Ausgabe 
6.1.1913 Erstes Blatt
 
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Kommandostel'len anvertraut haben soll, so dem früheren Mali von Bagdad, Oberst Ds<hfinal, das Kommando Mer die Kurdendivision bei Tschataldscha.

Ein neuer Seekamps vor bett Dardanellen.

Konstantinopel, 4. Jan. Die türkische Flotte ist heute früh aus den Dardanellen ausgelaufen und be­findet sich seit 10y2 Uhr im Kamp femit der griechi­sch e n Flotte.

Deuffcbes Heid?.

Zum Kaiserjubiläum machte die Koblenzer Handwerkskammer eine Stiftung v 0 n 30 000 Markzu Gunsten von erholungs­bedürftigen unbemittelten Handwerkern.

Der neue Staatssekretär des Auswärtigen

Das Wolff-Bureau teilt mit, daß als Nachfolger Kider len-Wächters der Botschafter in Rom, Herr Gottlieb von Jagvw, in Aussicht genommen sei. Er war in der Presse neben dem Unterstaatsse?rctär Zimmermann wieder­holt alsKandidat" genannt!worden, sollte aber gebeten haben, von seiner Berufung abzusehen, da seine Gesund­heit dazu nicht fest genug sei. Herr v. Jagvw ist 1863 in Berlin geboren und war.'bevor er, 1895, in den diplomati­schen Dienst erntrat, Referendar und Regierungsass. s or. In Rom begann er seine- diplomatische Laufbahn. Er war auch ein Jahr lang im Haag tätig. Ein Jahr lang war er Vor­tragender Rat im auswärtigen Amt; am 9. Mai 1909 wurde er Botschafter in Rom. Auch Herr v. Jagvw ist, wie Herr v. Kiderlen es war, unverheiratet.

Bei der Reichstag sersatzwahl im Wahlkreise Marienwerder 5 Sch wetz

am 30. Dezember wurden nach dem amtlichen Wahlergebnis 15 908 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Land­rat von H a l e m - Schwetz (Rp.) 8017, Rentier v on S a Jaworski- Berlin-Wilmersdorf (Pole) 7856, Gewerks­schaftsbeamter Grygo-Danzig (Soz.) 33 Stimmen. Zer splittert waren zwei Stimmen. Gewählt ist also Landrat von H al em.

Ein Verein bayerischer ZeitungsVerleger ist in Nürnberg gegründet worden. Ter neue Verein t 'eschäftigte sich zunächst mit der Frage desB a y e r i s ch e n S.ia a ts a nz c ig er s" und fas te folg pbr Eutschl e'ung

Der in 9hi mb crg tagende Verein bayerischer Zeituugs- legt hiermit Verwahrung g'gen das gew.rbe- feini^u-che Verhalten ein, welches die bayerische Staatsreg'e- rung anläßlich der Gründung derBay- rischen Staa's- zeitung / speziell durch Einsetzung staatlicher Gcwaltm.tt.'l für ein zrtm großen Teil privatkapi ältst schen Zwecken die­nendes Unternehmen betätigte. Er beklagt daS Vorg^h n der Staats Legi erung umsomehr, als -es geeignet ist, die w.rl- schaftliche E,ristenz zahlreicher, namenilich kleiner Zeitungs- ocrleger, auf' das schwerste, zu schädigen.

BeidenwürttembergischenStaatsbahnen hat sich im Rechnungsjahr April 1911 bis 1912 ein Ueber - schuß von 26:307,344 Mk. ergeben, wodurch das Anlage­kapital sich zu 3,31 Prozent (i. V. 3,40 Proz.) verzinst.

Ausland.

Die Desertion von Fremdenlegionären.

Wie die Blätter melden, sind die deutschen Staats­angehörigen Wilhelm Krieger, 22 Jahre alt und Adolf Rienncr, 24. Jahre alt, die sieh seit einigen Tagen in Oran aufhielten und aus Nizza kan.'.en, unter dem Verdacht verhaftet worden, die Desertion von Fr e m d e n l c g i 0 - nären, besonders des Soldaten Lett ttont 2. Fremdcnrcgiiuent veranlaßt und begünstigt zu haben. Die Haussuchung führte zur Entdeckung einer Uniform der Fremdenlegion, einer mnfang- reichen, in deutscher Sprache gehalteirt'.n Korrespondenz und mehrerer militärischer Gegenstände.

Ans Stabt uitb fand.

Gienen, 6. Januar 1913.

Eheschließungen in der Stadt Gießen 1912.

Nach dem Ausweis des Staudesamts sind hier im ver­gangenen Jahr 212 Ehen (die gleiche Anzahl wie 1911) ge­schlossen worden, die sich auf die einzelnen Monate wie folgt verteilen: Januar 7 (10), Februar 15 (13), März 17 (101, April 15 (17), Mai 30 (21), Juni 13 (16), Juli 17 (30), Au­gust 21 (16), September 27 (17), Oktober 22 (22), November

odergemein en Makaken aus Indien konnte der Zoologische Garten in Frankfurt a. M. kürzlich erwerben. Das reinweitze und rotäugige, sehr starke, rnL-nnliche Tier ist ein wirkungsvolles Gegenstück zu der einst im Besitz Mencliks gewesenen weißen Meerkatze, j)ic sich seit 1$>99 int Garten befandet. Die beiden Tiere sind die einzigen, in Gefangenschaft lebenden, rein- weißen Affen und überhaupt die einzigen ausgewachsenen Albino- asfen, die der Wissenschaft bekannt geworden sind.

Ter unfricdlicke Morgan. Man schreibt uns aus New Pork: Baronin Bertha v. Suttner, die gegenwärtig eine Bortragstournee. durch die Vereinigten Staaten absolviert, war Ehrengast eines Banketts, das die New Dörfer Friedensgesell- schaft im Hotel Astor gab und dem der Milliardär Andrew Carnegie präsidierte. Während des Essens wurde der Baronin ein Aus­schnitt aus einer Abendzeitung vor>gelegt. Es war dort eine Kabel­depesche aus Wien abgedruckt des Inhalts, daß Frau v. Suttner sich in einem Briefe an eine Freundin über eine Unterredung mit I. Pierpout Morgan ausgesprochen habe. Der große Finanzier, heißt es weiter, habe der Baronin auf ihr Werben um Mithilfe bei den Friedensbestrcbung-en kurz U3tb kühl geantwortet, er inter­essiere sich nicht für den Frieden. Frau v. Suttner las den Zeitungsausschnitt aufmerksam durch und gab ohne weiteres zu, daß er die Wahrheit enthalte. Sie erzählte dann noch folgende Einzelheiten:Vor drei Wochen besuchte ich Herrn Morgan in seinem Hause, ausgerüstet mit einem Empfehlungsschreiben des Fürsten von Monaco, der Herrn Morgan als Gast des deutschen Kaisers kennen gelernt hatte. Ich zweifelte nicht daran, das? Herr Morgan für die Friedensbetvegung Interesse zeigen würde und sagte ihm, es sei nötig, die von Edward Ginn aus Boston eingeleitete Aktion tatkräftig -vu fördern. .Herr Morgan, dem ich in seiner berühmten Bibliothek an der Madison Avenue gegenüber saß, hörte aufmerksam zu. Als ich mit meinen Ausführungen ju Ende war, erklärte er, er interessiere sich nicht im geringsten für den Weltsrieden oder für irgend eine andere Friedensbewegung. Natürlich war ich von dieser kurzen Abfertigung überrascht uiid brach ine Unterredung sofort ab." Der Zeitungsausschnitt geriet auch in die Hände des beim Bankett anwesenden Präsidenten der Eolumbia-Universität, Nicholas Murray Butler, der ihn an Car­negie mit der Bemerkung weiterreichte:Tas ist merkwürdig'" Carnegie setzte sich den Zwicker auf, las und fragte die Baronin ob der Inhalt korrekt sei. Sie antwortete bejahend Als man Carnegie fragte, tvaS er von Morgans Haltung denke, weinte n mit den Worten ab: ,Zch denke überhaupt nichts." Er las da Papier damr noch einmal durch, versank in tiefes Sinnen und schien sehr mißgestimmt. Aber auch späterhin weigerte er sich, die Angelegenheit zu kommentieren.

11 (18), Dezember 17 (21). Dem Alter nach gingen an den Trai^ltar:

1820 21- 24 2559 30-34 3539 40-49 5059 60-69 Jahre 0 (0) 46(29(93(111) 39(47) 18'12) 14(10) 1(1) 2(1)Männer 28 (25) 92 (8 ) 55 (62> 26 (21» 101(18) 1 (6) 2 0) 0 (() Frauen

Darnach entfallen in Gießen in den beiden letzten Jah­ren auf je 1000 Einwohner 6,65 geschlossene Ehen (gegen li Ehen). Gegenüber den Durchschnittszahlen der Ehe- chließungen im Reich mit 7,7, in Preußen mit 7,8, in Hessen mit 7,5 geschlossenen Ehen auf 1000 Bewohner ist Gießen also zurückgeblieben. Wenn man das Alter der Personen, die geheiratet haben, in den beiden letzten Jahren miteinan­der vergleicht, so ist festzustellen, daß im letzten Jahre bei den Eheschließungen eine kleine Verjüngung eingetreten st. Unter 30 Jahren heirateten im letzten Jahre 139 (130) Männer und 175 (169) Frauen. Während 1911 im Monat Juli die stärkste Zahl der Eheschließungen mit 30 Paaren rreicht wurde, hat 1912 der Wonnemonat Mai den'Iie- rord mit ebenfalls 30 Trauungen ausgestellt.

*

** Landesuniversität. Geh. Justizrat Prof. Dr. Arthur Benno Schmidt hat den an ihn ergangenen Ruf nach Tübingen angenommen. Prof. Dr. Schmidt, der als Vertreter der Lan.de'?'Universirät in der Ersten Kam­mer eine weit über seine Lehrtätigkeit hinausgehende Wirk- amkeit für die Universität und das Land entfaltete namentlich auch als Berichterstatter über juristische Fra­gen, wurde am 20. Mai 1861 in Leipzig geboren. Er studierte von 18801884 in feiner Vaterstadt Rechtswissen­schaft, war 18851888 in der juristischen Praxis, wurde 1887 Privatdoz.ent in Leipzig, 1889 ordentlicher Professor der Rechte an der Latzdesuniversität und 1897 Mitglied des hessischen 'Verwaltungsgerichtshofes. Am 25. November 1900 wurde Prof. Dr. Schmidt Geh. Justizrat. Zum Nachfolger des Geh. Hofrats Prof. Netto ist Prof. Dr. Ge­org Faber von der Universität Königsberg in Aus- |k§t genommen. Prof. Faber ist 1877 zu Kaiserslautern geboren. 1902 erwarb er in München den Doktorgrad. 1901/1902 war er Assistent an der Münchener Technischen Hochschule, 19021905 Gymnasiallehrer in Traunstein und Würzburg. 1905 wurde Faber Assistent und Privatdozent an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe.' 1909 folgte er einem Rufe als a. o. Professor nach Tübingen als Nach­folger von Prof. L. Maurer. Ostern 1910 kam Faber als Nachfolger von Prof. Neuschle an die Technische Hoch­schule zu Sttlttgart und am 1. April 1912 nach Königsberg, als Nachfolger von Prof. Schönfließ.

* *Zi t h er k lu b. (Verspätet eingegangen.) Am 1. Ja­nuar feierte der Gießener Zicherklub feine Weihnachts­bescherung. Es tonnten dank der Unterstützung der Bürgerschaft 3 0 bedürftige Kinder vollständig ge­kleidet werden.

** Das karnevalistische Konzert, das die Große Gießener Karneval-Gesellschaft gestern nachmittag in Steins Garten veranstaltete, nahm einen sehr schönen Ver­lauf. Obermusikmeister b e r hatte eine sehr wirkungs­volle Spielfölge ausgestellt, und die Kapelle bemühte sich unter seiner sicheren Leitung wicht vergeblich um den Bei­fall der Zuhörer. Besonders großen Erfolg hatte der Ra­dau-Marsch, sowie der von Herrn Löber verfaßte und der Gießener Karneval-Gesellschaft gewidmete Narhalla-Marsch. Die inusikalischen Darbietungen würden durch einige ge­meinschaftliche Lieder und mehrere Couplets abwechselungs­voll unterbrochen. i

** Die grünen Rabattmarken der Rabatt- Sparvereinigung des D e t a i l l i st e. n-V e r e i n s G i e ß e n, die laut Aufdruck am 31. Dezember 1912 eigentlich ver­fallen gewesen sind, werden audf später noch eingelöst, wenn die Micher, die solche Marken enthalten, im Monat Januar vorn Ausschuß -abgestempelt worden sind. (S. An­zeige in der heutigen dcurnmer.)

* * Brand. Der Wächter Nr. 7 des Gießener Wach- unb Schließ-Instituts bemerkte in der Nacht aus Sonntaa Feuerschein in einem Hause in der Wi l h e l in st raße. Ei weckte die Bewohner des Hauses, mit deren Hilfe das Feuer gelöscht werden konnte, ohne daß weiterer Schaden entstand.

Vorsicht. Aus der Lesehalle am SelterStor wurde in der vorigen Woche einem Besucher der Ueberzieher gestohlen. Da dies der erste Fall nicht ist, erscheint Vor­sicht nm Platze.

'* OeNentliche Lesehalle. Im Dezember wurden 2 2 9 4 Bände a u s g e l i e h e u. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1042, Zeitschriften 409, Jugendschrifien 280, Literatur- gesclnchte «, Bersdiehtuugeu und Dramen 42, Länder- und Völker­kunde 69, Kulturgeschichte 30, Geschichte und Biographien 146, Kunst­geschichte 18, Naturwissenschaft und Technologie 134, Heer- und Seewesen 33, Haus- und Landwirlschaft 10, Religion und Philosophie 36, Siaatswissenscha't 13, Sprachwissenschaft 10 und öremdiprachliches 14 Bände. Nach auswärts kamen 78 Bände.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Heubach i. O., 5. Jan. Ein Eifersuchts- drama spielte sich in der Nacht zum Sonntag hier ab. Der 30 Jahre alte Metzger Peter Zier es schoß auf den ebenso alten Jakob Wolf mit einem Revolver und ver­letzte ihn schwer durch einen Schuß in die Lunge. Zieres eilte dann in die Wohnung der Braut des Wolf, mit Namen Marie Hofferberth, und gab auf sie einen Schuß ab, der sie leicht verletzte. Hierauf ging er nach Hause und legte sich ins Bett. Erst heute früh gelang es zwei Gendarmen, Zieres festzunehmeu. Er-kam in das Untersuchungsgefäng­nis nackig Groß-Umstadt. Der Zustand des Verletzten gilt als lebensgefährlich.

h. Langen, 5. Jan. Der Gemeinderat, der in seiner Mehrheit aus Sozialdemokraten besteht, beschloß vom 1. April ab die unentgeltliche Abgabe aller Lernmittel an sämtliche Volks schul er. DaS bedeutet eine Mehrausgabe von 3000 Mk.

Kreis Wetzlar.

^Wetzlar, 6. Jan. Der Mikrophotograph Nikolaus Befort, der auch in Gießener wissenschaftlichen Abreisen durch seine mikrophotographischen Arbeiten bestens bekannt ist, begeht heute sein 25jähriges Arbeitsjubiläum im Hause E. Leitz. '

Hessen-Nassau.

X ROdheiin a. d. Bieber, 5. Jan. Am Samstag nachmittag fand unter äußerst reger Beteiligung die Hauptversammlung der Sparkasse statt. Au Stelle des verstorbenen Aufsichtsrats­mitgliedes Wilhelm Moos wurde Landwirt. Ph. G e r l a cb neu gewählt. Der Jahresumsatz beträgt weit über eine Million. Der Gesangverein ,Liedertrauz^ brarfite am Sonntag abend seinem Dirigenten Lehrer Höhnzu seinem 60. Geburtstag ein Ständchen. Herr Höhn hat den Verein gegründet und nahezu 25 Jahre geleitet. Gastwirt Wilh. Bender hielt eine Ansprache und der Vorstand überreichte ein Angebinde.

? Bieber bei Rodheim, 5. Jan. Ein großer Leichenzug bewegte sich heute nachmittag von hier nach dem Rodheimer Fried­

hof. Der Veteran 9tceb wurve vegraven, Der ferner Tvctittar' psticht im 83. JufaMerie-Regimeut genügte und den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht hatte Tas Kaiser-Wilhelm-Regiment in Gießen hatte auch diesmal ein Trommler- und Pscisenkorps abgesandt.

sj Marburg, 5. Jan. Wie bestimmt verlautet, sind die Verhandlungen wegen Erwerb eines größeren Uebunqs- vlatzes für das Jägerba taillon westlich unserer Stadt bei dem Dorfe Cyriaxweimar jetzt abgeschlossen und zwar m der Weise, daß das Gelände von der Militärverwaltung zunächst gepachtet und später käuflich erworben wird.

tc. Usingen, 5. Jan. Die Kaiserin hat der Vor­arbeiterin Christiane Ernst in Arn o l ds ha in in 9lnerfenmmg ihrer mehr als 60jährigen Dienste im Staatswalde das goldene Kreuz verliehen.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 4. Jan.

In Notwehr will der Landwirt K. Sch. von Nieder-Gemünden gehandelt haben, der wegeir Körperverletzung vom Schöjfengericht in Homberg mit 6 Wochen Gefängnis bestraft worden war und mit der Berufung gegen dieses Urteil Freispreck-ung bezweckt. Der Angeklagte und sein Gegner, der Arbeiter G. B., beide angetrunken, waren bei einem Scheibenschießen in Nieder-Gemünden aneinander geraten. V. hatte nach ttirzem Wortstreit dem Angeklagten eine Öhrfeige gegeben uub war dann davougelausen. Sch. lief ihm wach, faßte ihn von hinten am Rocke und versetzte ihm einen Tritt gegen den Unterschenkel, der einen Bruch der Knochenröhre verursachte. Die Strafkammer sprach den Angeklagten von Strafe und Kosten frei.

Nur teil w eisen Erfolg

hatte die Berufung der Arbeiter L. M. und F. M. in Homberg gegen die von dem Schöffengericht Homberg gegen sie wegen Körperverletzung ausgesprochenen Strafen. Die Strafkammer be­stätigte die gegen F. M. erkannte Geldstta,' von 5 Mk., änderte aber die Gefängnisstrafe von 3 Tagen, zu der der noch unbestrafte L. M. verurteilt worden war, in eine Geldstrafe pou 15 Mk. um.

Berilfungsverwerfuug.

Unentschuldigt ausgeblichen war der Friseur O. E. in Orteu- berg, der - vom Schöffengericht Otteuberg wegen Bedrohung und Benutzung eines Messers bestraft worden war. Seine Berufung wurde kvstenfällig verworfen.

Körperverletzungen.

Der Arbeiter L. M. von Homberg hatte einen Mitarbeiter, weil dieser ihn bei seinem Arbeitgeber verklatscht hatte, zu Boden geworfen, getreten und geschlagen und eineit anderen Arbeiter ohne nennenswerte Veranlassung mit einer Latte geschlagen. Tie von ihm gegen das Urteil des Schöffengerichts Homberg eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg.

(Berichts f aal.

Ein Nachspiel zu den Landtagswahlen.

rb. Darmstadt, 5. Jan. Die Laudtoasivabl in Hessen im vorigen Herbst hotte fehl noch vor dem luefigen Amts.ieiietst ein Raebsviel Die varleivoliistehen Kämpfe waren and) im rbetn- hef'ijchen Wahlkreise Wörrstadt recht en egte, wo sich die Kandidaten Pfarrer Korell und der bgueriibüudlerische Führer Wolf in '21 dich geaennberftanben. Bald nach der Wahl brachte die hiesige ,Lib. Wo l eiisehr." einen Artikel, in welchem u. n. he muotet ivorden war, daß Bürgermeister Kreis von Lber-SaulHeim. als Vorsitzender des Wahlauss'tnisses absichtlich mehrere auf Den Namen Koielt lautende Stimmzettel als auf den Namen Wolf lontend verlesen und somit eine schwere Fälschung begangen habe. Dieser Vorwurs stützte sich auf eine von einem Einwohner namens Köster, der Miiglied des 2i;ahl.iu§idniffe6 war, aufgeiiellte schriftliche Erklärung, die dieser zu dem Zwecke verfaßt hatte, fie einem Abgeordneten seiner Va tei zur Benntznng in der Kammer zu übergeben. Der Bürgermeister stellte gegen den veraniwortlichen Redakteur K u H 1 in a n n nnd gegen Köster Strafantrag. Der von den beiden Angektagten versuchte Wahrheitsbeweis f t eiterte. Es hatte schon damals seitens der 'Nainzer Staatsanwalt'chaft wegen der Sa-te eine Unter­suchung stattgefunden, die jedoch mit Einstellung des Verfahrens endete In der jetzigen Verhandlung rvnrde nun 'estgestestt, daß Kreis sich in einem einzelnen ivallo beim Verlesen des Namens geirrt, also keineswegs ein absichtliches Vergehen begangen habe. Das Gericht billigte dem Angeklagten Köster den Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches zu, da er seine BeHguvtung lediglich zur orduungsmäßigeii Geltendmachung seiner staatsbürger­lichen Rechte nnfgeftellt Hat und erkannte gegen ihn auf Frei­sprechung. Dem mitait icflagteu Redakteur Kuhlmann wurde aber die Wahrung berechtigter Interessen nach § 193 nicht zuge- fprochen und er zu einer Geldstrgfe von 100 Mark und Tragung sämtlicher Ko:en, soivie zu den Puvlikationskosten verurteilt.

Httit>crfitäts4lacbrid?tetu

Die technische Hochschule in Karlsruhe hat von Herrn und Frau Krupp von Bohlen-Halbach in Essen eine Schenkung von 200 000 Mark erhalten, die der Schaffung eines den mobernen Ansprüchen genügenden Forschungslaboratvriums für mechanische Technologie gewidmet ist.

CuHicbitfabrt.

Mülhausen i. E., 4. Jan. NachL»em der Flieger Faller in den letzten Tagen bereits ztvei Flugweltrekorde an sich reißen konnte, gelang es ihm heute nack)mittag, einen weiteren, vollständig neuen Flugrekord aufzustellen Faller flog auf dem Habsheimer Flugplatz auf seinem Aviatik-Doppeldecker" (Militärtyp) mit sieben Personen, also zusammen acht Personen, während sechs Minu ten 48 Sekunden. Die Gesamtbelastung ohne Bettiebsstofs betrug 563 Kilogramm.

vermischte».

Ein deutscher Dampfer gerammt.

Ter Tampfer Luckenbach" ist gestern abend in der Chesa- iieate-Bay gesunken. An Bord befanden sich der Kapitän, eine Frau, und 21 Seeleute. Acht Manu, darunter der zweite )ffizier, wurden aus der Takelage gerettet, in der sie sich sechs Stmwen lang in furchtbarem Sturme festachalten hatten. Tic übrigen waren von der Kälte erstarrt einer nach dem anderen ins Meer gefallen. Zu dem Untergang des Dampfers wird gemeldet, daß das Unglück infolge eines Zusammenstoßes mit dem britisck'.ii FrachtdampserJndrakaula" erfolgte. Ter- ,^Jndrakaula" rettete echs Mann von der Besatzung, während 14 Mann ertranken. Ter Frachtdampfer, der auf Strand gesetzt werden mußte, frattc den TampferLuckenbach"-tschiffs getroffen und ihn in zwei Teile geschnitten.

*

* Ein Bankkrach in Kaufbeuren. Julius Ger- Hauser, der Inhaber des Bankl-auses Josef Gerhanser in Mnnj teuren, ist seit Montag verschwunden. In einem Briefe an ben Prokuristen der Firma teilte er mit, daß er infolge verfehlter Spe­kulationen an auswärtigen Börsen große Verluste erlitten hab? uu> deshalb der Konkurs auzumelden fei. Seiner Fran, die' völlig ahnungslos war, sei hiervon Mitteilung zu macfyen. Er selbst werde den Tod suchen. Die Behörden scheinen aber nicht nn Die Ausführung dieser Absicht zu glauben. Der Staatsanwali in Kempten hat einen Steckbrief hinter Gerhanser erlassen, dessen Spur bis Seeg bei Füssen verfolgt wurde. Ntau vermutet, baß G. über die Grenze geflüchtet ist. Der Brief Gerhausers 'an seinen Pro­kuristen rief in Kaufbeuren die größte Bestürzung hervor. Eine Reihe größerer Geschäfte ist durch den Zusammenbruch des Bank­hauses stark in Mitleidenschaft gezogen, außerdem Stisrungeu und zahlreiche Vereine. Auch viele kleine Bauern und Fabrikarbeiter kommen um ihre Spargroschen. Tie Folge war ein gewaltiger An)turm auf die übrigen Kanfbenrer Privatbanken. Darunter