Ausgabe 
2.7.1919
 
Einzelbild herunterladen

Deränbert angenommen. Dec h des Gesetzes gelangt ohne Aussprache zur Annahme.

Schluß Vj.9 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch

2 Uhr: Z,veite Lesung des Verfassuugsentw-urfes.

Miwmmen. Ter § 24 wird vorbehaltlich einer UU] mc

Aenderung ui der dritten Lesung vorläufig un-1 nüch.sten Samstag abend 87, Uhr im Hptel Gwß-

** Gießener Waldbühne. Es sei nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Wohltätigkeitsveranstaltung imEin­horn" ist und erst um acht Uhr ihren Anfang nimmt. Die Saalkasse wird eine halbe Stunde vorher (7-8) geöffnet.

-** Oöffentlicher Vortrag. Ueber den Bolschewismus wird Ende der Woche der durch seine Aufsätze und Bücher über das revolutionäre Rußland bekcnmte Tr. Alfons P a q u e t sprechen Der Vorttag wird im Rahmen der von der Ar­beitsgemeinschaft sozialistischer Studenten" veran­stalteten Vortragsreilie stattsinden. Ein besserer Kenner der russischen Verhältnisse als Dr. Paguet dürfte zur Zeit in Deutschland als Redner kaum zu gewinnen sein. Näheres über Zeit und Ort des Vortrags wird im Anzeigenteil desGieß. Anz." und an den Anschlagsäuleir rechtzeitig be» kannt gegeben werden.

** Demokratische Partei. Auf die

Aur Stadt rind Land.

Gießen, den 2. Juli 1919.

** Amtliche Personalnachrichten. Ter Gewerbescbulinspattor Geiverbesckmlratt Johann Meyer zu Tarmstaüt wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung feiner dein Staate geleistetem Tienste mit Wirkung vom 1. August und der Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Gießen Professor Karl V ö l z i n g wegen geschwächter Ge­sundheit mit Wirkung vom 1. Juli in den Ruhe­stand versetzt. Erledigt ist die mit einem evan- gelischen Lehrer zu besetzende, Schulstelle an der Volksschule zu Hörgenau, Kreis Lauterbach

** Die Vermögensverzeichnisse. .Halbamtlich wird mit geteilt: Vielfach ist die An­sicht verbreitet,, daß das für den 31. Dezember 1918 aufgestellte Vermögensverzcichnis die Grundlage der geplanten großen Vermögensabgabe sein soll. Demgegenüber ifa feit erklären, daß dieser Stich­tag kaum als Grundlage für die Festsetzung derVermögensabgabe wird dienen können, da rn der Zwischenzeit zu erheblicl-e Veränderungen^ der Effektivverntögenswerte ftattgcfunprn haben. Ein Termin, der als endgültiger Stichtag dienen kann, ist noch nidfl festgesetzt worden. Dessen un­geachtet loird die Anforderung der Vermögensver- zeichnisse hinnen kurzem erfolgen.

** 8 0 I a h r e a l t. Der ehemalige Markt­meister und Ratsdiener unserer Stadt Karl Moll beging vorgestern im Kreise seiner engeren Familie die Feier seines 80. Geburts­tages. .Das Geburtstagskind entstammt einer Familie, welche in drei Generationen hin­durch ihrer Vaterstadt treue und geschätzte Be­amte stellte. Karl Moll war 42 Jahre hindurch auf der Bürgermeisterei tätig, er hat unter vier Bürgermeistern durch seine Kenntnisse der Verhältnisse und der Personen in der Stadt seinen Vorgesetzten häufig wertvolle Auskünfte geben können und war gewissermaßen mit dem alten Kanzleirat Demuth gemeinsam das lebende Adreß- und Auskunftsbuch. Karl Moll gehört heute noch nach 52jähriger Zugehörig­keit als rüstiger Mann der Gießener Frei^ tvilligen Feuerwehr an und ist für das Orts­gericht tätig, dem er seit seinem Bestehen treu dient. Im alten Gießener Turnverein gehörte Moll lange dem Vorstande an und ist Mib- begründer des Vereins Konkordia. In frühe­ren Jahren hat der alte Moll^ 'wie man ihn lange Jahre hindurch in unserer Stadt all­gemein bezeichnete, manche Erinnerung aus seinem Leben, welche die Stadt Gießen betraf, im Gießener Anzeiger veröffentlicht. Die zahl­reichen Freunde und Bekannten des in Ehren grau gewordenen verdienten Mannes werden ihm aus Anlaß seines 80. Geburtstages einen noch langen gesegneten Lebensabend wünschen.

** Polizeibericht. In der Nacht zum 30. Juni wurden aus einem Waggon an der Margaretenhütte mehrere Büchsen Schmalz und Blutwurst entwendet. .Ferner wurden in letzter Zeit in hiesiger Stadt ein Paar gelbe Herren-Schnür­stiefel, Größe 42, aus einer Wohnung gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kri­minalpolizei entgegen. Die Täter, die in letzter Zeit die 60 Kilo Butter aus der Garnison­schlächterei stahlen, wurden ermittelt und sehen ihrer Besttafung entgegen. Ein hiesiger Handels­mann, der einen Teil der Butter erwarb und weiterverkaufte, wird sich wegen Hehlerei zu ver­antworten haben.

** Ausgabe von Kunsthonig Vom 2. bis 12. d. M einschließlich gelangen in den Kleinhandels« geschäften 500 Gramm Kunsthonig zum Preise von 80 Pf. für Paketware und 78 Df. für losen Kunst­honig zur Ausgabe.

** Aus dem Stadttheaterbureau. Hannelore Ziegler, bie ja am kommenden Samstag wieder hier ein Gastspiel gibt, durfte vor kurzem -einen besonderen Triumph verzeichnen, indem Professor Nikisch gemeinsam mit der Künst­lerin in Bremen einen Abend veranstaltete, über den ganz h-rvvrragend ancrfemten.be Aeußerun­den der Presse vorliegen. Tie Ehrung, die Pro­fessor Nikisch damit der Künstlerin erwies, spricht hinreichend für die Stellung, die Hannelore Zieg­ler unter ihren Fachkolleginnen einnimmt.

Das Arbeitsprogranrm.

Weimar, I.Juli. (WTB.) Der Ael- testenrat der Nationalversamm­lung einigte sich in der heutigen Sitzung da­hin, in dieser Woche mit der zweiten Lesung der Verfassungsvorlage ftrtig zu werden. Man ; hofft, die erste Lesung der Steuervorlagen in drei Tagen erledigen zu können. Hierauf (am 11. und 12. Juli) soll die Verfassungsvorlage in dritter Lesung ihre Verabschiedung finden. Von den.'Steuervorlagen sollen die Kriegs­gewinnsteuern und die große Vermögensab- \ gäbe noch int Juli in allen drei Lesungen ver- \ ab schiedet werden, um sofort in Wirksamkeit treten zu können. Mau hofft, bis Ende Juli den vorliegenden Arbeitsstoff bewältigt zu haben. Ende August werden die Steueraus- schüsse in Berlin zusammentreten. Das Ple­num wird vom Oktober bis Dezember in Berlin tagen. Die Neuwahlen werden voraus­sichtlich im Januar stattfinden.

VertlHe Nationalversammlung.

(43. Sitz.un g.)

Weimar, 1. Juli.

Auf der TageSorbmmg stehen zunächst "Än- Iragtir.

Abg. M u mm (D.-Matl.) fragt nach der Ver­wendung von Reickfsgeldern für Patteizwecke. Ein Regierungskommissar antwort et. Die Liquidation des Werbedienstes ist nahezu abgeschlossen. Die ^Ab­rechnung wird einer genauen Prüfung durch einen sachverständigen unterzogen toerden.

Auf eine Anfrage der Abgeordneten Frau Bietz (Unabh.) über Verletzung des Telephon- geheirnnisses antwortet ein Negierungsver­treter, daß das Telephongeheimnis nickst verletzt werde. Bei Verhängung des Belagerungszustandes könne die Militärbehörde Anordnungen über die Aufhebung des Telep Hou geheim nisses in bestimm­ten Fallen treffen und trage dann dafür die Ver­antwortung. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Un­abhängigen.) Aus einer weiteren Antwort der .Regierung auf eine Anfrage geht hervor, daß zur UnterftüBimg der Frauen und Kinder der Kriegs- gefangenen bisher 2 500 000 Mark auf gewandt worden sind. Gegenwärtig sei eine Erhöhung der B^üge nicht angängig.

Abg. Frau Behrn (D.-Natl.) stellt eine An­frage darüber, daß Kapitän le utnant v. Mücke, der Führer der ^Ayefha", während eines Dor- trages über seine Erlebnisse vor Schülern im Schu- 'mann-Theater zu Frankfurt a. M. rnißlMn- delt und zum Abbruch seines Vottrages gezwungen worden sei. Ein Negierungskommissar antwortet, daß eine Antwort heute noch nicht er­teilt werden könnte, weil das amtliche Material noch nicht ein gelaufen sei.

Es folgt der Bericht des Reichshaushaltsaus- schusses über die Verordnung zur

Beschaffung von landwirtschaftlichem Siedelungsland.

Der Ausschußberichterstatter A l l e k o 11 e (Z.) hat die Verordnung zu einem Gesetzentwurf um­gearbeitet, der in seinem § 1 bestimmt, daß die Bundesstaaten verpflichtet sind, gemeinnützige Sie- -delungsunternehmungen zur Schaffung neuer An­siedelungen und zur Hebung bestehender Klein­betriebe zu bilden.

Abg. Blum (Ztr.): In jedem Falle wird man sagen müssen, daß für die Siedelungstätigkeit zunächst die Schaffung von Bauerngütern mittlerer »Größe das Ziel fein muß. Denn diese sind am .besten in der Lage, sich den wechselnden Bedin­gungen der Erzeugung und des Absatzes, mit denen wir gerade für die nächste Zukunft redmen müssen, anzupassen.

Abg. Schmidthals (Dem.): Es müssen I in der Landwirtschaft weniger Großbetriebe und mehr Kleinbetriebe geschaffen werden. Ter Groß­betrieb mag vielleicht im Kriege an Getreide und «Kartoffeln mehr geschaffen haben als der Klein­betrieb. Aber dieser leistet an sonstigen Erzeug­nissen wie Butter, 'Fett, Eier, Fleisch viel mehr -als der Großgrundbesitz, und nur die Reserven Ker Kleinbetriebe haben uns durch die Kriegs- Zahre hindurchgebracht. Zu den Stellen, die über die Enteignung zur Landbeschaffung zu entschei­den haben, wünschen wir die Hiwcmzichung prak­tischer Landwirte.

Abg. Löbe (Soz.): Ms besonderen Vorteil dieses Gesetzes unh als eine wesentliche Verbessrung seiner alten Fassung betrachten wir die Tatsache, »daß das Gesetz ausdrücklich bie Vergrößerung klei­nerer Stellen Vorsicht und rächt nur auf neue Siedel un gen dringt.

Abg. Tr. Nöficke (D.-Ncckl.): Durch das sGesctz erfüllen wir die Forderung des Mannes, Len 'wir während des Krieges am meisten verehrt haben: Marschall Hindenburg. Lei­der wird die Bedeutung des Gesetzes anscheinend -gerade an den Stellen nicht recht erfaßt, von denen wir das meiste Verständnis erwarten sollten! (Ter Redner weist auf die Regierungs banke, auf btmen nur ein Kommissar sitzt.) Tie ganze Kraft des Volkes sollte rücksichtslos für das Ansiedelungs- Wesen eingesetzt werden. Wir brauchen eme Misch- nng der Produktion, freilich eine riclftige Mischung. An Kapital darf nicht gespart werden. Ter Klein- «grund besitz ist namentlich für die Viehhaltung wich­tig: auf der anderen Seite (nach links) hat man .freilich seiner Entwicklung entgegengewirkt, weil ,man alles Gewicht auf die großen Städte legte! ^Notwendig ist, daß die Siedler für ihren Beruf ^angelernt werden.

Regierungskommissar für das Wohnungswesen Scheidt: Das Reichskabinett ist durch außerordentlich widstige Beratungen länger fest- gehalten worden, als vorauszusehen war. Andere Kommissare sind durch den Stteik in Berlin verhindert worden, hier zu erfdjenten. Die Schwie­rigkeiten für die Vollziehung des Gesetzes bestehen in der Hauptsache in dem Mangel an Bau­stoffen. Für die Bauwirtschaft fehlt eigentlich alles, namentlich Ziegel und Kalk. Heutp haben sich die Bauprcise um das Vierfache erhöht, an einzelnen Stellen noch mehr. Wir würden also rund 5 Milliarden brauchen. Aus Reichsmitteln stehen aber nur 500 Millionen zur Verfügung.

Abg. Dusche (D.-N.): Ich halte es für das Wichtigste, möglichst viel neue Siedlungen zu schaffen. Dabei sollte man möglichst auch die Kriegsbeschädigten und diejenigen berücksichtigen, die aus den uns jetzt verloren gehenden Gebieten in das verkleinerte Deutschland zurückwandern.

Abg. Wurm (Unabh.): Meine Fraktion wird nicht für das Gesetz stimmen, weil es nicht praktische Arbeit leistet, sondern trügerische Hoff­nungen erweckt, die nicht erfüllt werdeir können. Kern Augenblick ist für neue Siedelungen ungün- fhgec als der gegenwärtige. Wer bei den hohen Baukosten und hohen Grmidstückspreisen eine solche pteoelung übernimmt, ist vom ersten Tage an bankerott. Die eigene Scholle auf dem Lande rst durchaus nicht die Sehnsucht des Ar­beiters. Unsere landwirtschaftlichen Verhältnisse können nur dadurch gesunden, daß an bie Stelle der Privatbetriebe bte Gemeinwittschast tritt

Aba- Dr. Heim (Zcntr.): Die Sozialisten ^^Nlcht immer fo konsequent wie der Abgeord­nete Wurm heute. Das Gesetz ist ein hervorragend konservatives Gejetz, ausgegangen von der heutigen Regierung. Sie wird noch häufiger solche konser­vative Politik machen müssen!

Tie Debatte schließt. Es folgt sogleich die zweite Beratung. Der Präsident bringt die ein­zelnen Paragraphen zur

A bstim m ung.

Die Paragraphen 1 bis 23 a werden mit einigen Abänderungen nach unerheblicher Aussprache an-

herzog ftattiinbenbe Mrrgriederversammlung fei heute schon yingewiesen. (Siehe Inserat.)

** I m Lichtspielhaus, Bahnhof­straße, wird von heute ab Irrwahn, ein so­ziales Drama in drei Akten, gegeben. Außer­dem gelangen das Drama .Sträfling Nr. 113 und das Lustspiel Hofgunst zur Aufführung.

Landkreis Gießen.

** Großen-Linden, 30. Juni. Am 5. Juli scheidet unsere langjährige Klein- kinderschulschwester aus ihrem Dienst aus. Am 27. l. M. waren es 24 Jahre, daß sie ihre Tätigkeit hier ausübte. Während dieser Zeit hat sie ihren Beruf mit großem Pflicht- bewußtscin ausgeübt und erfreute sich infolge­dessen großer Beliebtheit.

O Ober-Bessingen, 1. Juli. Nachdem die auswärtigen Pre.strecber von der Grasver- ft e i g e r u n g der Gemeiildewiesen ausgeschlossen waren, wurden bei der zweiten Versteigerung an­gemessene Preise erzielt, die auch beit (Sinbeinuidnen den Ankauf crmöglidüen. Trotzdem wurden für gute Wiesen, die allerdings and) einen Turch- schnittserttag von 1520 Zentnern aus dem Mor­gen .garantierten, immer noch 300400 Mark für den großen Morgen geboten. Die Heuernte fist nun beendet, sie lieferte der Güte nach vorzüg­liches Futter.

Kreis Schotten.

z. Aus dem oberen Vogelsberg, 1. Juli. Allgemeines Erstaunen und Verwunderung erregen die diesjährigen hohen Graspreise bei ktns, da der Vogelsberg doch wegen seinem Futter- reichtum allgemein bekannt ist. Der Pachtpreis be­trägt von mand>en Wiesen mehr wie der Kaufpreis. Bei Wiesen, wo der Kaufpreis vor 30 Jahren 30 bis 45 Mk. kosteten, beträgt der Pachtpreis heute für jede 200 Mk. Bei einer Wiese, die 300 Mk. int Ankauf kostete, ist das GraZ zu 300 M. ver­pachtet worden. Gewiß seltene Ersdreinungen der Zeit.

E. Lau buch, 30. Juni. In der Nackst vorn 28. auf 29. Juni b. Js. wurden aus dein hiesigen Futterage-Depot 26 Sack, etwa 21 Zentner £>afer, welcher noch für bvc oon hier verlegte 3. Eskadron des Drag.-Megts. Nr. 23 hier zurück­geblieben iiMTcn, ge sto hl en. Der Hafer wurde von einem Zwiscljenhäudler ausgekauft imd leiltociie an hiesige Einwohner verkauft. Ten Tätern war man sofort auf der Spur.

f. Gonterskirchen, 30. Juni. Vorigen Freitag, 27. d. Mts., wurde hier ein Buß- und B e 11 a g gefeiert, der sogen. Hagelfeiertag, zur Er­innerung an ein vor etwa 140 Jahren nieberge- ftangenes Hagellvetter, das unsere Gemeinde furcht­bar heim-gesucht hat. In der Nacht vorn Frei­tag snm Samstag war es hier ziemlich kalt, so daü stellenweise in den Gärten mti> auf den Fel­bern die Bohnen und auch sonstige Pflanzen er* froren sind. Die Landwirte sind hier jetzt rege am Dickwurzsetzen, nur fehlt es mitunter an Setzpslan- 8en, viele haben sich Pflanzen aus der Wetterau verschafft. Die Heuernte ist infolge des trüben |unb regnerischen Wetters bis jetzt noch nicht be­endet. Die Qualität des bisher gemadyten Heus ist yanz vorzüglich, während die Quantität zu wün­schen übrig läßt. Die Preise sind verschieden. Wäh­rend in Schotten der Zentner für 15 Mk. verkauft worden ist, soll, wie verlautet, ein Gießener Fuhr­unternehmer 6070 Mk. geboten haben. Den Heu- graspreiscn nach »oäve ern Preis von 4050 Mk. wohl als angemessen zu bettachten.

fitfid Friedberg.

Wucher mit. Kirschen.

Rl. Friedberg, I.Juli. Man sollte nicht meinen, daß hier, mitten in der geseg­neten Wetterau, wo die Kirschenplantagen von Ockstadt und Obec-Rosbach v. d. H. uns vor der Nase liegen, Kirschenmangel eintreten könnte. Aber dank dem unsozialen Sinn, der immer noch, weitesteVolkskreise beherrscht, ist es nun auch bei uns so weit, daß die Kirschen vom Markt verschwunden sind. Vis vor kur­zem, wo für das Pfund 3Mk. verlangt und bezahlt wurden, leuchteten täglich die schö­nen Früchte, die dieses Jahr besonders gut geraten sind, auf den Händlerständen die ganze Kaiserstraße entlang. Nachdem das Kreisamt diesem wucherischen Treiben entgegentrat und als Richtpreis ab I.Juli für den Kleinverkauf auf 1,20 Mk. festgesetzt hat, sind die Händler und die Kirschen verschwunden. Dabei sind in dieser Woche die .Einmachkirschen fällig. Wenn die staatliche Kontrolle den preußischen Händ­lern, die im Auto die Ernte wegholen, nicht rasch und gründlich das Handwerk legt, dann werden unsere Hausfrauen das Nachsehen haben. Gehr's denn wirklich im deutschen Vaterland nicht mehr ohne die Gendarmerie?

*

Q. Bad-Nauheim, 1. Juli. An Stelle des nach Oldenburg berufenen Herrn Tr. W i s s i g wurde in einer gestern abgefoaftenen Ausschluß- Sitzung des Vortrags- und Mustkvereins der stzll- vettoetende Dirigent des Cäcilienvereins, Miisik- tirvftor Ferdinand Bischof s-Fraukfutt a. M. als dessen Nachfolger gewählt. Herr Bischoff ist gleichzeitig Tittgeut des Offenbacher Männertum- verems. Die nächste größere Musikanffülyrung des Vereins soll im Herbst stattfinden. Ein hier zur Kur weilender Herr wurde wegen' Scheck- f ä l s ch u n g verhaftet. Tern neugewahl en Bei­geordneten Kling mitrir von der Bürgermeisterei die Verwaltung dec Lebensmittelversorgung, Klir- tenausgabc usw. übertragen.

Rl. Friedberg, 29. Juni. Wie allent­halben, so Tjat sich auch in unserer Stadt der M a n- gel an Wohnungen zu einer wahren Kala­mität ausgewachsen, fo daß es höchste Zeit toäre, wenn die Stadtverwaltung sich entschlösse, in der Presse vor dem Zuzug von auswärts zu warnen. Man hat in der neugewählten Stadtverordneten­versammlung nunmehr beschlossen, die Bearbei­tung bet Wohnungsfrage energisch in Angriff zu nehmen, und bereitet die Sdyasfung cüics beson­deren Wohnungsamtes vor, da Jirfy das Mict- eiuigimgsamt zur Erledigung aller bi^bcjüglidyni Fälle nicht als ausreichend ettvies. Nachdem vor einigen SSodjcn das Darmstädter Hofmarscbnllamt das Sckiloß hat räimtcn lassen, wäre au sich die Möglichkeit vorhanden, eine Reihe von Privat-- Wohnungen großen Stils zu schafßm. Aber die Verhältnisse bei unseren Sdmlbaulichkeiten imd beim Kreisamt liegen so, daß die Sästoßräume ent* weder für Schulzivecke ober für das ihrei^tmi in F-rarse Tommen müssen. Tie Dinge haben mm fonreit eine Mnmg .erfahren, daß man faant kamt, daß wenigstens daS Munt m ferner Ge-

»I

7°^,

«lrch<

^°3llhr.ir

Sschlch"

*

Kauft«{

kinMmg müden ftaterschule äwuiv der c Den und die tom, «°r »llm tige ter Frwlp mell.

p"d«hscbu|6 e.rhies Ä elePhoH?e 80 1o9?

W"

RttOetö Amtsi r-sAmtSverk gdi enthält: Abwt Etfkn. Bom 11 .Plakaten..-LO pnn Stetitog.. b - Mixiftnigin

Mien j

HckeftenS am 1. chWAchcn, datz dir l 10 Uhr tormitto ifmbet. Dabei sind! jlvorstcher ünd iHv

3m Bemeidmy t | kkrcisamt nochmal iGiabtDerorbneten- u ton Listen auch für |a

Dir StimmbmÄi fchenZ am 31. Int I Wahlkommisftr I sind drei feig kn In einem il mehr ati bie it wi -veistogSrnügli

Mten" h

tzeffen-Nafsau.

Eine Falschmünzerbande verhaftet.

Frankfurt a. M., 1. Juli. Die hiesig Kriminalpolizei hat die Falfchrnün-erbandi entlarvt uni) ver haftet, bie feit Monaten fabnl mäßig f a I f d>e 5 0-Marl-Reichsbau kn vj ten herstcllte und diese zu Tmistiiden in Süd und Westdeutschlaird durch zahlreiche Helfershclfs absetzen ließ. Der geistige Leiter des UMernehmenI war der etroa 30jährige Schreiner Fttedrich Beu g Öj st, der Trucker ber 25.ährige OberrnaftlKnerl meister Karl Blankenheim aus 9tiirnberd Letzterer druckte die Scheine obwechsel^ld in N ü r ii berg und F r a ii k s u r t a. M. In K ö l n beftid sich eine Zweigdruckerei. Besonderen Llbsatz frmdq die Scheine im RührMbi-et, Essen, Tvttmund, Dül seldorf und Köln. In Eßen z. B. setzte der Sduro ger des Vergölst, der 22jährige Hmrdlmtgsgeym Kaspar P o u tz, an eineni Tage allein für 12 Oft Mark Scheine ab, für 20000 Mark mürben iM in einer Nacht in seinem Hotel gestohlen. Hehler waren verpflickstet, täglich! miudestcns hnq dett Sdjeine abzusetzen, wobä sie an jedem Stid 12 Mark oerbienten. Tein Vergölst mußten j| alltäglich 3800 Mark üt einem Wettbttcf iiül Fianksurt schicken. Auch, die Offenbacher falsch 20-Marksch-eine, mit denen im Früljling das Mai» gebiet förmlich überschwemmt wurde, so daß bi Stadt Offenbach alle von ihr verausgabten 26 Marksdpeinc für ungültig erklären mußte, em- stammten der Falschscheinfabrik von Vergölst uni Blankenheim.

samthcit nicht ins Schloß übersittuln wrcd. W! dererseits stehl fest, daß in diesen Tagen eine Re­gierungskommission von Tarmstadt hierher fom- men wird, um das Schloß auf die Verwendungs­möglichkeit gls Schiulhaus zu prüfen. Die Volks­schule verlangt schon jahrelang mit Fug und fRotc,] aus ihren unzureichenden Räumen heraus^ukommei', die Technische Lehranstalt, deren Bvsuchurzahl die! Frequenz der Vorkriegszeit außewrdentlfth über» trifft, fühlt sich beengt, und dazu kommt noch, M; die sog. Frauen schule, die Schöpfung Dr. Streckecz vor seiner Beruftmg an die Spitze des Landes amtes für das hessische Bildungswesen, vor bec Eröffnung steht und teilweise im Sdstoß llntew kommen sucht. An Ausgaben und Arbeit wird es mithin dem zu fdjaffenben Wvhmmgsamt toaljid lick) nicht fehlen.

O Ober-Eschbach, 1. Juli. Geheimen Forstrat Schwarz von der h.ffsischcn Obersörstere» Ober-Esckchach im Taunus begeht morgen ini seltener körperlicher und geistiger Frisdie sein 5 0jähriges Dien st Jubiläum. Forstta^ Scbwarz war längere Zeit Vorsitzender ber bed einigten Beamtenverbaabe in Hessen.

Starkenburg und Rheinhessen.'

dz. Darmstadt, 1. Juli. Nack; nentrbhigl dem hessisdren Lanbcsausfd)luß für bie Kttegsgd saugenenheimkehr zugegangenen Mitteilungen dock man entgegen den beunruhigenden Gerüchten, hxj nach die Feinde unsere itt ber Gefangensä«» schmachtenden Brüder nwfyt vor dem nächsten FttiÄ iai)r zurückgebeli wollen, damit rechnen, daß bei erste Darmstadt berührende Heimtranspori von Kttcgsgesangenen in Starke von rund lOOi Mann anfangs Juli auf dem Hauptbahnhck ein trifft.

Die ltommunalwahien.

I Bergheim, 30. Juni AN Beigeorb ne ter wurde gestern mit 95 Stimmen einstimmig der Gemeinderat, Kirchenvorsteher und Recyn^ August Weitzel gewählt.

-m. Lungen^ 1. Juli. Arckäßlich ber Ms» derwahl des bisherigen Bürgermeisters J nliD Bendt brachten ihm gestern al»md die beibfl efigen Gesangvereine ein Ständchen, wobei mch! rere Lieder zum Vortrag tarnen und die PrSh'1 dentm ber Vereine namens der Säuger ihre Gük- rotinfdx zum Ausdruck bradjten. Bürgermeisln Fendt banfte den Vereinen u beivegten Wort« für die ihm erwiesene Ehre, ebenso seinen Wahleru für bie Wiederwahl, die i(ym ein Beweis dafür sei, daß er fein Amt gttvissenhaft unb in gcrechm! Weise geführt habe. Er gab die Versicherung fein verantwortungsvolles Amt auch w.iterhin ziuck Wohle feiner Vaterstadt zu versehen unb sich n«| von strengem Pflichtgefühl leiten W lassen. 2d| gleiche erwarte er auch von den zum Teil ntil gewählten Gemeinderalsmitgliedcrn und hoffe tuiil ihre Unterstützung bei allen das Wölfl ber mein de betreffenden Fragen. Auf Einladung bd Geioählten versammelten sich die Sänger in jwi Lokalen zu gemütlickxn Stunden beim Glase Bia

"Langsdorf, 1. Juli. Bei der im Sonntag den 29. Juni hier abgehaltenen Bür­ge rmcisterwahl wurde ber bisherige meister Landwitt Wilhelm Bender II., dec l'dt November 1917 mit der Führung der Bürger»! rneistereigeschäfte betraut war, mit überwältige»! der Stimmenmehrheit auf 6 Jahre gewählt.

614 sttmmberechtigten Wählern machten 434 »oll ihrem Wahlrecht Gebrauch. Davon entfielen an Wilhelm Bender II. 268 Stimmen und auf (SfaH wirt Heinrich Krämer I. 166 Stimmen. Wir ver­zeichnen dieses Wahlergebnis mit großer (Senuy ] tuung, da es uns zergt, daß der Appell nn bll Dankespslicht und das Gerechtigkeitsgefühl bfl Langsdorfer Bevölkerung nicht ohne Widerhall verNungen ist.

M ü n ft e r, 30. Juni. Bei der gestrigen D ü | germeisterwahl wurde der bisse ige Bürge»I meister Heinrich Gon t r u m I. mit 109 Stinmrtl bei 203 Stimmberechtigten wiedergewählt. CHrtl Stimme fiel auf Hermann Schmaus und cri I Stimme auf Amia Momberger, Ehefrau des Joh^I Momberger II.

)( Mainzlar, 29. Ium. Bei ber Heut- I Bürgermei st erwähl machten von 3a I Stimmberechtigten 313 von ihrem Wahlrecht brauch. Es erhielten der bisl-erige DürqermeWI Ludwig Vogel 211 Stimmen, fein ©egcnfanbiwl Ludwig Vingel I. 102 Stimmen. Bei ba I Gemeinderatswahl war die Wahlbeteiligung Iw] gering, da nur ein Wahlvorschlag vorlag. Äol] den 351 Wählen: gaben nur 31 ihre Stimme ®. I

* Staufenberg, 29. Juni. Bei ber hc«ck] hier abgeba tenen Bürgermeisterwahl tw | fielen auf den Beigeordneten Landwirt PH. MM] 243 Stimmen, während fein Gegenkandidat Ludmi Jung V. 136 Stimmen erhielt.

4 D r t e n b c r g, 30. Juni. Bei der gestrig« Beigeordnetenwahl erhielt der bislierige BeigeonV ncte Metzgermeister Heinrich Wiesner 18^, LaiM 'UUb Gastwirt Friedrick) P ciifer III. 73 Stimme® ersterer wurde somit gewählt. Arn Freitag saM die erste Sitzung dcS neugewählten GemeinderaW auf dem Rattwats statt. Bürqermcistcr HchW verpflichtete nack, einer eutt'vrcchrnden AnspraW hie neuen Mitglieder. Polizeidiener Kneipp, bd| fdwn über drei Jahrzehnte fein Amt bekleidet um] letzt abhanfen wollte, ließ fick) aus eiustimmiM Wunsch nnchwolS bewegen, sein Amt zu behalt# I

P*, Staub ode Mmatctm Frauen a IH«l Jeder Was ]l wvrt vchchcn sew |; Mmjen devollmäch |* ® Slrilätrtrtter

Ibnwn m Mndm verdm, bttfe MknKeralseiuein B * F Mrrfienben % ^rsrnLulkm über pt werden.

Abreisen dr W mehren sich die [fr J^l&n 5 ff toben. Daä K fcfotf Str« ^Llversa», KSt? ben Bez l8tfrrhLk!Ol9enbcT 2

feß