Ausgabe 
30.1.1913 Erstes Blatt
 
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sprechenden Blättermeldnngen solle die Regierung sich genau über die öffentliche Meinung informieren.

Majorosco erklärte, Gradisteanu sei schlecht informiert, es sei niLht richtig, dakdie bulgarischen Bor schlage nicht ernst seien, der Redner hätte nicht im Parlament sagen sollen, das; Bulgarien nrie in einem Kaufhaus feilsche und das; Rumänien Europa zum Spott diene. Zum Beweis der Unrichtig­keit der Behauptungen Gradisteanus erklärte der Ministerpräsident: Die Stimme Rumäniens wird in Wirklichkeit gehört werden. Beifall.) Dr. D a n o w hatte in Bukarest keinen Auftrag zu unterhandeln Er nahm einfach die Wünsche Rumäniens zur Kenntnis. Bulgarien ver­langte dann, daß es zuerst den Krieg beendigen und dann ver­handeln wolle. Rumänien verlangte, sofort zu verhandeln. Bulgarien anerkannte die Richtigkeit des rumänischen Gesichts­punktes. Die Verhandlungen begannen und dauern in freundlicher Weise fort. Dies ist alles, was ich jetzt erklären kann. Ich hoffe, demnächst weitere Auskünfte erteilen zu können. Ich erkläre, dass die Regierung die ganze Verantwortlichkeit übernimmt.

Ter Abgeordnete A r i o n, der Präsident der Kulturliga, betonte die Notwendigkeit sofortiger eingehender Aus­künfte, worauf der Ministerpräsident erklärte, der jetzige Zeit­punkt hierzu sei nicht geeignet. Er werde später eingehende Auf­klärungen geben, sei es in öffentlicher oder in geheimer Sitzung.

D i e Kammer nahm hierauf mit allen 110 ab­gegebenen Stimmen d i e Tagesordnung an, nach welcher der NegierungdasVertrauenausge sprachen wird. Tie Liberalen enthielten sich der Abstimmung. Ter Führer Der Liberalen erklärte, ihre Stimmenenthaltung sei darauf zurück­zuführen, daß für diese Angelegenheit die Mehrheit maßgebend sei.

Zn dem von Michu und Dr. Danew aufgesetzten Protokoll fordert Rumänien eine Grenzlinie, die von Turtukal, einem Punkte der Donau, sich ungefähr 20 Meilen westlich von Si- listria bis Baltschik am Schwarzen Meer erstreckt. Ru­mänien verlangt ferner Garantien für die Autonomie der Schulen und Kirchen der Kutzowalachen in dem Gebiete, das Bulgarien zufallen wird. Es wird erklärt, daß Rumänien diese Zuge­ständnisse verlangt mit Rücksicht auf die großen, durch den Krieg hervorgerufenen Aenderungen des politischen Gleichgewichtes, die für die zukünftige Freundschaft zwischen Bulgarien und Ru­mänien w-itere Garantien für Rumänien erforderlich machen. Das Protokoll gibt endlich an, was Bulgarien zuzugestehen Willens ist.

Deutscher Besuch in Bukarest.

Wie das Wolfs-Bureau erfährt, beauftragte der Kaiser mit feiner Vertretung bei der am nächsten Sonntag statt­findenden Taufe des jüngst geborenen Prinzen von Rumänien den Prinzen Oskar. Der Prinz wird begleitet üon dem Gencraladjutanten von Pl essen, dem Flügeladjutanten Oberst von Friedeburg, dem Flügel- adjutanten Grasen von Soden und dem persönlichen Ad­jutanten Oberleutnant von Bock und Po lach.

Die Abfindung Rumäniens.

B u ka r e st, 29. Jan. Dem Verlangen Rumäniens ent­sprechend sind der rnmänische Gesandte Mischu und der bulgarische Delegierte Dr. Danew übereiugelommen, ein Protokoll abzusassen, das die rumänischen For­derungen und die bulgarischen Konzessionen enthält und den Kabinetten in Bukarest und Sofia vorge­legt wird.

Erbitterung in Sofia.

3 Sofia, 29. Jan. Während die offiziösen Blätter nocr die rumänischen Forderungen schweigen, verurtei­le n e i n z e l n e oppositionelle Blätter das Vor­gehen Rumäniens mit den schärfsten Aus­drücken. In der Oeffentlichkeit herrscht über das Vor­gehen Rnmäniens große Erbitterung.

Die österreichische Politik.

Das WienerF r cm d enb la t t" stellt fest, daß, so­weit auch die Kombinationen und Meinungen der euro­päischen Blätter über den bevorstehenden Entschluß des türkischen Ministerrates auseinandergehen, der Dreibund und die Tripleentente darüber vollständig einig sind, daß das neue türkische Kabinett, falls es sich dem in der Kol­lektivnote der Mächte geäußerten Wunsche nicht anpaßt, auf die Unterstützung der Mächte in keiner Weise rechnen fönnc. In diesem Sinne sind der Dreibund und die Triple­entente vollständig einig, was mit um so größerem Nach­druck hcrvorgehoben werden muß, als anläßlich des Kon­stantinopeler Putsches neuerlich der Versuch unternommen wurde, oer europäischen Oeffentlichkeit die lächerliche Fabel aufzutischen, als ob Oesterreich insgeheim der jetzigen Um­wälzung in der Türkei und damit dem türkischen' Wider­stand gegen die Annahme der Friedensbcdingungen Vor­schub geleistet hätte. Weiter bestehe eine vollkommene U e b c r e in st i m m un g darüber, daß in dem unerwar­teten Falle einer ablehnenden Antwort der Türkei aus die >r o l l c k t i v n o t e der Mächte die­selben jede isolierte Aktion unterlassen müßten.

Deuticbe»

D ie Flei sch Versorgung Berlins.

Die Stadt Berlin erhielt auf den Antrag, ihr die Ein führu ugs erlaub nis für frisches Rind- und Schweinefleisch aus Rußland über den 31. März d. I. hinaus bis zum 31. März 1914 zu verlängern, vom Land­wirtschaf tsministcr den Bescheid, daß die Einfuhr bis zum 1 Oktober 1913 zugelassen werde, daß dagegen kein aus­reichender Anlaß vorliege, die Genehmigung schon jetzt bis 1. April 1914 auszudehnen.

Heer und Flotte.

Veränderung in hohen Vommanbofteflen der Marine.

Berlin, 29. Jan Admiral v. H o l tz e n b o r s f, Ches der Hochseeflotte, ist von seiner Stellung enthoben und Vizeadmiral v. I n g e n o h 1, Chef des zweiten Geschwaders, mit der Führung der Hochseeflotte beauftragt worden, v. Krosigk, zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee, ist zum Direktor des allgemeinen Marine­departements im Reichsmarineamt und gleichzeitig zum stellvcrtretimben Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt. Konteradmiral Scheer, Tiixk or des allg meinen Marine­departements des Reichsmarineamts, i|t unter Aushebung des seinerzeit erteilten Mandats zum stellvertretenden Be- pollmächligten des Bundesrats mit der Führung des zuzeiten Geschwaders beauftragt und gleichzeitig der Marinestation der Ostsee zugeteilt worden.

Aus Stadt und Tand.

Gießen, 3u. Januar 1913,

-InS dem städtischen BerwaltungSbericht.

VI.

Der Arbeitsnachweis

Benn Arbeitsnachweis gingen im Berichtsjahr 6908 Gesuche ein, 2359 von Arbeitgebern und 4549 von Arbeitnehmern Besetz, wurden UM Stellen (62,78 Proz.) des Arbeitsangebots und 32,5; Proz. der Arbeilsnachfrage. Aus 100 offene Stellen kamen 192,8;. Arbeitsuchende gegenüber 153,79 im Vorjahr Tic Zahl der Arbeit gebergesnche ist um 541, die der Arbeitnebmergesuckie um 175: und Die der besetzten Stellen nm 2b6 mwachsen Aus 982 offene Stellen für gelernte Arbeiter kamen 1836 SlcUenfuchendc und 592

besetzte Stellen, während für die suchenden 2338, ungelernte Ar­beiter 986 Stellen vorhanden waren, von denen 695 besetzt!waren. Tie Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises von auswärts hat roefenthd) Angenommen. Es meldeten 983 (609 auswärtige Arbeit gebet Stellen an, 3364 1629 auswärtige Arbeiter suchten um Arbeit nach und 542 T355 Arbeitsuchende erhielten auswärts Ar­beit Nach 90 Orten wurdet, Arbeiter vermittelt, außer nach ober­hessischen Orten nach Altenhunden, Aßlar, Atiendorn, Aybach, Bcmdors, Braunfels, Burgsolms, Kassel, Daaden, Darmstadt, Dillenburg, Tietz, Dorlar, Ehringshausen a. d. Dill, Frankenberg, Fulda, Garbenheim, Gladenbach, Gleiberg, Hassenhausen, H.Idel­berg, Herborn, Hermaunstein, Katzenfurt, Krofdors, Kraftsolms, Limburg, Lohra, Lützellinden, Naunh im, Neustadt 'M. W. B. , Oberbiel, Rodheim a. d. B., Rüsselsheim, Siegen, Sinn, Vetzberg, Weidenau, Werlburg, Wetzlar >120Stellen wurden besetzt, Wißmar und Völkersdorf. Tie landwirtschaftliche Stellenvermittlung nahm trotz der ungünstigen Witterung zu. Tie Zahl der Stellenangebote betrug 251 1910: 213,', der Stellensuchenden 404 (272> und der besetzten Stellen 183 -163'. Auch die Lehrstellenvermittelung nahm zu. Offene Lehrstellen waren 61 (38> gemeldet, 61 >28, Lchr- stellensuchende waren vorhanden und 15 (7) stellen imirbe» besetzt Von den im Herbst zur Entlassung gekommenen Reservisten erhielten 10 Stellen vermittelt. Die Stellenvermittlung im Gast­und Schankgewerbe hat sich günstig weiterentwickell. Es waren 255 offene Stellen und 266 Stellensuchende vorhanden, während 205 Stellen besetzt wurde,:. Am 1. Oktober 1911 trat bte für Oberhesscn neugeschassene Wanderordnung in Kraft. Nach ihr müssen hier die Wanderer, ehe sie Anspruch aut Verpflegung gegen Arbeit haben, sich beim städtischen Arbeitsnachweis um Arbeit bemühen Erst wenn von dieser Stelle aus keine Arbeit nack^e- wiesen werden kann, tritt für sie die Hilfstätigkeit ein. Mit dem Inkrafttreten der Wanderordnung gingen die Verpfleguitgs- statiouen in Butzbach, Groß-Karben, Grünberg und Hungen an, während die Stationen in Gießen und Faedberg bestehen blieben, lieber die Wirkung des 1910 in Kraft getretenen Stellenvermittler gesetzes ist zu berichten, daß eine Stellenvermittlerin ihr Gewerbe ausgegeben hat. Neue Konzessionen wurden nicht erteilt. Zu den 2330 Mk. betragenden Mafien des Arbeitsnachweises leistete der hessische Staat einen Zuschuß von 290 Mk. Von 1907 bis 1911 stieg die Zahl der besetzten Stellen von 667 auf. 1481.

*

* * Tageskalender für Donnerstag, 30 Jan. Verein für Lust'alnt: Fortran von Generalmajor z.D.Neurenther aus München: lieber Verwendung von Flugfalirzengen zu kriegerifcheu Zwecken. Abends 8X Uhr in der Neuen Aula.

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** Ordensange lcgcpheiten. Der Großherzig Tyat dem ständigen Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt, Kais. Regicrungsrat Tr. Ernst Sch m i 11 in Berlin die Erlaubnis zur Annahme und znm Tragen des ihm von dem König üon Preußen verliehenen Roten Adler-Erdens 4. Klaffe erteilt. Der König von Preußen hat aus Anlaß seines Geburtstages die Rote Kreuzmedaille dritter Klasse ver­liehen dem Kammerherrn Kreisrat Freiherrn Schenck zu Schweins berg in Alzey, dem Großiaufmann Karl Aug. Fischer in Bingen und dem praktischen Arzt Tr. Ludiv. Orth in Darmstadt.

* * Aus dem Militär-Wochenblatt, v. Jor­dan, Prcuß. Oberstlt. und Batls.-Kommandeur im 10. Inf. Regt. Nr. 180, wurde von dieser Stellung behufs Versetzung zum Stabe des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 enthoben.

* * Erledigte Lehrerstelleu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Gemeindc- schule zu Nack; mit der Stelle ist Organistendienst ver­bunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Nackenheim.

* * Eisenbahn-Personalien. Verliehen wurde das Allgemeine Ehrenzeichen. in Silber dem Bahnhofs- aufseher Daußer in Dortelweil beim Uebertritt in den Ruhestand. Versetzt wurde Technischer Eisenbahnsekretär Fleck von Frankfnrt ne«h Fulda, Eisenbul)npraktikant Kliff müll er von Herborn nach Gießen, Balz von Pad-Nauheim nach Herborn Belohnungen erhielten Bahn- hofsvorsteher Hildebrand, Bahnmeister Kilian, Bahnmeister Mirka, Gütcrvorsteher Schmüter, Eisenbahnasistent Beier, Lokomotivführer Röddiger, Lokomotivheizer Stein, Hilfs- rangicrführer Schmidt, Weichensteller Jöckel, Eisenbahn- gehilfc Zulauf, Lademeister Knauer, Rangierführer Heuser, Bahnsteigschafsner Boppert, Hilssweichensteller Birkenstock, Hilfsbahnwärter Hanitsch, Streckenarbeiter Wollrab, Bücking, Bauer, Güterarbeiter Dotzert und Klein sämtlich in Alsfeld, weil sie beim Brande eines Sägewerks durch rasches tatkräftiges Handeln das llebergrcifcn des Feuers auf die Bahnanlagen in Alsfeld verhinderten.

Der Provinzial-Ausschug hält am Samstag, 8. Febr., vorm. 3/49 Uhr, eine Sitzung mit folgender Tages­ordnung: 1. Klage dcS Ortsarni en verdandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Allendors a. d. Lda. wegen Unterstützung der Marie Käß auS Allendorf a. d. Lda. 2. Klage der Firma Schade L Füllgrade in Frank- >urt a M. gegen die Stadt Gießen wegen Heran zieh u na zur Filialstcuer. 3. Gesuch deS Georg Erhard zu Gießen um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft in dem Hause Walltorstraße 19 4. Gesuch des Moses Hecht

zu Eckartshauscn um Erlaubnis znm Kleinhandel mit Branntwein. 5. Klage des O rts a r rn c n v e r b a n d e s Fried­berg gegen den Ortsarmenoerband Schwa l hOi in wegen Unterstützung der Theodor Müller Ehefrau.

*' Aerztekonf ercnz. DieKonferenz der Aerzte der Beratungsstellen der Zentrale für Mutter- und Säug- Ungsfürsorge, die am 1. Februar in Gießen stattfinden sollte, muß verlegt werden. Der neue Termin wird noch bekannt gegeben werden.

" Opernvorstellungem Das zweite Gesamt- wstspiel des Großh. HoftheaterL und der Hofmul'ik findet Mittwoch, 5. Fedr., statt. Zur Aufführung kommt die uidische MärchenoperWenn ich König wäre", von Adolphe Adam, die heute schon zum siebenten mal in dieser Spielzeit in Darmstadt gegeben wird.

♦♦ lieber die Bedeutung der Flur- n n b Straßennamen für die Heimatkunde sprach im Lesehalleverein Obcrbibliothekar Dr. Ebel Erst in neu­erer Zeit hat man die außerordentliche Bedeutung dieser Namen erkannt und mit ihrer Erforschung gelingt es viel­fach, sich über die Zustände und Ereignisse unserer Heimat Ilar zu werden. So hat man mit Zuhilfenahme der Flurnamen jetzt genau festgestellt, wo der von den Römern angelegte Pfahlgralwn vom Rhein bis zur Donau in allen seinen Teilen hinzog. Allenthalben ist man im Hesseulandc eifrig an der Arbeit, die Flur- und Ortsnamen festzustcllen und sie zum Ausgangspunkt weiterer Studien nutzbar zu machen. Der Vortragende führte zunächst aus, mir sich entsprechend den Bedürfnissen der Bewohner die Besitz- .'erl'ältnissc änderten und wie aus dem gemeinsamen Grruid- öefitz Teile gemacht wurden, Fluren und Gewannen, denen man entsprechende Namen beilegte, und die man den ein» .einen zusammengehörenden Sippen anwies. Wald und klcibc blieben ungeteilt unb sind auch an rnancheii Orten bis auf ben heutigen Tag ungeteilt geblieben. Der ge-

s i tz lt n g von gestern legte Herr Regicrungsbaumeister Kuhlmann ben Voranschlag für bic Wieberherstellung

Walpurgiskirche vor. Er beläuft sich im Ganzen

69 800 Mark.

ber auf

freien Studentenschaft spricht am Steins Garten Profeffoc Dr. Messer übet

In der Freitag abend in Frchte.

** Kinder

te4' neu

Kreis Friedberg.

---- Ilbenstadt, 29. Jan. Der Gras zu Leinin« gen-Westerburg-Alt-Leiningen hat ben Referen- bar Lubw. Grein zum Kammcrrat ernannt.

h. Oppershofen, 29. Jan. Hier feiert morgen bet Altbürgerrneister Schmidt mit seiner Gattin das Fest bei Diamantenen Hochzeit. DaS Jubelpaar ist 86 und 84 Jahre alt.

$ Steinfurth, 29. Jan. Im letzten Jahre hatte man überall eine verspätete Ernte zu verzeichnen. Daß man setzt noch nächt ganz damit fertig ist, fürste aber

Kreis Lauterbach.

2 anterb ckch, 29. Jan. Die Mutter der beiden Freiherren Riedesel zu Eisenbach, Martha Riebesel, Freifrau von Eisenbach, geb. von Rabenau, ist im Schlosse zu Stockhausen im 82. Lebensjahr geworben. Tie Beisetzung findet am Freitag nachmittag zu Stock­hausen statt.

i n en tg el tli chcr P f le g e. Nur mit Erlaubnis ber Ortspolizei dehörbe bür feit Känber unter sechs Jahren in entgeltliche Pflege untergebracht werben. Bor Erteilung biefer Erlaubnis siub bie persönlichen und häus­

lichen Verhältnisse ber Pflegeeltern eingehenb burd) bie Behörbe zu prüfen Personen, bic Kinbcr in Pflege bei sich aufnehmen wollen, haben fick) bahcr vorher bei bent Polizeiamt zu melben Bevor bic ortspolizeiliche Geneh­migung erteilt ist, darf kein Pflegetinb angenommen werben. Im Falle ber Zuwiberhandlnng werben bie Eltern sowie bie Mittelsperson, bie bas Ktnb in Pflege gegeben hat, in eine Ge 1 bstrafe von 40150 Mk. genommen. Außerbem ist bie Auflösung bes Pflogeverhältnisses zu gewärtigen.

* * Leicht sin n. Am 27. L Mts. abends, als ein sünßehu- jähriges Märxlien in der Marburger Straße an einigen gleich­alterigen Burschen vorbei ging, gab einer der Burschen, um bad Mädcheu zu erschrecke», einen Schuß ab. Der Schuß enthielt Schrotpatrone unb traf das Mädchen in den Oberschenkel und verletzte es nicht unerheblich. Gegen den Täter wurde Strafantrag gestellt.

* * Schwindel. Ein Deutschamerikaner mit größerem Vermögen suchte Unterkunft bei einer guten bürgerliche» Familie, ivo er de» Rest seines Lebens zubringen will. Angebote liefen daraufhin in Menge ein und bie Bewerber erhielte» fobami ein großes Schreiben, worin zunächst gesagt würbe, daß tl.-.v.-rbn eine Berücksichtigung gefunden habe, der Amerikaner loerbe fr-r Familie sofort 610 000 Mk. zürnenden intb bann monatlich 250 Mk Pension zahlen. Bevor jedoch feste Zulage erfolgen könne, müßten Erkundigungen über die Familie des Bewerbers eingezogen werden und zu diesem Zweck feien zunächst 5 Mark einzusenden. Selbstverständlich wird Rückzahlung der 5 Mark versprochen, salls die Wahl auf jemand anders falle. Die Haupt­sache sind also die 5 Mark, die der Wann einsteckt.

* * Ilm 5 00 Mark geprellt. Eine hier wohnende Galizierin erhielt vor einigen Tagen den Besuch ein cd Verwandten ihres Mannes, der von ihr getrennt in ihrer Heimat lebt. Ter Man» freu »bete sich an, versprach ihr die Heirat, sobald ihre Ehescheidung zustande gekommen sei, und überredete sie, ihr bei einer auswärtigen Bank deponiertes Gut­haben von 500 Mk. abzuhebe», was sie auch tat. Tas Geld wurde da»» hier aus einer Bank deponiert und zwar besorgt^ dies aus Gefälligkeit im Auftrag ber Frau ber Verwandte. Er ließ den Betrag auf feinen Namen chitragen, hob ihn am andern Tage ivicber ab unb verschwanb bannt.

** Zeitschriften unb Bücher für bic Heil- unb Pflegeanstalt. Abgängige illustrierte Zeit« s ch r i f t c n, womöglich ganze Jahrgänge, I u g c n b s cst r i f- t c n, Bilderbücher, überhaupt geeignete Lektüre, bittet man freundlichst ben unbemittelten Kranken ber H e i l - u u b P f l e g e a n st a l t Gießen zur Unterhaltung währenb ber unfreunblichen trüben Wintertage zukommen zu lassen. Senbungen finb an bie Anstalt zu richten. Mit­teilungen nimmt ber Vertrauensmann bes Hilfsvereins für bie Geisteskranken in Hessen entgegen.

Kreis Büdingen.

Blofeld, 28. Jan. Vom hiesigen Gemeinde« rat wurde die Erbauung einer Wasse rle it ung (HauS- leitung) genehmigt. Da kein natürlicher Druck vorhanden ist, ging man mit dem Plane um, baS Master mit einem Motor ans ben nahe liegenben Eichelberg zu schaffen; ehe dieser Plan verwirklicht werden mag, will man auf Anfrage bei der Kulturinspeltion Friedberg auf anderen Stellen dec Ge­markung nach Wasser suchen, daS ohne künstlichen Druck zur Leitung bienen kann Auch zieht man den Anschluß an daS Wasserwerk in Erwägung.

Kreis Alsfeld.

OK. A l s f e l d , 29. Jan. In der S t a d t Vorstands-

meinfame Erlös aus diesem Wald- oder Weibemarfen wurHe gleichmäßig an bie Bürger als Allmenbe verteilt. Die Beilegung ber Flur- und Ortsnamen erfolgte nach den verschiebenarttgsten Gesichtspunkten. Es konnten bic Be­bauung bes betrerfenben Lanbes, gewisse Erzeugnisse, bie Lage unb Beschaffenheit bes Bobens, wohl auch Personen ober merlivürbige Ereignisse bei der Namengebung maß- gebenb fein. Immer aber finben wir bie Tatsache bestätigt, baß biese in ber Regel ursprünglick>en Namen mit ben munbartlid) gebrauchten ^usarnmensallen, baß also häufig ber an Stelle ber unverständlichen alten Bezeichitung ge­tretene hockibeutschc Ausdruck falsch unb sinnwibrig tst. Ter Rebner bespricht bann bic Flurnamen ber Gemar­kung Gießen, bie glücklicherweise bei ber FeUKiereini- gnng erhalten geblieben finb unb gibt sehr interessante Aufschlüsse über Cmtstehung unb Bebentung dieser Bezeich­nungen, deren Vorkommen er in alten Chroniken unb Hanbschriften aufsuchte. Die Straßennamen lehnen sich viclsack) an bie Flurnamen an. Sie finb int Laufe ber Jahrhnriberte manchen Wanblungen ausgesetzt gewesen, so bast ihr heutiges Aussehen bic ursprüngliche Form kaum er» kennen läßt. Zum Schluß ermahnte ber Bortragenbe bic in ansehnlicher Zahl erschienenen Zul örcr, bazu beizutrageu, baß bic guten alten Straßenbezeichnungen nicht, wie dies leiber auch in Gießen in letzter Zeit geschehen fei, aus Unkenntnis ober Eitelkeit bei Seite geschoben und dafür nichtssagenbe Namen gewählt würben.

* * Die große Gießener Karneval-Gesell­schaft hat, wie aus bent Anzeigenteil ersichtlich ist, ru ermöglichen gewußt, für bie am Sonntag stattsinbendc letzte Sitzung biefes Jahres auch wieber mehrere aus­wärtige Rebner hierher zu bringen. Bei ber letzten Sitzung kam Köln zu Wort, diesmal kommt Mainz an bic Reihe unb zwar mit bent hier höchst vorteilhaft bekannten Herrn Martin M u n b o unb mit dem schlagfertigen Karnevals- rebner Mauer. ) z

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