Eine Aenterung wurde nur msosem zugesagt, als die Stadt Radkersburg und die a m linke uMur-Ufer gelegenen Gemeinden Steiermar ks bei Deutsch- Oesterreich verbleiben. Wrstungarn bleibt ohne Voltsabstimmung in der schon bekannten Ab­grenzung Teutsch-Oesterreick zugesprochen, weil der Volkscharakter und das Nationalempfinden den Anschluß unzweideutig erheischen. In Bezug auf die Staatsbürgerschaft wurden insoweit Aenderun- gen vorgenommen, als die verworrenen Bestim­mungen in den einzelnen, die verschiedenen Staa­ten betreffenden Abschnitten zusammengesaßt wor­den sind. Ter Artikel über den Minoritäten­schutz enthält einerseits die selbstverständliche Be­stimmung, daß Oesterreich jede in Deutsch-Oester­reich Heimat berechtigte Person als deutsch-öster­reichischen Staatsbürger anerkennt und anderseits die ganz unverständliche Vorschrift, daß jede auf deutsch-österreichischem Gebiete geborene Person Teutsch-Oesterreicher sein soll, sofern ihr nicht vermöge ihrer Geburt eine andere Staatsbürgschaft zukommt. Zugunsten Italiens, Tscheckw-Slowa- kiens unö Jugo-Slawiens wirrten verschicteue Aus­nahmen zugestanden, die miteinander int Wider­spruch stehen. In den Fragen der Staatsbürger- fefaft sind sonnt nach Abschluß des Friedensver­trages chaotische Zustande zu gewärtigen. In ten Vorschriften über den Minoritätenschutz sind die direkten Forderungen gegen die bisherigen Ver- fassilngsvorschristen weggeblieben. Auch in ten militärischen Bestimmungen wird an der Ver­pflichtung zur Haltung eines Söld­nerheeres und zur Abschaffung jeder obligatorischen Dienstpflicht festgehal­ten. Bezüglich ter Waffenfateikation wird die Herstellung von Jagdwaffen freigegeben. Die Ver­pflichtung zur Ablieferung, Zerstörung und Ent­waffnung sowie zu einer bestimmten Art der Be­handlung und Benutzung von Seeschiffahrtartikeln wird auf jene Artikel beschränkt, die sich auf deutsch-österreichischem Gebiet? befinden. Im übri­gen ist den Anträgen der deutsch-österreichischen Delegation auch bezüglich der militärischen Bestim­mungen nicht Rechnung getragen worden. Eine allgemein neu aufgenommene Bestimmung (Ar­tikel 68) erklärt die Unabhängigkeit Oesterreichs für unveränderlich, außer mit Zustimmung des Rates des Völker­bundes.

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