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31.1.1913 Erstes Blatt
 
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rluslanv.

Der englische Flottenv oranschlag für 1914.

Nach derTimes" erivartet man, daß der Flottenetat des kommenden Jahres sich zwischen 46 und 47 Millionen Pfund Sterling bewegen wird. Das würde eine Zunahme von ungefähr zwei Millionen Pfund Ster­ling (40 Millionen Mark) bedeuten.

** Ordensverleihungen. Der Äroßherzog Hal dem bisherigen preußischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Großherz-oglichcn Hofe Dr. Freiherrn v. Ionisch das Grvtzkreuz des Ludewigs- ordens verlieben. Der >tönig von Preußen hat die Rote Äreuzmedaille 2 Klaffe verlieben an die Fürstin Em ma zu So l mS -S? o h ensvlm s - Lich und an Frau Geheime Justizrat Gebhardt zu Gießen.

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** Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Lehrer Hch. Bernhard zu Worms zum Lehrer an der Vorschule der Oberrealschule daselbst unter Belassung ui der Kategorie der Vollsschullehrer. Erledigt sind die mit einem cvan'a. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Weiten-Gesäß und eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Rüsselsheim.

** Die Verordnung für die Reifeprüfung an den O ber r ea l schu l en vom 28. August 1901 hat bei der Ziffer 6 des £ 15 folgenden Zusatz erhalten: .-.Ferner hat sick die mündliche Prüfung in jedem Falle auch auf die Physik und die Chemie zu erstrecken." Dementsprechend ist fortan bei den Rcife- vrüfungcn an den Obcrrcalschulen, soivcit es sich um Prüflinge handelt, die der prüfenden Anstalt nicht als Schüler mtgehören, zu verfahren. Für die Abiturienten bleibt cs bei den feiltengm Bestimmungen. Auf der Direklorenkomcrenz vom 16. Dez. 1911 ist allgemein als Bedürfnis anerlannt lvorden, für die Be­handlung der neuesten Geschichte in der Oberprima mehr Zeit zu gewinnen, als nach der üblichen und für die Gymnasien und Oberrcalschulen auch ausdrücklich voryeschrirbencn Stoffverteilung zur Verfügung steht. Als vorläufig einziges Mittel zu diesem Zweck bczeichncren beide Berichterstatter über­einstimmend und ohne Widerspruch zu finden eine andere Abgren­zung der Lehraufgaben zwischen Unter- unb Oberprima. Tas Ministerium des Innern, Llbteilung für Schulangelegenhe len, hält diesen Vorschlag für woblbegründet und bat deshalb für die Folge bestimmt, daß alle 3 Schulgattungcn in der Unterprima das Mittelalter und die neuere Geschichte bis 1740, und in der; Oberprima die Geschichte von 1740 bis zur Gegenwart zu be­handeln haben.

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Der Haupt­mann und KricqSschutlehrer K oct tschau in (Slogan (früher im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, wurde zum Major befördert.

Stadttheater. Am FaschingS-DienStag- Nachmittag wird im Stadttheater bei VolkSpreisenKlein Däumlings als Kinder-Vorstellung gegeben werden. Auf diese Vorstellung wird besonders hingewiesen, da sie eine Neuheit für Gießen bedeutet; man erwartet, daß die kleinen Besucher sich im Maskenkostüm cinfinbcn werden. Da? Haus dürfte dann bei dem zu erwartenden starken Besuch einen fröhlich-festlichen Eindruck gewähren.

Die Schi-Wettläufe auf dem Hoherodskopf sind auf den 8. und 9. Februar verlegt worden.

"Gewerbliches. Am nächsten Sonntag Vor­mittag 101^ Uhr hält auf Veranlassung des Bezirks- verbandeS Reallehrer Kahl aus Darmstadt im EafH Ebel einen Vortrag überBedeutung und Aufgaben der Gewerbevereine in der Gegenwart", zu dem sämt­liche Handwerker und sonstige Interessenten Zutritt haben.

** Karneval. Von der (Siebener Karnevalgescllschaft wird uns geschrieben: Für die Karnevalstage ist das Programm nun­mehr endgültig zusammengestellt. Gemäß eines Beschlusses der jüngst abgehaltcnen Versammlmig, in der Vertreter verschiedener hiesiger Vereine anwesend waren, hat man von einer größeren Feier Ab st and genommen. Am Samstag abend findet Zapfen­streich statt mit daran anschließender Feier im Cafä Amend. Am Sonntag ist abends in Steins Garten Tamcnfrtzung, für die erste auswärtige Redner gewonnen sind, und bei der cur EröffnungsspielJin Himmel und auf Erden" gespielt wird. Am Rosenmontag wird der Prinzenball abgehalten, dessen Glanz­punkt der Einzug des Hofstaates bilden wird. Am Fastnacht dienstag wird am Nachmittag eine Kappens ahrt statt- ftnbcn. Der für die Korsoauffahrt gcbilbetc Ausschuß hat eine rege Tätigkeit entfaltet. Tie Veranstaltung wird für tStcfeen ( gänzlich neu sein. Am Dienstag abend ist Schlußfeicr -'m Hole; Einhorn. Ter musikalische Teil sämtlicher Veranstaltungen wir» von der hiesigen Regimentskapelle ausgeführt.

Starkenburg und Rheinhessen.

(ch.) Bingen, 30. Jan. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte sich mit der Rheinbrücken­frage. In der Aussprache würbe betont, daß die Brücke so italje als möglich an Bingen he ran kommen müsse. Der Vertreter der Stadt im Landtage, Abg. Soherr soll er­sucht werden, in diesem Sinne zu wirten.

Kreis Wetzlar.

b. Braunfels, 30. Jan. Bürgermeister Weber tritt mit dem 1. Juli au8 Gesundheitsrücksichten in den Ruhe­stand. SanitätSrat Dr. ® er ft er wurde der Charakter eines Geheimen SanitätSrates verliehen. Die durch den Tod deS KreiSfchulmspektorS Thrautig erledigte Stelle wird nicht mehr besetzt, der Kreis Wetzlar erhält einen KreiS- fchulinspektor im Hauptamt. Bisher tuar der Kreis be­kanntlich in drei Schulaufsichtsbezirke eingeteilt, die im Neben­amt verwaltet wurven.

Hessen-Nassau.

h. Marburg, 30. Jan. Wohl selten bat eine kom> munale Frage so viel Aufregung in die Bürgerschaft ge« tragen, wie das vor drei Monaten angeregte Projekt der Errichtung einer Mittelschule. Interessenten sammelten zahlreiclfe Unterschriften und reichten eine Bitt­schrift bei den städtischen Behörden ein, daß die neue Mittel­schule schon zu Ostern eröffnet werden solle. Gestern abend beschäftigte sich eine von der Dählervereinigung der 3. Ab­teilung einberufene Bürgerversammlmig mit der Angelegen­heit. Oberlehrer Dr. W e i ch e l t hielt einen Vortrag über Mittelschulen" und hieran knüpfte sich eine scharfe Aus­sprache, an der sich besonders die Lehrer beteiligten. Bei der i'Gsttmmung erklärte sich die Mehrheit gegen die Mittel­schule. Heute wurde bekannt, daß die 6tabt) djuß)epiitation sich gestern gegen bic Mittelschule erklärt unb den Ausbau bcT Volksschule durch Einfügung von Nebenklassen in Er­wägung gezogen hat. Da die Unstimmigkeiten im Mar­burger'Studentenausschuß noch nicht beigelegt sind, lehnt c Professor Heymann den für morgen bestimmten Fackel­zug ab.

w Wiesbaden, 31. Jan. Der seit einigen Jahren von seiner Frau getrennt lebende Musiker Schultze drang gestern in die Wohnung seiner Frau und gab mehrere. Revolverschüsse auf sie ab. Die 54jährige Frau ftarfy bald nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus. Schultze erschoß sich ebenfalls.

(h) Niederreifenb erg, 30. Jan In dem Keller eines hiesigen Arbeiters wurde von der Gendarmerie eine vollständig eingerichtete Falschmünzerwerkstättc entdeckt. Der Raum war von einem fremden Mechaniker gemietet worden Der Mann wurde verhaftet, entsprang aber in der nächsten Nacht aus dem hiesigen Haftlokale.

(BcricbtsfaaL

ui. Offenbach a. M., 31. Jan. Auf lange Jahre ri.nschädlia gemacht wurde der ehemalige Offenbacher Anarchistenführcr Willi Eisenreich, der unter der Maske eines Händlers und Stof porteurs Jahre lang fein Leben von SÜberdiebstählen und schwerer. Einbrüchen triftete. 'Zahlreiche Cilberdiebstählc unb Wohnung? cinbrüche, die hier und in Frankfurt, Hanau und aliberal Cna: verübt wurden, wurden ihm zur Last gelegt, aber immer wußl er sich inieber aus der Schlinge zn ziehen. Eifenreich, deyl bi- Silberdiebftähle noch nicht nachgcwicjen

Aus Stadt «nd Land.

Gießen, 31. Januar 1913.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten konnte erst gegen 5 Uhr beginnen, da die Stadtväter vorher nicht in beschlußfähiger Anzahl zusammen waren. Das liegt daran, daß bas Kollegium durch Todesfälle und Austritte vier Mitglieder verloren hat und einige Stadtverordnete wegen Krankheit usw. nicht erscheinen können. Die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung wurde dann in etwa einer Stunde erledigt, trotzdem sie 25 Beratungsgegenstände aufwies. Da die '23c grün innig, die Stadtv. K r u m m der Mitteilung über seine Mandatsniederlegung beigegeben hat, nach der Städtcordnung nicht stichhaltig ist, fand er sich bereit, sein Mandat bis zum Ablauf )einer Amtszeit 31. De­zember d. I. auszuüben. Der Antrag aus Errichtung einer Fortbildungsschule für weibliche An­gestellte im Handelsgewerbe, dem früher grund­sätzlich zugestimmt worden war, wurde nicht beraten. Auf eine Anfrage des Oberbürgermeisters hat nämlich das Mi­nisterium mitgeteilt, daß bei der Revision des Volksschul­gesetzes, die im Ministerium bereits in Angriff genommen ist, die Einfülfrung des obligatorischen Fortbildungsschul- unterrichts für Mäbchen in Aussicht genommen ist. Er­freulich und bemerkenswert ist es, baß der Voranschlag bei Armenkasse trotz ber jetzigen hohen Lebensmitte l- preise mit einem etwas geringeren Zuschuß aus ber Stadt- fasse ab geschloffen werben tonnte, wie der für das laufenbe Verwaltnngsjahr.

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** Tage Skalen der für Freitag, den 31. Jan.: Stabt- t h e a t c r:Hedda Wähler.- Anfang 8 Uhr.

Gießener freie Studentenschaft. Vortrag von Prof. Messer über Fichte. Abends 81/, Uhr in Steins Garten.

Mark, gegenüber der -Nvilligten Teuerungszulage ein Mehr von rund 560 000 Mk. Die Großh. Regierung hat mehrer Vorlage berechnet, daß der jährliche Bedarf bis zum Jahre 1920 ani rund 3,30 Million'm aMrk steigen wird. De Deckung dieser Summe soll aus Ersparnissen der Staatsverwaltung aus dem natürlichen Einnahmezuwachs, aus den Etatsüber­schüssen, durch Entnahme aus dem Rcstefonbs, durch .Heran­ziehung der Städte und Gemeinden zu den Kosten der höheren Schulen und endlich vom Jahre 1916 an durch eine Steuer- erb"huna in Hole von 5 Prozent bei d^r Einkornmenitcuer unb 5 Pfennig pro 1000 Mk. bei der Vermögenssteuer er­folgen. Tie Unterlagen für diese Teckunasrechnung und m sehr zurückhaltender Weise ermittelt. Eine xatfacfie iber wurde bei der Rechnung von der Großh. Regierung vollständig außer Acht gelassen, nämlich, daß ber Ausglei ck S f o n b s am Ende des Rechnungsjahres 1913 gefüllt ist. unb daß bcshalb nach ben Bestimmungen bcs Tilgungsgeietzes vom 17. Juli 1912 die gesamten Reinerträge ber Enenbahneii, ab­züglich der 2 Millionen Mark, bic in den Staatshaushalt fließen, einem Rcstefonbs zugeführt werben müssen.

Rach dem Tilgungsgesetz vom 17. Juli 1912 ist der Aus­gleichs- und Tilgungstonbs in seiner Höhe aus 8 Millionen Mark begrenzt. Ter AnSaleicksfondS bett'gr pxbe 191/ Millionen Mark und wirb Ende 1913 voramchlagsmamg >,< Millionen Mart enthalten: in Wirllichkeit aber wird er wahr­scheinlich schon früher angcsüllt sein, denn es brachten die X-iicn- bahnen schon im Jahre 1911 eine Einnahme von 1 < 8o2 517 Mark, die Steigerung hat im Jahre 1912 angehalten, wahrend in dem Etat 1913 nur 17,4 Millionen Mark eingestellt pnd.

Es darf hiernach also erwartet werdeii, daß jcneiu .helfe- fonds im nächsten Jahre aus den Eisenbahneinn-ibmen erheb­liche Summen zufließen 'werden, unb es unterliegt tebtcin Zweifel, baß die von der Großh. Regierung vorgc|cl>ene S r e n e r e r h ö h u n g n i ch t n o t w e n b i g s e i n w i r b , ivcnn man diese Eis-rnbofoncinnafome für die Verwaltung il'.'l' mackt.

Tie Großh. Rcgicrrng sieht in ihrem Teckungsplan vom Jahre 1915 an eine Steuer m e h r einnalnne durch ^uerer- höhung von 863 060 Mk. vor. Dieser Betrag erfocht sichln den nächsten Jgforcn um den natürlichen Steuerzmoackis. ^te Eisenbafoneinnahmen brachten nun in den letzten Zähren ivcnn man das geltende Ausgleichsiondsgesetz auf die JUfore 1911 und 1912 anwendet durchschnittlich jährlich tunb 4,d Millionen Mark in den AusgleicksSronds. Bei zu erwartender Stabilität der Einnahmen auf dieser Höhe könnten .nindciteno rund 2 Millionen Mark icnem Restesonds in Zukunft Anliegen. Aus dieser ständigen Znfüfornng aber könnte nicht mir ber noch für die Beamtenbesolbung fehlende Betrag von 863 ^)60 Mk. entnommen werden, sondern es könnte auch der iiaturlia?-? Steuerzuwachs gedeckt iverben unb es würbe noch ein weiterer lleberschuß bersügbar sein. Diese Mehrüberschüsse wären dazu zu verwenden, bic Steuerzuschläge, bic im Jahre 1910 bewilligt wurden, langsam abzubanen.

Tie wiebcrholtcil Erklärungen des Finanzausschusses be- lveisen, daß die Erste Kammer aufs ernsteste bestrebt ist, bic angekündigte Vereinfachung ber Staatsverwal­tung burchzuführen unb bamit wesentliche Ersparnisse zu er­zielen. Anregungen auf Verstaatlichung des Nota r i a t s unb ähnliches können in ihrem Erfolge zu weiteren Einnahme­steigerungen für bic Staatskasse führen.

Deshalb nimmt ber Finanzausschuß ber Ersten Kammer folgende Regelung in Aussicht:

Aus ben auf Grnnb bcs Artikels 9 des Tilgnngsaesckes nach Auffüllung bcs Ausgleicksfonds auf den gesetzlichen Höchst­stand von 8 Millionen Mark in einen Rcstefonbs fließenben Eifcnbahneinnafomcn ist ein Steuerrcgulierunasfonbs zu hüben; biefent Fonds ist dis zum Jahre 1920 der Betrag zu entnehmen, der zur Bestreitung ber Bebürfnisse ber Besoldungsresorm in dem bctrcffciiben Etatsjahr notwenbig ist, soweit nicht aus anderen Staatseinnahmen Deckung erfolgt.

In ber folgenben Aussv rach e wurde verschiedentlich hervorgehohen, daß allerdings durch die erfreuliche finanzielle Enttvicklung jedenfalls eine Steuererhöhung int Jahre 1915, bic von der Regierung ins Auge gefaßt worden war, hintangehaltcn werben könnte. Weiter wurde bic Abneigung der Bevölkerung, die Beamtcnhcsolbungsvorlage mit einer Steuererhöhung, wenn auch erst in späteren Jahren, zur Vcrahschiebung zu bringen, bargetan. Von einzelnen Rednern iourbc aber bezweifelt, oh man jetzt schon bestimmte Pläne wegen der Steuer in den folgeiidcn Jahren fassen könne, insbesondere ob eine Herabsetzung her Steuer jetzt schon praktisch behandelt werden könnte. Von einzelnen Mitgliedern bcs Finanzausschusses ber Zweiten Kammer würbe bem Gedanken Raum gegeben, bei einer (Steuernerminberung bic untersten Klassen ber Einkommensteuer freizugeben unb ba- dnrch auch bas Steuerminimum Hessens an basjenige Preußens heranznbringcii. Tie Notwenbigkeit weiterer Bc r ein­fach ungen ber Staatsverwaltung wurde allseitig an­erkannt unb nicht allein vorn sinanziellen Standpunkt aus, um Ersparnisse zn erzielen. Schließlich ging man aus 'die einzelnen Kapitel des Hauptvoranschlages ein und blieb bei der Behandlung her Frage der Gehälter der Schreibgehilsen stehen. Tic Verhandlungen werden morgen fortgesetzt.

ff L-s rst L>l Englands.

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Verlege fcnJ, der Köm rndien, wie ltdtgn, von de krdtt vor den ' flmibantetten. Kfl England, n inylligleit für ünöten an, uni Aiden, daß an Sruij von Wall M Tamen err kf. 5)etfE blikanßche Par Mauern rühmi

Ein Mißstand in der Nähe des Bahnhofs Bad-Nauheim.

Ter Mg. Joutz hat in der zweiten Kammer folgende dringende Anfrage gestellt:

In nächster Nähe des Bahnhofs zn Bad-NauheiM an der Moltkcftraßc befinden sich bic Reste einer etwa vor zweiIahren bnrch einen Branb zerstörten Fabrik feuerfester Steine und erregen nicht nur Aussehen bei mit ber Bahn vorbeifahrenden Personen, sonbern auch bas Mißfallen vieler Kurgäste unb Einheimischen. Die Nichtbeseitigung bieser Ruinen, bicses für einen Babeort ersten Ranges bnrch seinen langen Bestand unbegreiflichen häßlichen Suftanbcs, soll bamit Zusammen­hängen, baß keine Einigung erzielt werden könne zwischen Großh. Brandversichernngskarmner und dem Besitzer der ehemaligen Stein­fabrik. Am 17. März wirb, wie bestimmt verlautet, Ihre Majestät bic deutsch e K a i s e r i n wiederum für einige Wochen zn einer Kur ei »treffen unb ber Empfangspavillon wirb an benannter Moltkestraße voraussichtlich nur etwa 150 Meter von dieser mißstänbigen Branbstätte zu stehen kommen. Bab-Nauheim hatte im vergangenen Jahre rund 36 00 0 Kurgäste, welche zwischen 1215 Millionen Mark, vorherrschenb aus bem näheren unb fernere« Ausland in unser kleines Land gebracht haben dürsten, unb selbst ber Lokalverkehr zwischen Frank­furt unb Gießen n a ch Bab-Nanheim ist ein so leb­hafter, daß tut Jahre 1911 beispielsiveise bei der Main-Weser- Bahn 27 0 000 Fahrkarten gelöst wurden. Ter hessische Staat hat in dem Voranschlag für 1913 zur Deckung von Aus­gaben für allgemeine Lanbesbedürfnisse aus ben Einnahmen des Babes 200 000 Mark vorgesehen unb bic Staatsstcuern, welche die EinwoHiier von Bab-Nauheinr bezahlen müssen, sinb sehr beträchtlickw.

Unter ben vorstehend geschilderten Verhältnissen ist doch der lange Bestand des oben bemerkten Mißstandes nidit am Platz gewesen, denn solcher Zustand kann nicht jur Verschönerung des Badeortes ober znm Nutzen bet in ber Nähe der Branbrnine wohnenden Steuerzahler bienen, unb es ist bic baldigste Bc l'citigung bicses Zustandes gewiß geboten. Als Abgeordneter für Bad-Nauhenn richte ich deshalb an Großh. Regierung die Anfrage, ob sie nicht gewillt ist, ihren Einfluß bei Großh. Branbversichcrungskanrmer dahin geltend zu machen, baß, wenn diese langstielieicn Branbentsclfädigungsvcrhanblungen noch he­fte ben sollten, iclbft, sollte es ein Opfer kosten, baldigst beenbigt, bis zur Ankunft ber K a i s e r r n b i c f c Brandruin en entfernt sind und ein seither so vernachlässigter Stadtteil Bad^Nauheüns ein Bad-Nauhcim würdiges Ansehen erhält. Gegen einen Wiederaufbau der Steinfabrü, deren Bau seinerzeit an jener Stelle gar nickt hätte genehmigi werben sollen, dürften ul E. solvohl für ben hessischen Staat als auch für die Eisenbahn vcnualtung gcnügtmbe gesetzliche (Tünoe vorhanden sein, und solche lange Verhandlungen sind nach Sachlage schwer verständlich.

politische Tagesschau.

Ein Ru dichreiben der französischen Regierung.

Die französische Regierung hat vor tutzem an bie rauzösischeu Gemeinden einige Rundfragen gerichtet, die hi der deutschen Ocssentlichleit nicht unbeac^et bleiben dürfen. Tic Rundfragen lauten, wie dieKöln. ZtgV mttteilt, wie folgt:

Bestehen in der Gemeinde industrielle, kauffnännische oder landwirtschaftliche Unternchmmigcn, die Ausländern oder aus­ländischen Gesellschaften gehören? Bestehen in der (pcnteuiöc industrielle, kauffnännische ober landivirffchastlickc Untcrnehmun- gen, die an sich zwar Franzosen gehören, die jedoch als -eiter und Ingenieure Ausländer angestellt haben, ober bie mich unter bem hohem Personal unb unter bem uiebern Personal i.luSIander beschäftigen? Im Bejahungsfälle jst in der Beantwortung des Rundschreibens mitzuteilen, wclckics bic Art ber Unterncljmuitgcn ist und ivorin seine Bedenmng besteht. Ob sie Anlagm, die im Ausland gelegen sind, besitzt und ob sie im Ausland Zweigstellen Hal. Wenn cs tatsächlich in Beziehung mit dem Ausland Iwfot, so ist sestzustellen, welche Bürgsckafteii vom nationalen Gcnchts- pnnkt aus Eigentümer und höheres Personal bieten, welcher Staatsangehörigkeit sic sind. Auch jede andere Auskunft in vieler Richtung hin ist geboten und von Wett. Was das niedere Vvrional angeht, so ist sein Gesamtbestand anzugeben. Es ist ferner 3am und Staatsangehörigkeit bcS niederen Personals fcstzultellen. Auck ist erforderlich, bie Art ihrer Anwerbung zu untermalen: ob sie bnrch auslänbische ober im Anslanb bestehende «stcllenver- mittlungsgeschäfte angeworben sind und ob bie Berwcnbung von auslänbischen ArbeitSkrastsn derart ist, baß sic zu irgenbwclchcn Bebenkcn vom Stanbpunlt ber nationalen Vcrteibignng aus An­laß gibt." t

Mau fragt sich, so bemerkt die K. Z. dazu, was die fran­zösische Regierung mit diesem Rundschreiben bezwecken will. Will sie damit auf die Unternehmen einen Druck ausüben, alle nichtsranzöfischen Angestellten hinauszutreibcn? Es wäre das ein beispielloser Eingriff der Republik in die persönliche Freiheit ihrer Burger. Beabsichtigt die Regie­rung überhaupt deu nichtfrauzösischen Unternehmen auf Grund dieser Rundfragen zu Leibe zu rücken?. Im Lichte der Hetze des Mattn und anderer Blätter gegen die Fremden- rndustrie ßdimmeii diese Rundfragen der französischen Re­gierung eine eigenartige Färbung. Jst cs blinde Spionen» urcht, die die Franzosen zu diesem Vorgehen veranlaßt? Oder soll das Wörtchen von der Landesverteidigung ledig­lich als Verbrämung dienen, als Deckmantel für die In­szenierung des wirtschaftlichen Boykotts? Wir wissen ganz genau, wer gemeint ist, wenn in Frankreich etwas gegen das Ausland im allgemeinen ins Werk gesetzt wird. Es gilt lediglich Deutschland, denn das A und das O )cr französischen Wirtschaftspolitik ist, Deutschland wirt- chaftlich wie auch politisch zu schädigen. Nun aber ist cs an der Zeit, daß Deutschland eine gebührende Antwort auf das gehässige Treiben erteilt. Wenn die französische Ge- chäftswelt im '.er noch nicht empfunden hat, daß dem deutschen Michel am Ende die Geduld ausgehen muß, so oll sie, da sie nicht den Mut und die Kraft gehabt hat, sich gegen die Mache zu wenden, auch dafi'ir büßeu. Mau lehne so viel wie möglich beini Einkäufen franz.ö- 'ische Ware ab, die ja entbehrlicher ist, als man äll- t cm ein annimmt Die Franzosen können hicrzulän'de ebenso chwer, wenn nicht sck>werer, betroffen werden als mir bei ihnen, und von nun an fölten sie es auch. Dazu brauchen wir keine tückischen geheimen Rundschreiben, die Oeffentlich- feit wird die Sache selbst besorgen.

Deutfcbes Ucid>.

Eine Ausschußberatung über die IFleis divers orgung.

Wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, trat die Fleis ch - Enqu ete'kommis sion" (Wunder­volles Fremdwort!) unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Delbrück zu ihrer dritten Tagung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Fortführung der Sachverständigcn- vernchmung für das Vcrforgungsgebiet Berlin, und zwar soll die Frage des Fleischverkaufes durch Warenhäuser, Konsumanstalten und Gemeinden, sowie das Nachrichten­wesen und die Statistik zur Erörterung kommen.