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4.6.1913 Erstes Blatt
 
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deuten Lukacs gebrauchten beleidigenden Ausdruck für straflos

Wien, 4. Juni. Der Kaiser wird den Rücktritt Lukacz zweifellos annehmen. Als Nachfolger wird G r a f K h il n H c d e r- Dnti) genannt. Lukacz selber soll den Grasen Tisza vorge- fditagcn haben. Wie verlautet, soll aber auch Tr. 23 c 3 c r L c mit der Kabinettsbildung beauftragt werden.

sind somit gewählt. (Die Sozialdemokraten traten nur für die Fortschrittler ein.). ,

fiiciuifc (bisher 1 F., 1 Rats.). Gewählt wurden in der Stichwahl Tr. Pohl >F.) und Schäfer (St). Die Sozial­demokraten stimmten nur für den volksparteilichcn, nicht auch für den nationalliberalen Kandidaten. In diesem Wablkrepc waren die liberalen und konservativen Wahlmänncr ziemlich gleich an Zalsl. Die Prüfung der Wahlen hat, dann offenbar dm Kon­servativer ein kleines Uebcrgewiät verschaisl, das ihnen dann zu den einen Mandat verholten hat. Nach genauerer Meldung er­hielt in der Stichwahl Dr. Pohl (F.) 307, Schäfer (K.) 2<6 Stimmeu, während aus Witzmann 264 stimmen entfielen.

GörlikLauban (bisher 2 Natl. und 1 K.). A/ic hbc* rafat fönibibatcn v. Schenken do rf (Natl.), Fritsch (Natl) rind Haase '??.) wurden gegen die komcrvativen mit großer Mehrheit gewählt. Die Sozialdemokraten übten Stimmenthaltung.

Brandenburg.

cfrt der Stadt Berlin behaupteten fortschrittliche Vokks-partei und Sozialdemokraten ihren Bentzstand, bis auf den 12. Wahlkreis In dteem Wahl reis wurden abgegeben 343 Stimmen für den fortichrtttlicken Kandi­daten Dr. Rnnze, 331 für den Sozialdemokraten^E r n st und 37 für den Konservativen Ulrich. Es hat also ^tlchwaol Mischen dem fortschrittlichen und dem sozialdemolratschen Kandi­daten statt zu finden, der Termin ist aus Montag festgesetzt

.Oberbarnim-lNiederbarnrm (bisher 1 K., - gl., 1'9?) In der S t i ch-wa hl wurden gewühlt: Braun (OJ, Sffet (©.' >ind S8nif<6 (S.) mit ie 1119 ® tmmen. ®ä erhielten ferner Treskow (K.), Pauli unb Btctöen (Fr) je 769 Stimmen. Die. Liberalen enthielten sich der Abstimmung.

Westhavelland -Brandend u r g bisher 3 ft.). Es «Ketten »tebon> 'S ' und Ernst S ' >e .359, Brandcnftcm <K.> 353, Wenckebach Bpt. und Buhtz ie 204, Graue (Vpt.) 208 Stim­men, die drei Sozialdemokraten Sidow, Baron uno Fcaatz je 179 Görcke Mail? 25, Lindner 15 und Flacher lNatl.i 14 stim­men Es ist Stichwahl erforderlich zwischen Konserva­tiven und der Fortschrittlichen Doltspartci.

Teltow -Berlin-Wilmersdorf. Gewählt mann (Nat.) mit 1052 Stimmen und Pfarrer Traub (Vpt.) mit 1053 Stimmen. Gerhardt (K.) und Haselow (5t) erhielten ic 589 Stimmen. . . , ..1(L .,

Potsdam-Stadt. Eckert (Fk.) wtedergewahlt Mit 103 Stimmen. Leidig (Natl.) 99 Stimmen.

Westfalcn.

Dortmund. Im Wahlkreis D or tmu n d - San d (bis­her Z.) wurde Dr. Creme r (Natl. > mit o34 gegen 213 sozial­demokratische Stimmen gewählt. Er hat hiernach auch die meisten Zentrumsstimmen erhalten. . ,

Bochum. In Bochum-Herne (bisher Z.) wurde der national- liberale Kandidat Bergassessor A l t h o f f gewählt.

Rheinprovinz.

Wetzlar. Im ersten Wahlgang erhielten: Kriiger (Natl.) 93, v. Bodelschwingh (K.) 73, Kyrmse (Vpt.^ 49 und Kremser (S.) 12 Stimmen. Im zweiten Wahlgang wurde Kruger (Natl.) mit 142 Stimmen gewählt, während v. Bodehchwingh 73 Stim­men erhielt. f. r

Saarbrücken (bisher Natl.) Tie nationallibe­ralen Kandidaten erhielten 3382, der fortschrittliche 1390 Stimmen. ___

" Eine Nabinettrttise in Ungarn.

Au dem Fall Redl wirbelt in Ungarn noch eine andere Angelegenheit arge Auseinandersetzungen auf. "Der oppositionelle Abgeordnete De sh stand vor Gericht, weil er dem Minister- präsidenten unerlaubte Verwendung von Geldern für polityche Zwecke vorgeworfen hatte. Der Gerichtshof in Ofenpest ist nun am gestrigen Dienstag zu einem sreisprechenden Urteil gekommen, und Ministerpräsident Lukacz hat in einer Konferenz der Regierungspartei bereits mitgeteilt, er to~rbc dem Abgeordneten­hause die Demission des Kabinetts anjetgen, worauf das Hau-, bi5 zur Entscheidung des Königs vertagt werden, wurde

Aus der Begründung des Urteils ist folgendes her- vorzuheben: Da der Angeklagte Desh nachwies, daß der Minister­präsident bei dem Abschluß von Verträgen mit der U n g a r Urnen Bank von dieser einen Betrag von ü b e r b r c i JJt 1111 o n e n Kronen annahm, und es ferner vom Gesichtspunkte der Moral unzulässig ist, das ein Minister von einem nut dem Staate in Vertragsverhältnis stehenden Unternehmen irgendwelchen (Geld­betrag annimmt, wenngleich der Minister, wie irn vorliegenden Falle, sich nicht den geringen Berrnögensvorteil verschafft, sondern nur parteipolitische Zwecke gefördert hat, musste der Gerichtshof den vom Angeklagten Desy gegen den Mmifterprafi-

tommen, erl-alten die Mitteilungen besonderes Jnterepe, die weben über die Art und Weise veröffentliäst werden, in der Dr. Mawson, der F-ül-rer der australischen Polarexpedition, sein Unternehmen ins Werk gesetzt Ijai. Auch er hat in den antartlisck-en Regionen groste Gefahren zu bestehen gehabt, und zwei wackere Gefährten, Leutnant Ninnis und Dr. Mertz, durch einen ^meeihmn ver­loren, und must nod bis zum Dezember in seiner Einsamleit aus­harren. Seine Expedition gilt nicht der Erforschung des Pols, sondern nur goographisck-en Studien. Und nun sitzt er dort einsam im Polarcis,'nur von wenigen Männern und seinen Hunden um­geben, und steht doch in dauernder Verbindung mit den Manschen! Das kommt daher, das; er eine Station für draht­lose Telegraphie erridjtct hat. Diese Nutzbarmachung der mo- dernsteii aller Wissensck-aften verleiht seinem Leben einen Schimmer zauberhafter Romantik. Wie einer der Zauberer der Märchen Und Sagen, der in seinem Eispalast sitzt itnb doch alles über bic Menschen erfährt, haust er in der unnnetlichen Eisregion an feinem Llchparat. Da l-ört er die Kriegsschiffe einander Signale geben, liest die Zeit ab und hört die Gespräche der grosten Passagier- damnfer. Er spricht mit .Melbourne, Shdnev und Wellington, erführt von ihnen die neuesten Nachrichten, lässt sich über das Wetier berichten und gibt Kunde von der Witterung der oben EiSregion, ia teilt die Ergebnisse seiner Forschungen mit. Und auch das Gemüt erhalt Nahrung! Er erzählt drahtlos von den Schicksalen seiner treuen Hunde! Man kann diese Berichte nicht ohne grose Bewuiideiuiig und starke innere Anteilnahme lesen, und die Ptentasie .laubert ein Bild herauf von unerhörter Roman­tik, das- dort fein int Pol ar eis ein einsamer Mann lebt, der sein Leben der Wissensck-aft geweiht hat, imd mm dank der staunens­werten Fortsck.ritte der Wissenschaft ein Dasein führt, das dem eines alten Märchenzauberers bi treten# nichts nachgibl.

- Ein russischer Fäl scherpr o z e ß. In Moskau tet sich vor dem Geschworenengeincht wieder einer, der in letzter Zeit häufigen Fälscherpiwzesse abgespielt, der durch die^begleitenden Umstände die Erinnerung an die berühmte Tiara des Saitaphernes ans dem Louvre wachruft. Im Jahre 1908 hatte, lote der Cicerone berichtet, das Moskauer Historische Museum von einer Frau aus dem Volke einige Silberg egen stände für mehrere tarnend Mark erworben, auf denen sich alte Darstellungen mit scytbifclien Motiven befanden. Die Gegenstände sollten aus einem >yunbe int Gouvernement Iekaterinoslaw staminen. Dabei waren die Sack^'t so fein gearbeitet und die Komposition stilisttsch so aefchickt ausgeführt, dast die meisten russischen Archäolegen sie als echt anerkannten, toenir. auch -rini<TC Zweifel laut wurden. Schließlich hat aber die rfr.-mifd)C An al pst' des Silbers den unzweideutigen Beweis erbracht, dast es nwderner Herkunft ist. Man ermittelte daraus, dast eS sich um die Arbeiten eines nufarft geschickten «Silber« schmiedes in Odessa handelte, woher sa auch der Künstler der Pariser Tiara stamntte. Der Fälsckier hat mit seinen Erzeugnissen einen schwunghaften Handel getrieben, und es war ihm gelungen, mehrere Sammler in Odessa, Kiew und auch im Auslande hinter s Licht zu führen. . .

Kurze Nachrichten aus Kiinst u nb Wissen - schäft. Die Gesellschaft für wirtschaftliche Aus­bildung zu Frankfurt a. M. wird in der Zeit vom 14. bis 24. Juli 1913 eine zehntägige Ostmarkenfahrt veranstalten.

Die dreijährige Dienstzeit irr der französischen Kammer.

Paris, 3. Juni. Die heutige Besprechung in der Kammer über die dreijährige Dienstzeit verlies fitem hu) ruhig. Nur die Rede des Obmann-Stellvertreters ^vses Reinach, welcher entschieden für den dreijährigen Mili­tärdienst eintrat, rief einige lebhafte Auftritte hervor. Rer- nach erinnerte an die Haltung des Parlaments von l<yO, welches die Militärvorlage des Marsck>alls Niel abgelehnt und dadurch an der Niederlage des französischen Heeres mitschuldig gewesen sei. (Stürmischer Widerspruch links.) Der republckanisck)--sozicilistische Deputierte Augagneur rief:Gambetta hat mit einem improvisierten Heer bic Ehre Frankreichs gerettet!" ,

Der radikale General P e d o ha sagte: Frankreich wurde 1870 geschlagen, weil die Armee durch den mexikanischen Feldzug erschöpft, weil kein Mobilisierungsplan vorhanoen und der Jntendantnrdienst mangelhaft war. Re in ach entgegnete:Gambetta hat mit einer improvisierten Armee die Ehre Frankreichs gerettet, aber mit einer geschulten Armee hätte er Frankreich vor der Niederlage bewahrt!" Hierauf sprach der sozialistisckf-rabikale Professor Thala- mas gegen den Gesetzentwurf. Er erklärte, Frankreich stehe nicht allein. Es könne angefichts^der Bevölkerungs- fiiffer mit Deutschland nicht gleichen Schritt halten. Es müsste aber stark genug fein, um den ersten Anstoß aus- znhalten, es besitze aber die Entente evrdiale und das Bünd- nis Rußlands. Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß der französische (Heneralstab sich bemüht habe, die russische Regierung von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß sie Vorkehrungen treffen müsse, um im Bedarfsfälle ihre Mobi­lisierung beschleunigen zu können.

Hierauf wurde die Aussprache abgebrochen, und der sozialistische Abgeordnete P a i n l e D e begründete seine An­frage über das Polizeiverbot gegen die Kundgebung der republikanischen Studenten vor dem Feanne d'Arc-Denkmal sowie seinen Beschlußantrag, daß der Bekundung der repu­blikanischen und sreidenterischen Gesinnung keine Hinder- nisse bereitet werden möchten. Der Minister des Innern .Klotz erklärte, daß der Leiter der Geheimpolizei eigen­mächtig vorgegangen und deshalb pensioniert worden sei. Er nehme übrigens anstandlos den Beschlußantrag Pain- leves an, welcher durchaus den Tendenzen der Regierung entspreche. Hieraus wurde der Beschlußantrag mit 483 gegen 17 Stimmen angenommen.

©esttidKs Kced».

Der Kaiser in Ahlbeck.

Das Kaiserpaar jraf am Dienstag um 2,30 Uhr in Ahlbeck ein. Die Majestäten begaben sich in den Auto­mobilen nach dem Kinderheim; der Ort war festlich geschmückt. Abends um 10,50 Uhr traf das Kaiserpaar' wieder in Wildpark ein.

Geldern, 3. Juni. In Erwartung des Besuches des Kaisers aus Anlaß der Z w e i hu n d e r t j a h r -F ei e r der Zugehörigkeit des Herzogtums Geldern zu Preu­ßen hat die alte Herzogstadt Geldern ein glänzendes Fest­gewand angelegt. Am Balstihaf GeldernKölnMinden ist die Wartehalle zu einem Empfangsraum umgebaut wor­den. Bor der Rampe, wo der kaiserliche Wagen hält, wird ein breiter Läufer gelegt und rechts und links 0>ruppen von Lorbeerbäumen und Palmen angebracht. Manche der da zur Schau gestellten Riesenpalmen repräsentieren Werte von mehreren tausend Mark. Der Marktplatz mit dem seiner Enthüllung harren­den K a i s e r-W i l helm-De n km al, ein Werk des Pros. Schaper-Berlin, trägt ein herrliches Festgewand.

Militär!) oh kott einer Zeitung.

Das Generalkommando des 15. Armeekorps hat den Militärpersonen des Korpsbereiches das Halten der Straßburger Neuen Zeitung" verboten. Der Grund zu dieser Verfügung ist in der abfälligen Kritik zu suchen, die das Blatt über einen jüngst in der verkehrs­reichen Mittagsstunde vom kommandierenden General am Broglie-Platz angenommenen Vorbeimarsch einrückender Artillerie gebracht hatte. Der Vorfall hatte auch eine An­frage in der Zweiten Kammer des elsaß-lothringischen Land­tages veranlaßt.

Anslanv.

Neue Steuern in Behgien.

.Aus Brüssel wird gemeldet: Infolge der von der Kammer beschlossenen Reform der allgemeinen Wehrpflicht werden 30 Millionen ordentliche Heeres- ansgaben und jür die Festungsbauten gebraucht. Die neuen demnächst vor das Parlament gelangenden Steuern be­stehen in einer Besteuerung der in Belgien Filialen be­sitzenden ausländischen Aktiengesellschaften und deren Emis- sionsgeschäfte, ferner in einer Erbschaftssteuer, die unter Ausschluß von Söhnen und Töchtern alle Seiten­verwandten betrifft, in einer Filmste ne r, einer ver­stärkten Jmm ob ilien steuer und in einer Erwei­terung der Plakatsteuer.

Zum Falle Redl.

Die WienerMilitärische Rundschau" dementiert die im Zusanrmenhang mit der Angelegenheit Redl in der Tagespresse aufgetanchten .Gerüchte von einer beabsick)- ligten oder bereits erfolgten Demission des Generalstabs- ckwfs Conrad v. Hoetzendorf, des kommandierenden Generals von Prag Freiherrn v. Giesl und sonstiger hoher militärischer Funktionäre.

Im Abgeordnetenhaus brachten "die Christlick)>-Svzialen eine Anfrage zu dem Fall Redl ein. Sie beklagen, daß man, anstatt Redl vor ein Militärgericht zu stellen und ihn der gerechten Strafe zuzuführen, das Berbrecten des Selbst­mordes na he legt und die Oeffentlichkeit durch die unwahren Meldungen über den Selbstmord irregeführt habe. Dieses Mittel sei nicht geeignet, die Standes^rg der Offiziere zu schützen und die Ausregung der Bevölke­rung zu beruhigen.

Gkuppenfltzllng

de; allgemeinen deutschen Zrauenverein;.

Frankfurt, 3. Juni. In Gegenwart von Vertreterinnen aus mein als 50 Städten und Ortschaften der Uingebüng FranHurts begann heute die erste G rnppen tagu ng des all g. deut­schen F r a u e n v e r e i n s im hiesigen kaufmännischen Verein. Nach einer Begrüßungsansprache der Vorsitzenden Frau Zenny

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Apolant (Frankfurt) sprach iyrau Martha Back (#yranffite) über Die Bestrebungen des allg. deutschen Frauenvereins', tn bent sie ein Bild der fast .50jährigen Geschichte des Vereins entwarf um bann die einzelnen Erfolge der Frauenbewegung »d besprechen Frau Alice Bensheimer führte bann in die praktische Bekämpfung der Tuberkulose ein. An beide Vorträge schlossen sich rege Aussprachen, an denen sich vor allem Frmi Prosessor Edinger, Frau Lands berg, Frl. Hartmann ouS Frankfurt und Fran Jellineck <Heidelberg> und Frl. Dl uni aus Allendorf a. d. W. beteiligen. Den Schlußvortrag hielt Frau Heraeus (Offenbach) überdie Mitarbeit der Frau in der kommunalen Armen- und Waisenpflege". Später folgten Besichtigungeii von Krippen. Am Mend fand eine öffentliche Versammlung statt, in der Frl. Sophie Steinhaus (Franffurt) und Frl. Dr. Kröhne (Womis) überdie Fürsorge für die weibliche Jugend in den Weckrselbeziehungen zwischen Stadt und Land" sprachen. ______________________________________

Aus Stadt mid CanD.

Gießen, 4. Juni 1913.

Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat dem Oberlehrer an dem Ludwig-GeorgS-Gyninnsiiim zu Darmstadt Dr. Will). Hamann den Charakter als Prosesior erteilt und den Lehramtsassessor Rob. Köhler auS Lich zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Bensheim ernannt.

'* Ruhestandsvcrsctzung. Der Großherzog hat den Direktor an der Landes-Heil- und PflegeanstaltPhilipps- hofpitaf bei Goddelau Medizinalrat Dr. Rud. Mayer auf fein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner treuen und ersprießlichen Dienste, unter gleichzeitiger Verleihung des Charakters alsGeheimer Medizinalrat", in den Ruhestand versetzt.

* * A u§ dem Militär Wochenblatt. Vollen, Hauptmann und Komp.-Chef im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 wurde als Lehrer zur Kriegsschule in Metz versetzt.

Landw. Schulwesen. Der Großherzog hat den zweiten Landwirtschaftslehrer an der landwirtschaftlichen Winteischule Michelstadt Dr. Karl Vogeley zum zweiten Landwirtschaftslehrer an der landwirtschaftlichen Winterschule Worms ernannt.

* * Ernannt wurde der Gefangenwärter am Hastlokal in Lampertheim Karl Stork zum Gefangenauffeher an der Zellenstrafanftalt Butzbach.

Vom Landtagsabg. Prof. Urstadt erhalten wir folgende Zuschrift:

Herr Dr. Linse ist mit meiner Agitation im Odenwald unzufrieden. 9hin, sämtliche Versammlungen, die ich dort hielt, waren öffentlich mit freier Aussprache. Da hatte er Gelegenheit gehabt, mir entgegen,vutreten, wie er ja auch androhte, aber ich habe ihn vergeblich erwartet. Im ^lpril sprach ich hier in öffent­licher Versammlung mit völlig unbeschränkter Diskusiion. Auch da benutzte Herr Tr. Linse bic Gelegenheit nicht. Statt dessen macht er seinem Herzen in einer Vereinsversammlung Luft, zu der zwar Gäste eingeladen waren, in der aber freie Aussprache nicht angetünbigt war. Ich verzichte deshalb darauf, den völüg un- verfänglick-en Zusammenlxing darzulegen, in dem ich den Aus­druckL i n s e n g e r i ch t" brauchte, und überlasse es den Lesern, zu entscheiden, in .ivelche Klasse der Agitatoren Herr Dr. Linse gehört, wenn er mich in die 4. stellt.

Gießen. O. Urstabt.

Wir haben von der Zuschrift Notiz genommen, obgleich Pros^lrstadt unter sein letztes Schreiben an uns die Wen­dung ,m i t g e b ii h r e n d e r Hochachtung" gesetzt hatte. Wir wollen der Eigenschaft Urstadts als Landtagsabgeord- ncter Rechnung tragen. Bom Standpunkte einer Einigung des Liberalismus in Hessen kann das VorLeheu des Herrn Urstadt nicht als förderlich angesehen werden. Herr Dr. Linse, der Geschäftsführer der Freien Vereinigung Hess. Nationalliberaler verfolgt bekanntlich die Tendenz, gewisse Einflüsse, die auf den rechten Flügel der Nationalliberalen, einwirken, zu bekämpfen, und.in dieser Richtung bat die Volkspartei, die in Gießen von der letzten Reichstagswahl her zudem einige Rücksichten üben will, schwerlich Einwen­dungen zu erheben. Anspielungen wieLinsengericht" waren baljer nicht nützlich und höchstens geeignet, das politische Leben zu verbittern. Besondere Diskussionsabenda über solche Entgleisungen sind aber gewiß nicht nötig: sie sind dazu doch nicht ernst und wichtig genug.

Die Festrede dc§ Rektors, die gelegentlich der Jahrhundertfeier im Stadttheater gehalten wurde, erscheint heute zu einem Teil in den Gießen er Farn ilien blättern.

Gewerbeinspektion Gießen. Der Großherzog hat den Maschineningenieur bei der Dampskesselinspektion Diplom-Ingenieur Dr. Gust. Stöckle zu Darmstadt zum Assistenten bei der Gewerbeinspcktion Gießen ernannt.

* * Für bas Nationaldenkmal auf der Elisen- höhe bei Bingen sind in Gießen 2520 Mark gesammelt worden.

* * Zu dem Selbstmord Jahmcl wird uns mitgeteilt, daß der Mann nicht mehr Insasse der Provinziate siechenanstalt war. Er ist am 28. Mai mit Zustimmung des Armenamtes aus der Anstalt entlassen worden.

**UeberdicBrandstiftung des Drechslers Wal­ther erfahren wir noch: Walther hat das Feuer mittels Holz­wolle und Terpentin entfacht, nachdem er kurz vorher einen Streit mit feiner Frau gehabt hatte. Der Täter, der schon seit langen Jahren an hochgradiger Nervosität leidet und wiederholt in der Psychiatrischen Klinik unter gebracht war, hat seit 68 Jahren nicht mehr gearbeitet und die Er­nährung seiner Fainilie der Fi:au überlassen. Vielfach wurde angenommen, daß der Mann ein Simulmit sei, der es nur darauf abgesehen hatte, nicht mehr zu arbeiten. Mit seiner Frau hatte Walther stets in Unfrieden gelebt und er hat die fleißige brave Frau häufig auch mißl)and<ckt. Frau Walther selbst behauptet, ihr Mann habe das Hans lediglich in der Absicht angesteckt, sie und ihre 6 Kinder, bau denen das jüngste V/2, das älteste 12 Jahre alt ist, in dem Feuer umkommen zu lassen. Erst als er das Feuer aufflammen sah, sei er sich wohl des Schrecklichen seiner Tat bewußt geworden, denn er sei zu ihr gekommen und habe ihr gesagt: Es brennt draußen. Die Frau hat die Kinder geweckt und bann von der .Habe retten wollen, was noch zu retten gewesen, aber die Flammen hätten sie daran gehindert. Es sei ihr nur möglich gewesen, zwei Bett- btxfen ins Freie zu bringen. In der Verwirrung hätte sie vergessen, ihr kleinstes SHrib in Sicherheit zu bringen. Sie stürzte nochmals in das schon lichterloh brennenbc Haus und schaffte mit knapper Not bas Kinb ins Freie. Bei seiner ersten Vernehmung hat Walther die Sache so dar- gestellt, als ob feine Frau nach dem Strpit den Brand am. Rache angelegt habe. Er hat aber später ein offenes Ge­ständnis seiner Schuld abgelegt. Das 1 Vsiäbrigc Kind der Frau ist im Säuglingsheim untergebracht. Wie uns hierzu nod) von anderer Seite mitgeteilt wird, dürfte Walther oie Tat wirklich in einem Augenblick geistiger Verwirrung be­gangen haben, denn er hatte nicht einmal seine Papiere,

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