Ausgabe 
29.4.1913 Erstes Blatt
 
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bet oent ]td) vier Aerzte befinden. Diese berichten, daß di« lieber gäbe Skutzaris ohne vorherigen Kampf, der Sach- läge nach anscheinend ganz unmotiviert, erfolgte. Ms Essad Pascha die Uebergabe proklamierte, erhob sich unter den Albanesen eine Meuterei gegen ihn, welche er blutig erstickte. Essad Pascha UeK sich bereits in Skutari als Fürst von Albanien ausrufen. Die Trup­pen hatten noch Proviant, aber die Not der Bevölke­rung Skutaris war sehr groß; täglich starben etwa 5 0 am Hungertod. Das Gros der serbischen Truppen, welche an der Belagerung Skutaris teilgenommen hatten, waren bei Durazzo konzentriert. Die Räumung des nördlichen Mbanien durch die Serben ist noch nicht vollzogen; es fanden nur teilweise Abtransporte statt.

Serbische Ueberhebnng.

Wien, 29. April. Bei einer serbischen Skutarifeier in PrizreUd kündigte der bärtige 5) ö chst kommandie­rende Jankov'itsch offen den baldigen Kampf gegen Oesterreich-Ungarn an und erging sich in Ausfällen gegen diese Monarchie.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Semlin: Serbien trifft längs der ganzen Grenze militärische Vorbereitungen gegen Oesterreich.

Die russische Zögerun^staktik.

Wien, 28. April. Einer Mttteilnng von maßgeben­der Stelle zufolge konnte der gemeinsame Schritt der diplo- mattschen Vertreter der Großmächte in Konstantinopel wegen der Beschleunigung der Friedensprä­liminarien bisher nicht erfolgen, weil der russische Botschafter noch ohne Instruktionen ist.

Ans Belgrad wird gemeldet: Der Zar hat dem russischen Gesandten Hartwig das Großkreuz des Weißen Adlerordens verliehen. In serbischen Krei­sen ruft triefe Auszeichnung um so größere Befriedigung hervor, als sie sonst nur Botschaftern verliehen wird.

Ein flüchtiger türkischer Prinz.

Konstantinopel, 28. April. Der Neffe des Sultans, Prinz Abdul, ist aus bisher unbekannten Gründen auf die englische Botschaft geflüchtet.

Deutsches Reich.

Das Jubiläum des Kaisers.

Der König von Württemberg hat angeordnet, daß das Regierungsjübiläum des Kaisers von den wür t Lem­berg ischen Truppen am Sonntag, den 15. Mai durch Gottesdienste und am 16. Mai durch Appelle und große Paroleausgaben und eine Feier, wie am kaiserlichen Ge­burtstag, begangen wird.

Der Verein gegen das Bestechungsunwesen, E. V., tritt am 3. Mai in der Münchener Handelskammer zu seiner Hauptversammlung zusammen.

Ausland.

Zur Beschickung der Internationalen Technischen Konferenz, welche im September in Bern zusammen tritt, und die Grundlage für ein Internationales Uebereinkommen wegen Bettrots der industriellen Nachtarbeit jugendlicher Arbetter vorDseraten soll, haben sich bis jetzt 10 Staaten bereit erklärt, insbesondere haben auch Frankreich und England zugesttmmt.

Aus Französisch Fndvchina.

DieAgenoe Havas" meldet aus Saigon (Jndochina): Samstag abend 7 Uhr schleuderte ein Annamit in Hanoit eine Bombe, durch welche zwei französische Majore getötet, sechs Euro päerund fünf Ein­geborene verwundet wurden. Der Täter hat die Wucht ergriffen. Der General von Jndochina Sarrut erließ einen Aufruf, in welchem er an die Besonnenheit der Franzosen appelliert. Die französische und die Ein­geborenenbevölkerung legt große Kaltblütigkeit an den Lag. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Ein Telegramm des Gouverneurs von Jndochina an den Kolonialnttnister besagt: Stteng auf ihre Zuverlässig­keit geprüfte Erhebungen führen den Anschlag auf Partei­gänger des Fürsten Couongte zurück. Der Anschlag ist in den Werkzeug säbriken EantonS und Hongkongs vor­bereitet, in dem sich rebolutionäre Chinesen befinden, welche die aufrührerischen Annamiten beraten und unterstützen. 'Lin unbekannter Eingeborener tötete sckon am 2. dlpril durch eine Bombe den Thuangfu der Provinz! Thaibisch

THAöme und schließlich auf die Insel Lautern es geführt, so daß die munterften Pl-chen der fünf Bücher Rabelais vor den Zn- idjauern defilieren. Die Musik ist in den sentimentalen Steilen reizend, vertieft sich etwas in der derben Komik und gibt dafür geistreiches Getändel. Ms gelungenste Stellen sind rnt ersten Akte die prächtigen Loblieder aus die schöne Landschaft der Touraine h?r- vorzuheben, eine kurze Arie der Colonrbe, zu der das Englisch­horn eine seltsam' schöne Begleitung bietet, die folgende Szene mit bent Liebesverlwr, von naiver Heiterkeit, ein Duo im dritten Mt zwischen Colombo und Baguenade, das bester Massenet ist, unb endlich das unvermeidlicheintermebe", das wir bei Mas­senet seitThais" kennen und das nwoeigerlich mit einem effekt­vollen Violinsolv beginnt: auch diesmal wurde der Schlager stür­misch zur Wiederholung verlangt. Mso einpopulärer" Erfolg, was in Paris heißen will, daß bei der hundertsten Ausführung das melodiewütige bürgerliche Publikum sich ebenso enthusiastisch frei gen wird wie jetzt das angeblich so ironische, ober im' Grunde recht naive und in musikalischen Dingen hilflose Publikum des Tont Paris". F r a n z F a r g a.

Preisaufgaben. Nach dem Märzheft desDeutschen Statistischen Zentralblattes" (Verlag B. G. Teubner, Leipzigs hat die GruppeStatistik" der Internationalen Ausstellung Leipzig 1913 sechs Preisaufgaben gestellt, für die Preise im Gesamtbetrag von 3000 Mark verteilt werden. Die Aufgaben lauten: 1. Welckze statistischen Grundlagen sind zur Ausstellung von Bebauungsplänen für größere Städte erforderlich?

2. Die Rentabilität der Wohnhäuser in den Städten. 3. Be­stellbauten und Verkaufsbauten. 4. Tie bevölkerungsstatistischen Unterlagen für eine planmäßige private Bautätigkeit. 5. Ge­schichte des Baugewerbes in Deutschland nach den Berufs- und Betriebszählungen. 6. Die Schwankungen des Straßenverkehrs nach Wochentagen und Tagesstunden. Die Lösungen der Aus­gaben sind bis zum 15.' Juni 1913 an das Direktorium der Ausstellung ht Leidig einzureichen.

Kurze Nachrichten aus Kun ft und Wissen­schaft. Vom 46. Mai findet in Frankfurt a. M. die erste Tagung des kürzlich gegründeten Frauenkunst-Verbandes statt. Dieser BetzbaiU» bezweckt den Zusammenschluß aller in der bildenden Kunst berufsmäßig arbeitenden Frauen und hat zum Ziele die gegenseitige Förderung in allen beruflichen und wirt­schaftlichen Fragen. Angeftrcbt wird die Einrichtung von Ver- kaufsvernnttlung und Faärauskunftsftellen und die Förderung günstiger Ausstellungsaelsgen'heiten. Ter Ausschuß für das Heinedenkmial in Frankfurt a. M. hat den Bildhauer Kolbe- Berlin ntit der Ausführung beauftragt.

ans der gleichen Veranlassung; außerdem entdeckte die Polizei am 24. März in Saigon und Cholon acht Bomben.

Die chinesische Anleihe.

DieTimes" meldet aus Peking vom 27. d. Mts.: Ter Grad der Empörung der revolutionären Partei^ Über die Anleihe kommt darin zum Ausdruck, daß Dr. Sun- jatsen den Konsuln in Sckstmcchcn förmlich mitgeteilt hat, daß die Vollziehung der Anleihe ohne Teilnahme der Nationalversammlüng einen Bruch zwischen dem S Ü d e n u n d Norden herbeiführen würde. Die Drohung ist nicht unbedeutsam, da man Grund zur Annahme hat, daß die Revolutionäre gewisse vorbereitende militärische Maßregeln ergriffen haben.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 29. April 1913.

Der neue Fahrplan des Gießener Anzeigers ist erschienen und liegt der heutigen Stadtauflage bet. Er enthält in der gemolpitcn übersichtlichen Anordnung sämtliche für Oberhessen hauptsächlich in Betracht kommenden Fahr­pläne, den Personen- und Geväcktaris, sowie ein Verzeichnis der für Gießen vorwiegend in Betracht kommenden Fahrpreise nach deutschen und ausländischen Stationen. Dem Fahrplan sind einige Notizblätter und ein Kalender neu beigefügt.

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Titelv erleihung. Der Großherzog hat dem Oberlehrer an der Realschule zu Butzbach Friedt. Glas er­den Charakter als Profestor verliehen.

Lehrerpersonalien. Dem SchulamtSaspiranten Phil. Gieg au§ Eckelsheim wurde eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Volxheim übertragen.

** ® rlebigt ift die Stelle eines Maschineningenieurs bei der Dampfkesselinspektion in Darmstadt.

"Die Hagelschäden in Hessen 1912. Im ganzen gab es in 22 Gemeinden Hagelschäden, die sich über 2908 ha erstreckten. 260 h waren versichert und 2648 h waren nicht versichert. Der Geldwert des Schadens betrug 29 899 Mk. der versicherten Schadenfläche unb 313 373 Mk. der nicht versicherten Schad'ensiäche. Von den Versicherungs­gesellschaften wurden 26 009 Mk. Entschädigungen bezahlt. In Oberhessen wurden nur aus 2 Gemeinden des Kreises Alsfeld und einer des Kreises Schotten Hagelschäden ge­meldet. Versichert waren 39 h und 341 h nicht versichert. Der versicherte Geldwert betrug 1400 Mk. und wurde voll vergütet. Nicht versichert waren 5150 Mk. Geldwert.

** Der B ü r g e r b e r e i n Gießen hielt gestern abend im HotelEinhorn" feine sehr anregend verlaufene Haupt­versammlung ab. Der Vorsitzende, Lehrer Müller,' gab zuerst einen Jahresrückblick über die Tätigkeit des Vereins im verflossenen Vereinsjahr, mit dessen Fassung sich die Versamm­lung einverstanden erklärte. Es ging daraus hervor, daß der Verein auch im letzten Jahr bemüht war, durch sachverständige Vorträge, Belehrung und Aussprache klärend zu nrirken und das allgemeine Wohl der Bürgerschaft zu fördern. Ohne auf die ein­zelnen Punkte der Vereinstätigkeit näher einzugehen, sei nur daraus hingenriesen, daß sich der Vorstand in einer Eingabe an die Eisenbahndirektion Frankfurt gewandt hat wegen Aushebung der lästigen Bahnhofssperre für die Wartesäle, leider ohne den ge­wünschten Erfolg. Die Rechnungsablage mußte bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt werden, da die Rechnung zwar fertig» gestellt, aber noch nickst geprüft ist. Doch konnte der fRcdmer. Kommerzienrat Mueller, berichten, daß das Vermögen des Ver­eins von 850 Mark auf 110^ Mark gestiegen ist. Die ausschei­denden Borstaiidsmitglieder würden durch Zuruf wieder gewählt. Da keine Anttäge eingebracht waren, konnte man sich dem letzten PunkteAussprache über städtische Angelegen­heiten" zuwenden, was denn auch in der ausgiebigsten Weise geschah. Die Aussprache dichte sich hauptsächlich um die Frage der Verlegung der Bürgermeisterei, deren Räume längst nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen. Eine Zusammenlegung der zurzeit gehennten Aemter liegt im In­teresse der städtischen Beamten und der raschen Erledigung ihrer Arbeiten und im Interesse der Bürgerschaft, besonders der Ge­schäftswelt. Der eine Zeitlang bestandene Plan, das alte Kliniks­gebäude zur Aufnahme der Bürgermeisterei Herrichten zu lassen, daN als überwunden angesehen werden, wenn auch ein Redner dafür eintrat, den Gedanken nicht kurzerhand abzuweisen. Es fei unter den gegebenen Umstünden angebracht, die alten Kliniks­räume zur Unterbringung sämtlicher städtischer Aemter, wenn auch nur provisorisch auf eine Reihe von Jahren zu verwenden. Man war sich schließlich darin einig, daß das Gebäude wegen seiner Sage, ganz nahe der Eisenbahn mit all den Störungen und Belästigungen, seiner unpraktischen Bauart und ungünstigen Licktverhältnisse weder zur Unterbringung von Schulklassen, wie auch vorgeschlagen mürbe, noch als Bürgermeisterei verwendet werden könne. Das einfachste und beste sei immer noch der Ver­kauf und es sei erwiesen, daß sich Käufer fänden, wenn der Vor­garten als Bauland frei gegeben1 2 würde. Beherzigenswert sei auck der Vorschlag des Pros. Dr. Rauch, der sämtliche Kunstsamm­lungen Gießens hier bereinigen wollte, zumal in absehbarer Zeit die im alten Schloß am Braud untergebrachte Samm­lung anderweit untergebracht werden musst. Im Fall der Raum ausreiche, sei dies gewiß ein guter Gedanke, eine Dauerausstellung für Handel und Gewerbe damit zu verbinden. Die Bürgcr- meifterei indessen gehöre mitten in die Stadt, auch schon mit Rücksicht auf die Bewohner des nördlichen Stadtteils, denen man seither nacheinander so ziemlich alles genommen habe, was mit Recht infolge der dadurch erlittenen schweren Schädigung eine große Unzufriedenheit hervorgerufen habe und weiterhin be?- borrufen müsse. Das Prinzip der Sparsamkeit müsse zukünftig mehr als seither hockigehalten werden, aber die Bürgerschaft werde gewiß zu den alten Lasten noch die neue nehmen, ein der Stadt Gießen würdiges Bürgermciftereigebäude zu errichten. Gegen V2I2 Uhr schloß die Versammlung.

** Vogelschutz. Die in der Frankfurter Straße stehen­den Linden- und Kastanienbäume sind die Hauptniftstätten der Hänflinge und Finken. Sie sind jetzt in der ersten Brut. Geht man jetzt mittags und abends die Frankfurter Straße entlang, sieht man eine Schar Kinder mit Steinen und Holz- stücken nach den Bäumen lucrfcn, um die Maikäfer zu er­haschen. Die so nützlichen Vögel, die ja selbst die Maikäfer lesen, werden in ihrer Brut verjagt. Heute abend fand ich unter einem Baum ein vollständiges Distelfinkennest mit zer­brochenen Eiern. Die Lehrer sollten in der Schule die Kinder anweisen, diesen Unfug zu unterlassen.

Kreis Schotten.

d. Ober-Seemen, 28. April. Ein von hier in Hirzenhain bei dem Erdarbeitenunternebmer Vonacker von Heblos bei Lauterbach beschäftigter löjähriaer Junge hatte sich am Samstag eine zum Schießen fertige Dynamit­patrone an geeignet, um zu Hause Schießmeister zu spielen. Am Sonntag nachmittag ging er ins Feld und entzündete die in tbcr Hand haltende Patrone, die sich plötzlich entlud und itym einige Finger abschlug und die nicht weg- aeschlagcnen arg verletzte. Er ging sofort mit der stark blutenden Hand zu dem in federn wohnenden Arzt, der einen 'st^>tverband anlegte und ihn in die Klinik nach Gießen schickte.

d. H a r t m a n n s h a i n , 28. April s Bei dem Festtagen Gewitter schlug der Blitz in den Schornstein des Sattlermeisters Heinrich Strauch, entzündete aber zum Glück nur den Ruß. Durch den hierdurch aufsteigenden Rauch rechneten die Bewohner auf einen Brand, und sofort wurde die Feuerwehr alarmiert. Diese brauchte jedoch ihre Gerätschaften nicht in Tätigkeit zu setzen.

Starkenburg unb Rhein Hessen.

w. Darmstadt, 28. April. Prinz Heinrich der Niederlande ist heute mmittag 1 Uhr im Antoobil znm Besuche des Großh. Hofes hier cingetroffen. Die Königin Wilhelmine, deren Besuch ebenfalls angemeldet war, hatte kurz vorher absagen lassen. Der Prinz reift nach der Früh- stückskafel wieder nach Hohemark zurück.

h. Do rnheim, 28. dlpril. Ter 75-jährige Heuhändler Hardt von hier, der sich 'kümmerlich durchs Leben schlug, wurde gestern im Walde bei Bickenbach verhungert au f ge fanden.

Hessen-Nassau.

h. Frankfurt a. M., 28. April. Die jüdischen Vieh­händler haben infolge des israelitischen Feiertags den heutigen Viehmarkt nicht beschickt und damit das ganze Geschäft kl ahm gelegt. Es waren nur Schafe unb Schweine aufgetrieben; von Großvieh standen nur 9 Ochsen, 7 Bullen, 44 Kühe und 20 Kälber zum Verkauf. Preisnotterungen erfolgten deshalb überlMtpt nicht.

(-) Bad Homburg v. d. H., 28. April. Durch die Unachtsamkeit einiger Ausflügler wurde gestern nachmittag an der Elisabethenschneise eine Schonung junger, ü^aunen durch einen Brand vernichtet. Den Feuerwehren von Homburg und Dornholzhausan gelang es schließlich, den Brand einzudämmen.

$rau Vr. Blume vor Gericht.

2£ Posen, 29. April.

Nach einer umfangreichen Voruntersuchung beginnt am Frei­tag in einer außerordentlichen Schwiirgerichtsperiode die Ver­handlung gegen Frau Dr. Blum e, die unter der Anklage steht, ihren Marin vorsätzlich erschossen zu haben. Die bisherigen Ermitt­lungen haben schon die Einzelheiten der schrecklichen Tat ge- llärt, die Veranlassung aber ist noch immer in Dunkel gehüllt.

An einem September abend des vorigen Jahres kam Frau Dr. Blume in den Gasthof von Mandel bei Unterberg in der Nähe von Pofen gelaufen und teilte mit, daß. sich ihr Mann aus Unvorsichtigkeit erschossen habe. Der Behörde gegenüber machte sie dieselben Angaben. Sie hätte sich mit ihrem Manne im Walde gelagert und plötzlich ein Geräusch gehött, auf das sie den Gatten aufmerksam machte. Dieser habe erwidert, sie möge keine Angst haben, denn er habe einen Revolver bei sich. Ihr Mann habe ihr auch die Waffe gezeigt und dabei sei der Schuß losgegangen, der ihren Mann tödlich verletzte. Diesen Angaben wurde zunächst Glauben geschenkt, die Leiche wurde begraben unb Frau Dr. Blume reiste nach >dem Gute ihrer Eltern Ruszkowo bei Schroda ab. In der Folge machten sich aber verschiedene Verdacktsgründe geltend, daß ein Selbstmord ausgeschlossen sei, unb die Frau wurde nach acht Tagen bei ihren Eltern ver­haftet. Zunächst blieb sie bei ihren früheren Angaben. Der Untersuchrmgsrichter hielt ihr aber vor, daß ihr Eheleben schon kurz nach der Hochzeit völlig getrübt gewesen, und daß in ihrer Privatkorrejpondenz Briefe gesunden wurden, die auf ein intimes Verhältnis zu einem Arzt hindeuteten. Es wurde weiter festgestettt, daß Dr. Blume Beweise der Untreue seiner Frau in der Hand hatte unb sich mit der Absicht trag, die Scheidung einzüleiten. Unter dem Druck dieses Materials gab die Frau dann an, daß sie ihren Mann in einem Augenblick der Verwirrung erschossen habe. Sie wurde daher in einer Anstalt untergebracht und aus ihren GeistesMstand untersucht; ed wurden bei ilr- aber keine Anzeichen entdeckt, daß etwa der § 31, St. G. B. in Frage kommen könnte. Schließlich legte sie dann ein Geständnis ab, baß 'sie ihren Mann vorsätzlich erschossen habe, und zwar an der Stelle, an der sie sich etwa ein Jahr vorher mit ihm verlobt hatte.

Wie die Arrklage annimmt, hat die Frau ait5 Angst und Scham gehandelt, sie wollte den Mann beseitigen, ehe sie im Ehescheidungsverfahren als Schuldige erkannt worden war. Nach­dem sie in der Untersuchungshaft von einer Tochter entbunden worden war, wurde die Anklage gegen sie erhoben. *

Frau Dr. Blume war eine gefeierte Schönheit unb hatte schon als junges Mädchen zahlreiche Verehrer, galt aber immer als etwas exzentrisch. Sie hat die Handels- unb Gewerbeschule in Posen besucht unb verlobte sich nach Abgang aus der Schule mit einem Ingenieur. Bald nachher lernte sie den Assistenten am hiesigen Museum Dr. Blume kennen, dessen wohlhabende Eltern in Berlin-Steglitz wohnen. Aus sein Drängen löste sie die Verlobung mit dem Ingenieur auf unb ging mit Tr. Blume ein Verlöbnis ein. Im April sand die Hochzeit.statt, obwohl die junge Frau damals schon in anderen Umständen war und der junge Ehemann um diesen Zustand gewußt haben soll. Für die Verhandlung ist ein ziemlich umfangreicher Zeugenapparat aufgeboten. ____________________________________________

Soldü tenmißhandlun gen - eines Ha uptwanns.

4. Thorn, 28. April. Vor dem' Kriegsgettckst der 35. Di­vision wurde nad) namtägiger Verlstmdlung der umfangreixbe Prozeß gegen den Hauptmann Köhler itnb den Feldwebel Kre­in i n, beide von der ersten Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 176, ivegen Mißhandlung Untergebener zu Ende geführt. Wie bei der ganzen Verhandlung, so mar auch bei der Urteils-, bcgrünöung die OÖffentlichkeit ausgeschlossen. Das öffentlich ver­kündete Urteil lautete: Der Hauptmann Köhler wird wegen vor­schriftswidriger Behandlmrg Untergebener in 2 Fällen, wegen Mißbrauchs der Tienftgewalt in einem1 Falle, wegen Vergehens gegen § 147 in 5 Fällen, wegen Vergehens gegen § 117 in einem Falle und wegen Vergehens gegen § 139 in zwei Fällen, freigesprochen, dagegen wegen Vergel>ens gegen die §§ 115 und 116 in fortgesetzter Tat, wegen vvrschriftswidriger Behandlung Unter­gebener in 62 Fallen, wegen Mißhandlung Untergebener in 45 Fällen, darunter 2 in Strafverschärfung gemäß § 55 Abs. 2, wegen Mißbrauches der Dienstgewalt in 2 Fällen unb wegen Vergelwns gegen § 147 in .2 Fällen zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt. Der Feldwckbel Kvenrin wirb wegen Mißhandlung Untergebener in 3 Fällen, vorsckwiftswidriger Be­handlung in einem' Falle, Vergehens gegen § 147 in einem Falle unb wegen Verbrechens gegen § 97 in einem Falle frei gesprochen; dagegen wegen Mißhandlung Untergebener in *58 Fällen, vor­schriftswidriger Behandlung Untergebener in 9 Fällen, darunter 2 in Strafversckrärsung gemäß § 55 Abs. 2 und wegen Mißbrauches der Tienftgewalt in einem Falle zu sechs Wock>en gelrnben Arrestes verurteilt. Hauptmann Köhler erklärte sofort, daß er sich bei dein Urteil beruhige.

Leipzig, 28. April. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Brunnenbaners ßluftau Kolbe, der vom Schiour- nericht in Berlin TI am 15. Marz tu eg en T 0 tschlaaes an dein Sekretariatsasftsteitten Franz Bebm ani 7. Oktober 1909 in Taben- dort zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worben war.

Gordon-Ben net-Fahrt.

Kopenhagen, 28. April. Der BallonNiederschlesten^' vassierte heute früh 5 Uhr Süd-s^land. Der Führer ftann wart Aiuci nach Dresden bestimmte Telegramme aus der Gondel. Ter BallonOtto Lili thal" überflog heute vormittag U3/* Uhr

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