Nr. 99
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Anzeiger Gießen.
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Dienstag, 29. April (9(3
(63. Jahrgang
Erstes Blatt
Rotationsdruck und Verlag -er Vriihl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: schulftratze 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße |6a.
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Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Die Wahrheit über Portugal.
'Zu den ebenso spärlichen wie beunruhigenden Nachrichten <mS Lissabon erhalten wir von einem1 in Berlin lebenden Portugiesen, der über gute politische Beziehungen verfügt, Nie folgenden interessanten Aeußerungen:
Man hat es denr Vorgänger des Staatssekertärs von Jagow, dem verstorbenem Herrn v. Kiderlen-Wächter, in der: jetzt herrschenden Kreisen Portugals sehr üdel genommen, 'daß er über die Zustände in der neuen Republik anläßlich der Anerbennungsfrage offen erklärte, sie seien „mdit befriedigend". Diese 'Kritik mag nicht diplomatisch im Talleyrandschen Sinne gehre je n sein, aber sie war ehrlich. Ihre Berechtigung wird jetzt erwiesen duvch die geheimnisvollen Vorgänge in Portugal, durch die Verhaftung von Offizieren, durch die Zusammenziehung der Truppen und der Flottenmannschaften und durch die nun viel besprochene — Versöhnung im Hause Braganza: Dom Manuel, der Bräutigam der Hohenzo'llernprinzessin, und 'Dom Miguel, die früher so feindlichen Vettern, haben sich im vorigen Jahre in Dover heimlich getroffen und verabredet. Diese Tatsache ist zwar öffentlich jbekannt geworden, aber im Strudel der Ereignisse nicht genügend beachtet worden. Wir können darüber allerlei mitt eilen: Zwischen den monarchistischen Richtungen, den Manuelisten und Miguelrften, ist ein Vertrag dahin zustande gekommen, zunächst einmal mit vereinten Kräften die Republik zu stürzen. Hierauf soll eine Militärdiktatur eingeführt werden. Haben sich dann die Gemüter im Lande beruhigt, so will man die alten Kortes einberufen, um darüber zu entscheiden, vb Miguel oder Manuel den Dhron der Väter zu besteigen hat. Dom Miguel auf Schloß S-e-ebenftein bei Wiener Neustadt, erzählt das jedem, der es hören will.
Mit diesen Plänen wird wohl jetzt der Anfang gemacht worden sein. Weniger verbürgt ist allerdings die Behauptung, daß zwei amerikanische Milliardäre — man nennt Bcrnderbi.lt und Steward — die finanziellen Mittel für die Gegenrevolution hergegeben haben. Jedenfalls darf man in der neuen royalistischen Bewegung nicht lediglich die Absicht erblicken, den Exkönig Manuel auf den portugiesischen Thron zurückzuführen." Dazu haben sich hie Braganzaprinzen (die beiden «Löhne Dom Miguels, Miguel junior und Prinz Franz Josef von Braganza, sowie deren Vetter Prinz Xaver von Parma, der zweite Sohn des im Jahre 1907 verstorbenen Herzogs Robert von Parma, der Bruder der Prinzessin Zita) nicht in die Reihen der Umstürzler gestellt, um bescheiden als-einfache Offiziere ihren Degen dem Dienste der Gegendynastie zu weihen. Nach den uralten Staatsgesetzen hat das portugiesische Volk stets seinen König gewählt! Niemand konnte König werden, wenn die Kortes ihn nicht bestätigt hatten. In der festen Zeit hatten die Anhänger Dom Manuels in ihrem Eifer etwas nachgelassen, vielleicht in der Befürchtung, daß Manuel bei ihen neu einzuberufenden Korte-Z nicht viel Glück hätte. Ob die Verlobung des Exkönigs die Hoffnungen wieder hat aufleben lassen, läßt sich im Augenblick nicht erkennen. Jedenfalls verhält sich Dom Miguel und sein Anhang zurzeit noch ganz still, weil sie streng das getroffene Uebereinlommen beachten, wonach die monarchistische Kampagne nicht für ihn, sondern zunächst für das monarchistische Prinzip geführt werden soll.
Für Deutschland und Frankreich, die Hauptgläubiger Portugals, ist natürlich die f i n a n z i e l l e F r a g e bou größtem Interesse. Brito Comacho erklärte in einer kürzlich gehaltenen Programmrede, daß das Budget ein Defizit von wenigstens 6000 Kontos (zu 4500 Mark) auf weise, und daß, selbst wenn ein Wunder das Gleichgewicht
herstelle, doch immer noch kein Geld für die nötigsten Reformen vorhanden sei. Der Unionist Comacho, der alles andere als von den Monarchisten gekauft ist und der einst das Aufhören der Steuern prophezeite, gibt also selbst zu, daß sich die Republik auf schiefer Bahn befindet.
Noch immer keine Entscheidung?
Es scheint, als sei die gestrige Sitzung der Botschafter in London wieder wie das Hornoerger Schießen ausgegan- gen. Donnerstag nachmittag soll ine nächste Sitzung statt- finden. Im i ihrig en fehlen genaue Informationen, und auch die nachstehende Darstellung des Reuter-Bureaus verrät uns nichts Neues, insbesondere nichts darüber, ob Oesterreich wirklich wieder bis Donnerstag zu warten zugesagt hat, ohne Garantie für ein beschleunigtes Einschreiten gegenüber Montenegro. Es wird bestätigt, daß Essad-Pascha tatsächlich daran denkt, mit Hilfe von König Nikita Fürst von Alpauien zu werden. Marr darf nicht verkennen, daß bei her Sachlage von Wien ans bis Donnerstag Heberrasch ungen ausgehen können. Es liegen folgende Meldungen vor:
London, 28. April. Die Botschasterb ereini- gung ist Um 372 Uhr zusammen getreten.
Der Berliner ,Lokalanzeiger" meldet aus London vorn 28. Avril: Neber die Beschlüsse der heutigen Bo tscha f terkonf er enz verlautet privaten Nachrichten nach, daß Oesterreich nicht auf einem Ultima t u m gegen Montenegro beftand und daß territoriale Entschädigungen an Montenegro beraten wurden. Die T-ot)chafterkonferenz wurde auf Donnerstag nachmittag vertagt.
Nom , 29. April. Da zu-einer energischen Aktion 60 000 Mann gestellt werden müssen, so soll diese Aufgabe Oesterreich und 'Italien überlassen werden, die England mit einigen Abteilungen unterstützen soll. Die Montenegriner befestigen Skutari eilig. Ter russische Konsul in Skutari hat Montenegro verständigt, daß er nicht mehr der russischen Botschaft in Konstantinopel, sondern der Gesandtschaft in Cetinje unterstehe.
Wien, 28. April. Wie die „Wiener Allgem. Ztg.'" meldet, hatte der e n g l i s ch e B o t s ch a 11 c r gestern eine Besprechung mit hem Graf ^n Berchtold. Heute vormittag erschien der russische Botschafter bei dem Minister des Aeußern, der ebenfalls am Vormittag mit hem deutsch-en Botschafter konferierte.
Das Reutersche Bureau erfährt :Die gestrige Konferenz der Botschaftervereinigung war die längste, welche bisher st a t t ge f u u d e u hat. Sie dauerte von 372 bis 63/.i Uhr. Ter Sitzung, in der Sir Grey den Vorsitz führte, waren Besprechungen des österreichischungarischen und des russischen Botschafters mit Grey vorausgegangen. Es bat ein beruhigendes Moment in der jetzigen Lage, daß für Donnerstag nachmittag eine weitere Konferenz angesetzt ist, daß, um einen Ausdruck von amtlicher Seite zu gebrauchen, „selbst jetzt kein Grund zum Pessimismus vorhanden" ist. In Ermangelung einer bestimmten Information über die Entscheidungen der Konferenz, falls überhaupt Beschlüsse gefaßt wurden, lassen die Andeutungen aus gut informierten Kreisen die Annahme berechtigt erscheinen, daß es, nachdem sich die Botschafter mit ihren Regierungen ins Einvernehmen gesetzt haben, bis zur nächsten Sitzung möglich werden könnte, Oesterreich-Ungarn die von ihm gewünschten Mitteilungen darüber zu machen, was die Mächte zunächst zu tun bereit sind. Man hat den Eindruck, daß der letzte Schritt Essad Paschas die Lage ernstlich verwickelt, aber doch gehen über die möglichen Folgen des Schrittes die Ansichten so sehr auseinander, daß es Unmöglich ist, im allgemeinen zu sagen, wie es angesehen wird. Heber einen Punkt freilich herrscht völliges Einverständnis, daß nämlich der Sckuitt das Ergebnis
eines Hebere in kommens mit M on tenegro war, ein Ans gang, der in diplomatischen Kreisen nicht allzu große Ber- tounberung erregte. In diesen Kreisen vermutete man von Anfang an, daß hinter denk Einzug der. Montenegriner in Skutari weit mehr stecke, als bekannt gegeben war. In gut unterrichteten österreichischen Kreisen wird hier kein He Ist daraus gemacht, daß das Widerstreben der Botschafter, weiteren Schritten gegen Montenegro zuzustimmen, ein Gefühl der Gereiztheit verursachte. Vor der heutigen Sitzung der Botschafter wurde geäußert, Oesterreich-Hngarn würde heute noch einmal fragen, walches die Entscheidung der Mächte sei. .Wie erHärr wich, hält sich OesterreickZ-Hngarn nickst an die 'Aarsicht anderex Mächte, daß durch Hinonszögern etwas zch ge- winneu ist, es ist im Gegenteil der Meinung, daß der Aufschub irgendwelcher Schritte, für den sich Europa angesichts der Herausforderung Montenegros entschließt, die Sage nicht nur für Europa selbst, sondern auch für den König Nikolaus noch schwieriger gestaltet. Oesterreich-Hngarn kann daher der Hinauszögerung auf unbestimmte Zeit nicht zuslimmen. Durch seine benachbarte Lage ist es unmittelbar interessiert und obwohl cs angesichts seiner Beziehungen zu Montenegro nicht zum äußersten zu gehen wünscht, ist es sich doch klar, daß etwas von bestimmter Art geschehen muß. Einfache Flottenkun'v- gebungen erwiesen sich als nutzlos, Montenegro wird, falls es Skutari nicht räumen will, dazu gezwungen werden müssen. Indessen ist nicht angenommen, daß dies Waffengewalt nötig macht, doch würde jede militärische Aktion,-die notwendig werden sollte, von solcher Art sein müffien, daß ein Erfolg gesickert werde. Tics ist in Kürze der österreichisch-ungarische Standpunkt, wie er heute nachmittag dargelegt worden ist.
London, 28. April. Das Reutersche Bureau erfährt: Die Botschafter Oesterreich-Hngarns und Rußlands verließen die Sitzung zusammen und hatten eine längere Besprechung, ehe sie sich trennten. Die Sitzung her Botschaftervereinigung ist auf morgen 3h'2 Uhr nachmittags vertagt worden. Das Auswärtige Amt bewahrt große Zurückhaltung, erklärt aber, daß selb ft jetzt feilüGrund zum Pessimismus vorhanden sei.
Wiew, 28. April. Gestern ist, wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, in Cetinje ein Kollccktivschritt erfolgt, wodurch Montenegro auf gefordert wird, Skutari den Mächten frn übergeben. Die Antwort lautete, daß es der montenegrinischen Regierung wegen her O fter- feier tage nicht möglich sei, eine Entschließung zu fassen. Da es bereits so gut wie fieber ist, daß Skutari nur infolge von Verhandlungen kapitulierte, fo mehren sich hie Anzeichen, daß Essad Pascha einen Pakt abgeschlossen hat, demzufolge er den Drin als Grenze zwischen Montenegro unh Albanien anerkennt, so daß Sklv- tari an Montenegro fallen würde, wofür ihm Montenegro behilflich märe, sich als Oberhaupt, als Fürsten oder König von Albanien zu proklamieren. Die Moutengriner haben nach Erlaß her Proklamation, über deren Inhalt noch keine Meldungen vorliegen, mit ihren .Hauptkräften unter dem Erbprinzen Danilo Skutari Verlässen imb sind nach Norden abmarschiert. Fünf Bataillone sind in der Stadt zurückgeblieben. Eine bloße Verschärfung der Blockade hält man hier umsomehr für kein wirksames Mittel, da Montenegro von Serbien mit Lebensmitteln für zwei bis drei Monate versorgt ist.
Wien, 28. Älpril. Die „Albanische Korrespondenz^ meldet auS Valona: Gegen einen eventuellen Vorstoß T s ch a w i d Pascha s aus Valona sandte die provisorische Regierung von Albanien 2000 albanische Soldaten, die vor der Kapitulation von Janina diese Stadt verlassen hatten, in zwei Abteilungen an den Wojuz.isluß, um Dschawids Truppen dort am Hebergang zu verhindern.
Wien, 28 .April. Die „Reichspost" meldet aus Cat- taro: Die Gr en ze ist gegenwärtig durch die Montenegriner auch für die Post gesperrt, doch tarnen verschiedene Meldungen über die Grenze burtf) das hier aus Skutari über Cetinje cingetroffene englische Rote Kreuz.
Gabriel von Seid.
Cs war in den siebziger Jahren, als ans der gehobenen Stimmung vaterländischen. Stolzes, die nach den großen Ereignissen von 1870 71 das deutsche Volk erfüllte, die Losung „Unferer Väter Werke" für die Entwicklung her deutschen Kunst hervorging. München war es, das dies Wort zuerst aussprach, und int Jahre 1876 wurde dort eine deutsche Kunstgewerbc- ausstellung veranstaltet, die die neue Bewegung machtvoll einleitete.
Auf dieser Ausstellung erschien der damals noch wenig bekannte, noch nicht dreißigjährige Münchener Architekt Gabriel v. Seidl allerdings nicht mit einer baukünstlerischen Leistung, sondern einer Inneneinrichtung mit einem „deutschen Zimmer", das im Renaissancestil gehalten war. Denn die Renaissance war es in erster Linie, auf die die Bewegung zurückgriff; aber nicht hie pathetische Renaissance Italiens, fonhern die unendlich trauliche, von überquellendem Netchtnme erfüllte Renaissance der deutschen Lande hatte die Phantasie Seidls befruchtet. War dieser junge, aus altmünchener Kreisen stammende Künstler doch selbst eine echte deutsche Renaissancenatur, unerschöpflich reich an Erfindung, von heiterer Lebensfreude erfüllt und beherrscht von einer natürlichen und unbändigen Lust, alles zu beleben imb künstlerisch zu bewegen.
Das sind die Eigenschaften gewesen, die Gabriel v. Seidl befähigten, einer der Führer der neuen Münchener Baukunst zu werden. Neu-München und Gabriel v. Seidl sind in der Tat für immer unzertrennlich miteinander verbunden. Ist doch Seidl her Schöpfer jener modernen Münchener Keller, die im Leben Münchens eine fo erhebliche Rolle spielen! Hnd wie den Münchener Bierkeller, so hat Seidl überhaupt den modernen „Bier- Palast" eigentlich erst erfunden. Er ist es gewesen, der jene großen Wirtsräume zu schaffen verstanden hat, die für den modernen Bierpalast-Betrieb erforderlich waren, und der bann doch wieder durch die geschickteste Raumeinteilung, durch die glänzende Verwendung von Farbe und Ornament diese Räume so fein und so behaglich zu gliedern verstand, daß ein ganz neuer, moderner Wirtshaus-Typus sich daraus bildete. Allein Neu-München hat Gabriel v. Seidl noch viel mehr zu verdanken. Es seien da nur drei feiner Bauten genannt, die für die moderne Architekturgeschichte her bayerisches Hauptstadt eine historische Be- beuhine Haben: die brerühntte Villa seines Freundes Franz
v. Lcnbach, das als Baugruppe außerordentlich geschickt angelegte, jedem Besucher Münchens wohlbekannte Künstlerhmts, und schließlich das riesige Nationalmuseum.
Schon durch die Mannigfaltigkeit der bei diesem angewandten Stile, worin Seidl die historische Mannigfaltigkeit des Inhaltes zu spiegeln beabsichtigte, bezeugt dieser Monumentalbau Seidls gewaltiges baukünstlerisches Wissen. Unleugbar ist, daß Seidl, wie alle seine Zeitgenossen, ans der Schule der historischen Stile hervorgegangen ist, und daß" er sich, wenn auch die Renaissance immer der eigentliche Nährboden feiner architektonischen Phantasie geblieben ist, aus allem ungeeignet hat, was ihm brauchbar erschien. Also wenn man will, ein Eklektiker. Aber Seidls ganze Baukunst atmet eine so natürliche Gesundheit, Heiterks-it, Formen- und Lebensfreude, sie geht so instinktiv auf das Zweckmäßige zu und versteht die Baumaffe so genial zu organyieren, daß seine Schöpfungen immer einen reinen künstlerischen Genuß bereiten. Sie werden dauernd unter die hervorragendstest Leistungen der Periode, der sie angehören, ihren Platz behalten.
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— Quo vadis? im Film. Die Gießener Lichtspielbühm in her Bahnhofstraße bringt augenblicklich einen dem Roman des Polen Sienkiewiez nachgebildeten Film, der wohl zu dem besten gehört, was jemals auf der weißen Wand zu sehen war. Zwar ist auch dieser Film' luod;i Teilte Vollendung im streng künstlerisck)en Sinne, denn auch er bedarf Mehrfach des erläuternden Wortes, aber darüber lstnaus ist es den Regisseuren vorzüglich gelungen, ein in seiner Fülle fast überwältigendes Bild von hem1 unter» gehenden Rom zu geben. Tas wimmelt von .Hunderten, n>enn nicht gar Tausenden von Gestalten in unaufhörlicher Reihe: prunlnolle Gastmähler mit all den galanten Reizen einer ver- weichlickNen Zeit; vornehnie Römer voll blasierter Genußsucht, arme, unscheinbare Christen, die demütig im verborgenen beten. TaS brenrtertbe Rom, das meisterhaft wiedergegeben ist, die Schrcckensfzenen in der dem Untergang geweihten Stadt, die Kämpfe in der dichtbesetzten Arena, wo Tutzende von Glyriften den Löwen vorgeworsen werden; Wagenremien und Gladiatoren; die lebenden Fackeln in 'hen Gärten Neros und vieles andere noch, was voriiberwallt in übervollen Bildern voll feiner malerischer Reize und eine geradezu verblüffende Meisterschaft in lebhaft bewegten Massengruppen beweist. Tas braust und wirbelt und wühlt durcheinander in fdjner beängstigender Fülle und zeigt mit
klarer Deutlichkeit, in westchemi Maße die Möglickffeiten des Films zu erweitern sind unh zugleich welch eine Summe von Arbeit dazu gehört, um eine derartige Mescnleistung .zu bewältigen. Aber auch die Leistungen der einzelnen Tarsteller gehen weit über das DurchsckmittsMäß hinaus, unh ohne durch ein Zuviel an Gebärden den natürlichen Eindruck zu stören. Besonders glücklich ist deu kluge und seine Petronins mit Gustav Serena besetzt, aber auch die anderen alle stehen gut in dem Rahmen unh geben sich als Römer, nicht als moderne Bienschen im römischen Gewände. So mag dieser Film, der überall einen starken Zulauf gefunden hat, wirklich als eine gute Bereicherung der Lichtbühue angesprochen werden, und diese freudige Aufnahme beweist auch zugleich, daß der Sinn für ernste und wertvolle Filmbilder doch bei weitem nicht so gering ist, wie geschmacklose Filmfabrikanten glauben machen wollen, wenn sie sich zur Entschnldigung ihres .stitsches daraus berufen, daß das gerade vom Publikum verlangt Würde. Man sieht, das Gute braucht nur da zu fein, unh es wird ausgesucht.
— Die nachgelassene Oper Masscnets. 9Cit§ Paris wird uns geschrieben: Ist c» die letzte dieses friickst- barsten OpernkoMponisten, den unsere Epoche gekannt hat? Ich möchte es nickst bescküvören, denn Massenet produzierte mit einer Leichtigkeit, die fabelhaft war, und in seinem letzten Lebensjahr arbeitete er an nicht weniger denn drei Operniverl'en. Wie dem auch sei, die musikalische F-arce „P a n u r g e" hatte einen ziemlich geräuschvollen Erfolg. Es wird natürlich viele Musiker geben, die von her „seichten und bannten Mache", wie das Verd«iiN- mungsurteil für Massenet nun einmal lautet, wiederum mit Entrüstung sprechen werden, und ein Pfadfinder war der witzige und lebensftohe Jules ja gerade nicht, aber ein feiner und oft reckst origineller Melvdiker, der in Manvn Wundervolles an Frivolität und Grazie gab und in „Weriher" auch tiefere Leidenschaft und Schwermut nickst beriniffcn ließ. Hub vor allem war er einer her besten Handwerker seines Metiers, ein Meister her Orchestration, bpu dem alle Musiker Jung-,Frankreick)s gelernt haben. Pamirge, dieser gefräßige Held des genialen Rabelais, ist freiiich kein passendes Modell für die stets etwas verliebte und schmachtende Muse Massenets. Maurice. Bmikay, ein bekannter Clwnsonier und Exminister . . . solche Okgenfätze sind nur in Frankreich möglich . . . hat die einzeln en Episoden des Gargantua in botb' Wegs dramatische Form gebracht, dem Paimrge ein ^cib bei; gegeben und das Paar nun durch die Parlier Hallen,, in hie Abtei


