Kr. 255
Sweitez Blatt
163. Jahrgang
Eichener Anzeiger
Erscheint lß-fich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Oberheffen
Die „Eietzener Zamtlienblätter" werden dem «Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatt ffir den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Donnerstag, 30. Oktober 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts»Brich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^e)5L Redaktion: 113. Tel.-AdruAnzeigerGreßen.
Die Aussichten aus Anstellung im Gberlehrerberus im Grobherzogtum hesien.
Man schreibt uns:
Im letzten Jahrzehnt waren, in Hessen die Aussichten auf Anstellung für die Lehramtsassessoren mehrere Jahre hindurch günstig. Beständiges Anwachsen der Schülerzahl der höheren Lehranstalten machte die Neugründung von Anstalten, die Teilung großer Schulen und Klassen erforderlich und bedingte eine beträchtliche Vermehrung der Oberlehrerstellen. Dazu kam für die hessischen Anwärter des höheren Lehramts ein weiterer günstiger Umstand, nämlich die Möglichkeit zahlreicher Abwanderung nach anderen Bundesstaaten, insbesondere nach Preußen, wo zeitweilig m»ster Mangel an akademisch gebildeten Lehrkräften herrschte. Jnsolge dieser guten Anstellungsverhältnisse entstand ein großer Andrang zum Studium der Schulwissenschasten, der in Hessen schon feit vier Jahren, in Preußen seit einem Jahre zu einer U e b e r f ü l l u n g im Oberlehrerberuf geführt hat, die lawinenartig a n w ä ch st und zu schlimmen Zuständen führen muß. In Preußen wird daher in den Tagesblättern airdauernd vor dem Andrang zur Oberlehrerlausbahn gewarnt, und selbst von der Tribüne des Abgeordnetenhauses sind durch mehrere Abgeordnete und den Jöerm Minister von Trott zu Solz Warnungen ergangen. Dre fcitlyerigc Abwanderung hessischer Anwärter des höheren Lehramts nach Preußen kommt somit zum Stillstand, und in kleineren Mrndesstaaten, wo Hessen Anstellung gefunden haben, treten jetzt schon Tausende preußischer Kandidaten in Wettbewerb. Zu diesen gesellen sich sogar noch Anwärter des Oberlehrerberufs aus Baden, da ui diesem Lande die Anstellungsverhältnisse ebenfalls äußerst raeyunittqe sind. In Zukunft werden daher unsere hessischen Lehramtsassessoren und -Referendare mit wenigen Ausnahmen aus das Inland allein angewiesen sein.
Die Zahl der Direktoren- und Oberlehrerstellen beträgt in ^eswn 554 einschließlich derjenigen an Scminarien und höheren Tochterschulen), und wird im Hinblick aus die hessischen Finanzen und den in den letzten Jahren eingetretenen andauernden Rück- g a n g der S ch ü l e r z a h l der höheren Lehranstalten, der bereits hur Streichung von 13 Assessorenstellen geführt hat, in absehbarer Zeit eine wesentliche Vermehrung nicht erfahren. Die Inhaber von 50 dieser Stellen Haban Theologie, Architektur, Musik und Landwirtschaft studiert, also nicht die eigentlichen Schulwissen- schasten, und es bleiben folglich für die Lehramtsassessoren und -Referendare nur 504 Stellen übrig, für die jetzt schon 440 (!) harter vorhanden sind. Die 31 ältesten Assessoren haben Ostern und Herbst 1906 die Staatsprüfung bestanden und werden voraussichtlich 8—9 Jahre nach dem Bestehen dieser Prüfung zur An- stellung kommen, also in einem Durchschnittsalter von 32 bis 33 3a5ren, da in Hesisen die Fakultätsprüfung durchschnittlich nach dem 24. Jahre abgelegt ivird. Diese Wartezeit verschlechtert sich von jetzt ab sehr rasch und kann bei den jüngsten Referendaren vom Herbste 1913 auf 17—20 (!) Jahre ansteigen, wie die folgende Untersuchung zeigt.
In den letzten fünf Jahren erfolgten jährlich durchschnittlich 12 Neuanstellungen, in beit letzten 6 Jalwcn 15, und in den nächsten 6 Jahren wird sich diese Durchschnittszahl 15 voraussichtlich nicht vergrößern. Für einen längeren Zeitraum wollen wir jedoch die absichtlich hochgegriffene Bedarfszahl 22 als geltend vnnehmen. Somit hat Heften bereits einen Vorrat von Awwärtern der Oberkehrerlaufbahn, der für 20 (!) Fahre aus- reicht. (440:22 = 20.) Da wir bei der Annahme der Zahl 22 geringe Ausscheidungen von Kandidaten mit berücksichtigt haben, fo kann sich die Wartezeit von 20 Fahren nur verringern, wenn viele neue 'Steilen geschaffen werden und ganz ^erheblichen Ausscheidungen von Anwärtern eintreten, die eine Folge größerer Abwanderung, zahlreicher Berufswechsel und schlechter wirisckzastlicher Verhältnisse sein lönnten. Hier sind aber die früher schon angeführten Umstände zu berücksichtigen, die einer wesentlichen Stellenver- mehrung ünd Abwanderung entgegenstehen. Es muß ferner beachtet werden, daß ungünsttge Anstellungsverhälttnsse in anderen Laufbahnen eine Aenderung des Berufs in vorgerücktem Alter erschweren. Man bedenke auch, daß erst 22 neue Stellen die Wartezeit um ein Fahr kürzen und daß erst je 22 verschwindende Vordermänner ein Vorrücken um ein Jahr bewirken, wobei nicht übersehen werden darf, daß die meisten Ausscheidungen von Anwärtern bei den beiden jüngsten Jahrgängen erfolgen, die als Vordermänner wenig in Betracht kommen. Sollten wider Erwarten sehr Einstige Umstände für die Anstellungszeit eintreten, so könnte sich vermutlich die errechnete Zahl von 20 Jahren höchstens um
3—4 Jahre vermindern. Mithin werden die jüngsten Referendare vom Herbst 1913 erst 1929 bis 1933 im Alter von 40 bis 44 Jahren mit einiger Sicherheit auf Anstellung rechnen können.
Zu den vorhandenen 440 Anwärtern des höheren Lehramts kommen in 4—5 Jahren noch diejenigen Hessen, die sich gegenwärtig auf der Universität Gießen und aus anderen Hochschulen dem Sttünum der Schulwissenschasten widmen. Die Zahl dieser Studierenden betrug in Gießen im letzten Sommerhalbjahr nach Abzug derjenigen, die im Herbst die Fakultätsprüfung bestanden haben, rund 270. Nehmen wir an, daß von diesen 270 Studenten nach fünf Jahren ebensoviele zu keinem Prüfungsergebnis gekommen sind, als die unbekannte Zahl der auswärts studierenden Hessen beträgt, so ergibt sich die Gesamtzahl der Anwärter des Oberlehrerberufs nach fünf Jahren aus-440 jetzigen Anwärtern, vermehrt um 270 Kandidaten, aber vermindert um die Neu- ansteUungen der nächsten fünf Jahre, etwa 5 X 22 = 110 (in Wirklichkeit vielleicht kaum 70). Somit werden wir in Hessen im Jahre 1918 rund 600 Lehramtsassessoren und -Referendare haben, 96 über die Zahl der ihnen zugänglichen 504 Oberlehrerstellen hinaus, und der Bedarf Hessens an Nachwuchs für das höhere Lehramt wird alsdann für 27 (!) Jahre gedeckt fein (600 : 22 = 27). Wenn Verhältnisse eintreten sollten, die die Sachlage günstig beeinflussen, so könnten <fn diesen 27 Jahren vermutlich höchstens 4—5 Jahre gestrichen werden. Diejenigen Abiturienten, vom Herbste 1913, die jetzt noch den Mut haben sollten, sich dem Studium der Schulwissenschasten zu widmen, würden nach Vollendung ihrer Studien im Johre 1918 etwa 600 Vordermänner zur Anstellung ha^n und mit einer Wartezeit von 22—27 Jahren rechnen können, also erst in den Jahren 1940—1945, int Alter von 46—51 Jahren zur definitiven Anstellung kommen.
'Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß für die große, bedrohlich wachsende Zahl der l^essischen Anwärter des höheren Lehramts nur 93 Assessorenstellen vorhanden sind, also rund 100 Assessoren dauernd verwendet werden können, wodurch sich die Lage des gesamten Nachwuchses im höheren Lehrfach sehr ungünstig gestaltet. Gegenwärtig sind 58 Lehramtsassessoren beurlaubt und 40 ohne jegliche auch vorübergehende Verwendung, während im Gegensatz hierzu int Richterberuf alle Assessoren Verwendung haben. Dazu ist die Hoffnung auf Privatunterricht infolge der großen Zahl von Anwärtern und Studenten ebenfalls trügerisch.
Angesichts dieser trostlosen Aussichten auf Anstellung in der Oberlehrerlausbahn muß zurzeit in Hessen vor dem Studium der Schulwissenschasten dringend gewarnt werden, umso dringender, als durch zuverlässige Statisttker (unter Berücksichtigung der großen Zahl von Studierenden des höheren Lehrfachs auf den deutschen Hochschulen» festgestellt worden ist, daß wir in ganz Deutschland einer liebe rfüllung int Oberlehrerberuf entgegen gehen, die viel größer sein wird als die Ueberfüllung in allen anderen akademischen Berufen.
Aus der Braunschweigischen Landesversammlung.
Braunschweig, 29. Okt. In der Landes Versammlung erstattete Steurtsminister Hartwieg Bericht über den Verlauf und den Abschluß der Verhandlungen in der Thronfolgeangelegenheit. Die Landesversammlung hielt darauf eine geheime Sitzung ab, in der folgende öffeutlich verlesene Erklärung beschlossen wurde:
Tie Landesversammlung hat mit lebhafter Befriedigung von den Ausführungen des Herrn Staatsministers Kenntnis genommen. Sie begrüßt mit Freuden den Bundesratsbeschluß vom 27. Oktober, welcher die Wiederübernahme der Regierungsgewalt im Herzogtum durch das angestammte, in vielhunderijährtger Geschichte mit dem Lande verbundene welfische Herrscherhaus gewährleistet. Die Landesversammlung spricht die zuversichtliche Erwartung aus, daß der im ganzen Lande mit Jubel begrüßte, bevorstehende Regierungsantritt des Prinzen Ernst August, Herzogs zu Braunschweig, unter Gottes Schutz nicht nur dem Herzogtum zum Segen gereiche, sondern auch dem deutschen Reiche, daß in der Bevölkerung des Herzogtums Bestrebungen keinen Boden gewinnen werden, welche das gute Verhältnis mit dem Bundes st aate Preußen trüben könnten.
Diese Erklärung wurde eiirsrimmig gut geheißen. — Abg. Glaser berichtete sodann namens der Finanzkommission über die Regierungsvorlage betr. die laudesfürstliche Rente.
Diese Rente wurde in der angeforderten Höhe von 1125 3222/3 Mark einstimmig und ohne Erörterung bewilligt.
In der Landes Versammlung verlas sodann Staatsminister Hartwieg die Verzi ch turkunde des Herzogs von Cumberland. Darin heißt es:
Nach dem am 18. Oktober 1884 erfolgten Ableben unseres Oheims und Vetters, des Herzogs Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg usw. ist uns als nächsten Thronfolge- berechtigten das Recht auf den Thron des Herzogtums Braunschweig kraft der in unserem fürstlichen Gcsamthause Braunschweig und Lüneburg bestehenden Rechte überkommen. — Die Regierung im Herzogtum Braunschweig konnte von uns nicht ausgeübt werden, da vom Bundesrat unsere Behinderung zur Ausübung der Regierung ausgesprochen wurde. In der Voraussicht, daß der Bundesrat gegen den Regierungsantritt unseres vielgeliebten Sohnes Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg von Reichswegen Bedenken nicht mehr erheben werde, verzichtenwirhiermit feierlich st auf die uns überkommenen Rechte auf den braunschweigischen Thron und übe rtragcndiese in vollem Umfange auf unseren vielgeliebten Sohn Ernst AugustHerzog zu Braunschweig und Lüneburg usw.
Nach der Eröffnung der heutigen Sitzung der Landesversammlung nahm Staatsminister Hartwieg das Wort zu folgender Rede:
Meine hochgeehrten Herren! Mit einem Herzen voll Dank gegen Gott, der die Geschicke der Völker lenkt, ergreife ich das Wort, um Ihnen über die Verhandlungen, die jetzt zum Ziele geführt haben, nähere Mitteilung zu machen. In den Ausschüssen des Bundesrats sind nach dem Referat der be- mistragten Bevollmächtigten Erklärungen abgegeben worden, die sämtlich darauf Hinausliesen, daß irgend w e t dj c Bedenke n gegen die Thronbesteigung eines Gliedes des herzoglichen Hauses nicht beständen. Darauf luurbc ohne jeden weiteren Widerspruch in den Ausschüssen dem Anträge zu gestimmt und dec Antrag der preußischen Regierung dem Plenum pure zur Annahme empfohlen.
In der nun folgenden Erklärung sprach der Staatsminister namens der Regierung der Rcichsleitung und den hohen Verbündeten Regierungen den lebhaften Dank für die Entschließung aus und fuhr fort:
Das nahezu 30 Jahre währende Provisorium des Herzogtums Braunschweig wird mit dem in allernächster Zeit zu erwartenden Antritt der Regierung feiten» Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Ernst August, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg sein Ende erreicht "bähen. Die dynastische Zukunft des Landes Unrb, so Gott will, für immer gesichert sein. Die Regierung des Herzogtums beobachtet dem Reich und Preußen gegenüber stets die loyale Haltung, und die hohen Verbündeten dürstn fest überzeugt sein, daß in dieser Haltung auch zukünftig niemals eine Aenderung eintreten und die Regierung des Herzogtums vielmehr ständig im Sinne der Förderung des Friedens und der Sicherheit des Reiches geführt wird. Diese Erklärung habe ich gestern auch Sr. Kgl. Hoheit vorgelegt und kann erflaren, daß sie die volle Billigung Sr. Kgl. Hoheit gefunden hat. Ich legte darauf im Bundesrat die mir von dem Bevollmächtigten Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs von Cumberland und zu Braunschweig und Lüneburg übergebene Ber- zichturkunde dem Staatssekretär vor, bat sie mir aber wieder aus, um sie im Landeshauptarchiv niederzulegen. Ich habe es stets als die erste und wichtigste Aufgabe erachtet, Erwägungen an- zustellen, ob und wann die Thronsolgefrage in Angriff genommen und zu gutem Ende geführt werden könne. Ungeachtet der segensreichen Regierung unserer beiden vorigen Regenten, Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen und Sr. Hoheit des Herzogs Johann Albrecht, in dem das Land wiederum einen Regenten erhielt, der länger als sechs Jahre mit unvergleick>- licher Pflichttreue die Geschicke des Landes leitete, ist es doch die Pflicht eines jeden Staatsministers, Schritte zu tun im Interesse der Zukunft des Landes, wv uns) so oft sich Gelegenheit bietet. Auch der Landtag gab wiederholt dieser Auffassung Ausdruck.
Der Minister gab hierauf einen Ueberblick über die Entwicklung der Thronfolgefrage. Er schilderte-die einzelnen Phasen und fügte hinzu, daß die Preßkampagne und d i e mißlichen Uebertreib ungen der hannoverschen Welfen gewisse Schwierigkeiten hervorgerufen hüt-
Lm unbetannter Brief Mozarts.
Ein Götterkind, wie in seiner Musik, ist Mozart auch in feinen Briefen. Das sprüht von Leben, von Laune, von Uebcrmut, aber auch manch schwärmerischer Aon der Wehmut mischt sich in die rauschenden WÄsen des vollen Lebens. Wohl verdienten Mozarts Briese endlich einmal eine vollständige und klassische Ausgabe, wie sie ihnen Ludwig Schiedermair nunmehr zutcll werden läßt. In dieser prächtigen, soeben bei Gporg Müller in München erscheinenden, man darf sagen: endgiltigen Sammlung der Briese Mozarts und seiner Familie finden sich auch einige, bisher noch gänzlich unbekannte Stücke. Das interessanteste davon ist ein Brief'iaus des Meisters letztem Lebensjahre, wenige Monate vor seinem Ableben, am 7. und 8. Oktober des Jahres 1791, geschrieben, und zwar an seine Frau, die in Baden bei Wien zur .Kur weilte. Dieser Brief, ein echter Mozart in dem Presto des Wechsels her Empfindungen und Gedanken, in ferner Schelmerei, in feinem strömenden Reichtum, zeigt ihn zu der Zeit, wo er mit feiner Lantz erflöte eben einen vollen Erfolg errungen hatte, und wo er am Requiem, seinem eigenen Sterbegesange, arbeitete. Das höchst an- ziebende Schreiben lautet folgendermaßen:
Freytag um halb 11 Uhr Nacht
Liebstes, bestes Weibchen!
Cben komme ich von der Oper (der „Zauberflöte"/. — Sie war eben so voll wie allezeit. — Das Duetto Mann und Weib usw.: und das Glöckchen Spiel im ersten Ackt wurde wie gewöhnlich w.e-- derhollet — auch im 2. Ackt das fnaben Terzett — was mich aber am meisten freuet, ist, der Stille beifalk! — man sieht recht Wie sehr und immer mehr diese Oper steigt. Nun meinen Lebcns- [auf. __ gleich nach Deiner Abseeglung Spielte ich mit Hr. von
Mozart (der die Oper beim Schickaneder geschrieben hat:) 2 Par- thien Billard. — Dann verkaufffte ich um 14 Duckaten meinen Neper — Dann ließ ich mir durch Joseph den Primus rufen und schwarzen koste Hollen, wobei) ich eine herrliche Pfeiffe toback schmauchte- dann Jnstrumentirte ich fast das ganze Rondo vom Stadtler In dieser Zwischenzeit kämm ein Brief von Prag vom Stadler ' Sie wissen schon alle dse herrliche ausnahme meiner trutschen Oper — Das sonderbarste dabei ist, das den abend als meine neue Oper mit so vielen beifall zum erstenmale aufgeführt wurde am nemlichen abend in Prag der Tito zum letztenmale auch mit außerordentlichen bei fall aufgeftchrt worden. — Der Bedini sang besser als allezeit. — Das Duettchen ex A von ine 2 Mädchens wurde wiederholtet — und gerne — hatte man nicht die Marchetti geschonet — hätte man auch das Rondo repittrt. — Dem Stodla (Klarinettist im Prager Orchester) wurde (O böhmisches Wunder! — schreibt er) aus dem Parterre und so gar aus dem Orchestre bravo zugerufen. Ich hab mich aber auch recht angesetzt, schreibt er; — auch schrieb er (der stodla:) daß (Süfc mayr?) nun einsehe daß er ein Essel iS • m • versteht sich, nicht
der stodla — — 'bitte ist nur ein bissel eile Esel, nicht viel — aber der . . .— Ja der, der ist ein rdchirer Esel. — um halb 6 uhr gieng ich beim Stubenthor hinaus — und machte meinen savorit Spaziergang über die Glacis ins Theater — was sehe ich? — was rieche ich? ----Don Primus ist es mit den Carbo-
nadeln! — che gufto! — izt esse ich Deine Gesundheit — eben schlägt es 11 uhr; — vielleicht schläfst Du schon? — St! St! St! — ich will Dich nicht aufwecken!
Samstags den 8t. — Du hattest mich gestern beim Nachtessen sehen sollen! — Das alte Tischgeräth habe ich nicht gefunden, folglich habe ich ein schneblümerlweißes hergegeben — und den Doppelten leuchter mit Wachs vor meiner! — ... Nun wirst du wohl im besten Schwimmen seyn, R>a ich dieses schreibe. — — Ter friseur ist accurat um 6 Uhr gekommen — und Primus hat schon um halb 6 uhr eingefeutet, und mich um 3/4 geweckt. - warum muß es izt schon xegnlen? — ich hoffte daß Du ein! schönes Wetter haben solltest! — halte Dich nur hübsch warm, damit Du Dich nicht erkältest; ich hoffe daß Dir das Baad einen guten Winter machen wird — denn nur dieser Wunsch, daß Du gesund bleiben möchtest, hieß mich Dich antreiben nach Baaden zu gehen. — mir wird izt schon die zeit lang um Dich .— das sah ich alles vor. — hätte ich nichts zu tijun, so würde ich gleich auf die 8 Tage mit Dir hinausgegangen seyn; — ich habe aber daraus gar feine bequernlichkeit zum arbeiten; — und ich möchte gerne, so viel möglich, aller Verlegenheft ausweichen; nichts angenehmeres als wenn man etwas ruhig leben kann, deswegen muß man fleißig seyn, und ich bin es gerne. — Dem (Süßmayer- gieb in meinem Namen ein paar tüchtige Ohrfeigen, und lasse ich die (Sophie) A. (welche ich lOOOmat küsse) bitten, ihm ein paar zu geben — laßt ihm nur um gottes willen keinen Mangel leiden! — ich möchte ivn alles tu, der '.Welt heut oder morgen von ihm den Vorwurf nicht haben als hättet ihr ihn nicht gehörig bedienet und verpfleget — — gebt ihm lieber mehr schlüge als zu wenig —
gut wäre es, wenn ihr ihm einen krebschr an die Nase zwiktet, ein Aug ausschlüget, oder sonst eine sichtbare Wunde verursachtet, damit der kerl nicht einmal das, was er von euch empfangen, ableugnen kann- — adieu liebes Weibchen! — der Wagen will abfahren. — ich hoffe heut gewis etwas von Dir zu lesen, und in dieser süßen Hoffnung küsse ich dich lOOOmal und bin Ewig Dein
Dich liebender Mann W. A. Mozart.
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— Eine neue Zwergenrasse. In London hat ein englischer Kapitän nach der „Hyg" populärmed. Monatsschrift ganz erstaunliche Angaben gemacht über eine neue Zwergenrasse, die er entdeckt hat. An der Südwestküste von Holländisch-Neu-Guinea fand er Menschen, von denen die Männer nicht größer wie 1,40 Meter
waren. Sie sind sehr regelmäßig gebaut, schokoladefarbig und von lebhafter Geistestätigkeit. Frauen und Kinder bekam er nicht zu sehen, weil die Männer eifersüchtig diese kostbaren Objekte vor den Blicken der Weißen verbargen. Die Entdeckung dieser neuen Zwer- genrasse regt wieder den alten Streit an, wie man sich die Existenz und das Entstehen solcher Variationen erklären soll, denn man muß doch zweifellos annehmen, daß entwicklungsgeschichtlich die Menschen von einem gemeinsamen Aste des 'großen Weltstammbaumes abgehen. Die ersten Menschen also werden so ziemlich gleich gewesen sein, auch in der Größe einander ziemlich ähnlich, „rein entwicklungsgeschichtlich" Wenn also plötzlich irgendwo Rassen auftauchen, die viel Heiner als die normalen Menschen sind, so muß man annehmen, daß einmal irgendwelche, evtl, jahrhundertelang dauernde ungünstige- Umstände, durch Nahrungsverminderung, schlechtes Klima usw. eine Verringerung des Körpergewichtes bei Menschen ausbildeten, die sich bann verbreiteten und einen festen Typus herauskristallisierten. Diese Annahme nun widerspricht aber der Tl>eorie des Professors Weißmann, der nicht zugeben will, daß solche erworbene Typusverschiedenheften sich weiter vererben. Man wird aber wohl nicht umhin können, doch die Anschauung Weißmanns abzulehnen, besonders, wo in letzter 3eit die Untersuchungen von Kammerer (Wien,, von Loeb (New- york) und anderen Forschern ergeben haben, daß sehr wohl erworbene Eigenschaften sich wefter vererben, z. B. daß man Schmetterlinge von bestimmter Farbe durch eine ausgewählte Ernährung, durch Halten in bestimmten Temperaturen usw. umfärben kann und daß sie tatsächlich die erworbene Farbe mit auf die Welt bringen und sie beibehalten, wenn sie auch wieder in die normalen Lebensverhältnisse ihrer Urahnen kommen.
ff. W i e Berlioz „Fausts Verdammung" schrieb. Von den seltsamen Umständen, unter denen Berlioz eines seiner bekanntesten Werke, Fausts Verdammung schrieb, weiß die „Mondo Arttstico" nach Aufzeichnungen allerlei Interessantes von Berlioz zu erzählen. ,Lch habe die Komposition geschrieben, wo und wie ich konnte: im Wagen, im Zuge, auf dem Dampfer, in den Städten, wo ich Konzerte gab." Tatsächlich hat Berlioz die Jntroduktton niedergeschrieben, während er in Passau in einer Konditorei saß; eine Szene hat er am Ufer von Elba abgefaßt, die Mephistopheles- arie und den Tanz der Sylphen in Wien. In Budapest verlief er sich eines Abends in den Straßen und stellte sich auf offener Straße beim Schein einer Schaufensterbeleuchtung hin,' um das Bauernritomell niederzuschreiben. In Breslau ist die lateinische Studentenkanzone, und zwar der Text wie die Musik, abgefaßt, und im Hause eines Freundes in Rouen hat Berlioz das große Trio „Ange abore dont la cleste image" niedergeschrieben. Der Rest des Werkes ist in Paris verfaßt oder eigentlich improvisiert, und zwar zum Teft in der eigenen Wohnung Berlioz, zum Teil im Cafe und in den Tuilerien.


