Ausgabe 
30.5.1913 Erstes Blatt
 
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3 J n W ? :

Deutsches Reich.

Das Prinzenpckar Ernst August

traf mn gestrigen Donirerstng mittag zu einem kurzen Besuche beim Kaiserpaar im Neuen Palais ein. Später erfolgte die Abreise nach ÄLnMal bei Gmunden.

Der Bundesrat

fasste über die Besetzung von zwei Stellen im Aufsichtsamtc für die Privatversick?erung Beschlust., Zugestimmt lvurde einem Antrag betreffend die Aenderungen in den für die Berzollung maßgebenden Tarasätzen, einem Äntrabe betreffend Aenderung der Vergütungsordnung für Tabak, sowie einem Entwurf betreffend die Verordnungen über den Geschäftsgang und das Verfahren der ersten Schiedsgerichte für die Angestelltenversichecung, zweitens des Oberschiedsgerichts für die Ängestelltenpersicl>erung. . Dem deutschen Hilfsverein in Paris wurde die Rechtsfähigkeit ver­liehen.

D e r n eu g ewä hl t e pr eußische La n d t ag der bekanntlich zum 12. Juni einberufen werden wird, .wird, wie wir hören, nur drei Tage zusarnrnenb leiben. Am 12. Juni werden sich beide Häuser des Landtags konsti­tuieren, am 13. Juni finden in beiden Häusern die Präsi­dentenwahlen statt, wobei voraussichtlich die alten Präsi­denten wiedergewähtt werden dürften, am 14. Juni werden in beiden Häusern des Landtags aus Anlast des Regierungs­jubiläums des Königs Festsitzungen stattsinden. Die Prä­sidien des Landtags und gleichfalls des Reichstags werden am 16. Juni vormittags im Berliner Schlosse vom Kaiser empfangen werden. Die Vertagung des Landtags auf den Winter wird erst nach den Jubiläumsfestlichkeiten aus­gesprochen werden. Legislative Arbeit wird der Landtag in der kurzen Juni-Tagung nicht leisten.

Der Ausschuß für das Gesetz über die Jugendgerichte

begann am gestrigen Donnerstag die zweite Lesung. Es wurde ein Antrag des um die Gestaltung dieses Gesetzes besonders verdienten Abg. v. Caller vorgelegt, der sich im wesentlichen auf den Standpunkt der 'Beschlüsse der ersten Lesung stellt. In der Aussprache wurde insbesondere die Frage der Zusammensetzung der Jugendgerichte besprochen. Im Hinblick auf die Verziehung der Volksschullehrer zu den Jugendgerichten gab ein nationalliberales Mitglied die Erklärung ab, daß seine Freunde auch die Beizichung zum Schöffendienst über die Grenzen des Jugendgesetzes hinaus wünschen und deshalb danach streben werden, bei einer zu erwartenden Abänderung des Gerichtsverfassungs­gesetzes die grundsätzl ich e Beizieh un gder Volks- schullehrer zum allgemeinen Schöffendienst durchzusetzcn. Die Verhandlung wurde bei § 2 des Gesetzes abgebrochen und wird morgen fortgesetzt.

Deutschland lauf der Automobilausstellu ng in Petersburg.

Aus Petersburg wird vom Donnerstag berichtet: Der deutsche Geschäftsträger Botschafter v. Lucius, der bayerische Gesandte Freiherr v. G r u n e l i u s , der Generalkonsul, die Mit­glieder der deutschen Botschaft und des Generalkonsulats und die Vertreter der Presse besichtigten heitte die deutsche Abteilung der Antomobilausstellung unter Führung des Herrn Allmers von den Hansa-9lutvmobilwerken. Die glänzende Vertretung der deut­schen Autom-obilindustrie wurde allgemein anerkannt. 6 8 deut­sche Firmen sind auf der Ausstellung vertreten, das macht beinahe die Hälfte aller Aussteller aus. Der Verkauf ist im allgemeinen befriedigend. Der Zar hat einen Benzwagen gekauft.

Eine Erkenntlichkeit Englands?

Im englischen Unterhaus fragte Abg. King den Staatssekretär Mc. Kenna, ob er nicht, um die Erkenntlichkeit der Nation ftir die deutsche Großmut und Milde.gegenüber den drei in Deutschland wegen Spionage verurteilten britischen Offi­zieren zu beweisen, den Deutschen, die in England wegen Spionage gefangen gehalten werden, den Rest ihrer Strafzeit erlassen könne. Mc. Kenna erwiderte, er wolle mit Sir Edward Grey darüber beraten, im übrigen beftrrde sich jetzt nur ein Deutscher deswegen in einem englischen Gefängnis.

Arbeiterbewegung.

Eine Kundgebung Arbeitsloser in BreSlau.

Breslau, 29. Mai. Eine lchttte nachmittag im Ge­werkschaftshause abgehaltene Massenversammlung von Arbeitslosen beschloß, b-en Magistrat zu ersuchen, die Arbeiten des Studienausschusses über die Arbeitslosig­keit zu beschleunigen und 50000 Markzur Linderung der augenblicklichen Not auszuwerfen. Dann zogen die Teilnehmer, etwa 600 Personen, vor das Rat­haus. Ein großes Schutzmannsaufgebot zerstreute die Menge. Mehrere Personen wurden verhaftet. Ms die Polizei die Menge auseinander trieb, gab ein Mann meh­re r e S ch ü s s e" a u f d i e P o l i z e i b c a m t e n ab, wovon einer ein Pferd und einen Polizeitommissar verletzte. Der Täter wurde verhaftet. Es ist der Bäckergeselle Johann Smietana. Er ist, wie er angab, nicht stellenlos.

hauptveNammIung der Zentraigenossenschast der hessischen landw. Uonsnmvereine.

Darmstadt, 29. Mai.

Die 23. Hauptversammlung der Zentralgenossenschaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine, e. G. m. b. H., zu Darmstadt wurde gestern hier abgehalten.

An Stelle des erkrankten Vorsitzenden Oekonomierat Schmitt- Guntersblum leitete Gutsbesitzer H e m b e s - Ober-Olm die Ver­sammlung. Er gedachte dann des im September v. I. verstorbenen, besonders um die Entwicklung und Tätigkeit der Zentralgenossen- schast verdienten Oekonomierats A. DetUveil er -Laubenheim. Tie Versammlung erbebt sich zu Ehren des Verstorbenen.

Der Vorsitzende der Zenttalgenossenschast, Oekonomierat Dr. Heiden re ich erstattete Bericht über das Jahr 1912. Er be­rührte zunächst das Verhältnis der Zentraleieuossensäwft zur landw. Genossensckwftsbank und die. durch den Zusammenbruch der letzteren erwachsene Lage. Er stellte fest, datz die Zenrralgenossenschast an der L. G. B. mit 10 Aktien zu 1000 Mk. und einem Gut­haben in laufender Rechnung von ctnxi 80 000 Mk. beteiligt ist. Dies Verhältnis wurde bei der endgültigen Feststellung der Bilanz durch Vorstand und Aufsichtsrat berücksichtigt, d. h. es wurde der Wert der 10 Aktien auf 1 Mark abgeschrieben und außerdem ein Rücklagekonto von 20000 Mark gebildet. Trotzdem schließt die Bilanz für 1912 mit 64 401,67 Mark, also einer Summe, die dem Aufsichtsrate und Vorstand neben einer Berüäfichtigung der Reserven und der Rückvergütung auf die Kalidünger, eine Warendividende von 3 Prozent in Vorschlag zu bringen gestattete. Für die Verwaltung der Zeniralgenossenschaft waren durch das Versagen der seitherigen Bankverbindung inmitten eines großes Frühiahrsgeschäftes Sck>wierigkeiten erwachsen. Die ZentralgenossensckMst hatte zwar die neue Zeittralkasse der hessilschen landwirtschaftlichen Genossenschaften niitgrünbcii helfen und ist noch deren Mitglied Die Kasse war !-doch noch nicht Iräftui genug, um den Ansprüchen der 3nitraIgenonVindwft Rechnung tragen zu föitncn und deshalb war die Verwaltung ber Zentral - genossenschaft gezwungen, eine andere Bankverbindung zu suchen. Am 11. dlpril wurde auf der Grundlage, auf der bisher die Ver­bindung mit der L. G B. bcstaiuVn hatte, ar Abkommen mit der Bank für Handel und Industrie in Dar m stadt getroffen, und die Rtttglieder am 12. i>lpr,l hiervon -ichtet. Der Uebergang zu ber neuen Bankverbindung vollzog

sich ohne allzu große Schwierigkeiten. Es wurde festgestellt, daß Ende 1912 139 Genossenschaften und 9 Einzelpersonen der Zentralgenossenschaft als Mitglieder angehören. Sie besitzen 22 722 Mk. Geschäftsguthaben mit einer Haftsumme von 113 500 Mark. Der Gesamtwarenbezug war der höchste bisher erreichte und ebenso der dafür aufgewcudete Geldbetrag: er ergibt rund 586 380 Zentner, bestehend aus Hilfsdüngern, Kraftsuttermitteln, Sämereien, Schwefel, Kupfervi-triol, Torfstreu usw. mit 2 029 911 Mark Geldwert. Die Zunahme gegen das Vorjahr ist.erheblich, namentlich bei den Bezügen.von künsllicl-en Düngern. Die Bilanz ergibt einen Reingewiiin von 64 401.67 Mk.

In der Aussprache kam die Genugtuung darüber zum Aus­druck, daß die Zentralgenossenschaft durch die schwere Krisis, von der unser hessisches Genossenschaftswesen getroffen wurde, zwar ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde, aber ohne die Aktionsfähigkeit des Instituts in Frage zu stellen.

Der Antrag auf Entlastung der Geschäftsführung und der Vorschlag des Aufsichtsrates über die Verwendung des Rein­gewinnes wurden genehmigt.

Bei den Wahlen mürbe an Stelle des Oekonomierates Dett- weilcr-Laubenheim, Bürgermeister Keim- Wonsheim und an Stelle des durch die Wahl in den Vorstand aus dem Aufsichts­rate ausscheidenden Keim, Gutsbesitzer Be ise r - St.-Johann ge­wählt. Die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes, Oetonomie- rat Walter-Lengfeld, und des Aufsichtsrates, Gutsbesitzer C. Hembes-Obcrolm, Bürgermeister Sensfelder Büttelborn, Bürger­meister Lösch-Waldülversheim, wurden einstimmig wiedergewählt.

Zur Hundertjahr-Heier des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) XXt. 116 in Gießen wird am Gamstag, dem 7. Juni dem Gießener Anzeiger eine ....

Fest-Beilage beigefügt werden. Diese Beilage wird eine Lulle interessanter Mitteilungen, Aufsätze und Fest- derichte enthalten, die fich aufdas Regiment und aufdieFeier beziehen.In dem amSonncag erschei- nendeirTeilderBeilagen wird über allesWissens- werce bis zum Sonntag mittag Bericht erstattet. Die Verwendung besseren Papieres und ein reich­licher Bilderschmuck sind vorgesehen. Da zudem auf dem Festplatz selbst ein großzügiger Ver­trieb dieser Feftausgabe erfolgen soll, wird ste in der für hiesige Verhältnisse ganz ungewöhn­lich hohen Auflage von

25000 Stück

erscheinen. Den Inhabern der hiesigen Laden­geschäfte, der Wirtschafts-, Gastwirtschafts-, ^otel- und Lafebecriebe ist also eine kaum wiederkehrende Gelegenheit zur erfolgreichen Empfehlung ihrer Unternehmungen geboten. Goll doch auch auf die schöne typographische Ausgestaltung der Fest-Beilage und auf eine wirkungsvolle Ausstattung der Empfehlungs- ankündigungen besondere Sorgfalt verwendet werden, sodaß nicht nur den ständigen Lesern des Gießener Anzeigers, sondern auch den Tau- senden von Festbesuchern damit ein dauerndes

Andenken an die Hundertjahrfeier geboten ist. Da für Empfehlungs-Ankündi- gungen in der Fest-Beilage nur ein beschränkter Raum zur Verfügung steht, wird um so­fortige Aufgabe der Anzeigen gebeten. Auch die Rücksicht auf die besonders wirkungsvolle Satzanordnung der Empfehlungen erfordert einen umgehenden Entschluß.

VerlagdcsGießenerAnzeigers

Aus Stadt und Land«

Gießen, 30. Mai 1913.

** I«hrchundertfeier zur Erinnerung an 1813. Die Vorbereitungen zu der am Sonntag, 1. Juni, statt finden den gemeinsamen Feier von Stadt und ttmversität sind nahezu beendigt. Auch die Eintrittskarten zum Festakt im Stadttheater sind bereits verteilt und werden den Bestellerin am Samstag zugehcn. Die eingelanfenen An­meldungen waren so zahlreich, daß ein großer Teil, auch der rechtzeitig eingogangenen, leider nicht berücksichtigt werden konnte, da der verfügbare Raum nicht entfernt ausreichte. Die Verteilung der Karten erfolgte streng nach der Reihen­folge der Anmeldungen. Denen, die leer ausgrgangen sind, ist Gelegenheit geboten, sich bei Konzert und Kommers sck>adlos zu haltert. Für diese beiden Festlichkeiten, die für jedermann frei zugänglich sind, ist auf dem Trieb eine der für das Regimentsfest errichteten Hallen, die 2000 Per­sonen faßt, bereitgestellt. Ein Teil der Halle muß schon während des Konzertes mit Rücksicht auf den Kommers für die Studentenschaft und die Vertreter von Universität und Stadt sowie für den Ehrentisch abgespcrrt werden. Die Besuck>er werden gebeten, diese Absperrung freundlichst zu beachten, sich überhaupt den An­ordnungen der mit dem Ordnungsdienst betrauten Feuer­wehrleute und der an Schleifen kenntlichen Mitglieder des Festausschusses willig zu fügen. Ebenso bittet man, während der vier Reden größte Ruhe zu bewahren, damit sie in dem weiten Raum verständlich bleiben. Nur, wenn diesen Bitten entsprochen wird, kann bei dem zu erwartenden Massen­andrang das Fest einen ungestörten und ungetrübten Ver­lauf nehmen. Wir bemerren noch, daß der Festakt im Stadttheater pünktlich Uhr, das Konzert um 7 Uhr beginnt. Der >L)mnrers schließt, sich unmittelbar an den Faaelzug an. Die Teilnehmer der Feier im Stadttheater motten in festlichem Gewand erscheinen.

** Beförderung von Kranken. Zum Beginn de- Bade- und Svmmeroerkehrs dürste es für die Oessenttichküt von Interesse sein, über die aus den deutschen Eisenbahnen bestehenden Einrichtungen für die Beförderung kranker Personen kurz und zu- sanrmensassend unterrichtet zu werden. Zur Besörderung von Reisenden, die am Gehen behindert sind, innerhalb der Bahn- hossanlagen stehen auf allen größeren Bahnhöfen Tragsegel, Fahr­end Rollstühle kostenfrei zur Verfügung: auch wird die Be­nutzung der etwa vorhandenen Gepäckauszüge und Einfteigetreppen gestattet. Für bettlägerige Kranke bestehen ferner in den Zügen folgende Besördernngsmöglichkeiten: 1. intragdarenTraiis- vor tdetten, die bei jeder preußisch-hessischen Eisenbahnstation bestellt werden können und so eingerichtet sind, daß die Kranken darin zwischen der Wohnung (Klinik, Krankenhaus usw.) und dem Bahnhof befördert und ohne Umbettung in einem Abteil 3. Klasse nntergebracht werden können, das nach Ausnahme des Transportbettes noch Platz für zwei Begleiter bietet. Zu jedem Transportbett gehört eine Matratze und eine Schutzdecke: Betten und Bettzeug müssen dagegen in>n dem Kranken geliefert wer- den. Für die Befördenrng in einem Transportbett, das sich nur zur Unterbringung in Abteil- nicht aber in O-Zugwagen eignet, sind zwei Fahrkarten 3. Klasse und für jeden in dem Abteil mitfahrenden Begleiter eine weitere Fahrkarte 3. Klasse, min­destens für Eilzüge, zu lösen. 2. In den mit einem beson­deren Krankenabteil ausgerüsteten Wagen 3. Klasse, die in bestimmten Zügen regelmäßig laufen, und deren übrige Ab­teile dem allgemeinen Verkehr dienen. Für die Benutzung eines solchen Krankenabteils, das aus zwei gewöhnlichen Abteilen her- gerichtet ist und in dem sich ein auch als Tragbahre verwendbares Bett befindet, sind ohne Rücksicht auf die Zahl der Kranken 4 Fahrkarten 3. Klasse der betreffenden Zuggattung, mindestens für Eilzüge, zu lösen. Werden auf Antrag solche Wagen mit besonderem Krankenabteil in Züge eingestellt, in denen sie ge­wöhnlich nicht verkehren, so werden auf den preußisch-hessischen und oldenburgischen Staatsbahnen sowie auf einigen nord- und mitteldeutschen Privatbahnen die gleichen Gebühren, auf den übrigen deutschen Bahnen dagegen 6 Fahrkarten 2. Klasse be­rechnet. 3. In besonders gestellten Gepäck- oder Güter- oder Personenwagen 4. oder 3. Klasse. Hierfür sind ohne Rücksicht auf die Zahl der Kranken 6 Fahrkarten 2. Klasse der betreffenden Zuggattung zu lösen. Zwei Begleiter werden in den Fällen zu 2. und 3. frei befördert: für jeden weiteren Begleiter ist eine Fahrkarte 3. Klasse, mindestens für Eilzüge, zu lösen. 4. In besonders eingerichteten Kranken- salonwagen, für deren Gestellung Fahrkarten 1. Klasse für soviel Personen, wie den Wagen benutzen, mindestens für 12 zu lösen sind. Die zur Bequemlichkeit der Kranken während der Fahrt erforderlichen Gegenstände können in dem Wagen oder Krankenabteil gebührenfrei mitgeführt werden: hingegen ist für das sonstige Reisegepäck die übliche Gepäckfracht zu bezahlen. Es empftehlt sich, jede Krankcnbcförderung möglichst frühzeitig bei der Abgangsstation anzumelden.

** Ein Schwindler treibt hier wieder sein Un­wesen, der es auf Studenten abgesehen zu haben scheint. Der Mensch gibt sich alsverkrachter Doktor" aus und bittet um Unterstützung. Ter Umstand, daß er mittags um 1 Uhr vorspricht, legt die Vermutung nahe, daß es ihm lieber ist, wenn der "Bewohner des Zimmers nicht zu Hause ist. In diesem Falle gibt er sich wahr­scheinlich der Wirtin als Bekannter ihresHerrn" aus, bittet (nach bewährtem Muster), ihn doch einen Augenblick in das Zimmer einzulassen, weil er dem Abwesenden eine Mitteilung zurücklassen wolle, und geht, nicht ohne sich ein möglichst teures Andenken mitgenommen zu haben. Der Schwindler ist 26 bis 28 Jahre alt, mittelgroß bis groß und schlank- er. macht einen verkommenen Eindruck und trägt ein scheues Wesen zur Schau.

Kreis Schotten.

O La u b ach, 29. Mai. Die für die Schulen in Hessen angeordnete Schulfeier beim Ne gierungsjubiläum des Kaisers fällt hier aus, da dieser Tag mit dem Ausschuß- fest zusammenfällt. Die Sammlung für die National spende zum Kaiserjubiläum hat hier die Summe von 450 Mk. ergeben. Die Schüler des Gymnasiums unter­nahmen in diesen Tagen unter Führung ihrer Klassenlehrer die diesjährigen Tagesausflüge. Als Ziele der drei-, zwei- und eintägigen Wanderungen waren Harz, Lahntal, VogelsbergEdertalsperre, Taunus und Bad Salzhausen ausersehen.

Kreis Friedberg.

1. Bad - Nauheim, 29. Mai. Die 25jährige Jubelfeier des Rechners der Israel. NeligionSgemeinde Bad-Nauheim-Steinfurth, Lehrer Aug. Wagner, gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung. Fast sämtliche Mit­glieder der Gemeinde brachten Herrn Wagner ihre Glückwünsche persönlich dar. Glückwünsche wurden auch von dem Pro­vinzialrabbiner Dr. L. Hirschfeld in Gießen und Bankier Strauß und Frau in Berlin gesandt. Um 11 Uhr erschien der Vorstand, um ihm die Glückwünsche der Gemeinde dar­zubringen. Herr Louis Löb gedachte der ersprießlichen Tätig­keit und der Verdienste des Jubilar» um die Gemeinde. Am Schlüsse seiner Rede überreichte er dem Jubilar im Namen der Gemeinde ein Diplom nebst einem wertvollen Spazier- stock. Lehrer Wagner dankte für die Anerkennung der Ge­meinde, sowie für die Unterstützung, die ihm vom Vorstand während seiner Dienstzeit zuteil wurde.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 29. Mai. In der heiuigen Sitzung der Stadtverordneten wurde eine Polizeiverordnung genehmigt, daß da§ Tragen unverwahrter h e r v o r st e h e n b et H n t n a d e! s p i tz e n in den Trambahnwagen verboten ist und Zuwiderhandelnde mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark bestraft werden. Tie Verordnung tritt mit der Veröffentlichung in Kraft. Bürgermeister Müller teilte mit, daß iiinn Berta Trier, geb. Brunner in Frankfurt eine F a m i l i e n sl i f t u u N mit dem Sitz in Darmstadt errichtet hat, aus deren Zinsen bedntttige Nachkommen ihres Großvaters Hch. Brunner Beihilfen geivaytt werden sollen. Wegen der hohen Jleischpreise, die mit den mc- deren Viehpreiscn in Widerspruch stehen, fragte Sladlv. Lindt an. Bürgermeister Müller wird mit der Fleischerinnung hierüber in Verhandlung treten.

Hessen-Nassau.

* Kronberg, 29. Mai. Der »EronbergerAnzeiger" brachte die Notiz, daß es Fräulein Helene Junker, über die am 29. April zwecks iveiteret Feststellungen in der üvordsawe Zimmermann die Untersuchnngshait verhängt wurde, endlich gelungen sei, ihr Alibi n a ch z u w e i s e n, worauf sie wieder entlassen und am Lonn tag nachmittag zu ihrer Aintter zurückgekehrt fei. Nach aint* licher Auskunft ist diese Mitteilung unzutreffend. Frl. Funker hat weder ihr 9llibi nachgenuefen, noch ist sie ans der Unter- fuchungShaft entlassen worden. Die Borunterfuchuug nimmt ihre» ,'0rlgang. Im allgemeinen Interesse wäre es ivünfchenSwert, wen» sich nunmehr noch alle die Peifoneu bei der Behörde melden wm- den, die in der Mordsache Zimmermann sachdienliche Anaat't^ machen können. Selbst eine anscheinend nur bedeutungslose Wahr­nehmung kann zur 'Ermirrelutui und llebcrfübrung oes Täters führen. Die Belohnung für die Ermittlung des Täters ist von dcr Behörde auf 1500 Mark erhöht worden. .

\V Biebrich, 29. Mai. Beim Baden im Rhein 1 ertrank heute nachmittag dcr 19 Jahre alte Kuhschweizer Richard KaPt, dcr sich beim Baden zuweit hinausgewagt z hatte und in einen Strudel geraten war.

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