Ausgabe 
3.10.1913 Erstes Blatt
 
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Sreitag, z. Oktober 1913

|63. Jahrgang

Erstes Blatt

GietzenelAMger

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seilen.

Tageskalender aus dem Jahre 1813.

3. Oktober. Blüchers Uebergang über die Elbe bei Warten- burg. Porck wirft die Franzosen aus ihrer verschanzten Stellung und zwingt sie zum Rückzug nach Wittenberg. , Das hessische Chevauxlegersregiment nimmt an der Schlacht teil, verliert mehrere Tote und 50 Getangene.

Bezugspreis: monatlich 75Pf^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Pik. 2. vrertel- jährl. auöschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Psenniq. Ehesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den

Neues Theater Frankfurt. Mert Stcinrücks Gastspiel im Frankfurter Neuen Theater ist ein kimstlerilches Ereignis. Steinrück ist einer der wenigen, die als Künstler oay Leben belauschen und vom Leben lernen. Sein Spiel ist ohne alle Pose, einfach, ohne Pathos und daher packend. An Stockende seiner Sprechweise must man sich erst gewöhnen <^ede Redepause bei ihm Ijnt Berechtigung. Verhaltene Leidenschaften weist Steinrück am besten zu geben. Deshalb, hat er wohl auch sein Können in zwei Rollen gezeigt, die bieie ^eelenstimmung haben In bartlebensMschied vom Regiment" bat .Hauptmann Griesfeld das selbstverschuldete Unglück seiner Ehe bis zur Stunde der Katastrophe aus innerer Unfreiheit stumm ertragen, ^n der zweiaktigen KomödieAngele" ist es der alternde Mann, der sich nach Liebe sehnt, und den die Furcht vor einer Enttäuschung, die er in seiner Ehe sck-on einmal erlebt hat, zum Zyniker ge­macht hat. Auch die Liebe des 52 jährigen zu der weitherzigen jungen Angele ist auf Sinnlichkeit aufgebaut. Sie wird m dem Augenblick vernichtet, wo sie auch das Herz ersaßt. steinrück weist den beiden Figuren das Tiefste abzugewinnen und durch seine große Kunst das Tiefste sichtbar zu machen. E» ist die Sprache des Alltags, die er spricht, es sind die - Gesten bcy Alltags, die er gibt. Diese bitterste Realistik wird bet ihm zur höchsten Tragik. Neben ihm wurden aber die Künstler des Neuen Theaters nicht überschattet. Besonders Frl. Sangora als Angele fand echte Töne, nicht niiiider Herr Wallburg als Viktor, wenn auch beide nicht mit der Selbstverständlichkeit, die dem Gaste eigen ist.

Berliner Theaterbrief:Die grünen Pal­men" in den Kammer spielen. In den Kam-mcrftnelen des Deutschen Theaters hat am Mittwoch ein Lustspiel der Herren Robert de Flers und A. G. de Catllavet seine deutsche Uraufführung erlebt. Es hieß in ParisDer grüne Frack", in BerlinDie grünen Palmen", aber sie sind welk und dürr und besitzen nicht einmal jene auch abseits der Kunst willkommenen Gaben, die man als Witz, Uebermut und eine zumindest saubere technische Theaterarbeit gelten lassen könnte. Dies Stück ist kein Lustspiel, sondern eine Posse niebcritcn Ranges: und was den Parisern daran vielleicht lustig erschienen sein kann, ist jedenfalls bei dieser völlig überflüssigen Verpflan­zung nach Deutschland verloren gegangen. Was blieb, ist grob, plump und selbst als theatralische Handwerksarbeit von einer erstaunlichen Aermlichkeit. Wir kennen sie schon alle, diese wesen­losen Schablonengestalten, den alten royalistischen Herzog, der es ablehnt, die'Dame Republik" zu kennen, die Frau, die ihn

Vorbehalten bleibt.

Die beschleunigte Rückreise des Königs der Hellenen.

Wien, 2. Okt. Wie die politische Korrespondenz er­fährt, beabsichtigt der n ig dei.H ellenen,den Tradi­tionen seines Vaters zu folgen, der alliahrlich aus der Durch­reise am Wiener Hofe einen Besuch abzustatten pflegte. Da er g e z w u n g e n ist, seine R ü ck r e i s e z u b e s ch l euni - gen, telegraphierte der König an den Kaiser, day er sein lebhaftes Bedauern ausdrückt, daß die beabsichtigte Jteilf nicht stattfinden konnte.

Die Türkei und Bulgarien.

Sofia, 2. Okt. Die Regierung hat von dem G r o fr Wesir ein Tcl.'gramm erhallen, in welchem er zur Herstellung dauernder und freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Türkei und Bulgarien durch die Unterzeichnung des Frie­densvertrages, sowie zur Wiederherstellung der diplomatn schen Beziehungen seine Glückwünsche ausspricht.

Ministerpräsident Ghenadiew erwiderte daraus: Die Nachricht von der Unterzeichnung des Friedensvertra» qes hat wahre Freude hervorgerufen. Ich beehre Mich, ^hnen aus diesem Anlaß die Glückwünsche der bulgarischen Regie­rung zu übermitteln und dem einigen Wunsche sowie der f e st e n E n t s ch l o s s e n h e i t Ausdruck zu geben, unsere Be­mühungen darauf zu richten, zwischen dem ottomanischen Reich und Bulgarien B e z i e h u n g e n g ut e r Na ch bar­sch a f t sowie a u f r i ch t i g e r, d a u e r h a f t e r F r e il n d- schaft zu schaffen. Auf dieser festen Grundlage können wir die Wohlfahrt und Fortschritte beider Länder und emen. ge­deihlichen Frieden anbahnen.

verschieben. Die griechische Regierung ist sedoch der Ansicht, daß die Jnselfrage nichts mit dem Vertrage zu tun habe, der sachlich bereits abgeschlossen ist. Die übrigen Fragen sind bereits durch formelle Entscheidung der Machte, an welcher nichts änderbar ist, geregelt worden Inzwischen zwingen die Vereinigung beträchtlicher türkischer Streitkraft auf dem Festlande 30 Kilometer von Chios und die Ver­schiebung als Irreguläre verkleideter Druppen die griechi­sche Regierung zu Vorsichtsmaßregeln, um rede Ueberra- schung von selten der türkischen Streitkräfte zu verhindern.

K o n st a n t i n o p e l, 2. Okt. An maßgebender türki­scher Stelle ist man offenbar bemüht, die Verhandlungmi mit Griechenland zu einem günstigen Ende zu fuhren. Die Regie­rung beschloß bereits am Samstag die Demobilisation zu beginnen und in der Wakuffrage, besonders in der Frage der Anstellung von Muftis, Zugeständnisse zu machen, wah­rend die Jnselfrage vollkommen gesonderten Verhandlunger

mit Fleiß und Erfolg betrügt, den Liebhaber, einen jungen Grafen alten Adels, einen eleganten gutmütigen Trottel; und dazu die üblichen Nebcngestalten, sogenannte Akademiker, von denen der eine beschränkter und bümmer ist als der aiwer^ Die neue Nüanee: der Präsident der Republik, bei .Rcinljan. b in der Maske Falliöres gespielt, der sich über sein eigenes Amt lustig macht. Er ist der einzige, bet dem ein Paar bunnd satirische Streiflichter aufblitzten. Schade, datz Schauspieler wie Waßmann, Rosa Bertens und Viktor Arnold ihre Kraft dazu hergeben müssen, solche Rollen der Menschlichkeit zu nahem. Es war ein schlimmer Abend und zudeni, von ben drei genann­ten Künstlern abgesehen, eine sehr tiefstehende Ausftihriing, mr die Richard Ordynski als Regisseur zeichnete. Wir wollen diese Entgleisung übermorgen vergessen haben.

Der Neubau des Detmolder Hoftheaters wird, wie die Bauwelt mitteilt, in nächster Zeit beginnen. Die Hauptarbeit an dem Entwurf stammt von dem Detmolder Archi­tekten Prof. Kuhlmann, dessen Pläne durch einige Abänderungs­vorschläge Bodo Ebhardts ergänzt wurden. Der Sockel des neuen Gebäudes soll noch vor Eintritt der ungünstigen Winterwitterung fertiggestellt werden; zu Beginn der kommenden Spielzeit wird das Haus wahrscheinlich bereits seiner Bestimmung übergeben werden können.

Eine Parallel st raße zum Panamakanal. Unter den weitgehenden Zugeständnissen, die in diesen Tagen von der Republik Columbia der britischen Bauftmia Pearson eingeräumt wurden, befindet sich, wie die Vauwelt mitteilt, auch die Erlcrnbnis für den Bau eines interozeanischen Kanals unter Benutzung des Atrato-Flusses. Dieser Fluß läuft von den Westkordilleren nach Nordosten, zunächst parallel mit der Paeificküste, folgt dann der Landesgrenze und ergießt sich schließlich in die Bai von Danen. Er hat eine Länge von 490 Kilometern. 150 Kilometer davon sind für Seeschiffe und nicht weniger als 400 für Dampfer schiffbar. Zwischen dieser Strecke und der Paeificküste, die dort mehrere gute Buchten aufweist, ist die Entfernung nicht groß, so daß die Vor­bedingungen für einen Kanalbau sehr günstig liegen. Durch den Bau dieses Kanals würde die .Bedeutung des Panamakanals, der durch das Verhalten der iwrdamerikanischen Regiemng in bei Tariffrage bei den feefabrenben Nationen nicht sehr beliebt ist, sehr wesentlich herabgebrückt werden.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft Maxim Gorki erkrankte neuerdings an seinem alten chronischen Leiden. Er wurde in ein Hotel in N e a p e l ge­bracht. Die Aerzte gestatteten ihm nicht, nach Capri zuruck- zukehren.

Spitzbergen und die deutschen Interessen.

Die Spitzbergenfra.ge ist plötzlich wieder aktuell und zum politischen Prvb-lckm geworden. In aller Stille hat eine 'englische Gesellschaft ein Riesenunternehinen zur Gewinnung von Kohlen, Eisen und Marmor auf Spitzber­gen Vorbeveitet und die nun veröffentlichte Gründung bildet 'für die anderen, an Spitzbergen interessierten Nationen 'keine angenehme Ueverraschung. Denn man weis; aus der 'Geschichte, daß Eirgland solchen wirtschaftlichen Gründungen gewisse politische Forderungen auf dem Fuße folgen laßt. 'In der Jahresversammlung der British Assoeiation zu Lon­don im vorigen Monat konnte man schon allerlei darüber hören. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung erklärte der bekannte Polarforscher Dr. Br u e c, die Interessen Gma^ lands auf Spitzbergen ständen in erster Reihe. England habe als erste Nation dort Grubenunternehmungen ins Leben gerufen (das ist richtig, es geschah schon vor sieben oder acht Jahren); die Norweger hätten nur ganz minimale Handels- interessen aus Spitzbergen, nichtsdestoweniger sei ihr Ver- halteii dort so, als wollten sie die ganze Gewalt aus der Inselgruppe an sich reißen, und die norwegische Regrerung Sekunde durch wiederholtes Ausrüsten von Spitzbergen-Ex­peditionen ihren Willeii, sich einen vorherrschenden Einslu,; auf Spitzbergen zu verschaffen. Das brauche sich England nicht gefallen zu lassen, und es sei deshalb an der Zeit, das; England die Inselgruppe (die inygesamt ungefähr so groß ist wie das Königreich Bayern) annektiere, um auf diese Weise die Interessen der englischen ©rubenuntei»

Bei ^vlck^n^Absichten und Aeußerungen ist es l'lar, daß sich England an die Spitzbergen-Konvention der vorjährigen Konferenz, in der SpitzberE soKU,<rgen neu- t rall sie r t wurde, nicht kehren wird. Es ist dies eine be­dauerliche, ab er fast logische F-olge der Tatsache, daß England und die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu allen Spitzbergen-Konferenzen nicht eingeladen wurden, sondern nur immer dienächstbeteiligten" Staaten Norwegen, Ruß­land und Schweden. Auch Deutschland ist im vorigen Jahre in Chrfftiania nich t zu-gezogen worden, und in man­chem deutschen Blatte mußte man lesen, daß day.Deutsche Reich auf dem vereisten Spitzbergen wirklich gar kein ^nter- esse aber ist der Fall. Deutschland hat

auf Spitzbergen bereits ganz bedeutende Interessen. Einmal dadurch, daß es als Ausgangspunkt für die Zeppelin- Expeditionen zur Erforschung der Polargegenden die­nen soll Man erinnert sich der Vorexpedition des Jahres 1910 deren Ergebnisse für dieDeutsche Arktische Zeppelin- Expeditionen" nutzbar werden sollen. Die Expedition hat die Landungs- und Verankerungsverhältnisse der Luftschiffe auf Spitzbergen gründlich untersucht und feftgestellt, das; das Klima des Landes für die Luftschifffahrt geradezu vorzüglich sei Sodaiin hat der bekannte deutsche Forschungsreifende

Die städtische!, Sammlungen in Zriedderg.

eyncnfac unvorhergesehener Verzögerungen muß, wie ,gestern tonn mit"etci(t, Die für ben 18. Oktober 1913 beobsichtiüte ©Öffnung des ^Museums, beä Stadtarchivs und der Stadtbiblio- tbck ebemo wie die in Verbindung damit geplante ^00-Jahr eier der Stadt auf das Frühjahr 1914 verschoben werden. Die stadtt- toen &mmtunqen finb feit Juni 1913 in ihrem neuen X>ejm

nnn hpr Stadt für 35 000 Mark umgebauten Hausergeviert ^^aste 16 (Eingang Pfarrgäßchen) untergebracht. Für und Gestelle'hat die Stadt außerdem 8500 Mark auf- Swnht wozu noch rund 3000 Mark an fieiwilligen.Spenden a^s Kreisen der Bürgerschaft und vonseiten ehemaliger Friedberger ist in Friedberg, dem Herzen der Wetterau, ^^Mittelpunkt geschaffen für die Erforschung der Wetterauer «nb Landeskunde. Alle dem Museum ^fcr Sfroicnor Paul Helmke) zugehendcn Wetterauer Boben- «S'mip Gesäße Armringe, Nadeln, Münzen, Waffen, Gerate; fu.nde. wie ' bgenstäiide, Bilder und Porzellan aus alt- L'Ä JJS?SaÄt obei Gewehre, Säbel, Spieße, Trommeln ^^^n inid Hörner'von verstaubten Speichern werden sachgeniatz Fahnen und ) unfc mit näherer Bezeichnung sowie dem bergeftent, aiüb l)l1crfc[jCU. Dasselbe gilt für die Bestände des und'der Stadtbibliotl)ek (Verwaltung: Oberlehrer Stadtarchiv,.' n ^r ^aS Stadtarchiv umfaßt zahlreiche (Hand-

Urkunden Akten, Rechnungen, Briese Bilder und sck)riftliches Urku /9sc{7ÖrDcn/ Familien, Einzelpersonen Hauser Friedberg loder anderen Wetterauer Ortschaften) und Geschäfte von Fr dv g^^tbjbliothek blircf) großherzige Bezug nehmen uno 3 6000 Bände angewachsen. Sie

^^'ff.nkungcm seit ^mi gebieten: Geschichte. Geographie

enthalt Werke auy aticn i .i Medizin Kunst. Sprach- und Mathematik Natnrw^Miwsophi'e. " Theologie. Erziehung und Literatiirwiisenschafi PIN , PY ^ieqswesen. Handel. Gewerbe Unterricht RccküswM wwas^ unb Salinenwesen. Land-, Forst- und Industrie. Berg '^Efchaftswissenschaft (Familie, Eigentum, und WasserwirtschaftVolksfeste). Finanzwissen- ©tanbe,^^e en, -- I Verkehrsmittel und Anstalten. Pollzei- schast. Volkswirtschaft. Bert^rsmur^^^ Staats- und Verwgl- wissenschaft Gememd cht. Urkunde (Literaturgeschichte, En- tnngs-) Recht. AUgem Wörterbücher, Literarische Zeitschnf- cyclopcwien), Oammellveire, ^^^orwalttmg und Bürgerschaft ten). Bibliothekwissenf^ >o^rfieudigkeit der ruhmreichen Ver- haben somit m filtn Ehrenmal gesetzt. Und so

üS« & »nb j-des Sck>-rflein, noch so Nein, wird mit

Auslarrv.

Steffens Landung in Frankreich.

Die deutsch e Botschaft in Paris erhielt von dem französischen M i n i st e r i u m d e s A e u ß e r n bic Mittei­lung daß Obexleutnant Steffen am Mittwoch die Er­laubnis zur Rückreise nach Deutschland erteilt worden sei Durch die Untersuchung ist arwiesen worden, daß ein Fall von Notlandung vorlag; es sei kein Anhalt für den Verdacht der Spionage erbracht worden.

König Gustav von Schweden, der sich qegenwärttg auf Schloß Skabersjoe aufhält, ist er­krankt Der am Donnerstag von den Aerzten ausgegebene Krankheitsbericht lautet:Der König litt seit einer nn Fe­bruar 1911 vorgenommenen Blinddarrnoperation wiederholt an Schmerzen in der Bauchgegend. Da die Kranklscit in deii

i» ii m. -mmui (armmmmn1111 ..... 11111

Nr. 252

Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich EichenerFamilienbiätter; zweimal wöcl>entl.Urei§- vlatlfürdenrireisEiehen (Dienstag und Freilag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zettjragen Fernsprech - Anschlüsse: WLÄr WL?/ politischen Teil: August

SSSr Eeneml-Anzeiger für Oberhefftn

?'nnä'im wn anjeigen Kofationsittid UN» v-risg 6«Srühl'schtN Unio.Guch' und Steindruckerei R. Lange. Redattian, Sxpeditian und Druckerei- Schlllstratze 7. Land-: E-.d'ch- !ür Id°,i «eschäft-steile vüdingen. S-hnhafstr-tz- Iba.__

Eine griechisch-türkische Krifc.

London, 2. Okt. Reuter erfährt, daß die neuen Forderungen der Türkei, obgleich sie keine Ueber- raschung Hervorrufen, doch in amtlichen griechischen Kreisen als die'Ursache für eine ernsthaftere Gestaltung der Lage angesehen werden. Bei der letzten Verschiebung der Rück­kehr Resch id Beps nach Athen wird mitgeteüt, daß er plötzlich erkrankt sei und durch einen anderen Vertreter ersetzt würde. Gleichzeitig ließ man durchblicken, daß die Tür­kei beabsichtige, die Jnselfrage aufzuwerfen und so die herzlichem Danke gebucht und im Sinne des Gebers zum all­gemeinen Besten verwandt.

Wilhelm Filchu.r im v-ri«. Jahre Spitzb-rgen west. Basis der tüMch-qriechischen V-rh°ndlunqcriv°llst°ndig M östlich durchquert und außeroroantlich wichtige Erfahrungen 1 gesammelt. Er untersuchte auch jene erste Bergwerksansiede- > lung der Engländer inAdvent-City", wo 1906 bis 1908 re- ges Leben herrschte, bis sich herausstellte, daß eine mächtige ' Gesteinswand zwischen den Kohlenschichten lag, die dre Ren- , tabilität des Unternehmens in Frage stellte; in fluchtartiger Eile wurde damals der Ort verlaffen, den Filchner und feine Gefährten in ödem, aber noch mit allen Anzeichen früheren Lebens erfülltem Zustande fand. Drittens hat sich erst ganz kürzlich eine deutsch-norwegische Gesellschaft zur Ausbeutung der reichen Kohlenseldcr bei Green Harbour mit einem Kapital von 19 Millionen gebildet, und es ist geplant, mit deutschem Gelde und deutschen Ni a s ch i n e n nach G o l d u n d M a r m o r auf Spitzbergen zu graben. Endlich interessieren sich auch deutsche Behörden für die Verhältniffe aus Spitzbergen. DieStaatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen" betrachtet den Natur­schutz auf Spitzbergen als eine wichtige Aufgabe interna­tionaler Vereinbarung und hat wiederholt Anregungen in dieser Richtung gegeben, allerdings nicht über das Auswär­tige Amt, sondern durch direkte Korrespondenz mit den Re­gierungen von Norwegen, Rußland und Schweden.

Wichtiger als die für Spitzbergen doch etwas platonische Naturschutzfrage wäre jetzt das politische Interesse der Re­gierungen, auch der deutschen Regierung, weil cbem ttne ausgeführt, deutsche Interessen heute zweifellos auf Spitz­bergen auf dem Spiele stehen! In den letzten Monaten haben sich die öffentlichen Zustände auf Spitzbergen,, die schon fett langem unbefriedigend waren, noch weit ungünstiger geitol^ tot. Der Vertreter einer Minengefellfchaft, der aus Spitz­bergen deutsche Vorarbeit geleistet hat, schildert uns die dort herrschenden Verhültiiisse als geradezu anarchistisch. Tie Am- eignung und Ausbeutung verschiedener Kohlengruben durch fremde Unternehmer hat den Zufluß eines sehr gemischten Proletariats zur Folge gehabt, das sich untereinander Nicht verträgt und in ständiger drohender Feindschaft nut dem Unternehmer steht. Die Arbeiter stellen außerordentlich hohe Lohnforderungen, was man bei so ungewöhnlichen Lebens­bedingungen ja verstehen kann, wenden aber zur Erzwin­gung ihrer Ansprüche brutale und rechtswidrige Gewalt an. Ganze Faktoreien wurden ausgeplündert und verwüstet, ohne daß man gegen die Friedensbrecher einschreiten konnte, da es ja noch keine mit den nötigen Machtmitteln ausgestattete 1 Staatsautorität gibt. Man wird daher in politischen Kreisen ' zu der Erkenntnis kommen, daß zur Regelung der Rechtszu­stände auf Spitzbergen auch und gerade im deutschen Inter­esse etwas geschehen muß. Die Deutschen, die die Gewässer ' Spitzbergens mit ihren schönen Schiffen und vielleicht bald ; auch mit Luftschiffen befahren, die Geld, Arbeit und Kultur ' dorthin tragen, haben einen Anspruch auf politische Ver­tretung ihrer Interessen. Man wird in der Berliner Wil- 5 helmstraße einen AktSpitzbergen" anlegen müssen.