Ausgabe 
25.10.1913 Erstes Blatt
 
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abkommen bon 1898, als mich die nenerlichen Grflänutgen des englischen Premierministers Asquith und Sir Edward Greys bezüglich der Abtretung portugiesischen Kolonial­besitzes stets eine Initiative Portugals, also ein freund­schaftliches Uebereinkommen mit Portugal im Auge halten. Neue Verträge sollen jedenfalls nicht ohne die Mitwirkung Portugals zustande kommen. Beispielsweise dürfte Portugal kaum etwas dagegen haben, daß in Süd-Angola ein Frei­hafen für Deutsch-Südwest-Afrika eingerichtet wird, dessen Durchgangsverkehr dem portugiesischen Gebiete ebenso zustatten käme, wie demjenigen in Lourenzo Marqu^ mit Transvaal.

Der Koffer in Böhmen.

Deneschau, 24. Okt. Nach Beendigung der ersten drei Fa sanen- und Rebhühnertriebe sand um 12 Uhr mittags im Jagdzeit auf der Wiese beim Birkentor des Tuzinkaer Reviers ein Früh­stück statt, woran Kaiser Wilhelm, Erzherzog Franz Ferdinand, die .Herzogin Hohenburg, die Jagdgaste und deren Damen teilnahmen. Um zwei Uhr nachmittags begann die nach­mittägliche Jagd, drei Anrriebe auf Fasanen umfassend. Erzherzog Franz Ferdinand leitete die Jagd persönlich. Der Kaiser bewunderte wiederholt den reichen Bestand des Reviers. Nach der Jagd unter­nahmen die Herrschaften in Automobilen eine Rundfahrt durch den Park. Um 5 Uhr wurde im Waffensaal des Schlosses der Tee genommen. Hierauf zog sich der Kaiser in seine Gemächer zurück. Um acht Uhr fand im Schlosse Diner statt. Nack der Tafel hielten der Steifer und der Erzherzog rm Rittersaale Cercle, während die iRarmckapelle spielte .

Deutsche» Reich.

In der bayrischen Kammer der Abgeordneten begann am gestrigen Freitag die Beratung des Antrages der bayerischen Bauernbündler, der die Regierung ersucht, an- zuordneck, daß die durch die irrige Berwaltungsübung in -Bayern von Käufern kleiner Landgüter bis 20 000 Mark 'Erwerbspreis unrecht erhobene Reichsstempelabgabe rückver­gütet wird. Ferner wird von der Regierung verlangt, dahin zu wirken, daß der Bundesrat aus Billigkeitsgründen in ^Fällen, wo die zweijährige Erstattungssrist abgelaufen ist, ausnahmslos den Rückersatz des zu Unrecht erhobenen Reichs­stempels eintreten läßt. Der Finanzminister Breunig wird am Samstag den zum Worte gekommenen Rednern er­widern. Am Sitzungstisch kam es wiederum zu erregten persönlichen Auseinandersetzungen zwischen den Abgeordne­ten der Sozialdemokratie und des Zentrums, wobei der Vize- .Präsident v. Fuchs den Freiherrn Haller (Soz.) dreimal zur Ordnung rufen mußte und auf die Folgen eines weiteren Ordnungsrufs aufmerksam machen mußte. Der Vizepräsident regte zur Einschränkung der persönlichen Bemerkungen die Einschränkung der Bestimmungen der Geschäftsordnung da­hin an, daß die persönlichen Bemerkungen nur dann zuläs­sig sein sollten, wenn sie sich auf die Tätigkeit des Abgeord­netenhauses beziehen und empfahl, dem Hause zu diesem Zweck die Einsetzung eines Geschäftsordnungsausschusses.

Die Entwürfe zum neuen Patentgesetz, zum GebrauchsmufterschutzundzumWarenzeichen- gesctz,

die im Inti veröffentlicht sind, werden zunächst dem Reichs­tage nicht zugehen, da die Gutachten der Interessenten noch genauer geprüft werden sollen und Aenderungen des Ent­wurfes wahrscheinlich sind.

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags

/wird vor dem Zusammentritt des Reichstags eine Anfrage -einbringen, in der über denStandder Arbeitslose n- Bersicherung in Deutschland um Auskunft ge­beten wird.

Ausland.

Ein ru ssi sch-chinesis ches Ab kommen üb er die Mongolei.

Die Petersburger Telographenagentur meldet aus Pe­king: Zwischen dem russischen Gesandten und dem chinesi» scheu Minister des Aeußern wurde eine Verständigung über den Inhalt des russisch-chinesischen Abkommens betreffend die Mongolei erzielt.

Eine italienische Gruppe zum Eisenbahnbau in der Zone Adalia

hat sich, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, als Ottomanische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 100 Millionen Franks konstituiert. Sie hat sich in der vorigen Woche nach Entrichtung der gesetzmäßigen Taxe im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ein tragen lassen. Es verlautet, daß die englische Botschaft auf Grund gewisser Verpflichtungen der türkischen Regierung gegenüber der engtiscl)en Bahngesellschaft Smyrna-Aidin" gegen die Ertei­lung der Konzession für die Bahnlinie von Adalia nach dem Innern an Italiener Widerspruch erhoben habe.

Deutsche Kolonien.

Neu-Kamerun, 24. Okt. (Amtlich.) Ter Oberleutnant her Schutztruppe v. Raven ist auf seiner Dienstreise im Nola-Bezirk bei Nguku durch einen Lungenschuß gefallen und bereits in Nola beerdigt worden Nähere Angaben fehlen, v. Raven stand bis zum Uebertritt in die Schutztruppe im November 1910 beim Infanterie­regiment Graf Tauentzien von Wittenberg, 3. brandend. Nr. 20.

Au» Stadt und fand«

Gies;en, 25. Oktober 1913.

Besuch im Lupusheim.

Bon den Mitgliedern des Internationalen Tuber­kulose-Kongresses, der jetzt in Berlin tagt, weilten etwa 30 Mitglieder in der vergangenen Woche in G i c ß c n , um unserem LupuSheim, dem ersten derartigen Spenalkrankenhaus in Deutsch­land, .einen Besuch zu machen. Die Gäste hatten vorher- den Uni versitütsstädten Freiburg und Heidelberg, sowie dem Institut des Pros. Ehrlich in Frankfurt a. M. einen Besuch abgestattei Unter den Gästen befanden sich u. a. Prof. R i n g - Dresden, eine Autori tat auf dem Gebiete der Tuburkuloscforschung, die Holläuber Dr Zwolle und Dr. Hauk, Prof. K u t s ch e r a Innsbruck, Prof. Dr. K o v a - Mailand, Sophie Freifrau v. Wolfering Paris. Dr. R o st o s ch i u s k v Simferopol «Krim), Dr. F l e s ch - xiuy. in bürg, Dr. Fray - Budapest, sowie Dr. G a u g urllet Bern

Geheimrat Dr. h. c. Dietz Darmstadt, welcher Mitglied der Tuberkulose-Kommission ist, begrüßte als Bettrc.cr des Heilstätten Vereins für das Großherzogtum Hessen, dem das Lupusheim seine Entstehung verdankt, die Gäste. Er gab in großen Zügen ein Bild der Entstehung der Anstalt und berbafür ausgemendeten Honen und fprach seine Freude aus, die berufenen Bertreier der Wissenschaft des In- und Auslandes in der ersten deutschen Lupusberlstätte begrüßen zu dürfen. Der Direktor der Anstalt, Pros. Dr. I e s s i o n e k, sprach daraus über die Prinzipien und über die Metlwde mit der man im Luvushcim bisher die Kranken behandelt, und welche Erfahrungen man über den Erfolg dieser Behandlung bis her seit dem kurzen Bestehen der Svezialbeilstätte gemacht hat

Daran schlotz sich eine Besichtigung der Anstalt und besonders des Laboratoriums. Welch großes Interesse die Fach gelehrten für unscr LuMsheim hatten, geht baraii-5 hervor, daß

sie einen ganzen Vormittag darin verweilen und ganz begeistert sich über ific Einrichtungen des Hauses sowohl, wie über das, was sie durch den Direktor Dr. Jessionek hörten und äußerten. Man beglückwünschte den Leiter der Anstalt zu seinen Erfolgen, aber auch Geheimrat Dr. Dietz, dessen persönliches Verdienst es ist, daß wir in Gießen die Heilstätte erstehen sehen konnten, Besonders die Ausländer erklärten offen, sie hätten erst die TEbiicbt gehabt, an Gießen vorbei nach dem Kongreßort Berlin ihre Reise zu machen, sie hätten nicht damit gerechnet, daß das kleine Hessen über so etwas Mustergültiges und Vorbildliches, wie cs die Lupus­heilstätte ist, in seiner Universitätsstadt verfüge, auf welche das Land stolz sein fönne.

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_ ** Tageskalender für Samstag, den 25. Okt., und Sonntag, den 26. Cft.: Stadtlheater. Samstag: i e

Hermannsschlacht' (Sckülei Vorstellung), nachmittags 3'/, Uhr Sonntag nachmittags 3'/, Uhr: .Püppchen', abends 71/, Uhr: D i e S ii n d e n b o ck e'.

Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

Union-Theater: Täglich Vorstellung. (Dienstags und Samstags neues Programm.)

Oberbessisckes M n s e tt m und Gail' sche S a m m - lunaen. Geöffnet Sonntag vormittags 11 1 Uhr unentgeltlich

Museum für Völkerkunde. Geöfnret an Sonntagen vormittag^ von 11l Ubr unentgeltlich.

Obe rhessischerK un st verein. Tie Gemälde-Ausftelluna ist täglich von 111 Uhr und ebenfalls Mittwochs von 3 bis 5 Uhr geöffnet.

Die Anlagemusik findet am Sonntag, den 26. Oktober, vormittag 11 Ubr in der Sud-Anlage statt (nur bet gutem Wetter). Spielvlan: 1. Hiffo ischer Marsch, von Friedrich ^bem Großen. 2. Ouvertüre zur Operette »Fran; Schubert", von Fr. v. Suoo^. 3. llnnariidie Tänze Nr. 5 und 6, von I BrahmS. 4. Kaiser Friedrich-Marsch, von R. Friedemann.

" General der Kavallerie Friedrich von Scholl feiert heute in körperlicher und geistiger Frische das 50jä hri qe Di en ju bi läuin gleichzeitig mit seinem 6 8. Geburtstage. Der bekannte Offizier, eine der markantesten Persönlichkeiten auS dem unlitärischen Gefolge des Kaisers, ist ein Hesse von Geburt. Seine Wiege stand in Darmstadt, sein Vater, Friedrich Scholl, war dort Großh. Hessischer Oberst. In Darmstadt genoß der junge Friedrich Scholl auch seine Erziehung im Gymnasium und in der Gewerbeschule und trat 1863 in das Großh. hessische 2. Reiter-Regiment ein, in dem er 1866 die ersten kriegerischen Ersahrungen sam­melte. 1872 trat er als Oberleutnant in das 2. Großh. hessische Tragoner-Reniment 9h:. 24 und wurde 1880 in den erblichen Adel st and erhoben. Im deutsch-französischen Kriege erwarb er sich das Eiserne Kreuz. In preußische Dienste trat er 1886 als Major und wurde 1888 Flügel-- Adjutant des Kaisers.

** Schulangelegenheiten. Erledigt sind: eine evangelische Lehrerstelle in Schwalheim, Kreis Friedberg. Mit der Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Heb­st a h l, Kreis Erbach. Tas Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau zu. Dem Inhaber kann eine beson­dere Ortszulage gewährt werden.

** Eine Ausstelluna fnnstlerischerHandarbei- t e n veranstaltet die Firma Salomon, Schulstraße 4. Bei dem allgemeinen Interesse für Handarbeiten weifen wir besonders auf die Ausstellung hin.

** Feuerwehrehrenzeichen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde vom Großherzog an Hermann Otto Gebauer, Gottlieb ©fhmie-rer, Karl Repp, sämtlich zu Grünberg, an Georg Friedrich Kaffenberger zu Steinbach, Kreis Erbach, sowie an Lorenz Simon zu Groß- Auheim verliehen.

** Oberhessischer Kunst verein. Die neue Aus­stellung hat Sammlungen von Wilhelm Thiermann- Willingshausen und Otto Jung-Stuttgart aufzuweisen. Unter den Werken Jungs befindet sich eine AnzahlPor­träts" aus hiesigen Privatkreisen, welche gewiß besondere Aufmerksamkeit finden werden. Ferner haben die Ausstel­lung noch beschickt unser einheimischer Künstler Karl Fries, E. Langkammer-Dresden, H. Koberstein-Berlin, Prof. Ries Dessau und Bildhauer Prof. Liebmann- Berlin. Die Ausstellung ist täglich mit Ausnahme Sams­tags geöffnet. Neu eintretende Mitglieder für 1914 haben schon von jetzt ab, für sich und ihre Familienangehörigen, freien Eintritt zum Besuch der Ausstellungen. Die Liste zum Einzeichnen liegt im Ausstellungssaale offen.

** Stabt! b enter. Zum Gastspiel des Oberbayerischen Bauerntheaters (Dir. Michael Dengg), das auf der Durch­reise nach Bremen nm kommenden Montag hier ein einmaliges Gastspiel mit Anzengrubers .G ' w i s s e n s w u r m' absolviert, et= 'obren wir aus Freiburg i. Brsg, daß die Gäste dort mit diesem Werk einen vollen Erfolg erzielt haben. Für die Abonnenten gilt der erste Ermäßigungs'uvons. Aus die Sonntag-Vorstellung von ,Puppche n" sei besonders hingewiesen, da alle, die herzlich lachen wollen, in dieser Nachmittagsvorstellung, sowie in der Avend- vorstellung des überaus Innigen SchwankesS ü n b e n b ö d e" reichlich aus ihre Kosten kommen. In der Nachmittagsvorstellung wirkt die Negimeutskapelle mit.

" Aul der Station Gießen werden täglich 31 0 0 bis 32 000 Pakete durch die Poff beiördert gegenüber 27 000, die in der Stadt Gießen für den Stadtverkehr tätlich ankommen oder ad- geben. Diese Zahlen bilden etwa den Tnrcdschnitt bei normale in Verkehr. Zur Bewältigung des auf Bahnhof Gießen zu bewältigenden vostalischen Durchgangsverkehrs stehen 5060 Beamte zur Ver­fügung, die bei besonders starkem Betrieb durch Hilfskräfte unter- stützt werden. Rian sieht aus diesen Zahlen, welche Bedentnng unser Ponamt gewissermaßen als kleine Zentrale im Dienste der Post hat.

Landkreis Gießen.

* Hansen, 25. Okt. Der im 71. Lebensjahre stehende Lehrer LouiS Nikolaus wird nach 50 Dienstjahren, von denen er 30 Jahre verwandte, um in unserrn Orte die Jugend her- anzudilden, heute vornrittag den letzten Umericht erteilen, nm sich nach Gießen ins Privatleben zurückzuzichen. Der aus dem Amte scheidende Lehrer war bis vor etwa K Jahren der einzige Lehrer in unserrn Ort und die Mehrheit unserer erwach­senen Bevölkerung ist bei dem alten Herrn in die Schule gegan­gen. Der Lehrer Nikolaus hat stets in gutem Einvernehmen mit allen im Orte gelebt und sich daher allgemeiner Beliebtheit und Achtung erfreut. Heute abend wird ihm die Bevölkerung einen Fackelzug bringen, dem sich eine Huldigung auf dem Schulhofe anschließen wird. Am Sonntag abend wird in der Wirtschaft Scf'nrbt eine Famftienzusammenfunft zur Ehrung des LehuerS stattfindcn.

= Hattenrod, 24. Okt. Die Silberhochzeit feierte am Dienstag, den 21. d. M., das Ehepaar Ludwig Kutscher III tn Hattenrod.

= Lich, 24 Okt. Am Freitag ist Prinz Ludwig z u « o l m s o h e n s o l m S - L i ch , Königs. Preuß. Ritt- metster a. x., nach langem schwerem Leiden in Lich ver­storben. 1

Kreis Friedberg.

--- Bad»Rauhe.m, 23. Oktober. Biß heute sind 34440 "urgaite angekommen. Bäder wurden bis heute 468 075 abgegeben. M

r. Bad-Nauheim, 24. Okt. Der Turnverein genehmigte ut ferner gestern abgehaltenen gut besuchten

Versammlung die Recknnmgsablage für den An- und Um­bau der Turnhalle in Höhe von 37 327 Mk.

8 Bad-Nauheim, 24. Okt. Nachdem die Saison mit ihren mannigfachen Veranstaltungen zu Ende gegangen ist, werden die Winter-Unterhaltungen scdvn bald ihren '?l!nfang nehmen. .Vortrags- und Bildungsvcrein haben ei« reiches Programm für den Winter aufgestellt. Der erstere bat für seine Kon zette und Lieberabende nieder erstklassige Kräfte ge­wonnen, wie Frl. TiUy Kocnen, Professor Arnold Mendels­sohn, Professor Kiefer- München, Musifdirekwr S p a n t o, den .Humoristen Max Hofpauer u. a. Die erftc Veranstaltung findet am 3. November statt. Der Bildungsvcrcin beginnt seine Wintertätigkeit am 31. Oktober mit einer Theatervorstellung des Rhein-Mainischen Verbandstheaters. Mit Rücksicht auf die Jahrhundertfeier istAndreas Hofer" von Lutz gewählt worden. Als weitere Aufführungen werden bann im Winter noch folgen: ShakespearesTie lustigen Weiber von Windsor",Die ver­sunkene Glocke" undDer Biberpelz" von Hauptmann. Außerdem kommt noch WittesHänsel und Gretel" für die Kinder zur Darstellung.

Starkenburg und Rheinhessen.

rb. Darmstadt, 24. Okt. Gelegentlich des in der vorigen Woche in Darmstadt abgehaltenen Vcrbandstages der Deutschen Landes-Frauen-Vereine vom Roten Kreuz war als eine der ältesten und bekanntesten Vertteterinnen vom Roten Kreuz aus Berlin Frau Elisabeth Konstantia von P l e s s e n , geb. Freiin von Richthofen, erschienen. Die 68 Jahre alte Dame war trotz der an­strengenden Fahri von Berlin noch am selben Abend zur geselligen Begrüßung in den Festräumen der Vereinigten Gesellschaft in voller Frische erschienen und hatte auch der ersten Sitzung des Verbandes am Dienstag vormittag beigewohni. Nachmittags 5 Uhr war dann Empfang bei der Großherzogin im Refidenzschloß und da sie dott als eine der ersten Führerinnen nicht, rote sie zugesagt hatte, erschien, sandte man nach ihrem Hotel in der Rheinstraßc, wo sich alsbald ergab, daß die Greisin ganz unbemerft in ihrem Zimmer einen Schlaganfall erlitten hatte. Trotz sofort herbei gerufener ärztlicher Hilfe gelang es nicht, die Greisin am Leben zu erhalten; sie ist nach achttägigem Krankenlager in dem betreffen­den Hotel gestorben.

rm. Darmstadt, 25. £)ft. Der städtischen Verwaltung in Darmstadt ist für ihre 'Beteiligung an der Baufachausstellung in Leipzig der Staatspreis des Groß Herzogtums Hessen zu­erkannt worden.

rm. Heppenheim, 25. Okt. Hier war seit Montag abend der Lls Nachfolger des Bürgermeisters Höhn gewählte Bürger­meister Kohl, der auch ein Kolonialwarengeschäft betreibt, ver­schwunden, nachdem am Nachmittag der hiesige Untersuchungsrichter mit einem Bücherfachverständigen eine vvrläuffge Prüfung bei Bücher vorgenommen hatte. Es sollen Unrebelmäßigkeitcn resp. Unterschlagungen vorliegen, deren Umfang man allerdings noch nickt kennt. K. ist am Mittwoch abend 8'Ubr weggefahren mit der Mitteilung, daß er abends noch zurückkornme. Heute wurde er durch die Gendarmerie festgenvmrncn. Er ist verheiratet und etwa 50 Jahre alt. Seine Verhältnisse galten als geordnet Man tnuß die Untersuchung abwarten.

vereinsnachrichten.

* Stenographenverein. Sonntag nachmittag 4 Uhr findet im Hotel Einhorn seitens des Bezirks Gießen Gabels- bergcrscher Stenographen die H e r b ft b c r t r c t c r 'B c r i a m m - lung statt, der um 3 Uhr eine Sitzung des Gaues Gießen vmangeht.

* Wartbnrgverein. Am Sonntag feiert der Wart­burg v ere in christlicher Jünglings- und Mäunervercinc fein 26. Stiftungsfest, welches mit einem Ehoralblascn vom Pvsaunenchor des Wartlmrgvereins morgens 7 Uhr vom Stadtkirchturme eröffnet unb durch einen Festgottesdtenst in der Stadtkirche um 1/210 Uhr festlich begangen wird. Pfarrer Schwabe hält die Festpredigt.

Kietzeuer Strafkammer.

Gießen, den 24. Oft 1913. Fahr r addiebsta hl.

Am 7. September 1. I. wurde in der Gartenwirtschaft von F. B. in Heldenbergen dem W. B. von Büdesheim ein Fahrrad im Werte von 100 Mark gestohlen. Bereits am nächsten Tage gelang es, in Frankfurt a. M. den .Kuhmelker A. P. tnm Ober­hausen als den Dieb zu verhaften. Da Rücksallsdiebstahl vorliegt, trifft den geständigen, häufig bestraften Angeklagten eine Ge­fängnisstrafe von 9 Monaten. Da er bet seiner Verhaftung sich außerdem einen faljchen Namen beigelegt hatte, erhält er noch 3 Tage Haft. 5 Wochen und 3 Tage Untersuchungshaft kommen indessen auf die Sttafe in Anrechnung.

Verführung.

Der verheiratete Hausierer H. M. in Gießen hatte int April d. I. die 15jährige Hj. S. verführt. Sttafe: 4 Monate Ge­fängnis.

Einfachen Rückfallsdiebstahl anstatt schweren Rücksallsdiebstahl nahm die Kammer bei dem viel« fach vorbestraften Anstteicher C. D von Homburg v. d H. an, der im September l. I. in Friedberg aus dem Keller des Gemüsehändlers G., bei dem er einige Tage gearbeitet hotte, Meerrettich in großer Menge gestohlen hatte. B. batte bet feinem Eindringen in den Keller die Kellertüre aus den Angeln gehoben. Es ergab sich jedoch, daß kein schwerer Diebstahl vorlag, da das die übliche Weise war, in den Heller zu Gefangen. Sttafe 5 Monate Gefängnis. 6 Wochen Untersuchungshaft gehen von der Strafe ab. Zur Verhandlung ausgcbliebcn

iDor der Taglöhner I. H. S. von Vilbel, der unter der Anklage des schweren Diebstahls im wiederholten Rückfalle steht. Do ohne ibn eine Verhandlung gegen den erschienenen, der Beihilfe an- klagten Taglöhner W. F R. von Vilbel nickt möglich war, wurde der Termin abgesetzt. Von einem Haftbefehl gegen S. wurde abgesehen, da nickt feftzustellen war, ob er Kenntnis von der Ladung erhallen hatte.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkert Wnrde gegen den Landnnrt A. S. in Rockenberg öerfftntbcft, der geständig ist, in zahlreichen Fällen sich an schulpflichtigen Mädchen vergangen zu haben. Mit Rücksicht auf das ärztliche Gut­achten, das den AngcNagten als geistig minderwertig bezeichnete, Wnrde unter Zubilligung mildernder Umstände auf eine Gesamt- gcsängnisftrase von 1 Jahr und 9 Monaten erkannt. 6 Woche» Untersuckpingshaft werden auf die Strafe angercdjnet.

Rückfollsdicb stahl.

Ter Taglöhner P. K. von Schönau, zuletzt in Södel wohn« haft, hat am 8. September vor dem Postgebäude in Bad-Nauheim ein Fahrrciö gestohlen K., der rückfällig unb wegen Fobrrad- diebstabls schon wiederholt bestraft ist, erhält eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr. Auch werden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte aut die Tauer von 5 Jahren aberkannt.

<Berid)t»faaL

Das Urteil im Prozeß Sanchez.

M a d r i d, 24. Cft Der oberste Gerichtshof verurteilte den früheren Hauvtmann S anckez zum Tode und feine Tochter 'Marie zu lebenslängliche in Gefängnis.

W. Leipzig, 24. Cft. Vor dem Vereinigten zweiten und dritten Sttafsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Se- natspräsidcnten von Pclargus begann heute vormittag der Svi 0 - nagcprozeß gegen den 24jäbrigen Schneider und Buraruge Hilfen Paul Bicsolski aus Sablon und seinen Bruder, den 18jahrigen, bereits vorbestraften Schlosser Marl Biesalsfi aus L 0 ngwl; wegen versuchten Verrates militärischer Geheim­nisse und schweren Diebstahls. Laut EröffnungSbesckllliies werden beide Angeklagte beschuldigt, Druckschriften aus bem M Iitärbureau Nr 5 in Metz und Manöverkarten der Umgebung Straßburgs, von denen sie irrtümlich annabmen, daß sie geheimzuhalten seien, sich durch Duckstahl verschafft, unö versucht haben, sie in Luxemburg und Frankreich zur Kemrttus anderer zu bringen.