Ausgabe 
27.11.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Tageskalender aus dem Jahre 1813.

27. November. T<?r französische General Ravv, der sich seither noch in Danzig bchanptet hatte, schlicht einen Waffenstillstand.

Deutsche» Reöch-

Der Aeltestenrat des Reichstages trat am gestrigen Mittwoch vor der Plenarberatung zu einer kurzen Sitzung zusammen. Es wurde beschlossen, die Besprechung der Anfragen über die Arbeitslosigkeit und über die Vor­fälle in Zabern bis hinter die erste Etatslesung zurückzu- stelten und während ihrer Dauer diese Gegenstände auszu­schalten. Donnerstag sollen die Gesetzentwürfe über die Hilfskräfte beim Reichsgericht, über den Kolonialg^richts- hof und über die Wanderlager behandelt werden. Am Freitag und Samstag sollen Wahlprüfungen stattfinden, Vie Abstimmungen hierüber aber bis zum Dienstag früh ausgesetzt werden. Am Montag folgen weiter erste Lesungen kleiner Vorlagen. Am Dienstag nächster Woche beginnt die erste Lesung des Etats. Die Weihnachtspause soll vom 13. Dezember bis 13. Januar dauern.

Ein Buch des Fürsten Bülow. Zu der Ankündi­gung eines Buches des Fürsten Bülow überDeutsch­lands Politik uittc r Kaiser Wilhelm II." be-

kann, da nicht mehr zugeknöpft zu sein und da keine Ge­heimniskrämerei zu treiben, wo es militärische Geheim­nisse vor dem Ausland nicht zu wahren gilt. Noch im vorigen Monat Oktober hat der ausgezeichnete Militär­schriftsteller Generalleutnant H. R ohne in denArtille­ristischen Monatsheften" mit Recht darauf hingewiesen, daß für die Geheimertlärung gewisser Dinge so oft weniger die Sicherheit des Reiches maßgebend sei, als die Scheu vor der ftritif, daß ferner heute immer noch Tinge geheim gehalten werden, deren.E-eheimhaltung (dem Auslände gegen­über gar nichts nützt, den Fortschritt der eigenen Waffe aber hemmt, daß also die Nachteile und Schäden unnötiger Geheimniskrämerei in erster Linie das Heer selbst trage.

Mit Herrn v. Falkenhayn scheint tatsächlich ein Sy­stem w e ch s e l im Kriegsministerium eingezogen zu sein. Tie Herbstrangliste des aktiven Tienststandes brachte z. B. einen viel bemerkten Bruch mit dem früheren viel um­strittenen Adclsprivileg der Garde und gewis­ser Provinzregimenter: in den neugeschaffenen Stellen der Majore beim Stabe und der Stabshauptleute der Garde-In­fanterie fanden sich zahlreiche bürgerliche Offiziere, verein­zelt auch bei der Garde-Kavallerie. Man ist also damit den Wünschen des Reichstags wenigstens einigermaßen entgegcn- gclommen. Parlamentarische Forderungen will Herr v. Fal­kenhayn übrigens auch dadurch besser, als es bisher geschah, befriedigen, daß er die Militärstrafrechtsnovelle anläßlich des Erfurter Urteils nur als eine Abschlagszahlung betrachte und eine G e s a m t r e f o r m unseres M i l i t ä r st r a f - rechts in Verbindung mit der bürgerlichen Strafrechts­reform fördern will. Endlich soll auch in der inneren Or­ganisation der Militärbehörden, vor allem int Beamtenwe­sen ein anderer Wind wehen. Tie Verwendung als Gene- ralstabschef zweier verschiedener Armeekorps habe Herrn v. Falkenhayn besondere Gelegenheit geboten, Ueberblick und Erfahrungen auf diesem Gebiete zu sammeln. Ganz gewaltige Aufgaben harren dieses Kriegsministers, der den Spuren des ersten Bronsart (Paul Bronsart v. Schellendorf) zu folgen scheint, der eine außerordentliche Verstärkung der deut­schen Wehrkraft durchzuführen hatte und dem dies auch auf parlamentarischem Boden glänzend gelang. Sichert sich der neue, moderne Kriegsminister v. Falkenhayn die freudige Mitwirkung des Reichstags und der Oeffentlichkeit, so ist ihm ein ähnlicher Erfolg und Dank gewiß.

tritt sie dem Geliebten entgegen und wird um einer Schönheit willen begehrt, die nicht ihr eigen ist: und sie bereut die Täu- sämng, die den Gatten in ihr eine Fremde lieben läßt. Jene vergängliche Maske der körperlichen Vollkommenheit verhüllt ihm die würdigere Eigenschaft Khitras: ihre seelische Schönheit. Wird er sie noch lieben können, wenn nach Ablauf des Jahres er sie verändert und so vieler äußerer Reize beraubt wieder vor sich sehen wird? Das ist das Problem, und sicher wird cs gelöst. Tenn die Liebe Arjunas besteht die Probe, und aus der Unbe ständigkeit wird Beständigkeit. Im Herzen Arjunas ist eine Bewunderung für eine Frau erwacht, die er nicht zu kennen meint: der Ruhm der unbekannten Prinzessin Khitra stört seinen Seelenfrieden. Und diese latente Flamme für die unvergleichliche Khitra gibt Arjuna die Kraft, seine Gattin auch nach Ablauf des Jahres und der gefürchteten Verwandlung weiter zu lieben, denn ihm bleibt der Trost, daß seine Frau, wenn auch nicht mehr wie er einst glaubte die schönste, so doch die mutigste und beste der Welt ist.

Man sieht, daß diese dramatische Dichtung didaktische und symbolische Absichten hat, aber die MoralKhitras" liegt ein wenig nahe: die Schönheit der Seele steht höher als die des Leibes und ist plötzlichen oder allniählichen Wandlungen weniger ausgesetzt. Mir erscheint diese Dichtung charakteristisch ftir die indische Dichtkunst: sie liebt die Anmut des Ausdruckes und, die glückliche Frische der Bilder vor allem, aber sie ist andererseits nicht so bcdeutungsreick, wie ein begeisterter englischer Dichter und einige wenige Kritiker das proklamieren. In dieser jähen Entdeckung und Verhimmelung des tropischen Sängers", schließt der italienische Beurteiler,liegt eine gute Dosis von Snobismus."

Neues von Wagner in Triebschen

Unter den Besuchern, die in Richard Wagners gastlicher Villa Triebsckstn bei Luzern freundliche Ausnahme sanden, war auch der russische Komponist Alexander S s e r o w, und aus den schönen Tagen, die der russische Meister bei seinem großen deutschen Kollegen verlebte, berichten die interessanten Erinnerun­gen der Witwe Sserows, -die im neuesten Heft der Zeitschrift Ter Merkur" zum erstenmal in deutscher Sprache veröffentlicht werden. Schon beim ersten Besuch begegnete Wagner den neuen Freunden wie alten Bekannten.

Wir gingen ins Gartenhaus. Wagner wurjde plötzlich intim und erzählte uns. daß seine Lage ganz unerträglich sei und daß er große Unannehmlichkeiten zu erdulden habe, so lange Cosima ihm nicht als rechtmäßige Gattin angetraut fei. Sie warteten sehnsüchtig auf die 'Scheidung, die sie aus der schwierigen Lage befreien sollte. Von Bülow sprack er nur mit der größten Achtung; er bezeichnete ihn als den edelsten Menschen. Dieses

merkt der BerlinerBörsen-Courier". Bei der Persönlich' keil des Fürsten 'Bülow und dem Zweck, dem das Werk Deutschlands Politik unter Kaiser Wilhelm II." dienen soll, ist cd selbstverständlich, daß es sich nicht um Enthüllungen oder Indiskretionen, sondern um eine Darstellung der deut­schen Politik der Gegenwart handelt.

DiebayerischeK am mcrder Abgeordneten nahm in ihrer Sitzung am Mittwevch die Anträge der So­zialdemokraten und Konservativen an l nach denen die Regie­rung ersucht wird, im Bundesrat dahin zu wirken, bau für die Veterane n für sorge seitens der ReichsreZterung weiteres geschehe. Ter Minister des Innern Frhr. v. S öden hatte im Laufe der Ansprache erklärt, daß eine weitere Er Höhung der Veteranenbcihülfeu Millionen kosten werde. Die Finanzlage des Reiches gestatte aber nicht, weiter zu gehen, trotz der Mitgefühle für die Veteranen.

Der badische Landtag hielt am Mittwoch abend 6 Uhr eine vorbereitende Sitzung ab, in der nach einer) kurzen Begrüßung durch den Staatsminister Frhrn. von Dusch der Zentrumsabgeordnete Morgenthaler zum Alters­präsidenten bestimmt wurde. Die erste Arbeitssitzung der Zweiten Kammer wurde auf Freitag vormittag 10 Uhr festgesetzt. Von ihr soll die Wahl des Präsidiums borgte nonunen werden. Gegen die Wahlergebnisse un 5., 6., 29. und 46. Wahlkreise ist Einspruch bei der Kammer eri hoben worden.

Reichstagsabg. Zürn-Bellschwitz V Im Kranlenhau.se von Riesenburg in Westpreußen starb in der Rächt zum Mittwoch der Reichstaasabgeordnete für Rosen­berg-Löbau, Pfarrer Zürn-Bellschwitz (Reichspartei).

Der Vorfall in Zabern. Ein Zaberner Bericht­erstatter derStraßburger Neuesten Nachrichten" weiß zu melden: Am Dienstag abend befanden sich hier der Kom­mandierende General v. Deimling und der Divisionskom­mandeur Generalleutnant v. Eben. Zu der Besprechung, die in der Affäre Forstner stattfand, war das gaiize Offizlcr- korps hinzugezogen. Wie ich aus bester Quelle erfahre, hat Leutnant v. Forstner einen scharfen Ver­weis erhalten. Der Gebrauch des durch ihn angewandten WortesWackes" ist inzwischen durch Regimentsbefehl strengstens verboten worden. Im Anschluß an den Fall ist auf den Gängen der verschiedenen Kompagnien folgende Bekanntmachung handschriftlich angebracht:Der Soldat hat über Dienstangelegenheiten Verschwiegenheit zu beobachten. Bei allen Meldungen und Aussagen muß er sich der strengsten Wahrheit befleißigen. Die wissentlich unrichtige Abstattung eines Rapports, dienstlicher Meldun­gen oder Berichte oder einer wissentlichen Weiterboförpe-i rung unterliegt strengster Bestrafung."

Zentrums-Humor. DerKölner Lokalanz." ein Ableger derKöln Volksztg", veröffentlicht ein Stim­mungsbild ,,Jm Hauptquartier der Zentrumspartei" nach den Kölner Stadtoerordnetenwahlen und erzählt, daß ein Fentrumsführer das Körnersche Gedicht von Lützows wilder verwegener Jagd folgendermaßen für die Wähler um­änderte: , . Ä

Was glänzt in der Straßen Lichterschetn?

Hör's näher und näher brausen.

Es zieht sich hinunter in düsteren 3i e n ty' rt;

Und gellende Hupen schallen darein.

Und erfüllen die Lese (ibad liberale Hauptquartier) mit Grausen. Und wenn ihr die schwär z en Gesellen fragt: Tas ist des Zentrums sieghafte Macht."

Gespräch im Gartenhaus blieb nnS beiden unvergeßlich. Wir konnten lange den Blick nickt vergessen, den Frau Cosima dem Meister zuwarf, als er ihr mit besonderer Innigkeit sagte:Nun, es kommen noch bösere (Feiten!" Bald wurden die russischen Gäste heimisch in der Villa.Wir hatten alles in diesem Hause liebgewonnen: das Samtbarett, das Wagner auf Schritt und Tritt verlor: den Ruß, der mit freudigem Bellen um die Kinder herumsprang: die dicke Amma Siegfrieds und selbst den Tuft, den irgend ein Bauni, -vahrscheinlich eine Eypresse, im Garten und selbst in allen Zimmern verbreitete. Frau Eosima erzählte uns glückstrahlend von der Ueberraschung, die sie ihrem Richard zu seinem Geburtstag bereitet hatte. Wagner hatte soeben die berühmte Szene Siegfrieds mit dem Silbcrhorn entworfen; sie schrieb heimlich das Solo für dieses Instrument aus der Par- titur ab und sckftckte es nach München dem jungen Musiker Richter. Dieser kam früh morgens nach Luzern, stellte sich vor Wagners Schlaszimmersenster auf und weckte den Meister mit seinem eigenen Hornsolo. Wagner nmßte es lange nicht, ob er seine eigene Musik, die kaum eine greifbare Form angenommen hatte, int Traume oder im Wachen hörte." Wagner spielte seinen Gästen öfters soeben vollendete Szenen aus bem1 Nibelungenring vor, so auch an einem unvergeßlichen Abend die Erda-Szene.Er spielte sehr schlecht, scklug ab und zu mit der Kaust auf die Tasten und deklamierte mit heiserer Stimme. Mit der sehr komplizierten Klavierbegleitung konnte er offenbar nicht gut fertig werden', dock sein lebendiger, nervöser Vortrag verlieh dem Spiel eine solche Kraft, wie ich sie bei einer Opernsängerin auf der Bühne noch nie gesehen habe. Trotz aller Mängel blieb uns die Inter- ptetatiou durch den Autor für immer unvergeßlich; Wagner unterstrich ganz genial alle hervorragenden Stellen, die bei cha- rakterlosenr weiblichem Gesang gewöhnlich verloren gehen." Mit Vorliebe sprach der Meister von seinem Siegftied, in demdas Beste des deutschen Volkes verkörpert werden soll: Kraft, Ur­wüchsigkeit und Jnnigkeft."

Einmal waren Sserows bei einer Probe desRheingold" anwesend, zu der Wagner das ganze Sängerpersonal aus München hatte kommen lassen. Gegen die Künstler war er liebenswürdig und fiel nur selten aus seinem ruhigen Ton.Allerdings zuckte er bei jedem Fehler mit den Lippen und man mußte annehmen, daß er bei einer gewöhnlichen Probe den Säuger ordentlich an» schreien würde. Hier aber wartete er, bis her Säuger fort war: dann erst ließ er sich in einen Sessel fallen und begann zu don­nern:Herrgott! Kanu doch der Mensch ein so hirnloses Weien sein'" Bei solchen Ausbrüchen ftel ihm gewöhnlich sein Zwicker von der Nase, was ihn vollends zur Verzweiflung brachte, solchen Fällen hatte Frau Eosiura irgend einenglücklichen Ein­fall", der ihr Gesickst erstrahlen ließ. Mit echt weiblick-em -Laft teilte sie ihren Einfall so ganz nebenbei Wagner mit und be-

Der moderne rlriegsmimster.

Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns:

Generalleutnant v. Falkenhayn, seit mehr als vier Monaten preußischer Kriegsminister, wurde bei seinem ersten Auftreten im Reichstckge mit einem demonstrativen Beifall belohnt, wie ihn keiner seiner Vorgänger mit der parlamentarischen Jungfernrede erntete. (Siehe heutigen Sitzungsbericht.) Und zwar wurde der Beifall nicht nur von rechts, sondern deutlich und wiederholt auch von links gespendet. Damit hat der Reichstag das Urteil über den neuen Kriegsminister bestätigt, das in militärischen Kreisen schon immer herrschte; v. Falkenhayn galt in der Armee von jeher als hochgebildeter, äußerst befähigter Offizier von unermüdlicher Arbeitskraft, von festem Willen und sachlicher Bestimmtheit, ohne daß man, ein verbindliches, weltmännisch gewandtes Wesen vermißt, v. Falkenhayn scheint durch seine Bereitwilligkeit, vorhandene Mißstände ehrlich anzucrtennen, auch mit der Linken des Reichstags in ein ersprießliches Verhältnis treten zu wollen. Wie wich­tig das für den Kriegsmiuister ist und wie nutzbringend cs werden kann, hat der Vorgänger des Herrn v. Heeringeu, der noch in bester Erinnerung stehende Karl v. Einem, be­wiesen. Der jetzige Kriegsminister hat jenen Einemschen Ton, wenn er zwar der Publizistik im großen und ganzen keine Ausnahmestellung im Staatsleben einräumen möchte, Aber auch jedes Sonderrecht der Armee gegenüber dem Rechte der freien Meinungsäu ßerung entschieden ablehnt. Man fühlt männliches, soldatisches Gerechtigkeitsbestreben, und dieses weckt und verdient Vertrauen, v. Falkenhayn nennt Vorschläge, je moderner sie sein sollten, um so will­kommener, und wünscht, daß in Zukunft die Organe der Heeresverwaltung und der öffentlichen Meinung ver­trauensvoll zusammen arbeiten! Vor Amtsantritt dieses modernen Kriegsministers wurden die Organe der öffent­lichen Meinung in militärischen Fragen nicht so kollegial behandelt. Man erinnert sich wohl noch, wie im April dieses Jahres dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" der deutschen Presse ganz gehörig die Leviten las und von ihr verlangte,künftig weder Nachrichten über Erfindungen und Verbesserungen auf dem Gebiete der Heeresausrüstung noch über Hebungen solcher Spezialtruppen zu veröffent­lichen, von denen man annimmt, daß sie denen anberer Armeen überlegen sind". Damals wünschte die Negierung peinliche Geheimhaltung aller militärischen Tinge über­haupt, und daraus ist ja auch der unhaltbare § 9 des Spio- nagegesetz-Entwurfes hervorgegangen. Kriegsminister von Falkenhayn scheint doch etwas anderer Meinung zu sein und dieser Meinung auch bei den andern maßgebenden Stellen zum Siege verholfen zu haben. Er will nicht nur in der Ausschußberatung einen Weg suchen helfen, nm die Disharmonie zwischen dem Gesetzentwurf und den bcre<»> tigten Interessen der Presse in Wohlgefallen aufzulösen, sondern er ist überhaupt der ganz modernen Ansicht, daß es auch für die Militärverwaltung nur von Nutzen sein

Habinöra Nach Tagore als Dramatiker.

, war im vergangenen Frühjahr, an einem Maiabeud, fca ick in London einen indischen Dichter eines seiner Dramen vorlesen hörte," so beginnt Guglielmo Emanuel im (Sorrierc della Sera eine Schilderung der Eindrücke, die er als unbe­fangener Beobachter unb Zuhörer von der Persönlichkeit des in­dischen Nobelpreisträgers und seiner dramatischen Dichtung emp­fangen hatEin Zug milder Askese lag über diesem Antlitz, dessen Hobe Stirn zwei lockige Streifen grauen Haares schmückten, die bis über die Ohren hinabftelen; und grau war auch der Bart. Tie schönen sanften Augen breiteten über das Gesicht einen Aus- ^nKf von Melancholie. Er las mit wenig Gebärden und nut einer melodischen, aber etwas zu durchdringenden Stimme. Es Ivar eine seltsame Stimme, die fast nickt die feine schien und die nicht recht mit dem Ernst und der Wirde dieses Antlitzes und dieses Bartes zusammenktang: eine Frauenltimme. Der Mann, der hier seine dramatische Dichtung vortrug, war Rabindra Nath Taqore der Säuger Bengalens. Tie Vorlesung an jenem Abend ließ ganz gewiß nicht ahnen, daß der indische Dichter dazu aus- erwällt werden würde, in dje Gemeinschaft jener emzutreten, bic als die größten Tichter und Schriftsteller der Welt gelten sollen Die Dichtung, die er in einer englischen Prchaüberwtzung lad) dem bengalischen Original vortrug, war nicht bemertens- wer - das nickt große Publikum, unter dem man eine Anzahl Künstler und Schriftsteller sah, mochte sich eher zu, dem Zwecke eftigesunden haben, einen in einer andren WeltlMtte bekannten Dichter zu eljrtn, als daß es das Ziel der Zuhörer schien, grauen Genuß aus der Belanntschaft nut Jeinem Werke zu schopftm Und man begebt keine Indiskretion, »veun. man jagt, datzstch ein unbestimmtes Gefühl der Langweile icker die eurovastcheu Zu- börer legte, indes der Dichter seine Gerichte von Khitra erzählte. Sinard Shaw bci'trcbte sich, ein wohlwollendes Jnterefte an

Tim tu legen, aber dieser moderne Dichter mutzte 1 ick in seinem Empfinden sehr abseits von diesem mytholognchen Märchen des ^rftnt fühlen. Die Prinzestin Khitra war, ichon, mutig und eher als bis im Walde .Armna,> den .Helden tra bn aui 12 Jabre" em Gelöbnis der, Keuschheit ,abgelegt batte empfand sie zum ersten Rial Angst:' Angst datz er je - nickt'gewigend schön finden könnte. Aber dagegen bietet Indien ein Mfttel^ Khitra.bittet den Gott der Jugend, datz er ihr alle Reize der votlkommensten Schönheit verleibe- Und fte

was sie erfleht am ein Saftr. Astor bald suhlt die arme Kbftra iwß sie eine gefährliche Unbedachtsamkeit begangen hat. Denn dn Einsiedler & Waldes ist bereis lern Gelöbnis einer 19iäbriacn Wartezeit aufzugeben und das Verbrechen zu brechen.

beginnt Khitra ihre eigene Schönheit zu >ürchten, die Eifer­sucht auf ihre eigenen Reize quält sie. Unter fremdem Namen

Nr. 279 Erkies Blatt 163. Jahrgang Donnerstag, 27. November 1913

SMetzenerAilzeiger

General-Anzeiger für Oderhesien WM

Annahme von Anzeigen 67 ! * ' ' Bendt; für den

bis voruHuagT*"nium Rotationsdruck und Verlag der Srühl'schen Univ.-Yuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil: p. Beck.