letzten zwei Wochen sich wieder einstellte und bedeutend zunahm, rieten wir dem König, sich einer besonderen Behandlung auf Schloß Trottninghatm zu unterziehen, was erfordert, daß der König in d-er ersten Zeit das Bett hüten und bis auf weiteres sich aller Regierungsangelegenheiten enthalten muß. Die Temperatur ist normal. Der Gesundheitszustand veranlaßt feine Beunruhigung.
Ein kaufmännisches Schiedsgericht?
Die New Yorker Handelskammer nahm eine etwas phantastische Entschließung an, in ber empfohlen wird, den Handelsorganisationen in der ganzen Welt einen Plan zu unterbreiten, nach welchem die Streitigkeiten zwischen Kaufleuten verschiedener Nationen durch ein Schiedsgericht anstatt durch die Gerichtshöfe geschlichtet werden sollen. Unter Wirkung des neuen Planes sollen alle Kvlttrakte eine Klausel enthalten, die bestimmt, daß die Entscheidungen über Streitigkeiten einem Tribunal überwiesen werden sollen, das durch eine in den Kontrakten namhaft gemachte Organisation zu wählen ist.
DieNiederwerfungderRevolutionin Mexiko.
Nach einem offiziellen, bei der Berliner mexikanischen 'Gesandtschaft eingegangenen Telegramm hat die Regierung Mexikos die Revolution niederaewor - f e n. Die militärischen Operationen gegen die Rebellen im Norden haben keine Bedeutung mehr. Die Regierung verfügt bereits die endgültige Verlegung der Truppen behufs einer Kontrolle über die Nordstaaten, die rebellierten. Die Wahlen sollen stattfinden, wie dies in Uebereinstimmung mit dem Versprechen steht, das die Regierung am 1. 2lpril 1913 der Nation gegeben hat. Die Regierung ist entschlossen, allen Kandidaten Garantien zu gewähren. Es liegen bereits zwei Bewerbungen für den Posten eines Präsidenten bezw. Vizepräsidenten vor: Diaz-Requena und Camboa-Raffon, andere sind angekündigt, darunter Calero-Floras May on.
Die Präsidentenwahl in China.
Die „Morningpost" meldet aus Schanghai unter dem 1. Oktober. Die Wahl des Präsidenten ist auf den 5. Oktober und die des Vizepräsidenten auf den 6. Oktober festgelegt worden. Die feierliche Amtseinführung wird am 10. Oktober stattfinden.
25. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner.
Warburg a. L, S. Oft. 1913.
Die fortgesetzten Beratungen der 52. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner wurden durch Sektionssitzungen eingeleitet. — In der althistorisch-epigraphischen und archäologischen Sektion sprach Dr. Kimmen < Athen) über „Handel undVer- Lehr in Mykenischer Zeit".
Professor Dr. Körte (Gießen) sprach über die „Eleusi- nischen Mysterien". Indem der Redner die Untersuchungen Albrecht 'Dietrichs fortführte, suchte er den Kern der Dichtungen, den sakramentalen Mt, durch den der Myste zum Sohn der Erdmutter wird, aufzullären. Er ernannte ihn in der Berührung einer Nachbildung des.Ätutterschoßes der Göttin, der in der cista nuptica lag. — In der pädagogischen Sektion sprach Geh. Medizinalrat Prof. Schenk (Dtarburg) über die Gefahren des Sports. Der Vortragende erörterte zunächst die Lehre von den physiologischen Ursachen der Ermüdung. Bei angestrengter Tätigkeit eines -Organs entstehen in demselben Stoffe vom Charakter der Säure, die als Produkte einer unvollständigen physiologischen Verbrennung anzusehen sind und die eine lähmende Wirkung ähnlich wie gewisse Gifte ausüben. Die Erholung besteht in einer Entgiftung von diesen Ermüdungsftoffen, sei es, daß diese Stoffe durch die Nieren aus geschieden, sei es, daß sie durch eine nachträgliche vollständige Verbrennung unschädlich gemacht werden; aber diese Entgiftung vollzieht sich langsam. Deshalb können Muskelanstrengungen eine Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit zur Folge haben, indem der im Muskel vorhandene Ermüjdungsstosf eine Herabsetzung der Erregbarkeit der Nervenzellen in der Großhirnrinde bewirkt. Da der hi)gienische Zweck der Leibesübungen auch erzielt wird, wenn die Muskelanstrengungen nicht bis zum Entstehen erheblicher Mengen der Ermüdungsstofie gesteigert werden, so sollten bei Leibesübungen Anstrengungen vermieden werden, die zu Atemnot führen, denn diese A-temnot ist auch durch die Ermüdungsstofie bedingt.
In der gleichen Sektion sprach Direktor Huckert (Posen) über die Leistungen der höheren Lehranstalten Preußens in, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
In der allgemeinen Sitzung, die unter Leitung von Direktor Professor Fuhr (Marburg) stand, teilte der Vorsitzende mit, daß der Versammlung von der Buchhandlung Weidmann 2000 Mk. für einen wissenschaftlichen Zweck zur Verfügung gestellt worden seien, lieber die Verwendung der Summe soll eine Kommission entscheiden. — Den ersten Vortrag hielt Professor Klock über „Die Entwicklung des römischen Dramas".
Ed ward Schroeder (Göttingen) sprach über Wortschöpfung und Wortwahl, Prof. Kisch (Bisttitz) behandelte die Frage nach der Herkunft der siebenbürgischen Sachsen.
Ans Stadt nnd Land.
Gießen, 3. Oktober 1913.
Praktischer Vogelschutz.
Das vielseitigste Vogelleben findet man in klimatisch bevorzugten Lagen, dort, wo Wald, Wiese, Bach und Feld sich eng aneinander schließen. Neben dem Klima ist die Bodenkultur der Hauptfaktor bei der Ansiedlung und Vermehrung der Vogelarten, und mit dem Wechsel der Bodenkultur einer Gegend gehen auch in der Vogelwelt gewisse Veränderungen vor sich. Ganz gewiß kann daher von einer Abnahme verschiedener Vogelarten gesprochen werden, wo die Bodenkultur einseitig geworden ist. Seit der Einführung des Drahtzaunes ist bis zu der fast vollständigen Ausrottung der lebenden Hecken nur noch ein kleiner Schritt. Vermehrter Nadelholzanbau auf der einen Seite und fortschreitendes Verlassen der Naturverjüngung beim Laubholz auf der anderen Seite lassen die früheren dornenreichen Dickungen selbst int Staatswald immer mehr zusammenschrumpfeu. Das Eldorado der Laub- und Heckvögcl, der Mittelwaldbetrieb, ist fast ganz auf- gegeben. An die Seite des die warmen Abdachungen und Flußtälcr bedeckenden Eichenwaldes ist die einförmige Fich- tenkuliur getreten, in der die Sonne erst im Spätfrühjahr den Boden zu erwärmen vermag. Mit den allerschwersten Geschützen ist auf diese Weise der Mensch den LebenSbedin- jungen der Laub und Heckvögel auf den Leib gerückt. Selbst tm Staatswalde fällt heute die letzte hohe Eiche der Axt zum Opfer, am häufigsten lediglich der Ordnung wegen. Durch die herabgesetzte Umtriebszeit werden, wie sogar ein Forst mann in der „Köln. Ztg." klagt, urwüchsige, herzerfrischende Altholzbestände immer seltener. Sollte da nicht endlich eine vorbildliche Wandlung eintreten können auf den großen Staats- und Gemeindewaldflächen? Selbst die Eisenbahnver- waltung könnte auf ihrem ausgedehnten Gelände eine billige Heckenwirtschaft im Interesse der Vogelwelt (zugleich gegen Schneeverwehungen) treiben, die an vielen Stellen auch das Laudschaftsbild verschönte. Dazu haben die Bahnwärter vielfach Zeit genug zur Heckenpflege. Die Dornenhecke und der Dornenstrauch ist. der natürlichste und beste Schutz unserer
Heckvögel gegen böse Buben und Katzen. Saubere, gut gepflegte Weißdornhecken lassen sich in den städtischen Anlagen in den verschiedensten Formen ziehen. Wie dekorativ und belebend wirkt die Schwarzdornblüte schon Mitte Aprils in Wald und Feld. Strauchweise angebaut könnte diese Tor- nenart manche etwas verlassene Eckchen der städtischen Anlagen ausfüllen und den Vögeln zur Nistgelegenheit dienen. Im Obstgarten leisten die Meisen bei der Insektenvertilgung gewiß gute Dienste. Die Zahl der durch Nistkästen anzu- siedelnden Vögel hängt jedoch wesentlich von der Zahl und dem gesunden Wachstum der vorhandenen Obstbaume ab. So einseitig von Insekten leben auch die Höhlenbrüter, Heck- und Laubvögel nicht, sonst würde bei der Ueberhandnahme der Blutlaus in manchen Hausgärten sich auch zugleich eine vermehrte Ansiedlung dieser Vogelart zeigen. Das Vogelfüttern im Winter mit Fleisch hat ganz entschieden auch seine Schattenseite in der starken, lästigen Vermehrung der Schwarzdrossel gefunden und zu einer vollständigen Entartung dieses Vogels in den Hausgärten geführt. Ebenso nimmt der Sperlingsschadcn durch die Winterpflege der Vögel von Jahr zu Jahr zu. Bei der Raubvogelvernichtung das ganze Jahr hindurch durch Fang und Schuß greift der Mensch in die naturgemäße Entfernung kranker, schwächlicher, zur Fortpflanzung wenig geeigneter Vogelindividuen ein, ohne sich der Tragweite dieser Maßregel voll bewußt zu sein. Soviel steht fest: Die Vogelschutzfrage kann allein durch die „kleinen Mittel" (Vogelschutzparks, Nistkästen und Winterfütterung) nicht gelöst werden. Sie ist eine brennende Frage geworden, die zunächst auf das Zustandekommen internationalen Vogelschutzes (wider den Vogelmord in Italien!) drängt. Die Forstverwaltung wird durch Einfluß auf Personal und Wirtschaft in den ausgedehnten Staatsforsten den Kommunen und den Privatwaldbesitzern durch praktische Mittel zu zeigen haben, daß unserer Vogelwelt, ohne'Opfer zu bringen, nicht zu helfen ist. Mit dem Heckenbau durch den Eisenbahnftskus und die Straßenverwaltungen länger zu zögern, muß zum schließlichen vollständigen Aussterben der Heckvögel auf deutschem Boden führen.
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** Landesuniversität. Mit dem 1. Oktober hat Geh. Hofrat Professor Dr. Elbs dieDirektiondeschc- mischen Instituts der Landesuniversität übernommen. Er behält vorläufig auch noch die Direktion des physikalischchemischen Instituts, in dessen Räumen ein Teil des rein chemischen Unterrichts stattfinden muß, da in dem chemischen Institut bauliche Veränderungen nötig sind.
** F i n a n z w es e n. Am 30. September ds. Js. wurde der Schreibgehilfe bei dem Finanzamt Homberg Karl Born zum Finanzamtsgehilfen bei dem Finanzamt Mainz I und der Schreibgehilfe bei dem Finanzamt Alzey Jakob Greth zum Finanzamtsgehilfen bei dem Finanzamt Oppenheim ernannt.
** Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen. Um den Landwirten Gelegenheit zu geben, neuere Kartoffelerntemaschinen im Betrieb zu sehen, veranstaltet die Landwirtschaftskammer am Dienstag, den 7. Oktober 1913, nachmittags von 2—5 Uhr in Alsfeld eine Vorführung von Kartoffelerntemaschinen auf dem Versuchsfeld der landw. Winterschule Alsfeld.
**Zurhessischen Genossenschaftskrise. Die Spar- und Darlehnskasse in Wonsheim in Rheinhessen lehnte in ihrer Generalversammlung den Antrag des Vorstandes ab, den Verlust aus dem Zusammenbruch der Darmstädter Genossenschaftsbank durch Erhöhen der Geschäftsanteile der Mitglieder zu decken. Der größte Teil der Mitglieder ist ausgetreten aus der Kasse. — Die Spar- und Darlehnskasse in Bechtolsheim in Rheinhessen beschloß in ihrer Generalversammlung, den aus gleicher Ursache entstandenen Verlust durch Erheben von 250 Mark Haftsumme von jedem Mitgliede auszugleichen. Einstimmig lehnte sie aber einen Antrag des Moratoriumsausschusses der zusammengebrochenen Genossenschaftsbank ab, auf 50 Prozent der Förderung der Kasse zu verzichten.
•* Der Prüfung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst haben sich nach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landesstatistik im Frühjahre 1913 im ganzen 42 Kandidaten unterzogen, von denen vier 16 Jahre und einer 23 Jahre alt mären. Zum zweitenmal unterzogen sich der Prüfung 18, zum drittenmal 2. Im ganzen bestanden nur 18 die Prüfung, 24 bestanden sie nicht, borimter 10, die sich ihr zum zweitenmal unterzogen hatten. Die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst an höheren Lehranstalten erlangten im Schuljahre 1912/13 1181 Schüler und 22. Schülerinnen.
** Steuereinnahmen int Jahre 1912. Infolge Münderung der Zielbeträge auf ganze Pfennige bei dem Hauptausschlag kommen 463,58 Mark weniger zur Erhebung als für das Jahr ausgeschlagen wurden. Nach Ausgleichung dieses Unterschiedes bei der Einkommensteuer waren bei der Großh. H a u p t st a a t s k a s s e als Einnahme zu verrechnen: 14 808 226,58 Mk. Einkommensteuer, 4 526 521,79 Mark Staatssteuern: ferner 1394 590,89 Mk. allgemeine evangelische und 236 356,88 Mk. katholische Kirchensteuer, zusammen 20965 696,14 Mk. als Staats- und Kirchensteuern im Rechnungsjahr 1912.
• • Vom Chemischen Untersuchungsamt. Wir werden ersucht, folgendes zur Kenntnis zu bringen: Die Dienst stunden de§ Chemischen Untersuchungsamtes für die Provinz Oberhessen sind für die Wintermonate (1. Oktober bis 30. April) auf die Zeit von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags festgesetzt worden.
• • Besitzwechsel. Das Isaak Nosenthalsche Haus in der Ludwigstraße, ortsgerichtliche Taxe 54 000 Mk., belastet mit 52 500 Mk., wurde im gerichtlichen Zwangsverkauf dein Kaufmann Senner für dessen Höchstgebot von 50000 Mk. zugefchlagen.
** In dem Konkurse Louis Troß war jetzt der erste Gläubigertermin. Es sind bisher zur Masse rund 70 000Mk. Forderungen angemeldet, denen Werte von etwa 6000—7000 Mk. gegenüberstehen, so daß eine Ueberschuldung von 63 000 Mk. vorhanden ist. Unter den Forderungen sind 6800 Mk. bevorrechtigte «Arbeitslöhne). Bei diesem Status sind die Immobilien und Aecker, die mit 13 000 Mk. belastet sind, nicht mit einbegriffen. Der Konkursverwalter teilte mit, daß Bilanzen seit 1910 nicht vorliegen und daß feit 1. Januar 1913 kein Kassa- bild) mehr geführt ist. Das Gelände hofft man an die Stadt Gießen zu verkaufen oder zu parzellieren und glaubt dadurch noch etwas für die Gläubiger herauszuholen.
. l. In die hiesige Klinik ein geliefert wurden dieiex Tage zwei Binder, denen beim Spielen Bohnen in die -l aJc geraten umreit, so daß sie aus operativem Wege entfernt W"; ■2"'c ?^crn< bic in Altenburg wohnen, waren bei dem Vorfall abwesend. Man holte einen Arzt zur Hilseleistung herbet, dem es jedoch nicht gelang, die Bohnen zu entfernen.
• • Gießener Pferde-Lotterie. Ter Hauptgewinn ist in die Kollekte von Edgar Bormann, Neustadt, gefallen. Gewinner ist ein Steinhauer in Münzenberg.
• • Einjähri g-Freiwillige. Beim hiesigen Regiment sind am 1. Oktober 50 Einjährige eingetreten.
" Silberne Hochzeit. Am Sonntag, den 5. Oktober, feiern Zugführer Heinrich Engelbach und Gemahlin ihre silberne Hochzeit.
• * Berichtigung In unserer gestrigen Notiz aus ? Holzheim ist versehentlich bet Ort verwechselt. Er muß Lang-Göns heißen. Der Uitsall des Lehrlings ereignete sich aus der Strecke von Holzheim nach Lang-Göns.
Landkreis Gießen. ,
1. Klein»Linden, 1. Okt. Der Eifenbahnkonsumverein hat hier eine Zweigstelle eingerichtet.
Kreis Schotten.
z. Aus dem oberen Vogelsberg, 2. Okt. Die Ge- treibeernte war sehr ergiebig. Gebund hat es reichlich gegeben, der Körnerertrag steht zwar gegen die Vorjahre etwas zurück, ist aber doch recht zufriedenstellend.
Kreis Friedderg.
(Ij Friedberg, 2. Okt. An Gemeindesteuern erheben die 72 Gemeinden unseres Kreises insgesamt 1871000 Mk. An erster Stelle stehen Bad-Nauhcim mit 364 000 Mk. bei einem Ausschlagskoeffizienten von 123,6°,o und die Kreisstadt Friedberg mit 289 500 Mk. bei 102°o, darauf folgen Butzbach mit 101 680 Mk. bei 112,74, Vilbel mit 100 000 Mk. bei 139,2, Rockenberg mit 32 600 Mk. bei 168, Assenheirn mit 30000 Mk. bei 107,2, Nieder Florstadt mit 30 000 Mk. bei 132,4, Ilbenstadt mit 29 000 Mk. bei 137,2, Garnbach mit 28050 Mk. bei 156,3, Ockstadt mit 28 000 Mk. bei 112,6 vom Hundert. Die niedrigsten Beträge bringen auf: Oes 260 Mk. bei 177,6, Feldgcmarkung Straß- Heim 1800 Mk. bei 63,6, Hausen 2000 Mk. bei 264,3, Burg- Gräfenrode 2200 Mk. bei 24,2, Maibach 2500 Mk. bei 168,5 und Bodcnrod 2700 Mk. bei 225 vom .Hundert. Folgende Gemeinden haben den höchsten Ausschlag, sind also im Verhältnis am höchsten mit Umlagen belastet: Hausen 264,3, Trais-Münzenberg 253,5 und Griedel 200,9 vom Hundert.
L. Friedberg, 2. Okt. Die neue Garnison. Heute vormittag um 11 Uhr zogen die fünf Friedberger Militärvcreine mit ihren Fahnen unter Vortritt der Kapelle der Milctärnnnik- schule nach dem geschmückten Kriegerdenkmale, wo sich die Offü ziere der Landwehr und Reserve versammelt hatten. Später erschienen die Stadtverordneten, der Bürgermeister und der SlYci-3* rat. Um 11 y2 Uhr hielt das Bataillon seinen Einzug. Bürgermeister Stahl begrüßte die Truppen, wofür der Major des Bataillons dankte Darauf defilierte das Bataillon und marschierte mit Musik nach seiner Kaserne. Vorerst sind es 319 Mann, nach Eintreffen der Rekruten 650 Mann, welche hier in Garnison liegen.
Starkenburg und Rheinhessen.
bs. Darmstadt, 2. Okt. Die heutige Stadtverordnetenversammlung hatte 11. a. über ein Gesuch der Gemeinnützigen Gartenstadt-Genossenschaft zu befinden, das dahin ging, auf bent von Vieser Gesellschaft erworbenen Gelände am Heinrichwingertsweg einige Einfamilienhäuser zu errichten. Nach eingehender Aussprache wurde das Gesuch der Gartenstadt-Genossenschaft genehmigt. Zieht man in Betracht, daß die Frage der Gartenstadt nicht nur die Kommunalverwaltungen beschäftigt, sondern eine soziale Frage überhaupt ist, so muß man die Stellung der diesem Projekt feindlichen Stadtverordneten als seltsam bezeichnen. Gerade die Wohnungsverhältnisse in Darmstadt, soweit die innere Stadt in Betracht kommt, sind sehr ungünstig.
m. O f f e n b a ch, 3. Okt. Im Beisein der Vertreter der städtischen, staatlichen, und Kreisbehörden, der Bürgermeister des Kreises Offenbach, zahlreicher Ehrengäste, sowie Freunde und Gönner des Obst und Gartenbaues wurde heute mittag vorn Regierungsrat Lochmann die.Kreis-Obst' und Gartenbau-Ausstellung eröffnet, die von dem Obst und Gartenbauverband für den Kreis Offenbach in Verbindung mit dem 10jährigen Berbandsjubiläum veranstaltet ist.
h Reinheim, 1. Oktober. Im „Darmstädter Hof" sand heute der diesjährige Odenwälder Philistertag des Gießener Wingolf statt.
d. Rüsselsheim, 2. Okt. Die Gemeinderats- wähl brachte der sozialdemokratischen Partei einen vollen Sieg. Von 912 abgegebenen Stimmen fielen durchschnittlich 600 den fünf sozialdemokratischen Kandidaten zu.
Hessen-Nassau. •
[1 Marburg, 2. Okt. Zu Ehren der Teilnehmer des Philologen-Kongresses fand gestern abend von 8—9 Uhr eine Beleuchtung des Landgrafenschlosses und des Kaiser-Wilhelm- Turmes statt. Um 9 Uhr begann in den bis auf den letzten Platz besetzten Stadtsälen der von der Stadt gegebene Kommers. Das Präsidium hatte Oberbürgermeister Tro je übernommen. Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Rohde brachte im Anschluß an seine Begrüßungsrede ein Hoch auf die Gäste aus, Landes- schulinspektor Professor Kauer Triest antwortete mit einem Hoch auf Marburg. Dann führten Studenten einen lustigen, eigens zum Philologentag von Geh. Rat Prof. Dr. Birt verfaßten lustigen Schtvank „Ein Philologenmorgen oder die verunglückte Probe" auf. Beim Eintritt der Fidulität führte Pros. Wrede - Marburg das Präsidium. Große Begeisterung erweckte die Rede des Professors Soltau aus Zabern, der das deutsche Elsaß leben ließ. Heute früh nahmen die Sektionssitzungen ihren Fortgang, um 11 Uhr faiib in der Aula auch wieder eine allgemeine Sitzung statt, bei der drei Vorträge gehalten wurden. Nachmittags fand ein Ausflug nach der Ruine Frauenberg statt, für morgen ist ein Ausflug nach der Saalburg in Aussicht genommen.
w. Marburg, 2. Okt. Der bisherige besoldete Stadtrat Johanns Müller in Forst i. d. Lausitz ist als besoldeter Beigeordneter der Stadt Marburg auf 12 Jahre bestätigt worden.
X. Hanau, 2. Okt. In der Vertreterversammlung des hessischen Volksschullehrervereins sind u. a. folgende bemerkenswerte Anträge angenommen »norden: „Der Geschästsführende Ausschuß des hessischen Volksschul- lchrervereins wolle den Vorstand des Preußischen Lehrervereins veranlassen, an geeigneter Stelle dahin zu wirken, daß bei O r d e n s a n s zei ch n u n gen die Ausnahmestellung der Volksschullehrer beseitigt und der Mer des .Hausordens von Hohenzollern nicht mehr verliehen werde. Tde Besoldungsordnung von 1909 bildet keinen gerechten Ausgleich gegenüber den gegenwärtigen Teuerungsverhältnissen. Die gesetzgebenden Körperschaften haben in dem Gesetz vom 26. Juni 1909 durch Gewährung von Ortszulagen anerkannt, daß der Lehrerschaft ein höheres Tienstcinkommen zustehe, was aber auch nach Maßgabe der damaligen Finanzlage nicht angängig erschien. Die Gehälter entsprechen weder der Vorbildung noch der Tätigkeit der Volksschul- lehrer. Die wirtschaftlichen Erfolge und die militärische Tüchtigkeit unseres Volkes beruhen zum großen Teil auf der Arbeit der Volksschullehrer. Der Lehrer ist deshalb gehaltlich so zu stellen, daß er bei höchster Anspannung der Kräfte mit Freudigkeit sein schweres, verantwortung»svolles Amt verwalten kann."
--Rödelheim, 3. Okt. Bor einiger Zeit trat die 10 Jahre alte Meta Quelle in Rödelheim in einen rostigen Nagel. Trotzdem alle Gegenmittel angewendet wurden, verschlimmerte sich die Verletzung, so daß das Kind dem Krankenhaus über- »vicsen luerben mußte. Dort trat Wundstarrkrampf hinzu- der den Tod des Mädchens )ur Folge hatte.


