Rechtsanwalt fern, tote Sie!) Jin Interesse der inneren Kolonisation und der Gesundung de? GütermcrrttcZ sind wir dafür, daß die Fideikommißbildinig nur auf Güter beschränkt wird, die seit 50 Jahren in derselben Familie sind. Für die Waldwirtschaft ist die Fideikommitzwirischast unentbehrlich. Der Großgrundbesitz ist eine Notwendigkeit, er muß erhalten werden. Unser Ziel isi: Eine gesunde Mischung der ein- 3einen Besihklafsen. Der ganze Antrag ist nur ein Schauftück der fortschrittlichen B o l k s p a r t e i. Das Institut der Fideikommisse ist so festgegründet, daß eö auch durch die heutigen Verhandlungen nicht erschüttert werden wird.
Abg. Dovc (Vp.)S
Den Ausdrtlck „Schaustück" weisen wir zurück. Hier liegt bei Herrn Dietrick wohl eine Jdeenverbindung mit den Anträgen seiner eigenen Partei vor. Das ganze Thema schien ihm nicht, sympathisch zu sein, denn er war auffallend unsicher. Die Wirt- schaftlichen Hauptfragen sind jetzt: AolkZernährung und innere Kolonisation, Sie können aber nur gelöst luej=. den, wenn der Besitz nicht gebunden wird. Jeder sollte nur sovLt Grundbesitz haben, als er selbst bewirtschaften kann. Das Eingreifen des Reiches ist notwendig, denn die Widerstände in den Einzelstaaten sind zu stark, um überwunden zu werden.
Abg. Bernstein (Soz.):
Die große Mehrheit des Hauses und des Volkes ist für den Antrag. Es kann sich hier nicht darum bandeln, Besonderheiten zu schonen. Wir bezeichnen es als geradezu beschämend, daß der Reichstag sick mit dieser Materie noch beschäftigen muß. DaS Anwachsen der Bevölkerung macht das Problem noch schwieriger.
Die Aussprache schließt. Der Antrag wird gegen die Stimmen der gesamten Rechten und des Zentrums a ngenommc n.
Donnerstag 2 Uhr: Rechnungssachen, Wahlprüfungen, Schluß 6% Uhr.
Dsur-cbes NeZetz.
Eine Denkschrift
über die E n 1 w i d I n n g der nebenbahn- ähnlichen Kleinbahnen in Preußen und Nachweisungen, betreffend die vom Staate aus dem Fonds zur Förderung des Baues von Kleinbahnen gewährten Beihilfen ist im preußischen Abgeordnetenhause aus gegeben worden. Nach der Denkschrift betrug die Streckenlänge der *299 genehmigten Bahnen 10154 Kilometer (im Borjahre 9805 Kilometerj. Im Betriebe befanden sich 0655 Kilometer. Tie meisten Kleinbahnen haben Brandenburg, Ponrmern und Schleswig-Holstein. Tas Anlagekapital der genehmigten nebenbahnähnlichen Kleinbahnen T>at sich von 610 783 778 Mk. im Jahre 1911 auf 640 64*2 867 Mark im Jahre 1912 erhöht.
Der Konservative Verein für den Kreis Wetzlar
hat einstimmig beschlossen, für die bevorstehende Landtags- Wahl den Gutsbesitzer Franz von. Bodelfchwingh- Schwarzenhasel als Kandidaten aufzusrellen. £>err v. Bodelfchwingh ist im Jahre 1862 zu Krofdorf geboren als Sohn des damaligen Oberförsters, eines Bruders des Begründers der Anstalt Bethel bei Bielefeld.
Ausland.
Ein schlechter Aprilscherz in Frankreich.
Tie Staatsanwaltschaft von Reims hat gegen ein dortiges Blatt eine strafrechtliche Untersrnhung toegen Verbreitung beunruhigender falscher Nachrichten emgdeitet, weil dieses als April scherz die Meldung gebracht hatte, bafö ein Zeppelinluftschiff infolge eines Schraubendefektes gezwungen gewesen sei, in der Nähe von der Stadt zu landen. Infolge dieser Meldung batten sich nach der von dem Blatte bezcickmeten Stelle Tausende von Menschen zu Fuß unb zu Wagen begeben, die über diese Mystifikation sehr entrüstet waren.
Eine neue Eisenbahn in China.
Die chinesische Regierung hat beschlossen, im! Jangtsetal von Pu kau nach Singang an der Bahnlinie Peking—Hankau eine Bohn zu bauen. Tie Konzession für diese Strecke war im Jahre 1898 einem britischen Syndikat verliehen worden. Tie Strecke wird 2 6 0 englis che Meilen lang sein. Tie Kosten werden auf 40 Millionen Mark geschätzt. Die kürzlich vollendete Bahn von Tsingtau nach Pu kau weist sehr befriedigende Einnahmen auf, sowohl aus dem Passagier- wie aus dem Frachtverkehr.
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Ans Stadt und Land.
Gießen, 3. April 1913.
** Bahn-Personalien. Gütervorsteher Diehl wurde von Herborn nach Hanau, Eisenbahn-Sekretär Bernstein von Fulda nach Darmstadt zur Berkehrskontrolle 2, Bahnmeister Kayser von Altenstadt nach Heldenbergcn- Windecken, Oberbahnafsistent Strehlow von Dillenburg nach Dülmen, Eisenbalmassistent Schaaf von Haiger nach Gönnern als Bahnhofs-Verwalter, Eisenbahn-Praktikant Schwab von Bebra nach Fulda, Lokomotivführer Zober von Schotten nach Hanau, Lokomotivheizer Schmidt 3. von Frankfurt nach Schotten und Bahnhofs-Verwalter Vom end von Gönnern nach Wetzlar versetzt.
** Aufgefunden wurd e gestern morgen von zwei jungen Burschen in einem Garten an der Lahn ein leb e n - des neugeborenes Kind. Die unnatürliche Mutter, die das Kind gleich nach der Geburt dorthin gebracht hatte, wurde ermittelt. Mutter und Kind mußten zunächst der Frauenklinik übergeben werden.
** Einem Betrüger fiel ein hier zugereister S chn ciderg es e l l c in die .Hände. Er hatte sich einen .Handwerks bursch en von der Herberge aus zum Transport seines Koffers angenommen. Unterwegs ttehrten beide ein und ließen zunächst den Koffer in der Wirtschaft stehen. Als ihn der EiLentümer später abholen wollte, hatte ihn der Handweri'sbursche unter falschen Angaben bereits abgeholt und war damit verschwunden.
** Die Ausstellung s ri r G e s ch ä f t s b e d a r f und Reklame vom 10. bis 20 April in der Festhalle in Frankfurt a. M. soll, wie schon ihr Name andeutet, auch der Reklame Gelegenheit geben, sich als Ausstellungsgegenstand zu zeigen. Derartige Versuche sind schon mehrfach unternommen worden, aber mit nicht gerade überwältigendem Erfolge. Es kann erwartet werden, daß sich die ^Frankfurter Ausstellung auch in dieser Beziehung von ihren Vorgängerinnen vorteilhaft unterscheidet! wird. Der Verein Deutscher ReÄamefachleute, ein Verein, der etwa 1000 Mitglieder in allen Teilen des Reiches besitzt, wird im Rahmen der allgemeinen Ausstellung eine allgemeine Reklame- Ausstellung veranstalten. EMsprechend der Art seiner Mitglieder wird sich diese in eine Abteilung für Reklamehersteller und Reklaineverbraucber gliedern, deren eilte Erzeugnisse der vervielfältigenden und sonstigen Reklame-Industrie enthalten wird, während die andere an hervorragenden Beispielen zeigen wird, wie viclseilig die Möglichkeiten sind, die sich heute deut Reklame mucksenden Großbetriebe bieten, und wie sich Kunst und Kunstgewerbe intincr mehr dieser, häufig so verschrienen, Erscheinung unseres modernen Wirtschafts- und Berkehrslebens angenommen haben. Ta die Vereinsleitung sich das Recht Vorbehalten hat, Ausstellungsgegenstände, die ihr ungeeignet erscheinen, zurückzuweisen, so darf man hoffen, daß die ^aminelausstellungen aus einem hohen Standpunkt stehen und für Laien und Fachleute einen be- fonberen Anziehungspunkt bilden werden.
Kreis Büdingen.
H. Büdingen, 1. April. Gemeind eratssi tzung. Anwesend Bürgermeister Fendt, Beigeordneter Dotter und zehn Gen einderatsmitglieder. Als Vertreter des Fürsten Stammet» direkt', r Dr. Weimer. Feuervisitator M e n s e r war um Erhöhung seiner Gebühren eiugekornmeu, die zurzeit 3 Mark täglich betragen. Ter Gemeinderat erkennt an, daß dieser Betrag den heutigen Verhältnissen nichr mehr entspricht, kann aber eine Erhöhung nid:r kurzer Hand bestimmen, da die Gebühren gesetzlich festgelegt sind. Es wird beantragt, dein Gesuchsteller eine Zulage von 2Mk. täglich zu gewähren. Die Mehr bei! ist dagegen, da das Amt eines.'Fcucrvisitators als Nebenbeschäftigung ausgeübt wird, außerdem wird mugeteüt, daß nur 4 Tagesstunden für eine Tagfahrt verwendet würden. Es wird eine Zulage von 1 Mark genehmigt. — Von der Aufsichtsbehörde war angefragt worden, ob es sich nicht empfehle, die Gemeindesteuer in sechs Ziele n statt wie scithkr in vier Zielen zu erheben. Tie Versainiulung erklärt iid für den seitherigen Brauch. — Lehrer Hofmann sucht um Ueberlassung eines st ä d t i s d> e n Gelände st reife ns nach, der durch Anlegung eines offenen O-lrabenS an seinem Anwesen entstanden ist. Ter Gemeinderat ist bereit, das Grundstück für 2 Mark für den Quadrarmetcr zu verkaufen. — Zur B ahn- frage Hanau — Büdingen war Kreisrat B ö ck m a n n anwesend. Er teilte mit, daß die hauptsächlich interessierten Gemeinden bereit wären, 40 Prozent der Kosten zu Gunsten der Stadt Büdingen zu übernehmen. Hiernacb würde die Stadt, wenn sie mit 11 Proz. herangezogen würde, etwa -12 000MH, wenn sie mit h? Proz. heraugezogen würde, etwa 72 000 Mk. zu leisten lyabcn. Auch jetzt noch siehr inan dem Projekt ablehnend gegenüber, cs wird uberlwupt starl bezweifelt, ob die Balm rentieren werde, da die Gesellsdrafl mit nur 2 Prozent Rentabilität redmet. Mit Recht wird die Frage aufgeworfen, was es geben soll, wenn die Bahn nickst rentiert, wie bestimmt zu erwarten ist.» Eine Befehl.chsassung kömmt nicht zustande. Tie Gerneinderatsrnitgliedcr wollen sich nochmals über das Interesse der Gemeindeangehörigcn, nament- lick) der Gewerbetreibenden, verlässigen. — Von dem Gewerbe- Verein Büdingen und der fürstlichen Rentkammer lag ein Gesuch um Zulassung des Elektrizitätswerks in der Stadt Büdingen vor. Mehrere Gemeinderatsmitglieder sind der Ansicht, daß durch die Einführung der Elcttrizirät dem städtischen Gaswerk Konkurrenz geschaffen würde. Gemeinderat Methfessel bekämpft diese Ansicht und ist für Einführung des elektrischen Lichtes, namentlich im Interesse der Gewerbetreibenden. Nach längerer Beratung wird mit geringer Mehrhttt besdstossen, daß den Bewohnern der Stadt Fragebogen zugestellt werden, um! festzustellen, ob die Einführung gewünschl wird. Tie, Beantwortung soll nicht bindend sein. — Auf ein Gesuch einiger Grundbesitzer wird die K a nal i s i e ru n g int Gebückweg beschlossen. Die Kosten betragen 700 Mark. - Einem hiesigen Einwohner Ivar durck) unerlaubtes Fehlen feiner Kinder in der Schule eine Strafe von über 3 Mark p- erkanm 'roorben. Er bat gegen bic Beitreibung Einspruch erhoben. Im Inrcrcsie ber Schuldisziplin glaubt ber Gemeinderat, auf Einziehung ber Strafe bestehen zn müssen und beauftragt die Bürgermeisterei, das Erforderliche zu veranlassen.
+ Bii b i n g e n, 2. April. Wie gefährlich das £) a n t i e r e n 111 it Schußwaffen ist, zeigte wieder folgender Vorfall: Zwei 15jährige Knaben von Büdingen hantierten mit einem Tesching, er entlud sich und die Ladung drang dem 15jährigen Schreiberlehrling Herbert von Büdingen in den Unterleib. Die Kugel mußte durch Prof. Böttcher entfernt werden. Das Befinden ist besorgniserregend. — An demselben Tage wurden wieder drei Operationen im hiesigen Spital ausgeführt, darunter zwei Blinddarmoperationen. — Tie Fürstlich Isenburg - Büdingensche Fideikommiß-Verwaltung kaufte am letzten Montag die Erbacher Mühle nebst Liegenschaften für den Preis von 93 000 Mk.
Kreis Alsfeld.
A Ober-Seibertenrod, 2.April. Die Gruppenwasserleitung unserer Ohmtalorte rückt ihrer Verwirklichung entgegen, so daß man ihre Indienststellung im Spätherbst ermatten kann. Auf der jüngsten Versammlung zu Nuppettenrod wurde beschlossen, Ober- und Unter-Seibettenrod, Ober-Ohmen, Nuppettenrod und Wettsaasen zu einem Gruppenwerk zu vereinigen. DaS Wasser soll von Rebgeshain bezogen werden. Dott befinden sich auf einer Wiese, die im Privat- bcsitz ist, zahlreiche äußerst ergiebige Onellen. — Ein hiesiges größeres Gut, dem verstorbenen Johannes Appel gehörend, ging an einen ouswättigen Käufer für den Kaufreis von Mk. 30 000 über. Das tote und lebende Inventar kostete dazu noch Mk. 5000 besonders.
n. Groß-Felda, 2. April. Die für heute anberaumte Stichwahl zur Bürgermeisterwahl gestaltete sich insofern sehr einfach, al§ ber eine Kandibat vor ber Wahl zurücktrat. Außer wenigen zersplitterten Stimmen erhielt ber zweite Stichwahlkandibat, Gutsbesitzer Otto Völzing, sämtliche abgegebenen Stimmen und ist somit endgültig gewählt.
--Vadenrod, 1. April. Augenblicklich ist man damit beschäftigt, ein Eisenerzlager abzubauen. Es waren Her-ren aus Schotten hier, um das Ab bau selb zu untersuchen. Das Lager befindet sich in der Nähe des Kugelberges.
Kreis Lauterbachs
^Lauterbach, 2. April. Das Ministerium des Innern hat die von dem Gemeinderat beschlossene Erhebung einer Filial steuer für Lauterbach genehmigt. Es werben erhoben: von einem Umsatz von 1000—50 000 Mk. = 1 Proz., von 50 000—100 000 Mk. = l1/, Proz., von 100 000 bis 200 000 Mk. ----- 2 Proz., von einem Umsatz über 200 000 Mk. — 2V2 Proz. ©eroerbetreibenbe, bic im Geineinbe- bezirk Lauterbach, ohne in ihm ihren Wohnsitz oder Hauptbetriebssitz zu haben, Verkaufsstellen ober Lager unterhalten, von benen aus Waren aller Art zum Verkaufe abgegeben werben, sind zur Zahlung ber Filialsteuer verpflichtet.
= Wallen rod, 1. April. Das achtjährige Söhnchen des Landwirts Z. fiel von einer Leiter in die Scheuertenne und zog sich er liebliche Verletzungen zu.
Kreis Schotten.
-- Sellnrod, 1. April. Nach dem Vorschlag des Tenkmalpflegers ist nunmehr die Erneuerung unserer Kirch c beschlossen worden. Die mit reichen Holzslulpturen geschmückte Fachwerkskirche stammt aus dem Jahre 1690 und wird von Fremden und Kunstfreunden vielfach ausgesucht.
Kreis Friedberg.
r. Reichelsheim, 2. April. Die schon seit etwa 20 Jahren bestehende Sonntags-Zeichenschule wurde auf den Dienstagnachnnttag verlegt. Mit diesem Unterricht ist feit dem 1. April ein gewerblicher Fortbildungsunterricht verbunden. 40 Schüler besuchen ihn. Sie sind vom Besuche der obligatorischen Fortbildungsschule befreit.
Starkenburg und Rheinhessen.
im. Darmstadt, 2. April. Heute hat sich hier eine Vereinigung, ber „Freunde bc§ hum anistischeu
Gymnasiu ms" gebildet. Zur Begründung wird an- geführt, daß trotz des anscheiuenden Friedens mit den Gegnern ber humanistischen Gymnasien doch nach wie vor heftige Angriffe erfolgen, die dem Ansehen des hiesigen Gymnasiums schaden ’unb dessen weitere Entwickelung gefährden müssen.
(RB.) Mainz, 2. April. Ein Automobils rebel ist auf der Staatsstraße zwischen Mainz- und Bingen glücklich verhindert worden. Ein Tarmstädter Automobil mit fünf Herren fuhr dort äbeud-s gegen 8 Uhr ab. Als es die Strecke zwischen Ober-Ingelheim und Wackernheim Passierte, wo gegenwärttg für die Fprtifikation Mainz eine Wasserleitung gelegt wird, war etwa 50 Meter von heu Erdr oibeiten entfernt ein zwölf Meter langes^ gußLisarnes Wasserleitungsrohr quer über die Straße gelegt, durch das die Fahrbahn und der Fußweg vollständig versperrt wurden: dazu waren die Laternen zum Teil ausgelöscht. Nur durch das ruhige Fahren und das rechtzeitige scharfe Bremsen wurde ein Unglück verhütet, denn es gelang dem Chauffeur das Auto zum Stehen zu bringen, nachdem die Vorderräder bereits über das Rohr hinweggasprungen waren. Von dem Vorfall ist der Staatsanw'altsck)ast Anzeige erstattet worden. Mit Rücksicht darauf, daß sich in letzter Zeit derartige Delikte häufig iviederholen, hat ber hessische Automobilklub für die Ergreifung der Tater eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt.
veretnrnachrichten.
— Hörnsheim, 3. April. Nädisten Sonntag findtt in der Traube eine Zusammenkunft ber ehemaligen LÜtzower statt wegen Befpred'nng der Hundertjahrfeier des Regiments. — Am Mend vorher findet im gleick)en Gasthaus eine Versammlung des Kriegervereins statt. Lehrer Steil aus SUein-Linben hält einen Borttag über „Deutschland vor hundert Jahren^.
** Zuchtvlehauktion Alsfeld. Am 30. Mai veranstaltet der Landwirtschaftskammerausschuß für Ober Hessen in Alsfeld eine Zuchtoiehauktion, auf der Simm eu täte r Bullen, Edelsdiwein- und Landsditoeineber zur Versteigerung gelangen. Zugelassen werden in erster Linie nur Züchter aus den Kreisen Alsfeld, Lauterbadi und Sdwttcn. Zück)- trr aus den übrigen Kreisen können zwar bic Lluk-ion auch beschicken, aber sie können, falls ihre Tiere aus der Auktion unverkauft bleiben, keinen Anspruch auf Weggebühren erheben: im Verkaufsfalle bi'auchen sie natürlidy and) keine Verkaufsgebühren zu enttichten. Die Züdstcr aus den erstgenannten Kreisen erhalten im Nidstvcrkaufsfalle für 1 Bullen pro Wegstunde 3Mk. und für 1 Eber 1 Mk. Wcggebühr. Als Höchstbettag werden bei Bullen 10 Mk. und bei Ebern 3 Mk. gewährt. Falls ein Tier verkauft wird, so ist von dem erzielten Preis 1 Proz. als Verkaufsgebühr an die Auktionskasse zu entrichten. Außerdem werden bei Ucberbiettmg des Ausgebotspreises 10 Proz. von dem Mehrerlös erhoben; dies erfolgt im gebenen Falle auch bei Auktionsbeschickcrn der letztgenannten Streisc. Die aus Mehrerlös erhobenen Gelder erhalten die Züchter für die Tiere, die unverkauft bleiben, noch neben der erwähnten Weggebühr als tociterc Entschädigung: der Gesamtbetrag wird aus die Tiere ausgcschlagen. Zur *Auktion werden nur solche Tiere zugelassen, die in die Herdbücher des Laudwirtsdwitskammerausschusfes eingetragen sind und von angeförten Eltern ab stammen. Züchter, die die Aukttoit beschicken wollen,, müssen ihre Tiere beim Vertrauensmann ihres Ottes oder direkt beim Landtoirtschastskamnier- ausschnß in Gießen bis spätestens den 15. Mai anmelden. Die angemeldeten Bullen und Eber toerben in einem Katalog zu- sammengestellt, der auf Wunsch vom Landwirtschaftskammcraus- sdj,uß kostenlos zugesandt wird. Damit and? wirklich gutes Material zur Versteigerung gelangt, werden die Tiere kurz vor der Versteigerung von einem ^lnssdmß bcgntad)tct. Nicht geeignetes Zuchtmaterial wirb von der Versteigerung ausgesd>lossen. Deii Staufliebhaberu ist vor der Versteigerung Gelegenheit geboten, sid) die Bullen und Eb^r anzusehen. FrciNndigcr Verkauf an dem Tag der 9Iuttion ist untersagt. Tie Ankörung der Tiere findet kostenlos statt. Den Gemeinden ist auf der Auktion eine günstige Gelegenheit zum Erwerb von gutem Zuch-ttnatettal geboten und es kann ihnen empfohlen werden, die Auktion zu besuchen.
lürebe und Schule.
Die schweizerische Volksschule
besteht aus der Primär- und Setnndarschu'le. Im Jahre 1910 gab es 4704 Primarschulen mit 538 286 Schülern, die von 4704 Lehrern und 7401 Lehrerinnen unterrichtet wurden. Auf eine Lehrkraft entfielest int Durchschnitt 44 Schüler. Die Ausgaben für einen Schüler betrugen 41 Fr. (in Schwyz) bis 274 Fr. (Basel-Stadt). Sekundarschulen gab es 652 mit 1695 Lehrern und 357 Lehrerinnen und 56 "103 Schülern. Die Klasse zählt im Durchschnitt 25 Schüler. Die Ausgaben betrugen für je einen Schüler 20 Fr. (Nidwalden) bis 215 Fr. (Glarus). Die Höchstzabl ist 'in den einzelnen Katttonen sehr verschieden: sie schwankt zwischen 40 (Genf) und 80 (in etwa 6 Kantonen). Die Gehälter sind sehr verschieden. Im Stan ton Zürich beträgt bas Anfangsgehalt für Primarlehrer 1800, für Sekundarlehrer 2500 Fr., das End geh alt 2100 bezw. 2800 Fr. nebst freier Wohnung oder enl-sprechendör Entschädigung. Das sind die Minimalsätze. Die größeren Städte gehen weit darüber hinaus. Ter Unterricht beginnt mit dem vollendeten sechsten (tu 12 Kantonen) ober siebten (in 13 Kantonen) Jahre. Die Schulzeit beträgt 6, 7, 8 und 9 Jahre. In einigen Kantonen sind teils fatttltative, teils obligatorische Relrutenvortttrse eingerichtet. Fortbildungsschulen rnit zwei- bis vierjähriger Dauer sind in alten Kantonen eingerichtet, in einzelnen Kantonen auch fegen. Ergänzungsschulen mit meist zweijähriger Dauer. Die Fort- bilbungsschnlen sind teils obligatorisch, teils fatultativ.
Der Staümannprozetz.
4 Berlin, 2. April.
In der fortgesetzten B e w e i s a u f n a h nr e wurde ber frühere Forsttkferendar BergeN vernommen, der aus^ der Straf- ftaft vorgefuhrt wird, weil er wegen verschiedener Hochstapeleien eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen hat. Ter Zeuge behauptet, er fei geprüfter Oberförster-Kandidat a. T. und bekundet, er habe in Nizza der: Stallmann unter dem Namen eines.Barons Korff-König kennen gelernt. Mit ihm-und mehreren anderen, darunter dem Engländer Newton habe er auch einmal gespielt und dabei 3000 Mk. bar und 9000 Mk. unbar verloren. Später habe er aud> den Niemtta kennen gelernt. Niemeta fei auf Stall- mann, Bujes und die anderen Spieler sehr erbittert gewesen: cs ist dem Zeugen so vorgekommen, at5_ ob Stallmann von diesen Leuten abhängig gewesen wäre. Er sagte u. a. einmal: Wenn ick dock bloß von diesen Hunden losrommert könnte. Sic können sid; gar nicht denken, ivas irf> alles von ihnen ausgestanden habe." Niemeta habe weiter erklärt, daß Stallmann ein Falschspieler sei. SlaUmann hätte außerdem Glück durch den Besitz eines Z a u b e r r i n g e s „A l a d i n mit der WunderlamP c" (!), den er aus Aegypten mitgebracht hätte. Ter Zauberring sei ihm bei Mondsdiein an der Sphinx übergeben worden. Mit Hilfe dieses Ringes sei cs ihm möglich, die Karten zu lesen. Beim Hamburger Derby habe Niemcla ihm gesagt, daß Leutnant v. Tippe bei einem Spiel an Bujes 80 000 Mk. verloren habe. Nicrncla habe weiter erzählt, er habe einmal mit Tippe falfd) gespielt. Der


