pc t, Adrianopel intb Kirk Kiliss e finb äußer st stark von Truppen besetzt. Die Verteidigung wird
Persönlichkeit überhaupt gebrauchen kann, und zerrte während des Gespräckxs an seinem langen Militärhandschuh. Tie Prinzessin dagegen sprach liebenswürdig und höflich, ^iber ohne Wärme und ohne einen Augenblick ihre königliche Haltung auszugeben. Nach etwa 5 Minuten machte sie dem Kanzler eine kleine Verbeugung und entfernte sich ungezwungen, die lange Seidenschleppe mit höchster Anmut hinter sich herziehend. Tann trat der Kro n - Prinz an den Minister heran und sogleich änderte sich das Bild. Bismarck, der eben noch so verlegen schien, richtete sich plötzlich auf, und nun war er cs, der das Gespräch mit dem Thronfolger leitete."
Eine andere Szene aus dem Leben der Kronprinzessin führt in jene ZchreckenStagc, da der alte .Qtiifcr* nach dem Attentat von Nobiling schwer verletzt lag und man an seinem Aufkommen zweifelte. Tas Krvnprinzenpaar, das sich in England befand, war telegraphisch zurückgerufen worden: eine ungeheure Menge erwartete den Prinzen, in dem man bereits den neuen Kaiser sah. Während die Herrschaften das .Q iu.ee verliehen, stürme sich eine Tarne auf die Prinzessin und küßte ihr die Hand, indem ne ihr habet den Titel „Majestät" aab. Viktoria erblatzte: indem sie ihre Hand zurück^>g, sagte sie: „Ich bin nicht Kaiserin," und schritt vorüber. Jedoch hat sie schwer darunter gelitten, daß ihr Mann durch Bismarck von der Regierung fern gehaltert wurde. Heber bicie Enttäuschung und gezwungene Untätigkeit suchte sie sich durch den Verkehr mit der geistigen Elite Teutsch- laiids hinwegzutäuschen, btc in ihrem Salon verkehrte. Bet Ranke nahm sic Geschichtsstunden, und wenn sie auch seiner kühlen Cbicltwität in ihren Urteilen häufig eine leidenschaftliche Parteilichkeit entgegensetzte, verehrte sie doch den großen Geschichte schreiber tief. „Seine „Geschichte der Päpste" war ein Buch, von dem sie sich selten trennte, und sie hatte oazu einen Kommentar geschrieben, der die Bewunderung des alten Historikers erregte, der sonst damit nicht sehr freigebig war." Von Zeil zu Zeit öffneten sich die Pwncn ihres Palastes zu prächtigen und geschmackvollen Kostümfesten: so erschien sie auf einem venezianischen Fest in der Tracht der Leonore von Gonzaga nach dem Porträt Tizians im Palazzo Pitti, und bei der Feier hrcr Silberhochzeit lies Tic den Hof der Königin Elisabeth von Eng land aufleben. Es wat ihr letztes Fest: dann kamen die Sorgen, die Trauer und der Tod.
Als den ersten schweren Kummer bezeichnet bic, Verfasserin die Entfremdung ihres ältesten Sohnes, unseres Kaisers, an der sie Bismarck schuld gab und durch die ihre Antipathie gegen den
Bulgarische Beschuldigungen gegen die griechischen Befehlshaber.
Sofia, 4. Aug. lAgence Bulgare.) Der Kommaudanr i>er zweiten Armee telegraphiert: Tie griechische Armee, die im Strumatal operierte, wetcht feit vorgestern unaufhörlich zurück, indem sie aus der Temartätions- Itnte nur schwache- Truppenabteilungen zurückläßt und an manchen Crten sogar die Vorposten zurückzieht. '?luf diese Weise bemühen sich die Griechen, aus dem Waffenstillstand Nutzen zu ziel)en, um sich aus ihrer kritischen Lage zu befreien, welche, wenn die Operationen noch ein oder zwei Tage fortgesetzt worden wären, den Untergang des Hauptkerns der gricchischeit Armee, der dann vollständig umzingelt worden wäre, herbei geführt hätte. Alle griechischen Truppen wenden sich jetzt in Eilmärschen dem KreSnapassc zu. Ganze Divisionen, die in fast ungangbaren GebirgSpfaden sich besä.'.den, suchen in Eilmärschen das Beleschgcbirge zu erreichen, um, ehe der Waffenstillstand abläuft, dem ehernen Ring z u entgehen, der sie ei nzu schnüren begonnen hatte. In den letzten Stunden der militärischen Operationen haben die Griechen bei ihrem überstürzten Rückzug nichts unterlassen, obwohl die Feindseligkeiten bereits uufgehört hatten, bulgarische Dörfer zu plündern und anzuzünden und einzelne Bauern, die darin zurückgeblieben waren, niederzumetzeln und so ihr ZcrstörungSivcrk vollendend.
Man wird hinter diese bulgarischen Angaben immerhin einige Fragezeichen fetzen müssen. Wenn die ftratvflifd)c Lage der Bulgaren so günstig geivesen wäre, hätten sie sich doch nicht beeilt, den Waffenstillstand zu erlangen.
Es besteht viel Aussicht, daß Ka v a l a Griechenland zugesprochen wird. Wie der bulgarische Delegattons chef Tontschcw der „Nowoje Wremja" telegraphiert, I)at Bulgarien alles getan, um seine Anhänglichkeit an Ruß° land zu beweisen.
Eine etwas sensationelle Meldung bringt der „Berliner Lokalanzeigcr" auf dem Umweg über Belgrad, was den Glauben an die Richtigkeit nicht gerade vergrößert: Als Majorescu erfuhr, daß die bulgarischen Delegierten die serbischen Vorschläge kurzweg abgeschlagen hätten, bemerkte er in Gegenwart aller Delegierten zu Tontschew: „Wenn cs so ist, spielen Sie ja die sonderbarste Komödie!", und als Tontschew bemerkte, „wenn sie gar kein Recht hätten, Vorschläge zu machen, könnten sie gleich nach Hause gehen", erinnerte Majoreseu daran, daß die Bulgaren als Besiegte mit der Bitte um Frie- dengekommenseien. Wenn sie das Komödienspiel fort- setzen zu können glaubten, wäre es besser, sich gleich zu entfernen. Tas aber merken Sie sich, schloß er, niemals können Sie mehr über einen Friedensschluß verhandeln.
Die Gruppierung der Großmächte.
Dem „Berliner Lokalanzeiger" wird von angeblich hervorragender diplomatischer Stelle mitgeteilt, daß die Meldungen über eine neue Gruppierung der Mächte bezüglich der Kavala-Frage Kombinationen seien. Es sei ausgeschlossen, daß Dreibunds und Dreiverband, wegen eines Pünktchens in der großen Balkanfrage, Zeichen des Auseinanderstrebens geben sollten. Tie rumänisch-bulgarische Einigung bedeute nicht, daß.Bulgarien jetzt einen starken Gegner losgenwrdcn sei. Der Bukarester Friede sei ein Ganzes. Man werde sich überhaupt mit Geduld fassen müssen, da die Gegner Bulgariens fest auf ihren Forderungen beharren und Griechenland und Serbien sich auch im Zbonserenzsaale als unzertrennliche Verbündete betrachten.
Griechisch-türkisches Einvernehmen.
Konstantinopel,-!. Aug. Die P f o r t e verständigte Griechenland, daß sie beschlossen hat, alle griechischen Handelsdampfer, die vor dem Kriege in Konstantinopel zurückgehalten wurden, zurückzugeben und den Schiffen, die in Rußland geblieben sind, freie Du r ch- fahrt zu gestatten. — Der bulgarische Sonderbe- vollmächtigte Rats chewit sch hatte gestern nachmittag eine längere Unterredung mit dem Großwesir.
Ein Vorschlag Bulgariens zu direkter Einigung mit der Türkei?
Konstantinopel, 5. Aug. Wie von jungtürkischer Seite erklärt wird, schlug Bulgarien gestern durch seinen Unterhändler dem Großwesir vor, die Adrianopeler Frage solle durch direkte Verhandlungen, ohne dieVer in ittelungderGrotz Mächte, gelöst werden. Wrianopel solle als autonome Stadt neutralisiert werden, wofür Kirk KilissederTürkeiverbleiben solle. Die Pforte will dieses Anerbieten erst nach dem erwarteten Schritt der Mächte beantworten. Dieser -Schritt wird erst erfolgen, nachdem der englische Geschäftsträger ergänzende Instruktionen zu den erhaltenen Instruktionen erhalten hat. Durch Vergleich der englischen Instrukrionen mit denen der anderen Botschafter stellte sich die Notwendigkeit zu eng* lischen Ergänzungen heraus.
Die „Deutsche Tageszeitung meldet aus Adriano-
Aus neuen Erinnerungen an die Aalserin Friedrich.
In ergreifenden und an unbekannten Zügen reichen Bildern entrollt in der Pariser „Revue" Catharine Kolb das Leben der Kaiserin Friedrich und schöpft in brr Schilderung dieser edlen Gestalt aus einem Schatz eigener Erinnerungen, da sie bet Fürstin durch eine langjährige Bekanntschaft persönlich nabegetreten war. 1873 wurde sie der deutschen Kronprinzessin zum erstenmal vor gestellt und konnte dann eine ganze Reihe von interessanter Vor gangen aus nächster Nähe beobachten. Die Ehe des Kronprinzen paares war von vollendeter Harmonie: der Kronprinz erzählte einmal der Verfasserin von der Liebesidylle ihrer Verlobung xn Schottland und fügte hinzu: „Sie ist der Engel meines Ledens geblieben und sie bat mir all meine Sorgen erleichtert. Sie ist die Vollkommenheit, die Frau geworden ist." Freilich blieben Schatten, die von außen kamen, dem Eheglück von Trüb an nicht erspart; einer der schwersten entstand aus dem Gegenlatz zu Bismarck, in dem sich das Krvnprinzenpaar oft fühlte. Nur mühsam wurde immer wieder eine Aussöhnung her beigeführt. - Frau Kolb schildert eine Szene von einer -?rbenbgc)cIhd)aTt am 21. Nwvember 1873, auf der Fürst Bismarck, nachdem er lange dem Kronprinzenpaare entfremdet gewesen war, zum allgemeinen Staunen der Anwesenden erschien. „Wir Waren in einem ^alon versammelt, der in dunkelblauem Samt gehalten war, und warteten auf den Eintritt des Prinzen und der Prinzen in, als durch eine Seitentür die Silhouette des Kanzlers in der weitzen Kürassieruniwrm erschien, gewaltig anzuschauen, wie alles, was nnhrbait groß ist. Die Versammlung stand Itarr vor Erstaunen Bi-marck/der sich des durch sein unerwartetes Enchexnen der vorgerusenen Eindruckes vollkommen bewußt war, blieb ein wenig hinter den andren ftcbm und ließ seine Blicke mit eurem kleinen spöttischen Lächeln über die Gingelabencn gleiten, nnc nxnn er fith über die allgemeine Erregung luftig machte, .ta* bauerte nur ein paar Minuten: dann öffnete fick btc Tur des Arbeitszimmers der Kronprinzessin, und ne trat in den oalan non dem Prinzen geleitet und gefolgt von ihrem Ehrendienst. Sehr ruhig blieb sie zuerst bei der nächsten Tarne lieben, sagte ihr ein paar Worte und durchschritt dann ohne jede Sjaft, aber nnt einer Grazie und Würde, wie sie nur ihr eigen waren, das Smnncr, hie und da einige Personen mit einem liebenswürdigen —-ort begrüßend, und näherte sich dem Kanzler. Tie Unterhaltung zwischen ihnen dauerte einige Minuten; Bismarck schien geniert, ivenn man einen derartigen Ausdruck wn enter w gewaltigen
Bulgarien in weiterer Bedrängnis!
Es hat nicht den Anschein, als wolle Rumänien, nachdem es feine Forderungen durcl>gesetzt hat, Bulgarien gegen seine Gegner beispringen. Es heißt zwar, der Minister Majoresku habe in der lebten gestrigen Konferenz „mit aller Macht" auf den Abschluß des Friedens gedrängt, aber er bat mindestens nichts zu Gunsten der Bulgaren untere nolinnen. Serben und Grieck)en erscheinen auch-im Konfercnz- saale als Verbündete, und so wird ^önig Ferdinand am Ende zu der von den Gegnern verlangten Beschneidung der 6)rcn,w seine Einwilligung geben müssen. Noch einmal ist der Waffenstillstand um drei Tage verlängert worden, und diese kurze Frist bedeutet für Bulgarien beinahe ein Ultimatum. Ob unter diesen Umständen die Großmächte in die Lage kommen werden, über das Beschrecht an der Hafenstadt üavala ein entscheidendes Wort zu sprechen, erscheint fraglich.
Eine Ueberraschung bringt die türkische Meldung, wonach Bulgarien der Türket den Vorschlag zu einer direkten Einigung, ohne die Großmächte, gemacht hätte. Adrianopel soll danach neutralisiert werden, Kirk Kilisse türkisch bleiben Eine neutrale Stadt Adrianopel ohne ein ebenfalls neu trales Mazedonien wäre aber doch wohl ein Unsinn. Ti? amtlichen Diplomaten der Nordd. Mlg. Ztg. haben nickst Unrecht, wenn sie meinen, das erneute Vorrücken der Türken schaffe keinen endgültigen Frieden. Wenn die an- gedeutete Meldung wahr sein sollte, so dürfte es in der Absicht Bulgariens liegen, das Streitobjekt einstweilen zu neutralisieren, um später, bei passender Gelegenheit, Adrianopel zu besetzen und die Türken zu verdrängen. Uebrigens haben die mazedonischen Flüchtlinge sich organisiert und an den rumänischen Ministerpräsidenten Majoresku sowie an andere einflußreiche Faktoren das Ersuchen gerichtet, die Schaffung eines autonomen Mazedonien fördern zu helfen. Die» Bulgaren würden unter der neuen Fremdherrschaft der Griechen und Serben sich niemals zufrieden geben. Ob das autonome Mazedonien aber große Friedensgarantien bieten würde, dies wird niemand mit Bestimmtheit zu bejahen wagen dürfen.
Verlängerung des Waffenstillstandes.
Bukarest, 4. Aug. Die Konferenz verlängerte den Waffenstillstand auf Vorschlag des Borfitzenden Ma- jorescu um drei Tage. Nachdem die Konferenz die Verlängerung des Waffenstillstandes beschlossen hatte, vertagte sie sich auf morgen nachmittag.
Bukarest, 4. 2lng. In der heutigen Sitzung der Konferenz teilte Ministerpräsident Majorescu mit, er könne, was Bulgarien und Rumänien angehe, konkrete Vorschläge vorbringen. Er würde sehr erfreut gewesen sein, wenn auch von anderer Seite die Arbeiten möglichst gefördert worden wären, um sie der Konferenz unterbreiten zu können. Tas Beispiel Rumäniens und Bulgariens sei ein gutes Vorzeichen. Mle zwischen Rumänien imd Bulgarien schwebenden Fragen hätten eine endgültige Lösung erfahren Rumänien betrachte je-doch damit feine Aufgabe nicht für beendet. Nach Kln- nahme des iron Majorescu gemachten Vorschlages auf eine dreitägige Waffenruhe stntrde beschlossen, in gleicher Weise wie auf dem Berliner Kongreß Zusammenkünfte der E i n z e l g r u p p e n abzül-alten. Die erste dieser Zusammenkünfte fand heute nachmittag zwischen Majorescu, Veni- zelos und Paschitsch statt.
Aus Bukarest wird von anderer Seite noch berichtet: In
Nr. 181 Erster Blatt 165. Jahrgang Dienstag, 5. August 1913
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen LL-ZL
Annahme von Anzeigen flofationsörud und Verlag der Vrühl'schen Univ.-vnch und Ztemdruckcrei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstratze 7. den
bis vormittags" s"'uhr^ Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: ». Beck.
der Plenarsitzung am Montag drängten die Rumä- f_
nen mit aller Ri a ch t zum Fr i e d e n s ab sch l u ß. vorbereitet. Mangel an Verpflegung herrscht nicht. Die Mo- Spätestens am Freitag erhofft man ein günstiges Ergebnis, ral der Truppen ist vorzüglich.
Deutsches Neich.
Die Nordlandreise des Kaisers.
Aus Bergen wird vom 4. Aug. gemeldet: Der Kaiser hatte zu der gestrigen Frühstückstasel die Mitglieder der deutschen Gefandtsästift mit ihren Tarnen geladen und für heute den Staatsminister Miktelsen. Die Abreise pon hier erfolgte schon am Nachmittag um 21/2 Uhr, die Ankunft in Swinemünde wird am Mittwoch, den 6. August, um 9 Uhr morgens erfolgen.
Ein Telegramm des Kronprinzen.
Ter Kronprinz telegraphierte anläßlich eines Vortrages, der im Kasino der Tanziger Leibhusaren über die erste Reise des „Imperators" gehalten wurde, an den Generaldirektor der .Hamburg-Amerika-Linie Ballin:
Mit großer Freude habe ich soeben int Kasino meinet' Regiments den Lichtbildervorttag Dr. Bongards gehört über den „Imperator und die innere Einrichtung", mit den neuesten Sicherungen, verbunden mit außerordentlichen Bequemlichkeiten. Sie machen einen überwältigenden Eindruck. Wad) dem, was ich hier gesehen, erbrachte die Ham- burg-Amerika-Linie durch den „Imperator" den Belveis, welche führende Stellung die deutsche Schis« s a h r t in der ganzen Welt einnimmt.__________________
2IuslaiiO.
Die französische Militä r»Ab ord nun g beim Zaren.
Ter Zar empfing am gestrigen Montag in Peterhof die französische Militärdeputatton.
Von den französischen Generalratswahlen fehlten am Dkontag abend um 6 Uhr noch acht Ergebnisse. Bis dahin sind gewählt: 189 Konservative und Liberale, 13G Progressisten, 960 Mitglieder der republikanischen Linken, Radikale und Sozialistisch-Radikale, 43 Sozialisten.
Kanzler^in^ißvenvandcl? wurde. Tann die Qual, den über alles geliebten Gatten hinsiechen zu sehen und an der Seite eines Ster- kenden den Kaiserthron zu besteigen. Aus diesen Tagen, da sich ihr tragisches Geschick, Erfüllung und Vernichtung ihrer höchsten Hoffnungen zugleich, vollendete, teilt Frau Kolb einen er greife nb en Brief der Kronprinzessin mit Sie spricht zunächst vom Kaiser:
„Er arbeitet zu viel, aber er hat ja auch so viel zu tun. Möge der Wille des Herrn sich vollenden. Ich bete darum mit Resignation und Unterwerfung, besonders mit Resignation iür meinen armen Kranken. Er ist erhaben in feiner Geduld, in seinem Verlangen, das Veste zu geben, was er kann, wahrend bet Zeit, die ihm noch bleibt. Ich bitte Sie nicht, an uns zu benfat und für uns zu beten; ich weiß, bas; Sie es tun, und ich bin Ihnen dankbar dafür. Wenn man so tief fällt, wie ich gefallen bin, liebt man seine Freunde, so weit man überhaupt noch etwas lieben kann. Manchmal scheint es mir, als wenn dieser ganze Todeskampf ein Traum wäre, aus dem ich erwachen muß, und dann packt mich die Angst und ich verstel-e mein Unglück in feiner ganzen Größe. Unh dennoch gehöre ich zu denen, die man die Glücklichen dicker Erde nennt? Wenn nur die, die mich benckdcn, ober wenigstens beneidet haben, — denn ich denke, baß das jetzt niemand mehr tut, — wüßten, wieviel die Großen dicker Welt oft unter ihrer hohen Stellung leiden, sie würden sich nicht so sehr beeilen, sie zu richten und zu verdammen. Dir dulden sogar dadurch, daß wir von unserem Leid nickt sprechen und ihm freien Lauf lassen können. Unsere Verzweiflung ist noch der Sklave um'eres Ranges, und wir haben, was and) komme, nur das Recht, zu fallen und zu sterben, wie die Könige sterben und fallen müssen, nämlich als Könige."
Dahrhast königlich hat die Kaiserin Friedrich ihren Schmerz getragen. Als die Verfasserin sie als Witwe wiedersah, sand iif sie zwar im weißen Haar, den wundervollen Wohllaut der Stimme gebrochen, aber gefaßt und ruhig, ja müder und weicher geworden. Ihre Abneigung gegen Bismarck war besänstigt, und noch feinem Sturz hätte sie ein tiefes Mitgefühl mit dem^ allen Kämpfer. Gütig sprach sie von allem. Ihre letzte profr? jyreubc war die Wiederherstellung der guten Beziehungen zu ihrem Solme, dem Kaiser. Er war ihr Liesing gewesen feit den fernen Tagen seiner Kindheit, und noch sterbend, von der Krankhett ourcht^htt, war eine ihrer letzten Bewegungen eine Liebkosung der Ham» ihres Kindes.'


