Ausgabe 
30.10.1913 Zweites Blatt
 
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Eingesandt.

.ffür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel «vernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 29. Okt.

"Ich sei. gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte!"

Nach den Ausführungen der beiden Fach-Kollegen halte ich es W ^LZbbracht, aus meiner Reserve hrrvorrutreten und dem Wun- 1<be vieler entsprechend, auch meine Ansicht zur Rathausange­legenheit kund zu tun. Ich habe bereits seit mehreren Jahren mrch um die Verwertung der alten Klinik bemüht und bin unter vielen anderen Gedanken und Vorschlägen auch dazu gekommen, aus der alten Klinik ein Rathaus erstehen zu lassen. Tabei bin ich der Ueber- Uugung geworden, daß sich äußerlich sowohl als im Innern das Gebäude für die Zwecke eines Rathauses umgestalten ließe. Gerne bekenne ich hierbei, daß dies nur mit Aufwendung sehr großer Mil- telzu erreichen ist, und daß trotz allem Geschick, wie auch Kollege Schön ausführte, dasGanze" .doch nur etwasHalbes" würde. Die Tiefe der vorderen Zimmer und die dunklen Gänge wird selbst ei» Zauberkünstler, geschweige ein Baukünstler, nicht beseitigen können und auch sonst werden eine Reihe anderer Einrichtungen, bei geschicktester Ausnützung, den Charakter der alten Klinik oder des Kaserncnbaues nickst ganz berwischen. Es fragt sich deshalb wirklich allen Ernstes, ob unter den gegebenen Verhältnissen es angebracht ist, ein Kapital von etwa 250000 Mk. in den alten Kasten hineinzustecken?

Dies muß ich verneinen! Sind die Büro-Räumlichkeiten unse­rer Bürgermeisterei wirklich zu Nein, dann soll man entweder et­was Ordentlichesganz Neues" schassen, oder die Kliniksräume provisorisch" so Herrichten, daß sie auf eine Reihe von Jahren den Zwecken einigermaßen entsprechen. Greist man zu dem Pro- truoriiim wozu etwa 5060 000 Mk. ausreichen dürsten, io genannt man Zeit mit den hoffentlich recht bald besser werdeir­den Finanzverhältnissen unserer Stadt den Plan für unserwirk­

liches" Rathaus reifen zu lassen. Dabei halte ich den wiederholt ausgesprochenen Wunsch, das neue Rathaus an seiner jetzigen Stelle erstehen zu lassen, für das Richtigste. Der Einwurf, der von Sielen gemacht wird, daß der jetzige Platz für ein neues Rathaus zu klein sei, wird meinerseits bestritten. Der Platz an der Warten ftrafc ist etwa 82 Meter lang und hat pn der Südanlage eine Front von etwa 45,2 Metern; hält also etwa 3700 Quadratmeter, wobei aller­dings das Gebäude der jetzigen Baptisten-Gemeinde eingerechnet ist, was selbstverständlich von der Stadt zurück erworben werden müßte. Nack her mir vorliegenden Fachliteratur über mehrere in den letzten Jahren errichteten Rathäuser, welche sich ungefähr mit den Raumansprüchen für unsere "Verhältnisse vergleichen lassen, ersehe ich Gebäude von 10002000 Quadratmetern bebauter Grundfläche im Preise von 250600 000 und mehr Mark, je nach der Größe der Anlage und Reichheit der Ausstattung.

Angenommen, ein neuer Rathausbau würde auf dem jetzigen Platz 1800 Quadratmeter bebaute Fläche beanspruchen, so verblie­ben immer noch mehr als die Halste freien Geländes. Damit glaube ick bewiesen zu haben, daß der Platz groß genug ift lieber die Verwendbarkeit anderer Plätze glaube ich hinweggchen zu können, da meines Erachtens die bislzer gemachten Vorschläge für unseren Stadtsäckel zu kostspielig sind, während der alte Bürgermeisterei- Platz die Stadt nur den Zurückkauf des früheren Schwesternhauses kostet. Ganz besonders beachtenswert ist die Verwendbarkeit dieses Platzes, weil der Rathausbau in mehreren Bauperioden errichtet werden könnte, wie Herr Haubach ja bereits näher ausführte. Für das einfach renovierte Klinikgebäude wird sich im Lause der Jahre ohne Zweifel auch eine praktische Verwertung finden. So hätte z. B. meines Erachtens sehr gut das Eickamt, wofür die Stadt jetzt 100 000 Mark ausgibt, in die untere Etage verlegt werden können. Die Stadt hätte dadurch ein sehr hübsches Stück Geld erspart und den Anfang zur praktischen Verwertung gezeigt. Wenn ferner unsere Gemeinde-Vertretung für eine einfache Cholera-Baracke 45 000 Mk. und dies schöne Sümmchen ohne den wertvollen Bauplatz übrig hat, die man sehr gut auch als Döckersche Baracke für etwa 10000 Mk. hätte errichten können, so wird sic,

Schiefgetretene Stiefelabsätze sehen stets sehr schlecht aus. Nickst schöner sind die Schuhe, wenn solche nicht sauber geputzt sind. Aus mit Pilo behandelte Schuhe können alle Damen stolz sein. sß3o/iO

Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen.

denke ich, auch für ein Gebäude, das denn(Gemeinwohl" dient, auch noch denjenigen Betrag aufbringen föiuien, der unserer Pro« vinzial-üxrupt- und Universitätsstadt zu einem weiteren Den 1 mal Bürgerkicken Gemeinsinns" verhilft.

Hans Meyer, Architekt.

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