Ausgabe 
30.10.1913 Zweites Blatt
 
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ten, deren Beseitigung die Ergreifung von Maßregeln für die Zukunft nötig machte. Es bestanden Zweifel darüber, ob der formelle Antrag von feiten der Regierung des Herzog­tums Braunschweig oder der Preußens auszugehen habe. Ter Reichskanzler und das preußische Staatsministerium erkann­ten schließlich an, daß Braunschweig die Anregung geben müsse: der Reichskanzler erwarte darüber ein Schreiben un­serer Regierung, das am 4. Oktober erfolgt sei.

Das Schreiben wird in den nächsten Tagen in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" in vollem Umfange veröffentlicht. Es schließt mit dem Ersuchen an den Reichs­kanzler, er wolle zur Beseitigung der .Hindernisse, die der Thronbesteigung des Herzogs Ernst August entgegenständen, die nötigen Schritte tun. Die offizielle Anregung ging von uns aus. Das preußische Staatsministerium richtete dann einen formellen Antrag an den Bundesrat. Ter Staatsminister gab hieraus die Verzichturkunde des Herzogs von Cumberland bekannt und fuhr fort:

Wir hatten in Rathenow gestern Gelegenheit, dem Prin­zen (Er n ft August über eine ganze Reihe von Angelegenheiten Vortrag zu halten. Wir gewannen von 2r Kgl Hoheit die ^lebcrzcugung der absoluten Zuverlässigkeit, daß jedes Dort, was er gesagt, von ihm getreulich gehalten wird. Weitere Er­klärungen von 2r. Kgl. Hoheit zu erwarten ist nicht hinlich Wir haben die Sicherheit, daß Se. Kgl. Hoheit völlig loyal seinen Verpflichtungen Nachkommen wird und nicht oie geringsten swcifel bestehen, daß er den Wünschen und Hoffnungen der Landes- Versammlung entsprechen tverdc. Unter völliger Wahrung der Interessen Preußens und des Reiches dürfen wir einer gesegneten glüeklichen Zukunft entgegenfchen Wir können mit größt r Zu­versicht der Zukunft entgegensehen und brauchen keinen Zweifel an derBündnlstreuc 3 r. Hoheit z u hegen. Er wird alles tun, um das Herzogtum zu fördern. Worte helfen dabei nichts, Taten müssen es beweisen, lLebhaftes Bravo.,

Hierauf trat eine Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sitzung schlug der Präsident die gemeldete Erklärung dem Landtage vor, die einstimmig angenommen wurde.

R a t h e n o w , 29. Okt. Heule abend gegen 7 Uhr treffen hier zur B e g l ü ck w ü n s ch u n g des Herzogspaares E r n st August im Automobil von Potsdam kommend hier ein: Das Kaiserpaar und die Königin von Griechenland, die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinzessin Irene und Prinz Christoph von Griechenland. Um 7 Uhr findet Diner bei dem Herzogspaar statt, an dem die hohen Gäste teilneh­men. Die Rückkehr nach Potsdam erfolgt gegen 10 Uhr.

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tngnung beantragt hat, muß sie auch die ft cntitrittnbm folgen (Zahlung brr vollen

ionne bie Fest, ^srauchen

Dckanatsaus und Altbür

von Bilderiälschungen dienen kann, (Nanz unfehlbar scheint rS iedock nicht. Zn einem bestimmten Falle, wo eS sich um die Iden­tifizierung eines bestimmten, früher einmal photographier­ten Gemäldes handelt, könnte es dagegen unbedingt sicher fern, falls man von einer Ausnahme, die zum Zwecke der Bervielfälti- gung gemacht worden ist, scharfe Vergrößerungen Herstellen könnte, dte den Aufbau der Farbobers lache deutlich erkennen lassen. Aui diese Weise könnte man etwa die verschwundene Monna Lisa identifiLteren, falls sie jetzt ober nach Jahrzehnten wieder nLoudxn sollte.

GSericfoufaaL

Widerklage im EnteignungSprozeß.

Sport*

Hk. Eine Automobil fahrt quer durch Afrika hat der englische Leutnant Kelseh von Kapstadt angetreten. Nach Petcrm. Mitt." banbclt es sich um die Durchquerung des Kon­tinents in seiner größten Längenausdehnung von S. nach N., vorn Kap bis Alerandnen, wodurch die Leistung von Leutn. Graetz, der die Durchfahrt von Teutsch-Ostairika nach Deutsch-Südwestafrika bis zum Atlantischen Ozean bewerkstelligte, bedeutend übertrumpft werden wird. Auf einen wesentlichen Gewinn für untere Kennt­nisse von Afrika ist natürlich nicht zu rechnen bei dieser Fahrt, die nur eine Sportleistung sein soll, aber die (ErfaIrrungen, die mit dem modernen Fortbeivegungsmittel in Wald, Steppe und Sumpf gemacht werden, dürften auch geographische Kreise interessieren Selten hofft die Fahrt in 120 Tagen ausführen zu können.

Kirdjc un- Schule.

B Dekanats synode Die diesjährige Tekanatssynode wurde heute vormittag 10 Uhr unter dem Vorsitz des Dekans Gußmann mit einer von Psr. Böckner-Treis gehalte' nen Andacht eröffnet. Darauf begrüßte der Vorsitzende die An­wesenden und gedenkt in der üblichen Weise der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder. Die zur Prüfung vorliegenden Wahlen werden sämtlich genehmigt. Aus dem gedruckt vorliegenden Be­richt des Dekanats-Ausschusses ist folgendes hervorzuheben: Im Personalbestand der Geistlichen ist nur in Klein-Linden eine Aen derung eingetreten, indem an Stelle des versetzten Psarrverwal- ters Rieder Pfarrassistent Bröckelmann kam. Kirchenrat Strack trat von seinem Amt als Dekan zurück, an seine Stelle trat durch Wahl der vorjährigen Synode Psr. Gußmann-Kirchberg, ftn Rödgen und Hausen sanden Kirchenvisitationen statt. Kirch­liche Feste der äußeren und inneren Mission und des Gustav-Adols- Vereins, Familienabende des Evang. Bundes, Vortragsabende von Missionaren wurden in vielen Gemeinden abgehalten, fast durchweg bet zunehmendem Besuch seitens der Gemeindeglieder. In Allendors a. d. Lda. wurde der Jnnenraum der Kirche neu hergestellt. An Watzenborn hat sich ein Kollekte Verein für die Baseler Mission gebildet. Die Seelettzahl des Dekanats be­trägt 61 549 Evangeltsche. Von ihnen sind 282 von der Landes­kirche getrennt und den Sekten zugehörig. Von 28 Eheschließungen zwischen Evangelischen und Andersgläubigen sind nur 11 Paare evangelisch getraut worden, ein sehr bedauerliches Zeichen für den evangelischen Teil der Eheschließenden. Der Kirchenbesuch weist eine Zunahme von 689 Erwachsenen und 976 Kindern auf. Die Prozentzahl der Kirchenbesucher der einzelnen Gemeinden schwankt Zwischen 9,6 in Wieseck und 67,8 in Beuern, die der Abendmablsgäste zwischen 22,7 in Gießen und 217 in Annerod. Zn Großen-Linden ist das 1. Pfarrhaus um gebaut worden, in Garbetiteich bat man Kirchenheizttng angelegt, in Klein Linden elektrische Beleuchtung in der sirrfte eingesührt, in Treis a. d. L. die Wege um die Kirche neu chauffiert, in Gießen an Johannes- kirche und Stadtkirche bas Aeußere der Türme einer gründ­lichen (Erneuerung unterzogen. Für Werke der Wohltätigkeit gingen ein 43 140 Mk. gegen 5000 Mk mehr als im Vorjahre, an Kirckenkollekten 3524 Mk, für die Armen 21175 Mk. (Haupt sächlich aus Gießen), für sonstige kirchl. Zwecke 7157 Mk. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen 1,22 Mk. Zu dem Bericht weist Pfarrer Sommerlad-Watzenborn aus die schweren Schädigungen hin, die durch die Feldbereinigung den kirchlichen Grundstücken zuacfügt werden. Ein von ihm gestellter Antrag, die Bonitierungen und Zuweisungen von Gelände durch einen vom Dekanat aus an- gestellten Geometer 1. Klasse nachprüfen zu lassen, ivird einstim­mig genehmigt. Auf Antrag des Vorsitzenden werden lünftighiu die Berichte über äußere und innere Mission, den Gustav-Adolf Ver-

Mit einer Frage des EnteiynungsrechtS hatte sich vor kurzem das Reichsgericht zu besaßen. Es war zu entscheiden, ob eine Stadtgemeinde, nachdem sie die Enteignung eines Grundstücks und Festsetzung der Enteignung senk- schadigung beantragt hat, in dem späteren Prozeß über die Höhe der Entschädigung durch Widerklage bie unent- k c - ^Überlassung des Grundstücks und Rückzahlung der Ennchödigung mit der Begründung verlangen kann, daß ihr ein pr tvatr echtl icher Anspruch auf kostenlose lieber* tTagung der enteigneten Fläche zustehe Die Zulässigkeit etnerjokhen Widerklage ist verneint worden. Denn nachdem bte -stabt einmal tnc Enteignung beantraat hot. mufc fi«-

.^«n^^geieft attürittnbnt Folgen (Zahlung der vollen Enttchadigung Tur die enteignete Fläche) tragen. Der zur Entschei- Ebarl orten bürg hatte im > nuar 1910 bei dem Regierungspra,identen zu Potsdam die Enteio- nung einer zu ^IraBcnbauten benötigten, der Frau 9iittrrautÄh#. Über G. gehörigen Grundfläche am Rollvidorsp^tv, iorokbu Fest-

Vic Aurfichtcn des ärztlichen Studiums.

Der ärztliche Beruf fordert in höchstem Maße große Opfer der Selbstverleugnung, an Zeit, Wcmnbirit und Lebensfreude von Männern mit dienten Nerven und fester Gesundheit

Bor allem aber fordert schon das Studium bedeutende Opfer an Zeit für den jungen Mann und an (Mb non Seiten der Eltern Dem zehnfemestri.nm Studium folgt ein halbe? 3ahr des Examens und zum Schluß noch das praktische Jahr an irgend einem Kran­kenhaus ohne Bezahlung, wvbd Die Dienstzeit im Heere noch nicht mit eingerechnet ist. Das sind 6Vj Jahre, in der der Medizinstu- dierende nickt nur nichts verdient, sondern fortdauernd unterhalten werden muß. Der Zdtdauer entsprechen die (Mbopicr, die, zumal in den ausserordentlich teuren großen UnivenitätsstLdten. mft 1000 Mark für das Semester noch nickt dnrnal hock veranschlagt sind. Da- mackt also für die Dauer des Studiums und der Ausbildung die Summe von 13 000 Rdark aus, wobei sich der Student noch sehr rinschränken und in |einen Anspnlcken bescheiden muß, wenn er von dieser Summe nock» die zahlreichen BorlesungShonvrare, Stu- dienmittel und Bücker bezahlen muß.

2. Gesuch des P. E. zu Gießen um Erteilung er Erlaubnis zur Führung eines Kraftwa­gens. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hatte den nach­gesuchten Führerschein versagt, weil E. nach seinen Vorstrafen nicht die für einen Chauffeur erforderliche Zuverlässigkeit bc- itze. E. legte gegen diesen Bescheid Be.usung ein. Tie began-

cin und den Evana. Bund der Shnodc im Jahresbericht gedruckt vorgelegt werden. Diese- Jahr werden sie noch von den einzelnen Vertrauensmännern mündlich erstattet. Bezüglich der Dekanats­krankenpflege ist hervorzuheben, daß jetzt sieben Schwestern- stationen in den Landgemeinden des Dekanates vorhanden sind: diese Einrichtung bat mich die Unterstützung des Kreisausschusses Gießen und der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen gefun­den. Der Voranschlag der Dekanatskasse für 1914 16 wird ein­stimmig genehmigt. Ms Stellvertreter des Dekans wird Pfarrer Glück Heuchelheim, zu Mitgliedern des sckmfses Landgerichtsrctt R e u e n h a g e n Gießen gcrmcifter Kramer- Steinback, zum Mitglied des Dekanats- auSschufses Bürgermeister V o l k - Allendors a. d. Lahn, zu Er­satzmännern Pfarrer H e p d i n g - Hausen und Bürgermeister Kreiling- Heuchelheim wiederaewählt. Ter in Aussicht ge­nommene Vortrag von Pfarrer Wagner-Beuern wird wegen der vorgeschrittenen Zeit für die nächstjährige Synode zurückgestellt. Mit einem vom Vorsitzenden gesprochenen Gebet wird die Sy­node gegen 2 Uhr geschloffen.

II *11 ar bürg, 29. Oct. In Anwesenheit von mehreren hun­dert Geistlichen, Lehrern und sonstigen Misnonsirennden au5 allen -teilen Riirhelfen» (and heute mittag im großen Saale de« PhilivvS- haiüe« die diesjährige M , s s i o n 4 k o n i e r e n z für denKon- > Ut ° r i a l d e z i r k K a s s e l statt. Ter Ahsston-abend, der gleich- >allS cm Philipv«han|e stattland, war ebenfalls gut besucht.

Dermifdyttt*

* Kaufmanns-Erholungsheime. Die Anmelbuw- gen von Mitgliedern und die Zuweisungen twn Stiftungen für bte Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime sind in der letzten Zeit in ganz außerordentlich großem Maße erfolgt. Insbe­sondere ist eine Reihe von größeren Stiftungen von solchen Firmen eingegangen, deren Angestellte die Heime der Gesellschaft bercfts besucht und die Bortrefflichkeil und Zweckmäßigkeit dieser Emrich- tung aus eigenen Anschauungen kennen gelernt haben. U. a. haben gestiftet: Bleistiftfabrik vorm. Joh. Faber A.-G., Nürnberg, 5000 Mark: Hannoversche Bank, Hannover, 5000 Mark: Niederlansctzer Kohlenwerke A. G., Berlin N. W., 5000 Mark: Ungenannt, Mün-- chen, 10000 Mk ; Vaterländische FeuerverficherungS-A.-G., Elber­feld, 5000 Mark: Ma^Wilke, Guben, 10 000 Mark: Wurzencr Kunsttnühlenwerke Dornt. Fr. Krietsch, Wurzen i. S. 5000 Mark.

ff. Der letzte Offizier vom Todesritt von Ba - laelava. In London ist soeben, wie diePall Mall Otajctte" berichtet, Sir George Wombwell gestorben. Mit ihm ist der letzte überlebende englische Offizier des berühmten Angriffs von Ba- laelava, einer der ruhmvollsten Einzel heften des ^trimkrieges, ba- hingegangen. Wombwell hat diesen Feldzug als Leutnant der berühmten Light-Brigade mitgemacht, die sich zuerst auf den Kampfplatz geworfen und den Angriff eröffnet hat. Ihre Verluste waren entsetzlich. Wombwell, der mit dem frechen Wagemut des Jünglings auf die Feinde los stürmte, nnirbe das Pferd unter dem Leibe weggeschossen. Er sprang auf das eines toten Kame­raden, das aber das glcidjc Schicksal hatte. Durch einen Sckttß schwer verletzt sank er nieder. Er hatte sich gern der drohenden Gefangennehmung entzogen und bet günstiger Gelegenheit bad Schlachtfeld verlassen. Zu diesem Zwecke verkroch er sich unter einen Haufen Leichen, wo er bie Nackt abwarten wollte. Er wurde aber von russischen Ambulanzen entbedt unb hervor gezogen unb mußte einige Monate in der Kriegsgefangenschaft in Rußland zubringen. Nach feiner Rückkehr erhielt er für sein heldenmütiges Verhalten durch die besondere Fürsprache von Lord (Serbingan eine bcsonbere Auszeichnung. Wombwell bat später noch bie eng­lischen Feldzüge der folgenden Jahre mitgemacht. Er war ein leidenschaftlicher Svortmensch, der in vielen englischen Sportklubs präsidierte und in der Organisation der großen englischen Sport­ereignisse tätig war.

(kfi Ein neuer Weg, Bilderfalschungen »u ent­larven. Prof. Lauris von der Universität Edinburg glaubt, in der Mikrophotographie das Mittel gefunden zu haben, durch das Bildersälschungen mit Sicherheit entlarvt werden können. Er gebt von der Annahme aus, jeder Maler habe feine panz eindeutige, individuelle Art, bie Farben aufzutragen, die so indi­viduell, wie die geschriebene Untcritbrift ist: der Betracktuna mit dem bloßen Auge entgehen diese Unterschiede, aber durch die Mikrophotographie sind sie nachzuweisen. So bat er einen ,,alten, grauen Jäger" in der Londoner Nattonalgalerie, den einige für einen Paulus Potter, anders für ein Werk Verdeckes halten, mit seiner Methode untersucht und durch Vergleich mit anderen Werken dieser beiden Künstler berausgefunden, daß bet Hauvtteil des Gemäldes von Berbecke, das übrige von einem Nachahmer Potters stammt. Ebenso hat er einFete ckampetre" untersucht, das angeblich von Watteau herrübn, und das Er- gebnis ist, daß bie Pinselfübrung wenn man mit einem Worts die in Rebe stehenden Eigentümlichkeiten jufamnwnfafi'en nrilP nicht die Wattoaus ist. Man Tann derPall Mall Gazette" wohl darin beünlitbten, daß dies $ erfahren nnrflid) ;ur Entlarvung

Ist bann die lange Ausbildungszeit glücklich übentanbat, fo bedarf der junge Arzt, wenn er einigermaßen auf der Höhe neben will, einer Einrichtung, die mit 4000 Mark eher zu meöng als zu hock veranschlagt ist. Unb dann wartet er aui bie iSatrenten. Die bemittelten Stände haben aber ihren festen Skrtrauenaarjt, uno auf die Kassenpattenten kann der junge Arzt melsach nickt rechnen, da an den meisten Orten eine Karenz^tt lns zwei Jahren besteht, ehe dem sich neu nieoerlassenden Arzte bte Zu­lassung zur Kassenpraris gewährt wirb. Ta nun ^nack der neuen Reick-soersicherungsordnung fast - der Bewohner Deut,cklands in die ÄranfenDerficfKrung emgeschloisen sind, so muß der junge Arzt seine Patienten zunächst unter dem letzten Drittel suchen, bte aber im Bedarfsfälle lieber zu ihrem alten Arzte als zu dem jungen Anfänger gehen werden.

Als Drotstudium darf daher der junge Mediziner feinen von vornherein nicht auff offen, um so weniger, wenn er beben ft, wie der Zudrang zum Medizinischen Studium ganz ungeheuer ilt unb dadurch bie Aussichten des zukünftigen Arztes natürlich noch mehr verringert werben. Die Zahl der Medizmstubierenden ist seft Sommersemestcr 1905 bis zum Sommeriemester 1913 von 6300 auf 14 000 gestiegen. Danach wollen also im Semester etwa 1400, jährlich etwa 2800 junge Medcriner bie ärztliche Approbation er­werben. Dem jährlichen Bcwölkcrungszuwacks im Deut'chen Reiche von etwa 860000 würde aber nur eine Zahl von etwa 430 Aerz- ten entsprechen auf 2000 Einwohner ein Arzt - Rechnet man dazu noch den Todesabgang an Aerzten von etwa jährlich 450, so ergäbe sich ein jährlicher Reubccharf von 880 Aerzten, dem ein Zugang von 2800 geqenübersteht, mithin zu viel etwa 2000.

Diese 2000 Aerzte wollen natürlich auck leben unb werden das Einkommen der Aerzte im allgemeinen schmälern. Es ist aber allgemein bekannt, daß die Hälfte aller Aerzte in Deutschland es noch nicht zu einem Einkommen von 6000 Mark im Jahre bringt, daß in den Großstädten viele Aerzte noch nickt einmal eine Ein« kominensteuer zahlen, so in Berlin, Leipzig, Köln, München und vielen anderen Großstädten.

Die Tatsachen dieses Artikels sind auf Grund einwandfreien Materials zusammengestellt. Wen nun aber trotzdem gelüsten sollte, Arzt zu werden, der lasse,lick zuvor von seiner Buchhand­lung die belttrzigenswertc Schrift des Marburger Sanitätsrates Dr. Sardemann kommenWer soll und darf Arzt werden?" lieber alle Studien-Angelegenheiten gibt Rat und Auskunft der Verband Deutscher Klinikerschaften Left^ig, Mediz. Klinik, Liebig- straße 22.)___________________________ *

Provinzial-Ausschuß der Provinz Obcrhesfcn.

Gießen, 29. Okt.

Anwesend: Provinzialdirektor Geheimeral Dr. Ufinger als Vorsitzender und 5 Mitglieder. Beginn 9, Ende 12Vr Uhr.

1. Die Verhandlungen i. S. Klage des EliaS Hofmann zu Friedberg gegen den Bürgermeister der Stadt Friedberg we­gen Aufhebung eines Potizeibesehls und Klage des £)rt£_ar= mcnverbands Gießen gegen den Landarmcnverband Gießen wegen Ersatz von Pck gekosten für A. W. fallen auf Antrag der Parteien aus.

setzung der EmeignuNgseMschäbigung hierfür beantragt Durch Beschluß des BezirksauSfckuises vom 21. Juni 1910 wurde bte Entschädigung aut 6 Mark je Ouadratmeter, im ganzen auf ettva: über 24 000 Mark '-stgesetzt. Diese Summe ist von der Stadt hinterlegt unb das Grundstück darauf enteignet worden, nrau G. beschritt hiergegen den Rechtsweg: sie verlangt 100000 Mk mehr, weil es sich ntckt um Gartenland, sondern um Bauland handle. Die Stadt CHarlottenburg bat nun mckt während der secksmona- ttgen Alagefrist nach Zustellung des Entsckädigungsieststellungs beschlusses, wobl aber im Lause des Rechtsstreites nach l1. Jahren Widerklage erhoben, mit der sie Rück-ahlung der hinterlegten 24 000 Mark verlangt. Zur Begründung der Widerllage macht sie geltend: sckon lange tor der Enteignung habe die Beklagte einen Anspruch gegen den Rechtsvorgänger der Klägerin mit u n * entgeltliche Uefrertragung des Eigentums an den streittgen Parzellen erlangt: wenn sie trotzdem das (rnteignungvperfabren unb Festsetzung der Entschädigung beantragt Habe, so sei das ge­schehen, weil sie ein bringendes Interesse an der lieber lau ung ber Parzellen gehabt habe unb dies am schnellsten birrdi die Enteignung zu erreichen hoffte, und ferner, weil sie einen Teil der Urkunden aui die sie den Anspruch auf unentgeltliche Uebcrlassung stützt, erst nach Erledigung des Enteignungsverfahrens aufgefunden habe. Tie Klägerin hat dagegen die Zuftifsigkeit der Widerklage beimrttn.

Vom Landgericht Berlin ist die Widerllage für zulästiH und auch für begründet erklärt, die Klage abgewiesen unb ber Wider­klage stattgegeben worben. Im Gegenteil hierzu bat das Sammer* gericht die Widerklage abgewiesen , indem es zur Begrün­dung aussührt: Tre Widerklage beruht zwar auf demselben Rrckts- verl^ltnis, auf dem ber Anspruch der Klage beruht, nämlich aui C-rr beschlossenen Enteignung. Nack § 33 ber ZiiTilprozeßordimng kann eine Widerllage erhoben werden, weim ber öfegenanipruch mit Dem in der Klage geltend gemachten Anspruch ober mit den gegen ihn vorgebrachten Berteibigungsmitteln in Zusammenhang licht. Hier I anbelt eS sich aber um ein unzulässiges SBcrtcibigungfr- mittel. Nack § 1 des Enteianungsgesetzes kann die Enteignung nur gegen Zahlung der vollen Entschädigung verlangt werden. Hatte die Bellagte einen privatrechtlicken Anspruch auf unentgelt­liche liebereignung der Parzellen, so bedurfte es keiner Enteig­nung, sondern die Bellagte tonnte auf Ueberlassimg des Eigentums an ten Parzellen flogen. Seid)ritt bie Bellagte diesen Weg nickt, beantragte sie vielmehr die Enteignung, so übernahm sic damit auch alle aus dem Enteignungsgesetz Zerrührenden Veroflickttingen, ins­besondere die Pflicht zur (^blung ber vollen Entschädigung. Tie nadyrrä gliche Prüfung ber Frage, ob ein pr wat recht! icher Anspruch der Beklagten auf unentgeltliche Uebcrlassung der Parzelle bestan­den "hat, ist nicht angängig. Die Widerllage ist hiernach unzu­lässig.

Die Stadt CHarlottenburg legte gegen diese Entscheidung R r - Vision ein, indessen ohne Erfolg: Das R e i ch s g e r i ck t hat das Urteil des Kammergertchts bestätigt und die Revision zurückgewiesen.

Büdingen, 27. Okt. (Schöffengericht.) Der Schriftsctzcr O. N. aus Greußen, z. Zt. hier in Untersuchungshaft, nmrbc wegen Bettelns zu 10 Tagen Hast verurteilt unter Anreclmung ber er­littenen Untersuchungshaft. Ter Ticnstknecht G M. von Alt- wiebermus wurde wegen Sachbeschädigung zu 3 Mark ober 1 Tag Gefängnis verurteilt. Er hatte anfangs August l. Js. an einem dem Landwirt ,Ph. Schneider zu Altwiedermus gehörigen Gartenzaun Latten abgerissen, um damit Birnen von einem Baurn zu werfen. Der Taglöhner I. P. B von - 31 hur

in Untersuckningshaft, wurde wegen Bettelns zu drei Wochen Hast verurteilt. Die erlittene Untersuchungshaft wurde angerechnet. Der Taglöhner E. M. von Nieder-Roßbach, z. Zt. hier in Unter- fuchungshaft, wurde wegen Bettelns zu drei Wochen Haft unter Anrechnung der Untersuchutrgshaft verurteilt. Der _A. St. aus Norwerkart (Russisch-Polen > wurde wegen Landstreicherei zu 10 Tagen Haft unb wegen Ruhestörung zu 3 Mark ober 1 Tog Haft verurteilt. Drei Tage ber erlittenen Untcrfu chungshaft werden aus bie erkannte Strafe angerechnet. Nach ver büßter Strafe wirb ber Angellagte ber Lanbespolizeibehörde über­wiesen.

leiten Straftaten lägen 3 Jahre zurück. Wahrend der letzten Jahre habe er sich einwandfrei geführt. Der Provinzialaus- ckmß gab der Berufung statt und entschied, daß der Führer- 'chein zu erteilen sei.

3. Klage des E. Nagel zu Bönstadt gegen d te Gemeinde Orleshausen wegen Verweige- rungdesOrtsbürgernutzcns. Nagel besitzt eine Hof- reite zu Orleshausen und zahlt auch dort seine Steuern. Er wohnt jedoch den größten Teil des Jahres bei seiner Tochter in Bönstadt und kommt nur auf kurze Zeit nach Orles- laufen, um dort den Ortsbürgernutzen nicht zu verlieren. Die Bürgermeisterei Orleshausen vertrat den Standpunkt, > Nagel in Orleshausen nicht wohne und deshalb keinen Anspruch auf Losholz erheben könne. Deshalb wurde ihm auch kein solches verabfolgt. Nus seine Beschwerde hin wies ihn der Äreisausschuß des Kreises Büdingen ab. Auch die Berufung an den Provinzialausschuß war nicht von Erfolg begleitet, denn sie wurde kostenfallig verworfen.

vkrUvsnachrichttn.

"Alla. T. lyrnuen verein, O r t S g r u p p e G i e b e n. Wie auS dem gestrigen Anzeigenteil erstchftick ist, findet die dies­jährige Wenergloi-rlantmümq der biestgen Ortsgruppe deS Allg. Teuticheii FrauenvereinS am 1. November, a» eiidS 8-4 Uhr, im ,-roßen Söul des Lotei Schütz statt. Gewiß bringen die grauen Gießens dieser Veriammlung besonderes Znteresse entgegen: stehen wir doch alle noch unter dem Eindruck der Tagung des großen K)ing. Deutschen Franenvereius, welche den Teilnehmerinnen so viele wertvolle ))lnregu»gen gebracht hat. Wer den Verhandlungen am 6., 7. und 8. Oktober gefolgt ist, wer gehöit hat, welche hoben ozialen Aufgaben der Verein anstrebt, dem wirb es bewußt sein, daß sich diese Arbeiten die warmen Sympathien der Frauen aller Beruf flalien erringen müssen. Was ber Allg. Deutsche Fr uen- verein bezweckt, leien wir in knavvster Form in solgeudeu Sätzen, er erstrebt:Tic Erziehung der Frau zu verständnisvollerZeit­nahme am öffentlichen Leben. Förderung der Bestrebungen der ,'rau in beruflicher unb sozialer Arbeit. Eintreten für gesetzliche Reformen". Möchten dock recht viele Frauen ihre Teilnahme an diesen Arbeiten durch ihre tätige Mithilfe beweisen unb Mitglieder des Allg. Deutschen FrauenvereinS werden