Ausgabe 
30.4.1913 Erstes Blatt
 
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treiben Tie selbstverständlich ein überaus ge- w a g t eZ Spi el, denn das gibt leicht jene Folgen, die sich zeigen inr Fall des Ausbruches einer Panik.

Es gibt kein geschäftliches Gesellschastsunternehmen, bet dem der einzelne einen so schwerwiegenden Einfluß hat wie bei der Ge­nossenschaft. Mögen die Mitglieder der Genossenschaft sich nm ihre Genossenschaft lünrnrern, mögen sie in die General- versammlnngen gehen und dort Rede und Antwort fordern. Mögen sie sich erkundigen nach den Grundsätzen für die Kreditgewährung. And mSgen die Mitglieder der Genossenschaft dann werter dafür sorgen, daß in den Aufsichtsrat Männer gewählt werden, die ifür ihr Amt das nötige Verständnis mitbringen. Mögen .endlich die Mitglieder sich ihrer Rechte erinnern, wenn es gilt, die SorslLndsposten M besetzen.

Wenn in diesem Zinne sich die Mitglieder betätigen und das wirL> jckenfalls in den nächsten Jahren der Fall sein dann wird das, was wir jetzt rnti Großtzerzogtum Hessen erlebt haben, das Gute zur Folge haben, daß man an anderen Orten im vMen Umfange seine Schuldigkeit tut. Ts war ein teures Lehrgeld, aber es war dann ein Lehrgeld, das nicht ganz nutzlos verausgabt ist, wenn nur die anderen Genossenschaften für die .Schutzmäßregeln sorgen, die weitere Rieder-Modaus ausschließen.

So sehe ich zur Zeit die Verhältnisse im' Großherzogtum Hessen an. Mitgliedern wie Gläubigern der Genossenschaften itnb deren Verwaltungen ist zu empfehlen, keinen Augenblick die Ruhe zu ver­lieren. Rur dann wird es gelingen, der Schwie­rigkeiten Herr zu werden und die vorhandenen Kreditgenossenschaften in der Erfüllung ihrer wichtigen geschästlichen Aufgaben zu erhalten. Dies aber trifft den Lebensnerv des Mittelstandes nrt Großherzvg- timt Hessen. Ein jeder ist daran interessiert, daß das Vertrauen zu den Genossenschaften durch die traurigen Vorgänge an einzelnen Stellen nicht erschüttertwird. Gewiß sind Verluste eingetreten imb einzelne Gebiete sind schwer heimgesuchf. Wer aber daraus den Schluß ziehen wollte, daß auch allen anderen Genosienschaften nun Mißtrauen entgegeitzubringen ist, der läßt doch allzusehr den klaren Blick vermissen. Nichts wäre verfehlter als aus den Vor­gängen einen Schluß aus die Allgemeinheit zu ziehen. Trotz Ober-Mockstadt, Rieder-Modau und einzelnen anderen Orten das Genossenschaftswesen inr Großherzogtum Hessen ist in seinem Kern gesund. Von diesem' Gesichtspunkt aus hat der einzelne zu handeln und seiner Genossenschaft gegenüber, sei es als Mitglied oder Gläubiger, sich zu verhalten. Er mag prüfen und Auf­klärung verlangen, aber er soll sich in seinenr unb der Allgemein­heit Interesse davor hüten. Mißtrauen walten zu lassen, wo auch, nicht die geringste Veranlassung dazu vorliegt. Andernfalls schädigt er sich selbst, wenn and? der Schaden schließlich nur auf Umwegen ihn trifft.

Neber die Frage des Systems braucht heute nicht verhandelt zu werden. Es ist auch nicht.die Presse der Ort, an dem derartige schwierige Fragen zur Lösung gebracht werden können.

Dr. Hans Crüger, Anwalt des AllgemÄnen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschastsgenofsenschaften e. V.

Ein Vorgehen öes Dreibundes.

Auch heute sind die Meldungen über das Ergebnis der letzten Botschafterberatung noch nicht klarer geworden. Rur das eine steht fest, daß der Dreibund besondere Schritte vorbereitet, und wenn das Reuter-Bureau davon spricht, daß eine Mehrheit der Großmächte gegen Kriegs- maftwgVln wider Montenegro sei, so ist damit nichts gesagt, denn feder Tag kann die Stimmung ändern. Und heute scheint der Widerstand Montenegros, das sich der direkten Unterstützung Serbiens erfreut, unbelehrsamer denn je. Was anders als Waffengewalt wird König Nikita wohl zum Nachgeben zwingen?

Paris, 29. April. DasJournal des Debats" mel­det: Die B ots cha ft er der Dreibundmächte unter­nahmen gestern in Paris und bei den beiden anderen Re­gierungen der Tripel-'Entente einen Schritt, indem sie mit Nachdruck auf den von Oesterreich-Ungarn betonten Willen hinwiesen, den Zwischenfall von Skutari, welcher für die Großmächte beleidigend sei, möglichst rasch zu er­ledigen. Falls König Nikolaus ^er am Sonntag bekannt- gegebenen Aufforderung nicht Folge leisten sollte, müßte ihm ein regelrechtes Ultimatunt übersandt werden, welches nur eine ganz kurze Frist stellen würde. Hierauf würde nichts anderes übrig bleiben, als zu Durchführungsmitteln zu greifen. Oesterreich-Ungarn würde, falls ihm die übrigen Mächte keinen Beistand leisten würden, diese bewaffnete Demonstration allein unterneh­men. Die rusfischen Botschafter unternahmen überall eine Demarche, welche eine Antwort auf den Schritt ihrer österreichisch-ungarischen Kollegen bildet. Sie erklärten, daß Rußland, nachdem es die in Cetinje über- reichte Rote mituntcrschrieben hätte, nach wie vor den Montenegrinern Skutari verweigere, daß es aber der An­sicht sei, daß jede militärische Aktion verfrüht wäre und daß Ueberredung genügen würde, um König Nikolaus zum Nachgeben zu bestimmen. Wenn jedoch die Mächte glauven, daß eine militärische Aktion notwendig sei, würde sich Rußland derselben in effektiver Weise nicht anschließen können.

Die WienerReichspost" schreibt: Die nächsten Tage tverden eine entscheidende Wendung in der Sku- tari frage bringen müssten. Mit großer Befriedigung wird in Men darauf hingewiesen, daß das diplomatische Vorgehen Oesterreichs namentlich durch den deutschen Bundesgenossen eine warme und energische Unterstützung erfährt, ein Beweis von Solidarität, der gewiß in der ganzen Welt einen großen Eindruck Hervor­rufen wird.

Die Wiener Blätter sind durch die Nachrichten von der Vertagung der Botschaftervereinigung auf Donnerstag sehr überrascht worden. Im übrigen wird bemerkt, daß die bisher vorliegenden Meldungen aus London noch kein klares Bild von dem Verlauf der Sitzung geben.

Nach einer Information, die dem Reuter-Bureau zu­gegangen ist, hat sich bei den Besprechungen der Botschafter ergeben, daiß die Mehrheit der Großmächte nicht geneigt ist, kriegerische Maßnahmen gegen Montenegro zu ergreifen. Man ist sich darüber klar, daß es notwendig sein wird, irgendwelche Maßregeln zu ergreifen, falls Montenegro nicht in befriedigender Weise auf Äe Kollektivnote der Mächte antwortet. Aber man sagt sich, daß man noch die Antwort auf diese Note ab­warten muß. Inzwischen aber würden die Botschafter in London wahrscheinlich vyr ihrer nächsten Zusammenkunft Kenntnis von den bei ihren Regierungen herrschenden Au- sichten über die letzten Phasen der Lage haben. Oesterreich habe bei der Forderung einer Entschließung über diesen Punkt nicht deutlich gesagt, was es zu tun Vorschläge. Es habe auch kein Datum für die Antwort festgesetzt. Sei dem wie ihm wolle, jeder Akt, welcher die beiden Mächte­gruppen -etwa in ^entgegengesetzte L«ger stellen könnte, würde sehr zu bedauern sein.

DieNeue Wiener Abeirdzeitung" schreibt: Bekannt­lich behielt sich Oesterreich-Ungarn freie Hand vor für den Fall, daß die Botschafter-Vereinigung nicht die Anträge Oesterreich-Uugarns genehmigen sollte. Der Fall ist jetzt

eingetreten, nachdem in der gestrigen Botschafter-Bereini­gung in London eine Einigung nicht erfolgte. Diese Fest- tellung kennzeichnet die Situation. Gegenwärtig findet ein reger Meinungsaustausch zwischen Men und Rom statt.

DreWiener Allgemeine Zeitung" schreibt: In der am Donnerstag stattfindenden Sitzung der Botschafter- Vereinigung in London wird es sich entscheiden, ob und welche Mächte an den von Oesterreich-Ungarn eventuell, nämlich für den Fall, daß der König von Montengro nicht unbedingt nach gibt, zu unternehmenden Zwangsmaß­regeln teil nehmen.

Rom, 30. April. An gut unterrichteter Stelle meint ntmt, es werde zu keiner Aktion Oesterreichs kom­men, da die Botschafter-Reunion Oesterreich am Donners­tag eine so eklatante Genugtuung verschaffen werde, daß Oesterreichs Prestige durch die Skutari-Asfäre überhaupt nicht mehr berührt werde.

König Rikita macht sich in Skutari häuslich.

Das BerlinerTageblatt" meldet aus Wien:, König Nikolaus erläßt eine Proklamation an die Be- völkerungSkutaris, worin dieser volle religiöse und rersönliche Freiheit zugesichert und erklärt wird, daß Sku­tari in den definitiven Besitz Montenegros über­gehe. Die montenegrinischen Behörden verboten die Aus- chiffung von Sanitätsmaterial und Lebensmitteln für die Bevölkerung von Skutari aus zwei in Cattaro seit einiger Zeit liegenden Llohdschiffen und einem' italienischen Damp- er. Skutari sei mit allem nötigen versorgt.

Wien, 30. April. Nach Belgrader Meldungen aus Cetinje kann Montenegro unter allen Umständen auf die serbische Unterstützung rechnen. Der Mon­tenegrinische Ministerpräsident erklärte, man werde Skutari den Montengrinern nur mit Gewalt nehmen können. Zwischen beirr König von Serbien und dem König von Montengro hat ein Depeschenwechsel stattgefunden.

Eine Volkszählung in Saloniki.

Athen, 29. April. AM 12. Mai wird in Saloniki eine allgemeine Volkszählung vorgenommen, die sämt­liche Rassen und Religionen umfaßt. Die Be­hörden von Saloniki fordern die Bevölkerung auf, bei der Volkszählung genaue Angaben zu machen, da es sich nicht um eine militärische ober politische Kontribution, ondern lediglich uM statistische Zwecke handele.

Die Pforte und das Vorgehen Essad Paschas.

Konstantinopel, 29. April. Amtliche der Pforte nahestehende Kreise ertläreti, keine Kenntnis von dem Schritt Essad Paschas zu haben, den sie offen mißbilligten. Die Pforte richtete an ihre Botschafter ein Zirkularschreiben, in dem' sie in aller Form die Gerüchte dementiert, daß Essad Pascha in Uebereiensümmung mit der türkischen Regierung gehandelt habe und erklärt, sie tadele das Vorgehen lebhaft. Eine Gruppe italienischer Banken unter Führung der Societa Commerziale del Oriente streckte der türkischen Regierung acht Millionen Franken gegen den Schatzbvnds vor.

Das Programm des internationalen Finanzausschusses.

Eine Note der Agenee .Havas bringt in großen Zügen ms Programm des internationalen Finanzausschusses, der in Paris am 15. Mai zusammentreten wird. Erstens wird der Ausschuß den Teil der ottomanischen Staatsschuld festsetzen, der zu Lasten der abgetretenen Gebiete verbleiben wird und dessen Schuldendienst sicher­gestellt werden soll entweder durch Jahresraten, die, wie -rüher, aus den Einkünften dieser Gebiete erhoben werden ollen, oder durch garantierte Kapitalsabzahlungen. Zwei­tens wird der Ausschuß die Bedingungen und die recht­lichen Modalitäten genau festlegen, nach denen die Balkan-- 'taaten in die Rechte wie Pfttchten und Verpflichtungen der Türkei gegenüber Dritten, die Inhaber von Kontratten oder Konzessionen in den abgetretenen Gebieten sind, ein­zutreten haben. Endlich wird der Ausschuß Ansprüche pekuniärer Ordnung prüfen, welche die Kriegführenden als Kriegsentschädigung glauben geltend machen zu müssen.

Deutsches Reich.

Eine Konferenz.

der bundesstaatlichen Finanz Minister.

In der ersten Woche nach Pfingsten findet in Berlin eine Konferenz der Finanzmin ister der Bundes- st a a t e n statt.

Der Landesverband der deutsch-sozialen Partei für Hessen und Hessen-Nassau

hielt unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Werner (Butzbach) seine Hauptversammlung in Frankfurt ab. Aus den neunstündigen Verhandlungen sei hervorgehoben, daß man die Errichtung einer eigenen Geschäfts stelle mit dem Sitz in Frankfurt plant, um die sich ständig steigernde Arbeit bewältigen zu können.

Braunschweig und Lüneburg.

Wie derLvkalanzeiger" von zuständiger Stelle erfährt, entbehren die abermaligen Gerüchte von einer in Aus­sicht genommenen Angliederung des Regierungsbezirks Lüneburg an das Herzogtum Braunschweig und dessen Erweiterung zu einem Grvßherzogtum vollkommen der Grundlage.

Verstärkter Vogelschutz.

Der Bittschriftenausschuß des Reichs tags hatte sich, mit Bittschriften betreffend das V oge l s chu tz g e s e tz be­schäftigt. In den Bittschriften wird eine Verschärfung des Vogel­schutzgesetzes befürwortet, da eine Reihe von Vogelarten der fast völligen Ausrottung nahe sei. Es handelt sich hier hauptsächlich um Mövchen und Kiebitze. Namentlich die sinnlose Jagd auf Möven bei Hamburg bedürfe dringend der Abhilfe. Von der Regierung wurde ausgeführt, daß diese Abhilfe hauptsächlich durch die Landesgesetzgebung erreicht werden könne. Die Reichs­leitung begttiße alle Anregungen zu einem Schutze der heimischen Vogelwelt. Der Ausschuß sprach sich für einen verstärkten Vogel­schutz aus und war der Ansicht, daß das rein sportliche Üm- bringen von Seevögeln ein höchst beklagenswertes Ucbcl sei. Man verkannte nicht, daß das Reichsvogelschutzgesetz und die Jagdgesetzgebung der Einzelstaateu teilweise einander wider­sprechen und daß insbesondere die einzelstaatliche Jagdgesetz- gebung einem wirksamen Vogelschutz entgegensteht. Der Ausschuß überwies die Anträge dem Reichskanzler zur Erwägung mit dem Ersuchen, bei den Einzelstaaten um eine Abänderung der Jagd­schutzgesetzgebung im Sinne eines Derftärften Vogäschutzgesetzes vorstellig zu werden.

Ausland

In der portugiesischen Kammer gab der Ministerpräsident folgende Erklärung ab: Die Re­gierung kannte alle Anstifter der Bewegung und ihre Pläne. Sie hätte einschreiten können, bevor irgend eine Handlung gesck>ah, aber sie tat es nicht, damit jedermann die vcr- brecherffchen, dem Vaterland und der Republik feindlichen Absichten Klar sehen tonnte. Die Regierung hoffte, daß die Agitatoren eine angreifende Haltung einnehmen würden, um energische Maßnahmen zu rechtfertigen, aber sie zeigten

sich vollständig felge. Alle mktttärischen und polizekivhen Organe arbeiteten in patttotischer Weise mit der Regierung zusammen. Die Regierung erstickte den Herd der Bewegung und ordnete an, daß das Prozeßverfahren eröffnet wird. Die Kammer nahm einstimmig eine Tagesordnung an, worin der Regierung ihr Vertrauen aus­gesprochen wird.

Aus Stabt und Land.

Gießen, 30. April 1913.

Christi Himmelfahrt.

Auf einem abendlichen Spaziergänge von Traisa nach Darmstadt soll der fromme, tief innerliche Matthias Claudius, der im1 .Jahre 1776 zu Dftrmstadt Oberlandes- lvmmissarius war, dias schöne Abendlied gedichtet haben, das mit den Worten beginnt: Der Mond ist aufgegvngen. Er sagt darin, daß der Mond nur halb zu sehen sei und daß doch niemand daran zweifle, daß er rund und schön sei, daran schließt er die Bemerkung: So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehen. Man denkt an dieses Wort, wenn man liest, was Ernst Haeckel über den Himmel der Christen sagt. Die bewunderungswürdigen Fortschritte der Naturwissen­schaft, der Astronomie und der Kosmologie, so meint er, haben dargetan, daß es keinen Himmel und kein Jenseits gibt. Die Astrophysik hat gelehrt, daß da, wo man sich früher den Wohnort der Seligen dachte, der unendlichie Raum mit .schwingendem Aether erfüllt ist und daß sich in ihm Millionen von Weltkörpern, alle im ewigen Werden und Vergehen begriffen, umhertreiben. Nur kurze Zeit genießt der Mensch das Diesseitsglück, das einzige Gurck, das es gibt, um dann spurlos dahinzusinken.

Es ist nicht zu bezweifeln, daß Haeckel die mannigfachen Naturvorgärrge nrit scharfer Beobachtungsgabe ersaßt, auch hat er etwas vom Dichter oder vom Philosophen an sich«, insofern er Idas, was er in der Natur sieht, kunstvoll zu ein ent Weltbilde «zu vereinigen sucht. Mer dieser scharf lbeobachtende Mann hat dafür kein Auge, daß das Menschen- ,gemüt sich niemals mit der Religion zufrieden gibt, die bie sogenanntenMonisten" lehren, indem sie die Grenzen Zwischen Naturerkenntnis und religiösem Glauben ver­wischen. Die Besten und Reinsten unter dem^ Menschen- igefchlechte finden niemals daran Genüge, daß sie nur nach fern trachten, das, itrie Paulus sagt, auf Erden ist, sondern sie streben nach einem überweltlichen Ziele, sie ttachten nach dem, das droben ist, indem sie an sich selbst arbeiten, um weiser, besser und frömmer zu werden, stark in Selbst­verleugnung und lGottverttauen, reich an Liebe und Frieden. Tief auch ist ihnen in das Herz geprägt, daß das Dies­seitsglück der Seele keine volle Besrredigung gibt, sie sehnen sich nach einer besseren Welt und sprechen oft mit Friedrich Rückert:Mich fasset ein Verlangen, daß ich zu dieser Frist hinauf nicht kann gelangen, wo meine Heimat ist." Vollends dafür hat der große Naturforscher kein Auge, daß in.Jesus der Menschheit das überweltliche Ziel und die überweltliche Seligkeit gegeben ist. Jesu Reich war, wie er selbst gesagt hat, nicht von dieser Wett; aus jedenr Wort, das er geredet, aus jeder Tat, die er getan hat, aus seiner ganzen Erscheinung ragt eine ewige, un­vergängliche Welt herein in das arme Er den leben, das er geführt hat in einem Lande, das arm war an Kultur, dessen DcvEcrung unter schwerem^ politischen Drucke stand. Jesus starb ohne Zagen, weil er tvußte, daß der Tod ihn nicht von feinem1 l-vmrnlischen Vater trennen werde, er starb in der Gewißheit, daß die Gem^einschaft mit den Seinen in «einer Welt fortbestehe, die er zwar nie mit sinnlichen Farben ausgemLlt hat, die ihm aber eine Wett der Vvttendung und des Friedens war. Die Denkenden unter denen, die von ihm erfaßt sind, erkennen fteudig die Fortschritte der Naturwissenschaft an, sind sich abtt auch darüber ttar, daß alle naturwissenschaftliche Erkenntnis nicht imstande ist, ihre auf Jesus gegründete Glaubens- Überzeugung zu erschüttern und ihnen das Recht zu nehmen, von dem Himmel, der Welt Gottes, zu reden, in die Jesus nach seinem Kveuzestode eingegangen ist und der die Gläu­bigen als ihrer nnchven Heimat entgegensehen, ohne zu vergessen, .daß ihr Herr und Meister gesagt hat, daß wir wir len sotten, so lange es Dag ist, weil für jeden Erd­geborenen die Nacht kommt, da er im Lichte dieser Sonne nicht mehr wirken kann. * H. B.

** Tageskalender Biograph-Lichtspiele: Tag-, sich Vorstellung.

BakofsKammer-Lichtsviele: Täglich Vorstellung. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

*

Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Reichsgerichtsrat Dr. Schmidt in Leipzig die Erlaub­nis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Adlerordens 3. Klasse mit der Schleife erteilt.

Generalkonsul von Panama. Der zum Generalkonsul der Republik Panama in Hamburg ernannte Herr Federico Boyd jr., dem das ReichSerequatur erteilt wurde, ist zur Ausüblmg konsularischer Dienstverrichtungen in Hesien zugelassen worden.

"Hessische Schla chtungs stati stik. Rach der amtlichen Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurden im Januar, Februar und März 1913 bezw. (1912) geschlachtet: 579 (570) Pferde, 4761 (4509) Ochsen, 328 (320) Bullen, 9641 (11 004) Kühe, 7329 (6663) Jungrinder über 3 Monate alt, 16 567 (19 250) Kälber bis 3 Monate alt, 82 750 (92 854) Schweine, 2418 (2705) Schafe und 8764 (7687) Ziegen.

Landkreis Gießen.

b. Wieseck, 29. April. In der Geineinderats- sitz un g waren anwesend: Bürgermeister Schomber und die Gemeinderatsmitgtteder Weller, Luh, Deibel, Vogelhöfer, Oßwald, Deibel und Becker. Wegen der Baufluchtlinie A. S. an der Kreisstraße WieseckAlten-Buseck wurde be» schlossen, daß sie wie in dem Plane leicht eingezeichnet ist, genehmigt wird. Ferner wurde beschlossen, ein Jugend- fest zu feieru. Aks Festtag wurde der 20. Juli vorgesehen. Ein Ausschuß, bestehend aus den Gemeinderatsmitgttedern Luh, Deibel und Wacker, wurde mit den Vorarbeiten zu dem Fest beauftragt. Tie Versicherung der Ge­meindeeinnehmerei gegen Einbruch und Diebstahl wurde genehmigt. Zur Gesundheitspflege der Jugend wurde beschlossei^, einen öffentlicheu Spielplatz an- zulegen und zwar auf dem Riede, jedoch soll seine Lage durch einen Ausschuß, bestehend aus den Gemeinderäten Luh, Fr. Deibel und L. Deibel, eingesehen und bestimmt werden. Sodann fanden die vorgelegten Rechnungen über nachträg­liche Arbeiten ihre Genehmigung. Das Gesuch des Leyrers Döll um Erhöhung seiner Wohnungsmiete wurde insoiveit genehmigt, daß sich die Gemeinde bereit erklärt, die Hälstr

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